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Power Purchase Agreements (PPAs) für erneuerbare Energien

PPAs bezeichnen im wesentlichen privatrechtliche Strombezugsverträge für grünen Strom, die nicht über das EEG definiert sind, sondern frei verhandelt werden. Die Stromvermarktung über ein PPA kann sowohl für Bestandsanlagen als auch für neue Projekte genutzt werden, die keine EEG-Förderung erhalten. Die Vermarktungswege, zu denen PPAs je nach Ausprägung gehören, sind die Direktlieferung und die sonstige Direktvermarktung. Dieser Artikel bietet eine Übersicht über die grundsätzlichen Formen von PPAs und erklärt die Ausprägungen der zentralen Vertragsbestandteile Lieferdauer, Liefermenge und Preis.

Grundsätzliche Formen

PPAs treten in unterschiedlichen Varianten auf, die sich wie folgt kategorisieren lassen:

Corporate und Utility PPA

Beim Corporate PPA ist das endverbrauchende Unternehmen Abnehmer, beim Utility PPA ein Versorgungsunternehmen oder ein Energiehändler.

Physische (direct oder sleeved) und synthetische PPAs

Bei physischen PPAs wird die Stromlieferung geschuldet. Unterschieden wird hierbei zwischen Direct und Sleeved PPAs. Direct PPAs beschreiben Verträge mit unmittelbarer Stromlieferung ohne Netznutzung und daher gewöhnlich eine Lieferung direkt auf dem Werksgelände des Stromabnehmers (Onsite-Anlagen) oder in unmittelbarer Nachbarschaft.

Bei Sleeved PPAs erfolgt die Stromlieferung aufgrund der Entfernung zwischen Stromerzeugung und Abnahme über das Netz unter Hinzuziehung eines bilanzkreisverantwortlichen (BKV) Intermediärs.

Bei synthetischen PPAs, auch bilanzielle oder finanzielle PPAs genannt, erfolgt keine tatsächliche Stromlieferung. Die Parteien vereinbaren lediglich den Strompreis für eine bestimmte Menge Strom, für die in der Regel auch Herkunftsnachweise mitübertragen werden. Der Stromerzeuger verkauft seinen Strom am Großhandelsmarkt, und der Stromabnehmer kauft ihn wiederum am Großhandelsmarkt. Liegt der Großhandelspreis unter dem vertraglichen Festpreis, schuldet der Abnehmer dem Verkäufer die Preisdifferenz, im umgekehrten Fall muss der Verkäufer den Preisüberschuss an den Stromabnehmer auszahlen.

Zentrale Vertragsbestandteile

Die Beweggründe für den Abschluss eines PPAs sind vielfältig und für Stromabnehmer und Lieferanten unterschiedlich. Für den Abnehmer sind insbesondere Nachhaltigkeitsbestrebungen und die langfristige Absicherung der Strompreise wichtige Faktoren beim direkten Bezug von Grünstrom über ein PPA. Für Betreiber von Erneuerbaren-Energien-Anlagen stellt die Absicherung des Stromabsatzes das zentrale Argument für einen PPA-Abschluss dar. Zentral für beide Vertragsparteien ist eine grundsätzliche Kenntnis der Strommarktmechanismen und damit einhergehenden Risiken um zu verhandelnde Vertragsaspekte wie Lieferdauer, Liefermenge und Preis einschätzen zu können.

Gerade bei neuen Stromerzeugungsanlagen strebt der Anlagenbetreiber für die Finanzierung des Projekts lange Vertragslaufzeiten an. Bei Altanlagen können lange Laufzeiten hingegen ein Risikofaktor sein. Im Falle eines technischen Defekts kann der Anlagenbetreiber seinen vertraglichen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen und macht sich gegenüber dem Abnehmer evtl. schadensersatzpflichtig.

Hinsichtlich der Liefermengen können sich die Vertragspartner neben fixen Mengen (beispielsweise baseload) auch auf verschiedene andere Verfahren einigen. Beim so genannten Take-or-pay ist die Mindestabnahmemenge vertraglich geregelt. Bei Unterschreitung der Abnahmemenge durch den Abnehmer muss dieser trotzdem die vereinbarte Mindestmenge bezahlen. Bei der Take-and-pay-Regelung verpflichtet sich der Käufer nicht nur zur Zahlung der vereinbarten Mindestmenge sondern auch zur Abnahme des Stroms. Bei einer Take-as-produced-Regelung wird die Abnahme bzw. Liefermenge durch die tatsächlich produzierte Menge bestimmt. Je nach Ausgestaltung ist die eine oder andere Vertragspartei zuständig für den Abgleich von Erzeugungsprofil der Anlage und Verbrauchsprofil des Abnehmers. Zur Kostenreduzierung kann es für ein Unternehmen sinnvoll sein, zu prüfen, inwieweit die eigenen Produktionsabläufe auf die Verfügbarkeit und damit auf den fluktuierenden Preis des erneuerbaren Stroms angepasst werden können.

