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Willkommen im Online-Handbuch „KOMMUNALER KLIMASCHUTZ“

Das Fortschreiten des Klimawandels stellt Kommunen und Regionen vor große Herausforderungen. Höchste Zeit gegenzusteuern, entschlossen zu handeln und den Klimaschutz als gesellschaftliche und politische Jahrhundertaufgabe weiter voranzutreiben. Diese Aufgabe erfordert enorme Anstrengungen auf allen gesellschaftlichen Ebenen. 

Das vorliegende Handbuch soll Ihnen auf dem Weg zu effektiven Klimaschutz vor Ort Orientierung bieten und Lösungswege aufzeigen. Es werden praktische Instrumente, Checklisten, Broschüren, Beispiele und Ideen zur Erstellung und Umsetzung von kommunalen Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen vorgestellt.

Kommunales Klimaschutzmanagement

Überblick

Das kommunale Klimaschutzmanagement ist ein Instrument sowohl zur Steuerung von Verwaltungsabläufen als auch zur Projektentwicklung und -umsetzung im Rahmen der kommunalen Klimaschutzaktivitäten. Die erforderlichen Abstimmungs- und Steuerungsprozesse aller Beteiligter mit dem Ziel, alle wesentlichen Rahmenbedingungen für einen effizienten und klimaschonenden Umgang mit Energie positiv zu beeinflussen gehören genauso zum kommunalen Klimaschutzmanagement wie die Überwindung möglicher Barrieren, die dem Klimaschutz entgegenstehen könnten.

Das kommunale Klimaschutzmanagement hat die Treibhausgasemissionen aller betroffenen Sektoren von kommunalen Einrichtungen über die privaten Haushalte, von Gewerbe, Industrie und Dienstleistungen bis hin zum Verkehrsbereich im Fokus.

Die zentrale Idee dabei ist, Entscheidungs- und Arbeitsabläufe in der Verwaltung und in der Kommunalpolitik an mittel- bis längerfristigen Klimaschutzzielen auszurichten. Diese Ziele sollten sowohl ökologische als auch soziale und wirtschaftliche Anforderungen berücksichtigen. Dies wird in der Regel dadurch erreicht, dass möglichst viele Akteure, die den Klimaschutzprozess beeinflussen können, zur Mitwirkung angeregt werden. Hierzu ist es notwendig, die Kommunikation zwischen den Beteiligten zu verbessern und eng mit Partnern aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenzuarbeiten.

Die Erfolgsbedingungen für die notwendigen Veränderungsprozesse in Kommunen werden nachfolgend näher beschrieben.

Grundsatzbeschluss zum Klimaschutz

Die Landesregierung hat sich ehrgeizige Klimaschutzziele gesetzt: Das im Januar 2013 verabschiedete und am 7. Februar 2013 in Kraft getretene Gesetz zur Förderung des Klimaschutzes in NRW sieht vor, die Gesamtsumme der Treibhausgasemissionen in NRW – gemessen am Niveau von 1990 – bis 2020 um mindestens 25 Prozent zu reduzieren und bis 2050 um mindestens 80 Prozent. NRW ist das erste deutsche Bundesland, das sich konkrete Ziele für die Reduktion von Treibhausgasen gesetzt hat. Bundesweit nimmt es damit eine Vorreiterrolle im Klimaschutz ein. Gleichzeitig ist die Anpassung an die unvermeidbaren Folgen des Klimawandels als „Klimaschutzziel“ im Gesetz verankert.

Wichtige Akteure sind hierbei engagierte Kommunen. Klimaschutz muss vor Ort bei den Bürgern und Unternehmen präsent und im kommunalen Gestaltungsalltag eine Selbstverständlichkeit sein, damit die Klimaschutzziele erreicht werden können.

Neben dem globalen Aspekt bringt die regionale Klimaschutzarbeit auch konkrete Vorteile in der Region, wie z.B. die heimische Wertschöpfung und eine höhere Identifizierung der Bürger mit „ihrer“ Kommune.

Eine Vielzahl der Kommunen in Nordrhein-Westfalen ist daher schon aktiv geworden. Sie diskutieren konkrete Klimaschutzziele, gehen Selbstverpflichtungen zur Minderung der CO2-Emissionen ein, stellen Klimaschutzkonzepte auf und beteiligen sich an Programmen oder Wettbewerben zum Thema Klimaschutz.

Bewährt hat sich in vielen Kommunen zu Beginn aller Klimaschutzaktivitäten einen verbindlichen politischen Grundsatzbeschluss zu fassen, der den Klimaschutz als kommunales Ziel definiert. Er gibt den politischen Rahmen für weitere Aktivitäten und macht das Selbstverständnis der Kommune transparent.

Vorgehensbeschreibung

Eine große Zahl nordrhein-westfälischer Kommunen hat sich schon auf die eine oder andere Weise auf den Weg zu mehr Klimaschutz begeben. Fast alle Kommunen haben mittlerweile ein Umweltamt, viele ein Klimaschutz- und/oder Klimaanpassungskonzept, in wieder anderen werden die Schulen energetisch saniert oder erneuerbare Energien als dezentrale Energieträger genutzt. Aber den meisten Kommunen ist gemein, dass diese Projekte oftmals als Einzelmaßnahmen angestoßen und diskutiert werden. Oft muss der Wille zu klimaschonenden Maßnahmen erneut bekundet oder grundsätzlich neu diskutiert werden.

Sinnvoll und eine erhebliche Vereinfachung im politischen und im Verwaltungsalltag ist ein rahmengebender Grundsatzbeschluss. Er dient als Leitbild für kommunales Handeln und ist Voraussetzung für die Verwaltung, Maßnahmenvorschläge auf Grundlage der örtlichen Situation zu entwickeln. In den Grundsatzbeschluss sollten folgende Punkte festgeschrieben werden:

  • Der Beschluss der Kommune und Kommunalpolitik, den Klimaschutz als Ziel der Kommune zu definieren
  • Die Festlegung eines quantitativen und zeitlichen Reduktionsziels für Treibhausgase
  • Die Definition einer Berichtspflicht über den Fortgang und den Erfolg der Klimaschutzbemühungen

Quantitative und zeitliche Reduktionsziele von Treibhausgasemissionen

Das Pariser Klimaschutzabkommen 2015 („COP21“) nimmt beim Klimaschutz im Gegensatz zum Kyoto-Protokoll von 1997 nun erstmals alle Staaten in die Pflicht, einen nationalen Klimaschutzbeitrag zu erarbeiten. Sie müssen Maßnahmen beschließen, um ihn umzusetzen. Es geht aber nicht nur um die Minderung von Emissionen, sondern auch um Wege der Anpassung an den Klimawandel.

Ziel ist es, die Erderwärmung auf unter 2°C und möglichst unter 1,5°C zu beschränken. Um dieses Ziel zu erreichen, dürfen in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts nicht mehr klimaschädliche Gase ausgestoßen werden, als der Atmosphäre durch sogenannte Senken, also etwa Wälder, entzogen werden.

Die in einem Grundsatzbeschluss zum Klimaschutz festgeschriebenen Ziele müssen realistisch erreichbar sein. Daher ist es sinnvoll, sich an den Zielwerten der nationalen- oder internationalen Politik zu orientieren und diese auf die kommunalen Gegebenheiten herunterzubrechen.

Eine Hilfestellung zu Handlungsfeldern, Strategien und Maßnahmen zur Erreichung der kommunalen Klimaschutz-Ziele kann der 2015 verabschiedete Klimaschutzplan Nordrhein-Westfalen geben, der für die Landesebene konkrete Maßnahmen aufzeigt, wie das Emissionsreduktionsziel von 25 Prozent bis 2020 erreicht werden kann. Die dort genannten Maßnahmen können Hinweise auf mögliche kommunale Strategien geben.

So sinnvoll Einzelziele in speziellen Bereichen sind, so sind sie doch als Teilziele des Gesamtziels „Absenkung der Treibhausgasemissionen“ zu sehen. Die Gefahr bei der Definition von Teilzielen ist, dass sie die Aktivitäten auf einzelne Bereiche konzentrieren, was zwar zu einer Marktstimulierung und damit Wirtschaftsförderung in diesem Bereich führt, aber gegebenenfalls nicht die wirtschaftlichsten Maßnahmen zum Klimaschutz anstößt und möglicherweise in letzter Konsequenz nicht zu einer Zielerreichung führt.

Berichtspflicht über den Fortgang und Erfolg der Klimaschutzbemühungen

Es empfiehlt sich, im Grundsatzbeschluss eine jährliche Berichtspflicht der Verwaltung an die Politik vorzusehen. Im Falle eines Klimaschutzberichtes sollte eine CO2-Bilanzierung und eine Berichterstattung der initiierten und auf Klimaschutzbelange optimierten Projekte gefordert werden. Mit der regelmäßigen Erstellung eines Energieberichtes lassen sich die Verbrauchsentwicklung und der energetische Zustand der kommunalen Gebäude erheben, analysieren, kontrollieren und kommunizieren (siehe Effizienzplanung). Mit der Berichterstattung sichert die Verwaltung außerdem das transparente Arbeiten gegenüber der Kommunalpolitik und der Zivilgesellschaft.

Der Erfolg von Klimaschutzmaßnahmen ist grundsätzlich schwer zu messen, da einzelne Emissionsreduzierungen oft vergleichsweise klein gegenüber der Summe der in einer Kommune verursachten Emissionen sind. Außerdem ist es schwierig immer klare Bilanzierungsgrenzen zu ziehen. Trotzdem ist es sehr hilfreich und sinnvoll den Fortgang und Erfolg der Klimaschutzbemühungen zu quantifizieren. Dies wird normalerweise mit Hilfe einer CO2-Bilanzierung getan.

Als Hilfsmittel um den Erfolg der durchgeführten Maßnahmen zu erfassen, hat das Land Nordrhein-Westfalen eine Lizenz zur CO2-Bilanzierung (siehe auch Kommunale Treibhausgasbilanzierung) erworben und stellt sie den Kommunen in NRW kostenfrei zur Verfügung. Ebenso werden die Kommunen bei der notwendigen Datenbeschaffung in einzelnen Bereichen von der EnergieAgentur.NRW unterstützt.

Projektbeispiele

Stadt Bielefeld
Handlungsprogramm Klimaschutz 2008-2020
Ansprechpartner:
Stadt Bielefeld
Umweltamt
Tel. 0521 51 8520

Stadt Münster
Masterplan-Kommune 100 % Klimaschutz
Ansprechpartnerin:
Birgit Wildt
Amt für Grünflächen und Umweltschutz
Koordinierungsstelle für Klimaschutz und Energie
Tel. 0251 492-6702

Stadt Rheinberg
Klimaschutz durch Initiative der Verwaltung
Ratsbeschluss des Stadtentwicklungskonzeptes nachhaltiges Rheinberg 2030+ (2004), zum Klimaschutzkonzept (2008) und dessen Fortschreibung (2011, 2014, vorgesehen 2018) sowie  Grundsatzbeschluss zur Teilnahme am european energy award (2009, 2013, 2016)
Ansprechpartner:
Jens Harnack, FB 61, SG Nachhaltigkeit, Klima, Umwelt
Tel. 02843 171-493

Nicole Weber F.d. Santos, Klimaschutzmanagerin
Tel. 02843 171 498

Gemeinde Saerbeck
Projekt Klimakommune Saerbeck
Ratsbeschluss des integrierten Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzeptes und der Klimaneutralität bis 2030
Ansprechpartner:
Gemeinde Saerbeck
Tel.02574 89202

Dokumente

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Informationen zum Klimaschutz in NRW
Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen

Klimaschutzgesetz NRW

Klimaschutzplan NRW

Teilnahme am European Energy Award

Zur Optimierung der Klimaschutzaktivitäten und energiepolitischen Arbeit können Kommunen an etablierten Managementprozessen teilnehmen. Der European Energy Award (eea) ist ein vielfach erprobtes Qualitätsmanagementsystem und Zertifizierungsverfahren, das auf europäischer Ebene entwickelt wurde und umgesetzt wird.

Ziel dieses umsetzungsorientierten Prozesses ist es, die Qualität der Energieerzeugung und -nutzung in einer Kommune zu bewerten, regelmäßig zu überprüfen und Potenziale zur Steigerung der Energieeffizienz zu erschließen. Nach Erreichen einer bestimmten Punktzahl aus dem Maßnahmenkatalog erfolgt die öffentlichkeitswirksame Auszeichnung. Eine Vielzahl von Kommunen aus Nordrhein-Westfalen nimmt bereits am eea teil und ist für ihre Bemühungen erfolgreich ausgezeichnet worden.
Konkret sind mit der Durchführung des eea-Programms für die Kommune folgende Vorteile verbunden:

  • Einführung eines erprobten Verfahrens zur Strukturierung der Energiearbeit
  • Öffentlichkeitswirksame Auszeichnung mit dem "European Energy Award" bzw. dem „European Energy Award Gold“
  • Effektive Organisation der Energiearbeit durch ein kommunales Energieteam
  • Fachliche Unterstützung durch einen von der Kommune ausgewählten eea-Berater
  • Nutzung verschiedener maßgeschneiderter Instrumente
    • Management Tool mit Maßnahmenkatalog,
    • Fragebögen zur Ist-Analyse,
    • Prozessordner mit Prozesshandbuch,
    • verschiedene Berechnungstools,
    • Themen- und Servicenavigator sowie
    • weitere Instrumente wie der Energie- und Klimacheck und verschiedene Vorlagen.
  • 70-90 %ige finanzielle Unterstützung (Förderung) durch das Land NRW bei der Durchführung des eea

Die nordrhein-westfälische Landesgeschäftsstelle des eea ist die EnergieAgentur.NRW. Diese unterstützt Kommunen bei der Durchführung.

Der eea-Prozess

Bei dem eea handelt es sich um einen Managementzyklus, dem ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess zu Grunde liegt: Analysieren, Planen, Durchführen, Prüfen, Anpassen, Zertifizierung und Auszeichnung!

Maßnahmenbereiche 
Folgende sechs Maßnahmenbereiche werden durch den eea erschlossen:

  • Entwicklungsplanung / Raumordnung
  • Kommunale Gebäude und Anlagen
  • Ver- und Entsorgung
  • Mobilität
  • Interne Organisation
  • Kommunikation / Kooperation

Verfahren
Die Durchführung des eea-Programms umfasst die folgenden Schritte:

Ist-Analyse
Anhand eines Katalogs effizienzsteigernder Maßnahmen werden alle bisherigen und geplanten Aktivitäten der Kommune recherchiert, erfasst und anschließend einer Bewertung unterzogen.

Energiepolitisches Arbeitsprogramm (EPAP)
Auf Grundlage der Ergebnisse der Ist-Analyse wird ein verbindlicher Maßnahmenplan für das kommende Jahr erarbeitet und die Umsetzung der Aktivitäten in einem energiepolitischen Arbeitsprogramm festgehalten.

Umsetzung von Maßnahmen
Nach dem Beschluss des energiepolitischen Arbeitsprogramms werden die als prioritär identifizierten Maßnahmen realisiert.

Internes Audit
Im Rahmen eines internen Controllings erfolgt jährlich ein Abgleich der Ist-Analyse und eine Anpassung des energiepolitischen Arbeitsprogramms. Damit werden bisherige Erfolge dokumentiert und neue Ziele vereinbart.

Externes Audit / Zertifizierung
Hat die Kommune die erforderlichen Voraussetzungen erfüllt, kann sie die Zertifizierung durch den externen Auditor beantragen.

Auszeichnung
Bei erfolgreicher Zertifizierung erfolgt die Auszeichnung. Eine Kommune erhält den „European Energy Award“, wenn sie 50 % der maximal möglichen 500 Punkte erreicht hat. Der „European Energy Award Gold“ wird verliehen, wenn sogar die 75 % Marke erreicht wurde. Das Label unterstützt die öffentlichkeitswirksame Kommunikation der Erfolge und dient dem Standortmarketing der Kommune.

Der eea bietet sehr gute strukturelle Voraussetzungen für die anschließende Erarbeitung und Umsetzung eines umfassenden, integrierten Klimaschutzkonzeptes (etabliertes Energie-Team, erprobtes Controlling, Maßnahmenplan). Daher ist es grundsätzlich sinnvoll, den eea-Prozess mit der Erstellung eines solchen Klimaschutzkonzeptes zu verknüpfen.

Projektbeispiele

KommEn – Kommunale Energie NRW
Best-Practice-Datenbank der EnergieAgentur.NRW

Klima-Log
Gute Beispiele von Kommunen für Kommunen (Bundesgeschäftsstelle eea)

Landesgeschäftsstelle NRW des eea
EnergieAgentur.NRW

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Förderung

European Energy Award
Forschungszentrum Jülich, Projektträger ETN

Merkblatt über die Gewährung von Zuwendungen
Forschungszentrum Jülich, Projektträger ETN

Erstellung eines integrierten Klimaschutzkonzeptes

Wird der Klimaschutz von politischer Seite unterstützt, kann die Umsetzung der Ziele eines Grundsatzbeschlusses zum Klimaschutz durch die Erarbeitung eines kommunalen Klimaschutzkonzeptes konkretisiert werden.

Ein kommunales Klimaschutzkonzept gibt den strategischen und instrumentellen Rahmen für zukünftige kommunale Klimaschutz- und Klimaanpassungsanstrengungen vor und dient damit sowohl als Entscheidungsgrundlage als auch als Planungshilfe. Es zeigt, welche technischen und wirtschaftlichen CO2-Minderungspotenziale bestehen und welche Maßnahmen in Frage kommen, um kurz-, mittel- und langfristig sowohl in den kommunalen Liegenschaften als auch im privaten und gewerblichen Sektor Energieverbräuche zu senken und CO2-Emissionen einzusparen.

Vorgehensbeschreibung
Ein kommunales Klimaschutzkonzept soll gewährleisten, dass einerseits realistische und kostengünstige Wege der Treibhausgasreduzierung zur Erreichung der im Grundsatzbeschluss formulierten Ziele aufgezeigt werden, und dass andererseits potenzielle Zielgruppen und Akteure definiert werden, um damit die Grundlage für einen möglichst breiten Konsens über zu treffende Maßnahmen zu schaffen.

Sektorübergreifende Konzeption
Es hat sich oftmals als praktikabel erwiesen, eine interne Arbeitsgruppe zu gründen, die zunächst Ziele und Untersuchungsrahmen, Handlungsfelder und Anforderungen sowie Rahmenbedingungen (Kosten, Zeit, Personal etc.) des zu erstellenden Klimaschutzkonzeptes festlegt. Um möglichst viele Akteure innerhalb einer Kommune für die Mitarbeit am Klimaschutzkonzept zu gewinnen, können im Vorfeld auch öffentliche Veranstaltungen durchgeführt werden.

Ein Klimaschutzkonzept sollte über die klassischen Verwaltungsaufgaben hinaus für eine Vielzahl von Sektoren Orientierung und Hilfestellung liefern und auch bei externen lokalen Akteuren Klimaschutzmaßnahmen anregen. Eventuell sind sektorübergreifende oder themenspezifische Teilkonzepte zur Vertiefung notwendig. Das Konzept muss dabei die teilweise begrenzten Einflussmöglichkeiten auf bestimmte Sektoren und Akteure berücksichtigen, zwischen direkten und indirekten Einflüssen differenzieren sowie finanzielle und personelle Kapazitäten beachten.

Beteiligung
Entsprechend sollten die unterschiedlichen Zielgruppen vorab genau definiert werden (Haushalte, kleine Gewerbebetriebe, Berufspendler, etc.). Die für die Umsetzung relevanten Akteure und die Öffentlichkeit sollten dann am Erstellungsprozess beteiligt werden. Insbesondere Multiplikatoren (Handwerk, Architekten, Vereine, Kirchen, Planer) sollten gezielt eingebunden und Synergieeffekte genutzt werden.

Bausteine 
Ein Klimaschutzkonzept sollte folgende Bausteine beinhalten:

  • Ist-Analyse bestehend aus einer Energie- und einer CO2-Bilanz sowie einem Rückblick auf bereits umgesetzte und laufende kommunale Energieeffizienz- und Klimaschutzmaßnahmen.
  • Technische und wirtschaftliche Analyse und Bewertung von Energie- und Treibhausgas-Minderungspotenzialen für einzelne Verbrauchssektoren sowie ggf. Szenarioberechnungen
  • Katalog über kurz-, mittel- und langfristig umsetzbare Maßnahmen inklusive einer Prioritätensetzung und Kostenangaben. (Aktionsprogramm)

Controlling
Das Konzept sollte außerdem Mechanismen und Strukturen zur Kontrolle der Zielerreichung festschreiben. In regelmäßigen Abständen sollte eine Evaluation der quantitativen Minderungsziele sowie der qualitativen Maßnahmen und ggf. eine Korrektur des Handlungskonzepts stattfinden. Dafür ist es wichtig, jeweils einen hauptverantwortlichen Ansprechpartner (Ämter, Stadtwerke, Verbände, Vereine, etc.) für die Umsetzung festgelegt zu haben.

Projektbeispiele

Stadt Bochum
Klimaschutzkonzept
Ansprechpartner:
Philipp Schuster
Klimaschutzmanager
Tel. 0234 910-1255

Stadt Dormagen
Klimaschutzkonzept
Ansprechpartner:
Dennis Fels
Klimaschutzmanager
Tel. 02133 257-696
ennis.fels@stadt-dormagen.de


Stadt Münster
Klimaschutzkonzept
Ansprechpartnerin:
Birgit Wildt
Amt für Grünflächen und Umweltschutz, Koordinierungsstelle für Klimaschutz und Energie
Tel. 0251 492-6703


Stadt Recklinghausen
Klimaschutzkonzept
Ansprechpartnerin:
Marianne Härtl-Hürtgen
Abteilung Umwelt- und Klimaschutz
Tel. 02361 501420
umweltschutz@recklinghausen.de


Gemeinde Saerbeck
Integriertes Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzept
Ansprechpartner:
Gemeinde Saerbeck
Tel.02574 89202
klimakommune@saerbeck.de

Dokumente

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Übersicht Klimaschutzkonzepte für Städte und Regionen
des IFEU

Übersicht Klimaschutzkonzepte
der Servicestelle Kommunaler Klimaschutz

Schnellkonzept Klimaschutz
von Coaching Kommunaler Klimaschutz

(Durch)StarterPaket
von Coaching Kommunaler Klimaschutz

Förderung

Einrichtung einer Stelle für den Klimaschutzmanager

Kommunaler Klimaschutz erfordert mehr als ein Maßnahmenkonzept, die Bemühungen müssen auch personell verankert sein. Neue Organisationsstrukturen müssen geschaffen werden, etwa eine Koordinierungsstelle für den Klimaschutz, die entsprechende Akzeptanz, Kompetenz, Personal und Mittel zur Verfügung hat.

Ein Klimaschutzmanager sollte den Informationsfluss sowohl verwaltungsintern als auch -extern sichern und die Zusammenarbeit und Vernetzung aller beteiligten Akteure fördern. Er sollte verantwortlich für die Umsetzung einzelner Maßnahmen sowie die Evaluation aller Aktivitäten sein. Besonders wichtig ist daher ein entsprechender politischer Rückhalt in der Kommune.

Organisation
Für die genaue strukturelle Ausgestaltung und die personelle Besetzung gibt es keine einheitliche Vorgehensweise. Beides variiert in der Praxis je nach Größe, Ressourcenlage und Prioritätensetzung der Kommune. Wichtig ist, die Organisation an die jeweiligen kommunalen Bedingungen und Bedürfnisse anzupassen.

Teilweise werden die entsprechenden Stellen daher einem bestehenden Amt (Umwelt-, Stadtplanungs- bzw. Bauamt) zugeordnet. In einigen Großstädten werden dagegen eigenständige Einheiten (Energiereferate oder Leitstellen) gegründet. Manche Kommunen wiederum schaffen eigens Stabsstellen, die direkt der Verwaltungsführung zugeordnet sind.

Abhängig von der jeweiligen Organisationsstruktur entstehen entsprechend unterschiedlich hohe Mehrkosten. Insbesondere für kleinere Gemeinden kann es sich gegebenenfalls anbieten, im Bereich Klimaschutz eng mit benachbarten Kommunen zusammenzuarbeiten.

Aufgaben
Typische Tätigkeiten eines Klimaschutzmanagers lassen sich nach Managementaufgaben und fachlichen Aufgaben unterscheiden.

Managmentaufgaben:

  • Koordinierung der Umsetzung der Maßnahmen und Projektüberwachung (Projektmanagement)
  • Koordinierung der ämterübergreifenden Zusammenarbeit zur Umsetzung des Konzepts (Moderation)
  • Unterstützung bei der systematischen Erfassung und Auswertung von klimaschutzrelevanten Daten (Controlling)

Fachliche Aufgaben

  • Fachliche Unterstützung bei der Vorbereitung, Planung und Umsetzung einzelner Maßnahmen aus dem Klimaschutzkonzept bzw. den -teilkonzepten
  • Durchführung interner Informationsveranstaltungen und Schulungen
  • Methodische Beratung bei der Entwicklung von Qualitätszielen, Klimaschutzstandards, Leitlinien, etc.

    Daneben nimmt einen Großteil der Arbeit des Klimaschutzmanagers die Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit ein.

Projektbeispiele

Stadt Siegen
Klimaschutzbeauftragter
Ansprechpartner:
Paul Hartmann
Klimaschutzbeauftragter
Tel. 0271 404-3450
p.hartmann@siegen.de

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Förderung

Kommunale Treibhausgasbilanzierung

Kommunale Treibhausgasbilanzierung

Jede Kommune hat die Möglichkeit ihre Treibhausgasemissionen durch entsprechende Klimaschutzaktivitäten zu beeinflussen. Der energetische Zustand der kommunalen Liegenschaften, das Angebot des ÖPNV und die Produktion von erneuerbarer Energie beeinflussen die Gesamtemission einer Kommune. Aus der Entwicklung dieser Emission, die sich durch eine Bilanzierung bestimmen lässt, kann z.B. auch die Wirkung von kommunalen Klimaschutz ausgewiesen werden. Eine kommunale Treibhausgasbilanz gibt an, wie viele Tonnen Treibhausgase in einer Kommune insgesamt und / oder pro Einwohner im Mittel eines Jahres (t/E/a) durch den Energieverbrauch emittiert werden. In die kommunale Treibhausgasbilanzierung fließen konkrete Angaben wie z.B. der Energieverbrauch in den kommunalen Liegenschaften, der Strom- und Erdgasverbrauch der Einwohner und des Gewerbes sowie Verkehrsdaten auf dem Territorium der Kommune ein. Aus der Summe dieser Daten ergibt sich für die Kommune die emittierte jährliche Gesamtmenge an Treibhausgasen.

Verpflichtung Treibhausgasbilanz

Sowohl für die Förderung eines integrierten kommunalen Klimaschutzkonzeptes durch das Bundesumweltministerium als auch bei der Förderung des European Energy Award (eea) durch das Land NRW ist eine Treibhausgasbilanz verpflichtend. Im Rahmen des European Energy Award in Nordrhein-Westfalen werden deren Erstellung aber auch durch entsprechende Beratung unterstützt. Darüber hinaus hat das Land Nordrhein-Westfalen für alle seine Kommunen sowie Kreise und Regierungsbezirke , auch diejenigen die nicht am European Energy Award teilnehmen, eine Landeslizenz für das Bilanzierungstool ECOSPEEDRegion für die nächsten Jahre erworben. Das Tool, mit dem Kommunen eine eigene Treibhausgasbilanz erstellen können, ist für diese kostenfrei.

Nachfolgend werden die Schritte für die Erstellung einer kommunalen Treibhausgasbilanz erläutert:

1. Klärung von Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten

Die Erstellung einer kommunalen Treibhausgasbilanz erfordert die Zusammenarbeit verschiedenster Akteure Vor-Ort. Im Vorfeld sollte geklärt werden wer wofür zuständig ist (z.B. bei der Datenerhebung) und wer für die Erstellung der Bilanz verantwortlich ist. Auch kann es hilfreich sein für bestimmte Aufgaben externe Hilfestellung (z.B. Ingenieurbüros) in Anspruch zu nehmen. Dies sollte die Kommune allerdings nicht davon entbinden sich eigenes Know-How zur Erstellung einer Treibhausgasbilanz anzueignen.

2. Datenerhebung

Erfahrungsgemäß ist die Datenerhebung für die Erstellung einer kommunalen Treibhausgasbilanz die größte Herausforderung. Die benötigten Daten liegen bei unterschiedlichen Quellen und Akteuren und sind teilweise nur eingeschränkt öffentlich verfügbar. Das Land NRW unterstützt die Kommunen über die EnergieAgentur.NRW bei der Erhebung der notwendigen Daten. Hierzu wurde eigens ein Internetportal eingerichtet. Unter www.energieagentur.nrw/klimaschutz/co2 findet man eine Reihe von Hilfestellungen zur Datenerhebung. Darüber hinaus stellt die EnergieAgentur.NRW ausgewählte Daten zentral über das Bilanzierungstool ECOSPEEDRegion bereit.

3. Bilanzierungstool

Prinzipiell kann eine Treibhausgasbilanz mit einem Taschenrechner einer Erhebung der relevanten Daten als auch Ermittlung entsprechende Emissionsfaktoren erstellt werden. Um den Berechnungs- und Datenerhebungsaufwand aber zu vereinfachen, wurde die internetbasierte Software ECOSPEEDRegion von der Schweizer Firma Ecospeed entwickelt. ECOSPEEDRegion ist ein Tool, das in vielen Kommunen in Deutschland sowie Europa verbreitet ist. Seit März 2011 stellt das Land Nordrhein-Westfalen den Kommunen die Smart Version dieser Software kostenfrei zur Verfügung.

4. Erstellung der kommunalen Treibhausgasbilanz

Für Kommunen ist der Weg zu einer ersten Treibhausgasbilanz sehr einfach. Für alle nordrhein-westfälischen Kommunen ist bereits im Vorfeld eine so genannte Startbilanz erstellt worden. Diese basiert auf bundesweiten, durchschnittlichen Energieverbräuchen, die über Einwohnerzahl und Beschäftigtenzahlen nach Wirtschaftssektoren auf die Kommunen herunter gebrochen wurden. Im weiteren Verlauf sollte die Startbilanz durch die Eingabe von selbst erhobenen Daten zu einer Endbilanz „verfeinert“ werden. Erst dann ist es sinnvoll, die Treibhausgasbilanz auch entsprechend in der Öffentlichkeit zu kommunizieren bzw. zu präsentieren.

5. Kommunikation und Präsentation

Nach Erstellung einer Endbilanz und eingehender interner Prüfung der Ergebnisse sollten diese in der Öffentlichkeit kommuniziert werden. Die Treibhausgasbilanz an sich eignet sich weniger für das Monitoring erfolgter Einzelmaßnahmen, hier sollten andere Monitorinstrumente genutzt werden, als vielmehr einer „Over All Strategie“ (Klimaschutzziele). Vor diesem Hintergrund sollte auch die Kommunikationsstrategie entsprechend aufgebaut werden. Hierbei ist zu beachten, dass eine kommunale Treibhausgasbilanz einen breiten Interpretationsspielraum hat und deshalb das einfache Darstellen von Grafiken und Tabellen in der Regel nicht ausreicht, sondern mit einer Kommentierung hinterlegt werden sollte.

6. Fortschreibung

Eine kommunale Treibhausgasbilanz ist nur dann wirklich sinnvoll, wenn Sie auch eine Fortschreibung erfährt. In welchen Intervallen eine Aktualisierung allerdings vorgenommen werden sollte ist in erster Linie davon abhängig wie viel Personalressourcen und welche Einflüsse von Maßnahmenumsetzungen erwartet werden. Für die meisten Kommunen ist eine jährliche Fortschreibung nicht unbedingt notwendig, vielmehr sind Aktualisierungen im 2-3jährigen Zyklus zu empfehlen.

7. Vernetzung / Kooperationen

In Nordrhein-Westfalen gibt es einige Kommunen die bereits ein entsprechendes Know-how bei der Erstellung einer kommunalen Treibhausgasbilanz gesammelt haben. Deshalb bietet sich ein Austausch untereinander bzw. eine Vernetzung der aktiven Kommunen an. Die EnergieAgentur.NRW veranstaltet jährlich einen entsprechenden Erfahrungsaustausch für die Kommunen. Darüber hinaus werden auch über die Kreise bzw. Regierungsbezirke entsprechende Vernetzungsangebote geschaffen.

Projektbeispiele

Dokumente

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Datenanforderungsprofile
EnergieAgentur.NRW

Berechnungshilfen
EnergieAgentur.NRW

Registrierung für ECORegion
EnergieAgentur.NRW

FAQ´s CO2 Bilanzierung
EnergieAgentur.NRW

Zugang ECORegion
Ecospeed AG

Musterauswertung einer Treibhausgasbilanz
der EnergieAgentur.NRW

Interkommunaler Klimaschutz

Der Klimawandel ist eine globale Herausforderung und kennt weder politische noch geographische Grenzen. Ebenso sollte kommunaler Klimaschutz nicht auf ein einzelnes Gemeindegebiet begrenzt sein. Interkommunaler Austausch über Klimaschutzaktivitäten bieten darüber hinaus viele weitere Vorteile: Erfolgsmodelle können als Vorbild dienen, Kapazitäten gemeinsam genutzt und aus Erfahrungen gelernt werden.

Aus einem solchen Austausch können konkrete Kooperationen entstehen. Diese sind grundsätzlich sinnvoll, da viele Klimaschutzaspekte die Austauschbeziehungen mit angrenzenden Städten und Gemeinden betreffen (z.B. Pendlerströme). Außerdem können durch kooperatives Handeln häufig Engpässe besser überwunden oder Potenziale erschlossen werden, beispielsweise in der Energieversorgung. Die Durchführung gemeinsamer Projekte kann außerdem Zeit und Kosten für die einzelnen Kommunen sparen.

Aus diesen Gründen koordinieren Nachbarkommunen zunehmend ihre umfangreichen Bemühungen zur Senkung klimarelevanter Emissionen.

Erfahrungsaustausch mit anderen Kommunen
Um die eigene Klimaschutzarbeit zu erleichtern und gegebenenfalls alternative Herangehensweisen aufgezeigt zu bekommen, können die Kommunen sich über die konkreten Aktivitäten anderer Städten, Gemeinden und Kreisen gezielt informieren.

Verschiedenen Medien lassen sich dafür nutzen. Insbesondere das Internet bietet vielfältige Möglichkeiten, vorbildliche Projekte anderer Kommunen kennenzulernen und eigene Projekte zu präsentieren oder zur Diskussion zu stellen. Auch die Veröffentlichung von Klimaschutzprojekten in Broschüren, Newslettern oder Fachzeitschriften ermöglicht einen Erfahrungsaustausch.

Daneben eignen sich unterschiedliche Veranstaltungsformen (Workshops, Tagungen, Kongresse usw.) zum Transfer von Praxiserfahrungen im kommunalen Klimaschutz. Die Kommunen können solche Veranstaltungen entweder selbst organisieren, oder sie nutzen die vielfältigen öffentlichen Veranstaltungsangebote in Nordrhein-Westfalen, beispielsweise der EnergieAgentur.NRW. Diese bündelt die regionalen Klimaschutzaktivitäten unter anderem über Klimanetzwerker in den Bezirksregierungen. Daneben stellt auch eine Vielzahl kommunaler Energieagenturen ein breites Informations- und Beratungsangebot bereit.

Der direkte informelle Erfahrungsaustausch der Verwaltungsmitarbeiter untereinander kann ebenfalls eine wichtige Informationsquelle darstellen. Der Rat einzelner Praktiker, die mit ähnlichen Aufgaben befasst sind und zum Teil über erhebliche Spezialkenntnisse verfügen, wird nicht selten höher anerkannt als wissenschaftliche Informationen.

Kooperationen zwischen Kommunen
Neben dem zeitweiligen Austausch können Kommunen auch dauerhafte Formen der Zusammenarbeit im Klimaschutz eingehen. Sie können Arbeitsgemeinschaften sowie Kommunalunternehmen gründen, Zweckverbände bilden und öffentlich-rechtliche Vereinbarungen abschließen.

Probleme werden gemeinsam thematisiert und Projekte in Kooperation durchgeführt. Insbesondere für kleinere Städte, die effektive Klimaschutzaktivitäten mit geringeren personellen Kapazitäten durchführen müssen, stellen Kooperationen einen wichtigen Ansatz dar.

Zunehmend werden Klimaschutzkonzepte auch auf Landkreisebene erstellt, so dass gemeinsame Projekte kreisangehöriger Städte und Gemeinden gegebenenfalls unter Federführung des Kreises initiiert und vorhandene Zusammenarbeitsstrukturen genutzt und ausgebaut werden können.

Projektbeispiele

Städteregion Aachen
Integriertes Klimaschutzkonzept

Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energien Bergisches Land - EEBL, Wuppertal, Solingen, Remscheid und Kreis Mettmann
www.eebl.de/home

Kreis Warendorf
Buy smart – Beschaffung und Klimaschutz (Fortbildung)

klimanetzwerk.südwestfalen
Netzwerk zum interkommunalen Austausch auf der Ebene der Städte und Kreise

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Projektübersicht
des Service- und Kompetenzzentrums Kommunaler Klimaschutz (SK KS)

Tatenbank (Projektdatenbank)
Energiekommunal

Klimaschutz in der Stadtplanung

Überblick

Energieeffizienz, Klimaschutz, Klimafolgenanpassung in Architektur und Städtebau sind keine neuen Handlungsfelder der Stadtplanung. Sie erhalten jedoch vor dem Hintergrund des schnell voranschreitenden Klimawandels einen neuen Stellenwert und müssen in der Stadtplanung zu einer schnellen Implementierung entsprechender Anpassungsstrategien und Klimaschutzmaßnahmen führen. Das betrifft Fragen zu den richtigen CO2-Einsparstrategien genauso wie Maßnahmen in den Ballungsräumen und besonders betroffenen Regionen zur Minderung der Folgen des Klimawandels.

Auch bei der Entwicklung von ressourcenschonenden und emissionsmindernden sowie energieoptimierten Raum- und Siedlungsstrukturen kommen auf die Stadtplanung neue Herausforderungen zu. Denn mit der sog. „Klimaschutznovelle“ 2011 wurde präzisiert, dass Klimaschutz und Klimaanpassung nunmehr eindeutig zu den Aufgaben der Bauleitplanung gehören (gem. § 1 Abs 5 Satz 2 BauGB).

Zur Erreichung klimaschützender Ziele stehen ihr die im novellierten Planungsrecht zugesprochenen und gestärkten Instrumente des Flächennutzungsplans, des Bebauungsplans, der städtebaulichen Verträge und des Stadtumbaus zur Verfügung. Darüber hinaus existieren eine Vielzahl geeigneter informeller Planungsinstrumente, die eine hohe Akzeptanz und Mitwirkungsbereitschaft bei der Umsetzung von Maßnahmen bei den Bürgerinnen und Bürgern und anderen lokalen Akteuren bewirken. Als Handlungsziele einer klimagerechten Stadtplanung kommen insbesondere in Betracht:
 

  • Reduzierung der Flächeninanspruchnahme durch ein kommunales Flächenressourcenmanagement und Reaktivierung von innerörtlichen Brachflächen
  • Verwirklichung der Postulate „Nutzungsmischung" und „Innenentwicklung vor Außenentwicklung", z.B. zur Vermeidung bzw. Verminderung klima- und CO2-schädlicher Individualverkehrsströme
  • Sicherung und Schaffung wohnortnaher öffentlicher und privater Dienstleistungen (Gesundheit, Bildung, Freizeit, Einkauf etc.)
  • Kopplung der Siedlungsentwicklung an eine günstige ÖPNV-Anbindung sowie Förderung des Radverkehrs
  • Sicherung von flächenmäßig bedeutenden Standorten zur Erzeugung regenerativer Energien
  • Schaffung eines den Siedlungsbereich gliedernden Freiraumsystems zur kleinräumigen Durchlüftung, z.B. durch Freihaltung von Durchlüftungsschneisen und CO2-absorbierende Anpflanzung von Bäumen und Sträuchern sowie Dach- und Fassadenbegrünung
  • gebäudebezogene Maßnahmen zur Energieeinsparung, z.B. durch städtebauliche Kompaktheit mit energetisch günstigem Oberflächen-Volumen-Verhältnis und eine effektive Ausrichtung der Gebäude zur Sonne (solare Gewinne, Einsatz von Photovoltaik) sowie durch die Nutzung erneuerbarer Energien und den Einsatz CO2-sparender Kraft-Wärme-Kopplung etc.
  • lokale Luftreinhaltung und lokale Verminderung des Schadstoff-Ausstoßes, z.B. durch Verbrennungsverbote

 

Energienutzungsplanung

Ein Energienutzungsplan ist ein informelles räumliches Planungsinstrument für eine oder mehrere Gemeinden. Er stellt die zukünftige energetische Entwicklung einer Gemeinde unter Einbeziehung des Bestandes systematisch dar und koordiniert die derzeitigen und zukünftigen Energieverbräuche und regionalen Energieressourcen sowie potentielle Energieprojekte der Gemeinde in Form eines übergeordneten Gesamtkonzepts mit Bezug auf die Siedlungsstrukturen des Gesamtgemeindegebiet. Er bildet somit die Basis, um Energieeinsparung, Energieeffizienz und die Umstellung auf regenerative Energieträger aufeinander abzustimmen. Damit wird er zur Entscheidungsgrundlage für Effizienzverbesserungen im Bestand, bei der Optimierung bestehender energetischer Infrastrukturen, für den Ausbau erneuerbarer Energien im Sinne eines Fachplanes zum Klimaschutz mit räumlichem Bezug, u.a. zur vorbereitenden Bauleitplanung einer Gemeinde.

Es ist ein Planungsinstrument, das im Jahr 2012 erstmalig in Bayern im Rahmen eines Förderprogramms zu Energietechnologien und Energieeffizienz aufgelegt wurde. Dieser informelle Ansatz enthält aber auch für nordrhein-westfälische Städte und Gemeinden interessante und übertragbare Ideen, um die Maßnahmenauswahl vor Ort auf eine solide Grundlage zu stellen.

Erstellung eines Energienutzungsplanes
Die Erstellung eines kommunalen Energienutzungsplanes mit Schwerpunkt auf Energieeinsparpotenziale und Energieeffizienz ist in drei Arbeitsphasen aufgeteilt:

  • Bestands- und Potenzialanalyse
    Erfassen des Ist-Zustands von Energiebedarf, Energieinfrastruktur sowie bisheriger Energiespar- und Effizienzmaßnahmen. Dies wird gegliedert in die Sektoren Haushalte, Gewerbe/Handel/Dienstleistungen. Die Effizienz- und Einsparpotenziale werden ermittelt.
  • Konzeptentwicklung
    Definition der kommunalen Ziele zur Energieeinsparung und zum Ausbau erneuerbar Energien. Durchrechnen verschiedener Varianten, inkl. CO2-Bilanzierung, Festlegung von Handlungsfeldern sowie Erarbeiten eines Maßnahmenkataloges.
  • Maßnahmenumsetzung
    Betrachtung von Wirtschaftlichkeit, Möglichkeiten zur Finanzierung und Förderung, Umsetzung der Planungen und Maßnahmen unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger zur Akzeptanzsteigerung, zum Finden kreativer Lösungen und einer nachhaltigen Umsetzung der Maßnahmen.

Energienutzungspläne können je nach Situation vor Ort mit unterschiedlichen Schwerpunkten erarbeitet werden, wie z.B. Energieeffizienz im Gebäudebestand, der Ausbau erneuerbarer Energien oder die örtliche Wärmeversorgung.

Verschiedene Schwerpunkte in der Energienutzungsplanung

A. Schwerpunkt: Energieeffizienz im Gebäudebestand
Ein Energienutzungsplan mit dem Schwerpunkt der Energieeinsparung und Effizienzsteigerung im Gebäudebestand stellt eine wichtige Bewertungsgrundlage für den kommunalen Gebäudebestand und für gesamtgemeindliche Maßnahmenstrategien dar. Mögliche Schnittstellen und Verknüpfungspunkte ergeben sich bei der Erstellung von Integrierten Klimaschutzkonzepten sowie bei der Maßnahmenentwicklung im Rahmen einer eea-Auditierung.

B. Schwerpunkt: Erneuerbare Energien
Bei der Erstellung von Energienutzungsplänen mit dem Schwerpunkt erneuerbare Energien werden die Ausbaupotenziale einer Gemeinde oder eines Kreises ermittelt. Dabei werden die örtlichen Gegebenheiten hinsichtlich ihrer Eignung für die Nutzung von Windenergie, Solarenergie, Biomasse, Geothermie etc. untersucht. Aus den Analyseergebnissen werden dann weitere Untersuchungsbedarfe wie Machbarkeitsstudien, z.B. für die Standortsuche für Blockheizkraftwerke bzw. passende Umsetzungsmaßnahmen und konkrete Projekte entwickelt.

C. Schwerpunkt: Wärmeversorgung
Bei einem Energienutzungsplan mit Schwerpunkt Wärmeversorgung geht es um eine Darstellung des derzeitigen sowie des künftig erwarteten Wärmebedarfs mit räumlichem Bezug. Dargestellt werden die Ergebnisse auf Baublockebene in Form von GIS-basierten (Geoinformationssystem) Karten, den sogenannten Wärmebedarfsplänen. Neben dem aktuellen Wärmeverbrauch und dem zu erwartenden Wärmebedarf, werden auch die Potenziale von Geothermie, Abwasserwärme etc. aufgezeigt. Im Rahmen von Flächennutzungsplanverfahren kann auf entsprechende Voruntersuchungen zurückgegriffen werden.

Projektbeispiele

Stadt Marktredwitz
Energienutzungsplan

Gemeinde Veitsbronn
Energienutzungsplan

Landkreis Regen
Energienutzungsplan

Dokumente

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Informationsportal zum Energienutzungsplan
des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie

Integriertes Stadtentwicklungskonzept Klima

Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept Klima ist ein räumlicher und planerischer Orientierungsrahmen für eine gesamtstädtische Planung und dient zur Entwicklung von klimapolitischen Zielen und kann als Leitrahmen für die künftige Stadtentwicklung behliflich sein.

Damit wird vergleichbar zu anderen sektoralen Handlungsfeldern wie Wohnen, Bildung und Verkehr der Klimaschutz in das Zentrum planerischen Handelns gerückt. Auf gesamtstädtischer Ebene wird ein Handlungsrahmen aufgestellt, der Planungsvorgabe und sektorales Leitziel für Klimaschutz und Klimaanpassung in sich vereint. Der Stadtentwicklungsplan Klima ist ein vom Rat beschlossenes und damit legitimiertes, selbstbindendes Instrument der kommunalen räumlichen Planung. Er ist Grundlage für formelle Planungen und räumliche Maßnahmen zu Klimaschutz und Klimaanpassung.

Besonders Städte und Ballungsräume werden künftig vom Klimawandel vor besondere Herausforderungen gestellt:

  • die Temperaturen steigen im Jahresdurchschnitt bis 2050 um bis zu 1,5 Grad Celsius es wird mehr Sommertage, sehr heiße Tage, tropische Nächte und weniger Frosttage geben
  • Hitzeperioden werden intensiver und länger und treten häufiger auf
  • die Sommerperiode wird trockener, die durchschnittliche Niederschlagsmenge im Winter nimmt zu E
  • xtremwetterereignisse wie Starkregen und Überschwemmungen nehmen zu

Im Stadtentwicklungsplan Klima werden Maßnahmen zur Klimaanpassung entwickelt sowie Klimaschutzmaßnahmen aufgezeigt, um dem Klimawandel zu begegnen und die Zukunftsfähigkeit der Städte und ihrer Umgebung zu sichern.

Grundlage der Erarbeitung ist eine umfassende räumliche Bestandsanalyse sowie eine Analyse der wissenschaftlichen Voraussagen, wie sich der Klimawandel auf die jeweilige Stadt, bzw. Region auswirken wird. Dies betrifft beispielsweise die Analyse der Bebauungstypologien, Raumstrukturen, die Beziehung und Lage von Bebauung zu Frei- und Grünflächen, die Qualität der Frei- und Grünflächen, die Lokalisierung von Wärmeinseln, die Bewertung des lokalen Mikroklimas sowie die Wechselbeziehungen mit dem Umland (u.a.m.). Dies ist nicht zuletzt von den jeweiligen geografischen und topografischen Gegebenheiten der Städte abhängig.

Die Ziele eines Stadtentwicklungsplans Klima werden individuell auf die Bedürfnisse und die Ausgangssituation einer Stadt oder Kommune formuliert, wie z.B.:

  • Entwicklung präventiver Maßnahmen zum Schutz vor klimawandelbedingten Extremwetterlagen
  • Minderung gesundheitlicher Beschwerden auf Grund von steigenden Temperaturen und Hitzeperioden vor allem in dicht besiedeltem, urbanem Raum
  • Verbesserung des Bioklimas
  • Schutz und Sicherung der städtischen Ökosysteme, insbesondere der Gewässer.
  • Schutz vor Überlaufen der Mischwasserkanalisation und damit vor Verunreinigungen des Trinkwassers
  • Ausbau und Sicherung von Natur- und Freiräumen in ihrer Funktion als bedeutende Klimainseln
  • Anpassung und Sicherung der kommunalen Infrastrukturen bei der Ver- und Entsorgung
  • Verknüpfung der Maßnahmen mit weiteren Handlungsfeldern, wie z.B. Mobilität und Siedlungsflächenentwicklung

Mit der Erarbeitung eines Stadtentwicklungsplanes Klima werden die Belange von Klimaschutz und Klimaanpassung für die gesamtstädtische Ebene räumlich konkretisiert. Sie bilden eine wichtige fachliche Grundlage und einen gesamtstädtischen Handlungsrahmen für weitere Planungen und konkrete Projekte in den Bereichen Städtebau und Stadtplanung, Verkehr und Freiflächen u.a.m. Da die Ziele und Maßnahmen in viele kommunalpolitische Handlungsfelder hineingreifen, erfordert die konkrete, praktische Umsetzung sowohl eine integrierte, fachübergreifende Betrachtung als auch die Einbindung vieler kommunaler Akteure und der Bewohnerinnen und Bewohner bei der Umsetzung.

Energetische Stadtsanierung

Lange Zeit wurde der Fokus in allen Diskussionen um die energetische Sanierung ausschließlich auf das einzelne Gebäude gelegt. Mittlerweile ist man dazu übergegangen, einen größeren Bereich zu betrachten. Der Blick wird nun verstärkt auf die übergeordnete Einheit des Quartiers gelegt.

Die energetische Stadtsanierung ist ein integrierter Planungsansatz, der vom Einzelgebäude bis hin zum gesamten Stadtquartier konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der energetischen Situation aufzeigt.

Dabei geht es darum, die energetische Gebäudesanierung mit effizienten Energieversorgungssystemen und dem Ausbau erneuerbarer Energien zu verknüpfen. Demografische, ökonomische, städtebauliche und wohnungswirtschaftliche Fragestellungen werden mit einbezogen, so dass ein Quartier „fit“ für die Zukunft gemacht werden kann. Der integrierte Ansatz bezieht dabei ebenso die Eigentümer und Bewohner mit ein.

Die energetische Stadtsanierung wird von der KfW unter der Programmnummer 432 gefördert. Dazu gehören quartiersbezogene energetische Konzepte und ein entsprechendes Sanierungsmanagement.

Entwicklung von Quartierskonzepten

Bei der Erarbeitung des geforderten integrierten Quartierskonzeptes sind nicht nur energetische Belange abzuarbeiten, sondern auch städtebauliche, wohnungswirtschaftliche, soziale, baukulturelle und denkmalpflegerische Aspekte in die Gesamtbetrachtung eines Quartiers einzubinden und mit den technischen und wirtschaftlichen Energieeinsparpotenzialen eines Quartiers zielführend zu verknüpfen. Im Ergebnis entsteht ein integriertes Handlungskonzept mit Maßnahmen zur energetischen, städtebaulichen, wohnungswirtschaftlichen und sozialen Verbesserung. Es bildet die zentrale strategische Entscheidungsgrundlage für eine zielführende energetische Verbesserung von Bestandsquartieren und daraus resultierend für entsprechende Investitionen. Hier stehen insbesondere Instrumente des besonderen Städtebaurechts des Baugesetzbuches (städtebauliche Sanierungsgebiete, Stadtumbaugebiete, Gebiete der Sozialen Stadt etc.) sowie weitere Aspekte (z. B. Denkmalschutzgebiete, Stadt- und Ortsteilzentren, u. a. m.) im Zentrum der Betrachtung. Synergieeffekte der energetischen Stadtsanierung können in Programmen der Städtebauförderung oder mit weiteren Programmen von EU, Bund und Ländern entstehen.

Unter energetischen Gesichtspunkten stehen eine deutliche Verbesserung der Energieeffizienz der Gebäude und der Infrastruktur - insbesondere bei der Wärmeversorgung - sowie der Einsatz von erneuerbaren Energien im Vordergrund. Die vielseitigen anderen Vorteile, wie etwa Attraktivitätssteigerung von Quartieren, höherer Wohnkomfort durch höheren thermischen Komfort und Wertsteigerung der Gebäude, werden im Folgenden nicht näher erläutert.

Weitere wichtige Ziele sind eine Akzeptanz der Maßnahmen bei betroffenen Bewohnern und Eigentümern sowie eine Vernetzung der Akteure untereinander. Hierbei wird auch (künftiges) Verbraucherverhalten analysiert bzw. antizipiert und in die Betrachtung mit einbezogen.

Bei der Konzeptentwicklung sind insbesondere folgende Aspekte zu berücksichtigen:

  • für das Quartier maßgeblichen Energieverbrauchssektoren und deren Energieeinspar- und Effizienzpotenziale sowie mögliche (regenerative) Energieversorgungsvarianten (Ausgangsanalyse)
  • vorhandene integrierte Stadtteilentwicklungs- oder wohnwirtschaftliche Konzepte bzw. integrierte Konzepte auf kommunaler Quartiersebene
  • Fachplanungen und Bebauungspläne
  • Erstellung von Aktionsplänen und Handlungskonzepten unter Einbindung aller betroffenen Akteure (einschließlich Öffentlichkeitsarbeit, Akteursaktivierung und -vernetzung)
  • Aussagen zu baukulturellen Zielstellungen unter Beachtung der Denkmäler und der erhaltenswerten Bausubstanz sowie der zu bewahrenden Stadtbildqualitäten
  • Gesamtenergiebilanz des Quartiers als Ausgangspunkt und daraus resultierende Zielaussagen für die energetische Stadtsanierung
  • Erarbeitung konkreter energetischer Sanierungsmaßnahmen und deren Ausgestaltung als Maßnahmenkatalog
  • Ermittlung von Kosten, Überprüfung der Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit der Sanierungsmaßnahmen

Als energetische Verbessetungsmaßnahmen kommen beispielswqeise in Betracht:

  • Flächendeckende energetische Sanierung der Gebäudesubstanz, Verbesserung des Wärmeschutzes
  • Ausbau von zentralen (Fernwärme) und semizentralen Wärmeversorgungssystemen (z. B. Kraft-Wärme-Kopplung)
  • Ausbau von Solarsystemen zur Wärmebereitstellung
  • Nachverdichtung
  • Klimaanpassungsmaßnahmen
  • Rückbau

Zur Unterstützung bei der Konzeptentwicklung und insbesondere bei der Umsetzung der erarbeiteten Maßnahmen ist ein Sanierungsmanager einsetzbar, der auch durch das Programm gefördert wird. Er sichert als zentrale Anlaufstelle des Vorhabens eine entsprechende Projektumsetzung, koordiniert und vernetzt die Akteure, macht projektbezogene Informations- und Öffentlichkeitsarbeit, sichert die fachliche Unterstützung der Maßnahmenumsetzung und führt ein Projektcontrolling durch.

Nachhaltige Stadtquartiere

Konzepte für nachhaltige Stadtquartiere – auch Green oder Smart Cities genannt – verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem soziale, ökonomische und energetische Aspekte bei der Entwicklung neuer Stadtviertel berücksichtigt werden. Oft handelt es sich hierbei um die Umnutzung ehemaliger Industriestandorte, Hafen- oder Bahnanlagen, die im Zuge von Umstrukturierungen einer ganzheitlichen Wohn- und Arbeitsnutzung zugeführt werden. Damit wird ein wesentliches Ziel nachhaltiger Stadtplanung, nämlich die Aktivierung von untergenutzten bzw. ungenutzten innerstädtischen Lagen als städtische Innenentwicklung umgesetzt.

Nachhaltige Stadtplanung

Bei der Planung von nachhaltigen Stadtquartieren steht zu Beginn die Vernetzung der lokalen Akteure im Vordergrund. Lokale Unternehmen, Schulen, Bürger, Vertreter von Vereinen und sozialen Netzwerken sowie Stadtplaner und Architekten planen gemeinsam die Entwicklung eines Viertels. Ziel ist es, ökologische und wirtschaftliche Synergien aufzudecken und für verschiedene Handlungsfelder weiter zu entwickeln. Dabei geht es vor allem um die Energie- und Wasserversorgung, den Umgang mit Abfällen und deren Wiederverwendung, die Verkehrsentwicklung, Grünraummanagement, ein ausgewogenes Nutzungsangebot von Wohnen und Gewerbe sowie eine gute Altersmischung der Bevölkerung. Auch Bildungsaspekte sollen berücksichtigt werden. Insofern steht eine nachhaltige Stadtplanung mit Integration der unterschiedlichsten Aspekte unter frühzeitiger Einbindung der Bevölkerung und weiterer Akteure im Vordergrund der Betrachtung.

Bei dem Konzept der Smart Cities kommt zusätzlich der Einsatz von computergesteuerter Technik zum Tragen, um Energie- und Verkehrsströme, etc. optimal zu steuern (Smart Grids), beispielsweise beim Aufzeigen freier Parkmöglichkeiten im Innenstadtbereich.

Bei der Entwicklung eines nachhaltigen Stadtquartiers werden in einem ersten Schritt die Potenziale des gesamten Quartiers mit Blick auf eine nachhaltige Entwicklung analysiert und daraus resultierende Maßnahmen aufgezeigt. Das dabei entstehende Handlungskonzept ist maßgebend für die weitere Entwicklung durch die öffentliche Hand und die lokalen Akteure und Unternehmen. In einem zweiten Schritt werden konkrete Schritte aus dem Handlungskonzept für die Umsetzung in die Wege geleitet.

Bei der Verstetigung geht es im dritten Schritt darum, die Maßnahmen und eine klimaschonende Haltung bei den Nutzern sowie bei allen künftigen Entscheidungen dauerhaft zu verankern.

Energieversorgung

Bei der Planung neuer Gebäude wird ein erhöhter Energiestandard und damit einhergehend ein niedriger Energieverbrauch, niedrige Betriebskosten und höhere thermische Behaglichkeit angestrebt. Dies gilt sowohl für Wohngebäude als auch für öffentlich und gewerblich genutzte Gebäude. Ein weiteres Ziel für ein nachhaltiges Stadtquartier ist die Energieversorgung durch regenerative Energien. Welche Energieträger dabei zum Tragen kommen, hängt auch von den ermittelten örtlichen Gegebenheiten bzw. den regionalen Ressourcen ab. Windenergie und Photovoltaikanlagen zur Stromproduktion oder Biogasanlagen bzw. Holzheizkraftwerke zur Bereitstellung von Nahwärme sind denkbare Energielieferanten, die je nach den vorhandenen Rahmenbedingungen vor Ort zum Einsatz kommen können.

