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Information

Klimaneutralität durch freiwillige Kompensation

"Vermeiden - vermindern - kompensieren" ist die Kurzformel für klimaneutrales Vorgehen. Erste Option sollte immer sein, den Ausstoß von Treibhausgasen zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren. Doch oftmals sind CO2-Emissionen unvermeidbar, wenn der Geschäftsbetrieb eines Unternehmens oder einer Kommune aufrecht erhalten bleiben soll. Emissionen entstehen beispielsweise durch industrielle Produktionsprozesse, durch den Energieverbrauch für Mobilität, bei größeren Events oder auch durch den täglichen Energieverbrauch im Privathaushalt.

Um hier einen Ausgleich zu schaffen, gibt es für Unternehmen und Organisationen wie auch für Privatpersonen die Möglichkeit zur sogenannten freiwilligen Kompensation. Sie lässt sich realisieren über eine finanzielle Unterstützung von Klimaschutzprojekten. Die Menge der freigesetzten Emissionen wird ermittelt und durch gezielte Investitionen in Klimaschutzprojekte ausgeglichen. Der CO2-Verursacher stellt sich durch den Kauf von CO2-Zertifikaten oder durch eine Spende in  entsprechender Höhe rechnerisch wieder klimaneutral. Treibhausgasvermeidung in einem oder mehreren Klimaschutzprojekte wiegen die an anderer Stelle verursachten Emissionen wieder auf.

 

Video der WDR-Sendung „Servicezeit“ über die Möglichkeit Flugemissionen auszugleichen.

Vorgehen

Der Weg zur Klimaneutralität muss transparent und nachvollziehbar sein und auf der Grundlage anerkannter Daten und Methoden basieren. Nur so kann ein solches Unternehmens- oder Organisationsziel auch zu einer positiven Außendarstellung führen.

Das folgende Vorgehen in vier Schritten deckt diese Anforderungen ab und lässt sich den jeweiligen Klimazielen einer Organisation anpassen:

1. Erstellen einer Klimastrategie

Ein Unternehmen oder eine Kommune sollte zunächst festgelegen, welche Bereiche, Produkte oder Prozesse klimaneutral gestellt werden. Dabei sollte es sich um einen für die Geschäftstätigkeit relevanten Bereich handeln, beispielsweise:

  • Einzelmaßnahmen und Bereiche (z.B. Dienstreisen, Veranstaltungen)
  • Produkte und Dienstleistungen (z.B. Bio-Produkte, Paketversand, Urlaubsreise)
  • Standorte (Gebäude, Regionen, Länder)

Es ist natürlich auch möglich, das gesamte Unternehmen klimaneutral zu stellen. Das bedeutet, dass alle klimarelevanten Emissionen des Unternehmens einfließen. Darunter fallen Emissionen aus Produktion, Verwaltung, Verkehr und Gebäuden.

Die Klimastrategie sollte um einen konkreten Maßnahmenplan ergänzt werden. Dieser legt fest, wie die angestrebten Ziele erreicht werden können und enthält zeitliche Zielvorgaben.

Ebenfalls enthalten sein sollte eine Kostenkalkulation. Sie weist in der Regel zwei Bausteine auf: auf der Kostenseite schlagen die Investitionen für Energiesparmaßnahmen und Kompensation zubuche. Dem stehen bei den laufenden Kosten oftmals sinkende Ausgaben gegenüber, denn durch Effizienzmaßnahmen sinkt  der Energieverbrauch zumeist erheblich.

Der Weg zur Klimaneutralität kann auch zur Kundenbindung oder zu Neukontakten beitragen. Kommunen bietet er Gelegenheit, ihr klimapolitische Engagement gegenüber den Einwohnern zu untermauern und sollte dementsprechend kommuniziert werden.

Speziell für die umweltgerechte Durchführung von Veranstaltungen hat das Klimaschutzministerium NRW mit der EnergieAgentur.NRW den  Ratgeber „Klimaneutrale Veranstaltungen“ entwickelt. Sie finden ihn hier.

2. Ermittlung der Emissionsmenge

Bei der Ermittlung der Emissionsmenge müssen zunächst die sogenannten Systemgrenzen festgelegt werden.

Außer CO2 sollten auch andere Gase, die zur Erderwärmung beitragen, im Rahmen einer Klimastrategie Eingang finden, wenn Sie im Unternehmen eine signifikante Rolle spielen. Das Kyoto-Protokoll benennt neben CO2 auch die Gase CH4 (Methan), N2O (Lachgas), SF6 (Schwefelhexafluorid), HFC (teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe) und PFC (Perfluorierte Kohlenwasserstoffe) als Treibhausgase.

Zudem stellt sich die Frage, welche Vorketten und nachgelagerten Emissionen mit in die Berechnung einbezogen werden. Vorketten sind Emissionen, die bereits bei der Herstellung oder beim Anliefern von Vorprodukten entstehen. Nachgelagerte Emissionen ergeben sich etwa durch den Weitertransport, die Nutzung und die Entsorgung der Produkte. Es existieren keine festen Regeln für den Zuschnitt der Systemgrenzen. Unternehmen  stehen hier vor der Aufgabe, ihre Verantwortung für den Klimaschutz glaubwürdig abzustecken und entsprechend in die Neutralisierung einzubeziehen.

