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Mobilität

Einführung

Die Verkehrswende – das „Sorgenkind“ der Energiewende

Im Jahr 2017 war der deutsche Verkehrssektor laut Umweltbundesamt (UBA) für Treibhausgas-Emissionen in Höhe von 168 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten verantwortlich. Damit bewegten sich die Emissionen des Verkehrsbereichs auf einem etwas höheren Niveau als 1990 (164 Mio. t), ihr Anteil an allen energiebedingten Emissionen Deutschlands ist sogar deutlich gestiegen: von 15,8 % im Jahr 1990 auf 21,9 % im Jahr 2017. Die nachfolgende Grafik zeigt, dass sich die vielfältigen Klimaschutzanstrengungen durch gesunkene Treibhausgas-Emissionen in allen Sektoren bemerkbar machen, nur die dunkelblau dargestellten Emissionen des Verkehrssektors verharren seit fast 30 Jahren auf nahezu unverändertem Niveau.

Entwicklung der energiebedingten Treibhausgas-Emissionen 1990-2017 nach Sektoren.
Grafik: UBA
Entwicklung der energiebedingten Treibhausgas-Emissionen 1990-2017 nach Sektoren.
Grafik: UBA

Pkw-Sektor: steigende Emissionen trotz gesunkener Durchschnittsverbräuche

Dabei trägt das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung ganz wesentlich dazu bei, dass die allein durch Personenkraftwagen in Deutschland verursachten Kohlendioxid-Emissionen sogar kontinuierlich zunehmen.

Nach Angaben des Statistische Bundesamtes emittierten Pkw im Jahr 2017 insgesamt 115 Millionen Tonnen CO2, das entspricht einer Zunahme um 7 Millionen Tonnen bzw. 6 % gegenüber 2010. Für einen rechnerischen Zuwachs der CO2-Emissionen sorgten die gestiegenen Motorleistungen der Pkw (8 Mio. Tonnen) sowie die Zunahme der Fahrleistungen und Fahrzeugbestände (6,3 Mio. Tonnen). Einzig die gesunkenen Durchschnittsverbräuche (in Litern Kraftstoff je 100 Kilometer) wirkten diesen beiden Faktoren mit einer rechnerischen Absenkung des CO2-Ausstoßes um 7,3 Mio. Tonnen entgegen. Somit blieb unter dem Strich eine deutliche Zunahme der durch Pkw verursachten Kohlendioxid-Emissionen.

Die gestiegenen Motorleistungen sowie die Zunahme von Fahrzeugbeständen und Fahrleistungen der Pkw auf deutschen Straßen führen dazu, dass die durch Pkw verursachten Kohlendioxid-Emissionen in den vergangenen Jahren gestiegen sind.
Foto: Pixabay
Die gestiegenen Motorleistungen sowie die Zunahme von Fahrzeugbeständen und Fahrleistungen der Pkw auf deutschen Straßen führen dazu, dass die durch Pkw verursachten Kohlendioxid-Emissionen in den vergangenen Jahren gestiegen sind.
Foto: Pixabay

Knapp 6 von 10 Wegen gehören dem Auto

In diesem Zusammenhang liefert die Studie „Mobilität in Deutschland 2017“ des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) wichtige Erkenntnisse. Für diese Untersuchung haben Personen aus insgesamt mehr als 155.000 Haushalten über ihr Mobilitätsverhalten berichtet. Demnach bleibt das Auto mit drei Vierteln der zurückgelegten Personenkilometer das klar dominierende Verkehrsmittel in Deutschland – auch wenn der öffentliche Verkehr mit Bus und Bahn seinen Anteil von 15 % im Jahr 2008 auf 19 % in 2017 steigern konnte.

Bei den Anteilen der einzelnen Verkehrsmittel an allen Wegen gab es zwischen 2002 und 2017 allerdings noch geringere Veränderungen als bei den Personenkilometern. Das nachfolgende Diagramm verdeutlicht, dass es innerhalb von 15 Jahren nur geringfügige Verschiebungen beim Mobilitätsverhalten gab. So veränderten sich die Anteile des motorisierten Individualverkehrs (MIV) zwischen 2002 und 2017 nur wenig: Bei den MIV-Fahrern ging er von 44 % auf 43 % zurück, bei den MIV-Mitfahrern von 16 % auf 14 %. Gleichzeitig erhöhte das Fahrrad seinen Anteil an allen Wegen von 9 % (2002) auf 11 % (2017), der Anteil des ÖPNV stieg von 8 % auf 10 %.

Mobilitätsverhalten 2002-2017: Bei den Anteilen der verschiedenen Verkehrsmittel an allen Wegen gab es innerhalb von 15 Jahren nur sehr geringfügige Veränderungen.
Grafik: BMVI
Mobilitätsverhalten 2002-2017: Bei den Anteilen der verschiedenen Verkehrsmittel an allen Wegen gab es innerhalb von 15 Jahren nur sehr geringfügige Veränderungen.
Grafik: BMVI

Die Mobilität kommt in Bewegung

Und dennoch: In den Mobilitätssektor kommt gerade in jüngster Zeit Bewegung. Der Absatz von umweltfreundlichen Autos wie zum Beispiel Elektrofahrzeugen stieg im Jahr 2017 laut Branchenverband ACEA EU-weit rasant an (+39,7 %), in Deutschland betrug der Zuwachs 76,8 % im Vergleich zum Vorjahr. Mehr noch: Bei jüngeren Menschen und in städtischen Gebieten verliert das Auto an Bedeutung. Und immer mehr Menschen in Deutschland fahren mit dem ÖPNV: Laut vorläufiger Ergebnisse des Statistischen Bundesamtes nutzten im ersten Halbjahr 2018 über 5,8 Milliarden Fahrgäste den Linienverkehr mit Bussen und Bahnen. Car-Sharing-Autos und Elektrofahrzeuge, E-Bikes und Pedelecs, Leihräder, Lastenfahrräder und jetzt auch E-Scooter werden im urbanen Raum immer präsenter – und sind nur einige Beispiele für die sich wandelnde Mobilität. Und auch wer weiterhin den eigenen Pkw nutzt, kann durch seine ökologische Fahrweise einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Dipl.-Päd. Tom Küster
Wissensmanagement
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