Klimaschutz » CCF - Corporate Carbon Footprint

Neue Technologien für eine effiziente und kostengünstige Kohlenstoffnutzung als Energieträger und chemischer Baustein standen im Mittelpunkt der Veranstaltung. 
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Information

CO2-Bilanzierung von Transporten

Hinsichtlich der Treibhausgasemissionen in der Wertschöpfungskette von Unternehmen spielen Transporte eine wichtige Rolle. Im GHG-Protokoll sind die Transporte in verschiedene Scopes unterteilt, die getrennt berichtet werden müssen:

  • 3.4 und 3.9 Vor- und nachgelagerte Transporte und Vertrieb,
  • 3.6 Geschäftsreisen,
  • 3.7 Berufsverkehr der Mitarbeiter
  • 1.2 Verbrennungsprozesse unternehmenseigener mobiler Anlagen (eigener Fuhrpark).

Gerade bei global agierenden Firmen können bei vor- und nachgelagerten Transporten erhebliche Mengen Emissionen entstehen, die der Treibhausgasbilanz des Unternehmens anzurechnen sind. Zum Teil werden weite Strecken mit Frachtschiffen, Lkw, Bahn oder Flugzeug zurückgelegt um z. B. Grundstoffe zu beschaffen oder Waren weiter zu verteilen. Bei der Berechnung spielen dabei diverse Faktoren eine Rolle: Art der Güter (Schüttgut, Stückgut etc.), des Treibstoffs, der Motorisierung, Auslastung des Transportmittels, Anzahl der Leerfahrten, Beschaffenheit der Wegstrecke und mehr.

Um sich zunächst eine Übersicht über die Gesamtmenge der bei den Transporten anfallenden Treibhausgase (THG), ausgedrückt in CO2-Äquivalenten [CO2eq] (Emissionen anderer Treibhausgase als Kohlendioxid (CO2) werden zur besseren Vergleichbarkeit entsprechend ihrem globalen Erwärmungspotenzial in CO2-Äquivalente umgerechnet (CO2 = 1). Umweltbundesamt 2018), zu verschaffen, sind Annahmen und Vereinfachungen notwendig. Durchschnittswerte für Transporte hat beispielsweise der Verband der chemischen Industrie veröffentlicht (Verband der chemischen Industrie 2010). Wichtig ist dabei die genaue Dokumentation dieser Annahmen, um glaubwürdig die ermittelten Treibhausgase gegenüber Stakeholdern kommunizieren zu können. Sollen im Folgenden Maßnahmen zur Minderung der THG im Bereich Transporte beschlossen und berechnet werden, so ist eine Differenzierung und genaue Betrachtung der Transporte sinnvoll, um später auch die richtigen und effektiven Maßnahmen ableiten zu können.

Es kann sich auch lohnen, die für Logistikprozesse beauftragten Speditionen bezüglich der entstandenen THG zu befragen. In Frankreich gibt es eine Verpflichtung zur Ausweisung der CO2eq-Emissionen von Personen- und Gütertransporten, wodurch die Branche bereits sensibilisiert ist für die Thematik und so Spediteure Auskunft gegeben können über die verursachten THG.

Zu unterscheiden ist bei der Ermittlung von THG aus dem Bereich Transporte die Bilanz nach

  • Well-to-Tank: Hier werden die Emissionen mit einbezogen, die bei der Primärenergieförderung (Bohrloch) über die Aufbereitung des Energieträgers und den Transport bis zur Tanksäule entstehen.
  • Tank-to-Wheel: von der Tanksäule bis zum Rad
  • Well-to-Tank / Tank-to-Wheel: bildet die komplette Kette ab.

Scope 3.4 und 3.9 Vor- und nachgelagerte Transporte und Vertrieb

Sollen die THG im Unternehmen selbst berechnet werden, so muss zunächst überschlagen werden, welche Massen mit welchen Transportmitteln über welche Entfernungen transportiert werden. Bei Beschaffungssystemen können Priorisierungen hilfreich sein.

Gibt es beispielsweise einen Hauptbezugsort bestimmter Produkte oder Rohstoffe, so ist darauf zunächst der Fokus zu legen.

Beispiel

Ein Hersteller einer bestimmten Ware hat eine Tochterfirma in Brasilien, von wo er bestimmte Vorprodukte für die Weiterverarbeitung in Deutschland bezieht. Monatlich werden dann 20.000 Tonnen dieses Vorprodukts zum deutschen Standort weiter transportiert.