Verkehr

Erstes Ziel ist eine Verkehrsvermeidung durch kompakte Strukturen und eine „Stadt der kurzen Wege“. Die Anbindung weiter entfernt liegender Quartiere und der Innenstadt wird unter klimaschonenden Aspekten geplant. Vor allem dem Radverkehr kommt hierbei eine zunehmend bedeutendere Rolle zu. Eine gute Anbindung durch den ÖPNV ist essentiell für ein nachhaltiges Stadtquartier. Auch Fahrradverleihsysteme und Carsharing-Modelle zeichnen eine nachhaltige Stadtquartiere aus.

Nutzungsmischung/ Grünkonzept

Die Nutzungsmischung, das heißt Arbeiten und Wohnen sowie Versorgungs- und Naherholungsmöglichkeiten innerhalb des Viertels, ist ein weiterer Baustein für ein lebendiges und nachhaltiges Stadtquartier, in dem die kurzen Wege zu einem umweltfreundlichen Verhalten beitragen. Ein weiteres Augenmerk liegt hierbei auf hochwertigen Grünflächen, die als Naherholungsraum dienen und Kontaktmöglichkeiten für die Anwohner bieten. Damit kommen diese Konzepte dem Bedürfnis vieler Städter nach, urban aber naturnah zu leben.

Nachhaltige Stadtquartiere kommen vielen Akteuren zu Gute, denn durch den ganzheitlichen Ansatz entsteht attraktiver Wohn- und Geschäftsraum in urbaner Lage. Der hochwertige und im Unterhalt kostengünstige Gebäudebestand ist interessant für Investoren und Unternehmen. Städte und Gemeinden sichern sich durch den Imagegewinn einen Standortvorteil und die Bewohner profitieren von einem Stadtteil mit hoher Lebensqualität in urbaner Lage mit attraktivem Grünraum sowie Wohnraum mit niedrigen Nebenkosten.

Für nachhaltige Stadtquartiere gibt es verschiedene internationale Zertifizierungsverfahren z. B. das deutsche DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen), das britische BREEAM (Building Research Establishment Environmental Assessment Method) und das amerikanische LEED (Leadership in Energy and Environmental Design). Bei DGNB werden die Quartiere nach einem umfangreichen Kriterienschlüssel die ökologische und ökonomische Qualität, die soziokulturelle und funktionale Qualität sowie die technische und Prozessqualität eines Quartiers bewertet. In Deutschland gibt es zertifizierte bzw. vorzertifizierte Projekte beispielsweise in den Städten Düsseldorf, Köln, Bedburg, Berlin, Stuttgart, Hamburg, Offenbach, Esslingen, Heilbronn.

Projektbeispiele

Dokumente

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Förderung

Solarenergetische Optimierung

Ziel der solarenergetischen Optimierung ist eine Erhöhung der aktiven und passiven Solarenergienutzungsmöglichkeiten im Rahmen der Erarbeitung städtebaulicher Entwürfe. Dabei sind die Stellung der Gebäude zur Sonne sowie die Anordnung der Baukörper zueinander und ihre Lage zum Baubestand hinsichtlich ihrer Verschattungen die wesentlichen energetischen Bestimmungsfaktoren.

Bestehende Bebauungspläne sowie städtebauliche Planungen können mit diesem Instrument überprüft und solarenergetisch optimiert werden.

Vorgehen

Bei der Entwicklung eines Neubaugebietes wird in der Regel der städtebauliche Vorentwurf oder der Entwurf des Bebauungsplans als Grundlage für die solarenergetische Optimierung herangezogen. Dazu werden die topographischen/orographischen Einflüsse, also die Exposition zur Sonne aufgrund von Hangneigungen und Verschattungselementen wie vorhandene Bebauung, Waldbestand, Hügel etc. untersucht. Außerdem werden die Besonnungsverhältnisse im Untersuchungsgebiet aufgezeigt und durch ein Simulationsprogramm bewertet. Hierfür stehen verschiedene Softwareprogramme zur Verfügung (GoSol, SolCis u.a.). Ziel ist die Erhöhung der passiven Solareinträge auf die geplante Bebauung und damit die Reduzierung des Heizwärmebedarfs. Die Möglichkeiten zur passiven Solarenergienutzung können durch das städtebauliche Konzept weitgehend festgelegt und daher bei der Konzepterstellung schon mitgedacht werden. Gebäudebezogene Flächen zur aktiven Solarenergienutzung, wie Solarkollektoren und Photovoltaikanlagen, werden ebenfalls berücksichtigt.

Die im städtebaulichen Entwurf enthaltenen unterschiedlichen Gebäudetypen, wie Einfamilienhäuser, Doppelhäuser, Reihenhäuser und/oder Mehrfamilienhäuser mit unterschiedlichen Dachformen wie Satteldächern, Pult- oder Flachdächern, Geschossigkeit und Kubatur, werden in das dreidimensionale Rechnermodell integriert. Auch geplante Nebengebäude, wie z. B. Garagen sowie angrenzende Bestandsgebäude und prägende Grünbestände bzw. –planungen können ebenso in die Berechnungen einbezogen werden wie die direkte Einstrahlung durch die Sonne, das diffuse Himmelslicht und die reflektierte Strahlung sowie die lokalen Witterungsbedingungen.

Anhand der bei den Computersimulationen berechneten Daten werden die spezifischen Einstrahlungsverluste der einzelnen Energiegewinnfassaden über die gesamte Heizperiode ermittelt. Bezugspunkt ist dabei die maximal mögliche Einstrahlung pro Quadratmeter Fassadenfläche einer unverschatteten, exakt südorientierten, senkrechten Fassade. Die Einstrahlungsverluste werden danach differenziert, ob sie durch Verschattung und Topographie oder allein aufgrund der Orientierung zustande gekommen sind. Daraus lassen sich Optimierungen des städtebaulichen Entwurfs ableiten. Dies betrifft in erster Linie die Orientierung und Stellung der baulichen Anlagen, die Höhenentwicklung der Gebäude, die Dachform und -ausrichtung, sowie nachstehend die Standorte von Nebenanlagen und die Lage der Gebäude zueinander u.a.m. Bei der Optimierung des städtebaulichen Entwurfes sind auch Gestalt- und Sozialraumqualitäten zu berücksichtigen.

Durch solarenergetische Simulation und Optimierung des städtebaulichen Entwurfes lassen sich z. T. erhebliche solare Gewinne erzielen. Bei energieeffizienten Gebäuden kann der Heizenergiebedarf durch solare Optimierung bis zur Hälfte reduziert werden. Der optimierte Entwurf ist Grundlage für die weitere Planung und Umsetzung.

In Ergänzung zur solarenergetischen Optimierung sollten ebenfalls Konzepte zur Wärmeversorgung erarbeitet werden, da die solare Optimierung der Gebäudestellung eine Beheizung der Gebäude nicht ersetzt.

Können durch eine solare Optimierung die Einstrahlungsverluste insgesamt auf ca. 20 % (gegenüber einer reinen, freistehenden Südlage) beschränkt werden, so wird eine wichtige Voraussetzung für das Landesprogramm „100-Klimaschutzsiedlungen NRW“ erfüllt. Hier sind zusätzlich gebäudebezogene Energieeffizienzstandards und städtebauliche Qualitätskriterien zu sichern.

Klimaschutz und Bauleitplanung

Mit den Novellierungen des Baugesetzbuches (BauGB) der letzten Jahre – insbesondere der Klimaschutznovelle 2011 – sind die Belange von Klimaschutz und Klimaanpassung verstärkt in die städtebauliche Planung integriert worden. Damit sind Klimaschutz und Klimaanpassung als Planungsziele und zu berücksichtigende Belange in der kommunalen Bauleitplanung verankert. Handlungsfelder sind beispielsweise die Darstellung von Windkonzentrationszonen oder die Sicherung klimarelevanter Grün- und Freiflächen in Flächennutzungsplänen und die solarenergetische Optimierung von Bebauungsplänen. Der städtebauliche Vertrag sowie das Instrumentarium des Stadtumbaus sind weitere wesentliche Instrumente des Baugesetzbuches zur Umsetzung von Klimaschutzzielen in der Bauleitplanung.

Übersicht der Instrumente der Bauleitplanung

Flächennutzungsplan
Der Flächennutzungsplan ist ein wichtiges Steuerungsinstrument zur zukünftigen städtebaulichen Entwicklung und Sicherung klimaschützender und energieeffizienter Siedlungsstrukturen auf gesamtstädtischer Ebene. Innenentwicklung vor Außenentwicklung, Stadt der kurzen Wege, Nutzungsmischung, kompakte Siedlungsstrukturen u.v.a.m. sind hierfür die seit langem bekannten übergeordneten Ziele, die Grundlage für die strategische Ausrichtung der jeweiligen Flächennutzungspläne sind. Darüber hinaus erhält der Flächennutzungsplan als Instrument zur Steuerung der Standortplanung für Erneuerbare Energien eine wichtige Bedeutung.

Im Flächennutzungsplan können Flächen dargestellt werden, die dem Klimawandel entgegenwirken. Dazu zählen insbesondere Anlagen, Einrichtungen und sonstige Maßnahmen zur dezentralen und zentralen Erzeugung, Verteilung, Nutzung oder Speicherung von erneuerbarer Energie und Anlagen, Einrichtungen und sonstigen Maßnahmen, die der Anpassung an den Klimawandel dienen (§ 5 BauGB). Das sind zum einen Konzentrationszonen für Windenergie, aber auch Bereiche für (Freiflächen-) PV-Anlagen. Zum anderen Anlagen, Einrichtungen und sonstige Maßnahmen, die der Anpassung an den Klimawandel dienen, zu denen beispielsweise der Hochwasserschutz sowie die Sicherung klimarelevanter Grün-und Freiflächen zählen.

Derzeit liegt ein Planungsschwerpunkt in der Änderung von Flächennutzungsplänen zur Ausweisung von Windkonzentrationszonen. Die räumliche Steuerung führt dazu, dass die Windenergienutzung auf die dafür vorgesehen Flächen gelenkt wird (innergebietliche Standortzuweisung) und das übrige Gemeindegebiet für die Windenergienutzung in der Regel nicht mehr zur Verfügung steht (außergebietliche Ausschlusswirkung). Voraussetzung für die Steuerung ist ein gesamträumliches Plankonzept der Gemeinde. Zunächst müssen die harten Tabuzonen, also all jene Flächen ermittelt werden, auf denen die Errichtung und der Betrieb von Windenergieanlagen aus tatsächlichen (z. B. Naturschutzgebiete oder zu geringe Windhöffigkeit = durchschnittliches Windaufkommen an einem bestimmten Standort) und/oder rechtlichen (z. B. zu geringe Abstände zu Wohnbebauung) Gründen ausgeschlossen ist. Wenn die harten Tabuzonen definiert sind, werden in einem nächsten Schritt die sogenannten weichen Tabukriterien festgelegt, die aus städtebaulichen Gründen von der Gemeinde definiert werden können. Hierbei kann es sich beispielsweise um vorsorgende Abstandsflächen zu Siedlungsbereichen oder Schutzgebieten handeln, die über das rechtlich erforderliche Maß hinausgehen. Die strikte Unterscheidung zwischen harten und weichen Tabukriterien ist gemäß der Rechtsprechung der letzten Jahre unbedingt erforderlich und sorgfältig zu dokumentieren. Gerade im Umgang mit weichen Tabukriterien ist Vorsicht geboten, da diese von der Gemeinde gut begründet und abgewogen werden müssen.

Bebauungsplan
Die Ziele von Klimaschutz und Klimaanpassung sind als Planungsbelang in § 1 Abs. 5 Baugesetzbuch festgelegt. Damit werden sie Gegenstand der kommunalen Bauleitplanung und sind entsprechend in Bebauungspläne zu integrieren.

Mit dem Festsetzungskatalog des § 9 BauGB stehen ausreichend Gestaltungsmöglichkeiten zur planungsrechtlichen Sicherung der Ziele von Klimaschutz und Klimaanpassung zur Verfügung. Entscheidend für die Umsetzung sind eine offensive Herangehensweise und Einsatz der Festsetzungsmöglichkeiten im Sinne des kommunalen Klimaschutzes und der Klimaanpassung. Grundlage hierfür ist eine entsprechende städtebauliche (und klimaschutzbetrachtende) Planung im Vorfeld der Bebauungsplanung. Dies beginnt bei der Frage einer geeigneten Standortwahl, der Kompaktheit der Bebauung, der Nutzungsmischung eines Quartiers, seiner klimafreundlichen Verkehrserschließung, der Sicherung von Grün- und Freiflächen, und reicht beispielsweise bis hin zu solarenergetisch optimierten Bebauungsformen.

Zur planungsrechtlichen Sicherung dieser klimarelevanten Planungsvorgaben stehen folgende Festsetzungsmöglichkeiten zur Verfügung:

  • Festlegung der Art und des Maßes der baulichen Nutzung mit dem Ziel optimierter Kompaktheit
  • Festlegung der Bauweise (z. B. offene oder geschlossene) mit dem Ziel optimierter Orientierung und geringer gegenseitiger Verschattung sowie Beibehaltung möglicher Frischluftschneisen aus dem Umland
  • Festlegung der Gebäudehöhen, Firstrichtung, Dachform und Dachneigung zur Optimierung der Nutzungsmöglichkeiten passiver Solarenergienutzung und dem Ziel optimierter Kompaktheit
  • Festsetzung der Baugrenzen ggf. auch von Baulinien mit dem Ziel geringer gegenseitiger Verschattung (erweiterte Baukörperfestsetzung statt großzügige Baufenster)
  • Festsetzung von Versorgungsflächen, -anlagen und -leitungen mit dem Ziel einer (Option auf) Nah-/Fernwärmeversorgung auf der Basis bzw. mit Unterstützung durch regenerative Energieträger
  • Festsetzung von der Bebauung freizuhaltender Flächen und Grün- und Freiflächen zur Verbesserung des kleinräumigen städtischen Klimas (Vermeidung von „Hot-Spots“), als Hochwasserschutz oder Klimafunktionsräume
  • Festsetzungen zur Anpflanzung und zum Erhalt von Bäumen, Sträuchern und sonstigen Bepflanzungen zur Verschattung versiegelter Flächen und Verbesserung des kleinräumigen städtischen Klimas

Weiterhin sind Gebiete festsetzbar, in denen bei der Errichtung von Gebäuden bauliche und technische Maßnahmen für die Nutzung, Erzeugung oder Speicherung von Strom oder Wärme aus erneuerbaren Energien und/oder aus Kraft-Wärme-Kopplung beachtet werden müssen (§ 9 Abs. 1 Nr. 23b BauGB). Begrenzendes Moment ist, dass die Bauleitplanung nach derzeitiger Rechtsprechung in erster Linie als Instrument der Bodenordnung greift und bei Festsetzung von beispielsweise baulichen Effizienzmaßnahmen bei Neubauvorhaben ggf. hier mögliche planungsrechtliche Zielkonflikte sowie Umsetzungsprobleme entstehen. In der Praxis bedeutet das, dass die Bauherren auf Ihrem privaten Grundstück nicht dazu verpflichtet werden können, ihren Neubau über die bereits strengen energetischen Regelungen der EnEV (Energieeinsparverordnung) hinaus zu konzipieren.

Neben dem formellen Instrumentarium der Bauleitplanung stehen zwei weitere Instrumente des Baugesetzbuches zur Umsetzung der Zielsetzungen von Klimaschutz und Klimaanpassung zur Verfügung. Hiermit können vor allem Vorkehrungen getroffen werden, die in einem Bebauungsplan nicht umsetzbar wären.

Städtebaulicher Vertrag
Im städtebaulichen Vertrag können erhöhte Anforderungen an die energetische Qualität von Gebäuden sowie die Errichtung und Nutzung von Einrichtungen zur Erzeugung, Nutzung, Verteilung und Speicherung erneuerbarer Energien sowie Energie aus Kraft-Wärme-Kopplung zwischen Gemeinde und umsetzendem Akteur vereinbart werden (§ 11 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 und 5 BauGB). Damit ist gegenüber den Festsetzungen eines Bebauungsplanes ein wesentlich konkreterer Umsetzungsbezug der festgesetzten Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen erzielbar. Dies betrifft insbesondere das Instrument des Vorhaben- und Erschließungsplanes als Teil des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes (§ 12 BauGB) sowie Stadtumbaumaßnahmen nach Besonderem Städtebaurecht (§§ 171a -171d BauGB s.u.).

Instrumente des Besonderen Städtebaurechts – Stadtumbaumaßnahmen
Im Zuge des Klimawandels werden schwerwiegende städtebauliche Funktionsverluste in den Großstädten und Ballungsgebieten erwartet. Daher werden der Erhalt und die Funktionssicherung innerstädtischer Altbaubestände ausdrücklich als Gegenstand für Stadtumbaumaßnahmen benannt.

Hierfür stehen vergleichbar zu den bekannten Instrumentarien der städtebaulichen Sanierung und Entwicklung verschiedene Maßnahmen für eine einheitliche und zügige Durchführung zur Verfügung. Voraussetzung ist der Erlass einer Stadtumbausatzung nach § 171d Abs. 1 BauGB und die Erstellung eines städtebaulichen Entwicklungskonzepts im Sinne von § 171b Abs. 2 BauGB mit Zielen und Maßnahmen unter Beteiligung und Mitwirkung der Betroffenen. Die festgelegten Umsetzungsmaßnahmen sind mit Hilfe eines Stadtumbauvertrages mit den lokalen Akteuren zu vereinbaren (hier: Stadtumbauvertrag siehe § 171c BauGB auf Grundlage des städtebaulichen Vertrages nach § 11 BauGB, s.o.). Die förmliche Festlegung eines Stadtumbaugebietes ist auch Grundlage für mögliche Fördermittelzuwendungen.

Projektbeispiele

Dokumente

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Energieatlas Nordrhein-Westfalen
des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW

Praxisleitfaden: Klimaschutz in der Stadtplanung
Stadt Frankfurt am Main

Klimaanpassung in der räumlichen Planung
Umweltbundesamt

Praxisratgeber: Klimagerechtes Bauen
Stadt Neuss

Förderung

Beteiligung und Beratung

Die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern sowie weiterer Akteure ist ein wichtiges Instrument, um die Öffentlichkeit für die Themen Energiewende und Klimaschutz zu sensibilisieren. Beteiligung kann dazu beitragen, Vorurteile abzubauen, Ängsten entgegenzuwirken und die Akzeptanz gegenüber Projekten zum Klimaschutz und der Energiewende vor Ort zu erhöhen. Wird in einer Kommune ein Klimaschutzkonzept erstellt, werden Bürgerinnen und Bürger sowie andere kommunale Akteure dabei immer häufiger beteiligt. Auch bei der Finanzierung von Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien geschieht dies oft. Im Rahmen der Planung und Genehmigung Erneuerbarer-Energien-Anlagen ist die Beteiligung der Öffentlichkeit in bestimmten Fällen sogar gesetzlich vorgeschrieben.

Die verstärkte Nutzung erneuerbarer Ressourcen verändert die Erzeugungsstruktur unseres gesamten Energiesystems. Konventionell hergestellter Strom wird zentral in einzelnen, wenigen Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerken mit großen installierten Leistungen erzeugt. Kraftwerke, die Strom aus Wasser-, Sonnen- oder Windenergie liefern, sind jedoch darauf angewiesen, dass an ihrem Standort die genutzte Ressource natürlich vorhanden ist. Daher können sie nicht an jedem beliebigen Standort Strom herstellen. Auch die Erzeugungsleistung einzelner Erneuerbarer-Energien-Anlagen ist im Vergleich zu konventionellen Kraftwerken wesentlich geringer, sodass die künftige Zahl an Erneuerbare-Energien-Kraftwerken höher sein muss als bei konventionellen Kraftwerken. Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien geht daher eine dezentralere Stromproduktion einher. Die Infrastruktur zur Erzeugung von Strom wird dadurch im Lebensumfeld vieler Bürgerinnen und Bürger künftig deutlicher wahrnehmbar. Diese stärkere Präsenz und Sichtbarkeit der Energiewende im Alltag der Menschen ist ein Grund, warum die Akzeptanz der Nutzung erneuerbarer Energien durch die Menschen vor Ort besonders bedeutend dafür ist, dass die Energiewende gelingt. Damit Bürger- und Öffentlichkeitsbeteiligung sich aber positiv auswirken kann, muss sie bestimmte Kriterien erfüllen. Werden die Bürgerinnen und Bürger nur zum „Schein“ beteiligt und können das Projekt in Wahrheit gar nicht beeinflussen, führt dies bei ihnen zu Frustration. Für den Erfolg der Beteiligung kommt es darauf an, dass sie frühzeitig stattfindet und transparent dargestellt wird, welcher Veränderungsspielraum und welche Einflussmöglichkeiten tatsächlich bestehen. Neben Bürgerinnen und Bürgern ist es sinnvoll, Vertreterinnen und Vertreter von Verbänden, Unternehmen, Kommunen, der Wissenschaft, Kirchen, Gewerkschaften und anderen gesellschaftlichen Gruppen ebenfalls zu beteiligen.

Die drei Ebenen der Beteiligung
Grundsätzlich lässt sich die Beteiligung der Öffentlichkeit in drei Ebenen gliedern. Dies sind die Bereiche Information, Konsultation und Kooperation. Die einzelnen Ebenen unterscheiden sich in ihrem Ausmaß der Beteiligung.

Bei der Information geht es darum, frühzeitig, transparent und umfassend über ein Vorhaben zu informieren. So sollte der Öffentlichkeit schon vor Beginn der eigentlichen Planung mitgeteilt werden, dass die Kommune ein Klimaschutzkonzept entwickeln oder Flächen für den Ausbau erneuerbarer Energien ausweisen möchte und welche weiteren Schritte dazu unternommen werden. Dadurch wird die Grundlage für eine Beteiligung überhaupt erst geschaffen. Bürger können sich schließlich nur dann beteiligen, wenn sie von einem geplanten Projekt erfahren und über nähere Informationen zu dessen wirtschaftlichen, politischen und planerischen Hintergründen verfügen.

Bei der Konsultation werden die Akteure nach ihrer eigenen Meinung zum Projekt und seinen Auswirkungen gefragt. Dabei können die Bürgerinnen und Bürger ihr Wissen über die örtlichen Gegebenheiten einbringen und somit helfen, das gesamte Vorhaben zu verbessern. Diese Anmerkungen fließen schließlich in einen Abwägungsprozess ein, bei dem letztendlich der Träger des Beteiligungsverfahrens darüber entscheidet, ob und in welcher Form die Beiträge der Konsultation in der weiteren Planung und Ausgestaltung des Projektes berücksichtigt werden. Bei einer Bürgerversammlung handelt es sich um ein bekanntes Beispiel für eine Maßnahme der Konsultation.

Der Übergang von der Ebene der Konsultation zur Ebene der Kooperation ist nicht klar und eindeutig. Die Kooperation geht noch einen Schritt weiter als die Konsultation. Denn hier werden die Bürgerinnen und Bürger nun systematischer einbezogen, das Vorhaben zu gestalten. Dazu gehören Formate wie zum Beispiel ein Workshop, bei dem Bürger sich daran beteiligen können, einen Standort für eine neu zu errichtende Erneuerbare-Energien-Anlage zu suchen. Wie bei der Konsultation entscheidet am Ende allerdings auch bei der Kooperation wieder der Vorhabenträger, in welcher Form die erarbeiteten Ergebnisse in die Entscheidung einfließen.

Eine Maßnahme der Beteiligung wird dann als informell bezeichnet, wenn ihre Durchführung nicht gesetzlich vorgeschrieben und somit auch nicht vorgegeben ist, wie sie umzusetzen ist. Informelle Beteiligungsmaßnahmen werden freiwillig durchgeführt und können gesetzlich vorgegebene Beteiligung ergänzen. Bei informeller Beteiligung sollte bereits im Beteiligungskonzept festgelegt werden, wie mit den Ergebnissen im gesamten Verlauf des Verfahrens umgegangen werden soll. So können Missverständnisse und Enttäuschungen bei den Beteiligten und der Öffentlichkeit vermieden werden. Andernfalls könnten nämlich Konflikte entstehen, die den gesamten Planungsprozess erschweren und verzögern.

Welche der genannten Schritte in einem Beteiligungskonzept angewendet und welche Methoden dazu ausgewählt werden, sollte sich stets am konkreten Vorhaben und dem damit einhergehenden Konfliktpotential, den finanziellen Mitteln sowie dem Zeitrahmen orientieren. Das gesamte Beteiligungsverfahren dient dazu, das Projekt und seinen Planungsprozess zu verbessern, gemeinsame Ziele zu formulieren und Konflikte zu vermeiden. Die Auswahl der Beteiligungsformate sollte immer von der Frage geleitet werden, mit welchen Formaten sich diese Punkte am besten erreichen lassen.

Zur Ausgestaltung der Beteiligungsmaßnahmen gibt es allgemeine Qualitätskriterien. Dazu gehören eine frühzeitige Einbindung der Anwohnerinnen und Anwohner, anderer von der Planung berührter Akteure sowie eine ergebnisoffene und transparente Prozessgestaltung mit klar kommunizierten Rahmenbedingungen und Zielsetzungen. Alle Akteure sind dabei gemeinsam dafür verantwortlich, dass der Beteiligungsprozess gelingt. Für den Erfolg des Beteiligungsprozesses ist es überaus wichtig, dass sie sich an vereinbarte Spielregeln halten und untereinander fair verhalten.

Die im Folgenden dargestellten Beteiligungs- und Beratungsformate haben sich bei kommunalen Energie- und Klimaschutzprojekten sowie nachhaltiger Stadtentwicklung und dem Ausbau erneuerbarer Energien vor Ort bewährt. Die einzelnen Formate unterscheiden sich in der Zahl ihrer Teilnehmenden, im Grad der Bearbeitungstiefe sowie in den Zeiträumen, über die sie sich erstrecken:

Zukunftswerkstatt
Der Idee der Zukunftswerkstatt liegt die Annahme zugrunde, dass jede Bürgerin und jeder Bürger dazu fähig ist, über die eigene sowie die Zukunft der Umgebung nachzudenken und diese mitzugestalten. Daher kann dieses Format ein Instrument sein, um Fragen der Umwelt und nachhaltigen Stadtentwicklung zu thematisieren oder Elemente eines kommunalen Klimaschutzkonzeptes zu erarbeiten. Die Zukunftswerkstatt eignet sich, um innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums, zum Beispiel einem Wochenende, viele Akteurinnen und Akteure einzubeziehen und kreative Ideen zu produzieren. Das Format gliedert sich in drei Phasen. Die erste Phase ist die Beschwerde- und Kritikphase. In ihr wird der Ist-Zustand eines behandelten Aspekts kritisch aufgearbeitet und erörtert. In der zweiten Phase, der Phantasie- und Utopiephase, geht es darum, einen Wunschhorizont für das geplante Vorhaben zu entwickeln. Mit der Verwirklichungs- und Praxisphase als dritter Phase, werden konkrete Forderungen und Ansätze aus dem Wunschhorizont abgeleitet und praktisch weiterverfolgt werden. Um die umgesetzten Aspekte zu verstetigen, sollten die aus dem Prozess entstandenen Projekte im Anschluss an die Zukunftswerkstatt permanent beraten und begleitet werden.

Planungszelle
Beim Format der Planungszelle steht die intensive Diskussion zwischen den Teilnehmenden im Mittelpunkt. Rund 25 bis 30 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger erarbeiten hier innerhalb eines vorher festgelegten Zeitraums Lösungsvorschläge für eine bestimmte Problemstellung. Dies kann zum einen ein Thema sein, bei dem eine innovative Lösung erst noch gefunden werden muss. Zum anderen kann aber auch zur Debatte stehen, welche der möglichen Lösungsalternativen für die Problemstellung gewählt werden soll. Bei ihrer Diskussion werden die Teilnehmenden von Moderatoren geleitet und durch Fachleute informiert und unterstützt. Oft arbeiten mehrere Planungszellen gleichzeitig an verschiedenen Teilaspekten eines Projektes. Alle erarbeiteten Ergebnisse der Planungszelle werden anschließend in einem Bürgergutachten zusammengefasst. Dieses Format bietet sich zum Beispiel an, um zu erarbeiten, wie Mobilität und Verkehr in einer Gemeinde künftig nachhaltiger genutzt werden können. Das Besondere an diesem Beteiligungsformat ist, dass die Teilnehmenden dafür von ihrer Arbeit freigestellt und vergütet werden.

Runder Tisch
Ein Runder Tisch eignet sich für Bürger- und Öffentlichkeitsbeteiligung zum Thema Energie und Klima, wenn viele Akteurinnen und Akteure mit unterschiedlichen Positionen und Interessen zusammengebracht werden sollen. Diese Form der Beteiligung ist auf einen längeren Zeitraum ausgerichtet und kann dazu beitragen, die Verantwortung bestimmter Teilbereiche eines Vorhabens auf einzelne Akteure zu übertragen und einen Prozess zu verstetigen. Ziel eines Runden Tisches ist es, mit allen Teilnehmenden gemeinsame Lösungen zu finden. Daher ist es wichtig, alle relevanten Akteure für die Mitarbeit am Runden Tisch zu mobilisieren. Um zielführend arbeiten zu können, sollten an diesem Format nur 20 bis 30 Personen teilnehmen. Es geht dabei in erster Linie darum, die Fachkompetenzen der einzelnen Akteure zusammenzubringen, gemeinsame Ziele zu entwickeln und Umsetzungskonzepte sowie konkrete Maßnahmen zu erarbeiten. Für eine erfolgreiche Durchführung ist entscheidend, dass die Gespräche ergebnisoffen geführt werden. Besteht für die Teilnehmenden nämlich keine Möglichkeit mehr, das Vorhaben zu beeinflussen, weil die Ergebnisse bereits vorher feststehen, führt dies bei ihnen häufig zu Frustration.

Mediation
Bei der Planung von Erneuerbare-Energien-Anlagen zeigen sich Bürgerinnen und Bürger immer wieder besorgt über gesundheitliche Auswirkungen durch Lärm der Anlagen oder über mögliche, negative Folgen für das Landschaftsbild sowie Pflanzen und Tiere. Diese Befürchtungen können zu ernsten Konflikten führen. Begegnet man solchen Auseinandersetzungen allerdings frühzeitig, können sie durch informelle Bürger- und Öffentlichkeitsbeteiligung häufig befriedet werden. Ist ein Konflikt jedoch bereits festgefahren und sind die Fronten verhärtet, bietet sich eine gezielte Mediation an. Die Ergebnisse eines Mediationsverfahrens sind zwar rechtlich nicht bindend, die Strukturen und Mechanismen dieses Formates führen aber dazu, dass der Planungsträger die Ergebnisse nicht völlig missachten kann.

Lokale Infomessen
Das Format der lokalen Infomesse dient dazu, die Öffentlichkeit über den Ausbau der erneuerbaren Energien vor Ort zu informieren. Auf dieser Veranstaltung können sich Bürgerinnen und Bürger bei den anwesenden Gutachterinnen und Gutachtern, Planungsbüros sowie weiteren Akteuren, die an der Planung und Genehmigung der Anlagen beteiligt sind, informieren. Aktive Natur- und Artenschutzverbände sowie Bürgerinitiativen erhalten hier ebenfalls die Möglichkeit, den Interessierten ihr Anliegen an einem Messestand näher zu bringen. Die Besucherinnen und Besucher schätzen an diesem Format besonders, dass man sich entsprechend des eigenen Wissensstands und vor allem gemäß der eigenen individuellen Interessen an die Expertinnen und Experten wenden und sich nach Aspekten des Betriebs geplanter Erneuerbare-Energien-Anlagen oder über ihren Bauprozess erkundigen kann. Dieses Angebot schätzen besonders Personen, die mit ihren Anliegen auf größeren Informationsveranstaltungen normalerweise nur wenig Gehör finden. Der EnergieDialog.NRW der EnergieAgentur.NRW unterstützt Kommunen sowie Projektentwicklerinnen und -entwickler dabei, solche lokalen Infomessen zu organisieren und durchzuführen.

Projektbeispiele

Dokumente

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Kursbuch Bürgerenergie
der Umweltstiftung

Toolbox „partizipativ innovativ“
Ergebnis des transdisziplinären Forschungsprojekts InnoSmart

Akteure im kommunalen Klimaschutz erfolgreich beteiligen – von den Masterplan-Kommunen lernen
Deutsches Institut für Urbanistik (DIfU)

Windenergievorhaben und Akzeptanz
EnergieAgentur.NRW

Wettbewerb "Ausgezeichnet! Wettbewerb für vorbildliche Bürgerbeteiligung"
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (Bewerbungsfrist endet am 31.3.2018)

Kommunale Energieautarkie

Mehr und mehr Gemeinden stellen sich der Herausforderung, die eigene Energieversorgung mit regenerativen Energien sicher zu stellen und durch eine positive Energiebilanz einen umfassenden Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Dazu erstellen die Gemeinden ein Gesamtkonzept, das alle relevanten Bereiche wie Mobilität, Strom- und Wärmeversorgung umfasst. Ziel energieautarker Gemeinden oder Regionen ist es, die Energieversorgung von fossiler Energie zumindest bilanziell unabhängig zu machen und den Bedarf zu 100% aus erneuerbaren Quellen im eigenen Gemeindegebiet zu decken. Durch das Gesamtkonzept werden die einzelnen Maßnahmen gebündelt, aufeinander abgestimmt und langfristig gezielt verfolgt. So entsteht ein kommunales Leitbild „Energieautarkie“, auf das alle städtischen Akteure ihr Handeln ausrichten können. Die kommunale Energieautarkie ist damit das ambitionierteste Ziel zur Minderung der CO2-Emissionen auf lokaler Ebene und eine besondere Herausforderung im Rahmen der Stadtplanung.

Vorgehen
Ziel und Motivation für eine kommunale Energieautarkie ist die Stärkung der Versorgungssicherheit, die Unabhängigkeit von Energieimporten, eine kalkulierbare Stabilität der Energiepreise und eine signifikante Ausnutzung der lokalen Wertschöpfungspotenziale. Mit einer breiten, gelungenen Akteurs- und Bürgerbeteiligung wird darüber hinaus Akzeptanz für die Energiewende vor Ort geschaffen.

Der Weg zur Zielerreichung ist dabei abhängig von den individuellen Rahmenbedingungen der jeweiligen Kommunen und ihrem eigenverantwortlichen Engagement. Hier sind viele Umsetzungsstrategien möglich, die z.B. von ländlichen Räumen, solitären Verdichtungsgebieten und städtischen Ballungsräumen entsprechend differenzierte Vorgehensweisen erfordern.

Die Erreichung kommunaler Energieautarkie setzt eine integrierte Betrachtung der energie- und klimarelevanten Sektoren Strom, Wärme und Verkehr voraus. Grundlage ist die Erstellung einer ganzheitlichen Konzeption, z.B. kommunaler Klimaschutzkonzepte, als „Arbeitsgrundlage“ für eine schrittweise Projektumsetzung.

Die Zielerreichungsstrategie basiert im Wesentlichen auf drei Handlungsfeldern:

  • Ausbau erneuerbarer Energien (= Ersatz fossiler Brennstoffe)
  • Steigerung der Energieeffizienz (= Energieeinsparung)
  • Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger (= Akzeptanz und Wertschöpfung)

1. Ausbau erneuerbarer Energien
Durch den Ausbau erneuerbarer Energien wird ein signifikanter Beitrag zur CO2-Minderung erreicht und damit ein nachhaltiger Beitrag zum Klimaschutz vor Ort geleistet.

Bei jeder Kommune, die das Ziel der Energieautarkie verfolgt, gilt es einen individuellen Weg zum maximalen Ausbau des Anteils der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung auszuarbeiten. Dies betrifft alle erneuerbare Energien (Wind, Sonne, Wasser, Biomasse) gleichermaßen sowie eine sinnvolle Vernetzung der Energieträger untereinander, z.B. durch Errichtung regenerativer Energieparks. Hierfür eignen sich insbesondere Konversionsflächen oder Brachflächen zur Folgenutzung.

Denkbar sind auch interkommunale oder regionale Ausbaukonzepte (z.B. Masterplan 100% des Kreis Steinfurt), um von den Potenzialen einzelner Gemeinden zu profitieren und ggf. Standortnachteile untereinander auszugleichen.

Ein weiterer Handlungsansatz ist die Substitution der fossilen Energieträger bei der Wärmeversorgung. Im ländlichen Raum kommen dabei insbesondere Biogasanlagen oder Holzhackschnitzelanlagen in Betracht. Auch der Ausbau von regenerativen Wärmeversorgungsnetzen und die Technologie der Kraft-Wärme-Kopplung als effiziente Energiegewinnungsformen stellen sinnvolle Alternativen dar.

Eine große Bedeutung bei der Erreichung kommunaler Energieautarkie kommt außerdem der lokalen Netzinfrastruktur sowohl für Strom als auch für Gas zu. Lokale Betreibermodelle sind hier unter Umständen geeignete Instrumente zur Sicherung der örtlichen Energieversorgung, langfristiger Preisstabilität sowie der Unabhängigkeit von Energieimporten.

2. Steigerung der Energieeffizienz
Neben einer konsequenten Umstellung auf erneuerbare Energien stehen im zweiten Handlungsfeld Energieeinsparungspotenziale und Energieeffizienzmaßnahmen im Vordergrund. Dabei geht es insbesondere in den Bereichen der Wärme- und Stromversorgung sowie der Mobilität um nichtausgeschöpfte Einsparmöglichkeiten. Neben dem Ausbau des Angebotes effizienter Wärmeversorgungssysteme wird nicht zuletzt auf Einflussmöglichkeiten auf das Nutzerverhalten (s.u.) abgezielt. Dazu ist der Aufbau umfangreicher zielgruppenspezifischer Informations- und Beratungsangebote von entscheidender Bedeutung. Ebenso ist eine lokale Verankerung sowie ein entsprechender Ausbau lokalen Know Hows von möglichst vielen Akteuren vor Ort wichtiger Bestandteil einer entsprechenden Breitenwirkung (capacity building). Eingebunden werden müssen die privaten Haushalte, Unternehmen aus Industrie und Gewerbe sowie die Kommune mit ihrer wichtigen Vorbildfunktion gleichermaßen.

3. Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger
Ein wichtiger Faktor für die Akzeptanz eines solchen Transformationsprozesses ist die Sicherung einer möglichst hohen Mitwirkungsbereitschaft der Bevölkerung an der Zielsetzung kommunaler Energieautarkie. Diese ist nicht alleine die Aufgabe der öffentlichen Hand, der Energieversorgungsunternehmen oder einzelner Akteure, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung für das Gemeinwesen.

Für die Bürger bedeutet dies, dass die Energiewende nicht nur auf technische Innovationen und Neuerungen basiert, sondern vor allem durch eine Bewusstseinsänderung der Bevölkerung vollzogen werden wird. Es geht dabei primär darum, die Ideen von Klimaschutz in die Köpfe der Menschen zu transportieren, für Mitwirkung zu werben, eine möglichst breite Umsetzungsebene aufzubauen und langfristig eine Verhaltensänderung beim Energieverbrauch zu bewirken. Daher sind Maßnahmen und Projekte zur Änderung des Verbraucherverhaltens ein wichtiger integrativer Konzeptansatz in der Strategie zur kommunalen Energieautarkie.

Projektbeispiele

Dokumente

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

100ee-Regionen
des Instituts dezentrale Energietechnologien (IdE)

Masterplan 100 % Klimaschutz für den Kreis Steinfurt – Kurzfassung
Kreis Steinfurt

Förderung

Kommunales Energiemanagement

Überblick

Der Anteil der CO2-Emissionen kommunaler Liegenschaften ist zwar im Vergleich zu anderen kommunalen Handlungsfeldern wie beispielsweise privaten Haushalten oder dem Gewerbe in aller Regel vernachlässigbar, trotzdem sind Energieeffizienzmaßnahmen in kommunalen Liegenschaften wichtig. Gerade hierdurch können entscheidende Impulse zur Klimaentlastung, aber natürlich auch zur Entlastung der öffentlichen Kassen ausgehen.

Die Bedeutung von Energiespar- und Klimaschutzmaßnahmen in diesem Bereich liegt weniger in der Funktion der Kommune als Energieverbraucher als vielmehr in ihrer Vorbild- und Multiplikatorfunktion gegenüber Verbrauchern und Unternehmen. Darüber hinaus wird in der Öffentlichkeit die Glaubwürdigkeit einer kommunalen Klimaschutzpolitik oft an der Umsetzung in den eigenen Liegenschaften gemessen.

Im Idealfalle erfolgen Energieeffizienzmaßnahmen in kommunalen Liegenschaften im Rahmen eines strategischen, langfristig angelegten kommunalen Energiemanagements. Die Aufgaben des Energiemanagements reichen hierbei von der Energieverbrauchserfassung und -auswertung über die Durchführung von Gebäudeanalysen bis hin zur Planung und Koordination von Energieeinsparmaßnahmen. Dabei gilt es, die ganze Bandbreite von Energieeinsparmöglichkeiten auszunutzen und aufeinander abzustimmen. Hierzu gehören gering- bzw. nichtinvestive Maßnahmen ebenso wie die optimale Betriebsführung von Anlagen und investive Maßnahmen wie Heizungssanierungen oder Wärmedämmmaßnahmen. Flankiert werden diese Aktivitäten idealer weise durch Motivationsprogramme zum energiebewussten Verhalten, aber auch durch entsprechende Mitarbeiter- und Nutzerschulungen.

Detaillierte Informationen zu den organisationsstrukturellen und personellen Rahmenbedingungen sowie zum Aufbau eines Energiecontrollings im Rahmen des kommunalen Energiemanagements befinden sich auf dem Portal KommmunaleEnergieeffizienz.NRW der EnergieAgentur.NRW.

 

Entwicklung von Energieleitlinien für alle kommunalen Entscheidungen

Viele nordrhein-westfälische Kommunen betreiben bereits ein strategisches Energiemanagement. Diese Aufgabe wird in aller Regel vom kommunalen Energiebeauftragten, beziehungsweise bei größeren Kommunen von der jeweiligen Organisationseinheit koordiniert, berührt aber in der täglichen Arbeit viele andere Bereiche der kommunalen Verwaltung. Energieleitlinien bieten für Kommunen eine gute Möglichkeit, ihr Handeln an Energieeffizienz und Energieeinsparung zu orientieren und bereichsübergreifend zu vereinheitlichen.

Energieleitlinien stellen ein umfassendes Regelwerk zur Planung von kommunalen Bauvorhaben, zum Betrieb von energieverbrauchsrelevanten Anlagen sowie zu Zuständigkeitsregelungen im Bereich Energiemanagement dar. Die Leitlinien sollten von der Verwaltungsspitze und den politischen Gremien beschlossen werden, um einen entsprechenden Stellenwert zu erhalten und die Verbindlichkeit der festgelegten Standards zu gewährleisten.

Die Umsetzung der Energieleitlinien im kommunalen Verwaltungsalltag sollte regelmäßig überprüft werden. Neben allgemeinen Zielen enthalten Energieleitlinien konkrete Grundregeln zur Wirtschaftlichkeitsberechnung, zu Baumaßnahmen, Elektroinstallation und Betrieb der energierelevanten technischen Einrichtungen. Darüber hinaus wird in Energieleitlinien vorgegeben, wer wem gegenüber weisungsberechtigt ist, und wer frühzeitig in eine Planung einbezogen werden muss.

Vorgehen

Planungsanweisungen
Die Planungsanweisungen zum energieeffizienten Bauen beziehen sich auf Neubau- und Sanierungsvorhaben sämtlicher kommunaler Gebäude. Inhalte können beispielsweise energetische Anforderungen (z. B. Passivhausstandard) oder Vorgaben an die Planung von Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen bis hin zu Beleuchtungsanlagen sein. Architekten und Ingenieure aller kommunalen Planungsbereiche sowie externe Dienstleister müssen zur Einhaltung dieser Planungsanweisungen verpflichtet werden.

Betriebsanweisungen
Anweisungen für eine höchstmögliche Energieeffizienz beim Betrieb aller kommunalen Anlagen beinhalten z.B. Angaben zum Heizungsbetrieb. Da die Höhe des Heizenergieverbrauches wesentlich von der Raumtemperatur abhängt, können beispielsweise Raumtemperaturen für verschiedene Nutzungen vorgegeben werden. Weitere Anweisungen betreffen die Lüftungs- und Klimatechnik sowie die Elektro- und Sanitäranlagen. Voraussetzung für eine sparsame Betriebsführung sind regelmäßige Verbrauchserfassungen.

Zuständigkeitsregelungen
In die Umsetzung der Leitlinien sind grundsätzlich alle kommunalen Mitarbeiter einzubinden. Die Zuständigkeitsregelungen legen darüber hinaus fest, wer für die einzelnen Maßnahmen aus den Leitlinien verantwortlich ist. Bewährt hat sich die Bildung einer übergeordneten Organisationseinheit „Energiemanagement", die als zentraler Ansprechpartner in allen Fragen der rationellen Energieverwendung auftritt.

Projektbeispiele

  • Stadt Köln
    Energieleitlinien
    Ansprechpartner:
    Michael Nawroth
    Gebäudewirtschaft der Stadt Köln
    Leiter Sachgebiet Energiemanagement
    Tel. 0221 221 20 510

Dokumente

Energieleitlinien (2017)
Stadt Köln, PDF - 497 KB

Anforderungen Gebäudeautomation  (2017)
Stadt Köln, PDF - 985 KB

Anforderungen an Eigenerzeugungsanlagen  (2017)
Stadt Köln, PDF - 252

 

 

 

 

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Besserer Baustandard als EnEV bei Neubau und Sanierung

Der kommunale Gebäudebestand ist einer der entscheidenden Ansatzpunkte beim kommunalen Klimaschutz. Einerseits ist er natürlich Hauptemittent der Energieverbraucher, die in der Verantwortung der Kommunalverwaltung liegen. Andererseits repräsentieren die Gebäude auch die Stadt gegenüber ihren Bürgern. Daher sind sie sozusagen Klimabotschafter der Kommune in der Öffentlichkeit.

Wenn die Klimaschutzziele ernst gemeint sind, dann muss bei jeder Sanierung und bei jedem Neubau der maximal mögliche und wirtschaftlich vertretbare Energiestandard realisiert werden. Passiert das nicht, dann ist diese Gelegenheit für die nächsten zwanzig bis fünfzig Jahre verpasst – nämlich bis zur nächsten notwendigen Erneuerung. Da die öffentliche Hand zur Wirtschaftlichkeit verpflichtet ist, sollten Lebenszykluskosten als Kriterium bei Vergaben berücksichtigt werden, da nur so alle Kosten einfließen (z. B. Investitionskosten, Betriebskosten, Verbrauchskosten). Oft schneiden die besseren Energiestandards dann deutlich besser ab. Wenn dieser Zusammenhang akzeptiert ist, empfiehlt sich ein politischer Grundsatzbeschluss, der den optimierten Baustandard als maßgeblich festschreibt.

Klimaschutz und Kostensenkung gehen Hand-in-Hand

Im Gebäudebestand sind energiesparende Maßnahmen vor allem dann wirtschaftlich realisierbar, wenn sie mit ohnehin zu tätigenden Maßnahmen verbunden werden können. Dabei stellt sich die Frage: Wie hoch dürfen die Mehrkosten ausfallen? Bis zu welcher Höhe lassen sie sich durch die zu erwartende Energieeinsparung rechtfertigen?
 

Stichwort „Neubau“

Dass energieoptimierte Gebäude nicht mit höheren Kosten als „normale“ Gebäude verbunden sein müssen, wurde bereits 2009 in der Auswertung der Förderprojekte im Programm „Energieoptimiertes Bauen“ des Bundesforschungsministeriums nachgewiesen. Die Kosten der Projekte variierten zwar deutlich, lagen aber fast ausschließlich innerhalb der Vergleichswerte des Baukostenindexes, waren also nicht wirklich teurer als Gebäude im normalen Baustandard.

Diese Frage hat sich auch die Stadt Köln gestellt. In einer Vergleichsrechnung hat sie 2009 Folgendes festgestellt: Beim Neubau einer Standard-Grundschule führt eine Verbesserung des von der damaligen Energieeinsparverordnung (EnEV) geforderten Dämmstandards um 25 bis 30 Prozent lediglich zu Mehrkosten von rund 1,4 Prozent. Für den Passivhaus-Standard ergeben sich Mehrkosten von 5 bis 8 Prozent. Diese Ausgaben amortisieren sich in aller Regel über die Nutzungsdauer des Gebäudes.

Stichwort „Sanierung“

Diese Erfahrung bestätigt auch die Stadt Baesweiler. Im Rahmen eines DBU-Projektes ließ sie untersuchen, welcher Energiestandard bei Sanierungen realisiert werden sollte. Das Ergebnis ist eindeutig: Wenn eine Sanierung ansteht, sollte der bestmöglichste Energiestandard – in der Regel mit Passivhaus-Komponenten – realisiert werden, nur so lässt sich der kommunale Haushalt langfristig optimal entlasten. Lassen sich mehrere anstehende Einzelmaßnahmen miteinander verbinden, sollte geprüft werden, ob diese zu einer Gesamtsanierung des Gebäude(-teils) verbunden und im Passivhaus-Standard realisiert werden können.

Die Stadt Köln hat einen ähnlichen Beschluss gefasst: Bei Sanierungen sollen nach Möglichkeit passivhaustaugliche Bauteile eingebaut werden. Ist die Wirtschaftlichkeit dabei nicht gegeben, dann soll die EnEV dennoch soweit wie möglich unterschritten werden.

Das Unterschreiten der Mindestanforderungen der EnEV ist meist sinnvoll und wirtschaftlich zu rechtfertigen, da die Aktualisierung der Verordnung naturgemäß immer der Fortentwicklung der Technik hinterher hinkt. Zielwerte können sein: 10 bis15 % unter dem geforderten Primärenergiebedarf der EnEV bzw. um bis zu 25 % unter den maximal zulässigen Transmisssionswärmeverlusten. Der leitende Architekt sollte bei jeder Baumaßnahme beauftragt werden, das baulich machbare und wirtschaftlich vertretbare Optimum zu planen.

Ein willkommener Nebeneffekt ist, dass wenn sich mehrere Einzelmaßnahmen zu einer Gesamtsanierung verbinden lassen die Förderprogramme der KfW besonders attraktiv sind. Nicht nur zinsgünstige Darlehen für Gesamtsanierungen und Einzelmaßnahmen werden angeboten, sondern es ist auch möglich – je nach erreichtem Energiestandard – einen Teilschulderlass zu erhalten.

Ein Grundsatzbeschluss setzt Standards

Beispielhaft ist der Pragmatismus der Stadt Köln: Mit einem Grundsatzbeschluss hat sie die Passivhausbauweise zum Standard erhoben. Der Vorteil: Es muss nicht jedes Mal neu über den Sinn von Energieeffizienz diskutiert werden. Vielmehr gibt es nun einen Rechtfertigungsdruck, wenn man von diesem Standard abweichen möchte. Das entlastet den politischen Entscheidungsalltag bei der Menge der anstehenden Baumaßnahmen erheblich. Recht und billig ist, dass auch ein Grundsatzbeschluss in regelmäßigen Abständen überprüft wird. So wurde im Zuge der Beratungen zur Haushaltskonsolidierung in Köln Kosten und Standards bei Baumaßnahmen auf den Prüfstand gestellt. Je nach Ausgang dieser Diskussion kann dies natürlich zu einer Modifikation des Grundsatzbeschlusses führen.

Nach dem Grundsatzentscheid wurden die Energieleitlinien der Stadt um einen entsprechenden Passus erweitert. Sie definieren die städtischen Mindeststandards im Baubereich und müssen bei jeder Baumaßnahme berücksichtigt werden. Stellt sich bei der Planung heraus, dass sich der Passivhausstandard mit vertretbarem Aufwand nicht erreichen lässt, dann kann im Einzelfall davon abgewichen und das Gebäude in dem die EnEV trotzdem übertreffenden Standard realisiert werden. Die Wirtschaftlichkeit bleibt somit gewahrt.

Als weitere Hilfestellung für die planenden Fachingenieure wurde die „Anlage zu den Bau-, Qualitäts- und Ausstattungsstandards (BQA)“ erstellt. In ihr sind die „Rahmenbedingungen: Passivhaus-Standard – Schulen und Kindertageseinrichtungen“ festgeschrieben.

Projektbeispiele

  • Stadt Köln
    Grundsatzbeschluss zum Passivhausstandard
    Ansprechpartner:
    Michael Nawroth
    Gebäudewirtschaft
    Tel. 0221 22120510
    michael.nawroth@stadt-koeln.de
     
  • Stadt Baesweiler
    Sanierung kommunaler Gebäude zum Passivhausstandard
    Ansprechpartner:
    Ralf Peters
    Tel. 02401 800 0

Dokumente

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Wirtschaftlichkeit von energieoptimierten Gebäuden
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi)

Studie Sanierungsstandard für kommunale Gebäude
der Stadt Baesweiler

Grundsatzbeschluss der Stadt Köln zur Realisierung des Passivhaus-Standards
Ratsvorlage, Ratsbeschluss, Energieleitlinien

Förderung

Contracting

Die Modernisierung der Energieversorgung eines Gebäudes oder einer vorhandenen Liegenschaft scheitert häufig an einem entscheidenden Punkt: Es fehlen die erforderlichen Finanzmittel. Das Contracting ist eine bewährte Form der Projektumsetzung, die dieses Problem oft lösen kann. Sie ermöglicht eine wirtschaftliche und umweltgerechte Sanierung, ohne eigene Investitionen tätigen zu müssen.

Hierbei handelt es sich um ein Outsourcing auf Zeit von Aufgaben und Risiken der Nutzenergiebereitstellung oder -lieferung auf ein hierauf spezialisiertes Unternehmen. Im Mittelpunkt steht die Idee, eine Modernisierung und Optimierung von Energieerzeugungs- und -verteilungsanlagen in Gebäuden oder Liegenschaften ohne Einsatz eigener Geldmittel zu ermöglichen.

"Contracting" ist ein Oberbegriff für verschiedene Arten von Energiedienstleistungen. Ein Contractor bündelt die Teilleistungen Planung, Finanzierung, Bau, Betrieb und Instandhaltung zu einem attraktiven Gesamtpaket – die Zahl der Schnittstellen und Ansprechpartner werden für den Immobilieneigentümer auf diese Weise erheblich reduziert. Der Contractor übernimmt zudem - ganz oder teilweise - die Verantwortung und die damit verbundenen wirtschaftlichen Risiken für den an ihn übertragenen Teil der Energiebewirtschaftung des Kundenobjektes.

Der Begriff Contracting ist in Deutschland seit Beginn der neunziger Jahre geläufig. Derzeit bemühen sich rund 500 in Deutschland tätige Contractoren, Kunden aus Reihen der Wohnungswirtschaft, der öffentlichen Verwaltungen, der Krankenhäuser oder aus Gewerbe und Industrie von den Vorteilen dieser Betreiber- und Finanzierungsmodelle zu überzeugen.

Angesichts der jüngeren gesetzlichen Vorgaben wie dem KWKG, dem EEWärmeG oder dem EDL-Gesetz kann von einem weiteren Wachstum der Contracting-Branche ausgegangen werden. Die energierechtlichen Bestimmungen werden für den Gebäudeeigentümer zunehmend komplexer, so dass das Know-how spezialisierter Contractoren immer häufiger angefragt wird.

Viele Contractoren verzeichnen jährliche Umsatzsteigerungen. Typische Herkunftsbranchen der am Markt tätigen Contractoren sind:

  • Energiedienstleistungsunternehmen
  • Anlagenbauer
  • Gas- und Elektrizitätsversorgungsunternehmen
  • Stadtwerke
  • Handwerksbetriebe
  • Energieagenturen

Dokumente

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Portal Contracting
der EnergieAgentur.NRW

Contracting-Varianten

Seit Bekanntwerden des Begriffs Contracting gab und gibt es immer wieder Verwirrung aufgrund der Begriffsvielfalt. Klarheit – zumindest für Experten − hat erst die seit Ende 2003 veröffentlichte DIN 8930 Teil 5 "Contracting" gebracht. Die Norm definiert die vier verschiedenen Contracting-Varianten Energieliefer-Contracting, Finanzierungs-Contracting, technisches Anlagenmanagement und Einspar-Contracting in ihren Reinformen. Kombinationen sind möglich.

Energieliefer-Contracting
Energieliefer-Contracting ­ oder Anlagen-Contracting ­ ist die am weitesten am Markt verbreitete Variante. Anwendungsschwerpunkt ist die Erneuerung bzw. Erstinstallation von Anlagen im Bereich der Energiezentralen. Der Contractor übernimmt ­ je nach gewünschtem Leistungsumfang − Planung, Finanzierung, Bau, Betrieb und Instandhaltung sowie zumeist den Brennstoffbezug. Übliche Vertragslaufzeiten umfassen 10 bis 15 Jahre.

Als fertiges Produkt liefert der Contractor dem Kunden die letztendlich benötigte Nutzenergie in Form von Wärme, Dampf, Kälte, Strom, Druckluft oder Licht in definierter Menge und Qualität.

Die Vergütung erfolgt auf Basis eines zumeist zweiteiligen Preissystems bestehend aus:

Grundpreis [in €/a]

Arbeitspreis [in €/Einheit Nutzenergie]


Die Preise unterliegen fest vereinbarten Preisgleitklauseln, um Änderungen der Brennstoffpreise und Lohn- und Materialkosten an den Kunden weitergeben zu können. Energieliefer-Contracting eignet sich für bestehende Gebäude und Neubauten.

Finanzierungs-Contracting

Finanzierungs-Contracting bzw. Anlagenbau-Leasing ist in der Regel weniger verbreitet und belässt im Unterschied zu anderen Contracting-Modellen den Anlagenbetrieb beim Contractingnehmer. Das Dienstleistungspaket beinhaltet im Wesentlichen die Leistungen Planung, Finanzierung und Bau zumeist gut abgrenzbarer Anlagentechniken, wie z. B. Beleuchtungs- oder Wärmerückgewinnungsanlagen. Die Höhe der üblicherweise festen Entgelte an den Contractor hängt – wie beim Leasing – von der Vertragslaufzeit und der Höhe der Investitionen ab.

Technisches Anlagenmanagement

Beim Technischen Anlagenmanagement (Betriebsführungs-Contracting) bildet der optimierte Betrieb bestehender oder neuer energietechnischer Anlagen den Schwerpunkt der Dienstleistung. Während bei marktüblichen Wartungs- und Serviceverträgen der Anlagenbetrieb in der Verantwortung des Kunden bleibt, übernimmt bei diesem Modell der Contractor die Betriebsführung. Die Form der Leistungsvergütung an den Contractor ähnelt üblicherweise dem Vergütungsmodell des Energieliefer-Contractings, jedoch mit deutlich geringeren Grundpreisen.

Vertragslaufzeiten können mit ein bis zwei Jahren sehr kurz, selten längerfristig, sein. Nicht selten geht eine Vereinbarung über Technisches Anlagenmanagement bei Notwendigkeit einer umfangreicheren Anlagenmodernisierung in ein Energieliefer-Contracting über.

