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Schaltbare Steckerleiste hilft beim Stromsparen.
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Mobilität

Elektromobilität

Strom tanken

Die Diskussionen über Feinstaubbelastungen, überschrittene Emissionsgrenzwerte und Fahrverbote in vielen deutschen Großstädten sowie die zahlreichen kommunalen Klimanotstände seit Frühjahr 2019 machen deutlich, wie notwendig neue Konzepte im Mobilitätsbereich sind. Hierbei haben auch – neben der Verbesserung des ÖPNV, der Verbreitung von Carsharing-Konzepten und dem Ausbau des Radwegenetzes – alternative Antriebstechniken eine immense Bedeutung.

Unter den Autofahrern verlagert sich das Kaufinteresse immer mehr zu alternativen Antrieben wie zum Beispiel den Elektrofahrzeugen.
Foto: Fotolia
Unter den Autofahrern verlagert sich das Kaufinteresse immer mehr zu alternativen Antrieben wie zum Beispiel den Elektrofahrzeugen.
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Bei den alternativen Antriebstechniken wiederum erlebt derzeit vor allem die Elektromobilität einen weltweiten Boom. Die Elektromobilität ist deshalb so wichtig, weil sie gegenüber den fossilen Brennstoffen klare Umweltvorteile bietet und in der Lage scheint, ein klimaschonendes Konzept für die Mobilität der Menschen zu gewährleisten: Elektrisch betriebene Fahrzeuge funktionieren ohne lokale Emissionen und unabhängig vom Erdöl. Im Pkw-Segment umfasst die Elektromobilität Elektroautos, Plug-In-Hybride und Brennstoffzellenautos, im Zweirad-Segment kommen außerdem E-Bikes und Pedelecs, Elektroroller und E-Scooter hinzu.

Kaufinteresse an Elektroautos wächst

Die Elektromobilität in Deutschland hat Zukunft: Derzeit wächst die Anzahl der erhältlichen Elektrofahrzeug-Modelle zusehends, ebenso wie die Zahl der deutschlandweit verfügbaren Stromtankstellen. Und eine repräsentative Befragung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag von Tank & Rast, dem führenden Infrastrukturdienstleister an deutschen Autobahnen, belegte schon im Jahr 2017: Fahrzeuge mit Elektroantrieb gewinnen bei deutschen Autofahrern an Attraktivität. Insgesamt gab bereits jeder fünfte Befragte an, beim nächsten Autokauf ein Fahrzeug mit Elektroantrieb in Betracht ziehen zu wollen: 16 % der Autofahrer waren bereit, einen Hybrid zu wählen, während sich 5 % der Befragten vorstellen konnten, sich für ein reines Elektrofahrzeug zu entscheiden. Somit war das Interesse an Fahrzeugen mit Elektroantrieb ähnlich hoch wie an Dieselautos, für die sich 20 % der Befragten entschieden hätten.

Beispielhafte Elektromobilität

Bereits seit 2011 setzt die Regionalverkehr Köln GmbH (RVK) im Linienverkehr Brennstoffzellen-Hybridbusse ein. Im Jahr 2016 nahmen die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) ihre ersten reinen Elektrobusse in Betrieb. Und auch im Bereich des Warentransports schlägt sich der Trend zur Elektromobilität nieder. So betreibt die Deutsche Post für ihre Brief- und Paketzustellung seit 2017 deutschlandweit eine aus mittlerweile 10.000 Streetscootern bestehende elektromobile Flotte, der Logistikkonzern UPS arbeitet ebenfalls mit elektrisch betriebenen Transportern. Als weiterer Vorreiter der Elektromobilität gilt das Car-Sharing mit einem Elektrofahrzeug-Anteil von etwa 12 %.

Bund und Länder haben für die Elektromobilität verschiedene Förderprogramme aufgelegt.
Foto: Pixabay
Bund und Länder haben für die Elektromobilität verschiedene Förderprogramme aufgelegt.
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Klimabilanz von Elektrofahrzeugen

Doch wie sieht eigentlich bei kritischer Betrachtung die Klimabilanz von Elektroautos aus? Laut Zulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamtes emittieren Elektrofahrzeuge kein Kohlendioxid, tatsächlich aber entsteht das klimaschädliche Treibhausgas CO2 sowohl bei der Herstellung von Elektroautos als auch bei der Produktion des Stroms für ihren Fahrbetrieb. Denn die Herstellung der Batterien ist sehr energieintensiv und verursacht dementsprechende Kohlendioxid-Emissionen in den – zumeist asiatischen – Produktionsländern. Deshalb hat ein Elektrofahrzeug, wenn es vom Band rollt, herstellungsbedingt erst einmal einen größeren ökologischen „Rucksack“ als ein Benziner oder Diesel. Hinzu kommt der deutsche Strommix: Derzeit fahren Elektroautos mit Strom, der etwa zur Hälfte aus den fossilen Energieträgern Braunkohle, Steinkohle und Erdgas erzeugt wird.

