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Information

Fachaustausch Wasserkraft 2019

Am Donnerstag, den 10.09.2019 fand der diesjährige Fachaustausch Wasserkraft in Finnentrop statt. Insgesamt 60 Interessierte haben an der Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke NRW (AGW NRW) teilgenommen. Das Programm gliederte sich in Vorträge und einen Exkursionsteil. 

Stand und Perspektiven der Erneuerbaren Energien

Als erstes hat Reiner Priggen, Vorsitzender des Landesverbandes Erneuerbare Energien NRW, zu „Stand und Perspektiven der Erneuerbaren Energien vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entwicklungen auf Landes- und Bundesebene“ vorgetragen. 
Dabei hat er auch die Rolle der Wasserkraft in der Energiewende hervorgehoben. Er machte deutlich wie dringend der Handlungsbedarf ist, die Potenziale der erneuerbaren Energien in NRW auszuschöpfen, um eine nachhaltige Energieversorgung zu gewährleisten und das Klima zu schützen. Um sich die Folgen des Klimawandels bereits heute bewusst zu machen, verwies er auf die gravierenden Schäden in den deutschen Nadelwäldern, die aktuell für jedermann sichtbar sind. 

Sektorenkopplung 

Im Anschluss daran berichtete Klaus Brunsmeier, Mitglied im Bundesvorstand des BUND e.V., über „Wasserkraft, Photovoltaik und Elektromobilität – Erfolgreiche Verbindung regenerativer Energien vor Ort“. Dabei stand das Projekt Heesfelder Mühle in Halver im Märkischen Kreis im Vordergrund, an dem Herr Brunsmeier persönlich beteiligt ist. 
Hier ist in den letzten Jahren ein Zentrum für Naturschutz und Kulturlandschaftspflege entstanden. Neben der Nutzung der Wasserkraft an der Heesfelder Mühle gehört das Wasserkraftwerk am Sessinghauser Hammer zum Verein. Seit 2014 gehört ein Elektroauto dazu, welches mit dem Hinweis „Ich fahre mit Strom aus Wasserkraft vom Wasserrad der Heesfelder Mühle“ durch die Straßen fährt. Auch im Bereich Windenergie ist der Verein über eine Beteiligung am Bürger-Windrad Schalksmühle tätig. Neben der Nutzung der Biomasse ist der Verein weiterhin im Bereich der Photovoltaik aktiv. So konnte an mehreren Halveraner Schulen eine Photovoltaikanlage installiert werden. Diese Anlagen sollen als Multiplikatoren für den weiteren Ausbau der Photovoltaik dienen. 

Aktueller Stand zur Wasserkraftnutzung in Nordrhein-Westfalen

Über den aktuellen Stand der Wasserkraftnutzung in Nordrhein-Westfalen informierte Stefan Prott vom Themengebiet Wasserkraft der EnergieAgentur.NRW. Er erläuterte, dass die Konsultationen zur EU-Wasserrahmenrichtlinie abgeschlossen sind. Als Kernergebnisse konnte festgestellt werden, dass die EU-Wasserrahmenrichtlinie zwar inzwischen in allen Mitgliedsstaaten in nationales Recht umgesetzt wurde, sich der Zustand der Gewässer zwischen den Bestandsaufnahmen im Jahr 2009 und 2015 aber kaum verbessert hat. Dabei wird das Verschlechterungsverbot weitestgehend eingehalten. Allerdings sorgt die „one-out-all-out-Regelung“ dafür, dass die jeweils am schlechtesten bewertete Komponente die Gesamtbewertung bestimmt.
Abschließend kann aber gesagt werden, dass der Zustand der Gewässer ohne die europäische Wasserrahmenrichtlinie deutlich schlechter wäre. Ob die Ziele bis 2027 erreicht werden können, ist aber fraglich. Eine Weiterentwicklung der EU-WRRL über 2027 hinaus unter Berücksichtigung energie- und klimapolitischer Zielsetzungen wäre aus Sicht der Wasserkraft zu begrüßen.

Bezüglich Fördermöglichkeiten verweis Herr Prott nochmals auf die Förderrichtlinie progres.nrw – Markteinführung, die auch die Stromerzeugung aus Wasserkraft fördert. Zur Förderung von Maßnahmen zur Zielerreichung der Wasserrahmenrichtlinie dient die Förderrichtlinie Hochwasserrisikomanagement und Wasserrahmenrichtlinie (HWRM & WRRL). Das Umweltministerium setzt sich weiterhin dafür ein, eine separate Förderung für Durchgängigkeitsprojekte auf den Weg zu bringen. 
Die Förderung der Stromerzeugung aus Wasserkraft wird weiterhin durch das EEG gefördert. Abzuwarten bleibt, wann das EEG in Bezug auf das Urteil des europäischen Gerichtshofes angepasst wird, der die Einstufung des EEG als Beihilfe verneinte. Die Überarbeitung des EEG sowie der EU-Wasserrahmenrichtlinie sind für 2020 geplant. Außerdem befindet sich das Landeswassergesetzt (LWG) zurzeit in der Novellierung. 

