Innovationsprojekt Klimaschutz
Klimaschutzprojekte mit besonderer Strahlkraft und besonders hohem Innovations-Niveau wurden und werden vom Land NRW als „Innovationsprojekt Klimschutz“ ausgezeichnet.

Projekte des Monats
Wenn es um Klimaschutz und erneuerbare Energien geht, sind Kommunen, Unternehmen und Bürger in NRW sehr aktiv. Eine Experten-Jury der EnergieAgentur.NRW kürt jeden Monat ein besonderes Klimaschutzprojekt und stellt dieses auf der Website vor.

Projekte aus Kommunen und Unternehmen
Die EnergieAgentur.NRW identifiziert im Zuge ihrer Arbeit für Nordrhein-Westfalen immer wieder vorbildliche Good-Practice Projekte. Die Experten der EnergieAgentur.NRW stehen nahezu täglich in Kontakt Akteuren aus Kommunen, Unternehmen, Ingenieur- oder Architektenbüros und vielen anderen Bereichen.
Ein Teil der Projekte aus dem kommunalen Bereich entstammen dem Projekt „KommEN NRW“, einem Projekt der EnergieAgentur.NRW von Kommunen für Kommunen. Die dargestellten Projekte werden von den Kommunen selbst dargestellt.

Rückschau

Von September 2016 bis März 2019 wurde das EFRE-geförderte Projekt „Zwischenpräsentation der KlimaExpo.NRW – die MitmachExpo“ durchgeführt.

Klimaregion Rhein-Voreifel, Nordrhein-Westfalen - 2020

Das RVKe-Bike erobert die Klimaregion Rhein-Voreifel! E-Bike-Verleihsystem im ländlichen Raum

Einleitung

Die Frage, ob sich ein E-Bike Verleihsystem im ländlichen Raum mit relativ wenigen Ausleihstationen rentiert, lässt sich mittlerweile mit ja beantworten.

Als eines der ersten regionalen E-Bike Verleihsysteme in Deutschland wurde das RVK e-Bike im linksrheinischen Teil des Rhein-Sieg-Kreises und der Gemeinde Weilerswist im Kreis Euskirchen im Mai 2019 gestartet und hat Modellcharakter für andere Kommunen.

Das regionale Fahrradverleihsystem mit vollautomatisierten Verleihstationen ist unter dem Namen RVKe-Bike im Mai 2019 in sieben Kommunen an den Start gegangen. Das RVKe-Bike lässt sich durch die Anbindung an wichtige ÖPNV-Knotenpunkte optimal mit dem Bus- und Schienenverkehr kombinieren. Das regionale Sharing-Angebot umfasst 70 rund um die Uhr verfügbare Elektroleihräder an sieben vollautomatisierten Verleihstationen. Die E-Bikes werden auf Ökostrombasis betrieben. Somit ist der E-Bike Verleih eine neue klimafreundliche Mobilitätsalternative im Umweltverbund und somit ein wichtiger Bestandteil der Mobilität in der Klimaregion Rhein-Voreifel geworden.

Die Beteiligten - Interkommunales Projekt

Angeregt wurde das Projekt von der Regionalverkehr Köln GmbH (RVK), ein kommunales ÖPNV-Unternehmen mit Sitz in Köln, das im Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) weite Teile des Buslinienverkehrs durchführt.

Bei diesem Projekt wurde interkommunal kooperiert. Sechs Kommunen des linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreises, nämlich Bornheim, Alfter, Meckenheim, Rheinbach, Swisttal, Wachtberg sowie die Gemeinde Weilerswist im angrenzenden Kreis Euskirchen nahmen das zukunftsweisende Projekt in Angriff. Der Rhein-Sieg-Kreis und der Kreis Euskirchen unterstützen das Projekt als (Mit-) Eigentümer der RVK.

Beteiligt sind außerdem zwei regionale Energieversorger: e-regio GmbH & Co.KG aus Euskirchen und enewa GmbH aus Wachtberg. Sie stellen Ökostrom für die Verleihstationen bereit.

