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Best Practice Bürgerenergie

Solaranlagen fast wie am Fließband: Die BürgerEnergieGenossenschaft aus Hagen/Ennepe-Ruhr-Kreis

Die BürgerEnergieGenossenschaft eG, oder wie sie sich selbst nennt die „BEG 58“, ist etwas Besonderes unter den etwa 100 Energiegenossenschaften in NRW, wenn nicht gar in der bundesweiten Landschaft der Energiegenossenschaften. Nicht nur die Erfolge in Zahlen sind erstaunlich: Die 286 Mitglieder haben bis heute 88 Solaranlagen realisiert, mit insgesamt über 2,6 MWp. Ebenso erstaunlich ist, dass die 2010 gegründete Genossenschaft seit ihrer Gründung kontinuierlich neue Solaranlagen errichtet hat. Allen Vergütungskürzungen zum Trotz hat die BEG 58 weitere Anlagen nach dem „klassischen Modell“ gebaut und tut dies bis heute. Das heißt konkret: Errichtung von PV-Anlagen auf gepachteten Dachflächen und Einspeisung des gesamten PV-Stroms ins öffentliche Netz. Dafür gibt es die EEG-Vergütung, die zur Bedienung der Darlehn und zum Bau weiterer Anlagen verwendet wird. Das Jahr 2017 verspricht dabei das bisher erfolgreichste zu werden, im ersten Halbjahr wurden bereits 19 neue Anlagen projektiert.

Erste Solaranlage der BEG 58 auf dem Dach einer KiTa. Von links nach rechts: Dachpate Axel Kantimm, Uwe Slotkowski von der BEG und Jörg Tappeser, ausführender Solarteur. 
Foto: Rolf Weber
Erste Solaranlage der BEG 58 auf dem Dach einer KiTa. Von links nach rechts: Dachpate Axel Kantimm, Uwe Slotkowski von der BEG und Jörg Tappeser, ausführender Solarteur.
Foto: Rolf Weber

Die Anlagen stehen mittlerweile in Bochum, Ennepetal, Gevelsberg, Hagen, Hattingen, Herdecke, Schwelm, Sprockhövel, Wetter und Witten. Fast alle entweder auf kommunalen Dachflächen oder auf Mehrfamilienhäusern von Wohnungsgesellschaften. Wenn man Genossenschaftsvorstand Rolf Weber nach dem Erfolgsrezept fragt, nennt er mehrere Faktoren – zuerst sind da die vielen ehrenamtlichen „Kümmerer“, die die BEG 58 tragen. Insgesamt sind es etwa 35 Personen, von denen 6 im Schnitt mehr als 5 Std. die Woche für die Genossenschaft aktiv sind.

Zwei PV-Anlagen der BEG 58 auf den Dächern von en|wohnen in der Schillerstraße in Wetter (Ruhr), die von der AVU gefördert wurden: Von links nach rechts: Kai Sieverding (AVU, Leiter Privatkunden Markt und Vertrieb), Meike Riedesel (en|wohnen: Sachgebietsleiterin Technisches und kaufmännisches Bestandsmanagement), Manfred Kühn (en|wohnen Geschäftsführer), Rolf Weber (BEG 58, Vorstand), Alexander Dyck (en|wohnen Geschäftsführer)
Foto: AVU
Zwei PV-Anlagen der BEG 58 auf den Dächern von en|wohnen in der Schillerstraße in Wetter (Ruhr), die von der AVU gefördert wurden: Von links nach rechts: Kai Sieverding (AVU, Leiter Privatkunden Markt und Vertrieb), Meike Riedesel (en|wohnen: Sachgebietsleiterin Technisches und kaufmännisches Bestandsmanagement), Manfred Kühn (en|wohnen Geschäftsführer), Rolf Weber (BEG 58, Vorstand), Alexander Dyck (en|wohnen Geschäftsführer)
Foto: AVU

Zudem war die BEG 58 mit ihrer Gründung 2010 im Vergleich zu vielen anderen Energiegenossenschaften, die heute Schwierigkeiten haben neue Projekte umzusetzen, relativ früh unterwegs. Sie hatte also noch Zeit vor der EEG-Reform 2012 – mit ihren drastischen Vergütungskürzungen – ihre Strukturen aufzubauen und vor allem Erfahrungen in der Umsetzung von PV-Projekten zu sammeln. Dies setzt weitere Hebel in Gang: Die Banken geben günstigere Kredite und verlangen weniger Eigenkapital, was in Zeiten von Niedrigzinsen die Projekte günstiger macht.

