Flexibilitätsmarkt

Der wachsende Anteil fluktuierender Erneuerbarer Energien stellt den Markt vor eine Reihe von Herausforderungen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat sich deshalb dazu entschieden, den Strommarkt neu zu designen und ihn reaktionsfähig zu machen. Dabei hält das Ministerium an einem Energy-Only-Markt fest und setzt auf drei Schwerpunkte: Die Refinanzierung von Kraftwerken über Knappheitspreise, die Flexibilisierung des Gesamtsystems als Reaktion auf die zunehmende Unstetigkeit der Einspeisung von Wind- und Sonnenstrom und schließlich die Absicherung zur Aufrechterhaltung von Versorgungssicherheit und der Stabilität der Netze über eine Kapazitätsreserve. Das Bekenntnis zum Energy-Only-Markt ist gleichzeig eine Absage an staatliche Kapazitätsmechanismen.

Die Entstehung von Knappheitspreisen soll über „stärkere Marktmechanismen“ und eine gesetzliche Garantie zur freien Preisbildung geschehen. Hierfür setzt das Ministerium auf bestehende Instrumente wie Bilanzkreisverantwortung und Ausgleichsenergie, damit der Strommarkt aus sich heraus die benötigten Kapazitäten refinanziert und Versorgungssicherheit gewährleistet.

Auf dem Flexibilitätsmarkt treten unterschiedliche Flexibilitätsoptionen in den Wettbewerb zueinander. Man kann sie einteilen in die Flexibilisierung der Erzeugung, die Flexibilisierung der Nachfrage und den Einsatz von Speichern. Auf der Nachfrageseite spricht man von Lastmanagement beziehungsweise Demand-Side-Response (DSM), das mittel- und langfristige um die Sektorkopplung, also die Nutzung von Stromspitzen in den Sektoren Wärme und Mobilität, ergänzt wird. Bei der Flexibilisierung der Erzeugungsseite kommen insbesondere hochflexible fossile Kraftwerke und steuerbare Biogasanlagen zum Einsatz. Bei Speichern unterscheidet man zwischen unterschiedlichen Technologien und Einsatzzeiten.

Da die Verfügbarkeit dieser Technologien an Markt noch sehr unterschiedlich ist, braucht es noch Forschungs- und Entwicklungsarbeit sowie Unterstützung bei der Marktdurchdringung, damit ein Marktumfeld entstehen kann, das von einem Wettbewerb der Flexibilitätsoptionen geprägt ist. Die derzeit historisch niedrige Volatilität von Strompreisen und die massiven Überkapazitäten auf dem Strommarkt erschweren, dass ein solches Markt(um)feld entsteht.