Innovationsprojekt Klimaschutz
Klimaschutzprojekte mit besonderer Strahlkraft und besonders hohem Innovations-Niveau wurden und werden vom Land NRW als „Innovationsprojekt Klimschutz“ ausgezeichnet.

Projekte des Monats
Wenn es um Klimaschutz und erneuerbare Energien geht, sind Kommunen, Unternehmen und Bürger in NRW sehr aktiv. Eine Experten-Jury der EnergieAgentur.NRW kürt jeden Monat ein besonderes Klimaschutzprojekt und stellt dieses auf der Website vor.

Projekte aus Kommunen und Unternehmen
Die EnergieAgentur.NRW identifiziert im Zuge ihrer Arbeit für Nordrhein-Westfalen immer wieder vorbildliche Good-Practice Projekte. Die Experten der EnergieAgentur.NRW stehen nahezu täglich in Kontakt Akteuren aus Kommunen, Unternehmen, Ingenieur- oder Architektenbüros und vielen anderen Bereichen.
Ein Teil der Projekte aus dem kommunalen Bereich entstammen dem Projekt „KommEN NRW“, einem Projekt der EnergieAgentur.NRW von Kommunen für Kommunen. Die dargestellten Projekte werden von den Kommunen selbst dargestellt.

Rückschau

Von September 2016 bis März 2019 wurde das EFRE-geförderte Projekt „Zwischenpräsentation der KlimaExpo.NRW – die MitmachExpo“ durchgeführt.

Bochum – Kornharpen, Nordrhein-Westfalen

Energieberg Harpener Watt: Errichtung einer Solaranlage auf einer Deponie in der Stilllegungsphase

Nach der endgültigen Verfüllung der DK II-Deponie Kornharpen im Jahr 2009 schließt sich eine für diesen Standort ~ 10- bis 15-jährige Stilllegungsphase an. Während der Stilllegungsphase sind die Nutzungsmöglichkeiten stark eingeschränkt und das Gelände kann nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, da u. a. umfangreiche Betriebs- und Baumaßnahmen stattfinden (Oberflächenabdichtung). Auch die Hanglage mit einer Steigung von ca. 30 Prozent stellt eine besondere Herausforderung der Nachnutzung dar. Um das Gelände dennoch bereits während des Stilllegungszeitraums ökologisch und zum Vorteil der Bochumer Bürger zu nutzen, realisierte die USB GmbH 2010 die Errichtung eines Solarkraftwerks.

Nach der endgültigen Verfüllung der DK II-Deponie Kornharpen im Jahr 2009 schließt sich eine für diesen Standort ~ 10- bis 15-jährige Stilllegungsphase an. Während der Stilllegungsphase sind die Nutzungsmöglichkeiten stark eingeschränkt und das Gelände kann nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, da u. a. umfangreiche Betriebs- und Baumaßnahmen stattfinden (Oberflächenabdichtung). Auch die Hanglage mit einer Steigung von ca. 30 Prozent stellt eine besondere Herausforderung der Nachnutzung dar. Um das Gelände dennoch bereits während des Stilllegungszeitraums ökologisch und zum Vorteil der Bochumer Bürger zu nutzen, realisierte die USB GmbH 2010 die Errichtung eines Solarkraftwerks. Da sich während der Stilllegungsphase einer Deponie Setzungen von bis zu einem Meter vollziehen, ist eine Nutzung von Deponien in der Stilllegungsphase bis zum heutigen Zeitpunkt nicht üblich. Für die Inbetriebnahme des Solarkraftwerks bereits ein Jahr nach Beendigung der Ablagerung sowie unter der Bedingung der steilen Hanglage waren innovative technische Lösungen notwendig, mit denen die USB und ihre Partner Pionierarbeit leisteten.

Links

 

Besonderheiten

  • Klimarelevante Daten:
    Stromerzeugung des Solarkraftwerks im Jahr 2017: 719.890 kWh
    CO2-Einsparung im Jahr 2017: - 316 t
    Durchschnittlich können ca. 150 4-Personen-Haushalte in Bochum mit dem erzeugten Strom des Solarkraftwerks versorgt werden.
     
  • Ökonomische Effekte
    Erhalt des Standorts Kornharpen als Arbeitsplatz. Der USB beschäftigte insgesamt 30 Auszubildende in 2019 und 36 in 2020. Davon werden in der Regel am Standort der Zentraldeponie Kornharpen/Werststoffhof fünf Auszubildende als Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft ausgebildet. Der USB hat in den letzten Jahren alle diese Auszubildenden erfolgreich durch die Prüfung gebracht und letztendlich auch alle übernehmen können.
     
  • Soziale Effekte
    Engagement in Schulen:
    Bochumer Schülerinnen und Schüler wurden in die Namensgebung des Solarkarftwerks eingebunden: Das „Harpener Watt“ ist Ergebnis eines Schülerwettbewerbs, den das Goethegymnasium mit seinem Vorschlag gewann.
    Die Teilnahme des Standorts Kornharpen am jährlich stattfinden Girl‘s Day ermöglicht Mädchen Einblicke in innovative Arbeitswelten in einem weiterhin maskulin dominierten Bereich.
    Der Standort ist Bestandteil der „Tour de Müll“. Dabei werden Bochumer Schülerinnen und Schülern die Aufgaben und Dimensionen der Abfallentsorgung nähergebracht. Der Weg des Abfalls von der heimischen Tonne, über die Sortierung bis hin zur Gewinnung von klimafreundlicher Energie wird verfolgt und nebenbei Tipps zum richtigen Umgang mit Abfällen gegeben.
    Ganzjährig werden außerdem Führungen auf der ehemaligen Deponie für interessierte Gruppen und Vereine angeboten. Dabei wird ein Einblick in die intensive Arbeit einer Deponie in der Nachsorgephase gegeben und Informationen zur Energiegewinnung mittels der PV-Anlage und Gasbrunnen vermittelt.
     
