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Best Practice Bürgerenergie

Bürgerwindpark Hollich Sellen beteiligt 1000 Kommanditisten

Bürgerwindpark Hollich Sellen bei Steinfurt.
Foto: Christian Kielmann
Bürgerwindpark Hollich Sellen bei Steinfurt.
Foto: Christian Kielmann
Äcker, Weiden, kleinere Waldstücke, Bauernschaften mit gepflegten Hofstellen – das Münsterland ist eine durch Landwirtschaft geformte Kulturlandschaft. Hier weht ein stetiger Wind, meist aus Südwest, mit sechs Metern pro Sekunde. Das haben sich die Menschen schon immer zunutze gemacht. Früher prägten Windmühlen das Landschaftsbild, heute sind es Windenergieanlagen. 2015 wurde in den Feldfluren der Bauerschaften Hollich und Sellen der Kreisstadt Steinfurt einer der größten Bürgerwindparks Deutschlands errichtet. Ein bemerkenswertes Projekt – in vielerlei Hinsicht.

Erste Planungen ab 2011

„Vor ein paar Wochen ging die letzte Mühle ans Netz“, sagt Jörg Tiemann, Geschäftsführer des Bürgerwindparks Hollich Sellen. Jeweils acht der insgesamt 16 etwa 140 Meter hohen Windkraftanlagen der 3 MW-Klasse stehen in jeder Ortslage. Erste Planungen gab es 2011. „Der Atomausstiegsbeschluss nach Fukushima gab zusätzlichen Rückenwind“, so Tiemann. Dazu kam, dass der Landkreis Steinfurt das Ziel verfolgt, bis 2050 energieautark zu sein.

140 Meter messen die Windräder des Bürgerwindparks Hollich Sellen.
Foto: Christian Kielmann
140 Meter messen die Windräder des Bürgerwindparks Hollich Sellen.
Foto: Christian Kielmann
Während der Planungsphase waren Tiemann und Mitgeschäftsführer Gerhard Göckenjan mit den potenziellen Kreditgebern in losem Kontakt. „Sie haben immer gesagt, sie sprechen uns an, wenn es soweit ist“, erinnert sich Rita Vollmar von der Deutschen Kreditbank AG (DKB). Bereits 2004 hatte die Bank den Bürgerwindpark Hollich mitfinanziert. Auf der Windmesse im September 2014 wurde es konkret. „So, jetzt ist es soweit. Wir brauchen innerhalb nächster Woche den Kreditbeschluss“, hieß es von Seiten des Bürgerwindparks. Die Kreditfachleute schafften es bis Dezember. „Das war eine Riesenleistung“, so Vollmar, schließlich braucht eine sorgfältige Kreditprüfung Zeit. Außerdem sollten auf Wunsch der „Hollicher“ regionale Bankpartner eingebunden werden und fünf Millionen Euro Eigenkapital-Anteile vorfinanziert werden.

Finanzierung aus den Fördermitteln der NRW.Bank

„Wir hatten hohes Vertrauen in die Akteure“, sagt Vollmar. Zum einen des hohen Fachniveaus wegen, zum anderen aufgrund der tiefen Verwurzelung in der Region. Unter Konsortialführerschaft der DKB erfolgte eine Zusammenarbeit mit der Kreissparkasse Steinfurt und der VR-Bank Kreis Steinfurt eG. Finanziert wurde aus den Fördermitteln der NRW.Bank, Programm „Energieinfrastruktur“ und dem Programm „Energie vom Land“ der Landwirtschaftlichen Rentenbank.

190 Familien aus Steinfurt und den direkt angrenzenden Nachbarkommunen profitieren vom Pacht- und Anwohnermodell.
Foto: Christian Kielmann
190 Familien aus Steinfurt und den direkt angrenzenden Nachbarkommunen profitieren vom Pacht- und Anwohnermodell.
Foto: Christian Kielmann
Das Eigenkapital wurde zunächst von der DKB und der VR-Bank zwischenfinanziert und soll nun durch Einlagen von Bürgern aufgebracht werden. „Das bereitet uns großes Kopfzerbrechen“, sagt Tiemann. Ursprünglich war angedacht, 1000 Kommanditisten zu beteiligen. „Aber wir haben so viele Vormerkungen, dass wir überlegen, wie wir die Anteile stückeln und am gerechtesten verteilen.“ Anfragen von Flensburg bis Garmisch liegen vor, doch berücksichtigt werden nur Bewohner aus Steinfurt und den direkt angrenzenden Nachbarkommunen.

Gemeinwohl liegt im Fokus des Bürgerwindparks

„Wir haben ein differenziertes Pacht- und Anwohnermodell“, erklärt Tiemann. Nicht nur die „Bauern“, auf deren Grundstücken die Windräder errichtet wurden, erhalten Windpacht, sondern alle, die von den Anlagen direkt oder indirekt betroffen sind, insgesamt 190 Familien. Dazu zählen auch die Anwohner. Hinzu kommt die breite Streuung der Anleger. „Bei 1000 Kommanditisten sind über jede Familie und jede Ecken fast alle beteiligt“, ist der Geschäftsführer überzeugt. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist groß. „Alles was wir tun, machen wir mit Bedacht“, sagt Tiemann. „Denn wir leben hier und stehen nebenbei auch unter ständiger Sozialkontrolle.“

Zum Bürgerwindpark Hollich Sellen

Als Investoren im Münsterland nach geeigneten Standorten für Windräder suchten, entstand in Hollich die Idee, Windkraftanlagen in eigener Regie zu bauen. Zunächst errichtete der Bürgerwindpark Hollich elf Windkraftanlagen, später wurde die Anlage auf 19 Anlagen erweitert. Nach dem Reaktorunfall in Fukushima, dem Beschluss zum Atomausstieg und einer positiven Potenzialanalyse fiel die Entscheidung für weitere 16 Windkraftanlagen, die von dem Bürgerwindpark Hollich Sellen errichtet wurden.

Eingestellt am 20.05.2016

Nicole Dahnke
Deutsche Kreditbank AG
0211 957067303
nord.duesseldorf@dkb.de
www.dkb.de

Jörg Tiemann
Geschäftsführer
Bürgerwindpark Hollich Sellen GmbH & Co.KG
02551 7016900
info@windpark-hollich.de
www.windpark-hollich.de

Sie erreichen die EnergieAgentur.NRW außerdem werktags von 8 bis 18 Uhr über die Hotline unter 0211 - 8371930.

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