Mobiles Schlauchwehr.
Foto: Kreutzadler
Mobiles Schlauchwehr.
Foto: Kreutzadler
Kraftwerk Lenhausen

Abschließend berichtete Christian Heitefuss vom Ruhrverband über die derzeit laufende Sanierung der Wehranlage in Lenhausen. Die denkmalgeschützte Wehranlage ist bereits 90 Jahre alt und staut die Lenne zum Lennesee auf. Von dort aus wird das Wasser über einen 2,2 Kilometer langen Obergraben zur Wasserkraftanlage Lenhausen geleitet, wo die Energie des Wassers von zwei Turbinen mit einer installierten Leistung von 1,4 MW in elektrische Energie umgewandelt wird. Zur Erhaltung des Fließgewässercharakters wird am Stauwehr eine Mindestwassermenge abgegeben. 

Wasserkraftwerk Lenhausen.
Foto: Kreutzadler
Wasserkraftwerk Lenhausen.
Foto: Kreutzadler
Da die Wehranlage über keine Revisionsverschlüsse verfügt, musste eine innovative Lösung gefunden werden, um die Sanierung durchzuführen: der Einsatz eines mobilen Schlauchwehres. Dabei handelt es sich um einen mit Wasser gefüllten Kunststoffschlauch, der die Funktion des Walzenwehrs in der Zeit der Revision übernimmt. 
Um den Schlauch zu verlegen, musste der Lennesee zunächst abgesenkt werden. Nachdem die beiden Wehrfelder trockengelegt waren, konnten die beiden 25 Meter langen Schläuche verlegt und mit Wasser befüllt werden. Der Durchmesser eines gefüllten Schlauchwehres beträgt ca. zwei Meter. Durch das Eigengewicht, liegt das mobile Schlauchwehr direkt auf der Gewässersohle. Dass der Einsatz funktioniert zeigte sich beim Wiederaufstau des Lennesees: das Wehr hält dicht und die beiden Wehrwalzen konnten ausgebaut werden. Mit einem Schwertransport wurden die 22 Meter langen Wehrwalzen zur Revision in eine Werkshalle gebracht. 

Durch die Maßnahme ergeben sich nur geringe Beeinträchtigungen für Flora und Fauna im und am Lennesee. Auch Anwohner profitieren von dem geringeren Baustellenbetrieb in Finnentrop. Der Betrieb des Wasserkraftwerks musste nur für wenige Tage eingestellt werden.  Der Wiedereinbau der Wehrwalzen ist für das Jahr 2020 geplant. Anschließend folgen weitere Maßnahmen wie der Bau einer Fischaufstiegsanlage, die Sanierung von Ufermauern und Obergraben sowie der Umbau der Rechenanlage. 

Im Anschluss an die Vorträge konnte das Wehr in Lenhausen sowie die Wasserkraftanlage besichtigt werden. 

Kugelschieber der 70 MW-Pumpturbine.
Foto: Kreutzadler
Kugelschieber der 70 MW-Pumpturbine.
Foto: Kreutzadler
Strom in Sekunden – Besichtigung des Pumpspeicherkraftwerks in Rönkhausen

Interessierte Teilnehmer konnte bereits einen Tag vorher an der Besichtigung des Pumpspeicherkraftwerks Rönkhausen teilnehmen. Das von der mark-E und der STAWAG betriebene Kraftwerk besteht aus einem Oberbecken und einem Unterbecken. Durch einen unterirdischen Druckstollen sind die beiden Becken miteinander verbunden. Je nach Bedarf kann Wasser von unten nach oben gepumpt oder von oben nach unten turbiniert werden. Der Einsatz des Kraftwerks erfolgt in Spitzenlastzeiten. Wenn viel Strom im Netz verfügbar ist, wird das Wasser 300 Meter hoch ins Oberbecken gepumpt. Dafür wird hauptsächlich erneuerbarer Strom verwendet. Steht hingegen wenig Strom zur Verfügung, werden 67.000 Liter Wasser pro Sekunde durch den Druckstollen zum Krafthaus geleitet. Dort wird die potenzielle Energie des Wassers in Strom gewandelt und ins öffentliche Versorgungsnetz eingespeist. Durch diesen Vorgang werden die Schwankungen von Angebot und Nachfrage im Stromnetz ausgeglichen. Bis die volle Leistung des Kraftwerks erreicht ist, dauert es nur zwei Minuten. Der Betrieb ist dann für 5 Stunden möglich, ehe das Wasser aus dem Oberbecken aufgebraucht ist. Die beiden Francis-Pumpturbinen haben eine Leistung von je 70 MW. 

Seit der Inbetriebnahme im Jahr 1969 wurde das Kraftwerk zweimal modernisiert. Durch die im Jahr 2018 durchgeführte Modernisierung konnte die Speicherkapazität auf 735.000 kWh erhöht werden. Dafür wurde eine 1,2 Meter hohe Wellenschutzwand installiert, die es erlaubt mehr Wasser im Oberbecken einzustauen. 

In der Bevölkerung findet das Pumpspeicherkraftwerk eine hohe Akzeptanz. Das Oberbecken ist ein bekanntes Ausflugsziel in der Umgebung.

Dipl.-Geogr. Stefan Prott
Leiter Themengebiet Wasserkraft
EnergieAgentur.NRW
02945 989189
prott@energieagentur.nrw
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Dipl.Ing. Maschinenbau (FH) Sebastian Kaptain
Wasserkraft
EnergieAgentur.NRW
02945 - 989776
0170 - 7011256
kaptain@energieagentur.nrw

Sie erreichen die EnergieAgentur.NRW außerdem werktags von 8 bis 18 Uhr über die Hotline unter 0211 - 8371930.

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