Innovationsprojekt Klimaschutz
Klimaschutzprojekte mit besonderer Strahlkraft und besonders hohem Innovations-Niveau wurden und werden vom Land NRW als „Innovationsprojekt Klimschutz“ ausgezeichnet.

Projekte des Monats
Wenn es um Klimaschutz und erneuerbare Energien geht, sind Kommunen, Unternehmen und Bürger in NRW sehr aktiv. Eine Experten-Jury der EnergieAgentur.NRW kürt jeden Monat ein besonderes Klimaschutzprojekt und stellt dieses auf der Website vor.

Projekte aus Kommunen und Unternehmen
Die EnergieAgentur.NRW identifiziert im Zuge ihrer Arbeit für Nordrhein-Westfalen immer wieder vorbildliche Good-Practice Projekte. Die Experten der EnergieAgentur.NRW stehen nahezu täglich in Kontakt Akteuren aus Kommunen, Unternehmen, Ingenieur- oder Architektenbüros und vielen anderen Bereichen.
Ein Teil der Projekte aus dem kommunalen Bereich entstammen dem Projekt „KommEN NRW“, einem Projekt der EnergieAgentur.NRW von Kommunen für Kommunen. Die dargestellten Projekte werden von den Kommunen selbst dargestellt.

Rückschau

Von September 2016 bis März 2019 wurde das EFRE-geförderte Projekt „Zwischenpräsentation der KlimaExpo.NRW – die MitmachExpo“ durchgeführt.

Wuppertal, Nordrhein-Westfalen - 2021

Ökologisches Trassenmanagement bei Westnetz

Lebensader Trasse – Refugium für Reptilien im Marscheider Wald
Ökologisches Trassenmanagement bei Westnetz

Der Verteilnetzbetreiber Westnetz GmbH baut und betreibt sein Netz unter der Prämisse ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit. Dazu gehört auch die Pflege der Freileitungstrassen mit einer Fläche von ca. 6.000 Hektar. Diese Vorgehensweise ist mittlerweile als ein fester Bestandteil in die Trassenpflege integriert. Es gewährleistet den sicheren Betrieb der Leitungen und schützt zugleich die Pflanzen- und Tierwelt. Die notwendigen Pflegemaßnahmen werden konsequent nach ökologischen Gesichtspunkten ausgerichtet. Im Dialog mit Behörden und Naturschutzverbänden entwickelt die Westnetz GmbH für geeignete Trassenabschnitte einen Biotopmanagement-Plan, der dazu beiträgt, bestehende Lebensräume in ihrer Vielfalt zu erhalten – zuweilen sogar einzigartige neue Biotope hervorbringen.

Grundprinzip eines ökologisch ausgerichteten Trassenmanagements

Bei der Vegetationspflege von Freileitungstrassen und dem Schutz der Natur folgen Freileitungsnetzbetreiber dem Grundsatz, Bäume und Sträucher so gezielt, schonend und vorausschauend wie möglich zu schneiden. Grundsätzlich zielen diese Pflegemaßnahmen darauf ab, einen ausreichenden und sicheren Abstand zwischen den stromführenden Leiterseilen und der Vegetation zu schaffen. Deshalb werden schnellwüchsige Baum  und Straucharten entfernt und langsam wachsende Arten gefördert. Dabei werden auch räumliche Unterschiede berücksichtigt. Am Rand des Schutzstreifens und in Mastnähe können Bäume und Sträucher höher wachsen als in der Spannfeldmitte zwischen zwei Masten, wodurch ein fließender Übergang zum angrenzenden Wald entstehen kann. Die gestuften, stabilen und strukturreichen Waldränder bieten abwechslungsreiche Lebensräume für eine Vielfalt schützenswerter Arten. So wird der Betrieb der Freileitungen gesichert und bestehende Biotope erhalten oder sogar gefördert.

Planungsphase

Die Planungen für das Biotopmanagement erfolgen in enger Abstimmung mit externen Fachleuten wie zum Beispiel Biologen, Naturschutz und Forstbehörden. Mit lokalen Verbänden wird einzelfallspezifisch in den Dialog getreten. Die jeweiligen Pflegemaßnahmen werden über einen Zeitraum von zehn Jahren geplant, dokumentiert und die Planung in regelmäßigen Abständen kontrolliert.

