Informationen zur Exkursion

Bonn: Erdwärme, Holzpellets und E-Mobilität für Unternehmen

Das Kameha Grand Hotel in Bonn besticht nicht nur durch seine futuristische Architektur, sondern auch durch sein innovatives Energiekonzept.
Foto: Kameha Grand Hotel
Das Kameha Grand Hotel in Bonn besticht nicht nur durch seine futuristische Architektur, sondern auch durch sein innovatives Energiekonzept.
Foto: Kameha Grand Hotel

In und um Bonn ist diese Exkursion unterwegs. Sie zeigt, wie unterschiedlich Unternehmen mit der Energiewende umgehen. Im Post Tower wird das Elektromobilitätskonzept der Deutschen Post vorgestellt, das Hotel Kameha Grand ist ein Beispiel zum Thema Wärmewende, hier wird Erdwärme genutzt. Das Hotel finanziert seine Energieeffizienztechnik im Contractingverfahren, d.h. über eingesparte Energiekosten. Bei der Welthungerhilfe in Bad Godesberg dreht sich alles um Biomassenutzung. Das Godesberger Verwaltungsgebäude der Welthungerhilfe wird von einer 500-kW-Holzpelletanlage beheizt. Zum Ausklang geht es den Rhein entlang zur Drachenfelsbahn nach Königswinter, wo es auf den Drachenfelsen hinauf geht.

Station 1: Post Tower der Deutsche Post DHL Group, Bonn

Im Post-Tower wird das Elektromobilitätskonzept der Deutsche Post DHL Group präsentiert.
Foto: Andeas Kuehlken / Deutsche Post DHL Group
Im Post-Tower wird das Elektromobilitätskonzept der Deutsche Post DHL Group präsentiert.
Foto: Andeas Kuehlken / Deutsche Post DHL Group
Die Deutsche Post DHL Group hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2025 die eigene Zustellung (einschließlich der Abholung) zu 70 Prozent mit sauberen und emissionsfreien Zustell- und Abholkonzepten durchzuführen, um einen positiven Beitrag zur lokalen Luftqualität zu leisten. Dazu erneuert das Unternehmen seine Fahrzeuge kontinuierlich auf Basis der jeweils neuesten Emissionsstandards.

Neben technischen Modifikationen bei konventionell betriebenen Fahrzeugen setzt der Konzern zunehmend auf den Einsatz von alternativen Antrieben und Kraftstoffen, um seine Treibhausgasemissionen weiter zu senken. Dies umfasst insbesondere Elektromobilität und Gasantriebe für den Kurzstreckenbereich sowie nachhaltig hergestellte Biokraftstoffe höherer Generationen für die Langstreckentransporte. Insgesamt wurden auf diese Weise von den rund 92.000 eigenen Fahrzeugen weltweit bereits 20.500 Fahrzeuge mit über 25.600 technischen Modifikationen verbessert, wobei an einem einzelnen Fahrzeug oftmals mehrere Maßnahmen vorgenommen werden.

Heute fahren rund 3.000 StreetScooter für die Deutsche Post DHL Group überwiegend in Deutschland.   
Foto: Andeas Kuehlken / Deutsche Post DHL Group
Heute fahren rund 3.000 StreetScooter für die Deutsche Post DHL Group überwiegend in Deutschland.
Foto: Andeas Kuehlken / Deutsche Post DHL Group
Mit dem StreetScooter hat die Deutsche Post DHL Group zusammen mit der StreetScooter GmbH und Instituten der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen ein eigenes zukunftsweisendes Elektroauto speziell für die Brief- und Paketzustellung entwickelt. 2012 wurde der erste Prototyp in verschiedenen Workshops getestet und erwies sich in puncto Ausstattung, Ladekapazität und Sicherheitsstandards als geeignet. Anfang 2014 setzte die Deutsche Post DHL Group dann insgesamt 150 Vorserienfahrzeuge in verschiedenen Zustellstützpunkten bundesweit im Betrieb ein. Dabei wurden besonders Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit geprüft. Die maximale Reichweite des Fahrzeugs beträgt bis zu 80 Kilometer. Heute fahren für das Unternehmen rund 3.000 StreetScooter, überwiegend in Deutschland.  

Elektrofahrzeuge eignen sich insbesondere für Fahrten mit ausgeprägtem Start-Stopp-Verkehr. Durch die fast vollständige Emissionsfreiheit von Schadstoffen und Lärm sind die Autos sehr umweltfreundlich und leise. Die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen macht den Einsatz von Fahrzeugen mit Elektro-Antrieben zudem zu einer zukunftsweisenden Investition.

Station 2: Hotel Kameha Grand, Bonn

Die Glasarchitektur des Hotels wirkt als passiver Sonnenkollektor.
Foto: Kameha Grand Hotel
Die Glasarchitektur des Hotels wirkt als passiver Sonnenkollektor.
Foto: Kameha Grand Hotel
Das Hotel am Bonner Bogen wurde im Frühjahr mit dem renommierten MIPIM Award der internationalen Immobilienwirtschaft ausgezeichnet. Neben der Architektur hat dazu auch das vorbildliche Energiekonzept des gesamten Gebäudekomplexes beigetragen. Mit einer Symbiose aus passiver Sonnenenergie, intelligenten Kühlsystemen und Ressourcen schonendem Klimakonzept auf Geothermiebasis erfüllt das Kameha Grand Bonn die Ansprüche eines modernen und innovativen Gebäudes.