Als weiterer Punkt zählt Rolf Weber auf, dass die BEG 58 nicht renditegetrieben ist, sondern ihre Ursprünge in der Lokalen Agenda 21 und Umweltschutzgruppen hat. Mittlerweile unterstürzen 16 Gruppierungen aus der Region die BEG 58. Die Hauptmotivation ist eindeutig Klimaschutz und gemeinwohlorientiertes Wirtschaften und eben nicht, ein möglichst attraktives Anlageprodukt zu kreieren. Daher kann sie bereits ab einer Rendite von 3% Projekte realisieren. „Gemeinwohlorientiert heißt für uns auch: langfristige und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren Partnern, wie den Dachgebern und dem örtlichen Handwerk“ betont Rolf Weber. So arbeitet die BEG 58 in der Regel mit einem Solarteur je Netzgebiet. Dies erlaubt für beide Seiten eine schnelle und planbare Umsetzung. Im Gebiet des Regionalversorgers AVU hat ein Solarteur so schon über 50 PV-Anlagen für die BEG 58 umgesetzt.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist, dass die BEG 58 mit einem klaren Ziel gestartet ist: „Wir wollten von Anfang an mehrere 100 PV-Anlagen bauen“ so Rolf Weber. „Daher haben wir frühzeitig über Themen wie beispielsweise interne Organisation und Fernüberwachung der Anlagen nachgedacht. Heute haben wir mit dem www.solar-watcher.de ein eigenes System, was uns frühzeitig auf Fehlfunktionen an einzelnen Anlagen aufmerksam macht. Wir stellen das System auf Nachfrage gerne anderen Energiegenossenschaften als Open Source kostenfrei zur Verfügung.“ Der Regionalversorger AVU, der selbst Mitglied der Genossenschaft ist, stellt für die Überwachung täglich die Daten der Einspeisezähler zur Verfügung. So wird kein zusätzliches Gerät vor Ort für die Überwachung, wie beispielsweise Solarlog oder Meteocontrol, benötigt. Im Ergebnis wird die Energie zur Erzeugung und Betrieb dieser Überwachungsgeräte eingespart, was dem Klimaschutz und natürlich auch dem Geldbeutel dient.

Das gute Verhältnis zu den örtlichen Energieversorgern rührt u.a. daher, dass die BEG 58 bewusst nicht in Konkurrenz zu den örtlichen Energieversorgern tritt; beispielsweise mit Anlagenpachtangeboten oder einem eigenen Stromtarif. Dazu die Aufsichtsrätin Beate Petersen: „Für uns gilt, Kooperation vor Konkurrenz. Wir werden die Herausforderung der Klimaveränderung nur gemeinsam schaffen. Da macht es Sinn, die Ziele der Unternehmen am Gemeinwohl, in unserem Fall am Klimaschutz, auszurichten. Dazu hat die BEG 58 u.a. eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt.“ Die Kooperation ist sogar so gut, dass die BEG 58 seit Anfang 2016 beim Bau von PV-Anlagen auf Wohngebäuden eine finanzielle Unterstützung von der AVU GmbH aus Gevelsberg erhält und im Gegenzug den von den PV-Anlagen bezogenen Strom als Grünstrom bezieht. Dies war und ist ein wichtiger Beitrag dazu, dass in 2016/2017 weiter gebaut werden konnte.

Neue Projektideen werden regelmäßig von der BEG 58 beleuchtet. Aktuell sind dies „Mieterstrom“, „PV-Freiflächenanlagen bis 750 kWp“ und Kleinwasserkraft. Wenn aus diesen Themen am Ende jetzt (noch) nichts werden sollte, ist man bei der BEG 58 dennoch zuversichtlich, weitere Projekte auf Dächern der Region umsetzen zu können – nach bewährtem Konzept.

Eingestellt am 30.08.2017

Rolf Weber
Die BürgerEnergieGenossenschaft eG
02335 5279
0160 90394719
rolf.weber@beg-58.de
www.beg-58.de

Sie erreichen die EnergieAgentur.NRW außerdem werktags von 8 bis 18 Uhr über die Hotline unter 0211 - 8371930.