  • Ökologische Effekte
    Die Deponie Kornharpen stellt als Konversionsfläche aus wirtschaftlicher Nutzung eine für die Errichtung von Solaranlagen vorrangig geeignete Fläche dar. Es findet keine Flächenversiegelung und keine Inanspruchnahme potenzieller Entwicklungsflächen für Wohnen und Gewerbe statt. Die Fläche ist durch abfallwirtschaftliche und gewerbliche Nutzung sowie bestehende Verkehrswege bereits vorbelastet und stellt keinen schützenswerten Landschaftsraum dar.
    Die Gesamte Deponiefläche ist festgestellt als Ausgleichsfläche mit festgesetzter Ökobilanzierung (Ökopunkte) und einer mind. 30-jährigen Ruhezeit.
    Der Deponiestandort dient als Standort für Deponieführungen, zukünftig ausgehend vom Deponieinformationszentrum „Natur und Ökologie“.
    Seit 2020 sind zehn Bienenvölker des Vereins „Ruhr-Imker“ östlich des Solarkraftwerkes auf der Deponie positioniert.
     
  • Innovation
    Technische Herausforderung und Vorreiterrolle:
    Entgegen der gängigen Praxis der Nutzung ehemaliger Deponieflächen, die sich in der Stilllegungsphase befinden, entschied die USB GmbH sich für eine nachhaltige Nutzung der Fläche bereits am Anfang der Stilllegungsphase (2009). Die Stilllegungsphase schließt sich an die Ablagerungsphase einer Deponie an und birgt noch besondere Risiken für eine Nutzung, da sich in dieser ~10 - 15 Jahre andauernden Phase Setzungen von teilweise über einem Meter am Deponiekörper einstellen können. In der Stilllegungsphase wird bereits an den Randbereichen mit einer Oberflächenabdichtung begonnen, die zum Schluss dann die gesamte Deponie einkapselt. Trotz seinerzeit fehlender Abdichtung und den zu erwartenden Setzungsprozessen konnte die USB GmbH bereits 2010, also ein Jahr nach Beendigung der Ablagerung auf der Deponie, den Bau eines Solarkraftwerks realisieren.

Neben dem sehr frühen Nutzungszeitpunkt stellte auch die mittlere Hangneigung von 33% eine besondere technische Herausforderung für die Errichtung eines Solarkraftwerks dar. Aufgrund der genannten Hindernisse und Risiken lehnten mehrere, auch namhafte, Solarfirmen die Umsetzung des Projektes ab. Die Firma Beck Energie, heute Belectric, erprobte schließlich verschiedene technische Lösungen in einem Testfeld auf der Deponie und beobachtete das Setzungsverhalten sowie die besonderen Herausforderungen durch die Neigung und das daraus folgende Niederschlagsverhalten und den starken Windsog (siehe beiliegende Präsentation). Zusammen mit der umsetzenden Firma leistete die USB GmbH mit Ihrer Entscheidung für den Bau eines Solarkraftwerks in 2010 also echte Pionierarbeit. Aus den Erfahrungen mit dem Vorreiterprojekt auf der Zentraldeponie Kornharpen konnte Belectric später weitere Projekte auf Deponien umsetzen. Eine weitere Nutzung der Deponiefläche für ein Solarkraftwerk zu einem so frühen Zeitpunkt direkt nach Beendigung der Ablagerungsphase ist bis zum heutigen Stand nicht bekannt.

Nachhaltige Planung und Umsetzung des Baus:
Der frühzeitige Beginn der Nachnutzung bereits in der Stilllegungsphase bedeutet auch, dass das Solarkraftwerk für das Aufbringen einer Deponieabdichtung während der Stilllegungsphase abgebaut werden muss. Um hier den Ressourcenverbauch sowie die Kosten zu minimieren, wurde die Unterkonstruktion der Solarpanele so gebaut, dass Konstruktion und Panele problemlos ab- und wiederaufgebaut werden können (siehe beiliegende Präsentation). Dennoch bedeutet der Auf- und Abbau der Anlage - mitunter, da die Fundamente entfernt und später neu errichtet werden müssen - einen zusätzlichen finanziellen Aufwand, den die USB GmbH für die frühzeitige und nachhaltige Nutzung selbst trägt.

Zukünftige Innovationsmöglichkeiten:
Nach Aufbringung der Oberflächenabdichtung ist eine Erweiterung der Anlage auf einer größeren Fläche oder ein "upgrade" mit stärkeren Modulen möglich, wobei die bestehenden Module weiter genutzt werden können. Möglich sind auch weitere innovative Anpassungen im Sinne des Klima-schutzes, wie eine Ausweitung der Elektromobilität am Standort der Zentraldeponie in Kornharpen.

Finanzierung

Die Kosten beliefen sich auf ca. 2,1 Mio. Euro. Eine Förderung wurde nicht in Anspruch genommen.

Veröffentlichung

Stand:
Start: 08.2010
Laufzeit: noch in Betrieb

Standort

Region: Metropolregion Rhein-Ruhr
Reg.-Bez.: Arnsberg

Kontakt

USB Bochum GmbH
Sabrina Fischer
Abteilungsleiterin Deponie und Wertstoffhöfe
Hanielstraße 1, 44801 Bochum
44801 Bochum
Tel.: +49 234 3336 446
E-Mail
E-Mail: Sabrina.Fischer@usb-bochum.de