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Kommunale CO2-Bilanzen

FAQ

Wie bekomme ich den Zugang zum Klimaschutz-Planer?

Das Land NRW hat für alle Kommunen/ Kreise/ Regierungsbezirke inkl. RVR eine Landeslizenz für das CO2-Bilanzierungstool Klimaschutz-Planer erworben. Die Nutzung des Tools ist für diese kostenfrei. Über diese Seite erhalten Sie den Zugang. Jede Kommune kann eine Person auf Verwaltungsebene registrieren lassen, die einen geschützten Zugang erhält. Bei der Anmeldung wird bereits ein Benutzername sowie Passwort festgelegt. Nach der Registrierung erhalten Sie per Mail eine Registrierungsbestätigung. Daraufhin haben Sie die Möglichkeit sich unter www.klimaschutz-planer.de einzuloggen.

Wie erstelle ich eine CO2-Bilanz?

Für die Berechnung der Ist-Bilanz müssen Sie im Klimaschutz-Planer unabdingbar bestimmte Daten eingeben (siehe Tabelle). Gehen Sie dabei durch die drei Reiter (Erdgas, Strom und Verkehrsmengen), ergänzen die Werte und ändern Sie gegebenenfalls die Datenquelle. Bei der Dateneingabe sollten Sie auf die korrekten Einheiten berücksichtigen. Die EnergieAgentur.NRW bietet auf ihrer Homepage eine Hilfestellung zur Umrechnung von Energieeinheiten an. Zusätzlich zu diesen Daten stellt die Software weitere benötigte statistische Basisdaten automatisch bereit. Welche Daten explizit bereitgestellt werden finden Sie hier. Diese können Sie als Nutzer bei Bedarf auch überschreiben. Auf Grundlage beider Datenbestände berechnet der Klimaschutz-Planer die sogenannte Minimalbilanz. Im nächsten Schritt wird die Minibilanz mit Hilfe umfangreicher kommunaler und regionaler Daten verfeinert und eine detaillierte Basisbilanz erzeugt. Die Erstellung einer Basisbilanz macht eine eigene umfangreiche Datenerhebung erforderlich.

Tabelle 1: Statistische Basisdaten

Bereich Daten Datenquelle
Erdgas Erdgasverbrauch gesamtes Kommunengebiet Erdgas-Netzbetreiber
Erdgas Angabe Erdgasanteil - Verhältnis Erdgas- zu Heizölverbrauch in der Kommune (Voreinstellung der Anteile: 50:50) Energieversorger, Kommunale Erhebung (Schätzung)
Strom Stromverbrauch gesamtes Kommunengebiet Strom-Netzbetreiber
Verkehrsmengen Fahrleistungen Linienbus Lokale(s) Verkehrsunternehmen, Verkehrsverbund
Verkehrsmengen Fahrleistung Straßen, Stadt- und U-Bahnen Lokale(s) Verkehrsunternehmen, Verkehrsverbund

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Woher bekommt man die erforderlichen Daten zur Erstellung der eigenen CO2-Bilanz?

Bei den Daten muss man grundsätzlich unterscheiden zwischen Verbrauchs- und Erzeugungsdaten. Die Verbrauchsdaten untergliedern sich in die leitungsgebundene- und nicht leitungsgebundene Energieträger. Akteure, die entsprechende Daten vorhalten sind u.a. die Energieversorger/ Netzbetreiber sowie Schornsteinfeger. Weiterhin ist eine entsprechende Datenerhebung im Verkehrsbereich sowie der kommunalen Gebäude/Flotten notwendig. Die EnergieAgentur.NRW hat entsprechende Datenerhebungshilfen erarbeitet, die unter www.CO2.nrw.de im Bereich Datenerhebung abrufbar sind. Nicht alle Daten können 1 zu 1 für die Bilanzierung mit dem Klimaschutz-Planer Verwendung finden, da auch hier eine Einheitenumrechnung erforderlich ist.

Wie wird vorgegangen, wenn es mehrere Anbieter in der Kommune gibt?

Falls sich mehrere Versorger bzw. Netzbetreiber in einer Kommune befinden ist u.U. eine Einzelabfrage der benötigten Daten durchzuführen. Durch die Liberalisierung der Energieversorgung gibt es keine eindeutige Zuordnung der Versorger zu bestimmten Gebieten. Über vertragliche Bindungen im Rahmen von Konzessionsverträge kann aber in der Regel bestimmt werden, welcher Versorger den größten Anteil in einer Kommune hält.