Bei der Suche nach einem Anbieter der Verleihsysteme fiel die Wahl auf die nextbike GmbH aus Leipzig. Nextbike ist europäischer Marktführer für Fahrradverleihsysteme und fungiert als Betreiber und Generaldienstleister zur Umsetzung des Verleihsystems. Sie verfügt über zahlreiche Erfahrungen und Referenzen aus anderen Projekten und betreibt im VRS neben dem RVKe-Bike auch weitere kommunale Fahrradverleihsysteme in Köln (KVBrad), Bonn (SWBmobil) und Leverkusen (wupsiRad).

Projektkoordinierung, Controlling und Öffentlichkeitsarbeit wurden federführend vom RVK übernommen. Mit dem Klimaschutzmanager der Klimaregion Rhein-Voreifel Tobias Gethke wurde eng zusammengearbeitet. Er war von der Projektskizze bis zum Verwendungsnachweis für alle linksrheinischen Kommunen zuständig und unterstützte das Projekt, in dem er sich auch um die Förderungsmodalitäten kümmerte.

Die Zielgruppen

Das Angebot dieser umweltfreundlichen Mobilitätsalternative mit enger Verknüpfung an den ÖPNV richtet sich vor allem an Berufspendler, aber auch - vor allem an Wochenenden und Feiertagen - an Freizeitradler und Touristen.

Die Mietstationen

Das Verleihsystem von nextbike ist einfach und vielfach erprobt. Die sieben E-Bike-Stationen mit jeweils zwölf Ladeständern sind an den wichtigsten ÖPNV-Knotenpunkten der beteiligten Kommunen wie z.B. an Bahnhöfen, an viel frequentierten Haltestellen oder an einem Busbahnhof und Einkaufszentrum platziert und machen so den mobilen Umstieg einfach und leicht.

Insgesamt stehen 60 mietbare E-Bikes im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis und zehn Räder in Weilerswist (Kreis Euskirchen) für radbegeisterte Nutzer zur Verfügung. Die E-Bikes werden mit klimafreundlichem Ökostrom betrieben. Die Pedelecs bieten durch ihre elektrische Tretunterstützung bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h gerade in ländlicheren Gebieten mit größeren Entfernungen ein attraktives und klimaschonendes Mobilitätsangebot als Alternative zum Auto.

Flexibilität durch virtuelle Stationen…

Neben den bereits installierten sieben festen Stationen, an denen die Ausleihe und Rückgabe möglich ist, wurde das Netz zusätzlich durch 14 virtuelle Stationen ergänzt. Damit wurde das Netz der Abgabepunkte noch erweitert und verschafft den Nutzern noch mehr Flexibilität. An den virtuellen Stationen stehen keine Bedienterminals und physische Entleih- bzw. Rückgabeständer. Die virtuellen Stationen sind viel frequentierte Orte, an denen die Nutzer das E-Bike abstellen, regulär zurückgeben (Miete beenden) und auch wieder entleihen (Miete beginnen) können. Die Orte sind in der Smartphone-App von nextbike per Markierung gekennzeichnet und sind zudem auch noch mit Hinweisschildern versehen.

  • Alfter - Alanus Hochschule / Campus I Johannishof und Campus II Villestraße

  • Bornheim - Hersel Stadtbahn und Kreissparkasse (Peter-Fryns-Platz)

  • Meckenheim- Kirchplatz und Rathaus / Sportzentrum

  • Rheinbach - Hauptstraße (Lindenplatz) und Wormersdorf (Dorfplatz)

  • Swisttal - Fronhof und Rathaus

  • Wachtberg - Rathaus und Niederbachem (Henseler Hof)

  • Weilerswist - Weilerswist-Süd (Neubaugebiet) und Zentrum

Im Rhein-Sieg-Kreis deckt sich das Angebot räumlich mit der Rheinischen Apfelroute. Mehr Informationen zu Qualität und Länge der Strecken finden sich in der Karte.

