Informationen zur Exkursion

Wuppertal: Auf dem Weg zum energieautarken Stadtteil

Das „Microgrid VillaMedia“ im Klimaquartier Arrenberg in Wuppertal produziert mehr Energie als es verbraucht.
Foto: VillaMedia GmbH
Das „Microgrid VillaMedia“ im Klimaquartier Arrenberg in Wuppertal produziert mehr Energie als es verbraucht.
Foto: VillaMedia GmbH
Klimaschutz und Energiewende finden in NRW auf unterschiedlichsten Ebenen statt. Diese Exkursion stellt verschiedene Projekte in Leverkusen, Hilden und Wuppertal vor. Das Naturgut Ophoven mit seinem Kinder- und Jugendmuseum EnergieStadt lehrt Klimaschutz an vielen Praxisbeispielen; die Großbäckerei Schüren setzt auf Elektromobilität, Sonnenstrom und Abwärmenutzung im Betrieb, und die VillaMedia im Klimaquartier Arrenberg produziert mehr Energie als sie verbraucht. Von hier aus wird derzeit ein ganzer Stadtteil in Wuppertal zum energieautarken Klimaquartier umgestaltet. Abgerundet wird die Exkursion mit einer Fahrt mit der weltberühmten Wuppertaler Schwebebahn.

Station 1: Naturgut Ophoven, Leverkusen-Opladen

Täglich nutzen zahlreiche Klassen und Kindergartengruppen das Angebot des modernen Kinder- und Jugendmuseums EnergieStadt in den historischen Gebäuden.
Foto: Holger Schmitt
Täglich nutzen zahlreiche Klassen und Kindergartengruppen das Angebot des modernen Kinder- und Jugendmuseums EnergieStadt in den historischen Gebäuden.
Foto: Holger Schmitt
Das NaturGut Ophoven ist das größte Umweltbildungszentrum Nordrhein-Westfalens. Mit Erlebnisspielen und Entdeckungsreisen will es Kinder und Erwachsene für Umwelt- und Klimaschutz begeistern. Das Kinder- und Jugendmuseum EnergieStadt sowie das sechs Hektar große Gelände mit verschlungenen Pfaden, Weidezelten, Teichen, Wiesen und einem Bach bietet hier unbegrenzte Möglichkeiten. Schulen und Kindergärten erfahren in über 80 verschiedenen Kursen täglich Wichtiges zu den Themen erneuerbare Energien, Konsum, Biodiversität, Klima- und Naturschutz.

Vor wenigen Jahren wurde auf dem weitläufigen Gelände der erste KlimaErlebnisPark in Deutschland installiert. Sieben interaktive Klima-Info-Stationen zu den Themen Mobilität, Konsum und Ernährung sowie der Garten der nachwachsenden Rohstoffe und der Laufsteg der erneuerbaren Energien zeigen den Besuchern einfache aber effektive Wege auf, wie sie sich im Alltag für den Klimaschutz einsetzten können.

Täglich nutzen zahlreiche Klassen und Kindergartengruppen auch das Angebot des modernen Kinder- und Jugendmuseums EnergieStadt in den historischen Gebäuden. Hier ist Anfassen und aktiv zu werden ausdrücklich erwünscht.  Auf 1.200 qm sind zahlreiche Stationen und Installationen mit Experimenten und Spielen zum Thema Energie und Natur in der Stadt untergebracht. Hier werden Kinder und Jugendliche zu Energiedetektiven ausgebildet, suchen den "Pauerklauer" oder experimentieren in der Solarwerkstatt. Die außergewöhnliche Ausstellung „Auf der Suche nach dem KlimaGlück“ geht der Frage nach, welche Auswirkungen der Klimawandel bereits für viele Menschen auf der Welt hat und was wir tun können um ihn zu stoppen.

Seit 2010 ist das NaturGut Ophoven das erste klimaneutrale Umweltinformationszentrum Deutschlands. Als öffentliche Bildungseinrichtung will das Zentrum damit Vorbild sein und ähnliche Einrichtungen motivieren seinem Beispiel nachzukommen. Zurzeit bildet es 16 Bildungszentren aus ganz Deutschland zu Klimabildungszentren aus.

Das NaturGutOphoven wurde bereits mehrfach von der deutschen UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet und ist inzwischen anerkannter „Lernort mit Auszeichnung“ des UNESCO-Weltaktionsprogrammes BNE.