Das zur Verfügung stellen von Daten für die CO2-Bilanzierung ist generell für alle potenziellen Datenlieferanten freiwillig, dies gilt auch für EVU/ Netzbetreiber. Die Erfahrungen zeigen aber, dass viele Energieversorger sehr bereitwillig sind, wenn es um die Unterstützung der Kommunen geht. Von Vorteil ist dabei eine direkte Ansprache der entsprechenden Kommune. Da es sich um Datenschutzrelevante Daten handelt sollte entsprechendes Verständnis aufgebracht werden, dass eine Datenabfrage über Dritte (z.B. Ingenieurbüros) von Seiten der EVUS/ Netzbetreiber eher Skepsis entgegen gebracht wird.

Falls Datenlücken bei der Abfrage auftauchen sollten, so ist dies kein Beinbruch. Der Klimaschutz-Planer bietet die Möglichkeit entsprechend zu inter/extrapolieren.

Gibt es Unterstützungsangebote bei der Datenerhebung?

Die EnergieAgentur.NRW hat acht Datenerhebungshilfen entwickelt. Diese stehen auf dieser Seite als Excel Download zur Verfügung. Weiterhin werden jährlich die Daten zu den solarthermischen Anlagen auf Basis der Förderprogramme BAFA und progress.nrw von der EnergieAgentur.NRW aufbereitet und ausgewertet. Weiterhin werden jährlich die Daten des EU-Emissionshandels (Energieintensive Anlagen Unternehmen) ausgewertet und eine Zuordnung nach Branchen sowie Kommunen vorgenommen. Alle zwei Jahre werden Daten der Deutschen Bahn sowie Dritte den Kommunen im Klimaschutz-Planer zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus erhält jede Kommune jährlich eine nach Tätigkeiten spezifische Übersicht der Emissionen aus dem Europäischen Emissionshandel (ETS). Diese Daten werden ebenfalls im Klimaschutz-Planer hinterlegt. Bei Fragen zur Datenerhebung setzen Sie sich bitte mit Herrn Michael Müller, siehe unten, in Verbindung.

Wie seriös sind Daten, die zum Beispiel von EnergyMap übernommen werden? 

EnergyMap (www.energymap.info) basiert auf den Meldedaten der EVU im Hinblick auf EEG Anlagen. Das EEG formuliert diesbezüglich eine Meldepflicht für die Netzbetreiber. Die Netzbetreiber veröffentlichen diese Daten auf ihren eigenen Plattformen, es gibt keine gesetzliche Verpflichtung, dass dies in einem zentralen Datenregister bzw. einer Datenbank erfolgen muss. EnergyMap trägt die veröffentlichungspflichtigen Daten der Netzbetreiber zusammen und prüft sie auf Plausibilität. Insofern haben die Daten aus Sicht der EnergieAgentur.NRW eine gute Qualität. Seit 2012 stellt das LANUV NRW über das Internetportal www.energieatlas.nrw.de den Kommunen spezifische Daten zu erneuerbaren Energien zur Verfügung. Der Energieatlas NRW bietet eine gute Alternative zur Datenbeschaffung hinsichtlich der Stromproduktion durch erneuerbare Energie.

Wie kommt man an die Daten für die Fahrleistungen unter dem Punkt Verkehr?

Im Verkehrssektor werden die Endenergieverbräuche und Treibhausgasemissionen der Kommune nach dem „Territorialprinzip“ ermittelt. Dabei werden alle Fahr- und Verkehrsleistungen sowie teilweise Endenergieverbräuche der Verkehrsmittel erfasst, die innerhalb der Gemarkungsgrenzen der Kommune erbracht werden. Das geschieht unabhängig davon, ob der Verkehr durch die Einwohner der Kommune verursacht wird oder durch andere Personen (Pendler, Durchreisende).
Der Endenergieverbrauch eines Verkehrsmittels ergibt sich aus dem Produkt einer Fahrleistung (zurückgelegte Strecke eines Verkehrsmittels in Fahrzeug-Kilometer (in Fz-km)) und einem spezifischen Endenergieverbrauchsfaktor (Endenergieverbrauch des Verkehrsmittels je zurückgelegten Kilometer in Wh/Fz-km). Diese Berechnungen werden sowohl für den Energieträger Kraftstoff als auch Strom durchgeführt. Die Fahrleistung je Verkehrsmittel ist selbstständig durch die Kommune einzupflegen. Die bundesweit einheitlichen Endenergieverbrauchsfaktoren sind im durch den Klimaschutz-Planer vorgegeben und, um eine bessere Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu gewährleisten, nicht abänderbar.

Anstelle der Fahrleistungen sind auch andere Parameter für die Verkehrsmengen möglich:

  • Verkehrsleistung (Einheit: Personen-km)
  • Angebotene Verkehrsleistung (Einheit: Platz-km)

Was ist die Minibilanz und wie aussagekräftig ist sie?

