Gebäude » Energieeffiziente Nichtwohngebäude in NRW

Mit dem Auszeichnungsverfahren soll der Bekanntheitsgrad energieeffizienter Nichtwohngebäude erhöht werden.
Foto: HeuerFaust Architekten

Information

Auszeichnungsprojekt „Energieeffiziente Nichtwohngebäude in NRW“

Für Wohngebäude gibt es in Nordrhein-Westfalen bereits zahlreiche Akteure und Handlungsformate, die sich mit der Energieeffizienz im Baubereich beschäftigen. Um dieses Thema auch bei Nichtwohngebäuden (Planung, Bau, Betrieb) voranzutreiben, hat das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit der EnergieAgentur.NRW das Auszeichnungsprojekt „Energieeffiziente Nichtwohngebäude in Nordrhein-Westfalen – Schulen und Bürogebäude“ ins Leben gerufen, um vorbildliche energieeffiziente Gebäude zu identifizieren und auszuzeichnen. Dies erfolgt in Form einer Auszeichnungstafel mit Informationen zur energetischen Qualität der Gebäudehülle und zur CO2-Einsparung, die im Gebäude sichtbar für die Nutzer und Besucher angebracht wird. Berücksichtigt werden Neubau- und Sanierungsvorhaben, die bereits abgeschlossen sind oder in der Planung sind.

Mit diesem Projekt soll der Bekanntheitsgrad energieeffizienter Gebäude und der zugehörigen technischen Lösungen erhöht werden. Die Erfahrungen der Planer, Eigentümer und Nutzer sollen zudem einem breiteren Kreis zugänglich gemacht werden. Das Projekt konzentriert sich auf Büro- und Verwaltungsgebäude sowie Schulen.

Auswahlkriterien und Verfahren

Ein anspruchsvolles Energiekonzept, das eine energetisch hochwertige Gebäudehülle mit einer optimierten Anlagentechnik (Heizung, Warmwasser, Beleuchtung, Lüftung und Kühlung) kombiniert, ist für das energieeffiziente Bauen von großer Bedeutung. Daher wurden für das Auszeichnungsprojekt „Energieeffiziente Nichtwohngebäude in NRW - Schulen und Bürogebäude“ marktgerechte, aber dennoch anspruchsvolle Mindestanforderungen und Grenzwerte erarbeitet, anhand derer die Auswahl in einem einfachen Verfahren erfolgt. Einerseits werden Anforderungen an den Wärmeschutzstandard der Gebäudehülle gestellt, die von den mittleren U-Werten der Bauteilgruppen (—U) abgeleitet werden. Andererseits wurden Grenzwerte für die Treibhausgasemissionen als CO2-Äquivalente eines Gebäudes bestimmt. Diese werden aus dem Endenergiebedarf und der Nutzung erneuerbarer Energien ermittelt und auf die Nettogrundfläche (kg/m²a) bezogen.

Neben den vorgenannten Mindestanforderungen zur Bewertung von energieeffizienten Nichtwohngebäuden ist zusätzlich auch eine Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten als Empfehlung vorgesehen.

Für eine Auszeichnung als „Energieeffizientes Nichtwohngebäude“ müssen Schulen und Bürogebäude in folgenden Bereichen die Kriterien erfüllen und dürfen die zulässigen Grenzwerte nicht überschreiten:

I. Wärmeschutzstandard der Gebäudehülle

Bei Projekten mit Energieausweis auf Basis der DIN V 18599 darf der mittlere Wärmedurchgangskoeffizient  für die opaken Außenbauteile, die transparenten Außenbauteile und Vorhangfassaden sowie für Glasdächer/Lichtbänder und Lichtkuppeln folgende aufgeführte Werte nicht überschreiten:

Energieeffiziente Nichtwohngebäude – Schulen und Bürogebäude

Höchstwerte der Mittelwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten —U (W/m2 K)
Bauteilgruppe Neubau* Sanierung**
Opake Bauteile 0,22 0,26
Transparente Bauteile 1,2 1,4
Vorhangfassade 1,2 1,4
Glasdächer, Lichtbänder, Lichtkuppeln 2,0 2,4

*KfW-Effizienzgebäude 55 Standard  für Bauteilgruppen, **KfW-Effizienzgebäude 70 Standard für Bauteilgruppen

II. Gebäudebezogene Emissionen als CO2-Äquivalente für Heizung, Warmwasser, Beleuchtung, Lüftung, Kühlung

Grundlage für die Berechnung der Emissionen sind die Angaben zum Endenergiebedarf für Heizung, Warmwasser, Beleuchtung, Lüftung und Kühlung, die direkt aus vorliegenden Energieausweisen übernommen werden können.