Das Hotel wird über eine Geothermieanlage mit einem Akquifer-Speichersystem mit Wärme und Kälte versorgt, das die Energieausbeute durch eine Trennung zwischen Sommer und Winterbetrieb optimiert. Die Energiezentrale, die 80 Prozent der Gebäude des „Bonner Bogens“ versorgen wird, ist im Tiefgeschoss des Hotels untergebracht. Die Grundlastversorgung wird über eine Betonkernaktivierung in den Deckensystemen sichergestellt. Bodenkonvektoren mit einer Frischluftzufuhr decken den Zusatzbedarf ab. In der Glashalle sorgt ein Klimaboden für ganzjährig angenehme Temperaturen. Die Hohlprofile der Metallkonstruktion werden mit Wasser gefüllt und als Heiz- bzw. Kühlflächen genutzt.

Das Klimapaket mit Frischluftzufuhr sorgt für ein angenehmes Raumklima und ermöglicht hochwertige Raum-in-Raum-Lösungen ohne störende Deckenabhängungen für die ansonsten üblichen Klimaanlagen. Andererseits wirkt die Glasarchitektur als passiver Sonnenkollektor.

Für die Nutzung des Grundwassers sind acht Brunnen angelegt. Sie arbeiten im Pendelbetrieb zwischen Sommer- und Winternutzung. Über dieses System werden bis zu 70 Prozent des Kältebedarfs gedeckt. Der Einsatz einer Kältemaschine ist nur für kurze Zeiträume im Hochsommer notwendig. Im Winter liegt der Deckungsgrad zwischen 60 bis 80 Prozent über dem Grundwasser.

Die Geothermieanlage mit dem effizienten Akquiferspeicher-System gehört zu den größten Anlagen dieser Art in Europa. Gegenüber einer konventionellen Energieversorgung können so jährlich rund 1.700 MWh Primärenergieaufwand sowie ca. 400 Tonnen CO2 vermieden werden. Diese Einsparungen resultieren aus der Energieeffizienz der Geothermieanlage, aus der Gebäudearchitektur sowie einer modernen Gebäudeleittechnik mit einer individuellen Raumsteuerung.

Station 3: Holzpelletheizanlage der Welthungerhilfe, Bonn

Die Deutsche Welthungerhilfe e. V., eine der größten privaten, deutschen Hilfsorganisation, setzt am Stammsitz in Bonn auf regenerative Energien.
Foto: Huber / Welthungerhilfe
Die Deutsche Welthungerhilfe e. V., eine der größten privaten, deutschen Hilfsorganisation, setzt am Stammsitz in Bonn auf regenerative Energien.
Foto: Huber / Welthungerhilfe

„Null Hunger bis 2030 – dort, wo wir arbeiten“ – ein herausforderndes Ziel, aber auch eine große Vision, die die Welthungerhilfe als eine der größten privaten, politisch unabhängigen und nicht konfessionsgebundenen Hilfsorganisationen in Deutschland verfolgt. Die Grundlage all ihrer Aktivitäten ist das Menschenrecht auf Nahrung. Jedoch bedürfen die Nahrungs- und Lebensmittelsicherheit für alle Menschen auf der Welt eines ganzheitlichen und nachhaltigen Arbeitskonzeptes. Als Teil dieses Konzeptes hat die Organisation ein Beispiel im Bezug zum Klimaschutz und der Nutzung erneuerbarer Energien gesetzt.

Ökologischer Pionier

Im Jahr 2009 war der Gebrauch von Holzpellets für Heizsysteme bei den Unternehmen und Organisationen noch nicht weit verbreitet. Die Welthungerhilfe war eine der ersten Organisationen die einen wichtigen Schritt im Hinblick auf die Fokussierung auf erneuerbare Energien gegangen ist. Weil der Klimawandel einen großen Einfluss auf Entwicklungsländer sowie auf die Nahrungsmittel der Menschen und deren Lebensmittelsicherheit hat, ist es ein führender Grundsatz der Welthungerhilfe als gutes Beispiel voran zu gehen. Als im Jahr 2009 das Erdgas-basierte Heizsystem in der Firmenzentrale in Bonn einen Defekt hatte, ergriff die Welthungerhilfe die Gelegenheit und entschied sich, das System nicht zu reparieren sondern auszutauschen und Holzpellets zu verwenden. Jedes Jahr werden rund 350.000 kWh Strom in den Büroräumen der Welthungerhilfe in Bonn und Berlin benötigt. Die Welthungerhilfe nutzt erneuerbare Energiequellen und spart damit rund 190,40 t an CO2 jedes Jahr, was dem jährlichen CO2-Verbrauch von 1.655,65 Bäumen entspricht. Das neue Heizsystem in der Bonner Firmenzentrale läuft mit 120 t Holzpellets jährlich, wobei 18 t an CO2 Emissionen jedes Jahr ausgestoßen werden (3.205 Bäume). Zudem kauft die Welthungerhilfe die Holzpellets lokal ein. Kein Baum wird für die Holzproduktion gefällt, weil die Pellets aus Verschnitt, Sägespänen und Holzabfällen hergestellt werden.

Zeit

08.11.2017, Bonn – Bonn – Königswinter

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