Station 2: Bäckerei Schüren, Hilden

DIe Bäckerei "Ihr Bäcker Schüren" bietet den sogenannten Hilden Junction Charging Park mit insgesamt 14 Ladeschächten für Elektrofahrzeuge kostenfrei an.
Foto: Christopher Mick
DIe Bäckerei "Ihr Bäcker Schüren" bietet den sogenannten Hilden Junction Charging Park mit insgesamt 14 Ladeschächten für Elektrofahrzeuge kostenfrei an.
Foto: Christopher Mick
Der traditionelle Familienbetrieb Ihr Bäcker Schüren lebt das Prinzip der Nachhaltigkeit. Es wird nicht nur bei der Herstellung von Brötchen und Kuchen verfolgt, sondern auch beim effizienten und innovativen Umgang mit Energie. Das selbstgesteckte Ziel ist es, aus eigener Kraft 100 Prozent CO2-neutral zu werden.

So wurde das Backstubengebäude in Hilden zu einem gewerblichen Plusenergiehaus umgebaut, welches bilanziell mehr Energie erzeugt als es verbraucht. Möglich macht das die durchdachte Kombination verschiedener Maßnahmen: Zentral sind dabei die Wärmerückgewinnung der Backöfen sowie die effiziente Wärmedämmung des Gebäudes. Die Kühlanlage wird im Sommer über Erdwärmetauscher rückgekühlt. Im Winter wird dazu ein Wasserkreislauf genutzt, der 20 Zentimeter unter den Kundenparkplätzen verlegt wurde und die Abwärme an die Bodenoberfläche abgibt.

Die PV-Anlagen auf dem Dach des Gebäudes sowie auf dem Solarcarport über dem Kundenparkplatz leisten gemeinsam rund 185 kWpeak. Die Ausrichtung der Anlage nach Südosten ist auf die Hauptbetriebszeit der Bäckerei in den Morgen- und Vormittagsstunden ausgelegt. Die bereitgestellte Solarenergie versorgt neben der Backstube auch Ladeplätze für Elektrofahrzeuge. Die Lieferwagen der Bäckerei als auch Fahrzeuge von Kunden können so mit 100 Prozent erneuerbarem Strom geladen werden.

Der Betrieb bietet den so genannten Ladepark Kreuz Hilden mit gesamt 14 Ladeplätzen zum Aufladen von E-Mobilen an. Weil Schüren Elektromobilität aktiv unterstützt, ist jedermann eingeladen bis auf weiteres kostenlos Strom zu tanken.  Zusätzlich hat Schüren am Ladepark Kreuz Hilden eine CHAdeMO-Schnellladestation sowie einen Tesla-Destination Charger, der rund um die Uhr kostenlos nutzbar ist und keine Authentifizierung voraussetzt.

Station 3: VillaMedia, Wuppertal

Das „Microgrid VillaMedia“, ist ein klimaneutraler Gebäudekomplex aus vier denkmalgeschützten Villen, in dem auf ca. 4.000 Quadratmetern Nutzfläche 25 Unternehmen inklusive einer großen Eventlocation und dem „Innovationszentrum NRW“ ansässig sind. Sieben Solaranlagen, ein BHKW, eine Brennstoffzelle, Wärme- und Stromspeicher, Ladestationen, ein Smartgrid und sieben Elektroautos dienen hier der eigenen Energieversorgung und der umweltfreundlichen Mobilität. Aus dem Microgrid VillaMedia heraus hat sich in den vergangenen Jahren das ambitionierte Projekt „Klimaquartier Arrenberg“ entwickelt.

Das Ziel ist, bis zum Jahr 2030 mit dem Quartier Arrenberg, einem ersten Quartier einer deutschen Großstadt, klimaneutrales Leben und Wirtschaften zu ermöglichen. Ein komplexes Projekt, das in drei Teilprojekte unterteilt ist: „Essbarer Arrenberg“, „Mobiler Arrenberg“ und „Energiereicher Arrenberg“. In zahlreichen Einzelprojekten wird hier die Blaupause dafür entwickelt, den Menschen einen Zugang zu diesen Themen und Projekten zu ermöglichen.

Es geht darum, die bestehenden Gebäudestrukturen so zu verändern, dass die notwendige Energieversorgung mit elektrischer und thermischer Energie in umweltfreundlicher Form geschieht. Der „Mobile Arrenberg“ bemüht sich darum, die Menschen für alternative Mobilitätskonzepte zu begeistern, und der „Essbare Arrenberg“ setzt sich mit den Fragen nachhaltiger Ernährung auseinander. 

Urban Farming, Foodsharing, Märkte und vor allem die Vision der „Arrenberg-Farm“, einer riesigen innerstädtischen Farm mit einer Aquaponicanlage, einer Brauerei, Destillerie, Manufaktur etc. treiben hier die Menschen in diesem „bottom-up“-Projekt voran.

Zeit

11.11.2017, Bonn – Leverkusen – Hilden – Wuppertal

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