Klimaschutz

/klimaschutz/start_der_ersten_klimakampagne_owl
/klimaschutz/klimanetzwerker/aus-der-region
/eanrw/mobile_abwaerme_fuer_das_olympiabad_ennigerloh
/klimaschutz/neue_broschuere_klimaneutrale_veranstaltungen

Projektbeispiel Handwerk | Marl

Ein Meisterwerk der Moderne – und des Klimaschutzes: Scharounschule Marl

Scharounschule in Marl nach der Sanierung.
Foto: Stadt Marl
Scharounschule in Marl nach der Sanierung.
Foto: Stadt Marl

Die energetische Sanierung der Scharounschule in Marl beweist beispielhaft, wie sich Denkmalschutz und Klimaschutz in einem architektonisch herausragenden Gebäude verwirklichen lassen. Die 14 organisch zusammengefügten Gebäudeteile stellten hohe Anforderungen an die Wärmedämmung.

Die Schule, die 1964 bis 1970 nach den Plänen von dem Architekt Hans Scharoun errichtet wurde, ist eines der bedeutendsten Baudenkmäler der Nachkriegszeit Nordrhein-Westfalens. Sie gilt als „Meisterwerk der modernen Architektur.“

Die insgesamt 14 Gebäudeteile mit einer Grundfläche von 7.344 m2, in deren Mittelpunkt die Aula liegt, sind wabenähnlich aufgebaut und verkörpern damit das Prinzip des organischen Bauens – mit ausgeklügelten Sozial- und Raumstrukturen, Klima- und Lichtkonzepten sowie der Verwendung natürlicher Baumaterialien. Jeder Klasse des ehemaligen Unterstufenbereichs steht eine „Schulwohnung“ mit Gemeinschaftsraum, Toilette und eigenem Freiluftbereich zur Verfügung. Auch das Klima- und Lichtkonzept wurde auf die Bedürfnisse des Schullebens und die Ideen des „organischen Bauens“ von Hans Scharoun abgestimmt.

In akribischer Detailarbeit haben Statiker, Bauphysiker, Denkmalpfleger, Architekten und die verschiedenen Gewerke des Bauhandwerks dieses besondere Gebäude, das als Grundschule und als Musikschule genutzt wird, denkmalgerecht und gleichzeitig energetisch saniert. Um diesen beiden Zielen gerecht zu werden, mussten viele innovative Maßnahmen maßgeschneidert umgesetzt und kombiniert werden – zum Beispiel:

  • Dämmung von mehr als 6.900 m2 Flachdachfläche
  • Einbau energieeffizienter Fenster unter Beachtung des Denkmalschutzes
  • Wärmegedämmte Verglasung für die Sheddächer
  • Kontrollierte Be- und Entlüftung

Hintergrund

So innovativ und einzigartig die Ideen von Hans Scharoun in den 1960er Jahren auch waren: Eine energieeffiziente Bauweise stand in der Zeit vor der ersten Ölkrise nicht auf der Agenda von Architekten und Planern. Deshalb gab es hier erheblichen Nachholbedarf, der mit vielen intelligenten Detaillösungen realisiert wurde.

Ein umfangreiches Sanierungs- und Nutzungsgutachten ergab erhebliche bauphysikalische Mängel und Undichtigkeiten in der Gebäudehülle. Mit der Förderung durch Mittel aus dem Investitionspakt für die energetische Sanierung kommunaler Infrastruktur und der Städtebauförderung „Stadtumbau West“, sowie Bundesmitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien konnten die notwendigen Schritte für eine umfassende energetische Sanierung geplant und umgesetzt werden. Dabei stießen die Anforderungen der Energieeinsparung immer wieder mit den denkmalpflegerischen Interessen aufeinander und es mussten Kompromisse gefunden werden. 

Die schadhaften Flachdachkonstruktionen (Sheddächer mit großen Lichtkuppeln und Lichtbändern) mit insgesamt mehr als 6.900 m² wurden sämtlich bis auf die Rohdecke entfernt und als Warmdach mit Folienabdichtung und einer hochwertigen Dämmung von im Mittel 120 mm erneuert. Eine größere Dämmschichtdicke hätte das Erscheinungsbild des Gebäudes zu sehr verändert, zu weiteren Problemen hinsichtlich der vielen Zwangspunkte bei den Dachanschlüssen geführt  und wurde von der Denkmalsbehörde nicht mitgetragen.