Darum ist die Frage berechtigt, ob Elektrofahrzeuge wirklich klimaschonender sind als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Die Agora Energiewende, ein Thinktank der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation, veröffentlichte daher im April 2019 eine umfangreiche Studie über rein batterieelektrisch angetriebene Elektroautos, um in der Frage der Klimabilanz von Elektroautos mehr Klarheit zu verschaffen. Für diese vergleichende Studie definierten die Autoren einen „Basisfall“: ein Fahrzeug der Kompaktklasse in Elektro-, Benziner- und Dieselversion mit einer Gesamtfahrleistung von 150.000 Kilometern.

Noch fahren Elektrofahrzeuge in Deutschland mit Strom, der etwa zur Hälfte aus Kohle und Erdgas erzeugt wird.
Foto: Pixabay
Noch fahren Elektrofahrzeuge in Deutschland mit Strom, der etwa zur Hälfte aus Kohle und Erdgas erzeugt wird.
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Angesichts des produktionsbedingten ökologischen „Rucksacks“ von Elektrofahrzeugen lassen die Studienergebnisse aufhorchen: Schon heute haben Elektroautos in allen untersuchten Fällen über den gesamten Lebensweg betrachtet einen Klimavorteil gegenüber Verbrennern. Dieser Vorteil ist bereits im untersuchten Basisfall frappierend: Das Elektrofahrzeug erreicht eine Emissionsminderung in Höhe von 24 % verglichen mit dem Benziner bzw. 16 % verglichen mit dem Diesel. Die Fahrleistung, ab der das untersuchte Elektrofahrzeug insgesamt besser wird als der Benziner („break even point“), liegt hier bei gut 60.000 km; der Punkt, an dem es besser ist als der vergleichbare Diesel, liegt bei zirka 80.000 km. Bei Stadtfahrzeugen mit kleinerem Akku ist der Klimavorteil der Elektroautos noch größer: Sie erreichen den „break even point“ schon bei 40.000 km, nach 100.000 km liegt ihr Vorteil gegenüber Benzinern bereits bei 29 %.

Perspektivisch kommt laut Agora Energiewende zum einen hinzu, dass die Klimabilanz der Batterie durch Fortschritte bei der Entwicklung in den kommenden Jahren mindestens halbiert werden kann; diese Verbesserungen werden den Klimavorteil von Elektroautos weiter erhöhen. Zum anderen wird der Klimavorteil von Elektrofahrzeugen noch stärker wachsen, wenn der Ausbau der Erneuerbaren Energien im Rahmen der Energiewende weiter forciert wird.

In der Klimabilanz erreichen batteriebetriebene Stadtfahrzeuge mit kleinerem Akku den „break even point“ schon bei 40.000 km, nach 100.000 km liegt ihr Vorteil gegenüber Benzinern bereits bei 29 %.
Foto: Pixabay
In der Klimabilanz erreichen batteriebetriebene Stadtfahrzeuge mit kleinerem Akku den „break even point“ schon bei 40.000 km, nach 100.000 km liegt ihr Vorteil gegenüber Benzinern bereits bei 29 %.
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Förderungen

Weil es im öffentlichen Interesse ist, die Entwicklung von zukunftsfähigen Mobilitätskonzepten zu fördern, gibt es im Bereich der Elektromobilität vielfältige Förderprogramme etwa von Bund und Ländern.

Für Privatpersonen interessant ist beispielsweise der „Umweltbonus“ der Bundesregierung, der für den Kauf von rein elektrischen Fahrzeugen und hybriden Modellen eine Förderprämie vorsieht: Pro Fahrzeug beträgt die Förderung 3.000 Euro bei Plug-in-Hybriden bzw. 4.000 Euro bei batterieelektrischen Fahrzeugen. Außerdem werden die Besitzer von Elektrofahrzeugen 10 Jahre lang von der Kfz-Steuer befreit, bei Dienstwagen gilt eine um 50 % verringerte Besteuerung. Auch dürfen Elektrofahrzeuge an öffentlichen Ladesäulen regionaler Energieversorger oftmals kostenlos Strom tanken.

Darüber hinaus gibt es verschiedene Förderprogramme der Bundesländer. Nordrhein-Westfalen beispielsweise fördert über den Bereich „Emissionsarme Mobilität“ des Förderprogramms progres.nrw Batterieelektro- und Brennstoffzellenfahrzeuge, Lade-Infrastruktur und Elektrolastenräder.