Kommunale Energie- und Treibhausgas-Bilanzen werden im Idealfall auf Grundlage lokal erhobener (primärstatistischer) kommunenspezifischer Daten berechnet. Leider sind belastbare Daten nicht immer in vollem Umfang erhältlich. Die Minimalbilanz stellt einen Startpunkt für die weitere Bilanzerstellung einer Kommune dar. Aufgrund der sehr vereinfachten und groben Datenerfassung eignet sie sich nicht für ein Monitoring im Sinne eines Klimaschutzkonzeptes oder eines NKI-Masterplanes. Mit Hilfe der Eingabe einiger weniger Daten und in der Software bereits hinterlegten statistischen Daten, berechnet der Klimaschutz-Planer die sogenannte Minimalbilanz. Der automatische Datenbestand der Software kann bei Bedarf durch jeden Nutzenden mit eigenen Daten überschrieben werden. Den Detailgrad einer Basisbilanz erreicht die Minibilanz dadurch ebenfalls nicht. Die Minibilanz kann kommunenspezifische Abweichungen in durchaus relevanter Größenordnungen erreichen, weshalb es nicht zu empfehlen ist, die Minibilanz unkommentiert zu veröffentlichen.

Wie berechnet sich die Basisbilanz?

Ausgehend von dieser ersten Berechnung der Minimalbilanz kann die Qualität der Ist-Bilanz durch die Eingabe von weiteren kommunenspezifischen Werten (bspw. die nicht-leitungsgebundenen Energieträger) schrittweise verbessert werden, sodass eine kommunale Basisbilanz für den Ist-Stand erstellt werden kann. Die Basisbilanz präzisiert die Ergebnisse der Minibilanz. Es werden, soweit möglich, regionalspezifische Daten in den Klimaschutz-Planer eingepflegt.
In der finalen Basisbilanz werden die Berechnungen zu den Energieverbräuchen und den daraus resultierenden CO2-Emissionen auf Grundlage der „harten“ regionalspezifischen Daten durchgeführt (Bottom up). In den Bereichen, für die keine regionalspezifischen Daten vorliegen, werden die im Bilanzierungstool vorab hinterlegten Daten eingesetzt (Top down). Die Basisbilanz ist in den meisten Fällen ein Berechnungsmix aus regionalen Daten und den statistischen Basisdaten.

Nach welcher Methodik erfolgt die Berechnung der CO2-Bilanz?

Für die Ermittlung der CO2-Emissionen auf Grundlage der Endenergieverbräuche gibt es zwei verschiedene Vorgehensweisen: die IPCC- und die LCA-Methodik. Die IPCC-Methodik beruht auf dem Territorial- oder Quellenprinzip, d. h., dass alle Treibhausgasemissionen innerhalb der räumlichen Grenzen der untersuchten Region bilanziert werden. Im Fall von Strom werden demnach nur die Emissionen bilanziert, die durch die Stromerzeugung (Kraftwerk) vor Ort entstehen. Der Stromkonsum dagegen wird als emissionsfrei angenommen. Bei der LCA-Methodik (Life Cycle Assessment) wird das Verursacherprinzip angewandt. Neben dem Endenergieverbrauch vor Ort werden auch die Emissionen der Vorkette, also beispielsweise die CO2-Emissionen des Kraftwerkes in dem der Strom außerhalb der Region produziert wird oder die durch den Transport der Kohle zu dem Kraftwerk entstehen, berücksichtigt. Ebenso besteht im Klimaschutz-Planer die Möglichkeit auf die sogenannte BISKO-Methodik des ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH zurückzugreifen. Diese basiert auf dem endenergiebasierten Territorialprinzip. Es werden alle im betrachteten Territorium anfallenden Verbräuche auf Ebene der Endenergie berücksichtigt und den verschiedenen Verbrauchssektoren zugeordnet. Die Kommune kann im Klimaschutzplaner entscheiden, ob sie ihre Bilanzierung nach der BISKO-, der IPCC- oder der LCA-Methodik erstellt.

Michael Müller
Energieanwendung, Klimaschutz in Kommunen und Regionen
EnergieAgentur.NRW
0211 86642286
michael.mueller@energieagentur.nrw

Güler Ebren
Energieanwendung, Klimaschutz in Kommunen und Regionen
EnergieAgentur.NRW
0202 2455270
ebren@energieagentur.nrw

Benjamin Foric
Energieanwendung, Klimaschutz in Kommunen und Regionen
EnergieAgentur.NRW
0202 24552174
foric@energieagentur.nrw

Sie erreichen die EnergieAgentur.NRW außerdem werktags von 8 bis 18 Uhr über die Hotline unter 0211 - 8371930.

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