  • Vom brasilianischen Standort zum Hafen Santos wird die Fracht 1.000 km weit per Lkw geliefert.

  • von Santos bis Rotterdam ca. 10.110 km mit dem Frachtschiff

  • von Rotterdam per Lkw 250 km bis nach Hagen

Im ersten Schritt notwendige Vereinfachungen:

  • Leerfahrten können nicht bestimmt werden, werden aber allein aus Kostengründen möglichst vermieden.

  • Die Auslastung der Transportmittel muss abgeschätzt werden. Ebenso der mögliche Anteil fremder Ware an der Ladung.

  • Angerechnet wird dem Unternehmen zunächst der reine Transport der Waren, ohne Rückführung der Transportmittel zum Ausgangsort.

  • Transporte können nicht weiter ausdifferenziert werden (Größe der Frachtschiffe, Art und Euro-Klasse der Lkw etc.)

In frei verfügbaren Bilanzierungstools sind häufig schon Standard-Annahmen angegeben. Diese können angepasst, oder, wenn Angaben nicht weiter bekannt, übernommen werden.

Durchschnittswerte aus (Verband der chemischen Industrie 2010):

Verkehrsträger

Emissionsfaktor [gCO2eq/tkm]

Lkw

65

Bahn

21

Seeschiff (Container) - Langstrecke

13

Berechnung:
CO2e [g/a] = Entfernung [km] x Menge [t/a] x Emissionsfaktor [gCO2/tkm]

Standort Brasilien – Hafen Santos:
1.000 km x 20.000 t/a x 65 gCO2/tkm =   1.300 tCO2/a

Santos – Rotterdam:*                  
10.110 km x 20.000 t/a x 13 gCO2/tkm = 2.629 tCO2/a

Rotterdam – Hagen:                         
250 km x 20.000 t/a x 21 gCO2/tkm  =      325 tCO2/a

                                                     →      = 4.254 tCO2/a

Würde für die Landstrecken als alternatives Transportmittel die Bahn gewählt, sähe das Ergebnis wie folgt aus:

Standort Brasilien – Hafen Santos:
1.000 km x 20.000 t/a x 21 gCO2/tkm =    420 tCO2/a

Rotterdam – Hagen:                        
250 km x 20.000 t/a x 21 gCO2/tkm =       105 tCO2/a

Aus einer guten Übersicht der Transporte lassen sich im Folgenden Maßnahmen zur Reduktion von THG ableiten.

Maßnahmen

Je nach Einflussmöglichkeiten auf die Logistikprozesse kann zur Reduktion der THG-Emissionen bei den Transporten an verschiedenen Stellschrauben gedreht werden. Wie im Beispiel dargestellt, ist eine Möglichkeit die Verlagerung der Transporte auf die Schiene. Damit lassen sich häufig erhebliche Emissionsminderungseffekte erzielen. Die Umstellung kann unter Umständen auch finanzielle Vorteile bieten.

In anderen Fällen könnte es eine Option sein, den Bezugsort von Waren so zu verlagern, dass entweder emissionsarme Transportmittel verwendet oder die Transportentfernungen verringert werden können.

Eine optimale Verkehrsmittelauslastung spart nicht nur CO2eq ein, sondern auch Kosten und hat somit einen doppelt positiven Effekt.

Deutscher Speditions- und Logistikverband e.V. „Berechnung von Treibhausgasemissionen in Spedition und Logistik gemäß DIN EN 16258.“ Bonn, 2013.

INFRAS. „Handbuch Emissionsfaktoren des Strassenverkehrs 2.1.“ Bern, 2004.

Ingenieurgesellschaft für Verkehrs-und Eisenbahnwesen mbH . EcoTransIT World. 7. Juli 2016. www.ecotransit.org (Zugriff am 20. Dezember 2017).

Sea Rates LP. Sea Rates. 2017. www.searates.com (Zugriff am 20. Dezember 2017).

Umweltbundesamt. Umweltbundesamt_Glossar. 2018. www.umweltbundesamt.de/service/glossar/c (Zugriff am 5. April 2018).

Verband der chemischen Industrie. „VCI-Leitfaden zur Ermittlung der CO2-Emissionen in der Logistik der chemischen Industrie.“ Frankfurt, 2010.

Verband Deutsches Reisemanagement e.V. „CO2–Berechnung Geschäftsreise, VDR-Standard.“ 2011.

Verkehrsclub Deutschland e.V. „VCD Leitfaden - Geschäftsreisen erfolgreich, effizient, umweltverträglich.“ Berlin, 2008.

Michael Müller
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