Gebäude » Fokus Lüftung

Fensterlüftung
Foto: iStock, airn

Information

Fachinformationen

Hier finden Sie Informationen für Fachleute von der EnergieAgentur.NRW zusammengestellt.

Lüftungsstrategien in Schulen und Bürogebäuden

Wir verbringen ca.90% unserer Zeit in Innenräumen. Während sich das Familienleben zumeist in den  Wohnräumen abspielt, findet das Berufsleben und die Ausbildung vorwiegend in Büroräumen und Schulgebäuden statt.

Gerade in diesen Gebäuden, wo sich eine größere Anzahl von Menschen in verhältnismäßig kleinen Räumen aufhalten, ist ein regelmäßiger Luftaustausch und eine dauerhaft niedrige Kohlendioxidkonzentration (CO2 ) entscheidend für das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Nutzer.
  
Nachfolgend werden zwei beispielhafte Schulprojekte vorgestellt, bei denen die Raumluftqualität in Unterrichtsräumen untersucht und sinnvolle Verbesserungsmaßnahmen erarbeitet wurden.
   
„Aufatmen in Schulen“-Luftqualität und Raumklima in Unterrichtsräumen-

Im Rahmen dieser einjährigen Studie an sieben niedersächsischen Schulen wurde die Raumluftqualität der Unterrichtsräume untersucht.
   
Dabei zeigte sich, dass bei einem „üblichen Lüftungsverhalten“ die zulässige CO2 -Konzentration in der Raumluft von 1500 ppm bereits kurz nach Unterrichtsbeginn überschritten wurde und im Laufe des Unterrichtstags auf über 4000 ppm anstieg.

Detailansicht

Neben stehend ist die Simulation eines 80 m² großen Schulraums mit 25 Personen abgebildet. Es ist deutlich erkennbar, dass selbst eine optimalen Fensterlüftung (rote Linie), also Querlüftung zu jeder kurzen und langen Pause, nicht ausreicht den CO2-Gehalt in einem akzeptablen Rahmen zu halten.
In dieser Simulation ist angenommen, dass die Fenster während des Unterrichts geschlossen sind und ein durchaus wirklichkeitsnaher Luftaustausch von 0,3 [1/h] durch Ritzen und Fugen gewährleistet ist.

Weitere Informationen und ein ausführlicher Schulprojektbericht  sind auf der Internetseite des Landesgesundheitsamtes Niedersachsen unter „Lufthygiene in Schulen“ verfügbar.
  
Im Rahmen der Studie entwickelte das Landesgesundheitsamt Niedersachsen eine Software um Kohlendioxidkonzentrationen in der Raumluft unter unterschiedlichen Lüftungsbedingungen zu simulieren und auszuwerten. Diese einfach zu bedienende Software kann ebenfalls auf der Internetseite des Landesgesundheitsamtes Niedersachsen herunter geladen werden.

Lueftungsampel

Detailansicht
Lüftungsampel
Quelle: Integral-Ingenieure, Aachen

Sanierung der Käthe-Kollwitz-Schule in Aachen

Bei der Sanierung des Schulgebäudes aus den fünfziger Jahren stand die Untersuchung verschiedener Lüftungsstrategien im Mittelpunkt. Im Rahmen eines umfangreichen Messprogramms wurden unterschiedliche mechanische Lüftungssysteme mit und ohne Wärmerückgewinnung getestet.
Daneben ist die Entwicklung einer „Lüftungsampel“ hervorzuheben. Mit dieser einfachen Messtafel kann die Luftqualität Räumen mit reiner Fensterlüftung ohne weitere technische Hilfsmittel kontrolliert und verbessert werden.

Eine Dokumentation zu dieser beispielhaften Schulsanierung finden Sie hier:

Regeln, Normen und Gesetze

Normen, Verordnungen und Gesetze regeln die Belüftung von Gebäuden. Im Folgenden sind die wichtigsten zusammengefasst.

Das Lüftungskonzept nach DIN 1946-6

Im Mai 2009 wurde die überarbeitete DIN 1946-6 (Lüftung von Wohnungen) veröffentlicht. Ab jetzt muss für jeden Neubau und bei umfangreichen Sanierungen ein genormtes Lüftungskonzept erstellt werden.

Moderne, energieeffiziente Gebäude werden möglichst luftdicht ausgeführt. Um einen ausreichenden Luftaustausch in diesen Gebäuden sicher zu stellen, liefert die überarbeitete DIN 1946-6 jetzt passende Werkzeuge zur Planung und zum Nachweis geeigneter Lüftungskonzepte.

Diese Vorgaben sind für alle am Bau Beteiligten verbindlich und betreffen:

  • Neubauten von Wohngebäuden
  • Sanierungen von Ein- und Mehrfamilienhäusern, bei denen mehr als 1/3 der vorhandenen Fenster ausgetauscht werden bzw.
  • Einfamilienhäuser, bei denen mehr als 1/3 der Dachfläche abgedichtet werden.