Energiespar-Contracting

Beim Energiespar-Contracting, auch als Performance-Contracting bekannt, verkauft der Contractor im Unterschied zum Energieliefer-Contracting keine effizient erzeugte Nutzenergie, sondern ein Energiesparkonzept mit verbindlicher Einspargarantie für die benötigten Endenergien wie Strom, Gas, Heizöl, Fernwärme oder Wasser bzw. Abwasser.

Häufig findet bei dieser Variante eine Gewerke übergreifende Optimierung der vorhandenen Gebäudetechnik statt. Leitgedanke ist eine durch den Contractor garantierte Energiekostensenkung, die ausreicht, vorhandene und durch den Contractor vorfinanzierte Optimierungs- und Modernisierungsinvestitionen über die Vertragslaufzeit zu refinanzieren.

Übliche Vertragslaufzeiten für dieses Modell betragen 6 bis 15 Jahre. Energiespar-Contracting eignet sich für größere Einzelgebäude oder Gebäudekomplexe mit mehr als 150.000 € Energiekosten pro Jahr. Kleineren Gebäuden (z. B. Schulen, Verwaltungsgebäuden) steht der Zugang zu diesem Modell durch eine Bündelung mit größeren Objekten zu einem Gebäudepool ebenfalls offen.

In vermieteten Gebäuden mit vielen Nutzern ist Energiespar-Contracting nicht ohne weiteres umsetzbar.

Die Vergütung des Contractors ist im Regelfall erfolgsabhängig oder erfolgt auf Grundlage nachgewiesener oder zumindest rechnerisch ermittelbarer Energieeinsparungen. Eine typische Entgeltregelung ist:

Contractingrate [in €/a]

Berechnung aus erreichter Energieeinsparung bewertet mit Referenzenergiepreisen und Referenzverbrauch (sog. „Energiekosten-Baseline“) vor Umsetzung der Contracting-Maßnahmen.

Einspargarantien in Höhe von 20 bis 25 % der bisherigen Energiekosten können als durchschnittlich angesehen werden. Wird die Einsparquote am Jahresende nicht erreicht, geht der Minderbetrag zu finanziellen Lasten des Contractors. Wird das Einsparziel überschritten, teilen sich Kunde und Contractor den zusätzlichen Erfolg im Regelfall nach vereinbarten Verteilungsschlüsseln auf.

Energiespar-Contracting plus bauliche Sanierung

Neben der Gebäudetechnik werden durch Weiterentwicklungen beim „Energiespar-Contracting plus“ Maßnahmen im baulichen Wärmeschutz im Einspar-Garantievertrag berücksichtigt.

Die Amortisationszeiten von baulichen Maßnahmen, wie etwa die Dämmung der Gebäudehülle, sind meist länger als die üblichen Vertragslaufzeiten von Energiespar-Contracting. Betrachtet man allerdings die Nutzungsdauer eines Gebäudes, sind solche Maßnahmen ebenfalls häufig wirtschaftlich.

Um eine Gesamtoptimierung mit allen baulichen, technischen und organisatorischen Möglichkeiten im Rahmen eines ganzheitlichen Energiespar-Contracting-Projektes realisieren zu können, bieten sich Optionen wie

− die Zahlung eines einmaligen Baukostenzuschusses durch den Gebäudeeigentümer

− die Zahlung eines zusätzlichen festen Grundpreises [in €/a] oder

− eine Verlängerung der Vertragslaufzeit

an, sofern Contractor und Kunde sich hierauf verständigen und eine langjährige Nutzung des Gebäudes abzusehen ist.

Die Einspargarantie des Contractors gilt dann für das gesamte Maßnahmenpaket. Er übernimmt die Verantwortung für die Umsetzung und Instandhaltung aller Maßnahmen.

Kombinations-Modelle

Grundsätzlich sind Kombinationen unterschiedlicher Contracting-Varianten möglich und – bislang allerdings eher selten − in der Praxis vorzufinden. Gründe für die fehlende Verbreitung von Kombinations-Modellen stellen sicherlich das Fehlen öffentlich zugänglicher Vertragsmuster und Ausschreibungstexte sowie die Interessen der jeweiligen Contracting-Anbieter dar.

Tendenziell bieten „versorgungsorientierte“ Contractoren eher Energieliefer-Contracting und Technisches Anlagenmanagement, „technologieorientierte“ Contractoren durchaus Energiespar- und Finanzierungs-Contracting-Lösungen an.

In jüngerer Zeit ist speziell bei führenden Anbietern von Energieliefer-Contracting eine Weiterentwicklung ihrer Dienstleistungen in Richtung einer verbindlichen Effizienz- oder Verbrauchsgarantie zu beobachten, z. B. durch Energieliefer-Contracting mit garantiertem Maximalverbrauch (Energiebudget-Contracting), u. Ä.

Nachhaltiges Erfolgscontracting

Mit dem BMWi-Forschungsprojekt „naerco“ wurde ein ganz neues Contracting-Modell zum „Nachhaltigen Erfolgscontracting“ entwickelt. Seit 2011 wird es am Gymnasium Marktoberdorf (Bayern) in einer ersten Pilotanwendung erprobt. Der Leitgedanke des Nachhaltigen Erfolgscontractings ist: Im Unterschied zum Energieliefer-Contracting, bei dem effizient erzeugte Nutzenergie aus neuen Anlagen geliefert wird, oder zum Energiespar-Contracting, bei dem eine verbindliche Einspargarantie durch ein zu entwickelndes Energiesparkonzept im Fokus steht, geht es beim Nachhaltigen Erfolgscontracting um eine vom Contractor zu garantierende Einhaltung vorab definierter Komfort- und Qualitätskriterien in den Räumen hinsichtlich Temperaturen, Luftfeuchte oder Energiekennwerte. Für deren Erreichung ist der Contractor mit einem durch ihn umzusetzendes Technikkonzept verantwortlich.

Die Contracting-Rate wird beispielsweise als Betriebsführungsentgelt in €/a abgerechnet. Abweichungen von den Soll-Kriterien müssen nachgebessert werden und führen zu einer Zahlungsminderung.

Contracting in der Beleuchtung

Beleuchtungsanlagen in Innen- und Außenbereichen werden – solange „das Licht brennt“ – wenig beachtet. Dabei bestehen hier Stromeinsparpotentiale von nicht selten über 70 %. Innovative Beleuchtungs-Contracting-Modelle können helfen, diese Einsparpotenziale ohne Einsatz eigener Geldmittel zu erschließen.

EuP-Richtlinie

Seit Inkrafttreten des Energiebetriebene-Produkte-Gesetzes (EBPG) im Jahr 2008, das die EU-Richtlinie 2005/32/EG (EuP-Richtlinie, Ökodesign-Richtlinie) in nationales Recht umgesetzt hat, wurden und werden u. a. die Effizienzanforderungen an neue Leuchten, Leuchtmittel und Betriebsgeräte stufenweise nach einem festgelegten Fahrplan erhöht. Private Anwender haben die Auswirkungen dieser Richtlinie u. a. durch das Verkaufsverbot mattierter Glühlampen seit September 2009 sowie das schrittweise „Aus“ von klaren Glühlampen erfahren. Hilfestellung für den Kauf der passenden Energiespar- oder LED-Lampe gibt der LAMPEN.navi der EnergieAgentur.NRW.

Gewerbliche und öffentliche Gebäudebetreiber, die zumeist Leuchten mit Leuchtstofflampen im Bereich der Innenraumbeleuchtung einsetzen, werden zukünftig bei Modernisierungen nur noch Leuchten mit besonders effizienten Vorschaltgeräte (EVG) und wenig Eigenverbrauch einsetzen dürfen.

Im Bereich der Straßenbeleuchtung werden u.a. ab April 2015 keine ineffizienten Quecksilberdampf-Hochdrucklampen (HME-Lampen) und die überwiegende Mehrzahl der aktuell erhältlichen Austauschlampen (HSE-Lampen, „Plug-Ins“) mehr verkauft werden dürfen.

Straßenbeleuchtung

Allein im Bereich der öffentlichen Straßenbeleuchtung mit etwa 9 Millionen Leuchten kann von einem Einsparpotential von 1,7 Milliarden kWh oder 260 Millionen € pro Jahr ausgegangen werden.

Neben dem Einsatz moderner Leuchten mit lichtlenkenden Optiken und effizienten Entladungslampen werden zunehmend LED-Leuchten in Wohn- und Nebenstraßen sowie im Innenstadtbereich installiert.

Die neuen strengeren Richtlinien der EU gelten ebenfalls für Straßenleuchten: Ab April 2015 werden EU-weit keine ineffizienten Quecksilberdampf-Hochdrucklampen (HME-Lampen) und (fast) keine der aktuell erhältlichen Austauschlampen (HSE-Lampen, „Plug-Ins“) mehr verkauft werden dürfen.

Dies kann vor allem in denjenigen Kommunen zu einem verstärkten Investitionszwang in den nächsten Jahren führen, die noch einen großen Altleuchtenbestand mit diesem nach wie vor stark verbreiteten Lampentyp (in Deutschland ca. 30 % Lampenanteil) betreiben. Denn neben den Leuchtmitteln wird der Elektroblock und bei älteren Anlagen teilweise sogar die gesamte Leuchte ausgetauscht werden müssen.

Im Bereich der Straßenbeleuchtung haben sich in den letzten Jahren unterschiedliche Contracting- und ÖPP-Modelle entwickelt, die sich von den seit Jahrzehnten üblichen Straßenbeleuchtungsverträgen teilweise deutlich unterscheiden, z.B.
 

  • Einspar-Contracting
  • Lichtliefer-Contracting
  • ÖPP-Verträge

Als wesentliche Unterschiede zu den althergebrachten Straßenbeleuchtungsverträgen, die vielerorts seit Jahrzehnten zusammen mit den örtlichen Stromkonzessionsverträgen vergeben wurden, beinhalten neuere Vertragsformen neben dem (optionalen) Strombezug, der Instandhaltung und Betriebsführung der Beleuchtungsanlagen vor allem Aufgaben der Planung und Finanzierung von Modernisierungsmaßnahmen sowie verbindliche Einspar- oder Effizienzgarantien.

Innenbeleuchtung

Häufig sind die Beleuchtungsanlagen innerhalb der Gebäude alt und ineffizient. Durch den Einsatz moderner Rasterspiegel-Leuchten mit effizienten Entladungslampen oder zunehmend von LED-Leuchten können in der Innenraumbeleuchtung Betriebskosten um teilweise mehr als zwei Drittel reduziert werden.

Hier gelten ebenfalls die neuen Richtlinien der EU: Die „dicken“ T12-Leuchtstofflampen werden ab 2012 nicht mehr über den Handel bezogen werden können. T8- und T5- Leuchtstofflampen werden somit zum Mindeststandard. Derzeit werden über den Markt zunehmend „LED-Tubes“ im Austausch für Leuchtstofflampen angeboten.

Contracting-Modelle für Innenraumbeleuchtungen werden derzeit noch von sehr wenigen Unternehmen angeboten, obwohl sich dieser Anwendungsbereich wegen des hohen Einsparpotenzials und den kurzen Amortisationszeiten sehr gut für Contracting-Modelle eignet.

Das am Markt noch verbreitetste Modell ist das Finanzierungs-Contracting

Die Contractingraten für Planung, Bau und Finanzierung der neuen Beleuchtungsanlagen orientieren sich hierbei an den kalkulatorischen Strom- und ggf. Betriebskosteneinsparungen im Vergleich zum Zustand vor der Modernisierung, so dass der Kunde bei Contractingmodellen von einer sofortige Kostenentlastung profitieren kann.

Contracting für öffentliche Gebäude / ÖPP

Bei öffentlichen Gebäuden oder Anlagen ist durch den anhaltenden Sparkurs vielerorts ein erheblicher Investitionsstau festzustellen. Immer häufiger muss der Nutzungszweck aufgrund der gravierenden Mängel insgesamt in Frage gestellt werden.

Eine Option, die zukünftige Nutzung sicherzustellen, können Öffentlich-Private-Partnerschaften (ÖPP oder englisch: PPP) sein. Contracting-Modelle gehören auch in diese Kategorie öffentlich-privater Kooperationen, stellen aber eine eigenständige Variante dar.

Contracting beschränkt sich im Unterschied zu Hochbau- oder Infrastrukturprojekten auf die Nutzenergieerzeugungs- und -verteilungsanlagen in Gebäuden und Liegenschaften. Insofern kann Contracting als "idealer Einstieg" in die Thematik ÖPP/PPP betrachtet werden: Erfahrungen, die hier im überschaubaren Bereich gemacht werden, können öffentlichen Entscheidungsträgern bei späteren, umfangreicheren Projekten zu Gute kommen.

Allgemein eignen sich für öffentliche Gebäude alle Contracting-Varianten einschließlich individueller Kombinationen. Eine Entscheidung, welche Contracting-Variante letztendlich am geeignetsten erscheint, bedarf immer einer individuellen Betrachtung.

Projektablauf für öffentlichen Gebäude

Grundsätzlich wird folgender Projektablauf (vereinfacht) bei der Umsetzung von Contracting-Vorhaben von der EnergieAgentur.NRW empfohlen.


Vorab ist zu sagen, dass in Abhängigkeit von der gewählten Contracting-Variante und der Komplexität der technischen Aufgabe der hier dargestellte vereinfachte Projektablauf bei Bedarf um weitere Zwischenschritte (z. B. vorgeschalteter Teilnehmerwettbewerb, Trennung in Grob- und Feinanalyse) zu ergänzen ist.

Genauere Informationen geben viele der veröffentlichten Contracting-Leitfäden.

Ausschreibung und Vergabe

Im Unterschied zu privatwirtschaftlichen Unternehmen sind öffentliche Auftraggeber bei der Angebotseinholung und der Auftragsvergabe an die Einhaltung formeller Vergaberichtlinien (VOB/A für Bauleistungen, VOF für freiberufliche Leistungen, VOL/A für sonstige Leistungen) gebunden. In Abhängigkeit von der Wahl der in Frage kommenden Contracting-Variante gibt es für öffentliche Auftraggeber für die gängigsten Modelle veröffentliche Contracting-Leitfäden, die zum Teil ausführliche Erläuterungen, Ausschreibungstexte und Vertragsmuster zur Verfügung stellen.

Bei Contracting-Vorhaben handelt es sich immer um eine Mischung aus Planungs-, Bau- und Lieferleistungen. Für jedes Projekt ist deshalb zu prüfen, welche Leistungsanteile den Schwerpunkt ausmachen. Durch die Wahl des Schwerpunktes werden relevanten Verdingungsordnungen festgelegt.

Aktuelle Leitfäden geben folgende Grundsatzempfehlungen:

Bei Energieliefer-Contracting handelt es sich regelmäßig um Aufträge, die nach den Bestimmungen der VOL/A auszuschreiben sind. Da der Schwellenwert mit 200.000 € Auftragsvolumen fast immer überschritten wird, ist eine EU-weite Ausschreibung der Regelfall.

Bei Einspar-Contracting handelt es sich regelmäßig um Aufträge, die eher nach den Bestimmungen der VOB/A auszuschreiben sind. Obwohl der Schwellenwert mit 5 Millionen € Auftragsvolumen nur bei größeren Vorhaben überschritten wird, wird auch hier eine EU-weite Ausschreibung empfohlen.

Contracting und Haushaltsrecht NRW

Grundsätzlich können Kommunen Contracting-Projekte durchführen. Diese müssen lediglich mit in die Haushaltsplanung einbezogen und im Jahresabschluss nachgewiesen werden.

Aus dem Runderlass des Innenministeriums vom 11.02.2015 „Kredite und kreditähnliche Rechtsgeschäfte der Gemeinden und Gemeindeverbände“, geht hervor, dass nach Nr. 4.1 ÖPP-Projekte in die Kategorie „kreditähnliche Rechtsgeschäfte“ eingestuft werden. Nach Nr. 5.2 des Erlasses sind Contracting-Projekte mit ÖPP-Projekten gleichzustellen. Nach § 75 II GO NRW muss „der Haushalt in jedem Jahr in Planung und Rechnung ausgeglichen sein. Er ist ausgeglichen, wenn der Gesamtbetrag der Erträge die Höhe des Gesamtbetrages der Aufwendungen erreicht oder übersteigt. Die Verpflichtung des Satzes 1 gilt als erfüllt, wenn der Fehlbedarf im Ergebnisplan und der Fehlbetrag in der Ergebnisrechnung durch Inanspruchnahme der Ausgleichsrücklage gedeckt werden können.“

Im Folgenden werden drei unterschiedliche Szenarien zu dem jeweiligen haushaltswirtschaftlichen Status betrachtet:

Ausgeglichener Haushalt
In NRW besteht eine Anzeigepflicht bei der Kommunalaufsicht, spätestens einen Monat vor rechtsverbindlicher Eingehung. Eine Anzeige ist nicht erforderlich für die Begründung von Zahlungsverpflichtungen im Rahmen der laufenden Verwaltung, § 86 IV GO NRW.

Nicht ausgeglichener Haushalt
Nach § 5 Satz 2 GemHVO NRW„soll das Haushaltssicherungskonzept einer Kommune die schnellstmögliche Wiedererlangung des Haushalts-ausgleichs gewährleisten und darstellen, wie nach Umsetzung der darin enthaltenen Maßnahmen der Haushalt so gesteuert werden kann, dass er in Zukunft dauerhaft ausgeglichen sein wird.“

Es besteht eine Anzeigepflicht bei der Kommunalaufsicht, spätestens einen Monat vor rechtsverbindlicher Eingehung, § 86 IV GO NRW. Das Projekt muss ins HSK eingestellt werden und das HSK muss genehmigt werden. Daraus muss hervor gehen, dass spätestens im zehnten Jahr der Haushaltsausgleich wieder erreicht wird, § 76 II GO NRW.

Vorläufige Haushaltsführung
Bereits begonnene Projekte dürfen zur Fortsetzung der Aufgaben umgesetzt werden. Dringende Ausgaben dürfen geleistet werden, wenn rechtliche Verpflichtungen bestehen / erfüllt werden, § 82 GO NRW. Im Allgemeinen ist der Nachweis der Wirtschaftlichkeit über die gesamte Lebensdauer einer Contracting-Maßnahme im Vergleich zur Eigenumsetzung auf Basis der Gesamtkosten (nach Vorliegen der Angebote / Grobanalysen) gegenüber der zuständigen Aufsichtsbehörde nachzuweisen.

Energieprojekte in Schulen und Kindergärten

Um die Energiewende umzusetzen bedarf es nicht nur der Aktivitäten aus Kommunen, Wirtschaft, Industrie und Privatpersonen sondern insbesondere auch der Mitwirkung unserer „Nachwuchskräfte“ aus Kindergärten und Schulen. Das Ziel muss es sein, Träger der Einrichtungen und Pädagogen dabei zu unterstützen, Kindern und Jugendlichen den schonenden Umgang mit den Ressourcen und die Nutzung Erneuerbarer Energietechniken zu vermitteln. Durch energiesparendes Nutzerverhalten kann zudem nicht nur ein Klimaschutzbeitrag geleistet werden, sondern auch ein Beitrag zur Kostensenkung in den Kommunen.

Energieprojekte in Schulen

Klimaschutz und rationelle Verwendung von Energie wird an vielen Schulen in NRW ernst genommen. Über 1.500 Schulen aus NRW in über 180 Kommunen und Gemeinden setzen sich im Handlungsalltag mit Energieprojekten für den Klimaschutz und den rationellen Umgang mit natürlichen Ressourcen auseinander. Bis zu 15 % Energie können Schulen durch geringinvestive Maßnahmen und einen bewussten Umgang mit Wasser, Wärme und Strom im Schulalltag einsparen. Auf Komfort muss hierbei nicht verzichtet werden. Die Projekte können mehrere Ziele verfolgen: Während einige Schulen das primäre Ziel verfolgen, den Energieverbrauch und damit auch die Kosten zu senken, so können bei anderen auch Fragen des Klima- und Umweltschutzes an erster Stelle stehen. Auch die Entwicklung von sozialen Kompetenzen wie z.B. Teamgeist, Kommunikationsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein können durch die Projekte gesteigert werden und für ein späteres Berufsleben der Schüler von Vorteil sein.

Vorgehen

Vertreter der Kommunalverwaltung initiieren und unterstützen in der Regel die Projekte an den Schulen, meist besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen Schulleitung, Lehrern, Schülern und Hausmeistern. Häufig wird eine schriftliche Vereinbarung zwischen Schulträger und Schulen abgeschlossen. Die EnergieAgentur.NRW gibt den Kommunen mit dem Projekt “EnergieSchule NRW” Hilfestellung bei der Konzeption und Umsetzung ihrer Projekte. Schulträger können eine kostenlose Initialberatung in Anspruch nehmen.

Projektbeispiele

  • Stadt Gelsenkirchen
    Klimaschutz macht Schule
    Ansprechpartnerin:
    steht noch nicht fest
    Referat Umwelt
    Tel. 0209 169-4605

Dokumente

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Themenseite: Energie und Klimaschutz in Schulen
EnergieAgentur.NRW

Klimaschutzinitiative
des BMU

Klimaschutzschulenatlas
des BMU

Projekt Fifty/Fifty
und andere finanzielle Anreize zum sparsamen Umgang mit Ressourcen

Schülerquiz „ENERGIEEXPERTEN“
EnergieAgentur.NRW

Weiterbildung für Grundschullehrer „Die Energie-Werkstatt“
EnergieAgentur.NRW

Seminar Energieeinsparung in Gebäuden
EnergieAgentur.NRW

Materialienlisten zum Thema Energie
der EnergieAgentur.NRW

Förderung

Energieprojekte in Kindergärten

Die Organisation von Energieprojekten in Kindergärten und Kindertagesstätten hat verschiedene Facetten. Einzelne Kindergärten oder Tagesstätten bringen das Thema durch eigene Initiative in den Kindergartenalltag ein. Viele Einrichtungen sind sich allerdings auch nicht sicher, wie sie spielerisch das Thema mit den Kindern erleben können oder wie sie selbst an Informationen zum Thema kommen. Daher haben Träger von Kindergärten und Tagesstätten wie Kirchengemeinden, Stadtverwaltungen oder Fördervereine vermehrt den Wunsch, die Einrichtungen bei Ihren Projekten zu unterstützen.

Vorgehen
Das Ziel von Energieprojekten in Kindergärten kann - wie auch in vielen Schulen - hierin liegen, konkrete monetäre Einsparungen zu erzielen und damit den Haushalt oder den Kindergarten-Etat zu entlasten. Viele Erzieherinnen geben aber bei der Zieldiskussion an, dass ihnen die sinnvolle Bearbeitung eines wichtigen Themas mit den Kindern von größerer Wichtigkeit ist. Der pädagogische Auftrag steht hier weit im Vordergrund. Daher führt die EnergieAgentur.NRW seit 2015 den Wettbewerb KlimaKita.NRW zur Unterstützung von Erzieherinnen und Erziehern durch.

Organisatoren von Projekten mit mehreren Einrichtungen (Kirchenkreise, Stadtverwaltungen etc.) sollten bedenken, dass als primäre "Zielgruppe" die Erzieherinnen und Erzieher anzusprechen sind. Können diese überzeugt werden, dass das Thema Platz im regulären Kindergarten-Alltag finden kann ohne eine zusätzliche Belastung darzustellen, dann hat das Energieprojekt gute Chancen, ein Erfolgsmodell zu werden.

Projektbeispiele

Dokumente

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Förderung

„Faktor Mensch“ – energiebewusstes Verhalten in Verwaltungen

Der Energieverbrauch in Bürogebäuden lässt sich nicht nur durch technische und organisatorische Maßnahmen in nennenswertem Umfang senken, sondern auch durch das energiebewusste Verhalten der Beschäftigten. Das Beispiel der Stadt Dortmund belegt dies eindrucksvoll: Fünf Jahre lang haben die fast 10.000 Beschäftigten der Stadt ihren Stromverbrauch jährlich um durchschnittlich 2,8 % im Vergleich zum Basisjahr gesenkt; gleichzeitig reduzierten sie die Energiekosten der Stadt um rund 1,1 Mio. Euro und die CO2-Emissionen um fast 2.500 Tonnen.

Die Ziele von Projekten und Kampagnen zur Sensibilisierung und Motivation der Beschäftigten für das energiebewusste Verhalten liegen auf der Hand: Reduzierung des Strom- und Wärmeverbrauchs und Verringerung der Kohlendioxid-Emissionen durch den „Faktor Mensch“.

Vorgehen
Wissenschaftliche Erkenntnisse und die Erfahrungen der EnergieAgentur.NRW seit 1999 belegen: Die große Mehrheit der Menschen verschwendet aus Gewohnheit Energie, am Arbeitsplatz ebenso wie zuhause. Denn in stabilen Kontexten gibt es viele alltägliche Handlungen, die nach bestimmten Mustern ablaufen, völlig unbewusst und automatisch. Demnach entwickelt der Mensch bei häufig wiederkehrenden Handlungen „Handlungsroutinen“, auch bei der Nutzung etwa von Bürogeräten, Lampen und Thermostatventilen. Die meisten Menschen verschwenden also unbewusst Energie, und sie tun dies zwar gedankenlos, aber aus reiner Gewohnheit – und ungewollt.

Vor diesem Hintergrund ist die „Nutzermotivation“ für das energiebewusste Verhalten weniger eine energiefachliche Aufgabe als vielmehr eine (motivations- und kommunikations-) psychologische Herausforderung und eine methodische Frage. Doch kann die interdisziplinär aufgestellte Sensibilisierung und Motivation tatsächlich langjährige Gewohnheiten hinterfragen, das Energiebewusstsein der Beschäftigten stärken und die gewünschten Verhaltensänderungen herbeiführen. Grundsätzlich können Projekte und Kampagnen zur Sensibilisierung und Motivation der Beschäftigten unterschiedlich ausgestaltet sein:

  • Vorhaben, die über einen kurzen Zeitraum durchgeführt werden (z.B. die “aktion.Efit")
  • Vorhaben, die über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren reichen (z.B. die "mission E")
  • Vorhaben, die dauerhaft in Verwaltungshandeln implementiert werden (z.B. die „mission E“, das Projekt „Energie sparen in der Gelsenkirchener Stadtverwaltung“oder der jährliche „Kommunale Energiesparpreis“ der Stadt Nürnberg)

Angebote der EnergieAgentur.NRW
Um Verwaltungen und Unternehmen bei ihren Energiesparaktivitäten zu unterstützen, hat die EnergieAgentur.NRW zwei Konzepte für die Sensibilisierung und Motivation der Beschäftigten entwickelt: die „aktion.Efit“ und die „mission E“. Die „mission E“ z.B. ist ein Konzept für individuelle verwaltungsinterne Motivationskampagnen, das „E“ steht für Energie, Effizienz, Einsparung, Emission und für das Engagement jedes Einzelnen. Dabei leisten die EnergieAgentur.NRW und ihre Lizenznehmer vor allem Hilfe zur Selbsthilfe: Sie befähigen den jeweiligen Anwender (bspw. eine Kommune) dazu, seine Motivationskampagne überwiegend in Eigenregie vorzubereiten und durchzuführen. Hierzu findet für bis zu 18 Multiplikatoren des Anwenders ein zweitägiges Inhouse-Einführungsseminar statt. Dieses Seminar vermittelt nicht nur die wichtigsten Grundlagen in den Disziplinen Kommunikation, Psychologie, Energietechnik und Campaigning. Die Teilnehmer beginnen in dem Seminar auch mit ihrer Kampagnenplanung: Sie beraten über Ziele, Zielgruppen, Start und Laufzeit, Auftaktveranstaltung, Aktivitäten und Zeitplanung und treffen die ersten strategischen und operativen Entscheidungen für die konkrete Ausgestaltung ihrer individuellen „mission E“.

In diesem Seminar erhalten die Multiplikatoren außerdem das Kompendium „Faktor Mensch“. Dieses Handbuch präsentiert praktische Umsetzungsbeispiele der „mission E“, es erläutert die psychologischen Grundlagen der Motivation für das energiebewusste Verhalten, es beschreibt die konzeptionellen Eckpfeiler der „mission E“ und strategische Aspekte der Kampagnenplanung. Und es präsentiert potenzielle Aktivitäten und mögliche begleitende Kommunikationsmaßnahmen – insgesamt fast 80 denkbare Bausteine, die sich auf neun Aktionsbereiche verteilen und aus denen jeder Anwender seine individuelle Auswahl trifft: Intranetangebote, Aktions- und Werbemittel, Veranstaltungen vor Ort, Wettbewerbe und Gewinnspiele, Angebote der Aus- und Weiterbildung (zur dauerhaften Institutionalisierung der Nutzermotivation!), organisatorische und technische Maßnahmen sowie Instrumente der internen Kommunikation und der externen PR.

Weitere Beispiele
Einige Verwaltungen haben auch eigene Projekte zur Reduzierung der Energieverbräuche in den kommunalen Liegenschaften entwickelt. Diese sollen das Thema Energieeinsparung ebenfalls dauerhaft in das Verwaltungshandeln implementieren. Die Stadt Gelsenkirchen etwa entwickelte mit Unterstützung der EnergieAgentur.NRW das Projekt „Energie sparen in der Stadtverwaltung“, durch welches seit 2003 jährlich ca. 50.000 Euro Energiekosten eingespart werden. Außerhalb von Nordrhein-Westfalen ist die Stadt Nürnberg ein Vorreiter in Sachen Energiesparen in Verwaltungsgebäuden: Seit 2003 beteiligen sich jährlich ca. 15 Dienststellen und Eigenbetriebe mit Tipps und Ideen zu Energiesparmaßnahmen in ihren Dienstgebäuden an dem Projekt „Kommunaler Energiesparpreis“.

Projektbeispiele

Dokumente

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

„mission E“
der EnergieAgentur.NRW

„mission E“
der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben

Intelligentes Beschaffungsmanagement

Werteorientierte kommunale Beschaffung schafft Vorteile
Das Beschaffungswesen von Bund, Ländern und Gemeinden macht ca. 17 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts in Deutschland aus. Innerhalb des öffentlichen Sektors kommt den Gemeinden (einschließlich kommunaler Unternehmen) dabei das mit Abstand größte Volumen (ca. 350 Mrd. Euro (Koinno 2016)) und damit eine sehr gewichtige Rolle zu. Kommunen haben daher sehr wohl die Möglichkeit, durch verändertes Verhalten der kommunalen Einkäufer Einfluss auf lokale und globale Märkte zu nehmen.

Umwelt- und klimafreundlicher Einkauf kann zum einen dazu beitragen Energieverbräuche und Treibhausgasemissionen zu reduzieren; zum anderen können die Kommunen gleichzeitig Kosten sparen und ihre Kassen entlasten, indem sie stärker die Lebenszykluskosten von Produkten betrachten und berücksichtigen. Kommunen können soziale und ökologische Kriterien zur Grundlage ihres Einkaufs machen.

Wichtige Nachfragebereiche der Kommunen sind Gebäudeneubau und -sanierung, Energie- und Wasserwirtschaft, Mobilität, Informationstechnologie und Elektrogeräte, Büroverbrauchsgegenstände und -einrichtungen, Beleuchtung, Textilien, Catering (Nahrungsmittel und Getränke). In all diesen Bereichen können die Kommunen aufgrund ihrer Nachfragemacht Produktinnovationen stimulieren und Märkte für umwelt- und klimafreundliche Technologien schaffen.

Der öffentliche Einkaufskorb wird nachhaltiger
Die Berücksichtigung von Umwelt- und Sozialstandards im Rahmen einer nachhaltigen kommunalen Beschaffung ist seit Jahren Gegenstand umwelt- und vergabepolitischer Diskussionen und hat dabei in den zurückliegenden Jahren stetig an Bedeutung gewonnen. Das enorme Potential einer nachhaltigen kommunalen Beschaffung wird noch nicht umfassend ausgeschöpft. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Das Fehlen von Produktwegweisern und Verbindlichkeit in den Kommunen macht sich als Hemmnis bemerkbar. Außerdem gibt es nach wie vor Wissensdefizite in Bezug auf die rechtlichen Gestaltungsspielräume. Das Bestreben, die Lebenszykluskosten von Produkten konsequenter zu berücksichtigen, führt aufgrund der Komplexität des Ansatzes zuweilen zu Überforderung in den zuständigen Abteilungen. Für konkrete Kriterien kann auf Ausschreibungshilfen und auf die Vergabegrundlagen von Umweltlabeln wie dem Blauen Engel, EU Ecolabel oder Fairtrade verwiesen werden. Die aktuellen Kriterien der Label können dann jeweils in die Leistungsbeschreibung integriert werden.

Dass umwelt- und klimafreundliche Produkte mit höheren Anfangsinvestitionen verbunden sein können, die sich erst unter Berücksichtigung der Lebensdauer amortisieren, dürfte für manchen Einkäufer ebenfalls eine Hemmschwelle darstellen.

Systematisches Vorgehen zur Umstellung der Beschaffung
Die Umstellung des Beschaffungswesens in der Kommune und die Orientierung an umwelt- und klimafreundlichen sowie sozialverträglichen Kriterien erfordert eine grundlegende und konsequente Herangehensweise.

1. Ratsbeschluss
Eine Beschlussvorlage zur nachhaltigen Beschaffung kann entweder auf Initiative der Verwaltungsspitze formuliert und/oder über den Antrag einer Ratsfraktion (oder sogar mehrerer Ratsfraktionen) auf die Tagesordnung gesetzt werden.

Die Vorlage sollte die Gründe für eine nachhaltige Beschaffung erläutern, mögliche Produkte/Produktgruppen nennen, rechtliche Grundlagen klarstellen, bevorzugte Standards (Siegel) nennen, ggf. Musterbeispiele für Ausschreibungen oder Selbsterklärungen von Anbietern aufführen, ein Berichts- und Monitoringsystem vorschlagen sowie weitere Informationsquellen nennen.

Ein entsprechender Gemeinderatsbeschluss schafft nicht nur eine sichere rechtliche Grundlage, sondern stellt auch ein wichtiges politisches Signal an die Öffentlichkeit dar.

Team zusammenstellen, welches Kriterien für den Einkauf entwickelt und den Umstellungsprozess begleitet.

2. Dienstanweisung
Ein Ratsbeschluss sichert die nachhaltige Beschaffung als feste und dauerhafte Aufgabe politisch ab. Dennoch sollte dieser allgemeine Beschluss im Folgenden durch eine neue oder erweiterte Dienstanweisung zur nachhaltigen Vergabe konkretisiert werden. Dienstanweisungen lassen sich grundsätzlich flexibler an veränderte Rahmenbedingungen anpassen.

3. Information an Mitarbeiter und Bevölkerung
Der Kommunikation mit Mitarbeitern, Lieferanten und Öffentlichkeit sollte große Aufmerksamkeit gewidmet werden. Insbesondere die Verwaltungsmitarbeiter sollten – beispielsweise über interne Schulungen – ausführlich über die Möglichkeiten und Chancen der nachhaltigen Beschaffung informiert werden. Durch Information der Öffentlichkeit und ihre Vorbildwirkung kann die Kommune langfristig außerdem auch die Veränderung des gesellschaftlichen Konsumverhaltens unterstützen.

4. Ausschreibung und Angebotseinholung
Die Lieferanten können zunächst in einem ersten Schritt schriftlich über die Einführung eines nachhaltigen Beschaffungswesens informiert werden. Nach einer festgelegten Frist kann die Kommune dann in einem zweiten Schritt die garantierte Lieferung von entsprechenden Produkten verlangen.

Um rechtlich abgesichert zu sein müssen die verbindlichen Kriterien bereits bei der Ausschreibung bzw. bei der Angebotseinholung ersichtlich sein. Dabei muss ein sachlicher Zusammenhang zwischen den Kriterien und dem Auftragsgegenstand bestehen und eine unzulässige (auch indirekte) Diskriminierung ausgeschlossen werden.

Es ist möglich und sinnvoll, dabei auf bestimmte Zertifizierungen zu verweisen. Allerdings müssen dann zwingend auch alle Produkte, die nicht zertifiziert sind, aber die gleichen Kriterien erfüllen, zugelassen werden.

Tariftreue- und Vergabegesetz NRW (TVgG NRW) mit Servicestelle
Zweck des Tariftreue- und Vergabegesetzes Nordrhein-Westfalenist es, einen fairen Wettbewerb bei der Vergabe öffentlicher Aufträge unter gleichzeitiger Berücksichtigung von Sozialverträglichkeit, Umweltschutz und Energieeffizienz sowie Qualität und Innovation der Angebote zu ermöglichen. Durch die Verordnung Tariftreue- und Vergabegesetz NRWwird das TVgG NRW näher konkretisiert.

Darüber hinaus ist mit dem TVgG NRW die Grundlage für ein Siegelsystem geschaffen worden. Zielstellung ist, dass die Einzelnachweise im jeweiligen Vergabeverfahren durch ein Siegel ersetzt werden können. Aktuell werden die Grundlagen und Einzelheiten des Siegelsystems erarbeitet, so dass diese Möglichkeit der Nachweisführung noch nicht zur Verfügung steht.

Seit Februar 2017 nimmt das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen die Funktion einer Servicestelle für das Tariftreue- und Vergabegesetz wahr. Die Servicestelle steht Jedermann zur Verfügung und informiert über die praktische Anwendung des Tariftreue- und Vergabegesetz in der ab dem 1. April 2017 geltenden Fassung, eine einzelfallbezogene (Rechts-)Beratung ist damit jedoch nicht erfasst.

Servicestelle zum Tariftreue- und Vergabegesetz im
Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie
des Landes Nordrhein-Westfalen
Berger Allee 25
40213 Düsseldorf
Servicestelle-TVgG@mwide.nrw.de

Projektbeispiele

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung
Beschaffungsamt des Bundesministeriums des Innern (BMI)

Kommunaler Kompass Nachhaltigkeit
Ein Service für Beschaffungsverantwortliche in Kommunen der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ)

Hintergrundinformationen zur umweltfreundlichen Beschaffung
Umweltbundesamtes (UBA)

Kompetenzzentrum innovative Beschaffung (KOINNO)
Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi)

Kommunales Netzwerk Faire Beschaffung
Servicestelle Kommunen in einer Welt (SKEW)

Hausmeister-Seminare

Um den Energieverbrauch und die Energiekosten in öffentlichen Gebäuden wie zum Beispiel Rathäusern, Verwaltungsgebäuden und Schulen zu senken, bedarf es der Information und Sensibilisierung aller Gebäudenutzer. Eine besondere Bedeutung kommt hierbei jedoch den Hausmeistern zu: Sie müssen die haustechnischen Anlagen wie etwa Heizungen und Lüftungsanlagen richtig zu bedienen wissen und sie regelmäßig an veränderte Nutzungsbedingungen anpassen. Daher empfiehlt es sich, insbesondere die Hausmeister als wichtige Know-how-Träger zu betrachten und sie durch zielgruppenspezifische Seminare weiterzubilden.

Vorgehen

Ein effizienter Umgang mit Energie ist nicht nur eine Frage des Klimaschutzes und des schonenden Umgangs mit den natürlichen Ressourcen, sondern gerade in größeren öffentlichen Gebäuden auch ein bedeutender Beitrag zur Kostensenkung: Bis zu 15 Prozent des Energieverbrauchs lassen sich allein durch das richtige Bedienen der technischen Anlagen und ein angepasstes Nutzerverhalten einsparen – ohne große Investitionen.

Die Hausmeister haben in diesem Kontext eine herausragende Rolle. Denn sie müssen nicht nur wissen, wie die Anlagen richtig bedient und regelmäßig an veränderte Nutzungsbedingungen angepasst werden: Sie sollen hierbei auch die Bedürfnisse der Nutzer berücksichtigen und diese im Dialog für einen bewussteren Umgang mit Strom und Wärme sensibilisieren.

Das Bedienen der verschiedenen Anlagen, das Planen von Energieeinsparungen, das Wirken als Multiplikator und das Sensibilisieren der Nutzer – all dies stellt die Hausmeister vor immer neue Herausforderungen. Deshalb dienen spezielle Hausmeister-Seminare der ebenso fundierten wie praxisnahen Weiterbildung dieser enorm wichtigen Berufsgruppe.

Projektbeispiele

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Schulung Energiemanager TÜV
TÜV SÜD Akademie: Energiemanagement nach ISO 50001

emagister: diverse Hausmeisterseminare
Hausmeister Seminare - diverse

EnergieAgentur.NRW: „who is who – Online-Datenbank“
Aus- und Weiterbildungsangebote zur Rationellen Energieverwendung und Nutzung Erneuerbarer Energien

Qualifizierung zu Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien

Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter zum Beispiel in Bau- und Planungsämtern, im Gebäudemanagement und im Umweltbereich sind wichtige Akteure, wenn es darum geht, in Betriebs- und Verwaltungsgebäuden der Kommunen und Gebietskörperschaften Energie einzusparen und Klimaschutzaktivitäten umzusetzen. Als Fachkräfte innerhalb der Verwaltungen werden ihnen Schulungen und Qualifizierungen zu einem breiten Themenspektrum angeboten: von der energetischen Gebäudesanierung bis zum Betrieb von Holzheizungen. Tagesveranstaltungen, mehrtägige Seminare und Qualifizierungen und auch Online-Plattformen können genutzt werden. Zudem bieten eine Vielzahl von Veranstaltungen Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch unter den städtischen Bediensteten.

Vorgehen

Aufgrund der Förderung von kommunalen Klimaschutzkonzepten im Rahmen der bundesweiten Klimaschutzinitiative setzen sich viele neu eingestellte Klimaschutzmanager und -beauftragte mit der Umsetzung von Maßnahmen aus den aktuellen Klimaschutzkonzepten auseinander. Daher kann es zum Beispiel hilfreich sein, Erfahrungen aus verschiedenen Kommunen zu sammeln und den fachlichen Austausch auch zu organisatorischen Fragen zu fördern.

Hier setzen verschiedene Organisationen mit unterschiedlichen Unterstützungs- und Qualifizierungsangeboten an. So organisiert bspw. die EnergieAgentur.NRW gemeinsam mit dem Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MKULNV) NRW und dem Bildungszentrum für die Entsorgung und Wasserwirtschaft (BEW) in Essen zweimal jährlich ein mehrtägiges Seminar für Klimaschutzmanager aus Städten und Gemeinden. Die Akademie des Deutschen Energieberaternetzwerkes bietet unter anderem Lehrgänge für Energieberater und Klimaschutzmanager in Kommunen an.

Zudem gibt es eine Vielzahl von Veranstaltungen, die das Ziel haben, den Erfahrungsaustausch unter den am Energiemanagement Beteiligten aus den Verwaltungen zu ermöglichen. Für Nordrhein-Westfalen ermöglicht bspw. die EnergieAgentur.NRW durch ihren jährlich stattfindenden Kongress „Energie in Kommunen“ einen landesweiten Austausch zwischen Fachleuten und Referenten, die sich mit den Themen Energieeffizienz und Erneuerbare Energien beschäftigen.

Projektbeispiele

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Energieerzeugung und -versorgung

Überblick

Liegt die Energieversorgung in der Verantwortung der Kommunen, dann bietet das große Chancen für den Klimaschutz und die Energiewende. Denn nur wenn die Kommunen über den nötigen Handlungsspielraum verfügen, können sie klare Schwerpunkte setzen und sich für den Anschluss und die Förderung von lokal erzeugten erneuerbaren Energien und die verstärkte Nutzung von dezentraler Kraft-Wärme-Kopplung einsetzen.

Die Rekommunalisierung der Energieversorgung ist daher eine Maßnahme, die entscheidend dabei helfen kann, die Klimaschutzziele einer Kommune zu erreichen. Entsprechend wird das Thema derzeit stark diskutiert. Immer mehr Kommunen prüfen die Möglichkeit, die Strom- und Gasversorgung wieder in die eigene Hand zu nehmen. Der konkrete Anlass dafür ist, dass in den kommenden Jahren bundesweit zahlreiche Konzessionsverträge auslaufen. Viele Kommunen erhoffen sich von der Rekommunalisierung, ihre Energieversorgung zukünftig wieder besser steuern zu können.

Von großer Bedeutung ist auch die Initiierung und Unterstützung von Bürgerenergieanlagen. Die rege Beteiligung der Bürger an einer dezentralen Energieversorgung fördert die notwendige Akzeptanz von Erzeugungsanlagen vor Ort. Zudem sollten in den Kommunen auch flankierende Maßnahmen konsequent angegangen werden wie die Verpachtung kommunaler Dachflächen für Photovoltaik-Anlagen und die Erstellung von Solarkatastern für eine Kommune oder eine Region.

Energieversorgung in kommunaler Verantwortung

Immer wieder ist davon die Rede, dass in den nächsten Jahren viele der Konzessionsverträge in Deutschland auslaufen werden. Allein in NRW sind bis Ende 2029 mehr als 200 Verträge betroffen. Bei den Konzessionsverträgen handelt es sich um Wegenutzungsverträge, die mit der Kommune geschlossen werden, und die es dem Vertragspartner ermöglichen, das Strom- oder Gasnetz in einer Kommune zu errichten, auszubauen und zu betreiben. Für diese Erlaubnis (die „Konzession“) zahlt der Netzbetreiber eine Konzessionsabgabe an die Kommune, deren Höhe sich nach der Konzessionsabgabenverordnung (KAV) richtet.

Außerdem werden in einem Konzessionsvertrag u.a. auch die Höhe des Kaufpreises der Netze sowie die mögliche Übernahme von Folgekosten und Informationspflichten geregelt. Das Recht, die Kunden im Netzgebiet mit Energie zu versorgen, wird durch den Vertrag allerdings nicht begründet, denn nach der Neufassung des Energiewirtschaftsgesetzes im Jahr 2005 ist zwischen der Energieversorgung (Erzeugung und Vertrieb) und dem Netzbetrieb zu trennen (sog. Entflechtung), damit der Netzbetreiber seine natürliche Monopolstellung nicht missbrauchen kann. Für die Durchleitung des Stroms oder Gases durch das Netz erhält der Netzbetreiber ein Netzentgelt, das von den Netznutzern gezahlt wird und i.d.R. auf den Verbraucher abgewälzt wird. Dieses Netzentgelt macht derzeit ca. 24 % des Strompreises und 23 % des Gaspreises aus. Ein guter Grund, sich als Kommune Gedanken darüber zu machen, wie mit dem Auslaufen eines Konzessionsvertrages umzugehen ist, und ob es womöglich lohnenswert ist, das Netz selbst zu betreiben.

Vorgehen

Verlängerung eines Konzessionsvertrages mit dem bisherigen Vertragspartner
Grundsätzlich kann die Kommune einen bereits bestehenden Konzessionsvertrag mit dem bisherigen Netzbetreiber verlängern. Dies kann sie bereits vor Auslaufen des Konzessionsvertrages beschließen. Die Verlängerung eines Konzessionsvertrages mit dem bisherigen Netzbetreiber hat den Vorteil, dass die Kommune die Kosten für den Erhalt und den Ausbau des Netzes nicht tragen muss und auf das Knowhow des bisherigen Netzbetreibers zurückgreifen kann. Von den Netzbetreibern erhält sie dann weiterhin die Konzessionsabgabe. Die kommunale Wertschöpfung und Kontrolle über das Energieversorgungsnetz und damit auch über die Netzqualität ist in diesem Fall jedoch ausgeschlossen.

Übernahme eines Konzessionsvertrages in Eigenregie
Viele Kommunen erwägen daher, die Strom- und Gasnetze wieder in Eigenregie zu betreiben. Dies können sie dadurch erreichen, dass sie die Konzession an ein bereits vorhandenes oder noch zu gründendes Unternehmen mit kommunaler Beteiligung (z.B. Stadtwerke oder Netzbetreibergesellschaft) vergeben. Darin liegt eine große Chance der kommunalen Wertschöpfung, denn durch die Übernahme des Netzes kann die Kommune nicht nur die weiterhin zu zahlende Konzessionsabgabe erhalten, sondern profitiert von den Unternehmensgewinnen, die durch den Netzbetrieb erzielt werden können. Durch die Ansiedlung des Unternehmens in der Kommune, können zusätzlich Arbeitsplätze entstehen und Gewerbesteuer eingenommen werden. Anderweitige, kommunale Verlustgeschäfte, wie sie z.B. häufig bei dem Betrieb von Schwimmbädern entstehen, können durch die Mehreinnahmen über den sogenannten steuerlichen Querverbund ausgeglichen werden. Außerdem erhält die Kommune so die Möglichkeit, selbst für ein intaktes Energieversorgungsnetz zu sorgen und die Anbindung von erneuerbaren Energien voranzutreiben.

Übernahme des Stromnetzes mit Beteiligung
Häufig möchte die Kommune das Netz zwar selbst betreiben, verfügt aber nicht über die nötigen personellen und finanziellen Mittel. Für diesen Fall kommen unterschiedliche Beteiligungsmodelle in Betracht, die der Kommune eine Netzübernahme erleichtern können. Beispielsweise kann ein Zusammenschluss von mehreren Kommunen zur Gründung eines gemeinsamen Stadtwerks oder einer Netzbetreibergesellschaft von Vorteil sein. Dieses Modell bietet sich besonders dann an, wenn in mehreren Kommunen die Konzessionsverträge auslaufen und gemeinsam übernommen werden sollen. Auch besteht die Möglichkeit, einen Netzbetreiber, der über das nötige Knowhow und die finanziellen Mittel verfügt, im Wege einer Minderheitsbeteiligung als strategischen Partner in die Netzübernahme miteinzubeziehen. Um die Akzeptanz bei den Bürgern zu stärken, kann die Kommune außerdem erwägen, die Bürger an der Übernahme des Energieversorgungnetzes zu beteiligen. In diesem Fall kann z.B. eine Bürgergenossenschaft gegründet werden, damit die Bürger aktiv an der kommunalen Wertschöpfung teilhaben und sich einbringen können..

Beachtung der Wirtschaftlichkeit und des Auswahlverfahrens
Bevor ein Netz übernommen wird, ist es wichtig, dass die Kommune die Wirtschaftlichkeit einer Netzübernahme feststellt. Insbesondere ist zu klären, ob und wie die Übernahme des Netzes finanziert werden kann. Da im Falle der Neuvergabe eines Konzessionsvertrages eine Inhouse-Vergabe nicht möglich ist und ein sog. Interessenbekundungsverfahren nach § 46 Abs. 2 EnWG durchzuführen ist – an dessen Kriterien sich das kommunale Unternehmen in der gleichen Weise messen lassen muss, wie alle anderen Bewerber – sollten zudem alle rechtlichen Aspekte der Neuvergabe eines Konzessionsvertrages hinreichend bekannt sein. Nicht selten üben die bisherigen Netzbetreiber Druck auf die Kommune aus, um so ihre eigene Stellung im Konzessionswettbewerb zu stärken. Auch mögliche Klagen durch die bisherigen Netzbetreiber bei Verfahrensfehlern sind nicht ausgeschlossen. Damit die Netzübernahme auf festen Beinen steht, ist der Kommune daher zu raten, so früh wie möglich – im besten Fall drei bis vier Jahre vor dem Auslaufen eines Konzessionsvertrages – professionellen Rat einzuholen.

Projektbeispiele

Nümbrecht
Gemeindewerke Nümbrecht

Ascheberg, Nordkirchen, Lüdinghausen, Senden, Olfen, Billerbeck, Havixbeck und Rosendahl
Münsterland Netzgesellschaft

Schönau
Elektrizitätswerke Schönau

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Initiierung und Unterstützung von Bürgerenergieprojekten

Kommunen und kommunale Stadtwerke können Bürgerenergieprojekte zum einen selbst initiieren und umsetzen oder zum anderen als Unterstützer von Bürgerenergieprojekten auftreten. Bürgerenergieprojekte entstehen, wenn Bürger sich zusammenschließen und gemeinsam z.B. große Photovoltaikanlagen, Windparks oder  Nahwärmenetze organisieren und/oder finanzieren. Bürgerenergieprojekte können vielschichtig Nutzen stiften: So kann mehr privates Kapital in die Umsetzung der Energiewende vor Ort gelenkt werden und häufig die Akzeptanz für den Ausbau der erneuerbaren Energien gesteigert werden. Je nach Modell lassen sich Bürgerenergieprojekte auch zur Kundenbindung oder für das Marketing der kommunalen Stadtwerke einsetzen. Darüber hinaus verbleibt ein größerer Anteil der Unternehmensgewinne der Betreibergesellschaft - und damit der Wertschöpfung - in der Kommune.

Vorgehen

Wenn Kommunen Bürgerenergieprojekte initiieren oder deren Gründung unterstützen, können Sie einen großen Beitrag zur Akzeptanz für den Ausbau der erneuerbaren Energien leisten. Denn durch die Möglichkeit, sich an einer Anlage der erneuerbaren Energien zu beteiligen, werden für Anwohner und Bürger zusätzliche finanzielle Chancen geschaffen und die Identifikation mit der Anlage gestärkt. Dabei erhöht eine bestehende Partizipationskultur in der Kommune bzw. eine transparente Informations- und Dialogarbeit die Akzeptanz und damit Erfolgschancen für das Einwerben von Bürgerkapital.

Ein weiterer Vorteil der finanziellen Beteiligung von Bürgern ist, dass ein größerer Anteil – oder sogar der Gesamtbetrag – der Unternehmensgewinne der Betreibergesellschaft in der Kommune bzw. der Region verbleibt. Auf diese Art wird die kommunale Wertschöpfung aus den Anlagen der erneuerbaren Energien deutlich erhöht.

Bei Bürgerenergieprojekten schließen sich Bürger zusammen und organisieren und finanzieren gemeinsam große Photovoltaikanlagen, Windparks oder Biomasseanlagen. So können Projekte Wirklichkeit werden, welche die Kapazitäten des Einzelnen sonst schnell übersteigen. Somit ist der Ausdruck „Bürgerenergieprojekte“ als Oberbegriff für Bürgersolaranlagen, Bürgerwindparks etc. zu verstehen. Es existieren sehr unterschiedliche Ausprägungsformen von Bürgerenergieprojekten. Sie zeichnen sich trotz aller Unterschiede regelmäßig durch eine starke regionale Verwurzelung aus, sowohl bezüglich der aktiven Personen als auch des Anlagenstandorts und des Sitzes der Betreibergesellschaft.
Zu unterscheiden von Bürgerenergieprojekte mit direkten, individuellen Beteiligungsmöglichkeiten sind Konzepte, bei denen die Allgemeinheit in einer Kommune von Anlagen der erneuerbaren Energien profitiert. Letzteres ist der Fall, wenn Gewinne der Betreibergesellschaft (zum Teil) an die Kommune oder eine – ggf. neu zu gründende - Stiftung ausgeschüttet werden. Auf solche Projekte wird an dieser Stelle nicht näher eingegangen.

Kommunen und kommunale Stadtwerke können Bürgerenergieprojekte zum einen selbst initiieren und umsetzen oder zum anderen als Unterstützer von Bürgerenergieprojekten auftreten. Beide Aspekte werden im Folgenden beleuchtet.

1. Kommunen oder kommunale Stadtwerke als Betreiber
Wenn Kommunen oder kommunale Stadtwerke selbst Anlagen der erneuerbaren Energien betreiben, können sie eine finanzielle oder auch organisatorische Beteiligung von Bürgern in der Betreibergesellschaft umsetzen. Wichtige Gesichtspunkte für Kommunen sind dabei:

  • Wirtschaftliche Tragfähigkeit des Projekts:
    Die Betreibergesellschaft ist ein Wirtschaftsunternehmen und trägt daher neben unternehmerischen Chancen auch Risiken. Eine externe Beratung zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Projekts z.B. durch Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Branchenspezialisten ist daher sehr zu empfehlen. Wenn das Projekt teilweise fremdfinanziert wird, nehmen die finanzierenden Banken in der Regel ebenfalls eine intensive Projektprüfung vor.
    • Die Überprüfung der Ertragsprognosen für die Anlagen der erneuerbaren Energien durch externe, unabhängige Gutachten ist anzuraten.
    • Kostenschätzungen sollten durch Angebote unterlegt werden.
    • Es sind ausreichend Rücklagen für Reparaturen und Unwägbarkeit zu bilden.
       
  • Gesellschaftsverträge und Beteiligungsangebot:
    Die Gestaltung der Verträge oder Finanzprodukte erfordert in der Regel juristische oder finanztechnische Beratung.
    • Den interessierten Bürgern müssen umfassende Informationen zu Chancen und Risiken des Projektes zur Verfügung gestellt werden.
    • Auf eine eventuelle Pflicht zur Erstellung eines Prospekts vor dem öffentlichen Angebot von Anlageprodukten ist zu achten. Hierzu bietet die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Informationen und überprüft die erstellten Prospekte
  • Wirtschaftliche Betätigung von Kommunen:
    Die Rahmenbedingungen zur wirtschaftlichen Betätigung von Kommunen in Nordrhein-Westfalen sind zu berücksichtigen (Gemeindeordnung NRW, 11. Teil) und eine frühzeitige Abstimmung mit der kommunalen Finanzaufsicht ist ratsam.

2. Kommunen als Unterstützer von Bürgerenergieanlagen
Tritt die Kommune nicht selbst oder über das kommunale Stadtwerk als Initiator und Umsetzer eines Bürgerenergieprojektes auf, gibt es verschiedene andere Möglichkeiten, das Zustandekommen eines Bürgerenergieprojektes zu fördern.

Falls in der Kommune noch keine Aktivitäten oder Initiativen für ein Bürgerenergieprojekt zu erkennen sind, ist ein sinnvoller erster Schritt:

  • Ansprache und Motivation zentraler Akteure
    • Gezielte Ansprache von z.B. regionalen Energieversorgern, Finanzinstituten, regional aktiven Umweltschutzverbänden, Lokale Agenda 21-Gruppen, Kirchen, Wohnungsbaugesellschaften etc.
    • Weitergabe von Informationen und Ansprechpartnern zu Best-Practice-Beispielen, ggf. inklusive Organisation eines Projektbesuchs
    • Organisation eines Workshops für zentrale Akteure, bei dem Kontakte geknüpft und gemeinsame Projekte angestoßen werden können

Haben sich in der Kommune hingegen schon Bürgergruppen oder andere Akteure auf den Weg gemacht und Interesse an der Organisation eines Bürgerenergieprojektes gezeigt, bieten sich weitere Unterstützungsmöglichkeiten an:

  • Flächen zur Verfügung stellen:
    Bürgerenergieprojekte werden häufig auf kommunalen Dachflächen oder Grundstücken errichtet. Daher können Kommunen durch die Bereitstellung ihrer Flächen die Grundlage für neue Bürgerenergieprojekte schaffen. Sinnvoll ist es, interessierte Bürgergruppen auf die Verfügbarkeit der Flächen direkt hinzuweisen. Oft benötigen Bürgergruppen bei der Projektplanung eine längere Vorlaufzeit als professionelle gewerbliche Investoren. Dies sollte bei der Entscheidung für einen Pächter der kommunalen Flächen berücksichtigt werden.
     