E-Bike mieten – kinderleichte Ausleihe

Die Ausleihe kann am Touchscreen des Stationsterminals, per App oder per VRS e-Ticket erfolgen. Vorher müssen sich Nutzer kostenlos in der nextbike-App anmelden und registrieren. Dann lassen sich die Räder per RVK- oder nextbike- App lokalisieren und buchen. Alternativ ist auch eine Registrierung über die Hotline (030 69205046) möglich.

Bei der Ausleihe an der gewünschten Leihstation wird entweder der QR-Code am Rad mit dem Smartphone eingescannt oder die Radnummer in der App eingetippt. Anschließend öffnet sich das Fahrradschloss automatisch.

Auch die Rückgabe ist einfach zu handeln, da das Rad an einer RVK-Verleihstation oder virtuellen Station (sichtbar in der App) abgeschlossen werden kann, indem das Rad in der dafür vorgesehen Einrichtung eingeklickt bzw. der Hebel am Rahmen nach unten gedrückt wird. Die Ausleihe in der App wird so automatisch beendet. Die E-Bikes können 30 Minuten im Voraus reserviert werden.

netzbike Kundenservice

Sollten technische Probleme auftreten, steht Nutzern der Kundenservice von nextbike telefonisch oder schriftlich zur Verfügung.

Kosten und Tarife

Für die Registrierung fällt eine Servicegebühr in Höhe von 3 Euro an.

Der Tarif orientiert sich am bestehenden RVK-e-Bike-Tarifsystem: Standardmäßig zahlen Nutzer 2 Euro je halbe Stunde Fahrt, Abo-Ticketinhaber im Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) zahlen weniger. Bereits ab einem Euro pro 30 Minuten können die E-Bikes entliehen werden.

Wer das E-Bike über Nacht (zwischen 17 Uhr nachmittags und 8 Uhr des nächsten Tages) bis vor die eigene Haustür entleihen möchte, kann den günstigen Übernachttarif für 3 bzw. für 2 Euro (VRS-Abonnenten) nutzen. Das Rad kann durch „Pausieren“ in der App und anschließendes Herunterdrücken des Hinterradschlosses sicher abgestellt werden und steht am nächsten Morgen wieder zur Verfügung.

Die Tageshöchstsätze liegen bei 12 bzw. 18 Euro. Daneben gibt es einen monatlich kündbaren Monatstarif (12 bzw. 15 Euro) sowie einen Jahrestarif (48 bzw. 60 Euro), bei dem jeweils die erste halbe Stunde jeder Fahrt kostenfrei ist.

Neu ist ein kostenloses Angebot für kommunale Mitarbeiter/-innen von beteiligten Kommunen, vom RSK und Kreis Euskirchen sowie vom RVK. Montags bis freitags gibt es für jeweils 3 Stunden am Tag freie Fahrkontingente.

Für das „Wilde“Abstellen der Räder außerhalb der Stationen, das in der Anfangszeit zunächst toleriert wurde, erhebt nextbike eine Servicegebühr in Höhe von 20 Euro.

Projektförderung

Das Bundesumweltministerium fördert das Projekt "RVKe-Bike" im Rahmen des Förderprogramms "Klimaschutz durch Radverkehr" der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) mit rund 330.000 Euro.

Es werden modellhafte, investive Projekte zur Verbesserung der Radverkehrssituation gefördert. Ziel ist es, neben der Einsparung von Treibhausgasemissionen auch einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität vor Ort zu leisten sowie durch den Vorbildcharakter der Projekte bundesweit zur Nachahmung anzuregen.

Insgesamt betrugen die Investitionskosten der sieben Kommunen (Stationen und E-Bikes) 334.250 Euro. Für jede Kommune waren das umgerechnet 47.750 Euro. Dabei lag die Förderquote für Alfter, Bornheim, Meckenheim, Rheinbach, Swisttal und Weilerswist bei 90 Prozent. Die Investitionen der Gemeinde Wachtberg und des RVK wurden mit einer Quote von 70 Prozent gefördert. Mit 100 % wurden zudem 30.000 Euro Öffentlichkeitsarbeit gefördert. Die sonstigen Investitionskosten der RVK (z.B. Einrichtung und Bereitstellung des Software-Systems etc.) betrugen 25.000 Euro.

