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Best Practice Bürgerenergie

Bochum: Energiegenossen- schaft realisiert PV-Direktlieferprojekt mit Schule

Pünktlich zum Start des neuen Schuljahres ist am 19. August 2014 auf dem Dach des Klaus-Steilmann-Berufskollegs eine für Bochum in doppelter Hinsicht richtungweisende Solarstromanlage in Betrieb gegangen: Die 63 kWp starke Photovoltaik beliefert erstmals in Bochum ein kommunales Gebäude direkt und vorrangig mit ihrem lokal erzeugten Solarstrom - lediglich der Überschuss wird (vor allem an Wochenenden und zu Ferienzeiten) ins örtliche Netz der Stadtwerke eingespeist. Und diese Solaranlage wurde - ebenfalls eine BO-Premiere - mit genossenschaftlich organisiertem Bürgergeld finanziert.

PV-Anlage des Klaus-Steilmann-Berufskolleg
Foto: EnergieBuerGEr
PV-Anlage des Klaus-Steilmann-Berufskolleg
Foto: EnergieBuerGEr
Gemeinschaftliches Projekt

Es ist ein gemeinschaftliches Projekt der Zentralen Dienste der Stadt Bochum und der „energieBuerGEr Gelsenkirchen“-Genossenschaft. Beide Partner setzen mit diesem Projekt den politischen Willen des Rates der Stadt Bochum um, über die Nutzung kommunaler Dächer mit solarer Energieerzeugung die Bürger an der lokalen Energiewende zu beteiligen. Einen entsprechenden Beschluss hat der Hauptausschuss des Rates im März 2012 gefasst - und darin die Zusammenarbeit mit einer Bürgerenergie-Genossenschaft favorisiert. Weil eine solche Genossenschaft in Bochum nicht existiert, haben sich die „energieBuerGEr“ aus der Nachbarstadt Gelsenkirchen angeboten, gemeinsam mit der Stadt BO solche Projekte zu realisieren. Die „energieBuerGEr“ sind in ihrer Mitgliederstruktur nicht lokal fixiert, sondern zählen bereits Menschen z.B. aus Bochum, Witten und Herten in ihren Reihen.

Auch Mieter kölnnen sich an regionaler Energieerzeugung beteiligen

„Genossenschaftlich organisierte Bürger/innen widerlegen ganz eindeutig das immer wieder vorgebrachte Argument, der Nutzen vor allem solarer Energieerzeugung käme nur vermögenden Hauseignern zu Gute“, sagt der „energieBuerGEr“-Vorstand Tom Jost. Auch Menschen ohne Wohn- und Dach-Eigentum (also: Mieter) können sich mit Genossenschafts-Einlagen an entsprechenden Investitionen in lokaler oder regionaler Energieerzeugung und damit dem Klimaschutz beteiligen. Und über ausgeschüttete Dividenden davon profitieren. In der Republik gibt es inzwischen fast 900 solcher lokalen Bürgerenergie-Genossenschaften mit mehr als 1,4 Mio. Mitgliedern.

„Der zweite Effekt dieser Beteiligungen besteht darin, dass diese Menschen intensiver über ihr eigenes Energie-Verhalten nachdenken“, haben die „energieBuerGEr“ erfahren. „Sie sind offen für den Bezug von Ökostrom. Sie überlegen Energie-Einsparmöglichkeiten in ihrem Haushalt. Sie geben Wärmedämm-Aufträge für ihre Gebäude an das lokale Handwerk oder setzen ihren Vermieter unter Druck“, weiß „energieBuerGEr“-Aufsichtsrat Rolf Behrendt: „Sie sind unsere Klimaschutz-Multiplikatoren.“

Große Anteil der Wertschöpfung ist lokal und regional

Die Solarstrom-Anlage auf dem Dach des Steilmann-Berufskollegs wurde realisiert mit Modulen aus deutsch-überwachter Fertigung, mit in Deutschland hergestellten Wechselrichtern, Kabeln und Stromzählern, versichert bei einer deutschen Gesellschaft. In der Summe gebaut und angeschlossen von einem Fachbetrieb aus Westfalen, so wie auch die Anpassung des Blitzschutzes. Will heißen: Der große Anteil der Wertschöpfung ist lokal und regional verortet.

„Es war trotzdem ziemlich schwierig, dieses Projekt zu stemmen“, ärgert sich „energieBuerGEr“-Vorstand Tom Jost: „Die Stadt Bochum und unsere Genossenschaft waren stets von der Sache überzeugt. Aber der politische EEG-Gegenwind aus Berlin hat uns immer wieder neues Kopfzerbrechen auferlegt, wie das Projekt trotzdem gelingen könnte. Bürgerenergie hat in der schwarz-roten Koalition absolut keine Lobby. Letztlich hing es vom NRW-Programm ,progres.nrw‘ ab, ob wir den Bauauftrag geben konnten oder nicht. Der Förderbescheid traf in letzter Minute ein. Sonst wäre alles gescheitert.“

Der Stadt Bochum machen die „energieBuerGEr“ ein ziemliches Kompliment: „Insbesondere die Zentralen Dienste waren mit engagierter Umsetzung des politischen Beschlusses und Lösung verzwickter Einzelfragen eine absolute Stütze des Projektes“, sagt Tom Jost. Und, dass man gemeinsam nach weiteren Projekten Ausschau halten werde. Mit der Stadt … und mit Bochums Bürgern.

Übrigens können Schüler und Studierende des Klaus-Steilmann-Kollegs auch im Unterricht von der Solarstromanlage über ihren Köpfen profitieren. „Das Steilmann-Kolleg ist eine kaufmännisch ausgerichtete Handels-, Berufs- und Fach(ober)schule. Da bietet es sich doch geradezu an, in Projektarbeit die wirtschaftlichen Chancen von Erneuerbaren Energien anhand der Daten aus der eigenen Schule und Schuldach-Solarstromerzeugung zu überprüfen“, meint „energieBuerGEr“-Aufsichtsrat Rolf Behrendt. „Wir stellen dazu alle Werte, die unser Anlagen-Controlling liefert, für solche Kalkulationen gern zur Verfügung.“

Daten zur Steilmann-PV-Anlage
Anlagenleistung: 63 kWp
Modulfläche: 403 qm, Süd-Südost-Ausrichtung
Stromerzeugung:  ca. 57.000 kWh/Jahr
Lokale CO2-Ersparnis: ca. 24.5 t/Jahr

Daten zur „energieBuerGEr“-Genossenschaft

Sie wurde im Januar 2013 in Gelsenkirchen mit acht Mitgliedern gegründet. Inzwischen sind es 18 Mitglieder aus GE, Bochum, Witten und Herten. Im Juni 2014 wurde die Erweiterung zur „großen Genossenschaft“ mit über 20 Mitgliedern beschlossen. Die Genossenschaft verfügt bereits über drei Solarstromanlagen auf den Dächern eines Gelsenkirchener Berufskollegs. Aktuell in Arbeit sind weitere Projekte: neben Solaranlagen auch das Contracting im Feld der Energie-Einspar-Investitionen.

Stand: 16.1.2015

Tom Jost
Genossenschaft EnergieBuerGEr
0209 1777501
tom.jost@energiebuerger-ge.de
www.energiebuerger-ge.de

Sie erreichen die EnergieAgentur.NRW außerdem werktags von 8 bis 18 Uhr über die Hotline unter 0211 - 8371930.

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