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Eigenversorgung

Die Eigenversorgung beschreibt die Nutzung von selbst erzeugtem Strom durch den Betreiber einer Stromerzeugungsanlage, z. B. einer PV- oder KWK-Anlage vor Ort.

Der wirtschaftliche Vorteil der Eigenversorgung beruht darauf, dass Netznutzungsentgelte, netzentgeltbezogene Abgaben, Konzessionsabgaben und die Stromsteuer sowie die EEG-Umlage teilweise oder ganz entfallen. Die Attraktivität dieses Modells bemisst sich nach dem anzulegenden Wert des Stroms nach EEG und des zu zahlenden Strompreises bei Netzbezug. Für neu installierte PV-Anlagen ist die Eigenversorgung meist attraktiver als die Netzeinspeisung bzw. geförderte Direktvermarktung und sollte daher zumindest mitgedacht werden.

Das EEG benennt die Grundvoraussetzungen für die Eigenversorgung als:

  • strikte Personenidentität von Anlagenbetreiber (nicht notwendigerweise Eigentümer) und Stromverbraucher
  • Stromverbrauch im unmittelbaren räumlichen Zusammenhang zur Anlage. Hier fehlt eine exakte Definition. Die Bundesnetzagentur verweist auf die Einzelfallprüfung, nennt aber als Beispiele, die die Vorgabe erfüllen sollten, dasselbe Gebäude, dasselbe Grundstück oder Betriebsgelände ohne störende Hindernisse (vgl. Leitfaden Eigenversorgung insb. S. 35-36).
  • Der Strom wird nicht durch ein öffentliches Stromnetz geleitet.

Interessant ist dieser Verwertungsweg insbesondere für Betreiber von Anlagen bis zehn Kilowatt und bis zehn Megawattstunden Jahresstromverbrauch, da diese gänzlich von der EEG-Umlage befreit sind. Gleiches gilt für den Kraftwerkseigenverbrauch, Inselanlagen sowie für vollständige Eigenversorger, die keine finanzielle Förderung nach dem EEG in Anspruch nehmen.

Für Bestandsanlagen, bei denen vor Inkrafttreten des EEG 2014 am 1. August 2014 eine Eigenversorgung stattfand, besteht Bestandsschutz, was bedeutet, dass diese, solange sie nicht modernisiert werden, ebenfalls komplett von der Umlage befreit sind. Für Betreiber größerer Anlagen (oder eines höheren Stromverbrauchs) besteht hingegen eine anteilige EEG-Umlagebefreiung. Aktuell sind 35 Prozent der EEG-Umlage zu entrichten, ab 2017 dann bis auf Weiteres 40 Prozent.

Ob die Eigenversorgung wirtschaftlich attraktiv ist, hängt grundsätzlich von den möglichen Erträgen alternativer Vermarktungsoptionen sowie vom zu zahlenden Strompreis ab. Ist der Strompreis höher als die Erlöse bei Netzeinspeisung, lohnt sich der Eigenverbrauch - oft auch bei (anteiliger) EEG-Umlagepflicht. Die Speicherung in dezentralen oder zentralen Batteriespeichern kann den Anteil des selbst produzierten und selbst verbrauchten Stroms durch zeitliche Verschiebung erhöhen.

Nicht zu verwechseln ist die Eigenversorgung mit der Nutzung des Stroms vor Ort durch Dritte. Ist die strikte Personenidentität nicht erfüllt, handelt es sich üblicherweise um eine Direktlieferung.

Weiterführende Informationen und Tools:

Dipl.-Kauffrau (FH) Lisa Conrads
Finanzierungs- und Geschäftsmodelle
EnergieAgentur.NRW
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