  • Bei der Organisation unterstützen, z.B.
    • Einen Ablaufplan für das Pachten von kommunalen Dachflächen für Bürgersolaranlagen veröffentlichen, der die benötigten Schritte und Unterlagen auflistet. Dieser Ablaufplan kann gleichzeitig verwaltungsintern genutzt werden. Ein zu langer Leitfaden kann allerdings abschrecken.
    • Kompliziert wird die Nutzung kommunaler Flächen für Bürgergruppen durch die Einbindung einer Vielzahl von Ämtern und Kontaktpersonen. Im Idealfall gibt es für Bürgergruppen nur einen zentralen Ansprechpartner, der alle weiteren verwaltungsinternen Abläufe koordiniert.
    • Versammlungsräume für die Bürger zur Verfügung stellen.
    • Informationen zu lokalen Bürgerenergieprojekten auf der Homepage der Kommune veröffentlichen oder für die Pressearbeit nutzen. Dabei kann die Kommune von einem Imagegewinn profitieren. Neben der Überprüfung der Seriosität des Projekts sollte die Kommune auch auf die Einhaltung etwaiger Prospektpflichten durch die Bürgerenergiegesellschaft achten (s.o.).
    • Informationsveranstaltungen zu Bürgerenergie organisieren – allgemein oder zur Vorstellung konkreter Projektideen.

Wenn schließlich die Umsetzung eines Bürgerenergieprojektes in der Kommune ansteht, können sich Kommunen oder einzelne Personen auch finanziell an der Betreibergesellschaft eines Bürgerenergieprojektes beteiligen:

  • Anteile an Bürgerenergiegesellschaft zeichnen:
    Durch die finanzielle Beteiligung an dem Projekt wird Unterstützung signalisiert. Auch für diesen Fall sind die Rahmenbedingungen der Gemeindeordnung zur wirtschaftlichen Betätigung von Kommunen relevant.

Projektbeispiele

Dokumente

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Regenerative Energieversorgung

Die zunehmende Nutzung erneuerbarer Energieträger lässt die Energieerzeugung immer dezentraler werden. Kommunen kommt bei Energiewende und Klimaschutz dadurch eine besondere Rolle zu. Schließlich vollzieht sich der Ausbau der erneuerbaren Energien auf lokaler Ebene. Gleichzeitig eröffnet dies den Städten und Gemeinden Spielräume, die kommunale Wertschöpfung vor Ort zu erhöhen. Eine Kommune kann entweder selbst Anlagen zur Erzeugung von Energie errichten und betreiben oder andere Akteure bei einem solchen Vorhaben auf ihrem Gebiet bei ihren Vorhaben unterstützen.

Möchte eine Kommune zum Klimaschutz beitragen, ohne dafür selbst investieren zu müssen, so kann sie Unternehmen oder Bürgerinnen und Bürgern kommunale Dachflächen zur Errichtung von Photovoltaik-Anlagen zur Verfügung stellen. Vorher muss allerdings geprüft werden, ob sich die entsprechenden Dachflächen überhaupt dazu eignen. Außerdem sind einige technische, vertragliche und versicherungsrechtliche Fragen zu klären. Welche Möglichkeiten der Verpachtung kommunaler Dachflächen bestehen und wie eine Kommune dies umsetzen kann, dazu informieren wir Sie unter der Rubrik Verpachtung kommunaler Dächer für PV-Anlagen.

Immer mehr Bürgerinnen und Bürger möchten die Kraft der Sonne nutzen, um auf ihrem Hausdach Energie zu gewinnen. Doch welche Dachflächen eignen sich überhaupt für den Betrieb von Solarthermie- oder Photovoltaikanlagen? Um privaten und gewerblichen Eigentümern eine Orientierung zu bieten, ob und wie gut sich die Dachflächen ihrer Gebäude zur Nutzung der Sonnenenergie eignen, kann eine Kommune ein Solardachkataster oder Solarpotentialkataster erstellen. Was es beim Aufbau eines Solarkatasters zu beachten gilt und auf welche Weise es funktioniert, erfahren Sie unter der Rubrik Erstellung von Solarkatastern.

Für den Ausbau der Windenergie spielt die planerische Steuerung auf kommunaler Ebene eine wichtige Rolle. Durch das Instrument der Bauleitplanung kann eine Gemeinde unterschiedlichen Belangen wie dem Natur- und Artenschutz, der Landschaftspflege, dem Schutz vor Immissionen oder dem Tourismus gerecht werden. Was sich hinter der Vorgabe verbirgt, der Windenergie substanziell Raum zu geben, und welche weiteren planerischen sowie rechtlichen Aspekte bei der Steuerung der Windenergie auf kommunaler Ebene berücksichtigt werden müssen, erfahren Sie unter der Rubrik Ausweisung von Windkonzentrationszonen.

Kleinwindenergieanlagen (KWEA) eignen sich nicht nur besonders zur Eigenversorgung mit Energie, sondern bieten darüber hinaus auch eine gute Möglichkeit, die Energiewende für Bürgerinnen und Bürger „von unten“ erfahrbar zu machen. Welchen Voraussetzungen ihre Genehmigung unterliegt, welche Kosten mit einer Kleinwindenergieanlage verbunden sind und welche Flächen sich für ihre Nutzung eignen, wird neben weiteren Aspekten unter der Rubrik Kleinwindenergieanlagen für kommunale Gebäude erläutert.

Verpachtung kommunaler Dächer für PV-Anlagen

Die Bereitstellung von Dachflächen für Photovoltaik-Anlagen ist für Kommunen eine gute Gelegenheit zum Klimaschutz beizutragen, ohne selbst investieren zu müssen. Mit dieser Maßnahme bekundet die Kommune ihren energiepolitischen Willen und kann zusätzlich einen Imagegewinn erzielen. Durch die Verpachtung an Bürgerenergiegesellschaften /-genossenschaften wird die Signalwirkung noch erhöht.

Potentielle Investoren für die Errichtung und Betrieb der Photovoltaik-Anlagen finden sich meist. Jedoch muss sichergestellt sein, dass die kommunalen Dachflächen geeignet sind. Auch technische, vertragliche und versicherungstechnische Fragen sind zu regeln.

Neben dem „klassischen“ Modell der Verpachtung der Dachfläche an Dritte, die eine PV-Anlage errichten und betreiben und den Strom aus der PV-Anlage komplett ins Netz einspeisen, die sog. Volleinspeisung (und ihr Invest über die EEG-Einspeisevergütung mit einer dazugehörigen Marge refinanzieren), gibt es mindesten drei weitere Konstellationen.

Zum einen kann ein Dritter das Dach pachten (wie oben), eine PV-Anlage errichten und diese an den Gebäudeeigentümerin/die Stadt gegen ein entsprechendes Entgelt verpachten, diese nutzt den selbst und speist den Überschuss ins Netz (sog. Eigenverbrauch mit Überschusseinspeisung). Zum anderen verpachten einige Kommunen ihre Dächer nicht an Dritte, sondern nutzen sie selbst zur Errichtung und Betrieb einer PV-Anlage und wählen entweder das Modell der Volleinspeisung oder des Eigenverbrauchs mit Überschusseinspeisung.

Vorgehen
Insbesondere für das „klassische“ Modell

Am Anfang steht – wie so oft – der Ratsbeschluss. Die Kommune dokumentiert damit den grundsätzlichen Willen zum Klimaschutz und die Bereitschaft, die Dachnutzung für Photovoltaik-Anlagen in Betracht zu ziehen. In diesem Beschluss sollte die Verwaltung beauftragt werden, die Eignung der Dächer für die Nutzung mit Photovoltaik-Anlagen zu prüfen und Rahmenbedingungen für die Dachverpachtung zu entwerfen. Bevor diese Rahmenbedingungen inkl. Gestattungsvertrag im Detail ausgearbeitet werden, sollte durch eine Vorprüfung (v.a Statik und mögl. Verschattung) festgestellt werden, ob in der Kommune geeignete Dachflächen grundsätzlich vorhanden sind.

Folgende Gesichtspunkte sollten bei einer ausführlichen Untersuchung der kommunalen Dächer berücksichtigt und dokumentiert werden:

  • Nutzung des Gebäudes: Da die Photovoltaik-Anlage mindestens 20 Jahre betrieben werden soll, ist entscheidend, dass das Gebäude auch noch die nächsten zwanzig Jahre existiert. Ist die Schließung oder der Verkauf des Gebäudes absehbar, sollte es nicht weiter untersucht werden.
  • Denkmalschutz: Wenn ein Gebäude unter Denkmalschutz steht, sind sämtliche baulichen Maßnahmen, die das äußere Erscheinungsbild verändern, möglichst gering zu halten. Diese Gebäude sind daher für eine Photovoltaik-Anlage i.d.R. in enger Abstimmung mit der jeweiligen Denkmalbehörde zu realisieren.
  • Dachart und Ausrichtung der Dachflächen: Sehr gut geeignet sind Dachausrichtungen gen Süden (von Südost bis Südwest) und eine Dachneigung zwischen 20° und 50°. Für eine schnelle Einschätzung der Dachausrichtung „vom Schreibtisch aus“ können Luftbilder im Internet sehr hilfreich sein. Auf Flachdächern kann man die Module durch die Aufständerung optimal ausrichten, dabei sind auch Anlagen in Ost-West-Ausrichtung von Interesse, da dadurch die morgendlichen und abendlichen Sonnenerträge genutzt werden können.
  • Zustand der Dachflächen: der wirtschaftliche Betrieb einer Photovoltaik-Anlage erfordert einen langfristigen Betrieb, in der Regel über mindestens 20 Jahre. Wird eine Sanierung fällig und die Anlage muss ab und wieder aufgebaut werden, hat der Betreiber schnell einen Ertragsausfall, der den wirtschaftlichen Betrieb gefährdet. Daher sollten optimalerweise nur Dächer angeboten werden, die frisch saniert sind, oder bei denen in absehbarer Zeit keine Sanierung ansteht.
  • Statische Eignung der Dachflächen, Sichtung der Statik-Unterlagen: Reichen die Lastreserven unter ausreichender Berücksichtigung von Schneelasten? Ein ausführlicher Nachweis der statischen Eignung wird in der Regel vom zukünftigen Betreiber der Anlage erbracht.
  • Verschattung: Große Verschattungen können den Ertrag einer Photovoltaik-Anlage entscheidend verringern, demgegenüber können kleinere Schattenwürfe – z.B. von Schornsteinen oder am späten Nachmittag – ggf. toleriert werden.
  • Größe der Dachflächen: Betreiber von Photovoltaik-Anlagen und Investoren interessieren sich überwiegend für größere Dachflächen. Bei kleinen Flächen kann es sinnvoll sein, diese gebündelt oder zusammen mit einzelnen größeren Flächen als „Pool“ anzubieten, um trotzdem eine Verpachtung zu erreichen.
  • Kabeltrassen: Wo liegt der nächste Einspeisepunkt für die Photovoltaik-Anlage? Wo würde das Kabel von der Photovoltaik-Anlage zum Einspeisepunkt verlegt werden? Bei großen Photovoltaik-Anlagen liegt der nächste Einspeisepunkt nicht immer auf demselben Grundstück und die Kabeltrasse kann mehrere andere Grundstücke kreuzen, was einen erhöhten Abstimmungsaufwand bedeutet.


Unter Berücksichtigung der genannten Gesichtspunkte ist üblicherweise nur ein Teil der städtischen Dachflächen für Photovoltaik-Anlagen gut geeignet. Über das Ergebnis der Bestandsaufnahme sollte der Rat informiert werden.

Die wesentlichen Rahmenbedingungen und Vorgaben für die Verpachtung der kommunalen Dachflächen werden in einer Richtlinie zusammengefasst und ebenfalls dem Rat vorgelegt. Dazu gehören:

  • Angabe der Gebäudetypen, die zur Verfügung gestellt werden sollen (alle Gebäudetypen oder nur Schulgebäude o.ä.)
  • Höhe des Nutzungsentgelts für die Dachflächen, ggf. gestaffelt nach Bürgersolaranlagen und sonstigen Investoren
  • Pflicht des Betreibers der Photovoltaik-Anlage, eine Anzeigetafel zu errichten
  • Vorgaben zur Laufzeit des Gestattungsvertrags, zur Erbringung statischer Nachweise, zur Installation eines Blitzschutzes o.ä.


Für die Gestaltung des Gestattungsvertrags kann auf das hilfreiche Muster des Deutschen Städte- und Gemeindebunds zurückgegriffen werden. (vgl. Muster-Dachnutzungsvertrag für PV-Anlagen (BSW-Bundesverband Solarwirtschaft) und Beispiel Mietvertrag zwischen Stadt XXX und Energiegenossenschaft eG yyy)

In dem Gestattungsvertrag sollten die vom Dachpächter zu erbringenden Leistungen festgeschrieben werden. Dies können z.B. sein:

  • Die Pflicht, eine Anzeigetafel zu errichten
  • Die Erbringung statischer Nachweise,
  • Erweiterung des Blitzschutzes o.ä.: Welche zusätzlichen Blitzschutzmaßnahmen erforderlich sind ist mit der Gebäudeversicherung zu klären und ggf. – nach der Umsetzung – vom TÜV zu prüfen.
  • Zum Schutz vor Schneeabgängen sollten Schneefallgitter verlangt werden. Dachbereiche über Eingängen sollten ggf. nicht mit PV-Anlagen bestückt werden.
  • Die Vorlage des Inbetriebnahmeprotokolls und zukünftiger Prüfprotokolle der Photovoltaik-Anlage oder weiterer Systemdokumentation wie z.B. des (freiwilligen) Photovoltaik-Anlagenpass
  • In einigen Kommunen hat es sich bewährt, die RAL Güte- und Prüfbestimmungen nach RAL GZ-966 zur Qualitätssicherung zu nutzten, z.B. indem bei der Auftragsvergabe ein Passus „Lieferung und Ausführung nach RAL-GZ 966“ gefordert wird.
  • Um sich gegen etwaige Montageschäden abzusichern, ist der Abschluss einer Haftpflichtversicherung durch den Errichter der Photovoltaik-Anlage bereits vor Baubeginn erforderlich und nachzuweisen.
  • Insbesondere bei großen Dachflächen sollte eine Frist für die Errichtung der Anlage nach Vertragsabschluss gesetzt werden, da Dächer sonst auf längere Zeit blockiert werden können.


Aus Sicht des Betreibers der Photovoltaik-Anlage soll der Gestattungsvertrag einen möglichst langfristigen Betrieb der Photovoltaik-Anlage gewährleisten, um die Wirtschaftlichkeit der Investition sicherzustellen. Vertragliche Regelungen, die einen unvorhersehbaren vorzeitigen Abbau der Anlage zur Folge haben könnten, werden daher als Risiko gesehen.

Das Nutzungsentgelt für die städtischen Dachflächen wird in der Regel als jährlicher Betrag vereinbart, es ist aber auch eine Einmalzahlung zu Vertragsbeginn denkbar. Die Höhe des Entgelts kann auf unterschiedliche Arten festgelegt werden: In Euro pro kWp installierter Nennleistung, in Euro pro m2 genutzter Dachfläche oder als prozentualer Anteil der jährlichen Einnahmen aus der gesetzlich geregelten Einspeisevergütung. Grundsätzlich gilt aber, dass mit der Verpachtung der Dachflächen keine großen Einnahmen für die Kommune erreicht werden können.

Für die Veröffentlichung der aktuell verfügbaren, angebotenen Dächer hat sich die Bekanntgabe über die Internetseiten der Kommune bewährt. Am komfortabelsten ist es, das Angebot in Form einer Solardach-Börse im Internet zu präsentieren. Dabei wird zu jedem Dach ein kurzer Steckbrief hinterlegt mit Zusatzinformationen wie Luftbildern, Größe der Dachflächen, Baujahr, Sanierungszustand, Dachausrichtung, Anmerkungen zu Denkmalschutz und Verschattung und ersten überschlägigen Berechnungen des möglichen Stromertrags, hier kann auch ein Blick in die in vielen Städten/Gemeinden/ Regionen vorhandenen Solardachkataster sein. Auch die direkte Ansprache von Zielgruppen wie z.B. Bürgerenergiegesellschafen /-genossenschaften und eine Bekanntgabe über die Lokalpresse können sinnvoll sein.

Der Personalaufwand für die Vorbereitung und Begleitung der Dachflächenverpachtung sollte nicht unterschätzt werden. In der folgenden Tabelle hat die Gemeinde Kall eine Abschätzung des Personalaufwands vorgenommen. Die Angaben in der Tabelle sind als Richtwerte zu verstehen. Kall verfügt über 40 Liegenschaften.

Folgende Ämter sind in den Gesamtprozess ggf. hinzuzuziehen: federführend das Gebäudemanagement/Liegenschaftsamt, Rechtsamt, Bauordnungsamt, Kämmerei, Rechnungsprüfungsamt; oft übernehmen auch das Umweltamt / Klimaschutzmanager eine koordinierende und bündelnde Funktion.

Projektbeispiele

Dokumente

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Förderung

Förderung von Anzeigetafeln für Photovoltaik-Anlagen
Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)

Förderung von Photovoltaik-Anlagen
Förderdatenbank der EA.NRW

Erstellung von Solarkatastern

Das Interesse von Gebäudeeigentümern, Sonnenenergie auf dem eigenen Dach zu nutzen, nimmt weiter zu. Kommunen, Kreise und regionale Gebietskörperschaften erstellen daher sogenannte Solardachkataster oder Solarpotenzialkataster, um privaten oder auch gewerblichen Gebäudeeigentümern eine erste Orientierungshilfe zu geben, ob und wie gut sich ihre Dachflächen für die Installation von Solarthermie- oder Photovoltaikanlagen eignen. Es handelt sich in der Regel um internetgestützte Kartenwerke. Die Datenbasis wird auf der Basis von Luftbildern oder Laserscans ermittelt. Dargestellt werden sämtliche Gebäude in einer Kommune, private, gewerbliche und kommunale Dachflächen. Die Kommunen haben das Ziel mit Hilfe des Solardachkatasters private Investitionen in die Solarenergie anzuregen und somit einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Vorgehen

1. Bezeichnung
Die Darstellung, der für die Solarenergie geeigneten Dachflächen auf sämtlichen Gebäuden einer Gemeinde, Stadt oder Region wird meist als Solarkataster oder Solardachkataster bezeichnet. Auch Bezeichnungen wie Solarpotenzialkarten, Solarpotenzialanalysen oder Solaratlas sind zu finden. Nachfolgend wird die Bezeichnung „Solarkataster“ stellvertretend für die unterschiedlichen Projektbezeichnungen genutzt.

2. Ziel und Zweck von Solarkatastern
Solarkataster sollen Gebäudeeigentümer dazu anregen, auf Ihren Dächern Solarenergie zu nutzen. Es handelt sich in der Regel um internetgestützte, interaktive Kartenwerke, die durch ihre farblichen oder grafischen Darstellungen deutlich machen, welche Dächer sich für die Solarenergienutzung eignen. In der Regel verfolgen die Kommunen damit das Ziel, die Installation von Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugung zu forcieren. Viele Solarkataster stellen darüber hinaus auch die mögliche Nutzung von solarthermischen Anlagen in den Fokus und geben hierzu weitere ausführliche Informationen.

In der Regel wird der private Gebäudeeigentümer angesprochen. Manche Städte adressieren aber auch gezielt Eigentümer gewerblich genutzter Gebäude, etwa über die Wirtschaftsförderung.

Die Initiatoren der Solarkataster weisen ausdrücklich darauf hin, dass sie nur eine erste grobe Abschätzung geben können. Statische Eignungsprüfungen von Dachflächen, Vorgaben des Denkmalschutzes oder Veränderungen am Bauwerk oder der umliegenden Vegetation können zu veränderten Rahmenbedingungen führen. Daher wird dazu geraten, für genauere Prüfungen und Potenzialberechnungen eine qualifizierte Fachberatung hinzuzuziehen. Viele Solarkataster weisen daher in einer eigenen Rubrik auf lokale Handwerksunternehmen und Beratungseinrichtungen hin. Gebäudeeigentümern muss zudem das Recht eingeräumt werden, der Veröffentlichung der Gebäudedaten zu widersprechen. Meist wird hierzu über das Internet die Möglichkeit gegeben.

Kommunen können, wie beispielsweise die Städte Gelsenkirchen und Solingen, eine aktive Vermarktung des Solarkatasters betreiben, indem sie die Eigentümer sehr gut geeigneter Dächer anschreiben und zu unverbindlichen Informationsveranstaltungen einladen.

3. Kooperationspartner
Neben den Städten, Gemeinden und Kreisverwaltungen engagierten sich in den meisten Fällen auch ortsansässige Banken oder Sparkassen, Stadtwerke, Innungen oder Wirtschaftsförderer für die Erstellung von Solarkatastern. Bei den Banken oder Sparkassen sind meist nützliche Online-Tools zu Rendite- und Finanzierungsmöglichkeiten eingestellt, sogenannte Wirtschaftlichkeitsrechner oder Photovoltaikrechner. Die Geldinstitute übernehmen in einigen Fällen sogar die anstehenden Kosten für Installation und Betrieb der Kataster, die sich je nach Größe der Dachfläche / der Solaranlage in Größenordnungen ab ca. 5.000 € für eine Anlage für ein 1-Familienhaus bis hin zu über 100.000 € bei Photovoltaikanlagen auf großen (über 1.000m² großen) gewerblichen Dächern bewegen können.

Neben der Kooperation mit Geldinstituten ist die Zusammenarbeit mit Unternehmen unabdingbar, die entsprechende Software entwickelt haben, um das Solarpotential berechnen zu können. Manche Unternehmen können zusätzlich zur Erhebung des Solarpotentials auf bestehenden Gebäuden sogar Simulationen für geplante Gebäude erstellen. Eine Übersicht der Unternehmen, die der EnergieAgentur.NRW bekannt sind, ist unter „Arbeitshilfen und Hintergrundinformationen“ aufgeführt. Anbieter von Solarkatastern, die sich noch nicht wiederfinden, können hier gerne mit aufgenommen werden.

4. Hintergrundkarten und Parameter zur Datenerfassung
Als Hintergrundkarten für die Solarkataster können 3D-Stadtmodelle, 2D-Kartenwerke und Luftbilder dienen (Open Street Map OSM, Digitales Orthofoto DOP, Deutsche Grundkarte DGK5, Amtliche Basiskarte ABK, Digitale Topographische Karten 1:10.000 DTK10 etc.). In vielen Fällen kann der Nutzer verschiedene Hintergrundansichten selbst wählen. Die Berechnung des Solarpotentials kann auf Grundlage zweier Systeme ermittelt werden

Laserscan-Verfahren
Die nordrhein-westfälische Landesvermessung, die für das gesamte Landesgebiet zuständige Abteilung Geobasis NRW der Bezirksregierung Köln, erneuert in einem festen, sechsjährigen Turnus die das Relief beschreibenden Geobasisinformationen des Digitalen Höhenmodells DHM. Als Digitales Höhenmodell (DHM) bezeichnet man eine Menge digital gespeicherter Höhenwerte von regelmäßig oder unregelmäßig verteilten Oberflächenpunkten, die die Struktur der Erdoberfläche hinreichend repräsentieren. DHM bezeichnen als Oberbegriff Digitale Geländemodelle (DGM) und Digitale Oberflächenmodelle (DOM) (Quelle: GEObasis.NRW). Diese werden Kommunen und Kreisen kostenlos zur Verfügung gestellt, um hieraus unter Heranziehung weiterer Datenquellen Solarkataster abzuleiten.

Digitale Höhenmodelle werden in Nordrhein-Westfalen mit Hilfe des Airborne Laserscan-Verfahrens (ALS) erfasst. Laserscanner funktionieren im Prinzip wie Echolote. Sie werden an einem Trägerflugzeug angebracht, das etwa 1000 Meter über der Erde fliegt. Durch den Laserscanner wird die Entfernung zwischen einem Messpunkt am Boden und dem Messgerät bestimmt, indem die Zeitspanne gemessen wird, die zwischen der Aussendung des Laserimpulses und dem Auftreffen des reflektierten Laserimpulses auf dem Sensor vergeht. Die genaue Position des Laserscanners im Flugzeug und die Richtung des Laserimpulses werden mittels GPS und einem Inertialsystem (INS) bestimmt. Mit den 2 Messelementen Entfernung und Richtung kann durch polares Anhängen die Koordinate, d.h. die Lage und die Höhe, des Messpunktes berechnet werden. Nähere Informationen zum Laserscan-Verfahren sind auf der Internetseite von GEObasis.NRW zu erhalten.

Die Digitalen Oberfächenmodelle werden mit den Grundrissen der Gebäude aus dem Liegenschaftskataster kombiniert. Mittels einer Software werden Dachneigung und -ausrichtung berechnet und daraus die Solarpotentiale der Dachflächen abgeleitet. Eine Vielzahl der Solarkataster wurden mit Hilfe von Laserscan-Verfahren erstellt (Düsseldorf, Hagen, Hamm, Mülheim, Bielefeld, etc.)

Nutzung von Luftbildern
Luftbilder sind photographische Abbildungen von Teilen der Erdoberfläche, die aus Flugzeugen mit Spezialkameras aufgenommen wurden (Aufnahmen in Nadirrichtung, senkrecht nach unten). Hiermit wird der Zustand der Landschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt mit allen sichtbaren Informationen aus der Vogelperspektive dokumentiert. Luftbilder werden mit einer bestimmten Längs- und Querüberdeckung, i.d.R. 60% in Flugrichtung und 30% quer dazu, aufgenommen. In den Überlappungsbereichen ist eine stereoskopische Auswertung der Bilder, d.h. eine Bestimmung der 3D-Koordinaten von luftsichtbaren Objekten, möglich.

Die Stadt Aachen nutzt z.B. für das Aachener Solarkataster hochauflösende Stereoluftbilder, die ebenfalls von der Bezirksregierung Köln, Abteilung GEObasis.NRW zur Verfügung gestellt wurden.

5. Untersuchung von verschiedenen Parametern für die Eignung der Dachflächen
In der Regel werden in Solarkatastern folgende Parameter untersucht: Die Größe der Dachfläche, Ausrichtung, Neigung, Verschattung durch umliegende Bäume und Bauwerke und die mittlere solare Einstrahlung auf der jeweiligen Dachfläche.

Größe der Dachfläche

  • Photovoltaik: Je größer die Dachfläche, desto mehr lohnt sich eine Investition in eine Photovoltaikanlage, da der Anlagenpreis auf den Quadratmeter umgerechnet billiger wird. Je kWP (Kilowatt Peak) werden ca. 6-8 Quadratmeter Fläche benötigt.
  • Solarthermie: Bei solarthermischen Anlagen richtet sich die Größe der zu nutzenden Fläche nach dem Wärme- oder Warmwasserbedarf des Haushaltes. Je nachdem ob die Anlage nur für Warmwasserbereitung ausgelegt ist oder auch die Heizung unterstützt wird, muss die Anlagenfläche unterschiedlich groß sein. Für einen Vier-Personenhaushalt kann man ca. 4-6 qm Kollektorfläche für eine Anlage zur Warmwasserbereitung – ohne Heizungsunterstützung - veranschlagen. Diese wird kombiniert mit einem Pufferspeicher von ca. 360 l (90l pro Person).


Ausrichtung und Neigung
Optimal sind Dachausrichtungen gen Süden (von Südost bis Südwest) und eine Dachneigung zwischen 20° und 50°. Auf Flachdächern kann man die Module durch die Aufständerung optimal ausrichten. Auch Ost-West-Anlagen eignen sich v.a. dann, wenn der erzeugte PV-Strom direkt im Haus verbraucht wird, um den Netzbezug zu reduzieren und/oder z.B. eine Wärmepumpe (für Heiz- und Kühlzwecke und ggf. zur Brauchwassererwärmung) anzutreiben.

Verschattung durch umliegende Bäume und Bauwerke
Große Verschattungen können den Ertrag insbesondere von Photovoltaik-Anlagen entscheidend verringern, demgegenüber können kleinere Schattenwürfe – z.B. von Schornsteinen oder Bäumen am späten Nachmittag – ggf. toleriert werden. Für solarthermische Anlagen spielt die Verschattung eine etwas kleinere Rolle, da hier auch die diffuse Strahlung genutzt werden kann.

Mittlere solare Einstrahlung auf der jeweiligen Dachfläche
Globale Solarstrahlung nennt man die solare Strahlung, die letztlich auf der Erdoberfläche messbar ist. Die höchsten Einstrahlungssummen werden in Äquatornähe mit ca. 2.400 kWh/m2a gemessen. Innerhalb der Europäischen Union schwankt das mittlere Strahlungsangebot zwischen ca. 850 kWh/m2a im Norden Großbritanniens und 1.750 kWh/m2a in Südspanien. In der Bundesrepublik Deutschland werden auf eine horizontale Fläche jährlich zwischen ca. 900 und 1.200 kWh/m2a eingestrahlt. (Quelle: bine, basisEnergie Nr. 4). Der Deutsche Wetterdienst (DWD) stellt die Jahressummen der Globalstrahlung für die unterschiedlichen Räume zur Verfügung.

  • Photovoltaik: Die Sonneneinstrahlung ist allerdings nicht identisch mit dem jährlichen Energieertrag, z.B. einer Solarstromanlage. Bei der Umwandlung der Solarstrahlung treten Verluste von etwa 90% auf (abhängig z.B. vom Wirkungsgrad der Solarmodule). Durchschnittlich werden nur 10% der Solarstrahlung in elektrische Energie umgewandelt: Der Energieertrag einer Solarstromanlage in NRW liegt bei einer 1kWp-Anlage bei ca. 860-920 kWh/kWpJahr (Mittelwert, Ausrichtung nach Süden, 35 Grad Neigungswinkel, ohne Verschattung).
  • Solarthermie: Bei optimalen Parametern kann eine solarthermische Anlage zur Brauchwassererwärmung und Heizungsunterstützung über das Jahr gesehen mit bis zu 60% zur Warmwasserbereitung beitragen und bis zu 25% zur Beheizung eines Gebäudes.


6. Eignung der einzelnen Dachflächen – Darstellung des Solarpotenzials
Die am Markt tätigen Firmen können mittels ihrer Software die vorliegenden Daten (DHM, Luftbilder) auswerten und mit Berechnungen zu den o.g. Parametern kombinieren.

Als Ergebnis entstehen die Solarpotenzialkarten mit grafischen Unterscheidungsmerkmalen für die verschiedenen Dachflächen. Die Karten-Legenden werden in drei bis vier Unterscheidungsstufen unterteilt: Sehr gut geeignet, gut geeignet, geeignet, nicht geeignet. Manche Karten unterscheiden auch noch bezüglich der Eignungen für unterschiedene Technologien (z.B. Kristalline- oder Dünnschicht-Technologie bei Photovoltaikanlagen, auch die Einbeziehung von Stromspeichern ist möglich).

Zusätzlich zur Eignungsklasse wird meist eine Prognose abgegeben, über die mögliche installierbare Leistung, den möglichen Energieertrag (unterschieden nach dem Strom, der direkt im Haus verbraucht werden kann „Eigenverbrauchsquote“ und dem Strom, der ins Netz eingespeist wird „Überschussstrom“ und die mögliche CO2-Einsparung für die entsprechende Dachfläche.

7. Wirtschaftlichkeitsrechner
Sehr häufig sind Wirtschaftlichkeitsrechner in die Solarkataster integriert, manchmal werden diese auch von Geldinstituten oder den beteiligten Ingenieurbüros angeboten werden, damit können die Gebäudeeigentümer dann weitere Einzelheiten wie Investitionssummen und Amortisationszeiten berechnen lassen (Beispiele aus Solardachkataster des RVR (Regionalverband Ruhr), Witten, Lippstadt, Hamm etc.)

Ausführliche Untersuchung des Daches wird empfohlen
Einige Rahmenbedingungen können von Solarkatastern in der Regeln nicht erfasst werden. Aus diesem Grunde wird den Gebäudeeigentümern empfohlen, vor der Planung einer Photovoltaik- oder Solarthermischen Anlage weitere Einzelheiten zu klären:

Denkmalschutz
Wenn ein Gebäude unter Denkmalschutz steht, sind sämtliche Maßnahmen, die das äußere Erscheinungsbild verändern, kaum zu realisieren. Diese Gebäude sind daher für Solarenergienutzung ggf. nicht geeignet. Rücksprachen mit der Denkmalbehörde sollten erfolgen.

Zustand der Dachflächen
der wirtschaftliche Betrieb von Photovoltaikanlagen oder solarthermischen Anlagen erfordert einen langfristigen Betrieb, in der Regel über mindestens 20 Jahre. Wird eine Sanierung fällig und die Anlage muss ab- und wieder aufgebaut werden, hat der Betreiber schnell einen Ertragsausfall, der den wirtschaftlichen Betrieb gefährdet. Daher sollten optimalerweise nur Dächer genutzt werden, die saniert sind, oder bei denen in absehbarer Zeit keine Sanierung ansteht.

Statische Eignung der Dachflächen
Die statische Eignung des Daches sollte vorab überprüft werden um zu klären, ob die Lastreserven z.B. für Schneelasten ausreichend berücksichtigt wurden.

8. Weitere Informationen
Neben der Darstellung des Solarpotenzials auf den entsprechenden Dachflächen, können in Solarkatastern weitere zusätzliche Serviceangebote gemacht werden:

  • Hintergrundinformationen zu Photovoltaikanlagen
  • Hintergrundinformationen zu solarthermischen Anlagen
  • Informationen zu Fördermöglichkeiten, Finanzierungsmöglichkeiten und Vergütungen
  • Beratungsangebote vor Ort
  • Kontakt zum örtlichen Handwerk
  • Solardachbörsen
  • Eigentümer können ihre Dachflächen für andere Investoren für Photovoltaik zur Verfügung stellen (Bsp. Gelsenkirchen)
  • Besondere Informations- und Beratungsangebote für Gewerbebetriebe (Solingen)

Ausweisung von Windkonzentrationszonen

Die Windenergie soll als tragende Säule der Erneuerbaren Energien in Nordrhein-Westfalen weiter ausgebaut werden. Dabei ist die planerische Steuerung durch die Städte und Gemeinden von großer praktischer Bedeutung. Zwar hat der Großteil der nordrhein-westfälischen Gemeinden bereits Flächen zur Nutzung der Windenergie ausgewiesen, jedoch wird aufgrund der im Jahr 2011 eingeleiteten beschleunigten Energiewende in vielen Städten und Gemeinden über die Bereitstellung zusätzlicher Flächen nachgedacht. Darüber hinaus werden zukünftig durch die überörtliche Landes- und Regionalplanung wichtige Impulse für den Ausbau der Windenergie in Nordrhein-Westfalen gesetzt. Mit dem bauleitplanerischen Instrumentarium kann den unterschiedlichen Belangen, wie dem Natur- und Artenschutz, der Landschaftspflege, dem Schutz vor Immissionen, aber auch dem Tourismus frühzeitig Rechnung getragen werden.

Vorgehen

Planungsrechtliche Steuerung der Windenergienutzung
Windenergieanlagen (kurz: WEA) gehören nach § 35 Abs. 1 Nr. 5 des Baugesetzbuches (BauGB) zu den im Außenbereich privilegierten Vorhaben. Der Gesetzgeber hat die Anlagen also aufgrund ihres Wesens ausdrücklich dem Außenbereich zugeordnet. Damit besteht grundsätzlich ein Rechtsanspruch auf die Zulassung eines Vorhabens zur Errichtung einer WEA, sofern die sonstigen Voraussetzungen erfüllt sind (z.B. öffentliche Belange stehen nicht entgegen, ausreichende Erschließung ist gesichert).

Mit dem Privilegierungstatbestand ist die Gefahr verbunden, dass eine unkoordinierte Ansiedlung von WEA im Außenbereich („Wildwuchs“) stattfindet. Aus diesem Grund räumt der Gesetzgeber den Planungsträgern die Möglichkeit des sogenannten Planvorbehalts ein. Dieser besagt, dass einem Vorhaben öffentliche Belange in der Regel entgegenstehen, wenn hierfür im Flächennutzungsplan eine Ausweisung an anderer Stelle erfolgt ist. Hat eine Gemeinde also eine Konzentrationszone für die Windenergie im Flächennutzungsplan ausgewiesen, ist die Errichtung von WEA außerhalb dieser Flächen daher in der Regel unzulässig. Mit dem Planvorbehalt ist entsprechend eine Doppelfunktion verbunden, die zum einen dazu führt, dass die Windenergienutzung auf die dafür vorgesehen Flächen gelenkt wird (innergebietliche Standortzuweisung) und zum anderen der übrige Planungsraum für die Windenergienutzung in der Regel nicht mehr zur Verfügung steht (außergebietliche Ausschlusswirkung).

Anforderungen an das gesamträumliche Plankonzept
Um durch die Ausweisung von Konzentrationszonen die Nutzung der Windenergie räumlich steuern zu können, bedarf es eines gesamträumlichen schlüssigen Plankonzepts für die Gemeinde. Zunächst müssen all jene Flächen ermittelt werden, auf denen die Errichtung und der Betrieb von WEA aus tatsächlichen und/oder rechtlichen Gründen ausgeschlossen ist (harte Tabuzonen). Das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen geht davon aus, dass regelmäßig nur folgende Flächen als harte Tabuzonen in Betracht kommen:

  • Flächen mit offensichtlich zu geringer Windhöffigkeit,
  • besiedelte Splittersiedlungen im Außenbereich,
  • zusammenhängende Waldflächen,
  • Verkehrswege und andere Infrastrukturanlagen selbst,
  • strikte militärische Schutzbereiche,
  • Naturschutzgebiete (§ 23 BNatSchG),
  • Nationalparke und Nationalmonumente (§ 24 BNatSchG),
  • Biosphärenreservate ( § 25 BNatschG)
  • und gesetzlich geschützte Biotope (§ 32 BNatschG).


Je nach Planungssituation können darüber hinaus auch Landschaftsschutzgebiete (§ 26 BNatSchG) und Natura-2000 Gebiete (Flora-Fauna-Habitat-Gebiete und Europäische Vogelschutzgebiete) als harte Tabuzonen bewertet werden.

In einem nächsten Schritt werden sogenannte weiche Tabuzonen festgelegt. Das sind solche Flächen, auf denen die Errichtung von WEA von vornherein ausgeschlossen werden soll, obwohl die Nutzung aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen grundsätzlich möglich wäre. Damit steht der Kommune also ein wichtiges Steuerungselement zur Verfügung. Denn es ermöglicht ihr, selbst Kriterien festzulegen, nach denen bestimmte Flächen von der Planung ausgeschlossen werden sollen. Dies muss die Kommune allerdings genau abwägen und städtebaulich begründen. In der Praxis häufige weiche Tabukriterien sind Abstandsflächen zu Siedlungsbereichen oder zu Schutzgebieten sowie Flächen mit einer Mindestgröße.

Der Windenergie substanziell Raum geben
Der Planungsträger ist zwar nicht gehalten, die Nutzung der Windenergie vor Ort in bestmöglicher Weise zu ermöglichen, allerdings muss durch die planungsrechtliche Steuerung sichergestellt sein, dass diese Nutzung an der dafür vorgesehenen Stelle tatsächlich möglich ist. Die Rechtsprechung gibt als abstraktes Mindestmaß für die Flächenausweisung für WEA vor, dass dieser in substanzieller Weise Raum gegeben werden muss. Durch diesen unbestimmten Rechtsbegriff sollen auf der einen Seite die örtlichen Verhältnisse gewürdigt und auf der anderen Seite eine Verhinderungsplanung unterbunden werden.

Wird der Windenergienutzung als Ergebnis des Abwägungsprozesses nicht in substanzieller Weise Raum gegeben, muss das gesamträumliche Plankonzept einer Prüfung unterzogen und die darin enthaltenen weichen Tabukriterien müssen unter Umständen angepasst werden. Im Ergebnis erhalten die Planungsträger Potenzialflächen, die im Rahmen der vorbereitenden Flächennutzungsplanung als sogenannte Konzentrationszonen mit der Rechtswirkung des § 35 Abs. 3 Satz 3 BauGB (außergebietlicher Ausschluss & innergebietliche Standortzuweisung) dargestellt und ausgewiesen werden können.

(Teil)Flächennutzungsplan
Neben der Aufstellung bzw. Änderung des gesamten Flächennutzungsplans zur Ausweisung von Konzentrationszonen kann die Gemeinde alternativ die Erstellung von Teilflächennutzungsplänen (TFNP) in Betracht ziehen. Die Steuerung der Standorte für die Windenergie kann in einem sachlichen TFNP erfolgen, der unabhängig vom Gesamtflächennutzungsplan aufgestellt werden kann, dessen Darstellungen allerdings nicht widersprechen darf. Möglich ist auch, den TNFP auf einen bestimmten Teil des Außenbereichs zu beschränken (räumlicher TFNP). Die Darstellungen entfalten die gewünschte Steuerungswirkung in dem Fall allerdings nur innerhalb dessen Geltungsbereichs. Ein räumlicher TFNP kann unter Umständen sinnvoll für Kommunen sein, die bisher noch keine Konzentrationszonen für WEA ausgewiesen haben, und zwar dann, wenn in einem Teil des Gemeindegebiets kein Steuerungsinteresse besteht, sondern die Windenergie über § 35 Abs. 1 Nr. 5 BauGB privilegiert zulässig sein soll. Die Abgrenzung des räumlichen TFNP muss in jedem Fall städtebaulich begründet werden.

Bedeutung für die Genehmigung von Windenergieanlagen
Hat eine Gemeinde eine Konzentrationszone im (Teil)Flächennutzungsplan ausgewiesen, bilden diese planungsrechtlichen Festsetzungen bzw. Darstellungen wiederum den Beurteilungsmaßstab für die behördliche Genehmigung von WEA im immissionsschutzrechtlichen Verfahren.

Projektbeispiele

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Themenportal Windenergie
des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW

WindPlanung.Navi
der EnergieAgentur.NRW

Energieatlas NRW
des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz

Netzwerk Windenergie NRW
der EnergieAgentur.NRW

Windenergie-Handbuch

EnergieDialog.NRW
der EnergieAgentur.NRW

Lern.Portal
der EnergieAgentur.NRW

WindDialog.NRW
der EnergieAgentur.NRW

Kleinwindenergieanlagen für kommunale Gebäude

Kleinwindenergieanlagen (KWEA) sind ein Beitrag zur dezentralen Energieversorgung und prädestiniert zur Eigenversorgung. KWEA tragen auch dazu bei, die Energiewende ‚von unten‘ für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort erlebbar zu machen – jenseits absoluter Zahlen. Von einer augenfälligen KWEA auf dem Schul- oder Rathausdach geht zudem eine politische Signalwirkung aus.

Da nicht jeder Standort für eine Kleinwindenergieanlage geeignet ist, sind vor der Realisierung die bauplanungs- und bauordnungsrechtlichen Zulässigkeitsvoraussetzungen sowie die Windhöffigkeit am Standort zu prüfen. Die Voraussetzungen umfassen die Standsicherheit, baurechtliche Abstandsvorschriften und den Schallschutz.

Am konkretisierten Standort der KWEA sollte eine möglichst freie Anströmung gegeben sein. An Hindernissen wie Bäumen oder anderen Bauwerken können Luftverwirbelungen auftreten, die sich negativ auf das Windfeld vor der KWEA auswirken und somit den Energieertrag der Anlage mindern. Zudem führen Windturbulenzen auch zu einer Verminderung der Lebensdauer der Anlagenkomponenten.

Genehmigungsrechtliche Voraussetzungen

Der Windenergie-Erlass NRW versteht unter KWEA Windenergieanlagen mit einer Gesamthöhe von bis zu 50 m. KWEA sind gemäß Landesbauordnung (BauO NRW) in Nordrhein-Westfalen bis zu einer Anlagengesamthöhe von 10 m genehmigungsfrei – außer in Wohn- und Mischgebieten. Die Anlagengesamthöhe bezieht sich dabei allein auf die Höhe der KWEA. Ansonsten bedürfen KWEA einer Baugenehmigung nach § 68 BauO NRW.
Für kommunale Gebäude eigenen sich sogenannte Hauswindanlagen als Aufdachkonstruktion mit einer maximalen Anlagenhöhe von 10 m. Für kommunale Flächen, Betriebshöfe, Kläranlagengelände etc. kommen auch freistehende KWEA als Nebenanlagen mit einer Gesamthöhe von bis 50 m in Betracht.

Wirtschaftliche Gesichtspunkte

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2017 gewährt eine festgelegte Einspeisevergütung. Die Anfangsförderung beträgt nach der Reform des EEG 2017 8,38 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Betreiber von Kleinwindenergieanlagen mit einer Leistung bis einschließlich 50 kW erhalten die Anfangsförderung für 20 Jahre. In der Förderung sind 0,4 Cent/kWh für den Aufwand der Direktvermarktung enthalten. Betreiber von KWEA, die ihren Strom im Rahmen der festen Einspeisevergütung an den Netzbetreiber liefern, erhalten daher lediglich eine Vergütung von 7,98 Cent/kWh. Die Förderung wird von den Netzbetreibern ausgezahlt.

KWEA sind Eigenverbrauchsanlagen, und daher gilt: Je mehr Windstrom selbst verbraucht wird, desto höher ist die Wirtschaftlichkeit. Als Messlatte gelten dabei die Haushaltsstromkosten, die durch jede selbst verbrauchte Kilowattstunde Windstrom eingespart werden können. Die Kosten für eine KWEA variieren stark und belaufen sich nach Einschätzung des Ratgebers KWEA von Patrick Jüttemann, dem Betreiber des Kleinwindkraft-Portals, auf 4.000 € bis 9.000 € pro installiertem Kilowatt. Die Kosten beinhalten bereits die Leistungen für Montage, Anlagenkomponenten, Fundament und Mast.

Projektbeispiele

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Klimaschutz in Unternehmen

Überblick

Die regionale Wirtschaft ist für Kommunen ein wichtiger Partner, wenn es darum geht, die ambitionierten Klimaschutzziele zu erreichen. Deshalb ist die Einbindung der lokalen Unternehmen – vom produzierenden Gewerbe und der Industrie über den Handels- und Dienstleistungssektor bis hin zum Handwerk – ein bedeutender Erfolgsfaktor für die nachhaltige Entwicklung einer Kommune.

Neue Marktanforderungen (Stichwort: Compliance) weisen schon heute darauf hin, dass die Reduktion von Treibhausgasen zukünftig ein bedeutsamer Wettbewerbsfaktor sein wird. Darüber hinaus übernehmen Unternehmen auch zunehmend ökologische und gesellschaftliche Verantwortung und beteiligen sich aktiv am Klimaschutz. Das Thema Energieeffizienz bietet hier für nahezu jedes Unternehmen, insbesondere auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Anknüpfungsmöglichkeiten. Denn Maßnahmen der Energieeffizienz sind nicht nur ökologisch sinnvoll; sie reduzieren den Kostendruck durch steigende Energiepreise erheblich und stärken die Wettbewerbsfähigkeit der lokalen Unternehmen. Nach Erfahrungen der EnergieAgentur.NRW lassen sich in Abhängigkeit von Branche und Größe Einsparpotenziale zwischen 5 und 20 Prozent finden. Jedoch werden diese Potentiale aus unterschiedlichen Gründen nur selten ausgeschöpft.

Zu den Aufgaben einer Kommune zählt daher die Sensibilisierung der Unternehmen für Themen des Klimaschutzes und der Energieeffizienz. Insbesondere gilt es, die Unternehmen zu einem nachhaltigen Handeln zu beraten, sie zu Investitionen zu motivieren und sie in entsprechende Kampagnen und Projekte einzubinden. Die Zusammenarbeit in zielorientierten Umwelt- und Energieeffizienznetzwerken (u.a. Ökoprofit, Initiative 500 Energieeffizienz-Netzwerke, Energiestammtische etc.) hat sich in der Vergangenheit als wirksames Handlungsfeld auch für Kommunen etabliert.

In dieser Rubrik werden Instrumente vorgestellt, die dabei helfen, die Energieeffizienz in den Unternehmen erheblich zu steigern.

Energie- und Umweltmanagement in Unternehmen

Gute Gründe für ein Energiemanagementsystem
Die Erfahrung zeigt: Energiemanagementsysteme sind ein gutes Mittel, Energieströme in Unternehmen transparent zu machen, Verbräuche zu reduzieren und Energieeffizienz und energiesparende Verhaltensweisen in den unternehmerischen Alltag zu integrieren. Dabei kommt es langfristig zu messbaren Energie- und Kosteneinsparungen im Unternehmen – Stichwort KVP (kontinuierlicher Verbesserungsprozess). Zusätzlich profitiert natürlich auch die Umwelt bzw. der Klimaschutz in der Kommune.

Kosten reduzieren
Steigende Energiekosten reduzieren den Gewinn. In fast allen Betrieben finden sich Einsparpotenziale bei der Energienutzung. Durch die Einführung eines Managementsystems können bis zu 10 % der Energiekosten kurzfristig eingespart werden, meist indem Schwachstellen im eigenen Energieverbrauch systematisch aufgespürt und mit z.T. einfachen Lösungen schnell beseitigt werden.

Auch der Einsatz neuer, energieeffizienter Technologien kann sich lohnen. So führen Investitionen in Druckluft- und Pumpensysteme sowie Luft-, Kälte- und Fördertechnik bei einer durchschnittlichen Amortisationszeit von weniger als zwei Jahren zu einer Senkung des Stromverbrauchs um 5 - 50 %.

Umwelt schützen
Der Klimawandel ist ein globales Phänomen, dessen Folgen sich unbestritten auf die gesamte Menschheit auswirken. Während die Reduktion der Treibhausgasemissionen auf der globalen Agenda ganz oben steht, erfolgt ein großer Teil des Klimaschutzes und der -folgenanpassung vor Ort. Nur wenn jeder einzelne Haushalt und jedes einzelne Unternehmen mitwirkt, kann es gelingen, die Risiken des Klimawandels zu vermeiden. Viele Unternehmen haben diese gesellschaftliche Verantwortung für sich erkannt, handeln aktiv und kommunizieren darüber in der Öffentlichkeit - vielfach unter dem Begriff Corporate Social Responsibility (CSR).

Nachhaltig wirtschaften
Ressourceneffizienz auf allen Gebieten, insbesondere im Energiebereich, ist das brennende Thema unserer Zeit. Wer weiterhin auf bestehende Konzepte setzt, verkennt die sich ändernden Nachfragemuster bzw. Marktbedingungen (Compliance) und verpasst den Anschluss an die Zukunft. Ein effizientes Energiemanagement, neue Energiekonzepte und innovative Energietechnologien sind der Schlüssel, um auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten erfolgreich am Markt zu agieren.

Außendarstellung verbessern
Mit der Einführung eines Energiemanagementsystems und der Zertifizierung nach DIN EN ISO 50001 stellen die Unternehmen Ihren sorgsamen Umgang mit der Ressource Energie nach Außen glaubwürdig dar. Damit belegt das Unternehmen nicht nur eine (energetisch) sinnvolle Wirtschaftsweise, sondern auch die Verantwortung gegenüber dem Thema Umweltschutz. Mit der Zertifizierung erhält das Unternehmen einen Nachweis, mit dem ökologische Anforderungen vom Markt bedient werden können, die nicht nur bei öffentlichen Ausschreibungen in Europa vermehrt Einzug finden. Sowohl aus Sicht des Beschaffers als auch des Zulieferers unterstützt ein Energiemanagementsystem die Erfassung von CO2-Emissionen.

Unterstützung durch die Kommune

Auch im Bereich des Energie- und Umweltmanagements für Unternehmen kann eine Kommune ihr Handlungsfeld für den Klimaschutz aktiv erweitern. Aus den Erfahrungen der EnergieAgentur.NRW ist eine zielgerichtete Vorgehensweise sinnvoll:

1. Im ersten Schritt bedarf es eines Verantwortlichen in der Kommune, der sich um die Ansprache, die Akquisition von nützlichen Multiplikatoren und die Kontaktpflege kümmert. Klären Sie zunächst, wie viel Ressourcen Sie zur Verfügung stellen können. Welches Ziel verfolgen Sie? In welchem Zeitraum soll das gesteckte Ziel erreicht werden?

2. Wir empfehlen Ihnen im zweiten Schritt zunächst nicht die Unternehmen direkt anzusprechen, sondern Organisationen und deren Ansprechpartner zu identifizieren, die im direkten Kontakt mit der Wirtschaft stehen. Dies sind z.B. IHK, Wirtschaftsförderung, Umweltbehörden oder lokal organisierte Unternehmensverbände/-vereine und -stammtische. Evtl. gibt es bei Ihnen auch weitere aktive Stakeholder, die Energiethemen bearbeiten (Vereine, Netzwerke oder andere Strukturen), die ebenfalls eingebunden werden sollten.

3. Im nächsten Schritt sollten in Zusammenarbeit mit den relevanten Organisationen die gewünschten Ziele festgelegt werden; entwickeln Sie einen Projektplan.

4. Anschließend können die Unternehmen in Kooperation mit allen Akteuren vor Ort zu einer ersten Informationsveranstaltung eingeladen werden. Den Unternehmen muss bereits bei der Ansprache klar werden, welchen Vorteil Sie durch den Besuch der Veranstaltung haben. Geben Sie den Unternehmen bei der Veranstaltung genügend Raum und Zeit, um zu diskutieren und Kontakte zu knüpfen. Hierbei sollten die Kommune als auch die Unternehmen entsprechend prominent vertreten sein (Kommunen: Bürgermeister, Unternehmen: Geschäftsführer bzw. leitende Angestellte). Im Rahmen der Veranstaltung sollten gute Beispiele für die Zielerreichung aufgezeigt werden (Early-mover Unternehmen). Um entsprechende Öffentlichkeit zu erzielen, sollte die Veranstaltung professionell für die Medien aufbereitet werden (ggf. Pressekonferenz oder Presseinformation, Bildmaterial, etc.).

5. Aus den Gesprächen ergeben sich meist erste Überlegungen hinsichtlich der weiteren Schritte in der konkreten Umsetzung mit den Unternehmen. Ein sinnvolles Hilfsmittel zur Umsetzung von Energiemanagementsystemen wird beispielsweise durch das Projekt mod.EEM „Modulares Energie-Effizienz-Modell“ geboten. Näheres unter www.modeem.de

6. Für einen kontinuierlichen Prozess und eine zielgerichtete Ergebnisdarstellung sollte das kommunale Projekt durch eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit begleitet werden. Eingebunden werden sollten auf jeden Fall die Pressestellen der Kommune als auch die der beteiligten Unternehmen.

Die EnergieAgentur.NRW steht den Kommunen gerne für Informationen hinsichtlich sinnvoller Akteure oder der Planung von Veranstaltungen bzw. der Umsetzung von konkreten Maßnahmen in den Unternehmen zur Verfügung, z.B. auch durch die Vermittlung von Ansprechpartnern vor Ort.

Energie- und Umweltberatung für Unternehmen

Neben der Unterstützung beim Aufbau von Energiemanagementsystemen und der Initiierung von Umwelt- und Energienetzwerken als Plattform zum gegenseitigen Informations- und Erfahrungsaustausch können die Kommunen auch gezielte, niederschwellige Beratungen für Unternehmen anbieten bzw. vermitteln.

Die Beratungsleistung der Kommunen ist grundsätzlich unabhängig, da sie kein kommerzielles Interesse verfolgt und alle Unternehmen gleichbehandelt. Themen der Beratung von Industrie und Gewerbe sind neben dem Energiemanagement etwa Prozessoptimierung, Abwärmenutzung, kombinierte Wärme- und Stromerzeugung oder Fremdfinanzierung energiesparender Maßnahmen.

Die Kommune hat dabei vielfältige Möglichkeiten. Als vorteilhaft kann sich eine zentrale Anlaufstelle (bspw. im Umweltamt) erweisen, die Erstberatungen für Unternehmen (und andere) durchführt oder zielgruppenspezifische Informationen bereithält. Daneben sollte die zentrale Aufgabe einer solchen Anlaufstelle vor allem darin bestehen, weiterführende Beratung vor Ort durch externe Träger zu vermitteln (Lotsenfunktion). Dazu gibt es mittlerweile vielfältige Angebote unterschiedlicher Institutionen und Einrichtungen, die solche Beratungen kostenfrei oder mit entsprechender Förderung anbieten.

  • KfW
  • Innungen und Kammern
  • Lokale Energieversorger
  • Verbraucherzentralen
  • EnergieAgentur.NRW
  • Mietervereine
  • Handwerksbetriebe und Fachhandel
  • Schornsteinfeger
  • Ingenieur- und Architekturbüros
  • Selbstständige Energieberater
  • etc.


Das Beratungsangebot dieser und anderer Akteure ist selten aufeinander abgestimmt. Daher hat die EnergieAgentur.NRW im Auftrag des Landes eine Plattform eingerichtet, die diese Angebote bündelt und so die Lotsenfunktion übernimmt. Die Kommunen können auf dieses Klimaprofit Center NRW verweisen, das per Telefon-Hotline 0211 8371914 und im Internet unter www.energieagentur.nrw/kpc zu erreichen ist. Unternehmerinnen und Unternehmer aus NRW bekommen dort über eine Datenbankabfrage Beratung vermittelt und sie können Kontakt zu Unternehmensnetzwerken aufnehmen. Außerdem gibt es Informationen rund um Klimaschutz im Unternehmen und Online-Rechner beispielsweise zum Stromverbrauch.

Wichtig ist, dass die Kommunen Datenbanken pflegen bzw. nur auf bestehende Datenbanken verweisen, die die notwendige Beratungsqualität sicherstellen.

Auch interkommunale Kooperationen in der Energieberatung können sich anbieten, um den Personal- und Kostenaufwand möglichst gering zu halten.

Dokumente

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Klimaprofit Center NRW
Serviceportal der EnergieAgentur.NRW für Unternehmen in NRW, das Beratungsangebote bündelt

PIUS-Check
der EffizienzAgentur NRW

Energieberatung Mittelstand
der IHK

Energieeffizienzprogramm
der KfW

Energie- und Klimaschutz in Unternehmen
der EnergieAgentur.NRW

Beratung zum Thema Ressourceneffizienz
Effizienz-Agentur NRW

Initiative EnergieEffizienz+ Unternehmen & Institutionen
der Deutschen Energie-Agentur (dena)

Förderung

Energieeffizienzberatung in Unternehmen
Förderdatenbank der EA.NRW

Förder.Navi
Maßgeschneiderte Förderung für ihr Projekt mit dem Förder.Navi der EnergieAgentur.NRW finden.

Energie- und Umweltnetzwerke für Unternehmen

Eine erfolgversprechende Strategie zur Erreichung von lokalen Klimaschutz- bzw. Energieeffizienzzielen ist die Vernetzung der regionalen Wirtschaft. Die Kommunen können eine neutrale Plattform bieten, um Informationen über die Klimaschutzaktivitäten in den einzelnen Unternehmen auszutauschen. Ziel ist es, dass Unternehmen von erfolgreichen Projekten erfahren und diese Erfahrungen auf das eigene Unternehmen übertragen. In einigen Fällen ist es auch möglich, Projekte, die für ein Unternehmen allein nicht durchführbar sind, in Unternehmenskooperationen umzusetzen und somit Synergien zu nutzen.

Die Vernetzung der Unternehmen setzt meist einen Anstoß von außen voraus, der durch die Kommune bzw. die regionale Wirtschaftsförderung erfolgen kann. Der Impuls kann auch über bereits vorhandene Aktivitäten (Unternehmerfrühstück, etc.) eingebracht werden. Nachfolgend werden die Erfolgsfaktoren für die Implementierung eines Energie- und Umweltnetzwerks für Unternehmen benannt.