Diese Abgrenzung dient als Basis, um die konkrete Emissionsmenge zu berechnen. Dazu wird der gesamte Brennstoffverbrauch, der Stromverbrauch und der Treibstoffverbrauch beziehungsweise die gefahrenen Personenkilometer mit öffentlichen Verkehrsmitteln ermittelt. Die Datenerfassung ist in einigen Bereichen einfach über die Jahresrechnungen des Versorgungsunternehmens möglich. In manchen Bereichen, insbesondere bei Mietverhältnissen mit mehreren Mietern, gestaltet sich die Erfassung wesentlich schwieriger. Falls keine genaue Zuordnung von Verbrauchsmengen möglich ist, müssen hier plausible Abschätzungen vorgenommen werden.

Die erfassten Verbrauchsmengen werden dann mit Emissionsfaktoren belegt.

Verlässliche Daten liefern hier:

Wichtig ist, das die angewandten Mess- und Berechnungsmethoden transparent sind und nachvollziehbar dokumentiert werden.

3. Durchführung von Minderungsmaßnahmen

Die Minderungsmaßnahmen sind einer der zentralen Schritte innerhalb einer Klimastrategie.
Effektiver und glaubwürdiger als jede nachträgliche Kompensation ist die Vermeidung von Emissionen im Unternehmen oder bei der Kommune selbst. Die Verminderung von Emissionen kann in zwei Schritte unterteilt werden.

Im ersten Schritt sollten alle wirtschaftlich vertretbaren  Energieeinsparpotenziale realisiert werden. Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie hier:

Der verbleibende Energieverbrauch sollte möglichst emissionsarm abgedeckt werden. Im zweiten Schritt sollten Unternehmen und Kommunen deshalb prüfen, ob sie bereits auf klimafreundliche Quellen zurückgreifen. Dies kann zum Beispiel durch den Bezug von Ökostrom sowie die Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen zur Wärmeerzeugung oder als Treibstoff geschehen.

Sind die Minderungspotenziale erkannt, hat sich auch hier eine Maßnahmenliste mit einer den zu erwartenden Investitionskosten und den monetären Einsparungen als hilfreich erwiesen. Anhand dieser Gegenüberstellung lassen sich Prioritäten vergeben und ein Zeitplan für die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen aufstellen.

4. Kompensation von Emissionen

Für die verbleibenden Emissionen erfolgt die Kompensation meist durch den Ankauf von CO2-Zertifikaten. Denkbar wäre auch, Klimaschutzprojekte in Eigenregie aufzulegen. Dies bedeutet jedoch einen hohen Aufwand hinsichtlich Planung, Durchführung und Monitoring, so dass dieser Weg nur für die wenigsten Unternehmen sinnvoll sein dürfte.

Beim Kauf von CO2-Zertifikaten bieten diverse Dienstleister im freiwilligen Markt ihre Unterstützung an. Unternehmen können diese Transaktion aber auch selbstständig bewerkstelligen. Ob in Eigenregie oder mit externer Hilfe - Interessenten sehen sich in  jedem Fall mit verschiedenen Zertifikatstypen konfrontiert:

ERU (Emission Reduction Unit) und CER (Certified Emission Reduction) stammen aus anerkannten Klimaschutzprojekten, die nach den offiziellen Regeln des Kyoto-Protokolls arbeiten. Joint Implementation Projekte (JI) und Clean Development Mechanism (CDM) werden international registriert und durch das UN-Klimasekretariat geprüft. Die Zertifikate sind im internationalen Emissionshandel zugelassen.

Als VER (Verified Emission Reduction) bezeichnet man Zertifikate aus dem freiwilligen Markt, der weniger streng reguliert, dadurch aber auch weniger übersichtlich ist. Auf dem freiwilligen Markt findet man vielfältige verschiedene Standards mit mehr oder weniger hohen Anforderungen. Dementsprechend ist auch die Preisspanne für den Kauf von VER sehr hoch. Die höchsten Anforderungen für Klimaschutz-Zertifikate setzt der sogenannte Gold Standard.

Unabhängig von ihrer Herkunft müssen  alle Zertifikate nach dem Kauf im jeweiligen Zertifikate-Register stillgelegt werden müssen. Damit verhindert der Käufer, dass sie noch anderweitig genutzt werden. Dieser exakte Nachweis sichert Unternehmen und Kommunen auch bei der Kommunikation ihres Klimaengagements ab.

Michael Müller
Energieanwendung, Klimaschutz in Kommunen und Regionen
EnergieAgentur.NRW
0211 86642286
michael.mueller@energieagentur.nrw

Rainer van Loon
Querschnittsthemen Klimaschutz & Energie
EnergieAgentur.NRW
0211 86642287
van.loon@energieagentur.nrw

Sie erreichen die EnergieAgentur.NRW außerdem werktags von 8 bis 18 Uhr über die Hotline unter 0211 - 8371930.