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Mobilität

Bus & Bahn

Ohne Reue reisen

Immer mehr Menschen nutzen Bus und Bahn: Seit einigen Jahren veröffentlicht das Statistische Bundesamt regelmäßig neue Fahrgastrekorde für Busse und Bahnen im Nah- und Fernverkehr. Fast 11,6 Milliarden Mal waren Fahrgäste im Jahr 2018 im Liniennah- und -fernverkehr mit Bussen und Bahnen in Deutschland unterwegs, damit hat sich das Fahrgastaufkommen seit 2004 um fast 15 % erhöht. Und dieser Trend setzt sich fort, zumindest im Fernverkehr: In ihrer Halbjahresbilanz 2019 verkündet die Deutsche Bahn, dass die Zahl der Reisenden im Fernverkehr im ersten Halbjahr 2019 zum fünften Mal in Folge gestiegen ist – ein Plus von 1,3 % im Vergleich zu den ersten sechs Monaten 2018.

Die Vorteile der Nutzung von Bus und Bahn liegen auf der Hand: Im Nahverkehr sind beide Verkehrsmittel im Vergleich zum eigenen Auto oftmals günstiger, vor allem in städtischen Gebieten sind die Verbindungen und Taktungen sehr kundenfreundlich, in Ballungsräumen sind Züge sowie S-, U- und Straßenbahnen häufig schneller als der Pkw, und mit dem öffentlichen Nah- und Fernverkehr ist man deutlich umweltfreundlicher unterwegs.

Busse und Bahnen erfreuen sich im Nah- und Fernverkehr seit Jahren steigender Fahrgastzahlen.
Fotro: Pixabay
Busse und Bahnen erfreuen sich im Nah- und Fernverkehr seit Jahren steigender Fahrgastzahlen.
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Umweltvergleich der Verkehrsmittel

Wie die Umweltbilanz der verschiedenen Verkehrsträger ganz konkret aussieht, zeigt eine Veröffentlichung der Allianz pro Schiene: Sie legte im Juli 2018 für Deutschland einen Umweltvergleich zwischen Flieger, Pkw, Bus, Lkw und Eisenbahn vor, bei dem Treibhausgas-Emissionen, Energieverbrauch und Stickoxid-Ausstoß im Fokus standen. Für diesen Vergleich der Verkehrsmittel stützte sich die Allianz pro Schiene auf Daten des Umweltbundesamtes (UBA) zu den durchschnittlichen Emissionen einzelner Verkehrsmittel im Personenverkehr im Jahr 2017; die Bezugsgröße für die Emissionen war in allen Kategorien die Verkehrsleistung, gemessen in Personen- und Tonnenkilometern. Und die Ergebnisse sind eindeutig.

Im Nahverkehr ist die Eisenbahn in allen Kategorien sehr viel umweltfreundlicher als der Pkw: Bei den Treibhausgasen ist der Pkw zweimal so CO2-intensiv, beim Energieverbrauch schneidet der Zug um den Faktor 2,5 besser ab. Bei den Stickoxid-Emissionen ist der Eisenbahnverkehr zweitbestes Verkehrsmittel – hinter den U- und Straßenbahnen, die heute bereits zu 100 % elektrisch unterwegs sind.

Im Fernverkehr ist das Flugzeug in den Kategorien Treibhausgase, Energieverbrauch und Stickoxid-Ausstoß das mit Abstand umweltschädlichste Verkehrsmittel. An zweiter Stelle folgt der Pkw, während im Straßenverkehr der Bus die geringsten Umweltwirkungen verzeichnet. Wegen des hohen Ökostrom-Anteils im Bahnstrommix ist jedoch die Deutsche Bahn im Fernverkehr deutlich umweltschonender als der Reisebus – bei den Treibhausgas-Emissionen um den Faktor 2,5 und bei den Stickoxid-Emissionen sogar um den Faktor 3,6.

Zeitaufwand und Kostenvergleich der Verkehrsmittel

Bei der Wahl des Verkehrsmittels spielt bei vielen Menschen nicht nur der Umweltfaktor eine Rolle: Vor allem die Zeit, die sie für eine bestimmte Wegstrecke benötigen, und die Kosten, die ihnen durch eine Fahrt oder Reise entstehen, sind oftmals wichtige Entscheidungskriterien. Deshalb hat der Verkehrsclub Deutschland (VCD) nicht nur den CO2-Ausstoß, sondern auch den Zeitaufwand (von Tür zu Tür) und die Kosten verschiedener Verkehrsmittel unter anderem für die exemplarische Langstrecke Berlin-Frankfurt (jeweils Stadtzentrum) berechnet – mit überraschenden Ergebnissen, weil gerade die Vollkosten des Autofahrens sehr viel höher sind, als die meisten denken.

Beim Vergleich des VCD schneidet die Bahn mit 4:19 Stunden und 29 Euro (beim Dauerspezial-Angebot für Frühbucher) sowohl beim Zeit- als auch beim Kostenaufwand am besten ab. Das Auto dagegen ist mit 5:04 Stunden und 305 Euro etwas länger und deutlich teurer unterwegs als die Bahn, selbst beim normalen Fahrpreis in der 2. Klasse ohne Bahncard (132 Euro) und sogar beim Sparpreis für die 1. Klasse (166 Euro). Die hohen Kosten der Fahrt mit dem Pkw ließen sich allerdings – ebenso wie die hohen CO2-Emissionen – durch das Mitnehmen von Mitfahrern reduzieren.

Beim Vergleich der verschiedenen Verkehrsmittel im Fernverkehr schneidet die Bahn sowohl bei der Umweltbilanz als auch beim Zeitaufwand und bei den Kosten besser ab als das Auto und das Flugzeug.
Foto: Pixabay
Beim Vergleich der verschiedenen Verkehrsmittel im Fernverkehr schneidet die Bahn sowohl bei der Umweltbilanz als auch beim Zeitaufwand und bei den Kosten besser ab als das Auto und das Flugzeug.
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Das Flugticket schließlich ist bei einem „Billigflieger“ mit Preisen ab 33 Euro zwar kaum teurer als die günstigste Bahnfahrt, doch kann das Flugzeug auf der Strecke Berlin-Frankfurt seinen vermeintlichen Zeitvorteil nicht ausspielen: Von Tür zu Tür benötigt der Flugreisende ganze 5:10 Stunden, damit ist er sogar etwas länger unterwegs als der Autofahrer.

Die Ergebnisse, die der Vergleich des VCD anhand einer beispielhaften innerdeutschen Reisestrecke liefert, werden mit Blick auf den Kostenvergleich Auto vs. Bus & Bahn durch eine größer angelegte Vergleichsstudie unterstrichen, deren Resultate t-online.de im Sommer 2019 veröffentlichte. Für diese Studie waren fünf Idealtypen gebildet worden, die allesamt in einer Großstadt leben: ein Single ohne/mit Auto, eine vierköpfige Familie ohne/mit einem Auto und eine vierköpfige Familie mit zwei Autos. Das Ergebnis dieser Studie ist überaus eindeutig: „Egal in welcher Konstellation – ein eigenes Auto ist teurer als Bus und Bahn. Ob Single oder Familie: Wer aufs Auto verzichtet, fährt in einer Großstadt günstiger – trotz Mietwagen für Urlaube und Ausflüge.“