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Best Practice Bürgerenergie

Steinfurt: Bürgerenergiegenossenschaft beteiligt sich an Stadtwerken

Viele Menschen werden bei dem Wort „Bürgerenergie“ nur an den gemeinsamen Bau von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien denken und in den meisten Fällen liegt man mit dieser Assoziation auch vollkommen richtig. Die Mehrzahl der Bürgerenergiegesellschaften verfolgt primär die Realisierung neuer Anlagen zur Erzeugung von Strom und Wärme. Doch die Bürgerenergie ist wesentlich vielfältiger. Mittlerweile vertreiben Bürgerenergiegesellschaften selbst Strom, investieren in Energieeffizienzprojekte oder betreiben Versorgungsnetze, wie es die EWS Schönau bereits seit Ende der 1990er Jahre erfolgreich vormacht.

Bürgerenergiegenossenschaft Miteigentümer der Stadtwerke

Seit letztem Jahr gehört auch Steinfurt zu den Orten, in denen sich die Bürgerenergie von einer ungewöhnlichen Seite zeigt, denn hier ist die örtliche Bürgerenergiegenossenschaft neben der Kommune und der RWE Miteigentümer der Stadtwerke. Zwar hielt die Kommune schon lange eine Mehrheit an den Stadtwerken Steinfurt und sicherte so die Interessen der Stadt, doch 48% der Anteile gehörten noch zum RWE Konzern, welcher über eine Tochtergesellschaft auch für die Stromversorgung und den Betrieb des Stromnetzes zuständig war. Die vertragliche Bindung an RWE lief jedoch zum Jahresende 2014 aus – darin sahen einige Steinfurter Bürger die Chance zur Veränderung. Sie beschlossen, sich an den Stadtwerken Steinfurt beteiligen zu wollen. Im Juli 2013 legten die Initiatoren der Bürgerenergiegenossenschaft Steinfurt (BEGST) dem Rat der Stadt die Pläne zur Beteiligung vor. Dieser war begeistert und stellte sich per Beschluss hinter die Idee eine Energiegenossenschaft zu gründen, welche dann einen Teil der RWE-Anteile übernehmen und so direkten Einfluss der Bürger auf die kommunale Energieversorgung sicherstellen sollte. Auch von Seiten der Stadtwerke wurde die Initiative wohlwollend begleitet, sodass nur noch mit RWE eine Einigung erzielt werden musste. Am Ende der Verhandlungen stand die Übereinkunft, dass die BEGST in einem ersten Schritt 10% und bis zu fünf Jahre später noch einmal 5% der Anteile erwerben könnte, wenn denn genug Bürgerkapital in die Genossenschaft fließe.

Ab Februar 2014 hatten die Bürger der Stadt dann die Möglichkeit, Genossenschaftsanteile ab 500 € zu zeichnen. Bereits im Mai waren von 731 Bürgern fast 2 Mio. € an Einlagen getätigt, genug um die ersten 10% an den Stadtwerken zu erwerben. Damit erhielt die BEGST einen Sitz im Aufsichtsrat sowie die Möglichkeit, drei Vertreter in die Gesellschafterversammlung zu entsenden. Die Beteiligung der BEGST wurde im Rahmen einer Kapitalerhöhung umgesetzt. So hatte das Stadtwerk freie Mittel, um das Stromnetz von einer RWE-Tochtergesellschaft zurück kaufen zu können. Dadurch sind die Stadtwerke nun auch der örtliche Grundversorger für Strom in Steinfurt.

Mitspracherecht in Sachen Energieversorgung

Damit war der erste Schritt erfolgreich abgeschlossen, doch die BEGST hatte ja eine Option auf weitere 5 % der Anteile. Nachdem die Bürger im Frühjahr 2014 so großes Interesse gezeigt hatten Genossenschaftsanteile zu zeichnen, wollte man die Chance nicht ungenutzt lassen, den Einfluss der Bürger auf die örtliche Energieversorgung weiter auszubauen. Die Verträge sind bereits auf den Weg gebracht und zum 1. Jan. 2016 werden weitere Anteile in Höhe von 5% von den RWE Deutschland übernommen. Derzeit sammelt die Genossenschaft  das Kapital ein. Am liebsten soll das Geld von neuen Mitgliedern kommen, um die Genossenschaft noch stärker in der Steinfurter Bürgerschaft zu verankern.

Die BEGST sicherte ihren Mitgliedern nicht nur das Mitspracherecht in Sachen Energieversorgung, sondern konnte durch die Bündelung der Nachfrage mit den Stadtwerken auch günstige Preise für Strom und Gas für die Mitglieder verhandeln, z.B. erhalten BEGST Mitglieder einen Nachlass von 53 € auf die Jahresrechnung der Stadtwerke, wenn sie dort Strom und Gas beziehen. Entwickelt sich das Geschäft der Stadtwerke wie erwartet, erhalten die Genossen zudem eine jährliche Dividende.

Für die Zukunft plant die Genossenschaft, sich auch direkt im Bereich der Erzeugung von regenerativem Strom oder Wärme zu engagieren, wenn die Rahmenbedingungen denn wirtschaftliche Projekte zulassen.

Eingestellt am 12.11.2015

Sebastian Hahn
Bürger-Energie-Genossenschaft STeinfurt e.G.
02551 18596510
info@begst.de
www.begst.de

Sie erreichen die EnergieAgentur.NRW außerdem werktags von 8 bis 18 Uhr über die Hotline unter 0211 - 8371930.

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