Die Sheddächer erhielten eine neue wärmegedämmte Druckverglasung. Die Sanierung der Fassade erfolgte im Wesentlichen durch den Einbau neuer energieeffizienter Fenster und die Reparatur an Sichtbeton- Klinker- und Glasbausteinflächen um der Denkmalpflege gerecht zu werden.  

Die denkmalgeschützten Beleuchtungskörper wurden – wo noch vorhanden – aufgearbeitet, mit neuen energetisch besseren Leuchtmitteln bestückt und ansonsten durch energiesparende Leuchten ersetzt.

Beheizt wird das Gebäude durch Fernwärme. Um eine Reduzierung der CO2-Konzentration in den Klassenräumen zu erreichen, wurden in allen 16 Klassen sowie den Umkleiden der Turnhalle dezentral geregelte Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung installiert. 

Aufgrund der Komplexität der energetischen Sanierung unter den Bedingungen des Denkmalschutzes nahmen die Arbeiten insgesamt mehr als vier Jahre in Anspruch. Seit 2015 steht die Scharounschule den Grund- und Musikschülern wieder in vollem Umfang zur Verfügung.  

Die denkmalgeschützten Beleuchtungskörper – wurden wo noch vorhanden – aufgearbeitet, mit neuen energetisch besseren Leuchtmitteln bestückt und ansonsten durch energiesparende Leuchten ersetzt.

Beheizt wird das Gebäude durch Fernwärme. Um eine Reduzierung der CO2-Konzentration in den Klassenräumen zu erreichen, wurden in allen 16 Klassen sowie den Umkleiden der Turnhalle dezentral geregelte Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung installiert. 

Aufgrund der Komplexität der energetischen Sanierung unter den Bedingungen des Denkmalschutzes nahmen die Arbeiten insgesamt mehr als vier Jahre in Anspruch. Seit 2015 steht die Scharounschule den Grund- und Musikschülern wieder in vollem Umfang zur Verfügung.

Besonderheiten

Die energetische Sanierung der Scharounschule ist so einzigartig wie die besondere Architektur des Gebäudes. Für diese Leistung wurde das Sanierungsprojekt vom Land NRW geehrt. Dr. Heinrich Dornbusch, Geschäftsführer der KlimaExpo.NRW, überreichte Werner Arndt, Bürgermeister der Stadt Marl, im Januar 2018 die offizielle Urkunde zur Aufnahme in die landesweite Leistungsschau für den Klimaschutz.

Rückansicht der sanierten Scharounschule. 
Foto: Stadt Marl
Rückansicht der sanierten Scharounschule.
Foto: Stadt Marl
Finanzierung

Die Kosten der energetischen Sanierung beliefen sich auf rund 5,2 Mio. € für die Grundschule und 4,8 Mio. € für die Musikschule. Gefördert wurde das Projekt durch das NRW-Programm „Investitionspakt zur energetischen Erneuerung sozialer Infrastruktur“ und „Stadterneuerung Stadtumbau West“, sowie Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Ergebnis

Die beschriebenen Maßnahmen führten neben einer deuitlichen Reduzierung der Betriebskosten zu einer jährlichen CO2-Einsparung von rund 110 Tonnen.

Projektbeteiligte

  • Stadt Marl (Bauherr)
  • Pfeiffer Ellermann Preckel Architekten Stadtplaner BDA, Münster (Architekten; Kontakt: Christoph Ellermann)
  • Winkels Behrens Pospich Planungsbüro für technische Gebäudeausrüstung GmbH, Münster (Planer/ Berater)

Beteiligte Handwerksbetriebe unter anderem:

  • Lambernd GmbH & Co. KG, Marl (Malerarbeiten)
  • Next Move Licht- und Medientechnik GmbH, Münster (Lichttechnik)
  • Ringbeck GmbH, Oelde (GaLaBau)
  • Robert Mentrup GmbH, Dülmen (Elektrotechnik)
  • Meschede Bedachungen GmbH, Recklinghausen (Dachdichtungsarbeiten)
  • Ludwig Scheidtmann, Marl (GaLaBau)