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Mobilität

Kreuzfahrten

Heute hier, morgen dort

Dominikanische Republik, Aruba, Curacao, Grenada, Barbados, St. Lucia, Guadeloupe, Antigua – wer es mag, kann während eines 14-tägigen Urlaubs auf einem Kreuzfahrtschiff zehn und mehr Destinationen in der Karibik oder anderswo auf den Weltmeeren ansteuern. Das besonders Bequeme daran: Das Hotelzimmer reist immer mit, ebenso wie die Restaurants, Swimming-Pools, Entertainment-Angebote usw. Und weil sinkende Preise eine Kreuzfahrt für immer mehr Menschen erschwinglich machen, ist die Hochseeschifffahrt zu einem umkämpften Massenmarkt geworden. Wer allerdings umweltbewusst oder gar nachhaltig Urlaub machen möchte, sollte seine Kreuzfahrt durch eine CO2-Ausgleichsmaßnahme kompensieren oder gleich ganz auf den Check-in auf einem Ozeanriesen verzichten.

Mit einem Kreuzfahrtschiff lässt sich jeden Tag ein anderes Urlaubsziel ansteuern, doch ist das Urlauben auf einem Ozeanriesen alles andere als umweltschonend.
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Mit einem Kreuzfahrtschiff lässt sich jeden Tag ein anderes Urlaubsziel ansteuern, doch ist das Urlauben auf einem Ozeanriesen alles andere als umweltschonend.
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Die Kreuzfahrt, geliebt von jedem siebten Bundesbürger

Nach Angaben des Branchenverbandes CLIA wächst der weltweite Kreuzfahrtmarkt im Vergleich zum globalen Reisemarkt überproportional: 2018 verzeichnete die Branche ein weltweites Wachstum von 6,7 %. Dieser Boom schlägt sich auch in der Anzahl der weltweit kreuzenden Luxusliner nieder: In den nächsten Jahren werden 124 neue Kreuzfahrtschiffe mit einem Ordervolumen von mehr als 69 Milliarden Dollar gebaut. Auch hierzulande erfreuen sich Kreuzfahrten seit Jahren wachsender Beliebtheit: Seit 2007 haben sich die Passagierzahlen im deutschen Markt der Hochsee-Kreuzfahrten verdreifacht, 2018 checkten bereits 2,23 Millionen Bundesbürger auf einem Kreuzfahrtschiff ein.

Bemerkenswerte Details hierzu liefert der im Sommer 2018 vom Marktforschungsinstitut Nordlight Research veröffentlichte „Trendmonitor Deutschland“ zum Schwerpunktthema „Reisetrends: Kreuzfahrten in Deutschland 2018“. Demzufolge „lieben“ 14 % der Bundesbürger Kreuzfahrten regelrecht; weitere 20 % waren zumindest neugierig darauf, diese Form des Reisens künftig einmal auszuprobieren. Besonders ausgeprägt ist das Kreuzfahrt-Interesse mit 43 % in der Altersgruppe der 30-49-Jährigen – während es beispielsweise die Generation 50 plus auf „nur“ 28 % bringt. Als mögliche Reiseziele für Kreuzfahrten favorisierten die Befragten vor allem solche Ziele, die mit einem akzeptablen Zeitaufwand im Grunde nur per Flugzeug zu erreichen sind: Mittelamerika bzw. die  Karibik (42 %), Australien und Neuseeland (35 %) sowie Nordeuropa (31 %), gefolgt von Pazifik (29 %) und Nordamerika (28 %).

Beliebte Reiserouten von Hochsee-Kreuzfahrten liegen häufig in Übersee und sind daher nur mit dem Flugzeug zu erreichen – was sich ebenfalls in der Umweltbilanz eines Urlaubs auf dem Kreuzfahrtschiff niederschlägt.
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Beliebte Reiserouten von Hochsee-Kreuzfahrten liegen häufig in Übersee und sind daher nur mit dem Flugzeug zu erreichen – was sich ebenfalls in der Umweltbilanz eines Urlaubs auf dem Kreuzfahrtschiff niederschlägt.
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Das „Traumschiff“, angetrieben von schwerem Dieselöl

Hochsee-Kreuzfahrtschiffe sind jedoch schwimmende Kleinstädte: Der derzeit größte Luxusliner der Welt, die im Jahr 2018 in Dienst gestellte „Symphony of the Seas“ der Royal Caribbean International, bietet Platz für fast 6.900 Passagiere und eine 2.100-köpfige Besatzung – unterm Strich sind das 9.000 Menschen. Es mag trivial klingen, aber so gigantisch wie die Ozeanriesen sind in fast allen Fällen auch ihre Kohlendioxid-, Feinstaub- und Stickoxid-Emissionen. Denn von einer einzigen Ausnahme abgesehen fahren sämtliche Kreuzfahrtschiffe mit umweltschädlichem Schweröl, einem Restprodukt von Erdölraffinerien.