Vorgehen

1. Aufbau eines Netzwerkmanagements
Um ein Netzwerk für Unternehmen zu implementieren, bedarf es im ersten Schritt der Schaffung eines Netzwerkmanagements, insbesondere einer Klärung der Verantwortlichkeiten innerhalb der Verwaltung. Wichtige Akteure sind hierbei zum einen die Wirtschaftsförderung und zum anderen die Umweltbehörde, da Sie in direktem Kontakt zur lokalen Wirtschaft stehen. Es sollte bereits vorab geklärt werden, welcher Zweck bzw. welches Ziel erreicht werden soll und wie viel Ressourcen von Seiten der Kommune bereitgestellt werden können. Es empfiehlt sich unter Umständen, die lokale IHK vorzeitig mit einzubeziehen und das dort vorhandene Know-how zu nutzen.

2. Ansprache der Unternehmen
Den Unternehmen muss bereits bei der Ansprache klar werden, welchen Vorteil Sie durch die Teilnahme an einem Netzwerk haben. Es empfiehlt sich deshalb, die verfolgten Ziele klar zu benennen. Je nach Zielsetzung ist zu entscheiden, ob die Vernetzung branchenspezifisch (z.B. Gebäudesanierung) oder branchenübergreifend (z.B. Energiemanagement) erfolgen soll. Die Ansprache kann sowohl per E-Mail als auch telefonisch oder persönlich erfolgen. Erfahrungsgemäß ist die Beschränkung auf ein Mailing nicht sehr erfolgversprechend, da Unternehmen auf diesem Wege mittlerweile durch verschiedene Akteure (Berater, Zulieferer, Verbände, usw.) eine Flut von Informationen erhalten. Die Gewinnung der gewünschten Netzwerkmitglieder fällt erfahrungsgemäß auch leichter, wenn sich bereits im Vorfeld „Zugpferde“ (Unternehmen, die einen guten Ruf genießen und eine positive Außenwirkung haben) für das Netzwerk ausgesprochen haben.

3. Kick-Off Veranstaltung
Die Netzwerkaktivitäten sollten mit einem Kick-Off Termin gestartet werden. Hierbei sollten sowohl die Kommunen als auch die Unternehmen hochrangig repräsentiert werden (Kommunen: Bürgermeister, Unternehmen: Geschäftsführer bzw. leitender Angestellter). Im Rahmen der Kick-Off Veranstaltung sollten gute Beispieler im Sinne des zu erreichenden Ziels aufgezeigt werden (Referent: Early Mover). Weiterhin sollten die Rahmenbedingungen und Verantwortlichkeiten für die Netzwerkarbeit geklärt werden. Um die Öffentlichkeit angemessen zu informieren, sollte der Kick-Off auch entsprechend medial aufbereitet werden (ggf. Pressekonferenz oder Presseinformation).

4. Zielvereinbarungen & Monitorring
Im Rahmen des Netzwerks sollten die Teilnehmer festlegen, was Sie in der Vernetzung konkret erreichen wollen (Zielvereinbarung) und wie ein Monitoring erfolgen sollte. Beide Komponenten haben sich für eine erfolgreiche Netzwerkarbeit bewährt z.B. im Rahmen der bundesweiten Initiantive "Energieeffizienz-Netzwerke". Unternehmen sind nur dann dauerhaft dazu bereit, sich in Netzwerk zu engagieren, wenn ein klarer Mehrwert der Zusatzarbeit sichtbar gemacht werden kann. (Der abgestellte Mitarbeiter ist grundsätzlich in der Bringschuld bei seinem Vorgesetzten.)

5. Öffentliche Darstellung
Die öffentliche Darstellung ist für viele Unternehmen ein wesentlicher Antriebsfaktor, sich an einem Netzwerk zu beteiligen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Netzwerkarbeit durch eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit begleitet wird. Unbedingt sollten die Pressestellen sowohl der Kommunen als auch der beteiligten Unternehmen. eingebunden werden. Eine Zusammenfassung der wichtigsten „Spielregeln“ zur Gründung von Energie- und Umweltnetzwerken finden Sie im Leitfaden „Netzwerkarbeit erfolgreich gestalten“.

Klimaschutz in Privathaushalten

Überblick

Die privaten Haushalte sind für die Kommunen auf ihrem Weg zum Klimaschutz unverzichtbare Partner. Sie tragen etwa zu einem Viertel zum Gesamtenergieverbrauch Deutschlands bei. Hier liegen ungenutzte Potenziale zur Energieeinsparung. Viele Bürger sind sich jedoch der vielen Möglichkeiten nicht bewusst, die in technischen Lösungsansätzen oder Veränderungen im eigenen Nutzerverhalten liegen.

Die Kommune kann die privaten Klimaschutzbemühungen auf sehr verschiedene Weise anregen oder unterstützen. Die Bemühungen sollten vor allem darauf zielen, die Sanierungsaktivitäten oder die Investitionsbereitschaft der Bürger in erneuerbare Energien und energieeffiziente Geräte zu fördern, um so den Energieverbrauch auf dem Gemeindegebiet nachhaltig senken. Nicht zuletzt müssen die Endverbraucher in ihrem Alltag daher weiter für die Bedeutung des Klimaschutzes sensibilisiert werden.
Die Kommune kann durch kompetente Beratung und gezielte Informationskampagnen aktiv auf diesen Bewusstseinswandel Einfluss nehmen. Indem sie verschiedene private Akteure zusammenbringt und vernetzt, können innovative Klimaschutzideen schneller Verbreitung finden und die Motivation zur Nachahmung gesteigert werden. Über Wettbewerbe und Preisverleihungen kann sie weitere Anreize zum privaten Klimaschutz schaffen.

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Klima Sparbücher
Oekom-Verein

Beratungsagentur für Bürger

Bei Informations- und Beratungsstellen auf kommunaler Ebene, bspw. in Form einer Beratungsagentur, erhalten die Bürger Hilfestellung für Ihr Anliegen, Energie einzusparen oder ihre Häuser energieeffizient zu sanieren. Durch die Initiierung vieler kleiner privater Maßnahmen kann ein großer Beitrag zur Senkung von CO2-Emissionen und zum Erreichen von Klimaschutzzielen geleistet werden.

Kommunale Beratungsangebote werden meist durch ein breites Bündnis von Kooperationspartnern getragen oder durch eine sinnvolle Arbeitsteilung verschiedener Akteure bereitgestellt. Die Kommune kann durch eine Beratungsagentur als Mittler zwischen interessierten Bürgern und örtlichem Handwerk, ansässigen Banken und Dienstleistern fungieren. Die verbesserte Investitionsbereitschaft von Bürgern hat einen vielfachen Mehrwert: Sie stärkt die Auftragslage lokaler Handwerksbetriebe und damit die regionale Wertschöpfung. Der geringere Energieverbrauch reduziert außerdem die Energiekosten der Bürger bei gleichzeitiger Entlastung der Umwelt.

Vorbereitung
Vor der Entwicklung eines umfassenden und herstellerneutralen Informations- und Beratungsangebotes sollte eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Angebote stehen. Häufig gibt es schon Angebote von Verbraucherzentralen oder Handwerkskammern, Wirtschaftsorganisationen oder sozialen Einrichtungen, die unkoordiniert nebeneinander arbeiten. Auch Angebote öffentlicher Träger, von Banken sowie Land, Kreis oder Nachbarkommune, sollten erkundet werden. Eine Zusammenstellung der verfügbaren Beratungsangebote identifiziert die lokal aktiven Akteure im Beratungsbereich und legt Beratungsdefizite offen.

Die gelisteten Beratungsangebote lassen sich in einem ersten Schritt auf der Internetseite der Kommune oder in lokalen Informationsmedien in Form eines Wegweisers veröffentlichen, wodurch zeitnah eine schnelle Orientierung für den Bürger gegeben werden kann.

Initiierung und Gründung
Es ist ratsam, engagierte Initiativen und vorhandene Angebote bei der Gründung eines Services für Bürger mit einzubeziehen. So lassen sich gute Ideen bündeln und potenzielle Kooperationspartner gewinnen. Die Kommune sollte dabei als Initiator und Mittler auftreten. Um die Ressourcen sinnvoll einzusetzen und eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhalten, bedarf es eines klar strukturierten, überzeugenden Angebotes.

Selten wird die Kommune ökonomisch in der Lage sein, eine eigene Beratungsstelle zu betreiben. Daher muss eine Organisationsform gefunden werden, die die adäquate Einbindung unterschiedlicher Mitglieder mit finanziellen Beiträgen ermöglicht, ohne eine gute Arbeitsfähigkeit zu gefährden. Dadurch erhält die Beratungsagentur eine gewisse Eigenständigkeit und Entscheidungsfreiheit, die für einen objektiven Beratungsprozess unabdingbar sind. Als Organisationsformen kommen in Frage:


(Gemeinnütziger) Verein
(Gemeinnützige) GmbH Initiative, bei der eine Organisation die Federführung übernimmt und sich andere Partner projektbezogen zur Zusammenarbeit verpflichten.

Der Verein ist dabei eine relativ einfache Konstruktion, dem leicht weitere Partner beitreten können. Sinn und Zweck sowie Organisatorisches (Name, Sitz, Mitgliederversammlungen, Ein-/Austritt, Beiträge, Geschäftsordnung etc.) werden in der Vereinssatzung festgehalten.

Um einer Kommunalen Beratungsagentur die notwendige politische Rückendeckung zu verleihen, sollte ihre Gründung auf der Basis der parlamentarischen Beratung vom Gemeinde-/Stadtrat beschlossen werden. Hierfür ist auch ein Businessplan zu erarbeiten, um für die ersten 5 Jahre die finanzielle Basis zu dokumentieren.

Vernetzung und Akteursbeteiligung
Einem Verein können Akteure aus Handwerks- und Finanzbranche, Hausbesitzer und Mietervereinigungen, aber auch Initiativen beitreten. Durch die Beteiligung der wichtigen Akteure erhält die Beratungsagentur auch Zugang zu den Informationskanälen der jeweiligen Organisationen. Regelmäßige Treffen bieten eine gute Plattform zum Erfahrungsaustausch und wichtige Impulse für zukünftige Beratungs- und Informationsangebote.

Ein solches Netzwerk kann auch als Kontroll- und Qualitätsprüfungsinstanz agieren, um den Bürgern und Ratsuchenden eine hinreichende Professionalität der am Markt erhältlichen Leistungen zu gewährleisten. Im Rahmen einer Effizienzpartnerschaft (Stadt Bonn) kann bspw. ein Nachweis der fachlichen Eignung von Unternehmen erfolgen, um auch bei Effizienzmaßahmen oder neuen Techniken das Vertrauen der Bürger ins lokale Handwerk zu fördern.

Intensität und Umfang der Beratung
Es gibt verschiedene Stufen der Beratungstätigkeit durch Kommunen: Das Spektrum erstreckt sich von der niederschwelligen abrufbaren Information im Internet über das Gespräch in der Beratungsstelle bis hin zum Hausbesuch eines Beraters und die Zusammenstellung individualisierter Beratungsmaterialen oder Investitionspläne.

Viele Ratsuchende möchten auch eine Begleitung bis zur Bauumsetzung, was aber nicht Aufgabe einer öffentlichen Beratung sein sollte. Eine Konkurrenz zu freiberuflich tätigen Dienstleistern sollte unterbleiben. Vielmehr wird über Fördermöglichkeiten informiert und es werden Kontakte vermittelt oder Dienstleister als Honorarkräfte nach einem bestimmten Verteilungsschlüssel oder über ein Vermittlungsportal beauftragt.

Folgende Punkte sollten durch ein umfassendes Beratungsangebot abgedeckt werden:

  • Informationen zu Förderprogrammen (Bund, Land)
  • Vergabe von Fördermitteln (sofern Fördermittel durch Kommune oder Stadtwerk)
  • Regelmäßige, öffentliche Veranstaltungen ‚von Fachleuten für Bürger‘
  • Allgemeine Beratung zu allen Energiesparmaßnahmen am Gebäude Allgemeine Beratung zu energieeffizientem Nutzerverhalten Individualisierte Beratung durch Fachleute oder Vermittlung an solche Sonderaktionen, wie kurzzeitige Förderprogramme, zeitlich begrenzte themenbezogene Beratungskampagnen, Thermographieaktionen u.a. Beratungsangebote lassen sich natürlich auch auf andere Bereiche ausweiten. So können Angebote des öffentlichen Personen-Nahverkehrs oder der Abfallentsorgung gut angebunden werden. Mit Hinblick auf den demographischen Wandel bieten sich ergänzend Informationen zu neuen Wohnformen und -konzepten an.


Beratungsstelle und Organisation
Eine Beratungsstelle sollte auch als solche erkennbar und verkehrstechnisch gut erreichbar sein. Im Optimalfall handelt es sich um eine eigenständige Geschäftsstelle im Innenstadtbereich (Laufkundschaft, vereinbarte Beratungstermine und freie Sprechstunden).

Das persönliche Beratungsangebot sollte durch ein entsprechendes Internetangebot ergänzt und unterstützt werden. Dazu zählen:

  • Terminvereinbarung online
  • Ergänzende und weiterführende Informationen zum Beratungsportfolio
  • Forum zum Austausch Bürger zu Bürger
  • Auflistung von (zertifizierten) Fachbetrieben in der Region
  • (Separater) Bereich für Mitglieder des Vereins / des Kompetenznetzwerkes


An das Personal werden breite Anforderungen gestellt: neben einem guten Überblick über das Beratungsportfolio mit Fachkenntnissen bis zu einer gewissen Tiefe ist auch die Erfahrung im Umgang mit Kunden nötig. Die Beratungsstelle muss sich als Serviceagentur für den Bürger verstehen.

Das Beratungsangebot sollte hinsichtlich Themenauswahl, Größe der Einrichtung und Öffnungszeiten auf die jeweilige Kommune zugeschnitten sein. Der erfolgreiche Aufbau einer Beratungsstelle unterliegt einem mittel- bis langfristigen Planungshorizont.

Eröffnung und Werbung
Zum Start benötigt eine Beratungsagentur bereits ein breites, aber auch überschaubares Portfolio an Beratungsleistungen. Dieses kann dann sukzessive ausgebaut werden. Neue Beratungsangebote können leicht durch zeitlich begrenzte Kampagnen getestet werden. Wichtig ist, dass es zu keiner Fluktuation der Angebote kommt. Bürger schätzen Kontinuität und benötigen zunächst Zeit, bis sich das neue Angebot eingeprägt hat.

Gerade während der Einführungsphase ist eine wirkungsvolle Öffentlichkeitsarbeit essentiell. Hierzu eignen sich öffentlichkeitswirksame Aktionen, wie:

  • Energieeffizienztage / -messe (bspw. Infos zu Energieeffizienz in der Region, best-practice-Beispiele, ggf. in Verbindung mit einem Stadtfest.)
  • Wettbewerb / Preisverleihung (bspw. Schulwettbewerb) Teilnahme an regionalen / bundesweiten / europaweiten Wettbewerben zum Thema

Projektbeispiele

Stadt Aachen
altbau plus - Infoservice energiesparendes Sanieren
Ansprechpartner:
Michael Stephan
Geschäftsführer
Tel. 0241 413888 20
michael.stephan@mail.aachen.de

effeff.ac – Das Effizienz-Netzwerk
Ansprechpartner:
Ralf Hinrichsmeyer 
Geschäftsführer der regio-energiegemeinschaft e.V.
Tel. 0241 9900 1310
ralf.hinrichsmeyer@effeff.ac

Bundesstadt Bonn
Bonner Energie Agentur
Ansprechpartner/in: (Aufbau) Joachim Helbig, Leitung der Leitstelle Klimaschutz,
Tel. 0228 77 2693, joachim.helbig@bonn.de; (Laufender Betrieb) Celia Schütze, Geschäftsführerin, Tel. 0228 77 50 60, info@bea.bonn.de

Stadt Münster
Beratung im Stadtwerke CityShop
Ansprechpartnerin: Birgit Wildt, Koordinierungsstelle für Klima und Energie (Klenko)
Tel. 0251 492 6703, wildtb@stadt-muenster.de

Dokumente

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Satzungsbeispiel
des Vereins altbau plus

Satzungsbeispiel
der Bonner Energie Agentur

Produktlotse
des Netzwerks effeff.ac

Förderung

Gemeinschaftsaktionen zur Information und Motivation

Für das Erreichen gesteckter Klimaschutzziele und angestrebter Ausbauraten zur Nutzung erneuerbarer Energien ist der Rückhalt in der Bevölkerung sehr wichtig. Private Personen und Gruppen agieren als Nutzer, Entscheider, Meinungsbildner oder Investoren. Klimaschutz und Energieeffizienz oder die Nutzung erneuerbarer Energien sollten immer wieder thematisiert werden, um ins öffentliche Bewusstsein zu gelangen. Das Angebot zur Mitwirkung und die Anerkennung der einzelnen Anstrengungen schaffen eine breite Basis für das Gelingen der Gemeinschaftsaufgabe Energiewende. Abwechslungsreiche, zeitlich begrenzte Kampagnen können hier ebenso unterstützend wirken wie etablierte, ständig wiederkehrende Aktivitäten. In vielen Fällen kann die Kommune als Initiator und Mittler auftreten, in anderen ist sie selbst der Akteur.

Beispielhaft sind einige Maßnahmen zur Sensibilisierung und gegenseitigen Unterstützung der Akteure in den Themenbereichen Energieeinsparung und Klimaschutz vorgestellt:

  • Energiestammtisch
  • Energiesparprojekt für Senioren
  • Klimawettbewerbe
  • Klimawetten
  • Energiestammtisch


Hierbei handelt es sich um eine regelmäßig wiederkehrende Veranstaltung (z.B. monatlich) unter Einbeziehung des lokalen Handwerks und anderer Akteure. Bei diesem für jeden offenen Angebot werden relevante Informationen (über Techniken, Fördermöglichkeiten u.a.) vermittelt, Kontakte können geknüpft und Erfahrungen aus der Praxis ausgetauscht werden. Die einzelnen Termine können einen thematischen Schwerpunkt haben, was die Veranstaltungsreihe interessanter und zielgerichteter werden lässt. Experten können so besser eingebunden werden. Diese Ausgestaltung erfordert allerdings eine intensivere laufende Kommunikation.

Im Rahmen solcher Energiestammtische kann auch eine Beratung angeboten werden, für die Ratsuchende feste Termine bspw. über ein Online-Portal vereinbaren können. Im Anschluss an die Beratungen findet dann die offene Runde für Interessierte statt.

Die Kommune kann die gesamte Organisation eines solchen Energiestammtisches übernehmen: Von der Bereitstellung des Raumes, über die Werbung auf dem eigenen Internetportal, bis hin zur Berufung der Fachleute. Neben dem lokalen Handwerk bietet sich auch die Kooperation mit anderen Akteuren an, z.B. Banken und Energieversorger.

Energiesparprojekt für Senioren
Der Anteil der über 65-jährigen an der Bevölkerung nimmt stetig zu. Es liegt nahe, diese wichtige Konsumentengruppe auch mit dem Thema Energieeinsparung zu adressieren. Ältere Menschen können durch gezielte Einsparberatung ihre anteilig am Einkommen hohen Energiekosten senken. Oder sie können wichtige Kapitalgeber für Erneuerbare Energien-Projekte sein und Impulse an Kinder und Enkel geben.

In Form eines Energie-Cafés können Informationsvermittlung und Geselligkeit miteinander kombiniert werden. Solche Treffen könnten an wechselnden Orten stattfinden. Ähnlich wie beim Energiestammtisch kann die Kommune in verschiedener Intensität an solchen Initiativen mitwirken. Neben den o.g. Kooperationen sollten dabei auch Seniorenheime, soziale Einrichtungen oder Tageseinrichtungen für Senioren als Akteure gewonnen werden. Insgesamt ist die Mitarbeit der Kommune und die Glaubwürdigkeit bei solchen oder ähnlichen Initiativen sehr wichtig, da für die Zielgruppe die Themen Vertrauen und Sicherheit einen hohen Stellenwert besitzen. Auch vorhandene örtliche Agenturen und Angebote können eingebunden und dadurch Synergien geschaffen werden.

Je nach Interesse lassen sich solche Initiativen beliebig ausbauen. Neben regelmäßigen Treffen könnten auch Exkursionen oder Reisen zu interessanten Projekten angeboten werden. Auch Ausstellungen oder sonstige Events können entwickelt und umgesetzt werden.

Klimawettbewerbe
Klimawettbewerbe oder -pakte zielen darauf ab, dass verschiedenste Personen in einem benannten Zeitraum ihr Verhalten auf ein gemeinsames Ziel hin ausrichten. Durch eine individuelle Selbstverpflichtung zu einfachen, praktischen Klimaschutzmaßnahmen im persönlichen Alltag soll eine allgemeine Bewegung zum Energiesparen initiiert werden, die immer weiter um sich greift. Je nach adressierter Zielgruppe unterscheiden sich die Kampagnen in den genutzten Kommunikationsmedien.

Besonders auf junge und internetaffine Bürger stellt beispielsweise die online-gestützte CO2-Sparaktion ab. Innerhalb eines bestimmten Zeitraumes können Teilnehmer aus einem Katalog von Aktionen, denen jeweils spezifische CO2-Einsparungen zugeordnet sind, die für sie passenden auswählen und umsetzen. Der Abschluss der Aktionen muss jeweils formal bestätigt werden. Einzelpersonen und Gruppen, Schulklassen und Vereine können gleichermaßen teilnehmen. Durch Werbung im Freundes- oder Kollegenkreis werden die Themen weitergetragen. Die Gesamtaktion wird laufend dokumentiert: Auf einer zentralen Internetseite werden die aufsummierten CO2-Einsparungen, die Anzahl der von allen Beteiligten gezeichneten Aktionen sowie die Spitzenreiter namentlich genannt. Die Sparaktion sollte mit Sozialen Medien vernetzt sein, ohne dass Menschen, die diese Medien nicht nutzen, von einer Teilnahme ausgeschlossen sind.

Wettbewerbe zum Klimaschutz können auch überregional organisiert werden. Bürger, Unternehmen und Institutionen können zu Klimaschutzmaßnahmen motiviert werden, indem etwa – wie im Kreis Gütersloh – energetische Modernisierungen mit Preisen geehrt werden. Wer innerhalb eines festgelegten Aktionszeitraums Sanierungsmaßnahmen vornimmt, kann die hieraus resultierenden CO2-Einsparungen in ein CO2-Barometer im Internet eintragen. Am Ende wird die Gemeinde ausgezeichnet, die die höchste CO2-Einsparung pro Kopf erreicht. Herausragende individuelle Projekte können mit einem gesonderten Preis geehrt werden. Die Kampagne kann mit einer Bürgerparty in der Siegerkommune abschließen.

Klimawetten
Ein geeignetes Mittel, Personengruppen an ein Thema heranzuführen, sind ein Quiz oder die Abgabe von Wetten. Hier werden spielerisch einige Informationen bereitgehalten, der Teilnehmende wird zum Wettbewerb mit anderen bzw. mit einer Sache aufgefordert und meist kommt ein Überraschungseffekt, wenn die eigene Annahme mit den Fakten verglichen wird.

Eine ‚Eisblockwette‘ dient in dieser Hinsicht der Sensibilisierung der Bevölkerung und kann als öffentlichkeitswirksames Element z.B. im Rahmen einer Energiemesse eingesetzt werden. Zu diesem Zweck wird in ein nach Passivhausstandard wärmegedämmtes Holzhaus ein großer Eisblock gesetzt. Die Bürger werden dazu aufgerufen, schriftlich ihre Wette einzureichen, wie viele Liter Wasser innerhalb eines bestimmten Zeitraums abgeschmolzen sind. Im Rahmen einer besonderen Veranstaltung wird der Eisblock aus dem Haus gehoben, um das Rätsel aufzulösen.

Eine solche Wette bietet auch Anlass für die Kommunikation über die unterschiedlichsten Themen, vom Klimawandel bis hin zu den verschiedensten Maßnahmen, wie Energie eingespart oder fossile Energieträger als Verursacher des Treibhausgaseffektes durch erneuerbare Energien ersetzt werden können. Die Aktion kann sehr gut in Kooperation mit dem Handwerk durchgeführt werden.

Klimasparbuch
Das Klimasparbuch ist ein Ratgeber- und Gutscheinbuch für Klimaschutz im Alltag. Neben Gutscheinen für Produkte und Dienstleistungen von Unternehmen, die Wert auf Nachhaltigkeit legen, erhalten die Leser auch konkrete Tipps für ein ökofaires Verhalten im Alltag, auch vor dem Hintergrund einer finanziellen Ersparnis. Auf diese Weise werden alltägliche Aktivitäten positiv mit den Themen Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz verknüpft. Das Klimasparbuch hat ein einheitliches Grundkonzept, das auf die lokalen Besonderheiten und Bedürfnisse einer Kommune angepasst wird. Mit dem Klimasparbuch erhalten Kommunen ein Instrument, mit dem sie die Bürger auf ansprechende und unkonventionelle Weise über Klimaschutzthemen informieren und zum Mitmachen anregen können. Die Kosten für eine lokale Klimasparbuch-Ausgabe variieren je nach Ausstattung und Auflage zwischen 20.000 und 35.000 Euro, wobei ein Teil dieser Kosten durch Anzeigen im Klimasparbuch refinanziert werden können. Die Erstauflage liegt in der Regel bei mindestens 10.000 Exemplaren pro Kommune.

Projektbeispiele

Dokumente

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

CO2-Rechner
von KlimAktiv

Kampagne „100 Prozent Zukunft“
von Germanwatch

Förderung

Individuelle Auszeichnungen und Anreizkampagnen

Persönliches Engagement und individuelle Fortschritte als Beitrag zum kommunalen Ziel der CO2-Senkung werden über Auszeichnungen öffentlichkeitswirksam geehrt. Auszeichnungskampagnen kommunizieren gleichzeitig best-practice-Beispiele, um zur Nachahmung anzuregen. Auszeichnungen für einzelne Aktivitäten heben hervor, dass Klimaschutz auf der individuellen Ebene einen unabdingbaren Beitrag zur Erreichung kommunaler Ziele leistet.

Vorgehensbeschreibung

Im Rahmen von Wettbewerben können Preise ausgelobt werden, um die sich Privatpersonen bewerben können, und deren Vergabe über eine Jury erfolgt. Erfolgreiche Projekte können öffentlichkeitswirksam vorgestellt werden, oder Privatpersonen berichten selbst über ihre Aktivitäten. Beispiele hierfür sind:

  • Lokaler Energieeffizienzpreis oder Klimaschutz-Award
  • Klimaschutz-Flagge
  • Galerie der Energiespender
  • Klimaschutz-Botschafter
  • Lokaler Energieeffizienzpreis oder Klima Award

Ein Energieeffizienzpreis für Bürger (und Unternehmen) einer Stadt oder Gemeinde kann in Zusammenarbeit mit anderen Akteuren in der Kommune, z.B. den Stadtwerken, vergeben werden. Prämiert werden vorbildlich realisierte Maßnahmen zur Energieeinsparung, Energieeffizienz und Nutzung erneuerbarer Energien bei Bestandsgebäuden oder Neubauten von Privatpersonen, Gewerbebetrieben oder in Mehrfamilienhäusern, aber auch andere Projekte z.B. im Mobilitätsbereich. Mit einem gezielten Aufruf zu spezifischen Aktivitäten kann dabei auch auf lokale Gegebenheiten eingegangen werden. Ein solcher Preis wird aufgewertet durch die prominente Schirmherrschaft etwa eines (Ober)-Bürgermeisters. Eine Erweiterung des Ansatzes – wie z.B. die Vergabe eines Effizienzpreises an Schulen – ist denkbar.

Die Kampagne sollte von einer aktiven Öffentlichkeitsarbeit begleitet werden und die Auszeichnung der Preisträger sowie ihrer innovativen Beiträge zum Klimaschutz zur Nachahmung anregen. Eingebettet werden kann die Vergabe der Auszeichnungen beispielsweise in den Kontext kommunaler Energiespartage.

Die Bewertungsmaßstäbe der eingegangenen Beiträge sollten nicht zu eng gefasst sein. So bieten die Kriterien für die Vergabe des Bonner Energieeffizienzpreises einen gewissen Handlungsspielraum:

  • Persönliches Engagement
  • Primärenergieeinsparung
  • Innovationsgrad
  • Kooperation und Multiplikatoreffekt
  • Einbindung in ein Gesamtkonzept


Stärker auf den Bausektor fokussiert kann, wie etwa in Bochum, ein Klimaschutz-Award herausragende Beispiele im Bereich des klimafreundlichen Bauens und Wohnens honorieren und ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit rücken. Die Auszeichnung könnte insbesondere Maßnahmen zur Einsparung von Energie durch Wärmedämmung oder innovative Heiztechniken sowie zur Nutzung umweltschonender Energien berücksichtigen. Je nach erreichter Punktzahl können einzelne Gebäude mit einer Plakette – abgestuft in Silber oder Gold – sowie ggf. einem kleinen Geldpreis ausgezeichnet werden.

Die Jury für die Auszeichnungen sollte möglichst breit besetzt sein, z.B. mit Vertretern von Stadtverwaltung, Stadtwerken, Handwerkerschaft, IHK, Haus- und Grundbesitzervereinigung, Architekten und Banken sowie Umweltschutzorganisationen, Mieterbund und Verbraucherzentrale.

Klimaschutz-Flagge
Ähnlich wie ein Wanderpokal kann die Vergabe einer kommunalen Klimaschutz-Flagge über einen bestimmten Zeitraum auf besonders klimafreundliche Projekte aufmerksam machen. Honoriert werden zur Nachahmung geeignete Maßnahmen im Bereich Energieeffizienz oder Projekte, welche die Nutzung erneuerbarer Energien fördern. Insbesondere bietet sich jedoch eine Auszeichnung von Objekten – beispielsweise von energetisch modernisierten Immobilien – an. In die Vergabe mit einbezogen werden können neben Privathaushalten auch Unternehmen und öffentliche Institutionen. Je nach Größe der Kommune empfiehlt sich eine öffentlichkeitswirksame Vergabe der Klimaschutz-Flagge drei- bis viermal pro Jahr.

Der Kreis Wesel hat sich bspw. mit dem Klimabündnis Kreis Wesel der Aktion „Gemeinsam fürs Klima“ der Landesarbeitsgemeinschaft AGENDA 21 NRW angeschlossen. Als eine Maßnahme wird im Rahmen dieser Kampagne die Klimaschutzflagge regelmäßig an nachahmenswerte Projekte verleihen.

Galerie der Energiespender
Aktive Energiesparer können aber auch selbst kundtun, wieviel sie sparen. Eine Galerie der Energiespender veröffentlicht Fotos der sich öffentlich zum Energiesparen bekennenden lokalen Stromsparer. Sie informiert über die eingesparten Mengen CO2 und beschreibt die jeweiligen Aktionen der Energiespender. Die eingesparte Energie wird symbolisch einem Ort, einem Platz, einer Landschaft, einem Tier, einer Person oder einer Sache gewidmet, welche dem Energiespender im Sinne des Klimaschutzes besonders viel wert ist. Die Galerie der Energiespender kann online abgerufen oder längerfristig in Gebäuden im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit ausgestellt werden.

energieland2050-BotschafterKlimaschutz
Mit dem Motto „Klimaschutz kann JEDER“ werden Bürgerinnen und Bürger gesucht, die energieland2050-BotschafterKlimaschutz werden und sich somit als Multiplikatoren für den Klimaschutz einsetzen möchten.

Das Projekt soll verdeutlichen, dass bereits durch kleine Maßnahmen und Veränderungen im Alltag Umwelt und Klima geschützt werden können. Ob Umstieg auf Ökostrom, Lebensmittel regional & saisonal kaufen oder Kurzstrecken mit dem Auto vermeiden - ist der „innere Schweinehund“ erst einmal überwunden, gibt es viele Möglichkeiten, etwas für die persönliche CO2-Bilanz zu tun.

Projekt-Teilnehmer haben die Aufgaben, die Botschaft „Klimaschutz kann JEDER“ in ihr persönliches Umfeld weiterzutragen, Klimafreundlichkeit vorzuleben und kleine Klimaschutzmaßnahmen im Alltag umzusetzen. Die Botschafter sollen als Vorbild auch andere Menschen auf diesem Wege mitnehmen und weitere Botschafter werben. Als Unterstützung erhalten die Teilnehmer ein Infopaket sowie die Möglichkeit, an ausgesuchten Veranstaltungen teilzunehmen.

Projektbeispiele

Dokumente

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Stromsparen im Haushalt

Anders als der Wärmeverbrauch ist der Stromverbrauch der privaten Haushalte in den letzten Jahren nicht gesunken: Technische Effizienzgewinne werden durch die wachsende Zahl der Haushalte und durch die Zunahme der Elektrogeräte ausgeglichen.

Doch wofür genau verbrauchen die Privathaushalte ihren Strom? Für die Erhebung „Wo im Haushalt bleibt der Strom?“ hat die EnergieAgentur.NRW im Herbst 2015 rund 522.000 Verbrauchsdatensätze von Ein- bis Fünf-Personen-Haushalten mit und ohne elektrische Warmwasserbereitung ausgewertet – mit zum Teil überraschenden Ergebnissen: Im Mittel aller Haushalte führt das private Arbeitszimmer die „Verbrauchsparade“ aller Anwendungsbereiche an (Anteil: 12,2 %), gefolgt von der Warmwasserbereitung (12,1 %), dem TV-/Audiobereich (11,2 %), dem Kochen (10,5 %), dem Kühlen (10,4 %) und der Beleuchtung (9,2 %). Dagegen liegen das Spülen (4,9 %), das Waschen (4,6 %) und das Gefrieren (4,3 %) auf den hinteren Plätzen der „Verbrauchsparade“.

Vor diesem Hintergrund können Kommunen zusammen mit anderen lokalen Akteuren bei ihren Bürgerinnen und Bürgern ein Bewusstsein für besonders stromintensive Anwendungsbereiche, Geräte und Verhaltensweisen schaffen und stromeffiziente Alternativen aufzeigen.

Vorgehensbeschreibung
Die Maßnahmen zur Unterstützung des Stromsparens in den Privathaushalten sind vielgestaltig – von der niederschwelligen Sensibilisierung bis hin zum Geräte-Contracting:

1. Sensibilisierung

2. Beratung

3. VHS-Seminare

4. Soforthilfen

5. Energiespar-Prämien

6. Geräte-Contracting


1. Sensibilisierung
Der erste wichtige Schritt zur Reduzierung des Stromverbrauchs ist die Sensibilisierung der Haushalte für die Höhe ihres individuellen Verbrauchs. Diese Sensibilisierung kann durch unterschiedliche, zumeist niederschwellige Informationsangebote erreicht werden.

Hier sind zunächst einschlägige Websites und Online-Tools zu nennen, die von Kommunen bspw. in Form kommentierter Links beworben werden können. Zu den renommierten Websites mit vielen Tipps für die Gerätenutzung sowie Kaufempfehlungen zum Thema „Stromsparen im Haushalt“ gehören www.energieagentur.nrw/energieeffizienz/haushalt/strom-im-haushalt1 (Betreiber: EnergieAgentur.NRW), www.die-stromsparinitiative.de (Betreiber: co2online) und www.uba.de (Betreiber: Umweltbundesamt). Bekannte und seriöse Online-Tools sind der „Stromcheck für Haushalte“ unter www.energieagentur.nrw/stromcheck, die verschiedenen Gerätedatenbanken unter www.ecotopten.de, die Datenbank „Besonders sparsame Haushalte“ unter www.spargeraete.de und die Datenbanken unter www.topgeraete.de.

Auch Broschüren sind geeignet, die Haushalte für ein effizientes Nutzungsverhalten und kluge Kaufentscheidungen zu sensibilisieren. Ein Klassiker unter den Printprodukten ist die kostenlose, jährlich neu aufgelegte Broschüre „Besonders sparsame Haushaltsgeräte 2017/2018“, die unter anderem auf der Website der EnergieAgentur.NRW heruntergeladen und auch bestellt werden kann – ebenso wie die Broschüre „Auszeit!“, die einen detaillierten Überblick über die vielfältigen Möglichkeiten des Stromsparens im Haushalt liefert und in der Neuauflage von Dezember 2017 mehr als 120 praktische Energiespartipps bietet. Wenn Haushalte wissen möchten, wie gut sie mit ihrem Stromverbrauch insgesamt aufgestellt sind, empfiehlt sich der Stromspiegel 2017: Mit Hilfe dieser sehr übersichtlichen Tabelle kann sich jeder Haushalt anhand seines jährlichen Stromverbrauchs einer Stromeffizienzklasse zwischen A und G zuordnen und selber Rückschlüsse auf sein Verbesserungspotenzial ziehen.

Einen Schritt weiter als der Stromspiegel geht der interaktive Stromfächer der EnergieAgentur.NRW, der entwickelt wurde, weil die Verbrauchskontrolle der erste Schritt zum Energiesparen ist: Wenn der Nutzer in dieses Diagramm zum Ausdrucken seinen wöchentlichen Stromzählerstand einträgt, erhält er regelmäßig eine visuelle Rückmeldung über die jeweils aktuelle Stromeffizienzklasse seines Haushalts.

2. Beratung
Erfahrungsgemäß nimmt die Verbindlichkeit durch ein persönliches Gespräch in einer Beratungsstelle oder durch eine Energieberatung im Haushalt zu – und damit auch die Wahrscheinlichkeit einer Umsetzung der empfohlenen Stromsparmaßnahmen. Response-Elemente wie eine erneute Ansprache oder das Zusenden eines Fragebogens bspw. nach einem halben Jahr erhöhen diesen Effekt nochmals. Bei einem hohen Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund kann es sich in der Kommune bzw. in einzelnen Stadtteilen anbieten, Migrantengruppen mit Hilfe von kultursensiblen Beratungs- und Informationsangeboten und -kampagnen gezielt anzusprechen.

Das Projekt „Stromspar-Check Kommunal“ wurde für Haushalte mit geringem Einkommen aufgelegt. An deutschlandweit über 100 Standorten wurden und werden Langzeitarbeitslose geschult, um einkommensschwache Haushalte im Rahmen von zwei Besuchen vor Ort kostenlos zu beraten. In Nordrhein-Westfalen nehmen fast 40 Standorte am Projekt teil, in über 200 Städten und Gemeinden in NRW werden die Checks durchgeführt (www.stromspar-check.nrw). Interessierte Kommunen und Wohlfahrtsverbände können sich mit der Bundeskoordination der Caritas in Verbindung setzen (siehe Projektbeispiele).

Darüber hinaus gibt es auch sehr spannende lokale und regionale Initiativen. Um Geringverdiener und Empfänger von Hilfeleistungen zu entlasten, hat bspw. das Sozialamt der Stadt Nürnberg bereits vor vielen Jahren das Projekt Energieschuldenprävention initiiert. Dieses Projekt bietet eine individuelle Erstberatung und bis zu drei Folgeberatungen durch berufserfahrene und eigens geschulte Ingenieure oder Architekten an.

Im Rahmen des Landesmodellprojekts „NRW bekämpft Energiearmut“ widmet sich die Verbraucherzentrale NRW gemeinsam mit örtlichen Grundversorgern und der Caritas durch kostenfreie Budget- und Rechtsberatungen an neun Standorten in NRW den komplexen Problemen rund um Energiearmut und Energiesperren.

Das Spektrum der Beratungsangebote ist breit gefächert, und es ist nicht immer einfach, die richtige Energieberatung für das individuelle Anliegen zu finden – zu groß ist in vielen Regionen die Fülle an Anbietern und Angeboten. In NRW sorgt deshalb der Energielotse der Verbraucherzentrale für Durchblick: Ein Anruf bei einer Hotline genügt, und der Lotse findet für jeden Interessenten das individuell passende Beratungsangebot.

3. VHS-Seminare
Im Kontext von Klimaschutz und Energiesparen spielen auch institutionalisierte Lernprozesse eine wichtige Rolle, und mit den Volkshochschulen sind deutschlandweit kompetente Partner in Bildungsfragen vor Ort. Viele Volkshochschulen haben immer wieder auch Veranstaltungen zu vielfältigen Energiethemen im Programm, wie zum Beispiel „Die zweite Miete senken“ oder „Innovative Heiztechniken“. Eine Kooperation der örtlichen VHS mit anderen lokalen Akteuren kann dazu beitragen, diese Themen dauerhaft auszubauen oder punktuell anzubieten, etwa im Rahmen von kommunalen „Aktionswochen“.

4. Soforthilfen
Das Projekt „Stromspar-Check Kommunal“ zeigt: Die Energieberatung vor Ort kann auch ein Gratis-Paket mit technischen Soforthilfen beinhalten. Denn ergänzend zur kostenfreien Beratung erhalten die einkommensschwachen Haushalte beim Stromspar-Check ein ebenfalls kostenfreies (ggf. von lokalen Partnern gesponsertes) Soforthilfe-Paket mit verschiedenen Strom- und Wassersparprodukten, wie zum Beispiel:

Energiesparlampen/LEDs, Zeitschaltuhren und abschaltbare Steckdosenleisten, Strommessgerät, Kühlschrank- und Zimmerthermometer sowie Durchflussbegrenzer für Dusche und Wasserhahn (besonders wichtig bei elektrischer Warmwasserbereitung).

5. Energiespar-Prämien
Energiespar-Prämien sind eine Belohnung für energieeffizientes Verhalten. Sie können kommunale Informations- und Beratungsangebote sinnvoll flankieren, denn aufgrund des finanziellen Anreizes steigern sie die Motivation zum Stromsparen. So umfasst das Projekt „Frankfurt spart Strom“ des städtischen Energiereferats unter anderem auch eine Stromsparprämie: Wer seinen Jahresverbrauch um 10 % senkt, erhält eine Stromsparprämie von 20 Euro plus 10 Cent für jede weitere eingesparte Kilowattstunde.

6. Geräte-Contracting
Die Entscheidung, ein energieeffizientes Haushaltsgroßgerät zu kaufen, führt während der gesamten Lebensdauer des Gerätes zu einem deutlich geringeren Energieverbrauch – dies reduziert den CO2-Ausstoß und senkt die Energiekosten. Und je häufiger bspw. eine Spül- oder Waschmaschine genutzt wird, desto größer sind diese Einsparungen. Meistens jedoch sind die Anschaffungskosten besonders sparsamer Haushaltsgeräte höher als die von weniger effizienten Neugeräten – was viele Haushalte dann doch zum Kauf eines ineffizienteren Gerätes verleitet.

Dieses Hemmnis der höheren Anschaffungskosten kann mit dem Geräte-Contracting für hocheffiziente Haushaltsgroßgeräte abgebaut werden. Die Stadtwerke Bonn bspw. haben das Angebot BonnKlimA+++ entwickelt. Die Grundidee: Nach Abschluss eines zweijährigen Liefervertrags für Ökostrom kann der Haushalt ein besonders energieeffizientes Haushaltsgroßgerät anschaffen, denn je nach der gewählten Vertragsart erhält er einen Wertgutschein in Höhe von 300, 500 oder 700 Euro. Dieser Gutschein kann bei den Kooperationspartnern des Fachhandels als Zahlungsmittel für solche Haushaltsgeräte genutzt werden, die einen festgelegten Mindeststandard erfüllen. Die Anlieferung des Neugeräts und Entsorgung des Altgeräts erfolgen kostenlos, der Gutscheinwert wird über die Vertragslaufzeit zinslos über den monatlichen Grundpreis an die Stadtwerke zurückgezahlt.

Auch die Stadtwerke Herne bieten Privatkunden, die sich einen Kühl- oder Gefrierschrank, eine Waschmaschine, einen Wäschetrockner oder eine Geschirrspülmaschine der Effizienzklasse A+++ anschaffen, einen Zuschuss. Hierbei gelten die zwei Bedingungen, dass der Haushalt einen zweijährigen Stromliefervertrag mit den Stadtwerken Herne abschließen und das neue Elektrogerät bei einem Herner Händler anschaffen muss.

Das Unternehmen innogy, eine börsennotierte Tochtergesellschaft des Energieversorgers RWE, geht bei seinem Heizungscontracting über die Bezuschussung von Neuanschaffungen hinaus: Beim innogy Heizungscontracting wird die alte Heizung ohne Anschaffungskosten für den Kunden gegen einen neuen Gas-Brennwertkessel ausgetauscht. Die Investitionskosten holt sich innogy über den Grund- und Wärmeverbrauchspreis zurück: Ähnlich wie beim Leasing eines Autos zahlt der Kunde – neben seinem tatsächlichen Wärmeverbrauch – für die Heizungsanlage einen monatlichen Grundpreis, in dem Wartung, Schornsteinfeger und zehn Jahre Garantie enthalten sind.

Projektbeispiele

Deutscher CaritasVerband e.V.:
Stromspar-Check Kommunal
Ansprechpartnerinen:
NRW-Regionalkoordination: Andrea Fischer, prisma consult GmbH, Tel. 0202 / 2455255, fischer@prisma-consult.de
Bundeskoordination: Nicola Buskotte, Öffentlichkeitsarbeit Caritas, Tel. 0221 / 2010120, nicola.buskotte@caritasnet.de

Stadt Nürnberg:
Energieschuldenprävention
Ansprechpartnerin:
Gundula Blaszyk, Sozialamt, Tel. 0911 / 2315770, gundula.blaszyk@stadt.nuernberg.de

Verbraucherzentrale NRW:
Energielotse
Hotline unter 0211 / 33996556

Stadt Frankfurt:
„Frankfurt spart Strom“
Hotline unter 069 / 21239090

Stadtwerke Bonn:
BonnKlimA+++
Ansprechpartnerin:
Ursula Förster, Tel. 0228 / 7112516, Ursula.Foerster@stadtwerke-bonn.de

Dokumente

Motivation zur energetischen Altbausanierung

Rund 20 Prozent der gesamten CO2-Emissionen entfallen auf die Wohngebäude. Eine Altbausanierung kann mit baulichem Wärmeschutz, einer optimierten Heizungsanlage und ergänzend hierzu einem energiesparenden Verhalten der Bewohner den Energieverbrauch älterer Gebäude um bis zu 80 Prozent und damit auch die CO2-Emissionen wesentlich senken.

Da diese Einsparungen nicht ausschließlich den Gebäudebesitzern oder den Mietern zugutekommen, sondern auch einen erheblichen Beitrag zum kommunalen Klimaschutz leisten, lohnt es sich für eine Kommune, dieses Thema genauer in den Blick zu nehmen. Kommunen können ihre Bürgerinnen und Bürger durch gezielte Aktionen, Informationen oder dauerhafte Beratungsangebote zur energetischen Altbausanierung unterstützen und motivieren, sich dem Thema zu öffnen.

Dieses Online-Angebot zeigt unterschiedliche Herangehensweisen auf; gibt Hilfestellung und bietet erste Ideen, sich der energetischen Gebäudesanierung anzunähern. Einzelne Aktionen werden genauso angesprochen, wie Informations- oder Motivations-Kampagnen. Außerdem werden Hinweise gegeben, wie man das Thema dauerhaft als kommunale Aufgabe implementieren kann.

Partner
Um das Thema der energetischen Altbausanierung zu bearbeiten, bietet es sich oft an, mit örtlichen oder regionalen Partnern zusammenzuarbeiten, so dass die Aufgaben nicht alleine bewältigt werden müssen.

Häufig werden für eine solche Partnerschaft Banken und Sparkassen, örtliche Energieversorger oder Stadtwerke sowie die örtliche Handwerker- und Architektenschaft angesprochen. Ebenso sind die Verbraucherzentrale NRW, wenn vor Ort verankert, oder lokal aktive Vereine, Initiativen und Institutionen mögliche Partner bei der Erschließung der Potenziale der energetischen Altbausanierung.

Einzelne Aktionen

Thermografie Aktion
In der kalten Jahreszeit lassen sich anhand von thermografischen Bildern energetische Schwachstellen an Gebäuden erkennen. Eine Thermografie Kamera stellt die Temperaturverläufe auf der Oberfläche des Gebäudes dar. So sind nicht ausreichend gedämmtes Mauerwerk oder Wärmeverluste an anderen Bauteilen gut zu erkennen.

Thermografie Aktionen können zeitlich konzentriert nur in der kalten Jahreszeit stattfinden. Es bietet sich an, solch eine Aktion mit einem geeigneten regionalen Partner, wie etwa dem örtlichen Energieversorger oder der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, anzubieten. Eine koordinierte Aktion führt bei Sammelbestellungen zu deutlicher Kostenreduzierung für jeden Einzelnen. Eine Auftaktveranstaltung, auf der alle Hausbesitzer gemeinsam informiert werden, hilft, eine breite Akzeptanz der Aktion zu gewährleisten. Dabei sollte auch eine namentliche Erfassung der Interessenten mit der Klärung zeitlicher und räumlicher Schwerpunkte erfolgt.

Begleitende Fachberatungen und Auswertungsgespräche zum weiteren Vorgehen können auch gruppenweise durchgeführt werden. Dabei sollte auf örtliche vertiefende Beratungsangebote und lokale Fördermöglichkeiten hingewiesen werden.

Ansprechpartner
Verbraucherzentrale NRW, Melanie Schrage, melanie.schrage@verbraucherzentrale.nrw, Tel.: 0211 3809301

Kreis Coesfeld, Mathias Raabe, mathias.raabe@kreis-coesfeld.de, Tel.: 02541 189110

Haus-zu-Haus-Beratungen
Ziel einer Haus-zu-Haus-Beratungskampagne ist es, die Information und Sensibilisierung von Hauseigentümern zu Themen der Energieeinsparung und –effizienz sowie die Nachfrage nach energetischen Sanierungen in der gesamten Region messbar zu steigern.

Im Gegensatz zur klassischen Energieberatung, bei der der Gebäudeeigentümer initiativ werden und auf einen Energieberater zugehen muss, geht die Kommune bei der „Haus-zu-Haus-Beratung“ mit ihren Energieberatern aktiv auf die Hauseigentümer zu. Angesprochen werden dabei private Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern in zuvor ausgewählten Wohngebieten, die in einem festgelegten Zeitraum kostenlose Initial-, Kurz- und Langberatungen in Anspruch nehmen können. Im vertrauten Umfeld des eigenen Hauses werden die Eigentümer fachlich individuell beraten. Für viele Hausbesitzer ein Impuls sich weiter zu informieren und Modernisierungsmaßnahmen umzusetzen.

Zu Beginn einer solchen Aktion ist ein Anschreiben des Bürgermeisters an die Hauseigentümer im ausgewählten Quartier ein guter Türöffner, um Vertrauen aufzubauen. Eine Auftaktveranstaltung, bei der die Gebäudeeigentümer über das Vorgehen informiert werden, ist ein weiterer wichtiger Schritt um Hemmschwellen ab- und Vertrauen aufzubauen. Nur wenn die Gebäudebesitzer ausreichen informiert sind, nehmen sie auch eine Beratung in Anspruch.

Ansprechpartner
Kreis Steinfurt, energieland2050 e.V., Sara Vollrodt, sara.vollrodt@kreis-steinfurt.de, Tel.: 02551 692134

Sanierungs- / Energietag
Gemeinsam mit lokalen Partnern lassen sich Sanierungs- / Energietage ins Leben rufen. Als Kooperationspartner können dabei die örtlichen Energieversorger, die Verbraucherzentrale, die Kreishandwerkerschaften ebenso wie Architekten, Ingenieure und Energieberater eingebunden werden.

Ein Baustein eines solchen Tages ist ein Sanierungs- oder Energiemarkt. Dort können sich lokale oder regionale Handwerksunternehmen, Architekten, Ingenieure und Energieberater präsentieren, so dass interessierte Bürgerinnen und Bürgern direkt mit ihnen in Kontakt treten können.

Ein weiterer Baustein sind Vortragsveranstaltungen, thematische Foren oder Diskussionsrunden. Diese bieten die Möglichkeit, Interessierten einen kompakten thematischen Überblick zu geben und direkt in die Diskussion oder ins Gespräch zu kommen.

Das Ganze sollte intensiv, mit Hilfe aller Partner, beworben werden. Ein etablierter Sanierungs- oder Energietag, der beispielweise einmal jährlich stattfindet, kann dauerhaft als Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger dienen.

Ansprechpartner
Bonner Energie Agentur, Frau Schmidt-Püttmann, asp@bea.bonn.de, Tel. 0228 775062

Sanierungskampagne
Sanierungskampagnen sind in der Regel Informations- und Beratungskampagnen. Dabei wird in einem festen Zeitraum mit unterschiedlichen Aktionen über energetische Gebäudesanierung informiert und das bestehende Beratungsangebot beworben, oder ein neues Beratungsangebot implementiert. Das übergeordnete Ziel ist dabei, die Anzahl der energetischen Sanierungen privater Wohnimmobilien zu erhöhen.

Es ist strategisch sinnvoll, eine Sanierungskampagne in ein Gesamtkonzept einzubetten, das unterschiedliche Aspekte der Gebäudesanierung bedient. Das können Förderprogramme, Energieberater- und Handwerkernetzwerke, Gütesiegel oder Sanierungsbegleitungen sein.

Eine Sanierungskampagne sollte mit möglichst vielfältigen Partnern umgesetzt werden, so dass das Thema von unterschiedlichen Seiten und für unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden kann. Dabei kann jeder Partner seine Kompetenzen einbringen und eigene Aktionen planen und gestalten. Wichtig ist eine gute Koordination aller Maßnahmen.

Bei der Organisation und Planung der Kampagne sollten alle Partner von Anfang an eingebunden werden. Es ist durchaus sinnvoll, konkrete, wenn möglich messbare Ziele zu definieren, wie etwa das Erreichen einer bestimmten Anzahl von Beratungen.

Da es sich bei einer Kampagne um eine befristete Aktion handelt, bietet es sich an, einen Auftakt und einen Abschluss zu planen, um damit möglichst viele Sanierungswillige anzusprechen.

Ansprechpartner
Stadt Münster, Anja Karner, karnera@stadt-muenster.de, Tel.: 0251 4926704

ALTBAUNEU
Wer das Thema der energetischen Altbausanierung in seiner Kommune / seinem Kreis dauerhaft etablieren möchte, sollte überlegen, am Projekt ALTBAUNEU teilzunehmen. In dem Landesprojekt, das seit mehr als 10 Jahren existiert und von der EnergieAgentur.NRW koordiniert wird, arbeiten zur Zeit 14 Kommunen und sieben Kreise aus Nordrhein-Westfalen gemeinsam daran, die energetische Gebäudesanierung in ihren Gebietskörperschaften zu implementieren und dauerhaft zum Erfolg zu führen.

Neben einer gemeinsamen Außendarstellung über die Internetplattform www.alt-bau-neu.de arbeiten Kommunen und Kreise in verschiedenen Arbeitsgruppen daran, Instrumente zu entwickeln und zu testen, die zur Sanierung motivieren und Bürgerinnen und Bürger bei der Umsetzung unterstützen. Dazu gehört beispielsweise eine Datenbank lokaler Handwerker, Energieberater und Fachplaner, die Gebäudebesitzern bei der Umsetzung ihrer Sanierungsvorhaben helfen.

Die Teilnahme am Projekt ist kostenpflichtig.

Ansprechpartner bei der EnergieAgentur.NRW
EnergieAgentur.NRW, Bastian Peukert, Kasinostraße 19-21, 42103 Wuppertal, Tel.: 0202 2455267, peukert@energieagentur.nrw.de

Ansprechpartner in den Kommunen und Kreisen
Stadt Remscheid, Monika Meves, monika.meves@remscheid.de, Tel. 02191 163313
Kreis Wesel, Sonja Choyka, sonja.choyka@kreis-wesel.de, Tel. 0281 2072013

Mieterstrom

Das Konzept des Mieterstroms ermöglicht es auch Personen ohne Eigenheim, an der Energiewende teilzuhaben. Dies funktioniert über einen Stromliefervertrag zwischen dem Betreiber einer Energieerzeugungsanlage -wie z.B. einem Stadtwerk/Energieversorger oder auch dem Vermieter/Gebäudeeigentümer -und dem Mieter. Der Strom, der im Rahmen dieses Vertrages geliefert wird, stammt zumindest teilweise aus einer PV-Anlage vom Dach oder einer KWK-Anlage aus dem Keller des Miethauses, die übrigen Mengen beschafft der Betreiber über das öffentliche Netz. Der Mieter hat also weiterhin volle Versorgungssicherheit.

Der wirtschaftliche Vorteil von Mieterstrom liegt in der Möglichkeit einige Bestandteile des Strompreises einzusparen, die bei der herkömmlichen Stromlieferung anfallen. Da der Strom aus PV und/oder KWK-Anlage nicht durch ein öffentliches Stromnetz geleitet wird und es sich üblicherweise um Anlagen unter 2 MW handelt, entfallen für diese Mengen Netzentgelte, weitere netzgebundenen Abgaben und Umlagen sowie die Stromsteuer. Zwar ist für diesen Strom die sog. EEG-Umlage zu entrichten, andererseits gibt es unter gewissen Voraussetzungen eine Förderung im Rahmen des Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) über den sog. Mieterstromzuschlag.

Der Mieter profitiert so unter anderem von nachhaltigem, lokalen Strom, der üblicherweise günstiger angeboten werden kann als beim Grundversorger. Der Vermieter kann die Attraktivität seiner Immobilien steigern und ggf. Zusatzerlöse generieren.

Der Anbieter von Mieterstrom wird zum Elektrizitätsversorgungsunternehmen (EltVU), was mit verschiedenen energierechtlichen Pflichten, insbesondere Meldepflichten und – bei der Belieferung von privaten Haushaltskunden – inhaltlichen Vorgaben im Hinblick auf die Gestaltung des Stromliefervertrages und die Abrechnung der Stromlieferungen verbunden ist. Ob ein für alle Seiten wirtschaftliches Mieterstromangebot in einer Immobilie möglich ist hängt von verschiedenen lokalen Begebenheiten ab, die individuell zu prüfen sind.

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Mieterstrom
Bundesnetzagentur

Broschüre: „Mieterstrom – einfach erklärt“
der EnergieAgentur.NRW

Hinweis zum Mieterstrom
der Bundesnetzagentur

Informationskampagnen zur Nutzung erneuerbarer Energien

Die Nutzung erneuerbarer Energien im Privatsektor hat in den letzten zehn Jahren rasant zugenommen. Dabei geht es mittlerweile nicht mehr nur um den Austausch einzelner Komponenten, sondern um das Zusammenspiel ganzer Systeme z.B. Holzpelletheizung und Solarthermie oder Wärmepumpe, Photovoltaik und Batteriespeicher. Die Erzeugung von Strom und Wärme rückt näher zum Verbraucher, die Erzeugungsanlagen sind an mehr Orten sichtbar und verändern das Stadt- und Landschaftsbild. Es gibt daher im kommunalen Umfeld viele Anlässe und Erfordernisse, intensiv zum Thema zu kommunizieren, z.B. im Zusammenhang mit planungsrechtlichen Fragen oder bei Zielkonflikten. Hinzu kommt, dass das Thema – nicht zuletzt wegen der Widerstände und der strukturellen Änderungen in der Energiewirtschaft – teilweise eine emotional aufgeladene gesellschaftspolitische Diskussion mit sich bringt, die auch die Erreichung gesteckter Ausbauziele für erneuerbare Energien beeinflusst. Daher ist eine sachliche, positiv gestaltete und offene Kommunikation in diesem Bereich geboten. Kampagnen zur Nutzung erneuerbarer Energien zielen daher auf die Sensibilisierung für die ökologischen, wirtschaftlichen und gesamtgesellschaftlichen Vorteile erneuerbarer Energien.

