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Hemer, Nordrhein-Westfalen

Klassenziel Klimaschutz: Nachhaltige Wärmeversorgung im Schulzentrum in Hemer

Ausgangsbasis der Sanierung war ein Energiekonzept, bei dem mehrere Kombinationsvarianten von Holzpellet, Blockheizkraftwerk (BHKW) und Gaskessel im Hinblick auf Wirtschaftlichkeit und Klimarelevanz miteinander verglichen wurden. Unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten hätte man sich für ein 50 kWel – BHKW mit Spitzenlastkessel entscheiden müssen. Dem gegenüber stand eine Versorgung mit Holzpellets als komplett CO2-freie Variante. Der Kompromiss aus beiden Versionen ist dann auch die letztendlich realisierte Variante mit einem Grundlast-BHKW (50 kWel, 80 kWhth), ergänzt mit einem 100 kW Holzpelletkessel zur Abdeckung der Mittellast und Gaskesseln (insgesamt ca. 1 MW) für die wenigen verbleibenden Leistungsspitzen.

Im nächsten Schritt wurde die Wärmeversorgung einschließlich der Errichtung der Wärmezentrale und der Wärmeverteilung als Warmwassersystem im Gebäude im Energieliefer-Contracting ausgeschrieben. Hierbei wurde keine der oben untersuchten Varianten vorgegeben, sondern als Parameter der Wärmepreis, CO2-Emissionen und Preisstabilität in einem Gewichtungsverhältnis von 60-20-20 als Auswahlkriterien festgelegt.

Hintergrund

Die Stadt Hemer hat sich zum Ziel gesetzt, den Heizenergieverbrauch der städtischen Gebäude bis 2020 gegenüber 2008 um 15 Prozent zu senken. Eine besondere Rolle spielen dabei die Schulgebäude. Einerseits sind sie mit rund der Hälfte des kommunalen Wärmebedarfs die größte Verbrauchergruppe und andererseits liegt gerade bei ihnen oft ein großes Einsparpotential brach. Nicht zuletzt deswegen weist das Klimaschutzkonzept der Stadt Hemer für Schulen ein Einsparpotential von über 35 Prozent aus.

Als weitere Strategie empfiehlt das Klimaschutzkonzept insbesondere die Gebäude zu sanieren, die noch mit elektrischen Nachtspeicherheizungen versorgt werden. Hier wird angestrebt, diese durch Warmwasser-Heizungssysteme mit einer Wärmeerzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplung, der gemeinsamen Erzeugung von Strom und Wärme, und – soweit wirtschaftlich vertretbar – Erneuerbaren Energien – insbesondere Holz – umzurüsten.

Nimmt man beide Strategien zusammen, dann war die Sanierung des Schulzentrums Hemer der logische Schritt. Da die Gebäude bisher mit einer elektrischen Nachtspeicherheizung beheizt wurden, verwundert es nicht, dass das Schulzentrum bei Energiekosten von über 17 Euro/m² (im Jahr 2014) knapp ein Drittel der kommunalen Energiekosten verursachte.

Ergebnisse

Die CO2-Einsparung ist beeindruckend und errechnet sich zu 99 Prozent.
Zu dieser überraschend hohen Einsparung kommt es aufgrund der vorangegangen Beheizung der Schule mit Mittellast-Strom, dem ein Emissionsfaktor in Höhe von 789 g/kWh und damit der dreifache Wert einer mit Gas beheizten Schule zuzuschreiben ist. Letztere wäre nämlich mit einen Emissionsfaktor von rund 220 g/kWh zu bewerten.

Seit der Sanierung wird das BHKW in der Grundlast mit knapp 7.000 h/a betrieben. Hierfür wird zwar Gas verbraucht, aber gleichzeitig auch Strom erzeugt, wodurch anderer Kraftwerksstrom nicht bezogen werden muss. Diese CO2-Gutschrift liegt bei rund 275 t/a. Der Holzpelletkessel ergänzt das BHKW mit rund 5.000 Betriebsstunden im Jahr und erzeugt fast 500.000 kWh/a. Die mit der Pelletanlage verbundenen CO2-Emissionen betragen rund 14 t/a. Der Gas-Spitzenlastkessel wird nur wenige Stunden gebraucht, seine Emissionen liegen daher bei nur 36 t/a. Aus all diesen Einzelpunkten ergeben sich eine resultierende CO2-Emission von rund 11 t/a und damit eine Einsparung von rund 99 Prozent gegenüber den ursprünglichen Emissionen von 873 t/a.

Neben den ökologischen und ökonomischen Verbesserungen erhielt das Schulzentrum so ein Heizsystem, das viel besser regelbar ist, sodass die Schülerinnen und Schüler bei Wetterwechseln nicht im Kalten sitzen oder Schwitzen und so ein gutes Lernklima vorfinden können.

 

Veröffentlichung

Autor: EnergieAgentur.NRW
Stand: 2018

Kommune

Kreis: Märkischer Kreis
Reg.-Bez.: Arnsberg
Region: Südwestfalen

Kontaktdaten

EnergieAgentur.NRW
Christian  Dahm
Energieanwendung, Klimaschutz in Kommunen und Regionen
Kasinostraße 19 - 21
42103 Wuppertal
Tel.: 0202 2455243
E-Mail
E-Mail: dahm@energieagentur.nrw

Stadt Hemer
Juan Manuel Diaz Borrego
Hademareplatz 44
58675 Hemer
Tel.: 02372 551 136
E-Mail
E-Mail: J.M.Diaz-Borrego@hemer.de

Bilder

Pellet-Lager. Foto: Gasag-Solution Plus GmbH

Schulzentrum Hemer. Foto: Gasag-Solution Plus GmbH

Pelletzuführung. Foto: Gasag-Solution Plus GmbH

Links

» Energie- und Klimaschutzkonzept für die Stadt Hemer

European Energy Award

Maßnahmenbereiche

3.3.2 Wärme und Kälte aus erneuerbaren Energiequellen auf dem Gebiet der Kommune
3.3.4 Kraft-Wärme-Kopplung und Abwärme/Kälte aus Kraftwerken zur Wärme- und Stromproduktion auf dem Gebiet der Kommune