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Information

Klimaschutzsiedlung Herne-Sodingen

Entwurf Vogelperspektive von Westen nach Sanierung 
Quelle: ARCHY NOVA, Stuttgart
Entwurf Vogelperspektive von Westen nach Sanierung 
Quelle: ARCHY NOVA, Stuttgart

Luftbild von Westen.
Quelle: we-house Herne GmbH & Co. KG, Stuttgart
Luftbild von Westen.
Quelle: we-house Herne GmbH & Co. KG, Stuttgart
Standort

Im Herner Stadtteil Sodingen befindet sich ein Hochbunker, der Anfang der 1940er Jahre errichtet wurde. Er liegt an der Mont-Cenis-Straße, 300 m südöstlich der Akademie Mont-Cenis. Die Anbindung an den ÖPNV ist gut, Infrastruktureinrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und Arztpraxen sind alle fußläufig erreichbar. Der Bunker ist derzeit ungenutzt. Der umgebende Parkplatz ist städtebaulich nicht gut integriert. Durch die Reaktivierung der Bausubstanz soll Wohnraum für bis zu 70 Menschen geschaffen und ein positiver Impuls für den Stadtteil gegeben werden.

Städtebau / Architektur

Der Bunker besteht aus einem viergeschossigen Bereich und einem neungeschossigen Turm. Für die Nutzung des Turms sind im Erdgeschoss Flächen für die Haus- und Gebäudetechnik vorgesehen. Die ersten sieben Obergeschosse sollen zu Wohnzwecken umgebaut werden, im achten Obergeschoss sind Technikräume für die Betreiber der bestehenden Mobilfunkanlagen am Turm geplant. Der Riegel soll im Erdgeschoss ein öffentlich zugängiges Restaurant sowie Gemeinschaftsräume für die Bewohner beinhalten. Die drei Obergeschosse werden als Wohn- und Abstellräume ausgebaut. Auf dem Dach des Riegels sollen Freizeit- und Wellnessbereiche für die Bewohner entstehen, sowie auf dem größten Teil der Fläche ein Gewächshaus.

Um den Bunker für Wohnzwecke nutzbar zu machen, werden zunächst Öffnungen für Fenster und Türen in die ein bis zwei Meter starken Betonwände geschnitten. Die Wände werden mit 20-22 cm Dämmung und einer hinterlüfteten Fassade versehen. Der gesamte Ausbau soll ökologisch, nachhaltig und recycelbar erfolgen. 
Neben 2.335 m² privaten Wohnflächen in 25 Wohnungen zwischen 32 und 150 m² sollen auch 300 m² an Gemeinschaftsflächen entstehen. Unter anderem soll eine gemeinsame Küche die Gemeinschaft und die gesunde Ernährung fördern. Auch durch die gemeinsame Anschaffung und Nutzung von Gebrauchsgegenständen wie Autos, Waschmaschinen, Werkzeugen sollen Ressourcen gespart werden. 

Das auf dem Dach geplante 350 m² große Gewächshaus soll von dem Bio-Restaurant im Erdgeschoss genutzt werden. Ein Teil des Parkplatzes soll ohne Verlust an Stellplätzen entsiegelt und als Freiraum für alle Bürger nutzbar gemacht werden. Daneben soll ein Nutzgarten für die Bewohner des Bunkers entstehen.

Entwurfsansicht von Südosten.
Quelle: dk architekten, Stuttgart
Entwurfsansicht von Südosten.
Quelle: dk architekten, Stuttgart
Energetisches Konzept

Der Heizwärmebedarf des Bunkers wird durch hochwertige Fenster mit Dreifachverglasung und eine 20-22 cm starke Dämmung der einen bis zwei Meter dicken Betonwände auf das Niveau eines Dreiliter-Hauses reduziert. 

Auf dem Dach und an der Süd- und Westfassade des Turms sind Photovoltaikanlagen mit insgesamt 50-60 kWp geplant. Auf dem Dach des Turms ist außerdem eine Antennenanlage installiert, die Abwärme mit einer Dauerleistung von 12 kW produziert. Diese Abwärme soll mit Hilfe einer Wärmepumpe genutzt werden, um die Betonwände von der Außenseite zu temperieren. Eine weitere Luft-Wasser-Wärmepumpe wird zusätzlich zur Bauteiltemperierung eingesetzt. Durch diese Temperierung wird eine Beheizung der Räume erst ab einer Außentemperatur unter rund 0 °C erforderlich. Die Beheizung erfolgt dann über Infrarotheizung. Auch die Warmwasserbereitung erfolgt direkt elektrisch über Kleinspeicher. Diese werden bevorzugt am Tag über PV-Strom beladen. Die Wohnungen erhalten feuchtegesteuerte Abluftanlagen. Der Anteil des Stroms, der nicht über die Photovoltaik gedeckt werden kann, soll über Ökostrom gedeckt werden. Die Wärme aus der Abluft und aus dem Grauwasser sowie das aufbereitete Grauwasser selbst sollen für das Gewächshaus nutzbar gemacht werden. 

Weiterhin soll der Haushaltsstromverbrauch durch intelligente Installationen sowie das gemeinschaftliche Wohnmodell sehr stark minimiert werden.

Karte

Lage der Siedlung 
Quelle: Land NRW (2019) - Lizenz dl-de/by-2-0 (www.govdata.de/dl-de/by-2-0)
Lage der Siedlung 
Quelle: Land NRW (2019) - Lizenz dl-de/by-2-0 (www.govdata.de/dl-de/by-2-0)

Merkmale der Siedlung
Standort Herne-Sodingen, Mont-Cenis-Straße
Projektart Umnutzung eines Hochbunkers
Anzahl der Wohneinheiten 25 Wohnungen, zusätzlich Gemeinschaftsbereiche und öffentliches Restaurant, insgesamt ca. 3.200 m² 
Gebäudetypen Mehrfamilienhaus, dreigeschossig mit Staffelgeschoss
Energetisches Konzept
Wärmedämmstandard Dreiliter-Standard
Lüftung Zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
Heizung und Warmwasser Infrarotheizung, elektrische Kleinspeicher
Strom PV-Anlagen, ca. 60 kWp und Batteriespeicher
Zeitverlauf
30.10.19 Vergabe des Status Klimaschutzsiedlung NRW
2020 Baubeginn geplant
Projektbeteiligte

Dipl.-Ing. Andreas Gries
Leiter Themengebiet Wärme, Gebäude / Leiter Netzwerk Energieeffizientes und solares Bauen
EnergieAgentur.NRW
0211 8664217
gries@energieagentur.nrw

Dipl.-Ing. Gabi Siedentop
Themengebiet Wärme, Gebäude
EnergieAgentur.NRW
0211 8664219
siedentop@energieagentur.nrw

Sie erreichen die EnergieAgentur.NRW außerdem werktags von 8 bis 18 Uhr über die Hotline unter 0211 - 8371930.