Vorgehensbeschreibung

Die hier exemplarisch vorgestellten Maßnahmen dienen in diesem Sinne der Information bzw. Motivation der Bürger zur Nutzung Erneuerbarer Energien:

  • Tag der erneuerbaren Energien und Solartage
  • Aktionswochen z.B. zum Thema Holzpellets, Offener Heizungskeller, Woche der Sonne
  • Infotouren und Energietouren wie z.B. Wärmepumpenspaziergänge
  • 100 % Erneuerbare Energien-Veranstaltungen


Tag der erneuerbaren Energien und Solartage
Seit 1996 wird von der Stadt Oederan (Sachsen) einmal im Jahr zum „Tag der erneuerbaren Energien“ aufgerufen und hierfür ein Internetportal als bundesweite Kommunikationsplattform angeboten. Jeweils am letzten Samstag im April – anlässlich des Jahrestages der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl – führen Organisationen, Privatpersonen und Firmen Aktionen im ganzen Bundesgebiet durch, um reale Alternativen zur Kernenergienutzung aufzuzeigen. Die Koordinierung übernimmt nach wie vor die Stadt Oederan, auch wenn sich in vielen Kommunen eigene Initiativen entwickelt haben.

Kernpunkte der Aktivitäten an diesem Tag sind:
 

  • Anlagenbetreiber öffnen ihre Häuser für die Besichtigung ihrer Anlagen
  • Die Anlagentechnik wird vorgestellt und über Betriebserfahrungen berichtet
  • Die Standorte werden kostenlos online beworben, entweder über die Website der jeweiligen Kommune oder auch über die zentrale Website www.energietag.de
  • Begleitende Informationsveranstaltungen, Shuttledienste mit E-Mobilen, Wettbewerbe oder kulturelle Events werden lokal durchgeführt
  • Eine begleitende Pressearbeit ist wichtig. Es bietet sich auch die Medienpartnerschaft mit der örtlichen Presse oder dem Lokalradio an


Manche Kommunen starten ähnliche Initiativen an einem anderen Termin, der besser in die jeweilige lokale Veranstaltungsplanung passt. In einigen Städten und Gemeinden werden eigene Solartage veranstaltet, an denen ähnliche Aktivitäten speziell zu dem Thema Sonnenenergie durchgeführt werden. Manchmal sind solche Aktionen auch integriert in thematisch breiter aufgestellte Energietage oder eine Klimawoche.

Vielfach wollen sich Akteure wie das Handwerk, Stadtwerke oder auch Banken in einem solchen Kontext präsentieren, sodass Sponsoring-Maßnahmen initiiert werden können. In ländlichen Regionen können die Aktivitäten auch in Kooperation mehrerer Gemeinden stattfinden, wie z.B. in den links- und rechtsrheinischen ILEK Gemeinden im Rhein-Sieg-Kreis.

Aktionswochen z.B. zum Thema Holzpellets, Offener Heizungskeller, Woche der Sonne
Im Rahmen von Aktionswochen können verschiedenen Veranstaltungen der relevanten Akteure aus der Region gebündelt beworben werden. Dieses führt zu einer höheren Aufmerksamkeit in der Presse- und Medienlandschaft und auch die Bürger nehmen die Veranstaltungen besser war. Als Akteure sind neben den lokalen Klimaschutzmanagern und Mitarbeitern der Behörden, auch alle anderen aktiven Klimaschützer aufgerufen, Aktionen anzubieten. Über Vorträge der Umweltverbände und lokalen Agendagruppen, über Schulprojektwochen und Aktionen der örtlichen Wirtschaft wird eine große Beteiligung erreicht.


Folgende Arbeitsschritte und Unterstützungen sind notwendig:

  • Projektkoordinator mit einem Netzwerk aller möglichen Partner
  • Abstimmung eines geeigneten Zeitraumes mit Berücksichtigung lokaler Termine
  • Ansprache aller Partner mit möglichen Veranstaltungsformen
  • Abfrage eines möglichen Sponsorings
  • Ausarbeitung eines Marketingkonzeptes mit Logo, Aktionskalender und Internetseite


Infotouren und Energietouren wie z.B. Wärmepumpenspaziergänge
„Technik zum Anfassen“ und das Gespräch mit Planern und Betreibern von Anlagen schafft Vertrauen in die neuen Technologien. Durch die Information und Sensibilisierung können Planungsprozesse unterstützt und ggf. Nachahmerprojekte initiiert werden. Gleichzeitig bietet die Planung und Umsetzung von Energietouren auch Möglichkeiten der verwaltungsinternen Zusammenarbeit mit Zusatzeffekten in den Bereichen Stadtmarketing/Tourismus und Mobilität.

Um Energietouren zu einem attraktiven Angebot zu machen, sind folgende Arbeitsschritte notwendig:

  • Suche nach interessanten und vorbildlichen Anlagen
  • Klärung der Zugangsmöglichkeiten und Rahmenbedingungen für eine reibungslose und sichere Besichtigung (Anzahl möglicher Personen, Haftung)
  • Bereitschaft des Betreibers zur Mitwirkung und Berichterstattung über die Anlage
  • Erstellung des Gesamtprogramms, Kombination mit anderen Aspekten wie naturräumliche (z.B. Hochmoor) oder kulturtechnische Besonderheiten (z.B. alte Industriestandorte)
  • Koordinierung der Termine
  • Anmeldung, Logistik, ggf. Betreuung (bei geführten Touren)
  • Werbung und Kommunikation rund um die Angebote (Broschüren, Internet)
  • Rückmeldung und Verbesserung


100 % Erneuerbare Energien-Veranstaltungen
Viele Kommunen haben sich Ziele gesetzt zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Oft orientieren sie sich dabei am nationalen Ausbauziel, bis 2020 mindestens 35 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Energien zu decken. Andere streben eine 100prozentige erneuerbare Energieversorgung bis 2030 an, wobei der Verkehr meist unberücksichtigt bleibt.

Welchen Nutzen haben solche Ziele? Der Entwicklungsprozess bis zur Verabschiedung dieser Ziele führt insbesondere zu einem intensiven Dialogprozess unter Einbindung aller relevanten Akteure und damit zu einer besonderen Sensibilisierung in der Kommune. Wenn das Ausbauziel dann durch einen Ratsbeschluss bekräftigt wird, erhält es auch die notwendige Verbindlichkeit. Gerade aber die kommunikative Komponente sei in diesem Zusammenhang besonders betont: Will man eine nicht institutionalisierte Gruppe auf eine Vision und ein ambitioniertes Ziel hin mobilisieren und sie über einen längeren Zeitraum zur aktiven Mitwirkung motivieren, bedarf es einer kommunikativen Klammer. Dazu ist eine 100 % Erneuerbare Energien Kampagne sehr gut geeignet.

Für eine 100 % Erneuerbare Energien Kampagne bedarf es folgender Schritte:

  • Dialogprozess und Zieldiskussion initiieren
  • Ziel von der Kommune festlegen und verabschieden
  • Netzwerk aufbauen und Verantwortliche benennen
  • Allianz der Kooperationspartner ausbauen
  • Internetplattform aufbauen
  • Maßnahmen und Aktionen sammeln und dort einstellen
  • Über einzelne Erfolge pressewirksam berichten
  • Erreichte Zielmarken feststellen und darüber jährlich berichten

Eine 100 % Kampagne kann die verschiedensten Aktivitäten unter einem Dach bündeln und so die verschiedenen Akteure gezielt unterstützen. Jede einzelne Aktion kann so wertgeschätzt und ihr Erfolg für das Gesamtziel dokumentiert werden.

Projektbeispiele

Dokumente

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Kampagne „100 Prozent Zukunft“
von Germanwatch

100 % ee Regionen
Universität Kassel

Kampagne Photovoltaik NRW
der EnergieAgentur.NRW

Infotour der Kampagne Photovoltaik NRW
der EnergieAgentur.NRW

Kampagne Wärmepumpe NRW
der EnergieAgentur.NRW

Infotour der Marktinitiative Wärmepumpen-Marktplatz NRW
der EnergieAgentur.NRW

Wärmepumpenspaziergang in Werther
von ALTBAUNEU, Kreis Gütersloh und der EnergieAgentur.NRW

Förderung

Bürger finanzieren mit – Anlageprodukte für den Klimaschutz

Projekte in Bürgerhand fördern nicht nur den Zubau von Erneuerbare Energien Anlagen, sondern auch die Identifikation mit der Thematik und die regionale Wertschöpfung. Netzwerke zwischen Bürgern werden geknüpft, um sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Dadurch kommt es zu einem breiten Zuwachs an Know-how für die Energiewende vor Ort. Darüber hinaus wird die aktive Teilhabe am Geschehen in der eigenen Kommune und damit die Verbundenheit mit der Region gesteigert.

Bei der Finanzierung von Anlagen der Erneuerbaren Energien können Bürger auf unterschiedliche Weise eingebunden werden. Zum einen werden Projekte von Bürgern eigenverantwortlich geplant und umgesetzt, z.B. in Form einer Energiegenossenschaft. Hier kann man sagen - „Bürger produzieren mit“, da sie als Gesellschafter am Unternehmen beteiligt sind (s.dazu hier). Zum anderen können Bürger als Kapitalgeber fungieren und so die Umsetzung von Projekten erleichtern, ohne dabei eine unternehmerische Tätigkeit ausüben zu müssen - „Bürger finanzieren mit“. Die Umsetzung des Projektes verbleibt dabei in der Verantwortung eines Unternehmens oder einer Kommune, während das benötigte Geld zum Teil oder in Gänze von Bürgern aus der Kommune oder der Region stammt. Im Folgenden soll näher vorgestellt werden, wie die Möglichkeiten, sich finanziell zu beteiligen, ausgestaltet werden können.

Vorgehensbeschreibung

Bürgerfonds
Eine Erneuerbare Energien Anlage kann mit Hilfe von Bürgerkapital aus der eigenen Stadt bzw. Gemeinde realisiert werden. Zur Finanzierung einer bestimmten Anlage oder eines Pools von Anlagen (Solaranlage, Windpark, BHKW) kann gezielt Kapital eingesammelt werden. Anleger und Öffentlichkeit werden dann während der Errichtung und nach Inbetriebnahme intensiv über den Fortschritt und die Erträge informiert. So entsteht eine Verbundenheit zur realisierten Anlage, ohne dass eine eigentumsrechtliche Verbindung bestehen muss.

Solche Bürgerfonds haben verschiedene Vorteile:

  • Die Kommune bzw. der Emittent erhält zusätzlichen finanziellen Gestaltungsspielraum, der eine bessere Verhandlungsposition mit den Banken ergibt
  • Betroffene und interessierte Bürger in der Stadt oder Region können sich finanziell beteiligen, ohne unternehmerische Aufgaben übernehmen zu müssen
  • Die Akzeptanz für die Anlagen wird durch aktive Teilhabe erhöht
  • Die Verbundenheit mit der Region steigt
  • Im Vergleich zu banküblichen Zinsen können Bürger höhere Renditen erzielen.


Solche Fonds, die Anlageprodukte bieten, ohne dass Bürger sich als Gesellschafter an einem Unternehmen beteiligen, können verschieden ausgestaltet sein. Es werden z.B. Genussrechte ausgegeben, Nachrangdarlehen vergeben und Inhaberschuldverschreibungen angeboten. Allen gemein ist jedoch, dass die Rückzahlung des angelegten Kapitals vom Fortbestand des jeweiligen Unternehmens abhängt, das die Anlageprodukte ausgegeben hat. Auch die Verzinsung des Kapitals kann erfolgsabhängig gezahlt werden.

Für einen Bürgerfonds ist regelmäßig zunächst ein Wertpapier- oder Vermögensanlagen-Verkaufsprospekt zu erstellen, der von der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen) gebilligt werden muss. Darin enthalten sind die finanztechnischen Eckdaten der Anlagemöglichkeit, u. a. Stückelung, Zweck, Laufzeit und Verzinsung. Das Kleinanlegerschutzgesetz aus 2015 hat diese Prospektpflicht sogar noch ausgeweitet. Wenn der Fonds unter die Bestimmungen des KAGB (Kapitalanlagegesetzbuch) fällt, sind weitere Verpflichtungen zu erfüllen.

Häufig werden solche Fonds von den örtlichen Stadtwerken aufgelegt, aber auch von anderen Organisationen, die sich den Kommunen als Dienstleister anbieten. Die Glaubwürdigkeit des Emittenten ist dabei von großer Wichtigkeit für den Erfolg.

Im Jahr 2016 haben die Stadtwerke Castrop-Rauxel gemeinsam mit der Gelsenwasser AG eine Windenergieanlage auf dem Stadtgebiet von Castrop-Rauxel errichtet. Nach Fertigstellung konnten sich Bürger der Stadt mit Nachrangdarlehen an der Finanzierung beteiligen. Das verfügbare Volumen von ca. 400.000 Euro war in kurzer Zeit gezeichnet.

Solarbrief
Ein Solarbrief (auch Klimasparbrief o.ä.) ist ein spezialisiertes Anlageprodukt, das in Zusammenarbeit mit einer Bank aufgelegt wird. Das Geld der Anleger ist somit durch die Einlagensicherung des Bundes und der Banken gesichert. Das geringere Risiko spiegelt sich in der Regel in geringeren Renditen wider, aber auch der Organisationsaufwand für Kommune oder projektierendes Unternehmen sinkt. Mit dieser Form der Kapitalanlage geben Energieanbieter oder Investoren den Bürgern die Möglichkeit, ihr Geld für eine Festverzinsung zur Verfügung zu stellen. Zeiträume von 3 bis 5 Jahren sind üblich. Je nach den geplanten Projekten sind die Kooperationspartner verschieden. Dies sei an zwei Beispielen deutlich gemacht:

In Lemgo haben die Stadtwerke Lemgo zusammen mit einer ortsansässigen Firma und der Sparkasse einen „SolarBrief“ herausgegeben. Mit dem Kapital haben die Stadtwerke auf dem Dach der Firma eine große PV-Anlage (326 kWp) realisiert. Der „SolarBrief“ wurde den Beschäftigten der Firma und den Kunden der Stadtwerke in einer Stückelung von 1.000 bis 10.000 € angeboten.

In Geldern wurden von den Stadtwerken fünf Solaranlagen auf städtischen Schulen und den Dächern der Wohnungsbaugesellschaft gebaut. Hier waren die Kooperationspartner Stadt, Stadtwerke, Wohnungsgenossenschaft Geldern (GWS) und die Volksbank an der Niers. Erwerben konnten den Solarbrief Bürger aus der Stadt Geldern.

Auch wenn Kommunen nicht direkt an der Durchführung eines Projektes mit Bürgerkapital beteilig sind, können sie die örtlichen Energieversorger oder Banken und Sparkassen für die Möglichkeiten der finanziellen Bürgerbeteiligung sensibilisieren und bei der Umsetzung unterstützen.

Projektbeispiele

Dokumente

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Kommunale Förderprogramme

Finanzielle Förderprogramme sollen Investitionen von Privatpersonen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz unterstützen. Des Weiteren tragen sie dazu bei, Klimaschutzmaßnahmen sozial verträglich zu gestalten. So kann über gezielte Förderprogramme beispielsweise der vielzitierte Konflikt zwischen Klima- und Mieterschutz abgeschwächt werden.

Beispielhaft werden kommunale Förderprogramme vorgestellt, welche bauliche Klimaschutzmaßnahmen seitens der Hauseigentümer oder die Nutzung erneuerbarer Energien in Wohngebäuden unterstützen:

  • Solarbonus
  • Förderprogramm Energieeffizienz mit stabilen Mieten
  • Energieeffizienzfonds
  • Förderprogramm Solarthermie

Förderprogramme können nur aufgelegt werden, wenn es eine solide Gegenfinanzierung gibt. Hier bieten sich auch Finanzierungsmodelle an, bei denen neben der Kommune mehrere Institutionen und Firmen in einen Fonds einzahlen, aus dem ein Förderprogramm aufgelegt werden kann.

Solarbonus
Kommunen, die eigene Baugrundstücke veräußern, können über privatrechtliche Vertragsregelungen mit den Käufern konkrete Finanzanreize für den Ausbau erneuerbarer Energien setzen. Um die solare Nutzung in Neubauten anzuregen, wird in den Kaufverträgen ein Aufpreis von 1000 € pro Grundstück vereinbart, der unverzinst an den Käufer zurückgezahlt wird, wenn der Eigentümer innerhalb des Zeitraumes der vereinbarten Bebauungsverpflichtung eine Solarthermie- oder Photovoltaikanlage auf seinem Neubau errichtet. Dieser Bonus wird an den Käufer ausbezahlt, wenn durch Rechnungsbelege nachgewiesen ist, dass die Kosten der Installation den Bonusbetrag übersteigen. Die rückwirkende Förderung wird bspw. in der Stadt Ibbenbüren von mehr als 70 Prozent der Grundstückerwerber genutzt, wobei mit einer Steigerung der Quote gerechnet wird.

Eine andere Variante ist die Reduktion des Kaufpreises um einen bestimmten Betrag, wenn nachweislich eine Anlage zur Nutzung erneuerbarer Energien im Gebäude installiert wird, was durch die Bauabnahme festgestellt werden kann.

Die Einbettung eines solchen Förderprogrammes in eine allgemeine Beratung und in allgemeine Informationstage zu erneuerbaren Energien bietet sich an. in der Stadt Ibbenbüren arbeiten die Stadtverwaltung und Verbraucherzentrale Hand in Hand zusammen, um interessierten Bürgern eine fachliche und neutrale Beratung zu solaren Nutzung kostengünstig anbieten zu können.

Förderprogramm Energieeffizienz mit stabilen Mieten
Ein Förderprogramm zur sozialverträglichen energetischen Sanierung von öffentlich geförderten Mietwohnungen vergibt Zuschüsse an private Hausbesitzer und Wohnbaugesellschaften, um Mietpreiserhöhungen abzufedern. Dadurch kann die Nettokaltmiete für einen festzulegenden Folgezeitraum (bspw. drei Jahre) auf einen sozial verträglichen Quadratmeterpreis gedeckelt werden. Auch für die Folgeperiode kann die prozentuale Mieterhöhung pro Jahr weiter vertraglich beschränkt werden. Die Zuschusshöhe pro m² orientiert sich an dem Umfang der durchgeführten Maßnahmen: z.B. Außenwanddämmung, Fenstererneuerung, Gesamtsanierung der Gebäudehülle.

So kann die Akzeptanz für Sanierungsmaßnahmen gestärkt werden. Je nach Gebäudestruktur in der Kommune könnten Sonderprojekte abweichend von den allgemeinen Fördervoraussetzungen berücksichtigt werden, wenn sie unter den genannten Bedingungen sonst nicht umsetzbar sind. Dies betrifft etwa Gebäude unter Denkmalschutz, Gebäude mit stadtteilprägenden Fassaden oder besonders innovative Bauprojekte.

Energieeffizienzfonds
Der Energieeffizienzfonds wird zur Förderung von Effizienzmaßnahmen initiiert. Eine mögliche Maßnahme stellt die Umstellung auf LEDs bei der Straßenbeleuchtung dar. Ersparnisse hieraus fließen in den Energieeffizienzfonds. Gespeist werden kann ein solcher Fonds z.B. auch aus den Einnahmen einer kommunaleigenen Solaranlage auf den eigenen Liegenschaften oder einer eigenen Windenergieanlage.

Mit den Mitteln werden nachhaltige und zielgerechte Maßnahmen gefördert. Unter anderem können auch Maßnahmen der Privathaushalte, wie die Umstellung der Beleuchtung auf LED-Lampen oder Wärmedämmmaßnahmen, bezuschusst werden. Unterstützt werden könnten insbesondere auch Haushalte mit vielen Personen und entsprechend hohem Verbrauch, etwa beim Kauf energieeffizienter Geräte wie einem Kühlschrank, einer Gefriertruhe oder Waschmaschine, wenn diese die besten Energieeffizienzlabel aufweisen. Die Antragstellung und Bewilligung kann auch durch ein Gremium erfolgen, in dem die verschiedenen involvierten Akteure vertreten sind, mindestens aber diejenigen, die auch in den Fonds einzahlen.

Förderprogramm Solarthermie
Die Solarthermie hat in den letzten Jahren trotz bundesweiter Förderprogramme nicht die Marktdurchdringung erfahren, die sie auf Grund der Zuverlässigkeit der Technik, der direkten Wirksamkeit bei der Einsparung von fossilen Energieträgern sowie der einfachen Integrierbarkeit in das Heizungssystem haben könnte. Deshalb bietet sich auch hier ein zusätzlicher Impuls durch die Kommune an, insbesondere auch, wenn ein Solardachkataster parallel aufgebaut wurde.

So kann ein einmaliger Zuschuss, z.B.  in Höhe von 100 €/m² Bruttokollektorfläche, sowohl für Trinkwassererwärmung als auch für Kombianlagen mit Heizungsunterstützung gezahlt werden. Eine solche Förderung sollte vor dem Bau genehmigt sein und nur für fachgerecht errichtete Anlagen auf dem Stadtgebiet gelten. Auf diese Weise wird zusätzlich das lokale Fachhandwerk gestärkt und für eine neue Technologie qualifiziert.

Projektbeispiele

Dokumente

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Klimafreundliche Mobilität

Überblick

Der motorisierte Verkehr hat an den CO2-Emissionen in Kommunen einen erheblichen Anteil. CO2-Emissionen verursachen die Erderwärmung und damit den Klimawandel. An dem Ziel der EU, die Gesamt-CO2-Emissionen bis 2020 zum Bezugsjahr 1990 um 20 % zu verringern, hat der Verkehrsbereich fast nichts beigetragen. Die durch technische Verbesserungen an den Fahrzeugen und durch den Einsatz sauberer Kraftstoffe reduzierten Emissionen werden durch zunehmenden Verkehr vor allem im Transportbereich schnell wieder zunichte gemacht.

Neben dem CO2 emittieren gerade die auf Dieseltechnologie beruhenden LKWs und Busse auch noch Feinstaub und Stickoxide. Diese sind unmittelbar gesundheitsschädlich, was sich natürlich besonders in den Städten auswirkt.

Schließlich sind Lärmemissionen, etwa von Müllfahrzeugen in Wohnstraßen, ständiger Begleiter in urbanen Umgebungen.

Daher ist es wichtig, die Klimaschutzkonzepte mit integrierten Verkehrskonzepten zu flankieren. Kommunen bekennen sich darin zur Förderung des emissionsarmen bzw. -freien Verkehrs als Alternative zum bislang vorherrschenden motorisierten Individualverkehr.

Neue und innovative gesamtstädtische Verkehrskonzepte sind erforderlich, damit Stadtentwicklung und Verkehr miteinander harmonieren. Gefragt ist ein aktives kommunales Mobilitätsmanagement, das zum öffentlichen Diskurs anregt und klare politische Signale setzt. Es soll dazu beitragen, durch Verhaltensänderungen der Verkehrsteilnehmer den motorisierten Individualverkehr erheblich zu reduzieren.

Um den individuellen Mobilitätsbedarf mit den Erfordernissen des Klimaschutzes zu vereinbaren, gilt es, die unterschiedlichen Verkehrsmittel so zu vernetzen, dass deren jeweilige Vorteile sinnvoll genutzt werden.

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Klimagerechtes Mobilitätsverhalten

Grundsätzlich sind beeinflussende Maßnahmen im Bereich der Verkehrsvermeidung (Verkürzung der Wegestrecken, Reduktion des Bedarfs), der Verkehrsverlagerung und Verkehrsoptimierung (Auslastung und Abstimmung der Fahrpläne) angesiedelt. Allerdings nützen diese Maßnahmen nur, wenn auch der Bürger sein Mobilitätsverhalten entsprechend ändert. Je nach Lebensumständen und räumlicher Situation führt ein hohes Umweltbewusstsein alleine nicht zu einem umweltfreundlichen Mobilitätsverhalten, vielmehr bedarf es komplementär auch attraktiver Angebote. Zielgruppenorientierte Konzepte, Einbindung der Bürger sowie gezielte Marketingkampagnen zur breiten Wahrnehmung der vielen Vorteile (CO2-Einsparungen, lokale Luftverbesserungen, Verbesserungen der Fitness) können eine Verhaltensänderung hinsichtlich der Wahl des Verkehrsmittels unterstützen. Kommunale Kampagnen zur Förderung eines klimagerechten Mobilitätsverhaltens möchten u.a.

  • für eine nachhaltige Mobilität durch Informationen und Bildungsangebote sensibilisieren,
  • positive Erfahrungen mit Mobilitätsalternativen als Anreiz zum Überdenken des individuellen Mobilitätsmusters ermöglichen,
  • kooperative Serviceangebote bekannt machen und koordinieren sowie
  • komplementär wirkende Konzepte zum betrieblichen Mobilitätsmanagement anbieten.

Anreizkampagne zur Autofreien Mobilität

Die eigene positive Erfahrung ist das wirkungsvollste Instrument zur Verhaltensänderung. Aktionstage und Experimente bieten Gelegenheit, die Gewohnheit des Autofahrens in sämtlichen Lebenssituationen zu überdenken. Komplementär werden die Vorzüge der nichtmotorisierten Mobilität für Gesundheit und Umwelt im Rahmen von Motivationskampagnen herausgestellt. Testfahrt-Veranstaltungen für Pedelecs machen mit der Elektromobilität vertraut und sprechen auch Bevölkerungsgruppen an, für die das Radfahren bisher nicht so attraktiv war.

Vorgehen

Im Folgenden werden exemplarisch drei konkrete Aktivitäten genauer dargestellt:

  • Experiment: Urlaub für das eigene Auto
  • Motivationskampagne: Häufiger aufs Rad steigen
  • E-Bikes und Pedelecs

Experiment: Urlaub für das eigene Auto
Experimente im Bereich Mobilität zielen darauf, die Bedeutung des Autos einer kritischen Betrachtung zu unterziehen, Gewohnheiten zu überdenken und neue Wege zu beschreiten. Öffentlichkeitswirksame Experimente kürzerer Laufzeit können in einen übergeordneten Kontext wie die Europäische Woche der Mobilität eingebettet werden. Im Rahmen eines Experiments „Urlaub für das eigene Auto“ (Stadt Wuppertal) organisieren Familien ihren Alltag freiwillig einen Monat lang ohne Auto. Im Tausch gegen den Autoschlüssel werden den Beteiligten von den örtlichen Verkehrsbetrieben kostenlose Monatstickets und ein umfassendes Beratungsangebot zur Verfügung gestellt. Des Weiteren können vergünstigte Konditionen mit lokalen Car Sharing-Anbietern ausgehandelt werden, um dies im „Notfall“ nutzen zu können. Alternativen zum Auto können so erprobt und erste positive Erfahrungen hiermit gemacht werden.

Ausgewählt werden sollten verschiedenartig strukturierte Haushalte, um möglichst viele Lebenssituationen und Mobilitätsbedürfnisse im Experiment zu berücksichtigen. Eine umfassende und kontinuierliche Berichterstattung durch Presse, Radio oder Fernsehen vermitteln über den teilnehmenden Personenkreis hinaus die Vorteile eines autofreien Lebens.

Motivationskampagne: Häufiger aufs Rad steigen 
In einer breit aufgestellten, bürgernahen Motivationskampagne können viele verschiedene Altersgruppen einbezogen werden, um für eine autofreie Mobilität zu sensibilisieren. Projekte mit Kindern und Jugendlichen bieten sich insbesondere an. Prominente Fahrradbotschafter (z.B. Schulleiterin oder Bürgermeister) eignen sich unter Umständen besonders, um andere zum Umsteigen zu bewegen.

In Herten beispielsweise wurden Autofahrer in einer umfassenden Kampagne dazu bewegt, für mittlere und kurze Strecken häufiger das Rad zu nutzen. Einzelne Elemente waren:

  • „An- und Abradeln“ von Wegen zur gemeinschaftlichen Entdeckung der Vielseitigkeit der Region
  • Wahlen zum „Radfahrers des Monats“
  • „Radfahrersprechstunde“ und Fahrradreparaturseminare
  • Informationskampagnen in der Fußgängerzone

Grundsätzlich sollten möglichst viele Akteure einbezogen werden, wie Schulen, Arbeitgeber, lokale Vereine oder Verkehrsbetriebe. Insbesondere die Kooperation mit Arbeitgebern ist hier besonders zu nennen. Sie können die Nutzung des Rades durch die Arbeitnehmer für den Weg zur Arbeit beispielsweise durch Bereitstellung von Duschen oder durch firmenübergreifende Wettbewerbe unterstützen. Um die Maßnahmen insgesamt zu optimieren, kann vorab eine repräsentative Haushaltsbefragung zum Mobilitätsverhalten durchgeführt werden.

E-Bikes und Pedelecs
Fahrräder sind wieder „in“. Das E-Bike ist der Wachstumsmotor der Branche. Allein 2016 wurden 605.000 E-Bikes in Deutschland verkauft, 2020 soll die Millionen-Grenze erreicht sein. Einen hervorragenden Überblick über Technologien und Einsatzmöglichkeiten bietet seit zwei Jahren das E-Bike Festival in Dortmund. Die EnergieAgentur.NRW ist Kompetenzpartner der Veranstaltung. Das E — BIKE Festival Dortmund presented by SHIMANO ist ein europäisches Events rund ums E-Bike. 55 000 Besucher sorgten vom 7. bis 9. April 2017 für eine überragende Resonanz. 136 Aussteller, 30 Prozent mehr als 2016, präsentierten die Neuheiten und Innovationen der Saison. So gut wie alle führenden Rad-Marken waren in Dortmund vertreten und brachten rund 900 Testräder an den Start. „Dortmund ist für uns das wichtigste Event des ganzen Jahres“, zog Festival-Presenter Bernard Lange, Geschäftsführender Gesellschafter der Paul Lange & Co. OHG, eine höchst erfreuliche Bilanz. Besonders das neue Testkonzept mit dem zusätzlichen eURBAN-Testparcours – epowered by Bosch wurde von den Besuchern gut angenommen.

Förderung: Pedelecs
Auch die Siedlungsstruktur und Topographie beeinflussen die Wahl des Verkehrsmittels. Da neben großen Entfernungen insbesondere die Höhenunterschiede das Radfahren oder Zufußgehen erschweren, kann die Förderung elektrisch unterstützter Fahrräder (Pedelecs) den Umstieg erleichtern. Bei Aktionstagen können sich Bürger mit elektrisch unterstützten Fahrrädern vertraut machen. Ergänzt werden können diese Aktionen durch eine finanzielle Förderung, z.B. in Kooperation mit den Stadtwerken.

Die Kampagne bietet Anknüpfungsmöglichkeiten zur Nutzung erneuerbarer Energien, wenn z.B. auf Radstationen Photovoltaikanlagen errichtet werden und so für eine emissionsfreie Mobilität und erneuerbare Energien geworben wird.

Mitfahrgemeinschaften und Gemeinschaftsprojekte

Mitfahrgemeinschaften und Gemeinschaftsprojekte wirken der Tendenz entgegen, dass Autos bei vielen Fahrten nur mit dem Fahrer besetzt sind. Durch das gemeinsame Fahren werden so Autofahrten und damit CO2-Emissionen gemindert. Außerdem tragen diese Aktivitäten zur Bildung von Netzwerken unter den Bürgern bei, stärken das Gemeinwesen und bieten manchen Bevölkerungsschichten einen sonst nicht vorhandenen Mobilitätsservice. Gemeinschaftlich kann aktiv zur Reduktion der CO2-Emissionen beigetragen werden.

Vorgehen

Die kommunalen Möglichkeiten sollen anhand von drei Maßnahmen exemplarisch beschrieben werden:

  • Mitholer-Projekt
  • (Elektro)-Bürgerauto
  • Car Sharing-Sonderkonditionen

Mitholer-Projekt
Im ländlichen Raum besteht ein ÖPNV-Angebot häufig nur in den nachfragestärksten Zeiten und entlang der Wegeverbindungen mit hohem Schulverkehrsaufkommen. Zur besseren Erreichbarkeit auch ohne eigenes Auto kann ein Mitholer-Projekt nach dem Vorbild der Gemeinden Longuich, Fell und Schweich initiiert werden. Hierfür sind folgende Schritte sinnvoll:

  • Ein eingängiges Mitholer-Logo ist zu entwerfen
  • Haltestellen, an denen Bürger kostenlos mitgenommen werden, sind mit dem Logo zu kennzeichnen
  • Mitfahrer sind am Logo auf zu produzierenden Taschen, teilnehmende Autos an einem Mitholer-Aufkleber erkennbar
  • Mitholer-Ausweise sowie die Einrichtung einer freiwilligen SMS-Meldefunktion zur „Registrierung“ einer Fahrt erhöhen das Sicherheitsgefühl der Teilnehmer
  • Neben spontanen Mitfahrten können über eine Internetplattform regelmäßig durchgeführte Fahrten bzw. Mitfahrten koordiniert werden

 

Das Projekt ist eine kostengünstige Maßnahme zur Verbesserung der Mobilität, die wegen der hohen Flexibilität insbesondere für jüngere Mitfahrer und Rentner attraktiv ist.

(Elektro)-Bürgerauto
Eine andere Variante zur Verbesserung der Mobilitätsdienste im ländlichen Raum, die allerdings einen höheren Organisationsgrad verlangt, basiert auf freiwilligem Engagement einer Gruppe von Menschen. Ein von Bürgern angeschafftes Bürgerauto (auch als Elektroauto) wird von ehrenamtlichen Fahrern betrieben.

Für Familien stellt das Angebot des Elektro-Bürgerautos eine Alternative zum Zweitauto dar. Des Weiteren kann das Projekt zu einer größeren Vertrautheit mit elektrisch betriebenen Fahrzeugen beitragen und private PKW-Besitzer zum Umstieg auf solche motivieren.

Car Sharing-Sonderkonditionen
Car Sharing-Anbieter können mit Wohnungsbaugesellschaften und Eigentümergemeinschaften Sonderkonditionen vereinbaren. Aufnahmegebühren sind dann deutlich niedriger, Kaution und Kosten für die Chipkarte können für den Mieter kostenlos sein. Die Fahrzeuge können rund um die Uhr per Internet oder Telefonanruf gebucht werden. Zusätzlich können Nutzer Verbundvorteile bei anderen Verkehrsträgern erhalten, beispielsweise Zugang zu vergünstigten Bus- und Bahntickets sowie Vorteile aus Kooperationen mit allen Car Sharing-Anbietern im In- und Ausland. Stellplätze und Garagen können für alternative gemeinschaftliche Aktivitäten genutzt werden. Bei Neubauten könnte die Stadt die Forderungen nach Stellplatzablösung entsprechend reduzieren. Die eingesparten Mittel könnten für die Deckung der Car Sharing-Rate genutzt werden. All die Vorzüge können Anreize geben, um auch die Nachbarn zur Abschaffung des privaten PKWs und der Teilnahme am Car Sharing zu motivieren.

Löhne ist eine der wenigen ländlich geprägten Städte, die Carsharing anbieten. WerreStromer hat sich längst überregional einen Namen gemacht. Immer mehr Menschen wollen sich Autos teilen - ob aus Kostengründen oder weil das eigene Fahrzeug meist ein Stehzeug ist. Quernutzung ist der Schlüssel für Carsharing Löhne: Wir setzen Fahrzeuge ein, die es schon gibt – egal ob elektrisch oder fossil betrieben. 2017 öffnet sich WerreStromer über die kommunalen Grenzen hinweg den Nachbarkommunen. Auch Unternehmen sind eingeladen das Modell für sich zu nutzen.

Ganzheitliche Mobilitätskampagnen

Die ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Vorteile eines veränderten Mobilitätsverhaltens sollten in der Kommunikation und im Marketing gezielt thematisiert werden. Für alle Zielgruppen sollten bedarfsgerechte Informationen bereitgestellt werden, wie alternativ zum Auto Wegestrecken klimagerecht zurückgelegt werden könnten. Zusätzlich motivieren Aktionstage und günstige Angebote des ÖPNV. Gemeinsam mit Verkehrsbetrieben, den Tourismusbüros in der Kommune oder im Kreis sowie dem Gast- und Veranstaltungsgewerbe sollte ein umfassendes Angebot entwickelt werden.

Vorgehen
Zwei konkrete Maßnahmen sollen in diesem Kapitel als nachahmenswerte Beispiele näher beschrieben werden:

  • Informationskampagne „Mobilitätskompass“
  • CO2-freie Naherholung
  • Aktion Autofasten
  • Elektromobilität in Lippe

Informationskampagne „Mobilitätskompass“
Alle Haushalte erhalten eine Informationsbroschüre als Mobilitätskompass. Für Neubürger kann dieser mit Willkommenscoupons zum Kennenlernen ergänzt werden. Inhalte dieser Broschüre sollten je nach lokalem Angebot ausführliche Informationen zu

  • Fuß- und Radverkehr
  • Stadtbusverkehr
  • regionalem Bus- und Bahnverkehr
  • Car Sharing-Angeboten
  • Mitfahrmöglichkeiten
  • touristischen Nah- und Fernzielen und deren Erreichbarkeit über ÖPNV sowie
  • Mobilität mit Handicap sein.

Detaillierte Karten zu Fuß- und Radwegen sollten beigelegt werden, die u.a. Informationen zu Radfahrschutzstreifen, Sitzbänken, Überquerungshilfen auf der Fahrbahn oder Fußgängerüberwegen mit Ampeln enthalten.

Ergänzend zum Mobilitätskompass sollte das kommunale Mobilitätsmanagement mithilfe von Pressearbeit, Aktionstagen, einem Mobilitätsportal mit Suchmöglichkeiten nach Mitfahrgelegenheiten und einem gezielten Marketing für Naherholungsziele, welche ohne das Auto erreichbar sind, für umweltgerechte Alternativen zum PKW werben.

CO2-freie Naherholung
Fahrten zur Naherholung in die stadtnahen Gebiete erfolgen häufig mit dem eigenen Fahrzeug. Gerade hier bieten sich aber auch Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr an, sofern die Verbindungen gut sind, den Besucherbedürfnissen gerecht werden und eine Verzahnung mit anderen Angeboten erfolgt. Da es sich häufig um naturaffine Besuchergruppen handelt, kann die Transparenz des persönlichen CO2-Fußabdrucks einer solchen Fahrt ein wichtiger Impuls sein, seine Planung entsprechend auszurichten.

Wichtig ist, dass der Besucher aufeinander abgestimmte Angebote vorfindet und der Verzicht auf die Fahrt mit dem eigenen Fahrzeug nicht zu Entbehrungen führt. Solche Angebote könnten z.B. sein:

  • Verleih von Pedelecs am Zielbahnhof und flexible Rückgabemöglichkeit
  • Shuttledienste zu Hotels
  • Möglichst klimafreundliche Unterkünfte
  • Flexible Ein- und Zustiegsmöglichkeiten bei allen Kooperationspartnern
  • E-Tankstellennetz und E-Fahrzeuge an Hotels und öffentlichen Plätzen
  • Kopplung mit einer Gästekarte, die alle Transportmöglichkeiten umfasst
  • Möglichkeit der Ermittlung des eigenen CO2-Abdrucks
  • Kompensationsmöglichkeiten für die Fahrt und den Aufenthalt

Um dieses oder ein ähnliches Angebot zu etablieren, müssen zunächst umfassende Informationsangebote zur Sensibilisierung von Stadtmarketing, Veranstaltern, Verkehrsbetrieben, Gastgewerbe, Restaurants u.a. erstellt werden. Alle Maßnahmen können auch unter eine Dachmarke für die Region gestellt werden und so einen zusätzlichen, identitätsstiftenden Effekt bieten.

Aktion Autofasten
Autofasten? Ist das wie ein Verzicht auf etwas, was man sonst gerne mag?

Fasten ist nicht der bloße Verzicht auf Dinge, die man mag. Fasten will durch den bewussten Verzicht auf liebgewordene Dinge einen neuen Blick auf alte Gewohnheiten schaffen. Da setzt die Aktion Autofasten an: Sie bietet die Chance, alte Angewohnheiten in Sachen „Mobilität" und „Lebensstil" zu überdenken und ein neues Bewusstsein dafür zu entwickeln.

Im Rahmen der Aktion Autofasten wird das persönliche Mobilitätsverhalten genauer unter die Lupe genommen und – so weit wie es möglich ist – auf das Auto verzichtet:

  • Ist der Weg zur Arbeit nicht stressfreier, wenn er mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt wird?
  • Was können unsere Kinder alles entdecken, wenn sie ihren Schulweg zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren?
  • Welche Vorteile bringt es für mich, wenn ich mich mehr bewege und kleine Strecken, wie den Weg zum Bäcker, zu Fuß gehe?
  • Daneben zeigen die unterschiedlichen Veranstaltungen, die im Rahmen der Aktion stattfinden, Wege auf, wie Sie auch in anderen Bereichen Ihres Lebensstils CO2 einsparen können. Die Aktion Autofasten will das Automobil nicht verteufeln. In manchen Fällen gibt es keine Alternative und wir sind auf das Auto angewiesen. Doch wenn Alternativen der Mobilität möglich sind, sollte man sie als Ergänzung zum klassischen Autofahren auch nutzen.

Der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Aachen und seine Kooperationspartner begleiten die Aktion mit interessanten Veranstaltungen und Mitmachangeboten. Die EnergieAgentur.NRW ist seit vielen Jahren Partner der Aktion Autofasten.

Elektromobilität in Lippe
Unter der Dachmarke „Elektrisch Bewegt“ werden die im thematischen Dreieck Elektromobilität (EM) und Erneuerbare Energie (EE) im Ländlichen Raum (LR) geführten Aktivitäten der Kooperationspartner Wirtschaftsförderung Kreis Lippe und Hochschule Ostwestfalen-Lippe vorgestellt. Die Arbeiten werden in den beiden EFRE-Projekten „Elektrisch Bewegt. Mobilitätsnetz Gesundheit“ und „elektrisch.mobil.owl“ sowie dem Leuchtturmprojekt der Bundesregierung „EMiLippe“ organisiert und mit Unterstützung weiterer Projektpartner durchgeführt.

Zielgruppe der Projekte und dieses Informationsportals sind Touristen, Mobilitätseingeschränkte, Kurgäste und die sog. „Best Ager“ in den ostwestfälisch-lippischen Kurorten und Heilbädern, aber auch der ÖPNV, Zweitwagen-Besitzer und Pendler sowie Wirtschaftsverkehre im ländlichen Raum.

Projektbeispiele

Projektbeispiele Mobilitätsverhalten
des Umweltbundesamtes (UBA)

CO2 freier Tourismus
des Tourismusnetzwerkes Rheinland-Pfalz

CO2-Rechner für Privatpersonen (inkl. Mobilität)
von klimAktiv

Dokumente

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Stadt- und Verkehrsplanung

Städtischer Parkraum ist nicht unbegrenzt vorhanden und muss den verschiedenen Ansprüchen von Anwohnern, Beschäftigten, Kunden und Besuchern gerecht werden. Neben der Beeinträchtigung des öffentlichen Stadtraumes durch abgestellte Fahrzeuge bringt der Parksuchverkehr auch verkehrliche Negativwirkungen in Form von Lärm-, CO2- und Abgasemissionen mit sich. Andererseits möchte man aber möglichst viele Besucher in die Stadt locken.

Parkdruck und zeitlich gebündelte Verkehrslasten hin zu bestimmten Zielen (Einkaufszentren, Events, große Arbeitgeber) sind Herausforderungen, denen sich das Verkehrsmanagement stellen muss. Instrumente dafür sind die Erhebung von Parkgebühren, die Gestaltung von Ausnahmeregelungen, Parkdauerbeschränkungen, Regelungen zum Bewohnerparken und die Überwachung des regelwidrigen Parkens.

Parkleitsysteme können den Parksuchverkehr reduzieren, indem Parkplätze schnell und effizient gefunden werden. Sie leisten aber offenbar keinen Beitrag, um die Anzahl an Fahrzeugen in der Stadt zu vermindern. Eher im Gegenteil: Ein Parkleitsystem mit Unterstützung durch Navigation könnte sogar ein Anreiz sein, mit dem PKW individuell in die Stadt zu fahren.

Elektrifizierung des Verkehrs

Verschärfte Grenzwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen und Luftschadstoffen spielen sauberen Kraftstoffen und Antrieben in die Hände. Insbesondere die Elektrifizierung bei PKWs, aber auch zunehmend bei Nutzfahrzeugen, wird den innerstädtischen Verkehr grundlegend ändern.

Das Elektromobilitätsgesetzt aus dem Jahr 2015 ermöglicht es den Kommunen, solche Fahrzeuge zu privilegieren. Sie können z. B. auf Parkgebühren bei Fahrzeugen, die ein „E“ auf dem Kfz-Kennzeichen tragen, verzichten oder Parkplätze ausschließlich für Elektrofahrzeuge freihalten.

Dies gilt insbesondere für diejenigen Parkplätze, die mit Ladesäulen zum Auf- und Nachladen dieser Fahrzeuge versehen sind. Die Richtlinie der europäischen Union zum Aufbau einer Infrastruktur für alternative Kraftstoffe verpflichtet die Mitgliedsstaaten, ausreichend Stromtankstellen im öffentlichen Raum bereitzustellen. Das ist schon deshalb notwendig, da ohne diese Infrastruktur kaum eine Akzeptanz für diese Technologien zu erwarten ist.

Das Ziel, die Anzahl der Fahrzeuge in den Metropolen zu vermindern wird nicht durch den Austausch einer Technologie erreicht. Es müssen die in der Stadt verbleibenden Fahrzeuge mehr ausgelastet werden, es kommt zum Car Sharing.

Dieses Car Sharing ähnelt nicht dem konventionellen Mietwagengeschäft. Die Fahrzeuge stehen überall dort, wo sie abgestellt werden und werden über Apps gefunden und gemietet, genauso wie Bus und Bahn oder Pedelecs. Der Weg von der autogerechten Stadt, wie sie in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts vorgezeichnet wurde, hin zu einer wieder menschengerechten Stadt ist vorgezeichnet.

Vernetzung von Verkehrsmitteln

Klimaschutz verlangt nach effizienter, grüner Mobilität. Um den individuellen Mobilitätsbedarf mit den Erfordernissen des Klimaschutzes zu vereinbaren, bietet die Vernetzung der unterschiedlichen Verkehrsmittel eine entscheidende Lösung, um deren jeweilige Vorteile sinnvoll nutzen zu können. Der ÖPNV ist hier das zentrale Verkehrsmittel, doch müssen sich Verkehrsunternehmen verstärkt als Mobilitätsdienstleister verstehen, der mit verkehrsübergreifenden Angeboten und entsprechendem Service die Kundenwünsche erfüllt und mit Marketingaktionen den Umstieg auf umweltschonende Verkehrsmittel bewirbt.

Über den ÖPNV hinaus werden so beispielsweise Car- und Bike-Sharing miteinander vernetzt. Auch die Einrichtung von sogenannten Mobilitätsstationen fördert eine Vernetzung von Verkehrsmitteln. Dort werden diverse Angebote miteinander verknüpft und können so einen Umstieg der verschiedenen Verkehrsmittel vereinfachen. Mithilfe elektronischer Plattformen und sozialer Netzwerke (Digitalisierung) erreicht man einen großen Interessentenkreis, kann kurzfristig agieren und die Nutzung und Auslastung optimieren.

Moovel Group GmbH
Die Mobilitäts-App kombiniert Öffentlichen Personennahverkehr, die Carsharing-Anbieter car2go, mytaxi, Taxi-Ruf, Mietfahrräder und die Deutsche Bahn. Die meisten Angebote können über die moovel App gebucht und bezahlt werden. Über movvel erhält man außerdem Zugriff auf Verkehrsmittelinformationen, Reservierungen und Buchungen in ganz Deutschland. Die „moovel“-App ist eine Antwort auf die veränderten Verkehrsgewohnheiten der Menschen – vor allem in Großstädten. Das Angebot wächst weiter: Auch die App „Qixxit“ bietet Routen mit dem Zug, Bus, U-Bahnen, Miet- und Carsharing-Fahrzeugen sowie Mietfahrrädern und sogar mit dem Flugzeug an.

Renaissance des Fahrrades

Das Fahrradfahren leistet mit seinen Null-Emissionen einen ganz wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz. Im innerörtlichen Verkehr bieten sich die größten Potenziale, den Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr zu erhöhen. Für eine sichere und komfortable Nutzung im Alltag sind jedoch gute Rahmenbedingungen notwendig. Langer Atem und eine konsequente Ausrichtung der Planung auf das Ziel einer fahrradfreundlichen Stadt sind hier gefragt.

Radschnellwege haben großes Potenzial, Autofahrer zum Umsteigen auf das Rad zu bewegen und damit Stau- und Klimaprobleme von Ballungsgebieten in den Griff zu bekommen.

Hinzu kommt die Elektrifizierung des Rads. E-Bikes werden nicht nur von Privatpersonen sondern immer öfter auch zu gewerblichen Zwecken genutzt Die dabei zum Einsatz kommenden Lastenräder bieten die je nach Bedarf unterschiedliche Transportmöglichkeiten. Cargobike Dortmund ist eine Initiative der Wirtschaftsförderung Dortmund und der IHK zu Dortmund, die den Einsatz von Lastenfahrrädern (Cargobike) für professionelle Anwendungen in Unternehmen fördert. Das westfälische Ruhrgebiet ist ein internationales Zentrum einer modernen Logistik. Die Inititave möchte diese Region auch zu einem Kompetenzzentrum für eine nachhaltige Logistik mit dem Lastenfahrrad machen.

Radfahren in der RadRegionRheinland- mit Knotenpunktnetz oder der App „QuoRadis“
Das Knotenpunktsystem mit über 430 Knotenpunkten ermöglicht Radfahrern eine unkomplizierte Orientierung und eine hohe Flexibilität bei der Tourenplanung. Die NRW-weit einheitliche rot-weiße Radwegebeschilderung wird in der RadRegionRheinland um das wabenartige Knotenpunktnetz ergänzt. Kreuzen sich Strecken dieses Wabensystems, so befindet sich dort ein „Knotenpunkt“, der mit einer rot umrandeten Zahl gekennzeichnet ist. An jedem Knotenpunkt zeigt eine Übersichtstafel über welche Strecke man zur jeweiligen nächsten Knotennummer gelangt. Die Route kann also anhand dieser Karte und durch das Notieren der Reihenfolge der Nummern nach eigenen Vorlieben gestaltet werden und man muss nur noch der Knotenpunkt-Beschilderung folgen.

Die kostenlose App „QuoRadis“ navigiert Radfahrer mit Hilfe von Smartphone oder Tablet sprachgesteuert über Themenrouten durch die gesamte RadRegionRheinland und erzählt anhand von Videos, Audios und Fotos die Hintergründe und Geschichten der am Wegesrand liegenden Sehenswürdigkeiten. Außerdem kennt QuoRadis Biergärten in der Nähe und führt bei Bedarf zur nächsten Unterkunft, zur Fahrradwerkstatt oder zurück zum Startpunkt. Neben Thementouren für Familien, Tourenradler und Rennradfahrer, lassen sich auch ganz individuelle Touren anhand selbstgewählter Wegpunkte planen und berechnen. Die App kann kostenfrei für iOS und Android heruntergeladen werden.

Radschnellweg Ruhr
Zwischen den 11 kreisfreien Städten und vier Kreisen der Metropolregion Ruhr bestehen umfangreiche Pendlerverflechtungen. Rund 1,1 Mio. Menschen pendeln dort täglich zwischen Wohnort und Arbeitsplatz. Um den Berufspendlern den Umstieg vom Auto auf das Fahrrad zu erleichtern, soll der 85 km lange Radschnellweg Ruhr die Städte Duisburg, Mülheim an der Ruhr, Essen, Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund, Hamm und den Kreis Unna verbinden.

Um das schnelle Radfahren zu ermöglichen, soll die Strecke möglichst gradlinig, kreuzungsfrei und in den Abendstunden beleuchtet sein. Ampeln werden radfahrerfreundlich geschaltet. Entlang des Radschnellwegs Ruhr soll begleitend Serviceinfrastruktur angeboten werden (Pannenhilfe, Rastplatz). Das Fahrradverleihsystem metropolradruhr stellt ein weiteres Serviceangebot dar, das dem Radschnellweg Ruhr Attraktivität verleihen kann. Das System ist in allen Städten entlang der Trasse vertreten, so dass der Radschnellweg auch für den Freizeitverkehr eine attraktive Route darstellen kann.

Eine vom Regionalverband Ruhr in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie zeigt, dass etwa 1,65 Millionen Menschen im Einzugsbereich des RS1 leben. Das hochbelastete kommunale Straßennetz in der Metropole Ruhr kann täglich um rd. 52.000 PKW-Fahrten entlastet und demzufolge der Straßenverkehr täglich um bis zu 400.000 Pkw-Kilometer reduziert werden. Dadurch werden jährlich 16.600 Tonnen CO2 eingespart, was in etwa den CO2-Emissionen von 900 Haushalten entspricht. Der Bau bzw. Ausbau der Trasse kostet mit allen Brücken- und Sonderbauwerken 184 Mio. (Regionalverband Ruhr: Machbarkeitsstudie Radschnellweg Ruhr RS1. Kurzfassung. - Essen, 2014)

Mit dem Radschnellweg Ruhr soll ein Premiumprodukt für die Metropolregion Ruhr entwickelt werden, um den Radverkehrsanteil sowohl in der Nahmobilität als auch auf längeren Strecken zu erhöhen.

Kommunales Mobilitätsmanagement

Die Verlagerung des motorisierten Individualverkehrs (MIV) auf öffentliche oder nichtmotorisierte Verkehrsmittel sowie die Verkehrsvermeidung erhalten in der Diskussion um Möglichkeiten zur CO2-Minderung ein immer größeres Gewicht. Ein Instrument, den Umweltverbund zu stärken, ist das Mobilitätsmanagement, das durch Verhaltensänderungen der Verkehrsteilnehmer den PKW-Verkehr reduzieren bzw. vermeiden soll. Eine Aufgabe des Mobilitätsmanagements ist die Entwicklung von zielgruppenspezifischen Konzepten und Kampagnen, die die Mobilitätsbedürfnisse der unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer und die lokalen Rahmenbedingungen zusammenbringen. Mobilitätsmanagement wird somit immer vor Ort von lokalen Akteuren entwickelt und umgesetzt.

Information und Beratung sind wichtige Bausteine für ein erfolgreiches Mobilitätsmanagement, da Unkenntnis über das geeignetste Verkehrsmittel oder die optimale Kombination zwangsläufig eine Nichtnutzung von Verkehrsmitteln des Umweltverbunds bedeutet. Hier setzt die zielgruppenorientierte Mobilitätsberatung an.

Projektbeispiele

Grüne Hauptstadt Essen 2017
Seit 2010 vergibt die EU-Umweltkommission den Titel „European Green Capital / Grüne Hauptstadt Europas“. Ausgezeichnet werden Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern, die dauerhaft hohe Umweltstandards unter Beweis stellen und sich fortlaufend anspruchsvolle Ziele im Hinblick auf weitere Verbesserungen der Umweltbedingungen und nachhaltige Entwicklungen setzen.

Den Titel „European Green Capital / Grüne Hauptstadt Europas“ haben bisher die Städte Stockholm (2010), Hamburg (2011), Vitoria-Gasteiz (2012), Nantes (2013), Kopenhagen (2014), Bristol (2015) und Ljubljana (2016) gewonnen.

Im Verkehrsbereich will die Stadt Essen langfristig den sog. modal split, also die individuelle Nutzung der Verkehrsträger zugunsten des ÖPNV und des Radverkehrs verändern. Aktuell wird der überwiegende Teil der Wege (54 %) durch den motorisierten Individualverkehr (MIV) bewältigt.

Mobilitätskonzept für Dortmund
Das NRW-Wirtschaftsministerium hat unter anderem das Dortmunder Konzept ausgezeichnet, mit dem sich die Stadt im besonderen Förderbereich „Emissionsfreie Innenstadt“ unter dem Projektaufruf KommunalerKlimaschutz.NRW beteiligt hatte. Ziel ist es Emissionen von Treibhausgasen und Stickoxiden in den Innenstädten zu verringern. Hierzu stehen Fördermittel in Höhe von 10,5 Millionen Euro in Aussicht. Das Konzept mit Maßnahmen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen im Straßenverkehr hat überzeugt.

Die Stadtverwaltung plant folgende Maßnahmen:

  • Emissionsfreier Lieferverkehr
  • Förderung der Elektromobilität und Förderung des Park&Ride
  • Mobilitätsmanagement für Beschäftigte und Besucher der City, für Kitas und Schulen
  • Nahmobilitätskonzepte mit u.a. Ausbau von Car-Sharing und Fahrradparken
  • Fahrradparken und Erweiterung des Fahrradverleihsystems mit Pedelecs
  • Durchgängiges, attraktives Radwege-Angebot auf dem Wall
  • Fußgänger- und Fahrradachsen in die City
  • Entwicklung des grünen Walls und einer grünen City
  • Schnellladung von E-Fahrzeugen und E-Taxi-Fahrzeugen am Hauptbahnhof
  • Ergänzung der Leitthemen durch eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit und Marketingstrategie zur Stärkung des ÖPNVs sowie des Rad- und Fußverkehrs

Für alle Maßnahmen gilt: Der Schwerpunkt für die Wege in die Innenstadt und innerhalb der Innenstadt liegt bei der Schaffung von Alternativen zur (verbrennungs-)motorisierten Mobilität. Es geht ausdrücklich nicht darum, den Kfz-Verkehr zu erschweren, sondern attraktive Alternativen im Umweltverbund (Fuß, Rad, ÖPNV) zu schaffen sowie den vermehrten Einsatz von E-Fahrzeugen zu fördern.

Das NRW-Wirtschaftsministerium unterstützt die Kommunen bei der Realisierung einer neuen Mobilität. Der Aufruf „Emissionsfreie Innenstadt“ war bewusst inhaltlich offen formuliert, so dass neue und integrierte Mobilitätskonzepte eingereicht werden konnten. Auch die Städte Aachen, Bonn und Bielefeld wurden für ihre Konzepte der „Emissionsfreien Innenstadt“ mit Fördergeldern versehen. Wichtig aus Sicht der Landesregierung ist die Modellhaftigkeit der Projekte, so dass die Ergebnisse und Erkenntnisse auf andere Kommunen übertragen werden können. Bewerben konnten sich Kommunen, die über ein Klimaschutzkonzept verfügen. Die Herausforderung besteht darin, die Abhängigkeit des Verkehrssystems von fossilen Kraftstoffen zu lösen ohne die Mobilität einzuschränken. Hier bedarf es neuer Verkehrsmuster, die sich durch ein umfassendes Mobilitätsmanagement herausbilden müssen.

Projektbeispiele

Stadt Essen
Grüne Hauptstadt Essen 2017

Stadt Dortmund
Masterplan Mobilität

Stadt Dormagen
Mobilitätskonzept

Sofortprogramm Elektromobilität NRW
Elektromobilität in Kommunen

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Projektdatenbank
Deutsche Energie-Agentur (dena)

Kommunales Mobilitätsmanagement
Zukunftsnetz Mobilität NRW

Kommunales Mobilitätsmanagement
Verkehrsverbund Rhein-Sieg GmbH (VRS)

Betriebliches Mobilitätsmanagement

Mobilitätsmanagement ist ein Ansatz zur Beeinflussung der Verkehrsnachfrage mit dem Ziel, den Personenverkehr effizienter, umwelt- und sozialverträglicher und damit klimagerechter zu gestalten. Betriebliches Mobilitätsmanagement bietet Mitarbeitenden der Verwaltung durch Maßnahmen aus den Bereichen Information, Kommunikation, Motivation, Koordination und Service Optionen, ihr Mobilitätsverhalten und ihre Einstellungen zur Mobilität zu verändern. Dabei übernehmen Akteure, wie kommunale Einrichtungen oder Verwaltungen, Verantwortung für den von ihnen verursachten Verkehr.