Dagegen sind die im Jahr 2018 vom Stapel gelaufene AIDA Nova und die Costa Smeralda, die im Oktober 2019 ausgeliefert werden soll, mit Flüssigerdgas („Liquified Natural Gas“, LNG) unterwegs, einem deutlich schadstoffärmeren Kraftstoff (-20 % CO2, -80 % Stickoxide, -100 % Rußpartikel). Aufgrund dieses alternativen Antriebs bekamen diese beiden Kreuzfahrtschiffe beim Kreuzfahrt-Ranking 2019 des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) in der Kategorie „Luftschadstoffminderung“ als einzige von insgesamt 89 untersuchten Luxuslinern vier grüne Sterne verliehen – das Maximum dessen, was bei diesem Ranking erreicht werden kann, und mit Abstand Platz 1. Zehn weitere Ozeanriesen erhielten in der Bewertung, die der NABU alljährlich vornimmt, zwei grüne Sterne; 16 Kreuzfahrtschiffe bekamen für ihre Luftschadstoffminderung einen grünen Stern. Die übrigen geprüften Schiffe wurden allesamt mit je drei roten und einem gelben Stern oder sogar mit vier roten Sternen bewertet. Und in der 2019 neu eingeführten Bewertungskategorie „Klimabilanz“ erhielt kein einziges der geprüften Kreuzfahrtschiffe auch nur einen grünen Stern.

Treibhausgas-Emissionen: Beispielurlaube im Vergleich

„Schwimmende Städte“: So gigantisch wie die Luxusliner selbst sind fast ausnahmslos auch ihre Kohlendioxid-, Feinstaub- und Stickoxid-Emissionen.
Foto: Pixabay
„Schwimmende Städte“: So gigantisch wie die Luxusliner selbst sind fast ausnahmslos auch ihre Kohlendioxid-, Feinstaub- und Stickoxid-Emissionen.
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Analysten schätzen den Treibstoffbedarf beispielsweise der „Harmony of the Seas“, dem bis 2018 weltweit größten Luxusliner, auf mindestens 150 Tonnen Schweröl pro Tag. Es ist bemerkenswert, dass mit der norwegischen Hurtigruten ausgerechnet eine Reederei erklärt: „Die täglichen Emissionen eines einzelnen Kreuzfahrtschiffes entsprechen den Emissionen von einer Million Autos.“ Doch wie hoch sind die CO2-Emissionen der Ozeanriesen ganz konkret, das heißt pro Kopf und im Vergleich zu anderen Arten des Reisens?

Laut einer Untersuchung des World Wide Fund for Nature (WWF) werden bei einer 7-tägigen Mittelmeer-Kreuzfahrt von etwa 2.500 Kilometern Länge Treibhausgase in Höhe von 1.224 kg CO2-Äquivalenten pro Passagier verursacht, einschließlich Hin- und Rückflug, Unterkunft, Verpflegung und Aktivitäten vor Ort; allein die Unterkunft schlägt mit 439 kg CO2 zu Buche. Damit liegen die Pro-Kopf-Emissionen einer einwöchigen Kreuzfahrt über das Mittelmeer auf demselben Niveau wie die eines zweiwöchigen Strandurlaubs auf Mallorca inklusive Flug, Unterkunft etc. (1.221 kg CO2). Dagegen belastet ein 14-tägiger Familienurlaub auf Rügen (Anreise mit dem Pkw) die Umwelt mit „nur“ 258 kg CO2 pro Person. In der Untersuchung des WWF hatte lediglich der zweiwöchige All-inclusive-Urlaub in Mexiko höhere Pro-Kopf-Emissionen als die 7-tägige Kreuzfahrt – vor allem wegen des sehr langen Hin- und Rückflugs.

Die fast ausschließlich schwerölbetriebenen Kreuzfahrtschiffe schlagen auch bei den pro Kopf verursachten Treibhausgas-Emissionen mächtig zu Buche.
Foto: Pixabay
Die fast ausschließlich schwerölbetriebenen Kreuzfahrtschiffe schlagen auch bei den pro Kopf verursachten Treibhausgas-Emissionen mächtig zu Buche.
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Rettung in Sicht? „Klimaneutrale“ Kreuzfahrten

Die breite gesellschaftliche Klimaschutzdebatte und das gewachsene Umweltbewusstsein in der Bevölkerung haben vermutlich dazu beigetragen, dass nun auch Kreuzfahrt-Passagiere ihre Reise durch eine freiwillige finanzielle CO2-Ausgleichszahlung kompensieren können.

AIDA Cruises und die Non-Profit-Organisation atmosfair beispielsweise haben ein gemeinsames Klimaschutzprogramm entwickelt, um umweltbewusstere Kreuzfahrten zu ermöglichen. Jeder AIDA-Passagier kann durch einen finanziellen Beitrag Projekte für den Klimaschutz unterstützen; diese Klimaschutzprojekte sparen die durch die Kreuzfahrt bzw. den Hin- und Rückflug verursachte Menge an CO2 an anderer Stelle wieder ein („CO2-Kompensation“). Im Gegenzug engagiert sich das Kreuzfahrtunternehmen für einen möglichst emissionsarmen Betrieb seiner Schiffsflotte – unter anderem durch den Ausbau der Infrastruktur zur Nutzung des Kraftstoffs Flüssiggas (LNG).

