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Grubenwassernutzung Schacht Auguste Victoria in Marl

Als eine der möglichen Folgenutzungen für die stillgelegte Bergbauinfrastruktur steht die geothermische Nutzung schon seit langem im Focus. In Marl ist aus dieser Idee nun Wirklichkeit geworden. Beim Neubau von vier Mehrfamilienhäusern wird die Erdwärme innovativ aus einem alten, nicht mehr genutzten Schacht des benachbarten Bergwerks Auguste Victoria gewonnen. Im Vorfeld hat die Evonik Wohnen GmbH über ein spezialisiertes Planungsbüro die Machbarkeit der geothermischen Nachnutzung des Schachtes prüfen lassen. Die Ergebnisse der Untersuchung waren positiv, so dass die Umsetzung des Projektes eingeleitet werden konnte.

Dafür war es besonders wichtig, vor der Verfüllung der Förderschächte die Situation vor Ort zu analysieren und vorhandenen Steigleitungen auf die Anforderungen der Geothermie zu untersuchen und gegebenenfalls anzupassen.

Eine ehemalige Steigleitung des Schachtes aus Stahl mit einer Nennweite von 350 mm wurde zur Erschließung des Wärmepotentials und somit zur zukünftigen Erdwärmegewinnung ausgewählt. Diese Steigleitung wurde für die geothermische Nutzung in eine 700 m tiefe Erdwärmesonde umfunktioniert. Die ursprüngliche Idee war, die bestehende Steigleitung als Casing und einen zentrischen Steigstrang als sogenannte Koaxialsonde vorzusehen. Dabei wäre im Ringraum der Steigleitung die kalte Wärmeträgerflüssigkeit nach unten geströmt, erwärmt sich dabei und steigt anschließend im eingehängten Sondeninnenrohr wieder nach oben. Eine Kamerabefahrung zeigte jedoch Korrosionen und Ablösungen am Steigrohr, so dass ein störungsfreier Betrieb der Erdwärmesonde nicht gewährleistet werden konnte. Daher entschied man sich für eine Doppel-U-Sonde.
 


Einbringen der Schachtsonde zur
Grubenwassernutzung am Schacht
Auguste Victoria

Das mit den Ausführungsarbeiten betraute Unternehmen Daldrup & Söhne hat für die Doppel-U-Sonde einen speziellen Sondenfuß mit Gewichten entwickelt, um die Sonde 700 m tief einzuführen. Eine spezielle wärmeleitende Bentonit-Zement-Suspension wurde anschließend über Injektionsleitungen eingepresst.

Die Entfernung zwischen dem Erdwärmesondensystem im Schacht bis zu den neuen Wohnhäusern in der Ziegelstraße beträgt ca. 300 m. Zwei der vier Gebäude können mit der Erdwärme aus dem früheren Schacht geheizt werden. Die für die beiden anderen Gebäude benötigte Wärme wird aus zusätzlichen, oberflächennahen Erdwärmesonden auf dem Baugrundstück gewonnen, die jeweils in rund 170 m Tiefe führen. Die finanziellen Aufwendungen sind im Vergleich zu anderen Tiefengeothermieprojekten gering und lassen einen wirtschaftlichen Betrieb der Anlage zu.

Herr Leonhard Thien
Themengebietsleiter Geothermie
EnergieAgentur.NRW
Telefon: 0234 3210715
thien@energieagentur.nrw

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