Durch die Effizienzsteigerung des motorisierten Verkehrs, aber auch durch Verkehrsvermeidung und Verkehrsverlagerung (Pkw­Verkehr zum ÖPNV), können Kosteneinsparungen für die öffentliche Hand auf allen Ebenen erreicht werden. Beim Pkw können Effizienzsteigerungen zum Beispiel durch die Bildung von Fahrgemeinschaften oder das Carsharing erzielt werden. Dadurch wird einerseits der Personenbesatzungsgrad der jeweiligen Fahrt erhöht (Stichwort: Fahrgemeinschaft), andererseits werden weniger Fahrzeuge für die gleiche Menge an Mobilität benötigt. Eine Effizienzsteigerung im ÖPNV kann maßgeblich durch die Erhöhung der Auslastung pro Fahrt erzielt werden.

Ein Plus für die Gesundheit: Mitarbeitende, die regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen, sind gesünder und im Durchschnitt einen Tag weniger krank als ihre nicht Rad fahrenden Kolleginnen und Kollegen.

Ein Plus für die Produktivität: Mitarbeitende, die mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, sind konzentrierter und leistungsfähiger als ihre mit dem PKW allein anreisenden Kollegen. Zudem fördert die gemeinsame Entwicklung nachhaltiger Mobilitätslösungen den Zusammenhalt und die Motivation innerhalb der Beschäftigten.

Ein Plus für das Klima: Der Verkehrssektor ist für ca. 20 % der CO2-Emissionen verantwortlich und damit ein zentraler Treiber für globale Umweltprobleme und Klimaerwärmung. Nach Angaben des Umweltbundesamtes entfallen ca. 27 % der Hauptwegezwecke auf die betriebliche Mobilität (Dienstreisen und Pendelverkehr). Das zeigt, wie wichtig ein betriebliches Mobilitätsmanagement gerade in der öffentlichen Verwaltung ist.

Handlungsoptionen

  • Individuelle Kommunikation und Information (Auskunft im Intranet/Internet, Mobilitätspakete für neue Beschäftigte, Beratung, Applikationen etc.)
  • Förderung ÖPNV-Nutzung (Jobticket etc.)
  • Förderung des Radverkehrs (Abstellmöglichkeiten, Diensträder, Umkleiden etc.)
  • Förderung der Nahmobilität (Aufwertung von (Fuß-)Wegen etc.)
  • Förderung der E-Mobilität (Ladeinfrastruktur etc.)
  • Förderung von Fahrgemeinschaften (Optimierung des motorisierten Individualverkehrs (MIV))
  • Effizienzsteigerung im Fuhrpark (Elektromobilität, Car-Sharing etc.)
  • Verkehrsvermeidung (Heimarbeit, Einsatz von Telefon- oder Webkonferenzen etc.)

Veränderungen im Mobilitätsverhalten sind langfristig möglich. Dafür müssen attraktive Angebote geschaffen werden. Die Nutzung von Alternativen erfordert häufig ein Umdenken. Deshalb sind Information und Motivation unerlässlich für ein klimagerechtes Mobilitätsverhalten. Dabei kommt es darauf an, das Thema Mobilität und die vorhandenen Mobilitätsangebote den Mitarbeitenden näher zu bringen, beispielsweise durch besondere Aktionen und Projekte, bei denen die Mitarbeitenden Mobilität neu erfahren können. Ein gelungenes Projekt ist STADTRADELN – eine Kampagne des Klima-Bündnisses.

Projektbeispiele

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

BMU-Projekt: Gute Wege zur guten Arbeit
ACE Auto Club Europa e.V.

BMVI-Projekt: mobil gewinnt
ACE Auto Club Europa - Stab Verkehrspolitik

Dienstleistungen, Rahmenbedingungen, Umsetzung
Transferstelle Mobilitätsmanagement

Praxisleitfaden Betriebliches Mobilitätsmanagement
Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz

Handbuch für die kommunale Praxis
Zukunftsnetz Mobilität NRW

Emissionsfreie Innenstadt

Kapitel ist zurzeit in Bearbeitung!

Kommunaler Wirtschafts- und Güterverkehr / Urbane Logistik

Umweltbelastungen werden in Innenstädten insbesondere durch den Lieferverkehr (überwiegend leichte LKW, teilweise mit schlechten Abgaswerten, viele innerstädtische Fahrten) verursacht. Zwar haben LKW nur einen relativ geringen Anteil am gesamtstädtischen Verkehrsaufkommen (ca. 11 %), trotzdem erzeugen sie einen sehr hohen Anteil der CO2-Emissionen bei weiter steigender Tendenz des Verkehrsaufkommens. Durchfahrverbote und andere Beschränkungen nach Straßenverkehrsordnung sind häufig die Antwort auf diese Problematik, beeinflussen aber nicht nennenswert den Energieverbrauch und den CO2-Ausstoß. Um die Treibhausgase zu verringern, gilt es den städtischen Güterverkehr zu optimieren und energieeffizienter abzuwickeln. Lösungen sind hierbei von allen beteiligten Akteuren gefragt: Von den Speditionen, dem Handel, Gewerbe und Industrie sowie von den Kommunen.

Güterverkehrsentwicklung in Deutschland
Generell geht der Boom des Güterverkehrs in Deutschland weiter. Der Nutzfahrzeugbestand wird laut Prognosen mittelfristig bis zum Jahr 2040 um mehr als 20 % auf 3,5 Millionen Fahrzeuge wachsen. Mit der wachsenden Zahl steigt zunächst auch der Energiebedarf aller Nutzfahrzeuge. Dabei gewinnen elektrische Antriebe bei leichten Nutzfahrzeugen und Bussen sowie Gas (LNG) bei schweren Fernverkehr-Lkw an Bedeutung. Je höher ihr Anteil, desto geringer die Emissionen. Laut Shell-Nutzfahrzeugstudie werden Lkw und Busse keinen ausreichenden Beitrag zu den aktuellen Energie- und Umweltzielen der Bundesregierung leisten.

Projektbeispiele aus Kommunen in NRW

CO2-freie Zustellung in Bonn
Die in Bonn ansässige Deutsche Post DHL Group engagiert sich als eine der größten Flottenbetreiber Deutschlands im Rahmen des konzerneigenen Umweltprogramms GoGreen insbesondere im Bereich Elektromobilität. Der Konzern stellte die Zustellung in Bonn und dem Umland auf Elektrofahrzeuge um und machte die Stadt damit zum bundesweit ersten Standort mit einem CO2-freien Fahrzeugkonzept. Unterstützt wird das Projekt vom Förderprogramm Elektromobilität der Bundesregierung. Das Fahrzeug, der sogenannte „StreetScooter“, wurde zusammen mit der StreetScooter GmbH und Instituten der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen entwickelt. Es ist ein speziell auf die Bedürfnisse der Deutschen Post DHL zugeschnittenes Elektrofahrzeug, das mit einer Reichweite von bis zu 120 Kilometern (im Postbetrieb max. 80 km) ideal in der Verbundzustellung - also der Auslieferung von Briefen und Paketen - eingesetzt werden kann. Die Serienproduktion der Komponenten ist in 2015 angelaufen. Das Konzept und der Erfolg führten dazu, dass im Dezember 2014 die StreetScooter GmbH zu 100% durch die Deutsche Post DHL Group übernommen wurde. Gerade bei der Zustellung in Städten kann mit Elektroantrieben die Lärm- und die Umweltbelastung erheblich gedrosselt und darüber hinaus wirtschaftlich sinnvoll Treibstoff eingespart werden. Deswegen kommt dem Pilotprojekt in Bonn Modellcharakter zu. Mittlerweile wird der „Streetscooter“ auch in anderen Innenstädten, wie beispielsweise Bochum eingesetzt.

Die Stadt Bonn erhielt als eine der ersten Städte die Förderung für das Konzept der emissionsfreien Innenstadt. Neben der Mobilität der Menschen steht auch die emissionsfreie Abwicklung des Warenverkehrs im Fokus. Daher sollen Stationen entwickelt werden, die Warenabholung durch Kunden oder deren Weiterverteilung mittels e-Lastenrädern oder E-Nutzfahrzeug ermöglichen.

Elektromobile urbane Wirtschaftsverkehre in Dortmund
Im Jahr 2011 wurde in der Rhein-Ruhr-Region das Projekt "ELMO – elektromobile urbane Wirtschaftsverkehre" auf den Weg gebracht. Dabei wurden 10 unterschiedliche konfigurierte LKW größer 7,5 t Gesamtlast zu unterschiedlichen Einsatzzwecken eingesetzt. Die Reichweiten um 100 km eigneten sich für städtische Waren-Verteilverkehre mit vielen Stopps. Die Stadt Dortmund gemeinsam mit dem Fraunhofer IML initiierten dabei Testfahrzeuge im Großraum Dortmund für die Unternehmen ABB Busch-Jaeger Elektro, CWS-boco, T€Di und UPS. Aktuell läuft hier das Nachfolgeprojekt „Geräuscharme Nachtlogistik“ (Genalog). Dabei wird direkt mit Nutzern batterieelektrischer Fahrzeuge zusammengearbeitet. Bei Genalog sind dies der Discounter Tedi und der Handelskonzern Rewe. Bis Mitte 2014 wurden bereits über 100.000 Fahrtkilometer und rund 11.000 Fahrtstunden elektrischer Nutzfahrzeuge erfasst und ausgewertet. Ein weiteres Projekt in Dortmund ist außerdem „Cargobike“. Die Initiative der Wirtschaftsförderung Dortmund und der IHK zu Dortmund fördert den gewerblichen Einsatz von Lastenrädern. Cargobikes (siehe auch Renaissans des Fahrrads) sind breiter als normale Fahrräder und können größere Mengen transportieren.

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

CO2-freie Zustellfahrzeuge
Deutsche Post DHL Group

Shell Nutzfahrzeug-Studie 2016
Shell Deutschland/ DLR Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Forschungsprojekt ELMO
Fraunhofer IML Dortmund/ Stadt Dortmund

Anpassung an den Klimawandel

Überblick

Auch bei verstärkten Anstrengungen im Klimaschutz ist der Klimawandel nicht mehr zu vermeiden sondern höchstens zu begrenzen. Selbst bei einem sofortigen Emissionsstopp würde der Anstieg der Durchschnittstemperaturen noch einige Jahrzehnte voranschreiten. Dies wurde im vierten und fünften Sachstandsbericht des Weltklimarates (IPCC) entsprechend bestätigt und konkretisiert. An die mit dem Klimawandel einhergehenden Folgen des Klimawandels, die sowohl Risiken als auch Chancen sein können, gilt es sich daher bestmöglich anzupassen, um Schäden zu vermeiden und die Daseinsvorsorge zu sichern.

Der Klimawandel äußert sich regional unterschiedlich, Klimafolgenanpassung (damit ist die Anpassung an die Folgen des Klimawandels gemeint) ist daher vor allem auf regionaler und kommunaler Ebene sinnvoll und notwendig, da hier die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren sind. Das Klimaschutzgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen verlangt daher „die negativen Auswirkungen des Klimawandels […] durch die Erarbeitung und Umsetzung von sektorspezifischen und auf die jeweilige Region [und deren Kommunen] abgestimmte Anpassungsmaßnahmen zu begrenzen.“ Um neben dem Klimaschutz auch die Anpassung an die Folgen des Klimawandels voranzubringen hat das Land Nordrhein-Westfalen in seinem Klimaschutzplan diesbezüglich insgesamt 66 Maßnahmen festgelegt.

Bei den Auswirkungen des Klimawandels handelt es sich sowohl um langfristige/schleichende Klimaveränderungen, wie den allgemeinen Anstieg der Durchschnittstemperaturen oder die Verschiebung eines Teils der Niederschläge vom Sommer in den Winter, als auch um zukünftig gehäuft und verstärkt auftretende temporäre Extremwetterereignisse, wie Hitzewellen, Trockenperioden, Starkregen und Hagel oder Stürme, die auf Städte und Gemeinden einwirken. Extremwetterereignisse richten vor allem Schäden an Infrastruktureinrichtungen an. Als besonders gefährdet sind Gebäude, aber auch Verkehrswege sowie Ver- und Entsorgungseinrichtungen, sogenannte kritische Infrastrukturen, anzusehen. Die konkreten Entwicklungen sind hier individuell für jede Regionen aber auch Kommune zu betrachten und zu bewerten. Deshalb bedarf es einer Risikobewertung vor Ort, um das tatsächliche Maß der jeweiligen Betroffenheit bzw. der Vulnerabilität (Verwundbarkeit) festzustellen. Solche Analysen stellen eine wichtige Arbeitsgrundlage dar, um darauf aufbauend konkrete Anpassungsmaßnahmen ausarbeiten zu können.

Um für den wichtigen Prozess der Risikobewertung eine Orientierung und Anleitung zu geben, stehen in dieser Rubrik drei Onlinehilfen zur Verfügung: eine Selbst-Einschätzung als Fragenkatalog, ein Vor-Ort-Klimacheck in Form einer Betroffenheits- und Beteiligtenmatrix sowie ein Leitfaden als Richtschnur für die Vorgehensweise vor Ort. Sie lassen sich gegebenenfalls auch dazu nutzen, andere Akteure in die Klima-Diskussion einzubinden und um ihre Einschätzung zu bitten.

Im Rahmen der Anpassung an die Folgen des Klimawandels ist es wichtig sowohl die regionalen und lokalen Fachakteure (z.B. Raum/Stadtplaner, Fachplaner, Fachbehörden, sektorale Verbände und Interessensgruppen), als auch die Bürger der Kommunen frühzeitig in den Prozess einzubinden, da diese erarbeitete Anpassungsmaßnahmen letztlich umsetzen müssen. Bevor dies geschehen kann ist es notwendig zunächst das Bewusstsein der Akteure zu den Folgen des Klimawandels und zu ihrer eigenen Betroffenheit zu bilden bzw. sie zu sensibilisieren, damit diese die Notwendigkeit eines frühzeitigen Handelns verinnerlichen. Über die Bewusstseinsbildung lässt sich zudem Akzeptanz für bereits notwendige, aber auch proaktive Anpassungsmaßnahmen entwickeln und letztlich auch Handlungsbereitschaft, selbst Maßnahmen umzusetzen oder weitere Initiativen anzustoßen, erzeugen.

Die Konzeption und Weichenstellung zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels findet auf unterschiedlichen Planungsebenen statt. Auf Ebene der Raumordnung und Landesplanung können zentralen Vorgaben zur Klimafolgenanpassung festgehalten werden, so auch im 2017 neu aufgestellten Landesentwicklungsplan (LEP) des Landes Nordrhein-Westfalen. Diese Vorgaben sind durch die Regionalpläne zu konkretisieren und mit Leben zu füllen. Hier können wichtige Festlegungen z.B. hinsichtlich Hochwasserschutz, Siedlungsbegrenzung oder Sicherung und Freihaltung von Kaltluftentstehungsgebieten und Frischluftschneisen getroffen werden. Den Bezirksregierungen, aber auch den Regionalentwicklungsgesellschaften kommt zudem im Zuge der Klimafolgenanpassung eine wichtige Koordinierungs- und Führungsfunktion zu. Gleiches gilt auch für die Landkreise, die zwar nur wenige eigene Instrumente besitzen, jedoch vor allem im Rahmen einer interkommunalen Zusammenarbeit im Bereich der Klimafolgenanpassung koordinativ und integrativ tätig werden können.

Abgesehen von übergeordneten Maßnahmen auf regionaler Ebene müssen die zentralen Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung auf kommunaler Ebene umgesetzt werden. Verschiedene Sektoren und Fachplanungen sind von den Folgen des Klimawandels auf kommunaler Ebene betroffen und werden daher, in Anlehnung an den „Klimaschutzplan Nordrhein-Westfalen“ in diesem Abschnitt näher betrachtet. Zusätzlich gibt es Querschnittshandlungsfelder, denen eine wichtige Koordinierungs- bzw. Verknüpfungsfunktion im Rahmen der Klimafolgenanpassung zukommt. Diese werden ebenfalls aufgegriffen.

Projektbeispiele

Dr.-Ing. Tobias Kemper
Kommunaler und regionaler Klimaschutz und Klimawandel
Klimaanpassungsnetzwerker
EnergieAgentur.NRW
Roßstraße 92
40476 Düsseldorf
Tel.: 0211 86642299
kemper@energieagentur.nrw

Dokumente

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Förderung

Bauen und Wohnen

Bezug zum Klimawandel
Eine wichtige Unterkategorie, die in das Gesamtfeld der Stadt- und Kommunalplanung eingebettet ist, ist das Handlungsfeld Bauen & Wohnen. Der Gebäudesektor ist in vielfältiger Weise vom Klimawandel betroffen. Wie im übergeordneten Handlungsfeld stellen hier vor allem lang anhaltende Hitzewellen, die Gebäude entsprechend aufheizen, sowie Starkregen und Überschwemmungen, aber auch Hagel und Sturmböen entsprechende Probleme dar, die die Substanz und Funktionsfähigkeit von Gebäuden beeinträchtigen können. Daher ist es wichtig sowohl Menschen als auch Sachwerte vor Schäden zu schützen und durch eine klimaangepasste Bauweise Vorsorge zu treffen.

Neben der Neuplanung stellt vor allem der Gebäudebestand einen wichtigen Bereich dieses Handlungsfeldes dar. Es ist wichtig insbesondere bereits bestehende Gebäude klimarobuster zu gestalten und die Wohn- und Aufenthaltsqualität zu erhalten. Anpassungsmaßnahmen im Bestand sind im Regelfall schwerer umzusetzen, da die vorhandenen Bauwerke (ober- und unterirdisch) langfristig genutzt und finanziert werden. Vor diesem Hintergrund müssen die zukünftigen Herausforderungen rechtzeitig betrachtet und berücksichtigt werden, um Fehlinvestitionen zu vermeiden. In diesem Bereich sind zudemAkteursgruppen beteiligungsrelevant, welche in „normalen“ räumlichen Planungsprozessen in der Regel keine oder lediglich eine untergeordnete Rolle spielen.

Das Land Nordrhein-Westfalens strebt an Maßnahmen zur Klimaanpassung im Bauwesen mit energetischen S0anierungsmaßnahmen zu koppeln, bzw. dass auch umgekehrt im Rahmen der energetischen Sanierung untersucht werden soll, wo Anpassungsmaßnahmen sinnvoll und notwendig sind. Dadurch lassen sich Synergieeffekte nutzen, die dazu beitragen Nutzungseinschränkungen und Kosten gering zu halten.

Betroffenheit/Verwundbarkeit

  • Hitzewellen stellen nicht nur ein Problem für die Aufenthaltsqualität im unbebauten Raum dar, die Hitzebelastung kann innerhalb von Gebäuden noch sehr viel extremer sein. Hier sind einerseits vor allem öffentliche Einrichtungen der Gesundheitsversorgung (Krankenhäuser) oder Altenpflege, aber beispielsweise auch Schulen und Kindergärten, besonders vulnerabel. Dort halten sich Menschen auf, die für Hitzewellen oder extreme Temperaturen sehr anfällig sind. In diesem Bereich kann bereits die Standortwahl entscheidend sein, weshalb sich besonders gut durchlüftete und verschattete Orte am Siedlungsrand bzw. in Wald- oder Parknähe anbieten. Auch Bürogebäude sind in Bezug auf Hitzebelastung anders zu bewerten als private Immobilien zur reinen Wohnnutzung.
  • Auch die Zunahme von Starkregenereignissen spielt für den Gebäudesektor eine zentrale Rolle. Je nach Standort sind Gebäude stärker gefährdet wenn sie in Mulden oder an Flüssen liegen. Neben Überflutungen durch verstärkten Oberflächenabfluss oder Hochwasser kann es bei einer Überlastung der Kanalisation passieren, dass Wasser aus dem Kanal in die Keller von Gebäuden eindringt. Zudem sind außenliegende Schächte und Tiefgeragen gegen eindringendes Wasser zu schützen. Wie viele Hochwasser- oder Starkregenereignisse der Vergangenheit zeigen, können diese zu erheblichen Schäden am Inventar oder auch der Stromversorgung von Gebäuden führen. Aus diesem Grunde ist auch auf ausreichenden Versicherungsschutz zu achten.
  • Stürme stellen vor allem für Dachkonstruktionen, Auf- oder Anbauten oder besondere Fassadenelemente eine Gefährdung dar. Gleiches gilt für freistehende Elemente wie Werbeschilder oder auch Fahnenmasten.
  • Zur Bewertung der Vulnerabilität eines Gebäudes hilft die systematische Betrachtung der klimatischen Auswirkungen auf Baustoffe (z.B. durch Hitze, Schlagregen oder Hagel) und die Architektur (Stellung des Gebäudes zur Sonne oder Nähe zu Oberflächengewässern).

Möglichkeiten der Anpassung 
Anpassungsmaßnahmen sind in den folgenden Arbeitsfeldern möglich:

  • Klimaangepasstes Bauen (Bauplanung, Baukonstruktion, Architektur): hier sind vor allem die Gebäudestellung und Ausrichtung, die Form des Gebäudes bzw. die verwendeten Baumaterialien und der Gebäudestandort wichtige Stellschrauben. Verschattungselemente, Elemente zur Gebäudekühlung (z.B. Phasen-wechselmaterialien), helle Baumaterialien, Gebäudedämmung und außen liegender Sonnenschutz sind einige wichtige Maßnahmen gegen zunehmende Temperaturen und Hitze. Hinzu kommt der intelligente Einsatz von Glasflächen. Zudem können Dach- und Fassadenbegrünungen sowohl zur Kühlung des Gebäudes als auch zur Zwischenspeicherung von Niederschlagswasser (Dachbegrünung) beitragen. Helle Farben an Hauswänden oder auf Dächern tragen zur Ausnutzung des Albedoeffektes bei, der eine übermäßige Aufheizung von Gebäuden verhindern helfen kann.
  • Sogenannte weiße Wannen dichten Gebäude nach unten hin ab und verhindern so das Eindringen von Grundwasser. Rückschlagklappen zum Kanal können das Eindringen von Niederschlagswasser bei einer Überlastung des Kanalnetzes verhindern. Zudem sind Schächte und Tiefgaragen (Fluttore) gegen von außen eindringendes Niederschlagswasser zu sichern. Dachziegel können mit Klammern gegen Sturmböen gesichert werden.
  • Anpassung im Gebäudebestand (Gebäudehülle, Gebäudetechnik): hier sind vor allem nachträglich anzubringende Verschattungselemente geeignet. Fassadenbegrünung kann an dieser Stelle genauso wie die Gebäudedämmung einen wichtigen Kühleffekt herbeiführen. Die Maßnahmen zum Schutz vor Überflutung sind allesamt auch im Bestand umzusetzen.
  • Fassadenelemente sowie Auf- oder Anbauten sind auf sich erhöhende Windlasten auszulegen. Zudem ist im Rahmen der Gebäudeausrichtung darauf zu achten, dass sturmgefährdete Bäume im Idealfall bei Windbruch keinen Schaden an den Gebäuden verursachen.
  • Klimaangepasste Gebäudenutzung und Verhaltensregeln: es empfiehlt sich die Gebäudetechnik aus Kellergeschossen in höher gelegene Stockwerke zu verlegen, damit diese gegen Überflutungen geschützt ist. Gleiches gilt für Heizungsanlagen und die Lagerung wassergefährdender Stoffe. Öltanks sollten zudem gegen Aufschwemmen gesichert werden.
  • Aufklärung und Sensibilisierung über Klimarisiken in der Immobilien- und Wohnungswirtschaft: auch im Bereich Bauen & Wohnen stellt die Bewusstseinsbildung einen wichtigen ersten Schritt zur Klimaanpassung dar, zumal hier auch ein sehr breites Akteursspektrum aus öffentlichen und privaten Akteuren betroffen ist.

Projektbeispiele

Arbeitshilfen & Hintergrundinformationen

Förderung

Stadtentwicklung und kommunale Planung

Bezug zum Klimawandel
Der Kommunal- oder Stadtplanung kommt im Zuge der Anpassung an die Folgen des Klimawandels – zusammen mit der übergeordneten Regionalplanung - eine wichtige Koordinierungsfunktion zu. Auf dieser Ebene ist es möglich, die verschiedenen sektoralen Aktivitäten der einzelnen Fachplanungen auf Gemeindeebene zu bündeln und gemeinsam integrierte Wege zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu erarbeiten. Des Weiteren stehen mit den Instrumenten der Stadtplanung zahlreiche direkte Möglichkeiten zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels zur Verfügung. Es empfiehlt sich im Zuge der Stadtentwicklungsplanung vorbeugende Anpassungsplanung zu betreiben, um Schäden und dadurch auch unnötige Kosten zu vermeiden. Der Klimaschutzplan des Landes NRW beeinflusst durch seine Maßnahmen die Entscheidungen in der Stadtentwicklung. Mit seiner Hilfe soll die Anpassung an den Klimawandel als fester Bestandteil in die Planung integriert werden.

Die Anpassung an die Folgen des Klimawandels bedarf dabei je nach Region unterschiedlicher Anforderungen. So stehen beispielsweise die Ballungsräume an Rhein und Ruhr vor anderen Herausforderungen als die ländlich geprägten Gebiete Nordrhein-Westfalens. Daher ist im Zuge der Klimafolgenanpassung zunächst die Abschätzung der jeweiligen Klimafolgen, Betroffenheiten oder Vulnerabilitäten sehr wichtig. Auch hierbei kommt die Koordinierungs- und Vernetzungsfunktion der räumlichen Planung zum Tragen.

Die Klimafolgenanpassung ist sowohl für die bebaute als auch die nicht bebaute Umwelt gleichermaßen von großer Bedeutung. Besondere Herausforderungen liegen in der Folgenbewältigung der Klimaveränderungen aufgrund akuter Extremwetterereignisse wie Starkregen, Überflutungen, Sturm und die Bewältigung der Folgen von Trockenheit und Hitzewellen. Hier erhalten entsprechende vorbeugende Schutzmaßnahmen nicht zuletzt mit Blick auf die Gesundheit der Bevölkerung einen neuen Stellenwert. Da Klimawirkungen nicht an Stadtgrenzen Halt machen empfiehlt sich zudem eine interkommunale Zusammenarbeit auch auf dem Gebiet der Klimafolgenanpassung. Durch gemeinsame interkommunale Vorgehensweisen lassen sich viele Synergieeffekte nutzen.

Für ländlich geprägte Räume spielt vor allem der Schutz vor Starkregenereignissen, die mit Sturzfluten verbunden sein können und der Errosionsschutz eine wichtige Rolle. Dies betrifft die Land- und Forstwirtschaft, den Natur- und Gewässerschutz sowie auch die Tourismusbranche und die Erholungsfunktion einer Landschaft in gleichem Maße. Zudem ist in der Forstwirtschaft von einer zunehmenden Beeinträchtigung durch Stürme auszugehen. Trockenheit spielt insbesondere in der Land- und der Forstwirtschaft eine wichtige Rolle.

Betroffenheit / Verwundbarkeit
Verschiedene Handlungs- bzw. Problemfelder lassen sich mit Blick auf das Stadtklima im Einflussbereich der Stadtplanung herauskristallisieren, dabei spielen im Siedlungsbereich vor allem eine Zunahme von Sommer- oder heißen Tagen, verbunden mit Hitzewellen und zunehmende Starkregenereignisse eine wichtige Rolle:

  • Hitzeinselproblematik in den dicht bebauten Innenstadtzentren aufgrund hoher Versiegelungsgrade und dichter Bebauung à übermäßige Aufheizung
  • Damit verbunden Absorption von Wärme durch Baumaterialien à eine zusätzliche und zeitversetzte Wärmeabstrahlung führt zu einer Verstärkung des Hitzeinseleffektes in heißen Sommernächten und damit zu Belastungen des menschlichen Organismus
  • Unzureichende Durchlüftung der Stadt, vor allem in stark verdichteten Vierteln und Innenstädten à Abtransport von Schadstoffen und warmer, verbrauchter Luft erfolgt nur unzureichend, zudem kann keine Frischluft aus außerhalb der bebauten Gebiete liegenden Kaltluftentstehungsgebieten zugeführt werden.
  • Niedrige Luftfeuchtigkeit und schlechte Luftqualität durch eine Vielzahl von Emittenten und durch einen geringen Anteil an Grün- und Wasserflächen, können zu Atemwegskrankheiten und anderen gesundheitlichen Belastungen führen.
  • Starkregenereignisse treffen auf hochgradig versiegelte Flächen à der Niederschlag kann nicht versickern und führt dadurch häufig zu einer Überlastung der Kanalisation und damit zu lokalen Überschwemmungen mit zum Teil großen Schäden an Gebäuden und Infrastruktur. Auch Unterführungen und Tiefgaragen stellen hier besonders gefährdete Orte dar, die es im Ernstfall zu meiden gilt!
  • Schneller Anstieg vor allem kleinerer Flüsse im Zuge von Starkregenereignissen, die zu Hochwasser und Überflutungen führen können.


Möglichkeiten der Anpassung

  • Mit Blick auf den Klimawandel erfährt der Grün- und Freiraum sowohl im Siedlungsbereich als auch in den Außenbereichen einen Bedeutungswandel von der reinen Freizeit- und Naherholungsfunktion, welche besonders in Ballungsgebieten im Zuge des fortschreitenden Klimawandels weiter gestärkt wird, hin zum Ausgleichsraum der städtischen Klimaveränderung. Dabei geht es in erster Linie darum, effektive Maßnahmen gegen die Überhitzung insbesondere der hochversiegelten Teilbereiche der Städte umzusetzen. Als Frischluftproduzenten, Luftbefeuchter und Erholungsraum mit Schattenfunktion spielen Grün- und Freiflächen bei der Klimafolgenanpassung daher eine immer größere Rolle. Auch Wasserflächen erhalten aufgrund ihrer klimaausgleichenden Funktion ebenfalls eine zusätzliche Bedeutung. Wasserelemente wie Teiche oder Wasserspiele, die durch ihre Verdunstung das Mikroklima verbessern können, sollten somit berücksichtigt werden. Neben innerstädtischen Frei- und Grünflächen werden auch gebäudebezogene Maßnahmen zur Dach-, und Fassadenbegrünung in die Überlegungen einbezogen.
  • Insbesondere bei der Gestaltung öffentlicher Plätze, aber auch im Straßenraum empfiehlt sich die Verwendung heller Materialien, die Sonneneinstrahlung reflektieren anstatt zu absorbieren. Die Ausnutzung dieses Albedoeffektes führt dazu, dass sich stark versiegelte Bereiche weniger stark aufheizen und den Hitzeinseleffekt damit verringern.
  • Die Fragen zum Umgang mit Freiflächen und deren Qualität, der weiteren Nachverdichtung auf Kosten von Grün- und Freiflächen sowie der Flächenversiegelungen im Stadtgebiet und im Umland erhalten mit Blick auf diesen Bedeutungswandel einen neuen Stellenwert, den es in das tägliche Planerdenken von Verwaltung, Politik und Investoren zu transportieren gilt. Hier steht das gesamte Instrumentarium der städtebaulichen Planung mit umfangreichem Kenntnis- und Erfahrungshintergrund von der Entwicklungsplanung über die Bauleitplanung (Flächennutzungsplanung, Bebauungspläne) bis hin zu Stadtumbau- und Sanierungsgebieten zur Verfügung. Klimaanpassungsmaßnahmen mit räumlichen Auswirkungen wie z.B. Maßnahmen zur Verschattung von Plätzen und Gebäuden sind hier entsprechend integrierbar. Wohlbekannte städtebauliche Strategien, wie z.B. die Stärkung der Innenentwicklung, die Stadt der kurzen Wege, die Sicherung und der Ausbau wertvoller Grün- und Freiräume erhalten so eine neue Bedeutung und sollten konsequent verfolgt werden.
  • Im Zuge einer Kartierung städtischer Klimatope können alle Flächen mit ihrer jeweiligen Wirkung auf das Stadtklima erfasst werden, neben den versiegelten Wohn- und Gewerbeflächen gilt dies auch für Grün- und Wasserflächen oder die Flächen für die Forst- und Landwirtschaft.
  • Mit Hilfe der örtlichen Bebauungspläne besteht die Möglichkeit die Mindestgrößen von Baugrundstücken und das Maß der baulichen Nutzung konkret und rechtsverbindlich so festzulegen, dass Gefahren durch Klimaveränderungen minimiert und stadtklimatische Verbesserungen gefördert werden.
  • Eine bessere Durchlüftung kann beispielsweise mit Hilfe verschiedener Stellschrauben beeinflusst werden. Festlegungen können die Ausrichtung der Gebäude, offene oder geschlossene Bauweise, die Höhe der baulichen Nutzung und den Versiegelungsgrad in einem Baugebiet bestimmen.
  • Die Betrachtung der im Baugesetzbuch definierten Schutzgüter (Boden, Wasser, Klima / Luft, Arten/Lebensräume, Landschaft, Landschaftsbild / Landschaftserleben, Mensch, Kultur und Sachgüter), welche im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsprüfung zu betrachten sind, muss zukünftig auch im Hinblick auf klimatische Risiken durchgeführt werden. So ist im Zuge eines sogenannten „Climate proofing“ zu schauen, inwiefern durch den Klimawandel Wirkungen auf eine geplante Maßnahme zu erwarten sind und welche Auswirkungen die geplante Maßnahme auf das Mikroklima oder die Situation vor Ort hat.
  • Klimafolgenanpassung erhält auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels mit der Zunahme des Anteils älterer Menschen eine wichtige Bedeutung, da diese besonders bei länger andauernden, großen Hitzewellen stärker von gesundheitlichen Beeinträchtigungen betroffen sind. Insofern sind nicht zuletzt zielgruppenspezifische Anpassungsstrategien zu bedenken. Im Rahmen der städtebaulichen Planung kann dabei bereits bei der Standortwahl für Seniorenheime, aber auch Krankenhäuser oder andere öffentliche Einrichtungen eine spätere Hitzebelastung durch richtige Entscheidungen verhindert werden.
  • Im Zuge von zunehmenden und intensiveren Starkregenereignissen stellt neben Schutzmaßnahmen an Gebäuden die Bereitstellung von Einstauflächen einen wichtigen Aspekt dar. Außerhalb der bebauten Gebiete sind an Flüssen genügend Retentionsflächen bereitzustellen, um die Siedlungsbereiche zu schützen. In hochverdichteten Bereichen wie z.B. dem Ruhrgebiet wird zunehmend dazu übergegangen bei Starkregenereignissen gezielt Parkplätze, Sportflächen oder andere Freiflächen zu fluten, um die Wassermassen zwischenspeichern zu können, oder Notwasserwege für betroffene Stadtteile einzurichten.
  • Zudem ist das Kanalnetz auf höhere Belastungen auszulegen. Hier können unterirdische Regenrückhaltebecken, die unter Plätzen oder anderen Freiflächen angelegt werden können, einen wichtigen Beitrag leisten.
  • Abflusshindernisse wie Engstellen, Brücken oder Verrohrungen stellen bei Hochwasser oder Sturzfluten an kleineren Flüssen ein zusätzliches Problem dar und sollten regelmäßig auf ihre Durchlässigkeit kontrolliert werden!
  • Ein weiteres kommunales Handlungsfeld bei der Anpassung an den Klimawandel ist die Sicherung der Trinkwasserversorgung in Quantität und Qualität sowie von Abwasseraufbereitungsanlagen im Rahmen des Hochwasserschutzes.

Wasserwirtschaft und Hochwasserschutz

Bezug zum Klimawandel
In diesem Handlungsfeld werden alle Bereiche der Wasserwirtschaft in Nordrhein-Westfalen zusammengefasst. Dabei handelt es sich um die Gewässerbewirtschaftung, die Talsperrenbewirtschaftung, die Wasserversorgung, die Siedlungsentwässerung und den Hochwasserschutz. Es sind spürbare Auswirkungen des Klimawandels auf diese Teilbereiche der Wasserwirtschaft zu erwarten, bzw. bereits heute spürbar. Dadurch entstehen erneut Wirkungsketten, die auch weitere Handlungsfelder beeinflussen. Allen voran seien hier beispielhaft die Landwirtschaft, die biologische Vielfalt oder auch die kommunale Planung genannt.

Die Bedeutung und Funktion der Wasserwirtschaft in Nordrhein-Westfalen ist vielfältig. Der Oberbegriff Wasserwirtschaft beschreibt die Bewirtschaftung der bestehenden Wasserressourcen durch die Gesellschaft, welche den zielgerichteten und zugleich schonenden Eingriff in den Wasserkreislauf beinhaltet. Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen möchte, dass die Gewässer so bewirtschaftet werden, dass sie als Bestandteil des Naturhaushaltes erhalten bleiben, möglichst ökologisch verbessert, die Trink- und Brauchwasserversorgung optimiert und Hochwasserrisiken gesenkt werden.

Die bereits eingetretenen und weiter voranschreitenden Veränderungen von Temperatur, Niederschlagsmenge, -intensität und –verteilung beeinflussen den Wasserhaushalt unmittelbar. Dabei sind insbesondere die Probleme, die mit einem zu viel oder zu wenig an Wasser einhergehen relevant. Eine größere Anzahl wechselseitig wirkender Faktoren beeinflusst zudem den vom Menschen geprägten Wasserkreislauf und die damit verbundenen technischen Teilkreisläufe, wie etwa die Entnahme von Rohwasser und die Einleitung von gereinigtem Abwasser. Zudem haben auch Klimaanpassungsmaßnahmen anderer Handlungsfelder Wirkungen auf die Wasserwirtschaft.

Betroffenheit / Verwundbarkeit

  • Steigende Temperaturen, häufigere und längere Hitzewellen in den Sommermonaten und damit einhergehende Trockenheit führt in diesen Zeiträumen zu einer Abnahme des Wasserdargebots. In der jüngeren Vergangenheit hat es wiederholt bereits im Frühjahr längere Trockenphasen gegeben, welche für das Pflanzenwachstum nachteilig waren. Hierunter hat vor allem die Landwirtschaft zu leiden, denen in trockenen Jahren Ernteeinbußen drohen. Je länger eine Trockenperiode anhält, desto mehr sinkt der Grundwasserspiegel ab. Dies führt einerseits zu Trockenstress für die Vegetation. Andererseits kann dadurch langfristig auch die Trinkwasserversorgung beeinträchtigt werden. Hier kann es passieren, dass Quellschüttungen zeitweise versiegen und Trinkwasserbrunnen daher ausfallen. Extremtemperaturen können zudem die Qualität des Trinkwassers im Leitungsnetz beeinträchtigen. Bei fehlender Durchmischung ist in solchen Situationen eine erhöhte Keimbelastung des Wassers nicht auszuschließen. Aufgrund der zahlreichen Talsperren in Nordrhein-Westfalen, die zwar ebenfalls durch längere Trockenperioden belastet werden können, ist hierzulande aus heutiger Sicht allerdings keine größere Trinkwasserversorgungsproblematik durch den Klimawandel zu erwarten. An Talsperren ist eher eine Einschränkung der touristischen Nutzung aufgrund von zu wenig (oder zu viel s.u.) Wasser wahrscheinlich, während zugleich die Wasserqualität durch steigende Temperaturen beeinträchtigt wird. Niedrigwasserstände auf Flüssen beeinträchtigen die Schifffahrt und können hier ebenfalls zu Nutzungseinschränkungen führen, welche sich vor allem dadurch äußern, dass die zulässige Beladung von Schiffen beschränkt wird oder sie gefährden festgelegte Mindestabflüsse. Auch Wasserkraftwerke leiden unter niedrigen Wasserständen und können ihre Arbeit in solchen Situationen möglicherwiese nur eingeschränkt wahrnehmen. Zudem sind Niedrigwasserstände und höhere Wassertemperaturen sowohl nachteilig für thermische Kraftwerke, die auf die Nutzung von Kühlwasser angewiesen sind, als auch für die in den Flüssen lebende Fauna. Durch steigende Wassertemperaturen kann es des Weiteren auch zu einer verstärkten Algenbildung in Flüssen und vor allem Seen kommen.
  • So wie Trockenperioden und Niedrigwasserstände zu Beeinträchtigungen und Nutzungseinschränkungen führen können, ist dies umgekehrt auch bei Hochwasser bzw. durch Überflutungen nach Starkregenereignissen der Fall, welche den überwiegenden Teil der in diesem Onlinehandbuch betrachteten Handlungsfelder negativ beeinflussen und daher weitreichende Wirkungsketten auslösen. Diese werden in den einzelnen Handlungsfeldern genauer aufgegriffen. Flusshochwässer stellen seit jeher ein Problem dar, welches dadurch verschärft wird, dass vor allem Siedlungen aber auch gewerbliche Nutzungen in den letzten Jahrzehnten immer näher an die Flüsse gerückt sind und heute teilweise in gesetzlich festgelegten Überschwemmungsgebieten liegen. Bei Hochwasser kann dies entsprechend zu großen Schadensereignissen führen. Des Weiteren geht bei Starkregen vor allem auch eine Gefahr von kleinen Bächen aus, die in kürzester Zeit zu reißenden Flüssen werden können. Hier stellen häufig vor allem bestehende Verrohrungen und Querbauwerke ein großes Problem dar.
  • Hohe Wasserstände an Talsperren können die touristische Nutzung der Seen beeinträchtigen. So kann es passieren, dass die Schifffahrt eingestellt werden muss, oder dass Uferwege oder Campingplätze bzw. andere direkt am Wasser gelegene Nutzungen überschwemmt werden und somit zeitweise nicht zur Verfügung stehen. Die Wasserversorgung wird beeinträchtigt, wenn Quellschüttungen, Brunnen oder die Wasserwerke selbst durch Hochwasser und darin gelöste Stoffe bzw. durch Bodenerosion als Folge von Starkregen verunreinigt werden. In solchen Fällen ist die Trinkwasserproduktion zeitweise einzustellen oder es sind entsprechende Aufbereitungsmaßnahmen zu treffen. Die Siedlungsentwässerung wird im Wesentlichen durch Starkregenereignisse beeinträchtigt, die von der Kanalisation nicht aufgenommen werden können. Dies betrifft insbesondere die kommunale Planung. Hier spielen auch die sogenannten flussungebundenen Sturzfluten (erhöhter Oberflächenabfluss) eine große Rolle. Zudem kann es vorkommen, dass Abwasserbehandlungsanlagen im Hochwasserfall überschwemmt werden. Das führt dazu, dass diese ihre Arbeit nicht mehr ordnungsgemäß verrichten können. In einem solchen Fall kann das eingehende Abwasser nur noch abgeschlagen und dem Vorfluter ungeklärt zugeführt werden.

Möglichkeiten der Anpassung

Die wasserwirtschaftlichen Handlungsfelder sind teilweise eng miteinander verzahnt. Sie sollten künftig auch aus Sicht der Anpassung an die Folgen des Klimawandels stärker integrativ betrachtet werden. Die verantwortlichen Akteure müssen zusammen Lösungsszenarien sowohl für Starkregenereignisse und Hochwässer als auch für Trockenperioden erarbeiten, die einerseits den langfristigen Funktionserhalt sicherstellen und andererseits systematisches Vorgehen im Katastrophenfall gewährleisten.

Die Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung sowie der Gewässerschutz sind wichtige Aufgabenbereiche für die Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen. Die Anpassung an den Klimawandel ist von vielen Wasserverbänden und Unternehmen der Trinkwasserversorgung schon als Zukunftsaufgabe erkannt worden. Konzepte für den Umgang mit Sturzfluten, Starkregenereignissen und Hochwasser sind in unterschiedlicher Form bereits entwickelt worden oder in Aufstellung.

  • Die Gewässerbewirtschaftung sollte zukunftsfähige Konzepte entwickeln, die es ermöglichen sowohl auf Niedrigwasser als auch auf Hochwasser flexibel zu reagieren. Zudem ist hier die weitergehende Verbesserung des Gewässerzustandes und der Gewässerökologie wichtig. Renaturierungsmaßnahmen tragen zudem auch erheblich zum Hochwasserschutz bei.
  • Den Talsperren kommt im Rahmen des Hochwasserschutzes eine wichtige Funktion zu. Über sie ist es möglich größere Wassermengen in den Einzugsgebieten der angeschlossenen Flüsse zwischen zu speichern und verzögert wieder abzugeben, um so Hochwasserspitzen abzumildern. Hierdurch können deutliche positive Effekte erzielt und verhindert werden, dass sich gleichzeitig eintretende Ereignisse, wie z.B. starke Regenfälle im Winter, die möglicherweise mit Schneeschmelze einhergehen, allzu sehr überlagern. Aus diesem Grund müssen Talsperren im Winter immer eine gewisse Pufferkapazität bereitstellen. Umgekehrt kann der Wasserstand kleinerer Flüsse, die an Talsperren angebunden sind, bei Niedrigwasser durch eine erhöhte Abgabe aus den Talsperren aufgestockt werden. Bei Bedarf gilt es hier weitergehende Konzepte zu entwickeln, um die Wasserversorgungssicherheit und den Hochwasserschutz durch die Talsperren langfristig zu gewährleisten. Auch der Umgang mit den teilweise konkurrierenden Nutzungen (Trinkwasser, Hochwasserschutz, Energie und Tourismus) ist dabei zu berücksichtigen. Bereits durchgeführte Projekte des Ruhrverbandes oder des Wasserverbandes Eifel-Rur können hier Erkenntnisse liefern.
  • Zur langfristigen Sicherstellung der Trinkwasserversorgung bedarf es noch weitergehender Erkenntnisse. Hier sind zunächst Forschungsvorhaben mit Bezug zur sich verändernden Ressourcenverfügbarkeit und der Gewässergüte von besonderer Bedeutung. Dabei ist das Monitoring der Wassertemperaturen und der Keimbelastung der Gewässer ein wichtiger Aspekt im Rahmen des fortschreitenden Klimawandels.
  • Bei zukünftigen Infrastruktur- und Stadtplanungsprojekten sollten bereits in der Planungsphase mögliche Probleme durch Starkregen oder Hochwasser am jeweiligen Standort mit bedacht und entsprechende Maßnahmen (siehe Handlungsfelder Stadtentwicklung und kommunale Planung, Bauen & Wohnen sowie Industrie und Gewerbe) ergriffen werden, um spätere Schäden zu vermeiden. Dazu zählen auf gesamtstädtischer Ebene auch die Entwicklung vorbeugender Strategien zum Schutz vor den Folgen von Sturzfluten durch perspektivische Rückbauprojekte und Entsiegelungen, sowie das Freihalten von möglichen Abflussbahnen.
  • Wie die Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, ist auch der Hochwasserschutz in allen Bereichen noch weiter zu verbessern und auf ein höheres Schutzniveau auszubauen. Zudem ist über eine Angleichung der Bemessungshochwasserquotienten auf eine andere Jährlichkeit (Wiederkehrintervall) von Ereignissen nachzudenken.

Menschliche Gesundheit

Bezug zum Klimawandel
Das Thema menschliche Gesundheit spielt im Zuge des Klimawandels ebenfalls, insbesondere im städtischen Raum und den hochverdichteten Ballungsgebieten, eine wichtige Rolle. Alle Bevölkerungsgruppen können gesundheitlich von den Folgen des Klimawandels betroffen sein, wobei vor allem neugeborene sowie alte, pflegebedürftige und kreislaufschwache Menschen unter den Folgen des Klimawandels leiden. Neben den direkten Auswirkungen wie der steigenden Hitzebelastung und der Gefährdung durch andere Extremwetterereignisse haben auch einige schleichende Klimawirkungen, wie z.B. die Ausbreitung neuer Krankheitserreger und deren Verbreitung über Neobiota, indirekte Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit.

Das Handlungsfeld orientiert sich hinsichtlich der Prävention und der akuten Gefahrenabwehr an den bestehenden Strukturen und Zuständigkeiten im Gesundheitswesen.

Betroffenheit/Verwundbarkeit
Die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels in der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas können in unterschiedliche Gefährdungsbereiche untergliedert werden. Diese sind:

  • Ein zentrales gesundheitliches Problem infolge des Klimawandels sind zunehmende Erkrankungen sowie eine Minderung der Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit oder Störungen des Wohlbefindens und eine allgemeine Belastung des Herz-Kreislauf-Systems aufgrund von verstärkt auftretenden Hitzeereignissen. Neben Dehydrierung sind dabei Sonnenstiche oder Hitzschlag weit verbreitet. Aber auch andere Wetterextreme wie Starkregen und Sturm, oder auch Kälte können zur gesundheitlichen Gefährdung der Bevölkerung führen.
  • Durch den allgemeinen Temperaturanstieg muss mit einer stärkeren Ausbreitung evtl. aber auch Resistenz von Krankheitserregern sowie dem Aufkommen neuer Krankheitsbilder gerechnet werden, die beispielsweise durch Mücken oder auch Zecken bzw. andere eingewanderte und vom Klimawandel profitierende Arten übertragen werden.
  • Allergiker werden durch den Klimawandel insofern belastet, als dass es vermutlich auch zu einer Zunahme von Allergien aufgrund neuartiger Pollen durch eingewanderte Arten, einer generell längeren Pollenflugsaison durch die Verlängerung der Vegetationsperiode und dadurch bedingt einer stärkeren und früheren Pollenfreisetzung bzw. einer höheren Anzahl von Allergenen in den Pollen kommt.
  • Durch höhere Temperaturen und mehr Hitzewellen, die auch mit einer verstärkten Sonneneinstrahlung einhergehen, steigt das Hautkrebsrisiko, weil auch die UV-Belastung zunehmen wird.
  • In Folge des weitergehenden Anstiegs der Durchschnittstemperaturen besteht zusätzlich die Gefahr der Zunahme von Lebensmittelinfektionen aufgrund eines steigenden Kühlbedarfs, aber auch der Beeinträchtigung der Trinkwasserqualität, was im Falle des Verzehrs zu gesundheitlichen Folgen führen kann.
  • Die Klimaveränderungen werden insbesondere in den Sommermonaten außerdem zu einer Verschlechterung der Luftqualität durch höhere Feinstaubkonzentrationen beitragen, was wiederum zu Atemwegsinfekten führen und eine mögliche Hitzebelastung zusätzlich verstärken kann.


Möglichkeiten der Anpassung
Zur Verringerung der Hitzebelastung und damit zur Verbesserung der Situation für die Bevölkerung tragen alle Maßnahmen bei, die in den jeweiligen Handlungsfeldern für die Klimawirkung Hitzestress genannt wurden. Darüber hinaus sind beispielsweise folgende Maßnahmen für das Handlungsfeld Menschliche Gesundheit von Relevanz:

  • Eine Aufgabe der Stadtentwicklung besteht z.B. darin Hitzeinseln zu erkennen und ihnen im Bereich von Senioreneinrichtungen, Kindergärten und Schulen gezielt entgegenzuwirken.
  • Zudem ist es wichtig, die Stadt- und Nutzungsstrukturen auf Risiken bei extremen Wetterereignissen hin zu überprüfen, die der Gesundheit Schaden zufügen können.
  • Die Überwachung der Lufthygiene ist im Bundesimmissionsschutzgesetz und in der Bundesimmissionsverordnung verankert. Die Stadtentwicklung kann durch den Erhalt und die Ausweitung von Grün-, Frei- und Wasserflächen nicht nur die Hitzebelastung verringern, sondern auch einen konkreten Beitrag zur Filterung der Luft und damit zur Lufthygiene leisten.
  • Die Ausweisung von Umweltzonen empfiehlt sich, um die Luftqualität dauerhaft zu verbessern.
  • Aufklärung und Sensibilisierung von besonders betroffenen Bevölkerungsgruppen, wie z.B. Senioren, mit Verhaltenstipps bei Hitzewellen, oder gezielte Aufklärung von Allergikern und rechtzeitige Herausgabe von Hitzewarnungen.
  • Einführung von sogenannten „Trinkpatenschaften“, die dafür sorgen, dass von gefährdeten Bevölkerungsgruppen genügend Flüssigkeit zu sich genommen und auf ausreichend Sonnenschutz geachtet wird.
  • Sensibilisierung der lokalen Entscheidungsträger in betroffenen Einrichtungen zur Ergreifung entsprechender Maßnahmen z.B. bei Hitze; stärkere Kontrollen der Heimaufsicht in Alten- und Pflegeheimen.
  • Zudem sollte geprüft werden, inwiefern die gesundheitliche Versorgung sowie die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Pflegekräften vor dem Hintergrund der Folgen des Klimawandels anzupassen ist.
  • Die Forschung zu den klimawandelbezogenen Gesundheitsrisiken und den damit verbundenen Folgen und der Wissenstransfer der Ergebnisse an die Akteure aus dem Gesundheitswesen aber auch an die Betroffenen sollten ausgeweitet werden.

Landwirtschaft und Fischerei

Bezug zum Klimawandel
Die Landwirtschaft ist seit jeher abhängig vom Witterungsverlauf und somit in besonderer Weise auch vom Klimawandel betroffen. Für Landwirte gilt es, sich Jahr für Jahr mit den aktuellen Bedingungen auseinander zu setzen, dabei aber auch langfristige Veränderungen im Blick zu haben und sich zukunftsfähig auszurichten. Daher besteht in diesem Handlungsfeld einerseits eine hohe Verwundbarkeit gegenüber Extremwetterereignissen wie Starkregen und Hagel sowie Trockenheit und Hitze. Andererseits haben die schleichenden Prozesse wie der allgemeine Temperaturanstieg, Niederschlagsveränderungen und Veränderungen der CO2-Konzentration in der Atmosphäre Einfluss auf das Pflanzenwachstum. Die regionalen Unterschiede im Klimawandel kommen für die Landwirtschaft in besonderer Weise zum Tragen, so dass die Betroffenheit je nach Region unterschiedlich ausgeprägt sein kann und somit unterschiedliche Anpassungsmaßnahmen sinnvoll sein können. Die Fischereiwirtschaft spielt in Nordrhein-Westfalen dagegen eine eher untergeordnete Rolle. Für die Fluss- und Seenfischerei sind vor allem steigende Wassertemperaturen und Niedrigwasserstände problematisch.

Dieses Handlungsfeld lässt sich nur eingeschränkt durch eine Kommune gestalten. Dennoch spielt die Landwirtschaft insbesondere in vielen ländlichen Regionen auch als Wirtschaftsfaktor eine nicht unbedeutende Rolle. Nicht zuletzt haben Probleme in der Landwirtschaft bei Extremwetterereignissen auch zum Teil erhebliche Auswirkungen auf die Siedlungsbereiche, weshalb dieses Handlungsfeld in diesem Onlinehandbuch behandelt wird. Wichtig ist daher auch die Vernetzung der betroffenen Akteure innerhalb der Kommunen und Regionen.

Betroffenheit / Verwundbarkeit
Die Landwirtschaft ist auf vielfältige Weise von den Folgen und Auswirkungen des Klimawandels betroffen, aber auch die Fischerei ist im Zuge des Klimawandels anfällig. Daneben ergeben sich insbesondere für die Landwirtschaft aber auch Chancen, die genutzt werden können.

Landwirtschaft

  • Hitze kann Pflanzen schädigen und somit zu Ernteausfällen führen; Pflanzen leiden ebenso wie Menschen unter länger anhaltender Hitze und starker Sonneneinstrahlung, die auch bei Pflanzen oder auch Früchten zu Verbrennungen führen kann.
  • Lang anhaltende Trockenphasen beeinträchtigen den Wasserhaushalt, das führt zu Trockenstress und letztlich zu Dürreerscheinungen, die erhebliche Ernteausfälle nach sich ziehen können; durch häufigere Trockenperioden steigt zudem die Gefahr von Flächenbränden auch außerhalb der Sommermonate.
  • Des Weiteren ist die Landwirtschaft sehr verwundbar durch Starkregenereignisse oder Hagelschlag, dadurch können ganze Ernten in kurzer Zeit vernichtet werden. Entlang von Flüssen stellen Überflutungen durch Hochwasser eine Gefahr für die Ackerkulturen dar. Zudem sind viele landwirtschaftliche Standorte in Hügel- oder Hanglagen durch Bodenerosion in Folge von Starkregenereignissen betroffen, da die dort angepflanzten Früchte den Boden nur unzureichend halten können. Dies führt auch immer wieder dazu, dass der Abtrag des besonders fruchtbaren Bodens Straßen verschlammt oder gar in Siedlungsbereiche flutet.
  • Bodenerosion kann auch durch Wind verursacht werden, wodurch ebenfalls wertvoller Oberboden verloren geht. Dies ist vor allem in den Bördebereichen ein nicht zu unterschätzendes Problem.
  • Es muss zudem bei weiter steigenden Temperaturen und einer höheren Luftfeuchtigkeit mit häufigerem Schaderregerbefall gerechnet werden, da diese Bedingungen sowohl den heimischen als auch einwandernden Schädlingen zugutekommen.
  • Zur Landwirtschaft zählt auch die Viehaltung; jegliche Nutztiere können ebenso wie Menschen unter Hitzestress leiden, so dass die Tierhaltung ebenfalls entsprechender Anpassungsmaßnahmen bedarf.
  • Gleichzeitig besteht eine Chance für die Landwirtschaft darin, dass sich im Zuge des Klimawandels die Standortbedingungen für den Ackerbau, abgesehen von den Gefahren, auch verbessern könnten. Ein moderater Temperaturanstieg bei ausreichender Wasserversorgung könnte das Ertragspotenzial in einigen Gebieten steigern. Zudem sind durch die Verlängerung der Vegetationsperiode andere Fruchtfolgen oder sogar mehr Ernten möglich. Dies nutzt in erster Linie der Produktivität von C4 Pflanzen (Mais, Sorghum, Hirse). Dabei ist auch eine Ausweitung der Anbaugebiete nach Norden möglich und wahrscheinlich. Allgemein besteht durch den Temperaturanstieg die Möglichkeit, neue, wärmeliebende Arten anzupflanzen.
  • Ebenso ist die Zunahme des Anteils von Kohlendioxid in der Atmosphäre allgemein günstig für das Pflanzenwachstum, da die Wassernutzungseffizienz verbessert wird. Besonders günstig wirkt sich dies auf C3 Pflanzen (Weizen, Zuckerrübe, Kartoffel) aus, da für sie die derzeitige CO2-Konzentration einen limitierenden Faktor darstellt.


Fischereiwirtschaft

  • Mit steigenden Durchschnittstemperaturen und häufigeren Hitzewellen steigen auch die Wassertemperaturen, was zusätzlich bei stehenden Gewässern mit einem Sauerstoffmangel in den Gewässern einhergeht. Dadurch steigt das Risiko eines Fischsterbens besonders in den Sommermonaten an.
  • In Seen und Auengewässern kann es während der Niedrigwasserphasen im Hochsommer infolge erhöhter Verdunstung zu Einschränkungen der Befischbarkeit in Randbereichen und einer beschleunigten Verlandung von Uferbereichen kommen, die als Aufwuchsgebiete für Jungfische dienen.
  • Die Produktion in Aquakulturen, beispielsweise zur Forellenzucht, wird durch höhere Wassertemperaturen und einen verringerten Zufluss von Kalt- oder Frischwasser in den Sommermonaten beeinträchtigt.