Wer die Kohlendioxid-Emissionen seines Kreuzfahrturlaubs durch eine Ausgleichszahlung kompensiert, kann seinen Urlaub an Bord ohne schlechtes Gewissen genießen.
Foto: Pixabay
Wer die Kohlendioxid-Emissionen seines Kreuzfahrturlaubs durch eine Ausgleichszahlung kompensiert, kann seinen Urlaub an Bord ohne schlechtes Gewissen genießen.
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Doch auch diejenigen, die nicht mit AIDA in See stechen, können ihre Kreuzfahrt kompensieren: So bietet etwa atmosfair auf seiner Webseite ein Online-Tool an, mit dem klimabewusste Passagiere den CO2-Fußabdruck ihres individuellen Kreuzfahrt-Tickets berechnen können; durch eine dementsprechende, steuerlich sogar absetzbare Kompensationszahlung werden auch hier Klimaschutzprojekte unterstützt. Auf der Internetseite des Kompensationsanbieters myclimate ist ein vergleichbares Online-Tool für den CO2-Ausgleich von Kreuzfahrten zu finden.

UN-Klimaschutzziel forciert technologische Fortschritte

Langfristig wird sich in der gesamten Kreuzfahrtbranche mit Blick auf den Klimaschutz noch einiges bewegen. Denn bisher war die Schifffahrt ebenso wie der Flugverkehr vom Pariser Abkommen noch ausgenommen worden, da sich die CO2-Emissionen dieser beiden Bereiche nicht einzelnen Ländern zuordnen lassen. Das aber wird sich nun ändern, da die in der UN-Organisation IMO („International Maritime Organization“) zusammengeschlossenen Staaten im Frühjahr 2018 ein historisches Klimaschutzziel verabschiedeten: Bis zum Jahr 2050 sollen die Emissionen auf den Weltmeeren um die Hälfte gesenkt werden (im Vergleich zu 2008). Angesichts dieses ambitionierten Klimaschutzziels für die weltweite Schifffahrt steht die Branche vor tiefgreifenden technologischen Veränderungen. Bei Container- und Kreuzfahrtschiffen setzt die Industrie vor allem auf die Umstellung auf Flüssigerdgas (LNG), das deutlich weniger Emissionen verursacht als das bei den Ozeanriesen sehr verbreitete Schweröl.

Historisches Klimaschutzziel: Bis zum Jahr 2050 sollen die Emissionen der weltweiten Schifffahrt um 50 % gegenüber 2008 gesenkt werden.
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Historisches Klimaschutzziel: Bis zum Jahr 2050 sollen die Emissionen der weltweiten Schifffahrt um 50 % gegenüber 2008 gesenkt werden.
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So nimmt das italienische Kreuzfahrtunternehmen Costa Crociere im Herbst 2019 mit dem neuen Flaggschiff „Costa Smeralda“ seinen ersten LNG-betriebenen Luxusliner in Betrieb. AIDA Cruises will den Anteil seiner mit Flüssigerdgas betriebenen Kreuzfahrtschiffe in den nächsten Jahren ausbauen: Die AIDA Nova soll in den Jahren 2021 und 2023 zwei Schwesterschiffe bekommen; nach den Plänen der Reederei werden 2023 mehr als die Hälfte ihrer Passagiere die Weltmeere auf LNG-betriebenen Schiffen bereisen. Gute Nachrichten kommen auch aus Skandinavien: Die norwegische Reederei Hurtigruten wird bis 2021 sechs ihrer Schiffe auf der klassischen Postschiffroute auf Gas-Hybrid-Antrieb umrüsten (gasbetriebene Motoren plus Batteriepacks); dabei wollen die Norweger auf Flüssigbiogas setzen, das aus den organischen Abfällen der Fischerei- und Forstwirtschaft gewonnen werden soll.

In den kommenden Jahren werden weitere Marktkonkurrenten nachziehen, wie die Welt in ihrer Onlineausgabe am 11.3.19 berichtet: Ab 2020 setzen die Unternehmen Princess Cruises, Carnival Cruise Line und P&O Cruises mit Flüssigerdgas betriebene Kreuzfahrtschiffe ein, ab 2022 außerdem Disney Cruise Line, Royal Caribbean und MSC; TUI Cruises will 2024 das erste Schiff mit LNG-Antrieb in Betrieb nehmen.

Doch auch Flüssigerdgas ist ein fossiler Energieträger. Daher bleibt es trotz dieser kurz- und mittelfristigen Bemühungen zahlreicher Reedereien fraglich, ob die sukzessive Umstellung der Antriebstechnik von Kreuzfahrtschiffen auf Flüssigerdgas ausreichen wird, um das anspruchsvolle IMO-Klimaschutzziel einer Halbierung der Emissionen bis 2050 zu erreichen. Deshalb ist davon auszugehen, dass die Kreuzfahrt-Branche langfristig noch völlig andere technologische Lösungen für umweltfreundliche Antriebe entwickeln wird, beispielsweise den Brennstoffzellenantrieb oder den Batteriebetrieb auf Ökostrom-Basis.