Zwischenbilanz nach einem Jahr

Die Bilanz nach knapp einem Jahr nach Start des Projektes am 7. Mai 2019 fällt durchweg positiv aus. Die rund 10.000 getätigten Ausleihen stellen für die Projektpartner einen sehr zufriedenstellenden Wert dar. Mittlerweile gibt es knapp 3.300 registrierte Nutzer. Die durchschnittliche Ausleihzeit der Räder beträgt 120 Minuten.

Die RVK e-Bikes wurden sogar mehrfach z.B. im Ahrtal im angrenzenden Rheinland-Pfalz und immer wieder auch entlang der neuen Rheinischen Apfelroute gesichtet. Man sieht, das RVKe-Bike wird gut angenommen und nimmt in der Freizeitgestaltung einen hohen Stellenwert ein.

E-Bike-Verleih bald auch in weiteren Regionen

Schon im Sommer 2020 erhält der Rheinisch-Bergische Kreis als erster Landkreis überhaupt ein flächendeckendes Verleihsystem für E-Bikes: „Das Bergische E-Bike“. Geplant sind Stationen mit insgesamt 81 Rädern in allen Städten, allein in Bergisch Gladbach sind zwei geplant. 

Zur Verbesserung der regionalen Mobilitätsalternativen zwischen Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis werden auch im Stadtgebiet von Bonn virtuelle Stationen installiert: Am Kaiserplatz in der Innenstadt (Nähe Hauptbahnhof) sowie an den Bahnhöfen im Bonner Süden in Bad Godesberg und Mehlem.

Ein Ausbau mit weiteren Stationen und zusätzlichen Rädern ist für das Jahr 2021 vorgesehen.

 „Grundsätzlich sind wir sehr erfreut, dass die Menschen in der Region dieses neue, alternative Mobilitätsangebot so gut annehmen, denn das war nicht mit 100%-iger Sicherheit vorauszusehen“ sagt Projektleiter Christian Seul (RVK).

Auch der interkommunale Klimaschutzmanager der Klimaregion Rhein-Voreifel Tobias Gethke freut sich „…dass das System gut angenommen wird und dass das Pilotprojekt der linksrheinischen Kommunen sowie Weilerswist bisher sehr erfolgreich verlaufen ist. Für die Zukunft ist es aus meiner Sicht natürlich wünschenswert, dass das System mit weiteren Stationen und Rädern ausgebaut und mit zusätzlichen Angeboten verbessert wird, damit es künftig als Ergänzung im Umweltverbund noch attraktiver sein wird.“

Weiterführende Links:

Informationen zum RVKe-Bike

Förderprogramm Klimaschutz durch Radverkehr

Veröffentlichung

Autor: EnergieAgentur.NRW
Stand: 2020

Kommune

Kreis: Rhein-Sieg
Reg.-Bez.: Köln
Region: Köln/Bonn

Akteur

Sabine Schneider
Klima.Netzwerkerin im Regierungsbezirk Köln
EnergieAgentur.NRW
c/o Region Köln/Bonn e. V.
Rheingasse 11
50676 Köln
Tel.: 0151 18822601
sabine.schneider@energieagentur.nrw

Tobias Gethke
Interkommunaler Klimaschutzmanager
Klimaregion Rhein-Voreifel
Postanschrift: Rathausstraße 2
Besucheranschrift: Königstraße 25
53332 Bornheim
Tel.: 02222 945285
tobias.gethke@stadt-bornheim.de

Christian Seul
Abteilungsleiter Kommunikation / Intermodalität
Regionalverkehr Köln GmbH (RVK)
Theodor-Heuss-Ring 19-21
50668 Köln
Tel.: 0221 1637885
Christian.Seul@rvk.de