Möglichkeiten der Anpassung
Anpassungsmaßnahmen des Handlungsfeldes Landwirtschaft und Fischerei sind in vielen Bereichen möglich, z.B. bei der konkreten Gefahrenabwehr oder in Bezug auf die Anbaumethoden, die Nutzung angepasster Pflanzen oder auch den Umgang mit neu eingewanderten Arten. Anpassungsmaßnahmen sind beispielsweise:

  • Die Ausweitung der Bewässerung von landwirtschaftlichen Kulturen dort wo notwendig und damit verbunden die Weiterentwicklung der Beregnungs- bzw. Bewässerungsverfahren.
  • Anfällige Pflanzen oder Früchte können durch Abdeckungen vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden.
  • Beim Umgang mit den Folgen von Starkregen und Hochwasser, insbesondere Bodenerosion, helfen sogenannten Uferrandstreifen, die einen Eintrag in Gewässer verhindern. Auf die gleiche Weise lassen sich Ackerflächen hin zu Straßen und Wegen abgrenzen. Siedlungsbereiche können beispielsweise durch Mauern geschützt werden. Darüber hinaus lässt sich Bodenerosion durch Veränderungen der Anbaumethoden (z.B. Querflügen), die Befestigung der Böden über sogenannte Bodendecker oder einen entsprechenden Verzicht auf Pflanzen, die den Boden nicht halten können, wie z.B. Mais, in gefährdeten Lagen verringern oder sogar verhindern.
  • Zudem ist es möglich Pflanz- oder Bewirtschaftungsvorschriften zu erlassen, die die Anpflanzung bestimmter Pflanzen in gefährdeten Gebieten oder Zonen (Bsp. Cross Compliance), oder das Pflügen und Pflanzen in Hangrichtung aufgrund der Gefährdung durch das hangabwärts geführte Regenwasser verbieten.
  • Gegen Winderosion helfen z.B. Gehölzschutzstreifen oder Hecken, die verhindern, dass sich Windböen auf Ackerflächen ungehindert ausbreiten können.
  • Zum Umgang mit Schaderregern bedarf es weiterer Forschung zu umweltgerechten Lösungen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Entwicklung und Vermittlung klimaangepasster pflanzenbaulicher Produktionssysteme.
  • Die Züchtung von klimaresistentem Saatgut kann Erträge nachhaltig sichern und unterstützt evtl. auch die regionalspezifische Anpassung, sofern unterschiedliche Standortbedingungen berücksichtigt werden.
  • Anpassungsmaßnahmen in der Viehhaltung können sich an denen der Stadtplanung bzw. des Handlungsfeldes Bau orientieren, sei es in Bezug auf Schatten spendende Elemente auf Weiden, oder klimaangepasste Stallungen.
  • Die Fischereiwirtschaft muss sich ebenfalls entsprechend ihrer Betroffenheit anpassen, wobei vor allem die Produktionsbedingungen in der Aquakultur verbessert werden können.
  • Information und Beratung betroffener Betriebe und Eigentümer über die erwarteten Klimaveränderungen helfen, die grundsätzliche Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken sowie die Meinungsbildung als Grundvoraussetzungen für Investitionsentscheidungen in Gang zu setzen.

Wald und Forstwirtschaft

Bezug zum Klimawandel

Rund 27% der Landesfläche Nordrhein-Westfalens sind mit Wald bedeckt, so dass das Land über große Waldflächen und Holzressourcen verfügt. Wälder erfüllen neben ihrer Erholungs- und Tourismusfunktion auch wirtschaftliche Funktionen, darüber hinaus erbringen sie auch vielfältige ökologische Leistungen und sind somit entsprechend u.a. dem Klimaschutz zuträglich. Der Wald ist daher Erholungsraum, Rohstofflieferant und Wertanlage, er bietet Flächen für den Natur- und Artenschutz und prägt zusammen mit der Landwirtschaft die Kulturlandschaft in NRW. In der Forstwirtschaft herrschen jedoch, anders als in der Landwirtschaft, sehr lange Planungs- und Entwicklungszeiträume, wodurch die Wälder neben Extremwetterereignissen besonders auch von den langfristigen Folgen des Klimawandels betroffen sind. Aufgrund der langen Planungszeiträume in der Forstwirtschaft ist eine kurzfristige Anpassung der Bestände nicht möglich. Viele Baumarten benötigen zwischen 60 und 180 Jahre bis zur Schlagreife.

Unterschiede in der Betroffenheit durch den Klimawandel lassen sich an den verschiedenen Standorten feststellen. So sind für Mittelgebirgsregionen wie das Sauer- und Siegerland oder die Eifel zum Teil andere Klimaentwicklungen wahrscheinlich als für das Münster- oder das Rheinland.

Die relevanten Klimafolgen für die Wälder ergeben sich im Wesentlichen aus den fortschreitenden Temperatur- und Niederschlagsveränderungen, die für die verschiedenen Standorte zukünftig zum Teil erhebliche negative Auswirkungen haben werden. Hinzu kommen vor allem Extremwetterereignisse wie zunehmende und heftigere Stürme, vermehrte Trockenperioden und eine erhöhte Belastung durch Schadinsekten und daraus resultierende Schlussfolgerungen für die Baumartenwahl und die Waldbewirtschaftung. Es kann daher sein, dass heimische Baumarten sehr empfindlich auf den Klimawandel reagieren und nicht mehr uneingeschränkt in Nordrhein-Westfalen angebaut werden können. Das führt dazu, dass sich die Lagegunst gebietsfremder Arten verbessern wird, weil diese besser an Wassermangel und höhere Windgeschwindigkeiten angepasst sind.

Auch das Handlungsfeld Wald und Forstwirtschaft ist nur bedingt durch die kommunale Ebene beeinflussbar, allerdings sind Kommunen als Waldbesitzer für die Anpassung und den Umbau in ihren Wäldern zuständig. Wälder im Landes-, Staats- oder Kommunalbesitz sind genauso vom Klimawandel betroffen wie Wälder im Privatbesitz.

Betroffenheit/Verwundbarkeit

Die Forstwirtschaft muss sich insgesamt an die sich ändernden Rahmenbedingungen anpassen. Extremwetterereignisse wirken sich auf die kurzfristigen Nutzungsmöglichkeiten aus, können aber in der Forstwirtschaft gleichzeitig auch langfristige Schäden verursachen. Sturmereignisse, Waldbrände oder Hangrutschungen zerstören dabei nicht nur die Waldflächen, sondern beeinträchtigen auch Infrastrukturen (Straßen, Schienenwege, Versorgungsleitungen und Wanderwege), so dass zahlreiche Wirkungsketten zu anderen Handlungsfeldern entstehen.

  • Der allgemeine Temperaturanstieg wird dazu führen, dass sich vielerorts die Standortbedingungen insofern verändern werden, dass Baumarten, die eher kühle Standorte bevorzugen, dort verdrängt werden könnten.
  • Die Verschiebung der Niederschläge führt ebenfalls zu veränderten Standortbedingungen, die nicht von jeder Baumart dauerhaft mitgetragen werden können.
  • Höhere Maximaltemperaturen und längere Trockenperioden werden vielfach zu Trockenstress für die heimischen Baumarten führen. Insbesondere die weit verbreitete und auf viel Wasser angewiesene Fichte, die zusätzlich sehr sturmanfällig ist, wird dieser Entwicklung nur schwer folgen können und daher nach und nach durch andere Baumarten ersetzt werden müssen. Zudem sind Probleme durch Trockenheit vor allem auf den sandigen und daher wenig speicherungsfähigen Böden des Münsterlandes zu erwarten.
  • Grundwasserschwankungen werden Wälder zukünftig vor Probleme stellen – bei weit absinkenden Grundwasserständen droht Trockenstress, bei hoch anstehendem Grundwasser die Gefahr von Vernässung, welche Schädlinge begünstigt und die Standfestigkeit beeinträchtigt.
  • Trockenheit und Hitze führen darüber hinaus auch zu einer erhöhten Waldbrandgefahr, der sich die Waldbesitzer stellen müssen. Insbesondere im Rahmen der Gefahrenabwehr kommt den Kommunen in diesem Bereich eine wichtige Funktion zu.
  • Eine besondere Gefährdung für die Waldwirtschaft geht von häufiger auftretenden und schwereren Stürmen aus, die große Schäden verursachen können. Davon sind nicht selten auch an Wälder angrenzende Siedlungsbereiche und Verkehrswege betroffen. Teilweise werden ganze Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten und auch deren Stromversorgung unterbrochen.
  • Stürme können über das kurzzeitige Ereignis hinaus auch langfristige Folgen für die Waldwirtschaft nach sich ziehen, wenn aufgrund der großen Mengen anfallenden Holzes der Absatzmarkt einbricht. Sturmschäden und feuchte Bedingungen fördern zudem die Ausbreitung von Insektenkalamitäten.
  • Starkregenereignisse, die häufig mit Stürmen oder Starkwindböen einhergehen, führen neben der Aufweichung von Böden, welche die Standfestigkeit der Bäume zusätzlich beeinträchtigt, nicht selten auch zu Erosionserscheinungen auf Waldböden oder zu Hangrutschungen, die weitere Wirkungsketten in Gang setzen.


Möglichkeiten der Anpassung
Eine zentrale Anpassungsmaßnahme des Handlungsfeldes Wald und Forstwirtschaft ist der mittel- und langfristige Waldumbau, der bereits seit einigen Jahrzehnten betrieben wird. Ziel ist es die Wälder naturnah zu gestalten und gegenüber den Folgen von Klimawandel, Schädlingsbefall und anderen Belastungen resilient zu machen. Dabei sollen die Wälder durch ihre nachhaltige und naturnahe Bewirtschaftung sowie innovative Anbaumethoden geschützt und ihre Leistungsfähigkeit gesichert werden.

  • Ein wichtiger Faktor im Rahmen des Waldumbaus ist die Ausweitung des prozentualen Anteils von Mischwaldstrukturen. Dies stärkt das Waldgefüge. Gerade bei Sturmereignissen sind Mischwälder widerstandsfähiger als Monokulturen. Fichtenmonokulturen, wie sie insbesondere im Sauer- und Siegerland häufig vorkommen, werden nicht dauerhaft gegen die Folgen des Klimawandels gewappnet sein.
  • Neben der Konzentration auf die ursprünglich natürlichen Baumarten wird der Waldumbau dazu führen müssen auch verstärkt gebietsfremde, neue Baumarten anzupflanzen, die besser an ein höheres Temperaturniveau, Wassermangel und höhere Windgeschwindigkeiten angepasst sind.
  • Da die Verwendung nicht einheimischer aber angepassterer Baumarten jedoch grundsätzliche Veränderungen des Waldökosystems nach sich ziehen kann, ist es im Vorfeld wichtig diese auf Versuchsflächen ausführlich zu testen.
  • Insgesamt ist die Forschung auf diesem Gebiet im Zuge des fortschreitenden Klimawandels sehr wichtig. Dabei kann auch die Einrichtung eines dynamischen Waldinformationssystems und der Ausbau des entsprechenden Monitorings, wie im Klimaschutzplan NRW vorgesehen, einen Beitrag leisten.
  • Die Aufklärung über die Auswahl angepasster Baumarten bei Neuanpflanzungen im Forstbereich auf Basis von Standortanalysen ermöglicht es, individuelle Ziele zu berücksichtigen. Die Züchtung von Saatgut und dessen Anpassung an die veränderten Klimabedingungen führt zu nachhaltigem Ertrag und kann unter Umständen regional angepasst werden.
  • Allgemein ist die Information und Beratung betroffener Betriebe und Eigentümer über die erwarteten Klimaveränderungen wichtig und hilft, die grundsätzliche Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken sowie die Meinungsbildung als Grundvoraussetzung für Investitionsentscheidungen in Gang zu setzen.
  • Die Einrichtung bzw. Erhaltung und Sicherung von Feuerlöschteichen sowie die Weiterentwicklung von Frühwarnsystemen (Waldbrandindex usw.) in brandgefährdeten Waldgebieten kann die möglichen Risiken des erwarteten Temperaturanstiegs und zunehmender Trockenperioden auf den Waldbestand und die angrenzende Nutzung minimieren. Hier besteht insbesondere ein Handlungspotenzial für Kommunen.

Tourismuswirtschaft

Bezug zum Klimawandel und Bedeutung für NRW
Der Klimawandel stellt auch für die Tourismusbranche eine Herausforderung dar. Hier ergeben sich neben Risiken jedoch auch vermehrt Chancen durch den fortschreitenden Klimawandel. Risiken und Chancen liegen dabei häufig eng beieinander. Frühzeitige konzeptionelle Reaktionen auf die Folgewirkungen des Klimawandels sind für den Tourismus und Kulturangebote ein Beitrag zur nachhaltigen Standortsicherung. Insbesondere die ländlichen Regionen werden je nach Ausprägung zukünftig vom Klimawandel profitieren oder an Attraktivität verlieren. Die Betrachtung der für die Tourismusbranche relevanten Klimafolgen liefert vor allem Argumente für die Entwicklung jahreszeitlich und witterungsunabhängiger Tourismusangebote. Für die Sicherung der Tourismusinfrastrukturen werden daher zukünftig Konzepte für einen Ganzjahrestourismus benötigt. Verschiedene Regionen haben bereits mit einer Diversifizierung des Angebotes begonnen.

Für Kommunen, die einen Teil Ihrer Wertschöpfung aus dem Tourismus generieren, empfiehlt es sich zu überprüfen, welche Risiken und Verwundbarkeiten sich in Zukunft ergeben könnten. In einem ersten Schritt müssen Verwaltung und Politik dafür sensibilisiert werden, dass der lokale Tourismus betroffen sein kann. Zudem sollte festgelegt werden, welche Rolle die Tourismuswirtschaft in einer Kommune oder Region zukünftig spielen soll. Insgesamt stärkt der Tourismus die Wirtschaft häufig dort, wo das naturräumliche Potential fehlende andere Einkommensmöglichkeiten (z.B. industrieller Art) ausgleichen kann. In den Hochlagen des Sauerlandes nimmt z.B. der Wintersport eine wichtige Rolle in der lokalen und regionalen Wertschöpfung ein. Die von Klimaänderungen direkt betroffenen Akteure (z.B. Hotels und Gaststätten, Anlagenbetreiber, Reiseveranstalter) benötigen Zeit, um Anpassungsmaßnahmen zu entwickeln, zu finanzieren und umzusetzen.

Für das Land Nordrhein-Westfalen wurde der Masterplan Tourismus erarbeitet und im Jahr 2015 fortgeschrieben. Auch wenn dieser nicht direkt auf den Klimawandel eingeht, kann dennoch mit dessen Hilfe auch auf die zu erwartenden Veränderungen reagiert und die zukünftigen Entwicklungen gesteuert werden.

Kommunen und vor allem die regionalen und zentralen Tourismusverbände können Hilfestellungen und Konzepte auf den Weg bringen, um die überwiegend privatwirtschaftlich organisierten Akteure im Tourismus zu sensibilisieren und zu innovativen witterungsunabhängigen Angeboten zu motivieren. Dies kann sowohl präventiv geschehen als auch als Reaktion auf besondere oder wiederkehrende Ereignisse (z.B. der Orkan Kyrill oder Hochwasser am Rhein).

Die Auswirkungen des Klimawandels wirken sich auf die einzelnen Segmente des Tourismus in NRW durchaus unterschiedlich aus. Bei Städte-, Geschäfts-, Kultur- und Eventreisen sind kaum nennenswerte Auswirkungen zu erwarten. Dagegen ist besonders der Wintersporttourismus von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Dies gilt darüber hinaus auch für die anderen Segmente des naturnahen Tourismus. In diesen Bereichen können sich unmittelbare Auswirkungen auf das Leistungsangebot und die Aufenthaltsbedingungen ergeben. Darüber hinaus ist die Tourismusbranche im Zuge von Wirkungsketten auch im Rahmen der Verwundbarkeit anderer Sektoren durch Einschränkungen betroffen. In diesem Bereich bestehen enge Verbindungen insbesondere zum Verkehrssektor.

Betroffenheit / Verwundbarkeit / Chancen

  • Der allgemeine Temperaturanstieg wird mittelfristig dazu führen, dass die heute schon nicht mehr uneingeschränkt bestehende Schneesicherheit in den Hochlagen der Mittelgebirge weiter abnehmen wird. Davon ist insbesondere der Wintersporttourismus im Sauerland betroffen. Hier ist von einer hohen Verwundbarkeit auszugehen. Durch ausbleibenden Schnee in den Wintermonaten sind zukünftig vermehrt Umsatzeinbußen zu erwarten, die es entsprechend zu kompensieren gilt. Räumliche Anpassungen des Wintersporttourismus sind aufgrund der begrenzten Höhenlagen in Nordrhein-Westfalen über 500m nicht möglich. Der vermehrte Einsatz von Schneekanonen zur Herstellung von Kunstschnee, die erst bei unter 0°C Schnee produzieren können, ist aufgrund der steigenden Temperaturen und dem damit verbundenen hohen Energieaufwand kein wirkliches Zukunftsmodell. Daher gilt es an dieser Stelle alternative Tourismuskonzepte ins Auge zu fassen.
  • Auch zunehmende Starkregenereignisse stellen ein Risiko für die Tourismuswirtschaft dar. Zum einen können im Mittelgebirgs- oder ländlichen Raum durch durch Starkregen ausgelöste Sturzfluten, Hangrutschungen oder Erosionserscheinungen für die Tourismuswirtschaft wichtige Infrastrukturen beeinträchtigt oder gar zerstört werden. Des Weiteren stellen in den Sommermonaten gehäuft auftretenden intensive Starkregenereignisse eine Gefahr für viele öffentliche Veranstaltungen unter freiem Himmel dar. Bei Starkregen besteht Überflutungsgefahr, bei Blitzschlag Gefahr für Leib und Leben. Hochwasser beeinträchtigt zum einen Wassersportarten, zum anderen ist der Ausflugstourismus eingeschränkt, wenn Schiffe nicht fahren können. Überschwemmungen stellen auch ein Problem für direkt am Wasser gelegene Campingplätze dar.
  • Weitere Auswirkungen des Klimawandels können sich auf das Leistungsangebot oder die Aufenthaltsbedingungen des naturnahen Tourismus auswirken, die sich unmittelbar im Gästeaufkommen niederschlagen: hierzu zählen z.B. kurzfristige Ereignisse (z.B. Stürme oder Waldbrände), die das Saisongeschäft von Urlaubsregionen durch ausbleibende Besucher sehr negativ beeinflussen. Dies ist besonders für die Regionen relevant, die einen saisonalen Schwerpunkt haben oder überwiegend Kurzurlaube anbieten. Des Weiteren sind Veränderungen bei der Verfügbarkeit von Trink- aber auch Brauchwasser in langanhaltenden Hitze- und Trockenperioden nicht auszuschließen. Aber auch mögliche Veränderungen der Biodiversität können Auswirkungen auf die Tourismusbranche haben. Gleiches gilt für zunehmenden Schädlingsbefall oder auch Waldschäden nach Stürmen sowie die Algenbildung in Gewässern. Ein intakter Naturhaushalt und funktionierende Verkehrsanbindungen bilden die Grundlage für viele Tourismusangebote in NRW.
  • Darüber hinaus kann die Tourismusbranche durchaus auch vom Klimawandel profitieren. Durch mehr Sommertage (Tmax. >25°C) oder heiße Tage (Tmax. >30°C) und den damit einhergehenden Attraktivitätsverlust der klassischen Urlaubsgebiete am Mittelmeer sind zunehmend positive Auswirkungen für die Tourismuswirtschaft im Sommer möglich. Verlieren Innenstädte bei Hitzewellen an Aufenthaltsqualität, so steigt diese im ländlichen Raum dagegen an. Die Erholungsfunktion von Wäldern, Badeseen und Talsperren wird an Bedeutung zunehmen. Wohingegen bei längeren Hitzeperioden die Wasserqualität der Badeseen sinken dürfte. Durch den Temperaturanstieg steigt zudem die Möglichkeit bei Abnahme der Schneesicherheit ganzjährige Wander- oder Sportangebote zu platzieren.


Möglichkeiten der Anpassung
Aufgrund der engen Verknüpfung der Tourismusbranche zu anderen Handlungsfeldern gelten viele der dort aufgeführten Möglichkeiten zur Anpassung auch für diesen Sektor. Dies betrifft insbesondere Anpassungsmaßnahmen an Infrastruktur oder Gebäuden. Darüber hinaus gibt es auch für die Tourismuswirtschaft individuelle Anpassungsoptionen:

  • Für das Gastgewerbe empfiehlt sich ein Selbstcheck zur möglichen Betroffenheit gegenüber den Folgen des Klimawandels, wie z.B. die Entwicklung eines Prüfkataloges für sensible Einrichtungen, Anlagen und Gebäude auf mögliche Schäden im Zusammenhang mit Klimaveränderungen (z.B. Starkregen, Hagel, Hochwasser).
  • Zudem empfehlen sich regionale Vulnerabilitätsanalysen für den Bereich naturnaher Tourismus, um darauf aufbauend individuelle Anpassungskonzepte entwickeln zu können.
  • Langfristig sollten die Neuentwicklung von Ganzjahresangeboten und die witterungsunabhängige Anpassung bestehender Tourismusangebote im Vordergrund stehen. Eine Reduzierung der saisonalen Abhängigkeit und der Verwundbarkeit durch einzelne Schadensereignisse sollte angestrebt werden. Angebotsänderungen hin zu wetterunabhängigen Aktivitäten können diese Verwundbarkeit vermindern.
  • Die Vorbereitung von (regionalen) Krisenplänen und Informationen über Extremereignisse (z.B. Kommunikationskonzepte nach Waldbränden, Stürmen oder Starkregenereignissen) sind sinnvolle präventive Maßnahmen. Dazu zählt auch eine Verbesserung des Wissenstands bei den Gastgebern und die Organisation des Wissenstransfers innerhalb der Branche. Dazu zählen auch Bildungsangebote zu den Themen Klimaschutz und Anpassung an die Folgen des Klimawandels.
  • Zudem sollten das Informations- oder Warnmanagement für Gäste zu angekündigten Extremwetterlagen bzw. Nutzungseinschränkungen ausgebaut werden.
  • Die Diversifizierung des bestehenden Angebotes stellt eine ausgleichende Komponente zu Einbußen durch den Klimawandel sicher. Gleichzeitig bietet die Veränderung für viele Regionen auch die Möglichkeit neue Angebote zu entwickeln.

Industrie und Gewerbe

Bezug zum Klimawandel
Der Klimawandel hat sowohl direkte als auch indirekte Auswirkungen auf den Industrie- und Gewerbesektor. Zum einen ist die lokale Wirtschaft und damit verbunden deren Standorte in den Kommunen direkt von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Unterbrochene Logistikketten, Produktionsausfälle oder Gefährdungen und Schädigungen der Wirtschaftsstandorte, in erster Linie durch Extremwetterereignisse, sind mögliche Risiken für die Unternehmen. Dadurch wird auch die Anlagensicherheit beeinträchtigt. In manchen Fällen können Standortverlagerungen von Unternehmen langfristig die einzig sinnvolle Reaktion auf evtl. wiederkehrende Schadensereignisse sein. Eine Kommune kann an dieser Stelle in erster Linie unterstützend wirken, z.B. durch die Ausweisung geeigneter Standorte und die Umsetzung von technischen und organisatorischen Schutzmaßnahmen. Eine Berücksichtigung dieser Thematik durch eine Kommune ist als Standortvorteil zu werten.

Darüber hinaus kann die heimische Wirtschaft auch indirekt vom Klimawandel betroffen sein, wenn aufgrund von Klimawirkungen in anderen Ländern oder auf anderen Kontinenten Beschaffungswege und Transportketten eingeschränkt oder unterbrochen werden. Auch die Verfügbarkeit von Arbeitskräften, Rohstoffen oder Energie der Handelspartner kann unter den Folgen des Klimawandels leiden, was wiederum auch auf die heimischen Betriebe zurückfallen kann. Für diese können Produktionseinbußen und letztlich auch finanzielle Einbußen die Folge sein.

Frühzeitige Anpassungsmaßnahmen machen vor allem zur Sicherung der eigenen Produktivität Sinn. Eine Produktionsunterbrechung ist monetär ein ungleich höherer Schaden, als die sorgsame Risikoabwägung von Schadensmöglichkeiten und vorsorgliche Anpassungen zur Vermeidung von klimabedingten Schäden von Gewerbebetrieben. Allerdings sind sich viele Unternehmen ihrer Betroffenheit gegenüber den Folgen des Klimawandels offenbar noch nicht bewusst. Die Ergebnisse einer bundesweiten Unternehmensbefragung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln liefert detaillierte Informationen diesbezüglich. Im Jahre 2011 sahen sich demnach lediglich 15% der 1040 befragten Unternehmen direkt vom Klimawandel betroffen. Im Jahr 2030 erwarten dagegen immerhin ca. 29% eine derartige Betroffenheit. Dabei ist grundsätzlich zu erkennen, dass Großunternehmen die Herausforderungen des Klimawandels bereits heute in bestehende Risikomanagementkonzepte integrieren. Dagegen ist dies bei kleinen und mittleren Unternehmen bisher nicht sehr verbreitet, weil diese grundsätzliche Kapazitätsprobleme haben, sich dem Thema überhaupt anzunehmen.

Neben den Risiken entstehen aber auch in diesem Handlungsfeld Chancen für unternehmerisches Handeln. Die Entwicklung und Nachfrage innovativer Technologien und Produkte wird zunehmen. Beispiele für innovative Technologien sind energieeffiziente Kühlungstechniken, hitzebeständige oder gekühlte Straßenbeläge, klimaangepasste Bauweisen, wassersparende Techniken oder neue Serviceleistungen im Zuge des immer wichtiger werdenden Warnmanagements. Vor allem Handwerksbetriebe können von Anpassungsmaßnahmen im Gebäudesektor profitieren. Die frühzeitige Präsenz am Markt mit innovativen oder angepassten Produkten kann Unternehmen Wettbewerbsvorteile verschaffen. Des Weiteren ist in milderen Wintern von einer Abnahme der Heizkosten auszugehen.

Klimaanpassung ist aus der Sicht kommunaler Vorsorgepolitik auch ein Beitrag zur Standortsicherung. Die zum Teil großen Kapitalwerte an Maschinen und Lagervorräten sollten Grund für eine vorrausschauenden Gewerbeflächenentwicklung sein. So wird Klimaanpassung im Industrie- und Gewerbesektor immer mehr zum Standortfaktor.

Betroffenheit/Verwundbarkeit
Zum einem sind Industrieanlagen und Gewerbestandorte gegenüber den direkten Auswirkungen des Klimawandels verwundbar, zum anderen tragen die Anlagen selbst teilweise zur Verstärkung von Effekten bei.

  • Die hauptsächliche Verwundbarkeit des Industrie- und Gewerbesektors besteht gegenüber Extremwettereignissen, die zu Schäden an der Infrastruktur oder an den Anlagen selber führen. Industrieanlagen liegen historisch bedingt häufig an Flüssen oder in deren Auen, weshalb sie grundsätzlich verwundbar gegenüber Hochwasserereignissen sind. Dabei entstehen häufig automatisch Konflikte mit den dortigen Überschwemmungsgebieten, welche noch gravierender werden, wenn von Seiten der Unternehmen der Wunsch geäußert wird, sich am bestehenden Standort zu erweitern. Hier sind in der Regel Maßnahmen des technischen Hochwasserschutzes gefragt. Überschwemmungen nach Hochwasser oder im Zuge von Sturzfluten durch Starkregenereignisse können zu Produktionsausfällen führen und gleichzeitig auch wertvolle Maschinen zerstören. Ebenso gefährdet sind in der Regel die Einrichtungen der Stromversorgung wie z.B. Trafostationen und Umspannanlagen. Des Weiteren besteht die Gefahr, dass umweltgefährdende Betriebsmittel wie Treibstoffe oder Chemikalien aufgeschwemmt werden und weitergehende Probleme verursachen. Im Mittelgebirgsraum liegen die Standorte häufig in engen Flusstälern, in denen zusätzlich neben den Gefahren durch die Flüsse auch ein Risiko durch Bodenerosion oder Hangrutschungen gegeben ist. Dieses Handlungsfeld ist gleichzeitig auch mit der Gefährdung der Verkehrsinfrastruktur verknüpft, da gerade Gewerbebetriebe sehr auf eine funktionierende Verkehrsanbindung angewiesen sind.
  • Zunehmende und heftigere Stürme oder Starkwindböen können neben Schäden an Außenanlagen und Betriebsgebäuden auch die Energieversorgung beeinträchtigen wenn beispielsweise Bäume auf Stromleitungen fallen und diese dadurch unterbrochen werden.
  • Durch höhere Maximaltemperaturen und häufiger auftretende Hitzewellen verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen innerhalb eines Betriebes, die letztlich die Leistungsfähigkeit des Personals beeinträchtigen.
  • Steigende Wassertemperaturen und Niedrigwasserstände nach langen Trockenperioden sind besonders für thermische Kraftwerke, welche Wasser zur Kühlung benötigen, problematisch. Dadurch kann es hier zu Nutzungseinschränkungen kommen, welche negative Folgen für die Energieversorgung einer Region haben können
  • Großflächige Gewerbeanlagen am Rande einer Stadt können das Mikroklima angrenzender Stadtquartiere, z.B. durch Veränderung der Frischluftzufuhr, erheblich beeinflussen. Durch die Erweiterung der Betriebsanlagen besteht zudem die Gefahr, dass Kaltluftentstehungsgebiete zerstört oder Frischluftschneisen zugebaut werden.


Möglichkeiten der Anpassung
Bei Anpassungsmaßnahmen im Industrie- und Gewerbesektor kommt neben den Unternehmen selbst der Regionalplanung wie auch der Stadtplanung eine wichtige Aufgabe zu. Zudem bestehen auch hier erneut Verknüpfungspunkte zur anderen Handlungsfeldern wie beispielsweise dem Verkehrs- und Gebäudesektor:

  • Zunächst sind branchenspezifische, sprich sektorale Risikoanalysen unter Einbeziehung aller direkten und indirekten Effekte notwendig, um die jeweilige Verwundbarkeit herauszuarbeiten. Darauf aufbauend lassen sich geeignete Strategien und Konzepte erarbeiten.
  • Jedes Unternehmen ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht selbst dafür verantwortlich sein eigenes Risiko zunächst einzuschätzen und so gering wie möglich zu halten. Daher ist die Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen an den Betriebsgebäuden oder Anlagen im eigenen Interesse. Hier gelten in Bezug auf Starkregen- und Hochwasser, oder Stürme im Wesentlichen die gleichen Maßnahmen wie sie im Gebäudebereich genannt werden. Beispielsweise sollten Gewerbestandorte in Mulden, Tallagen sowie an Bach- und Flussläufen auf Überflutungsgefahren geprüft werden. Auch eine entsprechend modifizierter Versicherungsschutz für Elementarschäden ist für kleine und mittlere Betriebsgrößen prüfenswert.
  • Wichtig ist die Entwicklung niederschwelliger Informations- und Beratungsangebote, um die Betriebe von einer frühzeitigen Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu überzeugen und die damit verbundenen wirtschaftlichen Vorteile aufzuzeigen.
  • Aufgrund der Wichtigkeit der Gewerbesteuereinnahmen werden Kommunalpolitik und Stadtentwicklung auch in Zukunft das Ziel verfolgen neue Gewerbeflächen auszuweisen und Arbeitsplätze sicherzustellen. Neben dem Flächenverbrauch und der damit einhergehenden Versiegelung begleiten zukünftig auch die Fragen nach der Gestaltung der großen Frei- und Hallenflächen sowie des Schutzes der Produktions- und Verwaltungsbereiche vor Extremwetterereignissen den Planungsprozess. Hier gilt es im Rahmen der Gewerbeflächenausweisung die Risiken mitzudenken und entsprechende Festsetzungen zu treffen. Auch die Regionalplanung kann bereits wichtige planerische Weichenstellungen für die Klimaanpassung in Gewerbegebieten vornehmen.
  • Da viele Anpassungsmaßnahmen nur effektiv sind wenn sie aufeinander abgestimmt, gemeinschaftlich getragen, umgesetzt und auch finanziert werden, sollte versucht werden komplette Gewerbegebiete an die Folgen des Klimawandels anzupassen, sprich standortbezogene Konzepte zur Klimaanpassung zu entwickeln. Dies ist sinnvoller als wenn jedes Unternehmen eigene, unabgestimmte Maßnahmen tätigt. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Maßnahmen unzureichend umgesetzt werden oder sogar kontraproduktiv sind. In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll Praxispartnerschaften zu bilden und die gemeinsame Betroffenheit auch gemeinsam zu bewältigen. Zudem wäre die Einführung von schattenspendenden Randbepflanzungen für bestehende Gewerbegebiete eine erhebliche klimatische Aufwertung.
  • Mit Hilfe einer geordneten Bedarfsberechnung können Kommunalverwaltungen der weiteren Gewerbeentwicklung die erforderlichen Flächen unter Einbeziehung von Prüfkriterien zur Klimaanpassung planerisch verfügbar machen. Werden die gewonnenen Erkenntnisse regional abgestimmt und vorrangig Brachflächen für gewerbliche Zwecke mobilisiert, wird zudem der Neuflächenverbrauch reduziert.

Verkehr und Verkehrsinfrastruktur

Bezug zum Klimawandel
Eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur und einsatzbereite Verkehrsmittel sind für Nordrhein-Westfalen und seine Kommunen von besonderer Wichtigkeit. Der Verkehrssektor ist das verbindende Element zwischen vielen anderen hier betrachteten Handlungsfeldern, da von der Leistungsfähigkeit des Verkehrssektors viele gesellschaftliche Bereiche abhängig sind. Ihm kommt sowohl im Rahmen des Klimaschutzes, als auch bei der Klimafolgenanpassung eine wichtige Rolle zu. Über den Güter- und Individualverkehr ist der Verkehrssektor einerseits mitverantwortlich für die Klimaveränderungen, andererseits muss auch in Zukunft eine flächendeckende Versorgung mit Gütern aller Art sichergestellt werden, was umweltfreundliche Lösungen erfordert. Das Klimaschutzpotenzial ist im Verkehrssektor sehr hoch. Dazu gesellt sich die große Betroffenheit dieses Handlungsfeldes durch die Folgen des Klimawandels. Da im Güterverkehr mit den angeschlossenen Dienstleistungen große Wertschöpfungen realisiert werden und ein Ausfall zu großen volkswirtschaftlichen Einbußen führt und Reparaturmaßnahmen ebenfalls mit hohen Kosten verbunden sind, ist es wichtig die Verkehrsinfrastruktur ausreichend resilient auszugestalten. Alle Städte und Gemeinden sind wirtschaftlich abhängig von der Mobilität der Bevölkerung. Auf kommunaler Ebene sind durch Extremereignisse auch der Fuß- und Radverkehr von den Folgen des Klimawandels betroffen und somit neben Infrastruktur- auch Personenschäden relevant.

Betroffenheit / Verwundbarkeit
Der Klimawandel wirkt mit Extremwetterereignissen wie Hitze, Starkregen, Hagel, Hoch- und Niedrigwasser in Flüssen sowie Sturm auf die Verkehrsinfrastruktur und das Mobilitätsverhalten ein und beeinträchtigt den Gesamtverkehr in den Bereichen Straße, Schiene und Flüsse.

  • Hitzeereignisse wirken sich sowohl nachteilig auf die Verkehrsteilnehmer, als auch bei langanhaltender Einwirkung auf die Infrastruktur und die Luftqualität aus. Hitzestress belastet Auto- oder Radfahrer, da deren Konzentrationsfähigkeit abnimmt und dadurch das Unfallrisiko steigt. Zudem ist davon auszugehen, dass mit einer Abnahme der Konzentrationsfähigkeit gleichzeitig das Aggressionspotenzial zunimmt. Lang anhaltende Hitzeperioden wirken sich zudem negativ auf die Luftqualität aus und erhöhen somit die körperliche Belastung für Radfahrer und Fußgänger. In Bezug auf die Infrastruktur ist davon auszugehen, dass Asphalt gebundene Straßenbeläge aufweichen können und dadurch Spurrillen entstehen. Des Weiteren stellen die sogenannten „Blow ups“ – spontane Aufsprengungen von Asphalt- oder Betonplatten durch Hitzeeinwirkung - eine große Gefahr für die Verkehrsteilnehmer dar. Bei großer Hitze neigen zudem auch Gleiskörper dazu sich zu verformen, was Beeinträchtigungen des Schienenverkehrs zur Folge hat. Darüber hinaus werden vermutlich Böschungsbrände im Sommer weiter zunehmen, wenn Hitze- und Trockenperioden häufiger auftreten. Durch lange Trockenphasen und hohe Temperaturen bedingte Niedrigwasserstände in den Flüssen führen zu den im Handlungsfeld Wasser aufgeführten Folgen für die Schifffahrt.
  • Verkehrswege können bei großen Niederschlagsmengen aufgrund ihrer Versiegelung zum Risiko für ihre Nutzer, aber auch die Umgebung werden. Folgen sind Aquaplaning oder Überflutungen, wenn das Wasser nicht schnell genug abgeleitet oder der Kanalisation aufgrund von Rückstau zugeführt werden kann. Es besteht die Gefahr, dass Straßen oder Bahntrassen durch Starkregenereignisse unterspült werden. Zudem können starke und langanhaltende Regenfälle auch Hangrutschungen verursachen, die ebenfalls Straßen oder Bahntrassen unpassierbar machen. Des Weiteren behindert Starkregen die Sicht im Straßenverkehr und die Fahrsicherheit nimmt ab, dadurch steigt das Unfallrisiko. Insbesondere Uferstraßen oder auch Brücken (stellen zudem Fließhindernisse dar), sowie an Flüssen gelegene Bahndämme können im Zuge von Hochwasserereignissen beeinträchtigt/überflutet und daher unpassierbar werden. Hagelschlag gefährdet nicht nur Fußgänger oder Radfahrer, sondern kann auch erhebliche Schäden an Fahrzeugen oder z.B. verglasten Bushaltestellen verursachen.
  • Auch Sturmereignisse können sowohl Verkehrsteilnehmer direkt gefährden als auch die Infrastruktur z.B. durch umgestürzte Bäume blockieren oder beschädigen und so (zeitweise) unbenutzbar machen. Dadurch ist es möglich, dass wichtige Einrichtungen nicht mehr erreichbar sind, oder ländliche Bereiche von der Außenwelt abgeschnitten werden. Starkwindböen können zudem Signal- oder Ampelanlagen zerstören oder auch die Stromversorgung für den Bahnverkehr lahmlegen. Gerade die Ereignisse des Jahres 2017 zeigen, wie verwundbar die Bahninfrastruktur gegenüber Stürmen ist, was erhebliche Konsequenzen nach sich zieht.
  • Umgekehrt können mildere Winter jedoch auch Vorteile für Verkehrsteilnehmer und Infrastruktur haben: Schäden an Brücken und Straßen sollten bei weniger Frosttagen nicht so verbreitet auftreten. Durch Schnee und Eis verursachte Unfallzahlen könnten abnehmen. Zudem besteht beim Winterdienst langfristig ein Einsparpotenzial, wenn dieser mit weiter fortschreitendem Klimawandel nicht mehr in der heutigen Form vorgehalten werden muss.


Möglichkeiten der Anpassung
Zahlreiche Anpassungsmaßnahmen im Verkehrssektor lassen sich aufgrund ihrer Verbindung zu den anderen Handlungsfeldern der Klimafolgenanpassung gut mit anderen Maßnahmen kombinieren, bzw. im Alltagsgeschäft „mitdenken“. Dies betrifft vor allem infrastrukturelle Anpassungsmaßnahmen, die sich auch im Zuge von Um- oder Neugestaltungen integrieren lassen. Andere sind als individuelle Anpassung des Verkehrssektors zu verstehen. Anpassungsmaßnahmen mit Bezug zum Verkehrssektor bzw. der Verkehrsinfrastruktur können z.B. sein:

  • Die Verwendung hitzeresistenter Materialen, z.B. für Fahrbahnoberflächen. Hier ergeben sich technologische Herausforderungen und die Möglichkeit zur Entwicklung innovativer Lösungen.
  • Ein weiteres Feld für Anpassungsmaßnahmen im Verkehrssektor ist die klimaschonende und energieeffiziente Klimatisierung von Fahrzeugen. Dazu zählen sowohl Lösungen für den Individualverkehr als auch leistungsfähige Klimaanlagen für die Fahrzeuge im öffentlichen Personenverkehr.
  • Zudem besteht die Notwendigkeit des Aufbaus eines Risikomanagements für Verkehrsgesellschaften, um auf Extremlagen angemessen und zügig reagieren zu können – dazu bzw. darüber ist auch die Stärkung des Problembewusstseins bei Anbietern und Nutzern von Verkehrsleistungen wichtig.
  • Eine infrastrukturelle Maßnahme ist die schattenspendende Gestaltung der Verkehrsräume mit geeigneten Bäumen – hier ist jedoch gleichzeitig auch auf die Sturmsicherheit zu achten, oder auch die Nutzung von Wartebereichen oder Haltestellen als Schattenspender – wobei auch hier die Verwendung resilienter Materialien wichtig ist.
  • Bei Starkregenereignissen sind Absicherungsmaßnahmen für tieferliegende Verkehrsbauwerke wie z.B. U-Bahnschächte oder Unterführungen für Fahrzeuge, Fußgänger und Radfahrer gegen eindringendes Oberflächenwasser und damit einhergehende Überflutungen wichtig.
  • Die Regelmäßige bzw. verstärkte Kontrolle der Straßeneinläufe auf Verunreinigungen kann vor allem in den Herbstmonaten Überflutungen im Zuge von Starkregenereignissen verhindern. Zudem können über veränderte und größer dimensionierte Straßeneinläufe in kurzer Zeit anfallende Wassermassen besser der Kanalisation zugeführt werden.
  • Bei der Planung von Verkehrsflächen sollte darauf geachtet werden, dass diese so gestaltet werden, dass Starkregenereignisse gezielt um- oder abgeleitet und so Schäden vermieden werden können. Hier könnten sich jedoch Zielkonflikte mit der Barrierefreiheit ergeben, die es zu berücksichtigen und durch Kompromisse zu entschärfen gilt. Auch die Gestaltung von an Verkehrsflächen angrenzender Grünbereiche kann durch Mulden-Rigolen-Systeme so vorgenommen werden, dass Niederschläge kontrolliert abgeführt und zwischengespeichert werden können.
  • Entlang von Straßen, viel frequentierten Wegen oder Bahntrassen sollte auf eine ausreichende Befestigung von Hängen bzw. die Bepflanzung von erosionsgefährdeten Flächen geachtet werden, um diese bei Starkregenereignissen zu schützen.
  • Entlang von Flüssen gelegenen Straßen oder Gleisen können durch technische Maßnahmen, wie beispielsweise Flutmauern, Überschwemmungen bei Hochwasser vermieden werden.

Biologische Vielfalt und Naturschutz

Bezug zum Klimawandel
Auch auf die biologische Vielfalt in Nordrhein-Westfalen wird der Klimawandel sicht- und spürbare Auswirkungen haben. Viele Tier- und Pflanzenarten leben in einer klimatischen Abhängigkeit zu ihrem Naturraum, so dass naturräumliche und klimatische Veränderungen auch Einfluss auf die darin lebenden Arten haben. Laut der Studie „Natur im Wandel“ des MKULNV aus dem Jahre 2010 beeinflusst der Klimawandel 26% aller in NRW vorkommenden Tier- und 12% der Pflanzenarten negativ. Dagegen profitieren andere Arten von dem sich verändernden Klima, so dass damit zu rechnen ist, dass für einige Arten ihr bisheriger Lebensraum zum einem Ungunstraum werden wird und sie das Land daher verlassen, während gleichzeitig neue Arten einwandern werden. Dies führt teilweise zu Konflikten und daher evtl. zu einer Verschiebung des ökologischen Gleichgewichts, sprich zu einer Veränderung der vorhandenen Biodiversität. Durch verschiedene Anpassungsmaßnahmen, die auch auf kommunaler Ebene umzusetzen sind, ist es möglich die biologische Vielfalt soweit wie möglich zu erhalten.

Diese Aufgabe ist wesentlich dem Politikfeld des Naturschutzes zuzuordnen, weist dabei aber zahlreiche Querverbindungen zu den sozio-ökonomischen Handlungsfeldern Land- und Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft oder Tourismus und in gewisser Weise auch Stadtplanung auf, deren Anpassungsmaßnahmen der Biodiversität ebenfalls zu Gute kommen können. Des Weiteren müssen auch Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit beachtet werden.

Betroffenheit / Verwundbarkeit
Wie schon die Verbindung zu den anderen hier ebenfalls behandelten Handlungsfeldern vermuten lässt, sind auch die Naturräume in NRW und damit die darin lebenden Arten von steigenden Durchschnittstemperaturen, einem sich verändernden Niederschlagsregime und häufiger auftretenden Extremwetterereignissen betroffen. Klimatische Veränderungen spiegeln allerdings nur einen Teil der bestehenden Belastungen wider. Zusätzlich tragen auch der anhaltende Flächenverbrauch, die intensive Nutzung auf landwirtschaftlichen Produktionsflächen, eine teilweise nicht standortgerechte bzw. zu intensive Waldbewirtschaftung sowie Nährstoffeinträge und Luftverschmutzung erheblich zur Gefährdung bzw. Betroffenheit von Lebensräumen und Arten bei. Dabei bestehen die größten Gefährdungen durch das Zusammenwirken mehrerer Belastungsfaktoren. Einige Tier- und Pflanzenarten (z.B. Steinkauz oder Frauenschuh) stehen in NRW auf der roten Liste und sind durch den Klimawandel bedroht. Dabei sind Inselpopulationen von Tier- und Pflanzenarten besonders gefährdet, weil diese ihren sich verändernden Lebensraum nicht verlassen können.

  • Durch steigende Temperaturen und damit verbundene häufiger auftretende Hitzewellen sind vor allem die Arten gefährdet, die auf ein gemäßigtes Klima angewiesen sind oder kühle Standorte bevorzugen. Durch den Temperaturanstieg besteht die Gefahr der Entwicklung von Ungunsträumen, die ein Ausweichen der Arten wahrscheinlich machen, sofern sich diese nicht an die höheren Durchschnittstemperaturen anpassen können.
  • Umgekehrt ermöglichen steigende Temperaturen und ein höheres Durchschnittstemperaturniveau die Einwanderung bisher fremder, sprich hier nicht heimischer, Arten. Diese finden in NRW neue Lebensräume, wodurch die Gefahr der Verdrängung heimischer Arten, die weniger anpassungsfähig sind, steigt. Durch höhere Temperaturen im Winterhalbjahr besteht die Möglichkeit, dass Tierarten, insbesondere Zugvögel, ihr Winterquartier vor Ort beziehen und daher in Zukunft ganzjährig in NRW anwesend sind. Steigende Temperaturen sind auch günstig für die Ausbreitung von Arten mit einem Allergiepotential für den Menschen, wie z.B. Ambrosia oder der Eichenprozessionsspinner. Gleiches gilt für die Übertragung tropischer Krankheiten durch Mücken, die hier teilweise schon heute geeignete Lebensbedingungen finden.
  • Veränderungen im Niederschlagsregime stellen sich durch Phasen mit zu viel oder zu wenig Wasser dar und haben somit Einfluss auf den Wasserhaushalt. Länger anhaltende Trockenperioden, die mit einem eingeschränkten Wasserdargebot einhergehen, belasten heimische Arten. Für Pflanzen kann es hier zum bereits mehrfach erwähnten Trockenstress kommen. Feuchtbiotope oder Moore drohen auszutrocknen und als Lebensraum verloren zu gehen. Eine Gefährdung besteht des Weiteren durch Trockenheit und Hitze verursachte Wald- und Flächenbrände, die Biotope beeinträchtigen oder zerstören können.
  • Vernässung oder hoch anstehendes Grundwasser aufgrund von langanhaltenden Regenfällen beeinträchtigen dagegen Arten, die eher auf trockene Standorte angewiesen sind und führen entsprechend bei diesen zu Ausweicheffekten.
  • Überschwemmungen, Bodenerosion oder Hangrutschungen in Folge von Starkregenereignissen können auch für Tiere problematisch sein. Gleiches gilt für Stürme, die in Waldgebieten schwere Schäden verursachen und so ebenfalls den Lebensraum einiger Arten beeinträchtigen bzw. verändern.
  • Weitere Folgen, die letztlich auch durch Klimaänderungen beeinflusst werden, sind beispielsweise Änderungen im Jahresrhythmus. Hierbei kann es sich um die verlängerte, früher einsetzende Vegetationsperiode, Änderungen des Zugverhaltens (s.o.), im Verhalten, bei der Fortpflanzung, den Konkurrenzverhältnissen (Lebensräume) und in den Nahrungsbeziehungen handeln. Diese führen ebenfalls zu Bestandsveränderungen und oder Gebietsverschiebungen.


Möglichkeiten der Anpassung
Verschiedene Ansatzpunkte können dazu beitragen die biologische Vielfalt Nordrhein-Westfalens zu erhalten bzw. unvermeidbare Veränderungen möglichst verträglich zu gestalten. Dazu zählen z.B. die Verringerung bestehender Stressfaktoren, wie hoher Flächenverbrauch, intensive Landwirtschaft oder Veränderungen des Wasserhaushalts. Zudem ist es wichtig die Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen zu fördern und die biologische Vielfalt zu überwachen (Biodiversitätsmonitoring). Zudem ist darauf zu achten, dass sich Schaderreger und invasive Arten nicht über Gebühr verbreiten.

  • Ein effektiver Naturschutz kann zur Abschwächung der Klimaveränderungen und damit sowohl zum Schutz der Arten als auch des Menschen vor den Auswirkungen von Extremereignissen und Naturkatastrophen beitragen. Insbesondere im Bereich des Hochwasserschutzes, aber auch bei der Sicherung der Wasserversorgung in Trockenzeiten, sind naturverträgliche Lösungen, wie z. B. der Erhalt oder die Renaturierung von Auen, die Erhaltung oder Entwicklung von Wäldern, der Schutz und die Wiederherstellung natürlicher Überflutungsräume ökologisch besonders wertvoll und häufig kostengünstiger als entsprechende technische Alternativen.
  • Der Wald ist ein wesentlicher Teil der Naturlandschaft. Als Lebensraum für Tiere und Pflanzen erfüllt er eine ebenso wichtige Funktion wie als Erholungsraum für den Menschen. Zum langfristigen Schutz dieses Naturgutes ist zu prüfen, wie Gefahren durch neue Waldschädlinge, Trockenperioden, Waldbrand, Starkregen oder zunehmende Windgeschwindigkeiten begegnet werden kann, um den Erhalt und möglicherweise die Walderweiterung zu fördern. In diesem Zusammenhang spielt der begonnene Waldumbau eine zentrale Rolle, auch in Bezug auf die Stärkung der biologischen Vielfalt.
  • Um die Wanderung der Arten zu ermöglichen ist der Aufbau eines Biotopverbundsystems wichtig, welches unterschiedliche Biotope miteinander vernetzt und so durchgängige Lebensräume schafft. Entsprechend können viele Flächen aufgewertet und in einen Biotopverbund eingebunden werden. Auenbereiche dienen nicht nur dem Hochwasserschutz, sondern sind auch ein wichtiger und schützenswerter Lebensraum. Gleiches gilt für Brachflächen, die dauerhaft nicht nur stadtklimatische Funktionen übernehmen, sondern auch als Lebensraum für Tiere und Pflanzen entwickelt werden können. Hecken, Wälle und Gräben bieten neben ihrer Schutzfunktion für die Kulturlandschaft, touristisch reizvolle Landschaftsbilder und sind Rückzugsort für Lebewesen aller Art. Eine Sicherung solcher Gebiete als Naturschutz- oder FFH-Gebiete sowie die Stärkung von Naturparken ist daher wünschenswert.
  • Insbesondere in Städten in denen lokale Hitzeinseln, ein geringes Wasserdargebot und niedrige Windgeschwindigkeiten auftreten, hat der Klimawandel unmittelbare Auswirkungen auf das Lebensumfeld von Flora und Fauna. Die Landesinitiative „Grüne Stadt“ soll eine artenreiche und vielfältige Natur im urbanen Raum sowie die Förderung naturnaher Parks, Friedhöfe, Gärten, Gründächer und weiterer Grünflächen zur Reduzierung von städtischen Wärmeinseln voranbringen. Dadurch unterstützt sie die Ausweitung eines ökologisch verfügbaren Raumangebotes und trägt zur Erhaltung der biologische Vielfalt im menschengerechten Umfeld bei.

Katastrophenschutz

Bezug zum Klimawandel
Im Zuge des Klimawandels kommt auch dem bereits sehr ausgereiften und funktionierenden System des Katastrophenschutzes eine wichtige Rolle zu. Allerdings liegt der Bezug hier weniger in einer vorausschauenden Planung, als mehr im Bereich einer Optimierung der Abwehr der Gefahren, die mit den Folgen des Klimawandels einhergehen. Die ohnehin bereits bestehenden Herausforderungen erhalten durch den Klimawandel eine zum Teil andere Fokussierung.

Aufgabe des Katastrophenschutzes ist es, den Eintritt von Katastrophen (in diesem Fall im wesentlichen Naturgefahren und deren Folgen) abzuwehren, „katastrophale Zustände“ zu beseitigen und die dafür notwendigen Vorkehrungen zu treffen. Dabei müssen unterschiedliche Organisationen und Verwaltungsebenen Hand in Hand und abgestimmt zusammenarbeiten. Auf kommunaler Ebene betrifft dies in erster Linie die Feuerwehren und Rettungsdienste (unterschiedliche Organisationen), die Polizei und das Technische Hilfswerk. Berührungspunkte zur Klimafolgenanpassung ergeben sich durch die infolge des Klimawandels einhergehende Intensivierung und Häufung von durch Naturereignisse wie Starkregen/Sturzfluten, Hochwasser, Stürme oder Hitze/Trockenheit ausgelösten Schadensfälle. Diese Aspekte können insbesondere in die nach dem Gesetz über den Feuerschutz und die Hilfeleistung (FSHG) von den Landkreisen und kreisfreien Städten zu erstellenden Gefahrenabwehrplanungen verstärkt in den Blick genommen werden, um zusätzlich entstehende Schadenspotenziale zu berücksichtigen. Darüber hinaus sind bei der Information und Warnung der Bevölkerung zu Schadensereignissen sowie bei vorbereitenden Maßnahmen und Übungen die Veränderungen durch den Klimawandel zu berücksichtigen.

Betroffenheit / Verwundbarkeit
Die mit dem Klimawandel einhergehenden Anforderungen weiten die bisherigen Aufgaben des Katastrophenschutzes aus. In der Gefahrenabwehr liegt ein Potenzial bestehende Verwundbarkeiten abzumildern und gleichzeitig die Anpassungskapazität zu steigern.

  • Durch zunehmende Hitzewellen und höhere Maximaltemperaturen leiden vor allem alte Menschen und Kinder – es ist mit einer Steigerung der Anzahl von Rettungsdiensteinsätzen in solchen Witterungsphasen zu rechnen.
  • Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass zunehmend z.B. auch Züge evakuiert werden müssen, sofern in diesen eingebaute Klimaanlagen, die nicht auf Extremtemperaturen ausgelegt sind, ausfallen. Außerdem führen Hitzewellen auch zu gesteigerten Gefahren im Straßenverkehr.
  • Feuerwehren müssen sich frühzeitig auf eine steigende Anzahl von Wald- und Flächenbränden, auch in Bereichen oder Regionen, die bisher nicht als sonderlich risikobehaftet galten, einstellen.
  • Bei langanhaltenden Trockenphasen, die zu Niedrigwasserständen führen, steigt trotz Fahrt- oder Beladungsbeschränkungen das Risiko für Schiffshavarien, die je nach Ladung der Schiffe (Gefahrgut) ggf. auch größere Wirkungsketten in Gang setzen.
  • Die zunehmende Anzahl von extremen Starkregenereignissen, die mit Sturzfluten, Bodenerosion, Hangrutschungen oder Hagel einhergehen, oder vermehrt auftretende Flusshochwässer fordern auch die Einsatzkräfte in zunehmendem Maße, so dass diese sich auf die neue Qualität solcher Situationen einstellen müssen.
  • Der Umgang mit Starkregenereignissen oder Hochwasser evtl. einhergehenden Schäden durch aufgeschwemmte Öl- oder Chemikalientanks oder überflutete Kläranlagen usw. fällt ebenfalls in den Bereich des Katastrophenschutzes.
  • Gleiches gilt auch für mit großen Niederschlagsmengen einhergehende, durch schwere Stürme verursachte Schadensereignisse, durch die nicht zuletzt häufig auch die Stromversorgung einzelner Gebiete beeinträchtigt wird.
  • Einsatzkräfte können selbst durch Extremwetterereignisse beeinträchtigt werden, wenn Strom- oder Mobilfunknetzte unterbrochen werden und dies einerseits die Kommunikation und Koordinierung untereinander bzw. andererseits die Information der Bevölkerung erschwert.
  • Des Weiteren behindern Extremereignisse die Einsatzkräfte wenn Rettungswege blockiert und unterbrochen, oder die Standorte der Einsatzkräfte selbst z.B. überflutet werden.


Möglichkeiten der Anpassung

  • Im Zusammenhang mit zunehmenden Hitzewellen und höheren Maximaltemperaturen gilt es besonders für Rettungsdienste sich auf die in diesen Zeiten gesteigerten Einsatzzahlen mit Personal und ausreichend zur Verfügung stehenden Fahrzeugen einzustellen.
  • Einsatzkräfte sollten sich auf evtl. häufiger auftretende Wald- und Flächenbrände, aber auch häufigere Starkregenereignisse und Stürme einstellen und auch die Fahrzeuge und das Material für den verstärkten Einsatz im Gelände oder in möglicherweise überfluteten Gebieten auslegen.
  • Evakuierungspläne für die Verkehrsträger Schiff und Schiene sind auf zukünftige Anforderungen hin zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen. Gleiches gilt auch für Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser oder soziale Einrichtungen wie Alten- und Pflegeheime, die im Not- oder Schadensfall ebenfalls evakuiert werden müssen.
  • Eine Kommune kann ihren Bürgern und dem Personal öffentlicher Einrichtungen Informationen zur Verhaltensvorsorge bei Hitzewellen oder im Unwetterfall bereitstellen und gleichzeitig auch geplante oder bereits durchgeführte Anpassungsmaßnahmen kommunizieren.
  • Insgesamt lässt sich vor dem Hintergrund klimabedingter Extremwetterszenarien mit Stadtgrenzen überschreitenden oder gar regionalen Auswirkungen die interkommunale Zusammenarbeit im Katastrophenschutz ausweiten und optimieren.
  • Sinnvoll ist der flächendeckende Aufbau eines modernen (Echtzeit-)Warnsystems, welches die Bevölkerung auch bei klimabedingten Gefahrenlagen frühzeitig informiert. Möglichkeiten der Information bestehen z.B. per App, Mail oder auch Sirene und werden bereits vielfach angewendet. Die Standorte der Feuerwehren und sonstigen Hilfsorganisationen aber auch öffentlicher Einrichtungen wie Krankenhäuser sollten auf ihre Überflutungssicherheit hin überprüft und ggf. angemessene Maßnahmen ergriffen werden, um die Einsatzbereitschaft im Ernstfall zu gewährleisten. Gleiches gilt für die Sicherstellung einer Notstromversorgung mit entsprechenden Treibstoffreserven und ggf. Brennmaterial zur Wärmeerzeugung.

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