Folgende Grenzwerte dürfen nicht überschritten werden:

Energieeffiziente Nichtwohngebäude - Schulen und Bürogebäude

Höchstwerte der Emissionen als CO2-Äquivalente (kg/m²a) für Heizung, Warmwasser, Beleuchtung, Lüftung und Kühlung
  Neubau Sanierung
Schulen 15 kg/m²a 20 kg/m²a
Büro- und Verwaltungsgebäude 20 kg/m²a 25 kg/m²a

III. Nachhaltigkeit – Empfehlungen

Idealerweise sollten die auszuzeichnenden Nichtwohngebäude nicht nur hinsichtlich ihrer Energieeffizienz optimiert sein, sondern auch in weiteren Bereichen einen ganzheitlich nachhaltigen Ansatz verfolgen, insbesondere im Hinblick auf Nutzerkomfort, wirtschaftliche Effizienz und geringen Ressourcenverbrauch von der Herstellung bis zum Betrieb. Um diesen Ansatz einer umfassenden Nachhaltigkeit zu unterstützen, wurden Kriterien formuliert, deren Berücksichtigung als sinnvoll erachtet wird. Diese sind keine Anforderungen, sondern lediglich als Empfehlungen zu verstehen.

Die Nachhaltigkeit des Gebäudes wird über den nachstehend beschriebenen „vereinfachten Nachweis von Nachhaltigkeitskriterien“ dargestellt. Dabei sind mindestens insgesamt drei Kriterien aus mindestens zwei Kategorien positiv nachzuweisen und durch geeignete Unterlagen zu belegen.

  • Ökologische Qualität – 4 Kriterien
  • Ökonomische Qualität – 5 Kriterien
  • Soziokulturelle und funktionale Qualität – 4 Kriterien

Falls Nachhaltigkeitskriterien in die Projektbetrachtung einfließen sollen, sind diese auf Grundlage der aktuellen und gängigen Verfahren und Regelwerke, die im Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) oder im Bewertungssystem der Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) zulässig sind, nachzuweisen.

Weitere Informationen dazu sowie den vollständigen Kriterienkatalog finden Sie in der Projektdokumentation unter Downloads.

Nachweisverfahren

Für jeden Neubau und für viele Sanierungen liegen energetische Bilanzierungen und Energieausweise auf Basis der DIN V 18599 vor. Aus diesen lassen sich die Werte der Wärmedurchgangskoeffizienten direkt entnehmen (Anforderung I.). Die dort ausgewiesenen Werte zum Endenergiebedarf werden jeweils mit den unten aufgeführten Emissionsfaktoren multipliziert, um die gesamten Treibhausgasemissionen als CO2-Äquivalente zu ermitteln (Anforderung II.).

Für die Berechnung der Emissionen wird auf die Kennwerte im Entwurf zum Gebäudeenergiegesetz (GEG Entwurf 2018)  zurückgegriffen.

 Emissionsfaktoren (kg CO2-Äquivalent pro kWh) - Auszug

Stromnetz 0,560
Heizöl 0,310
Erdgas 0,240
Holz 0,040

Für die Berücksichtigung von Fernwärme sollte ein berechneter Emissionsfaktor für das Fernwärmenetz (kg/kWh) vorliegen. In diesem Fall muss das dazu gehörige Zertifikat des Anbieters mit den Bewerbungsunterlagen eingereicht werden.

Der durch eine Photovoltaik-Anlage erzeugte Strom wird bei der CO2-Bilanzie­rung zu 100 % gutgeschrieben. Hier ist der Emissionsfaktor von 0,560 kg/m²a gemäß GEG (Entwurf 2018) zu verwenden.

Bei energieeffizienten Nichtwohngebäuden, die bereits nach DGNB (Gold, Platin) oder BNB zertifiziert sind, oder bei denen statt eines Energieausweises ein PHPP-Nachweis vorliegt, wird der Einzelfall betrachtet, und diese können nach individueller Prüfung ebenfalls ausgezeichnet werden.

Förderung für Monitoring

Im Rahmen des Projektes „Energieeffiziente Nichtwohngebäude in NRW“ wird das Energie-Monitoring  von ausgewählten Projekten finanziell unterstützt. Eine Förderung erfolgt in Form eines Zuschuss aus dem laufenden Programm: progres.nrw-Markteinführung.

Im Downloadbereich finden Sie die komplette Dokumentation, Informationen zur Förderung und Bewerbungsunterlagen.

Herr Dipl.-Ing. Andreas Gries
Leiter Themengebiet Wärme, Gebäude / Leiter Netzwerk Energieeffizientes und solares Bauen
EnergieAgentur.NRW
0211 8664217
gries@energieagentur.nrw

Frau Dipl.-Ing. Sirin Tezcan
Themengebiet Wärme, Gebäude
EnergieAgentur.NRW
0211 86642166
tezcan@energieagentur.nrw
XING

Sie erreichen die EnergieAgentur.NRW außerdem werktags von 8 bis 18 Uhr über die Hotline unter 0211 - 8371930.