Die Norm fordert den Nachweis für vier Lüftungsstufen, die bei unterschiedlichen Nutzungsbedingungen einen ausreichenden Luftwechsel sicher stellen. Die Stufen sind:

Lüftung zum Feuchteschutz
Grundlüftung zur Vermeidung von Feuchteschäden in Abhängigkeit vom Wärmeschutzniveau des Gebäudes bei teilweise reduzierten Feuchtelasten (z. B. zeitweilige Abwesenheit der Nutzer). Diese Stufe muss ständig und ohne Beteiligung der Nutzer sicher gestellt sein.

Reduzierte Lüftung
Zusätzlich notwendige Lüftung zur Gewährleistung des hygienischen Mindeststandards unter Berücksichtigung durchschnittlicher Schadstoffbelastungen bei zeitweiliger Abwesenheit der Nutzer. Diese Stufe muss weitestgehend nutzerunabhängig sicher gestellt sein.

Nennlüftung
Beschreibt die notwendige Lüftung zur Gewährleistung der hygienischen und gesundheitlichen Erfordernisse sowie des Bautenschutzes bei Normalnutzung der Wohnung. Der Nutzer kann hierzu teilweise mit aktiver Fensterlüftung herangezogen werden.

Intensivlüftung
Dient dem Abbau von Lastspitzen (z. B. durch Kochen, Waschen). Auch hier kann der Nutzer teilweise mit aktiver Fensterlüftung herangezogen werden.

Insbesondere bei der Lüftungsstufe 1 (Lüftung zum Feuchteschutz) muss der Planer lüftungstechnische Maßnahmen fordern, wenn die Luftzufuhr über Undichtigkeiten in der Gebäudehülle nicht ausreichen, um den Luftaustausch zum Feuchteschutz sicher zu stellen.

Bei erhöhten Anforderungen an die Energieeffizienz, den Schallschutz und die Raumluftqualität fordert die DIN immer den Einbau von Lüftungstechnik.

Das Lüftungskonzept kann von jedem Fachmann erstellt werden, der in der Planung, der Ausführung oder der Instandhaltung von lüftungstechnischen Anlagen oder in der Planung und Modernisierung von Gebäuden tätig ist.

Weitere Informationen zur überarbeiteten DIN 1949-6 finden sich in einem Merkblatt des Bundesverbands für Wohnungslüftung e.V.: VFW Info zur DIN 1946-6

Einen Überblick über die neuen Regeln zur Auslegung eines Lüftungskonzeptes bietet eine kostenlose Software, die als Download auf den Seiten des Bundesverbands für Wohnungslüftung e.V. zur Verfügung steht: Planungstool Lüftungskonzept

Aktuelle rechtliche Situation bei Feuchteschäden in Gebäuden

Richterrobe

Feuchteschäden und Schimmelpilzbelastungen in Wohnungen führen immer wieder zu Rechtsstreitigkeiten zwischen Vermieter und Mieter. Dabei geht es zunächst um die Frage, ob falsches Lüftungsverhalten der Mieter oder Gebäudemängel zu den Schäden geführt haben.
 
Nachfolgend werden einige, wichtige Aspekte der aktuellen Rechtsprechung vorgestellt: 
 
Die Beweispflicht des Mieters und die Haftung des Vermieters

  • während der Mieter den Nachweis einer Schimmelpilzbelastung zu führen hat, muss der Vermieter nachweisen, dass das Gebäude ausreichend gedämmt ist und über eine funktionierende Heizungsanlage verfügt.
     
  • erst nach diesem Vermieter-Nachweis wird von den Gerichten geprüft, ob ein unangemessenes Lüftungsverhalten der Mieter Ursache für die Feuchteschäden ist.
     
  • kommt es zur fristlosen Kündigung des Mieters auf Grund der Gesundheitsgefährdenden Schimmelpilzbelastung trägt der Vermieter im Haftungsfall neben den Kosten für eine teurere Ersatzwohnung auch mögliche Arztkosten, den Verdienstausfall und Schmerzensgeldforderungen des Mieters.
     
  • wird ein Gebäude nachträglich gedämmt oder dichtschließende Fenster eingebaut muss der Mieter „sachgerecht und präzise“ über die erforderlichen Maßnahmen zur ausreichenden Lüftung der Mieträume informiert werden.

Haftungsrisiken für Planer und ausführende Unternehmen

  • kommt es in Folge einer Sanierungsmaßnahme zu Feuchteschäden, tragen sowohl der Planer als auch die ausführenden Unternehmen ein Haftungsrisiko, wenn es versäumt wurde, den Vermieter umfassend und fachgerecht auf mögliche Risiken hinzuweisen.

Weitere Details  zur aktuellen Rechtsprechung bei Feuchteschäden in Gebäuden hat der Fachanwalt für Baurecht, Helge Winzen, in einer Artikelserie erörtert.
  
Den vollständigen Text des Fachbeitrags finden Sie hier:

Dipl.-Ing. (FH) Joachim Decker, M. Eng.
Themengebiet Wärme, Gebäude
EnergieAgentur.NRW
0202 2455269
decker@energieagentur.nrw

Sie erreichen die EnergieAgentur.NRW außerdem werktags von 8 bis 18 Uhr über die Hotline unter 0211 - 8371930.