Der Strompreis kann fix, indexiert und mit Ober- und Untergrenzen vereinbart werden. Je mehr Risiko der Stromerzeuger trägt, desto höher wird der Strompreis ausfallen, den er vom Abnehmer fordern kann und umgekehrt. Dies bedeutet beispielsweise, dass ein für eine lange Vertragsdauer fix vereinbarter Preis niedriger ausfallen wird als ein schwankender.

Preisbildung und Risikobewertung

Die Preisbildung bei einem PPA basiert zunächst grundsätzlich auf Prognosen des zukünftigen Grundlastpreises, die unter anderem beeinflusst werden durch Rohstoffkosten für fossile Brennstoffe, CO2-Preise, regulatorische Entscheidungen und den Zubau an Erzeugungskapazität. Dieser Preis verringert sich üblicherweise um den Marktwert des Stroms je nach Erzeugungstechnologie. Aufgrund des hohen gleichzeitigen Angebots von Wind- und PV-Strom zu Zeiten mit entsprechendem Wetter hat dies reduzierende Effekte auf den Wert des zu dieser Zeit erzeugten Stroms. Die fluktuierende Natur des erneuerbaren Stroms erfordert zudem eine Strukturierung und Glättung der Stromlieferung. Dieser Vermarktungsaufwand verursacht Kosten, u. a. für Ausgleichsenergie, die den Preis weiter senken. Der sich ergebende Wert des Stroms erhöht sich wiederum um den Wert der grünen Eigenschaft, die über Herkunftsnachweise abgebildet wird. Schließlich hat die individuelle Risikoverteilung Einfluss auf die Preissetzung.

Die langfristigen PPA-Verträge sorgen dafür, dass sich auf Abnehmerseite für einen langen Zeitraum die Stromkosten kalkulieren lassen und auf Lieferantenseite der Stromabsatz und damit die Deckung der Erzeugungskosten gesichert ist. Diese Planbarkeit schützt aber nicht vor dem Risiko, dass sich der tatsächliche Börsenstrompreis langfristig anders als prognostiziert entwickelt und entweder über oder unter dem vereinbarten Preis liegt. Wesentliches Merkmal des freien Marktes ist die finanzielle Vergütung von Risikobereitschaft. Die Ausgestaltung der Vertragsklauseln zu Vergütungsart, -dauer und Mengenfestlegung verschiebt das Risiko zur einen oder anderen Vertragspartei und beeinflusst damit den vereinbarten Preis.

Bei der Art der Vergütung liegt mit einem Festpreis das Risiko eher beim Abnehmer. Für den Erzeuger besteht zwar das Risiko eines höheren Marktpreises und damit entgangener Gewinne, die Deckung der Erzeugungskosten ist bei einem Festpreis aber gesichert. Gegenteilig verhält sich die Risikoverteilung bei einem indizierten Preis. Das Risiko für den Anlagenbetreiber seine Kosten nicht zu decken ist hier hoch. Eine Indizierung mit Ober- und Untergrenzen ist eine Möglichkeit der Risikobegrenzung für beide Seiten.

Hinsichtlich der Dauer der Vertragsbindung stellt eine kurze Vertragslaufzeit für den Betreiber ein eher hohes Risiko dar, da der planbare Cashflow nur für kurze Zeit feststeht. Bei langen Vertragslaufzeiten besteht insbesondere für den Abnehmer das Risiko eines vereinbarten Preises der über dem Börsenstrompreis liegt.

Das Mengenrisiko liegt bei einem vereinbarten „take-as-produced“ beim Abnehmer, da dieser die Mengen hinsichtlich seines Verbrauches ausgleichen muss. Gegenteilig verhält es sich bei einer vereinbarten Baseload-Profil-Lieferung, also einer gleichmäßigen Lieferung in festgelegter Höhe. In diesem Fall ist der Betreiber für den Ausgleich zuständig. Ein Mittelweg wäre eine Mindestliefermenge.

Ausblick

PPAs finden als neues Vehikel für Grünstrombezug und Erneuerbare-Energien-Ausbau zunehmend Beachtung. Die individuell ausgehandelten Verträge sind bislang in Deutschland für beide Bereiche kein Standardweg. Die zunehmenden Projektabschlüsse sowohl für neue als auch für Bestandsanlagen werden aber langfristig zu einer gewissen Standardisierung dieses Vertriebsweges führen.

Weiterhin erfordert die Preisfindung bei einem PPA von beiden Vertragsparteien eine fundierte Auseinandersetzung mit den preisbildenden Faktoren des Strommarktes. Hierfür genügt es nicht, eine beliebige Strompreisprognose zugrunde zu legen, sondern diese sollte in ihren Annahmen verstanden und als passend bewertet werden. Die Aneignung von Strommarktwissen ist daher ein zentraler Aspekt für jeden Akteur, der ins PPA-Geschäft einsteigen möchte.

Dipl.-Kauffrau (FH) Lisa Conrads
Finanzierungs- und Geschäftsmodelle
EnergieAgentur.NRW
0211 86642278
conrads@energieagentur.nrw
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