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Best Practice Bürgerenergie

Energiegewinner setzen auf Crowdinvesting

Wie kann vor Ort ökologischer Strom gewonnen werden, von dem möglichst viele profitieren? Zahlreiche Energiegenossenschaften geben eine praktische Antwort auf diese Frage. Die Kölner Energiegewinner eG geht einen Schritt weiter. Sie engagiert sich deutschlandweit, unterhält sogar Solaranlagen in Luxemburg und ist offen gegenüber neuen Vertragslösungen und Finanzierungsmöglichkeiten. Dass die Subventionen immer weiter zurückgeschraubt werden, macht den Verantwortlichen keine Bange. „In naher Zukunft werden die Projekte auch ohne Förderung wirtschaftlich sein“, ist Ramon Kempt, Vorstand der Energiegewinner, überzeugt.

Photovoltaik-Anlage
Foto: Energiegewinner eG
Photovoltaik-Anlage
Foto: Energiegewinner eG
Verkauf von einzelnen Solarmodulen

„Wir haben versucht ein Konzept zu entwickeln, wie erneuerbare Energien einen möglichst großen Vorteil für alle bringen.“ 2011 starteten die Energiegewinner mit den ersten Bürgersolaranlagen in Witzenhausen, Köln und Hannover. „Wir betrachten bei den Photovoltaikanlagen die einzelnen Module, die per Seriennummer mit dem Kaufvertrag übereignet werden“, erklärt Kempt. Die Energiegewinner pachten die Module zurück und betreiben die Anlage. Die Bürger werden so direkt an der Solaranlage beteiligt, die Gründungen neuer Gesellschaften werden vermieden. Bei den Windkraftprojekten läuft die Beteiligung über Darlehen, die die Mitglieder der Genossenschaft gewähren.

Crowdinvesting: Auch für große Projekte eine Option

Auf der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten wurden die Energiegewinner auf das Crowdinvesting aufmerksam. Beim Crowdinvesting (von englisch crowd - (Menschen-)Menge) finanzieren viele Kleinanleger durch ihre Einlagen ein bestimmtes Unternehmen oder Projekt mit dem Ziel, ihr Geld gewinnbringend anzulegen. Im Gegensatz dazu bezieht sich Crowdfunding hingegen zumeist auf das Einsammeln von Spenden für ein bestimmtes Projekt, hier gibt es also keine Renditeabsicht der Anleger. Sowohl die Information als auch die gesamte Abwicklung erfolgt in der Regel über spezielle Internetplattformen. Dies macht es für beide Seiten unkompliziert und kostengünstig. „Wir fanden das sehr interessant und starteten 2014 einen Testballon, um zu gucken ob das funktioniert“, sagt Kempt. Der Test war erfolgreich und bereits fünf Mal sammelte die Genossenschaft Geld auf diese Art ein.

Energiegewinner
Foto: Energiegewinner eG
Energiegewinner
Foto: Energiegewinner eG
Die Finanzierung für die Windkraftanlage in Olsdorf lief sogar über reines Crowdinvesting. „Wir haben das Projekt über die Internetplattform LeihDeinerUmweltGeld ausgeschrieben“, erzählt der Genossenschaftsvorstand. Innerhalb von sieben Wochen waren die 250.000 Euro eingesammelt. Bei ihrem letzten Projekt sammelten sie 750.000 Euro für die Refinanzierung einer Windkraftanlage in der Eifel ein. Aus diesen Summen wird deutlich, dass sich Crowdinvesting nicht nur für kleine Projekte anbietet, sondern auch bei größeren Vorhaben eine Ergänzung zu den Eigenmitteln von Bürgerenergiegesellschaften darstellen kann. Inzwischen sind die meisten der Investoren auch der Genossenschaft beigetreten. Zurzeit stellen die Energiegewinner ihr bislang größtes Projekt fertig, eine 2,3 Megawatt große Photovoltaikanlage auf Werkshallendächer und einer ehemaligen Deponie in Bad Rodach. „Es wird wieder ein Crowdinvest, Laufzeit und Zinssatz stehen aber noch nicht genau fest“, sagt Kempt. Die Energiegenossenschaft wird Eigentümer der Anlage und vermietet sie anschließend an den Gebäudenutzer.

Hohe Dividende

Laut Konzept streben die Energiegewinner für ihre Mitglieder eine Dividende von mehr als drei Prozent an. „Aktuell liegen wir bei vier bis zu 7,5 Prozent, je nach Projekt“, erklärt der Vorstand. Dass er mit erneuerbaren Energien Geld verdienen will, daraus macht Kempt keinen Hehl. Bereits seit 2013 leben er und sein Vorstandskollege Kay Voßhenrich von dem Geschäft, inzwischen beschäftigt die Genossenschaft fünf Mitarbeiter. „Warum sollen die Leute nicht von der Energiewende profitieren?“, fragt Kempt. Schließlich würden die großen Energiekonzerne einen Gewinn von mehr als zwölf Prozent erwirtschaften. „Wir zahlen gerne hohe Zinsen an unsere Mitglieder, wenn das Projekt das hergibt“, so der 41-Jährige. „Wir sind davon überzeugt, dass der richtige Weg weg von den Großkonzernen hin zu erneuerbaren Energien geht, die dezentral und demokratisch gemanagt werden. Und dafür ist eine Genossenschaft genau die richtige Rechtsform.“

Angst, dass es bald keine rentierlichen Projekte mehr gibt, hat Kempt keine. „Energieeffizienz ist ein schlafender Riese“, ist er überzeugt. Er kann sich beispielsweise vorstellen LED-Beleuchtung auszutauschen oder Mieterstromprojekte zu initiieren. „Man muss am Ball bleiben, es gibt noch ganz viel zu tun, das sich lohnt.“

Crowdinvesting

Es gibt eine Handvoll Crowdinvesting-Plattformen, die sich auf die Energieprojekte spezialisiert haben. Wir haben Ihnen diese Plattformen in einer übersichtlichen Liste zusammengestellt.

Energiegewinner eG

Die Genossenschaft wurde im Oktober 2010 gegründet. Sie hat 360 Mitglieder und eine Bilanzsumme von sechs Millionen Euro. Die Energiegewinner realisieren Bürgersolaranlagen gemeinsam mit Kommunen, Vereinen, Religionsgemeinschaften, Initiativen und Firmenbelegschaften. Sie entwickelten ein Beteiligungsmodell, das eine schnelle Projektabfolge mit festen Bauterminen und viel Spielraum für regionale Bedürfnisse ermöglicht. Zudem betreibt die Genossenschaft mehrere Windkraftanlagen. Bei ihren Projekten nutzen die Energiegewinner regelmäßig die Möglichkeiten des Crowdinvestment.

Herr Ramon Kempt
Energiegewinner eG
Telefon: 0221 45344099
Mobil: 0163 9631744
r.kempt@energiegewinner.de
www.energiegewinner.de

Sie erreichen die EnergieAgentur.NRW außerdem werktags von 8 bis 18 Uhr über die Hotline unter 0211 - 8371930.