Innovationsprojekt Klimaschutz
Klimaschutzprojekte mit besonderer Strahlkraft und besonders hohem Innovations-Niveau wurden und werden vom Land NRW als „Innovationsprojekt Klimschutz“ ausgezeichnet.

Projekte des Monats
Wenn es um Klimaschutz und erneuerbare Energien geht, sind Kommunen, Unternehmen und Bürger in NRW sehr aktiv. Eine Experten-Jury der EnergieAgentur.NRW kürt jeden Monat ein besonderes Klimaschutzprojekt und stellt dieses auf der Website vor.

Projekte aus Kommunen und Unternehmen
Die EnergieAgentur.NRW identifiziert im Zuge ihrer Arbeit für Nordrhein-Westfalen immer wieder vorbildliche Good-Practice Projekte. Die Experten der EnergieAgentur.NRW stehen nahezu täglich in Kontakt Akteuren aus Kommunen, Unternehmen, Ingenieur- oder Architektenbüros und vielen anderen Bereichen.
Ein Teil der Projekte aus dem kommunalen Bereich entstammen dem Projekt „KommEN NRW“, einem Projekt der EnergieAgentur.NRW von Kommunen für Kommunen. Die dargestellten Projekte werden von den Kommunen selbst dargestellt.

Rückschau

Von September 2016 bis März 2019 wurde das EFRE-geförderte Projekt „Zwischenpräsentation der KlimaExpo.NRW – die MitmachExpo“ durchgeführt.

Mülheim an der Ruhr, Nordrhein-Westfalen - 2018

Positive Energie für Mülheim mit Biogas

Durch den stetigen Anschluss von neuen Wärmeabnehmern stieg fortlaufend die thermische Grundlast im Netz an. Bereits 1998 wurden am Standort Broich zwei Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen installiert, die zu der Zeit noch mit Erdgas betrieben wurden. Mittlerweile betreibt medl an diesem Standort drei KWK-Anlagen, in denen ausschließlich Biomethan zum Einsatz kommt. Die drei Anlagen mit einer elektrischen Leistung von insgesamt 8 MW decken den Wärmegrundlastbedarf. Die Spitzenlast wird mit Erdgaskesseln abgedeckt.

Die gute primärenergetische Bewertung von Biomethan hat zur Folge, dass medl theoretisch in der Lage wäre einen negativen Primärenergiefaktor auszuweisen – die technischen Regeln sehen jedoch vor, dass dieser bei Lieferung an Letztverbrauchen keine negativen Werte annehmen kann und zu 0,0 gesetzt wird. Der Primärenergiefaktor wurde 2014 von einem unabhängigen Gutachter bescheinigt und hat eine Gültigkeit bis 2021.

Ein solch hochwertiger Primärenergiefaktor ist insbesondere für Bauherren im Neubau- sowie im Sanierungsbereich interessant. So lassen sich die gesetzlichen Vorgaben (Energieeinsparverordnung, Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz) einfach erfüllen. Zudem eröffnet der sehr niedrige Primärfaktor weitere Chancen zur Inanspruchnahme von Fördermitteln.

Als nächsten Schritt plant die medl im Bereich der Nahwärmeversorgung eine Verdichtungsaktion. Bisher mit Heizöl oder Strom beheizte Objekte sollen durch Umstellung auf Nahwärmeversorgung für weitere Beiträge zur CO2-Reduzierung in der Stadt sorgen. Im Sinne der Initiative Wärmenetze 4.0 soll die Effizienz von Wärmenetzen verbessert und die Möglichkeiten zur Einkopplung für Erneuerbare Energien gesteigert werden.

Hintergrund

Die Stadt Mülheim an der Ruhr hat beschlossen, bis 2030 die CO2-Emissionen im Stadtgebiet zu halbieren. Die medl GmbH als lokaler Versorger und Energie-Dienstleister in mehrheitlich städtischem Besitz ist diesem Ziel verpflichtet.

Die medl betreibt in Mülheim an der Ruhr mehrere Nahwärmenetze zur Versorgung verschiedenster Kundengruppen. Das zentrale und größte Nahwärmenetz „Stadtmitte“ befindet sich im Bereich der Innenstadt sowie im Stadtteil Broich und versorgt unter anderem ein Krankenhaus, ein großes Einkaufszentrum, ein Schwimmbad sowie mehrere Schulzentren.    

Der jährliche Wärmeabsatz im Netz Stadtmitte beläuft sich auf ca. 75.000 MWh.

Zur nachhaltigen Senkung der CO2-Emissionen setzt die medl neben der sukzessiven Ausbau von KWK-Anlagen zur gleichzeitigen Erzeugung von Wärme und Strom auf die Nutzung von Biogas als Ersatz von konventionellem Erdgas. Das Biogas wird klimaschonend aus Reststoffen oder Bioabfällen gewonnen und in das allgemeine Gasnetz eingespeist. Ähnlich wie beim Ökostrom wird vertraglich mit den Biogashändlern und indirekt den Biogasproduzenten sichergestellt, dass die benötigten Biogasmengen an anderer Stelle in das bundesdeutsche Erdgasnetz eingespeist werden.

Finanzierung

Die Kosten für die Beschaffung von Biomethan liegen über den Kosten für Erdgas. Die Wirtschaftlichkeit stellt sich bei den beschriebenen BHKW über die Vergütung der erzeugten Strommengen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz ein.

Die Finanzierungen erfolgten durch die medl GmbH und zum Teil durch die Bürger der Stadt: Als erstes Bürgerenergieprojekt (insgesamt 3 Mio. Euro Einlagen) wurde die KWK-Anlage an der Liverpooler Straße errichtet. Nun werden an dieser Stelle 300 Wohneinheiten und Firmen mit Strom und Wärme aus dieser mit Bioerdgas betriebenen Anlage versorgt. Es konnten Verzinsungen von 2,5 Prozent bis maximal 3,7 Prozent pro Jahr zugesagt werden. Eine attraktive Geldanlage. Fördermittel mussten nicht in Anspruch genommen werden.

Ergebnisse

Die Nutzung von KWK-Anlagen und der Einsatz des erneuerbaren Energieträgers Biogas konnten die CO2-Bilanz für die Stadt Mülheim an der Ruhr verbessern. Jährlich werden 38.000 t CO2 eingespart. Zusätzlich wurde durch den konsequenten Einsatz von Blockheizkraftwerken eine erhebliche Effizienzsteigerung erreicht. Der Gesamtnutzungsgrad bei der Erzeugung übersteigt 80 Prozent, der elektrische Wirkungsgrad liegt bei über 40 Prozent. 

Veröffentlichung

Autor: EnergieAgentur.NRW
Stand: 2018

Standort

Kreis: kreisfrei
Region: Metropolregion Rhein-Ruhr
Reg.-Bez.: Düsseldorf

Kontakt

medl GmbH
Volker Weißhuhn
Burgstraße 1
45476 Mülheim an der Ruhr
Tel.: 0208 4501160
E-Mail
E-Mail: volker.weisshuhn@medl.de

Links

» Homepage medl
» Flyer medl-Bürgerenergie

European Energy Award

Maßnahmenbereiche

3.3.2 Wärme und Kälte aus erneuerbaren Energiequellen auf dem Gebiet der Kommune
3.3.3 Elektrizität aus erneuerbaren Energiequellen auf dem Gebiet der Kommune
3.3.4 Kraft-Wärme-Kopplung und Abwärme/Kälte aus Kraftwerken zur Wärme- und Stromproduktion