Lokaler Arten- und Gebietsschutz

Die Freileitungstrasse Hattingen Ronsdorf durchquert im Osten Wuppertals den Marscheider Wald. Vor mehr als zwei Jahrzehnten entwickelte der Übertragungsnetzbereiber Amprion GmbH (unter der damaligen Vorgängergesellschaft RWE) mit einer standortangepassten Vegetationspflege gezielt den Lebensraum für Reptilien. Nach einer Auftrennung des Hochspannungsnetzes wird diese Umsetzung mittlerweile vom Verteilnetzbetreiber Westnetz GmbH durchgeführt.

Zum Hintergrund

Die Schlingnatter steht in Nordrhein Westfalen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Seit 1985 war es Naturschützern über zehn Jahre nicht gelungen, am Rande des Marscheider Waldes, wo die Schlangenart früher weit verbreitet war, die Existenz der Tiere nachzuweisen. Die Schlingnatter ist Leitart für durch Heidevegetation geprägte strukturreiche und trocken warme Biotope.

Ein ökologisches Planungsbüro wies damals die wahrscheinlich letzte Schlingnatter Population im Marscheider Wald nach – in einem kleinen Teilbereich auf der Trasse. Der damalige Leitungsbetreiber Amprion GmbH leistete Pionierarbeit und erstellte mit der Biotopmanagement Planung erstmals ein speziell zugeschnittenes Konzept, das weiterhin erfolgreich von der Westnetz GmbH umgesetzt wird. Es galt und gilt bis heute, die 16 Hektar große Fläche dauerhaft offen zu halten und die Heidevegetation flächig zu entwickeln.

Mit Erfolg: Da die beschattenden Gehölze in den folgenden 20 Jahren regelmäßig entfernt wurden, blieb das Biotop dauerhaft besonnt. Darüber hinaus hat der damalige Leitungsnetzbetreiber in Kooperation mit Partnern aus der Arbeitsgruppe eine große Natursteinmauer und Schnittholzstapel angelegt – sie bilden perfekte Refugien für die Schlingnatter. Positive Auswirkungen auf Insekten und Vögel sind ebenfalls erkennbar.

Optimaler Lebensraum für Reptilien

Heute bietet die Freileitungstrasse zwischen Hattingen und Wuppertal mit ihrer offenen Vegetation einen optimalen Lebensraum für die seltene Schlangenart. Die Population hat sich erholt und ist stabil – ein Ergebnis, das in hohem Maße auf die Pflegemaßnahmen zurückzuführen ist. Aktuelle Funde belegen, dass sich die Schlingnatter inzwischen auch in benachbarten Gebieten weiterverbreitet hat. Teilpopulationen auf angrenzenden Flächen wurden nachgewiesen und Maßnahmen zur Vernetzung der Lebensräume getroffen. So ist in gemeinschaftlicher Arbeit mit Partnern aus dem ehrenamtlichen und beruflichen Naturschutz, der Unteren Landschaftsbehörde der Stadt Wuppertal, der Biologischen Station Mittlere Wupper, dem Landesbetrieb Wald und Holz und dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) über die Jahre ein überaus wirksames Artenschutzkonzept entstanden. Im Jahr 2014 wurde es vom Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) mit dem ersten Preis in der Sparte „Vorbildliche Projekte“ ausgezeichnet.

Projektdaten

  • Betreiber: Westnetz GmbH
  • Standort: 110-kV Leitungstrasse Marscheider Wald bei Wuppertal
  • Projektstart: 1996

Kontakt

Frank Schäfer
EnergieAgentur.NRW
Leiter Themengebiet Netze, Speicher
Roßstraße 92
40476 Düsseldorf
Tel.: 0211 86642147
E-Mail
E-Mail: schaefer@energieagentur.nrw

Veröffentlichung

Autor: EnergieAgentur.NRW
Stand: 2021
Start: 1996
Laufzeit: 1996 - heute

Standort

Kreis: kreisfrei
Region: Bergisches Städtedreieck
Reg.-Bez.: Düsseldorf

Kontakt

Amprion GmbH, Abteilung Umwelt. G-PU
Vegetationspflege
E-Mail
E-Mail: naturschutz@amprion.net

Westnetz GmbH
Michael Wahl
Betrieb
Tel.: 0651 8122707
E-Mail
E-Mail: michael.wahl@westnetz.de