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Energiewirtschaft

Factsheet Smart-Meter Rollout: Wissenswertes und Diskussionswürdiges

Das lang erwartete Startsignal für den Smart Meter Rollout ist Anfang 2020 nun endlich gefallen: Mit der Marktanalyse des deutschen Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sind die Voraussetzungen des Messstellenbetriebsgesetzes erfüllt. Hierbei wird das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende als ein Element zum Aufbau der digitalen Infrastruktur verstanden. Es soll ermöglichen, die über 1,5 Millionen Stromerzeuger und Verbraucher miteinander zu verbinden und eine sichere Kommunikationsplattform zwischen allen Beteiligten zu schaffen. Diese Digitalisierung der Energiewende ist ein wichtiges Thema für die Erhaltung der Systemstabilität der Energienetze und andererseits für die Entwicklung von innovativen Geschäftsfeldern. Die Smart Meter sollen hier eine wichtige Rolle einnehmen, um z. B. Energieeffizienzpotentiale zu heben und Betriebskosten einzusparen. Die technische Ausstattung mit Messgeräten und Steuerungselementen ist zudem notwendig, damit das Energiesystem eine zukunftsfähige Reaktionsfähigkeit erlangt.
 
Arten Digitaler Messeinrichtungen

  • Moderne Messeinrichtung (mME) / Intelligente Zähler (iZ) / Smart Meter: Digitaler, internetfähiger Zähler der Verbrauchsdaten erhebt aber nicht weiter kommuniziert 
  • Smart Meter Gateway (SMGW): Kommuniziert die Daten an Energieversorger, Netzbetreiber und Kunden und gewährleistet die sichere Datenübertragung 
  • Intelligente Messysteme (iMSys): Intelligenter Zähler + Smart Meter Gateway 
  • + Verbindungsmöglichkeiten: Gateway kann im Zähler integriert sein oder kommuniziert über Kabel, PLC oder TLS-fähige Funksysteme mit dem Zähler

Regulatorik

  • Gesetz: Digitalisierung der Energiewende (2016) beinhaltet das Messtellenbetriebsgesetz (MsbG) und basiert auf der EU-Richtlinie 2009/72/EG 
  • Regelt die Umstellungspflicht auf einen digitalen Messstellenbetrieb mit einem flächendeckenden Einbau bis 2032 
  • Das Gesetzt trifft Aussagen
    • zur Ausstattung von Messstellen der leitungsgebundenen Energieversorgung mit modernen Messeinrichtungen und intelligenten Messsystemen
    • zur Ausgestaltung des Messstellenbetriebs und zur freien Wahl eines Messstellenbetreibers
    • zur Aufgabentrennung von Messstellenbetrieb und Netzbetrieb
    • zu technischen Mindestanforderungen an den Einsatz von intelligenten Messsystemen
    • zur Erhebung, Verarbeitung und Nutzung von Messwerten und weiteren personenbezogenen Daten zur Erfüllung von vorvertraglichen Verpflichtungen, von Verträgen, rechtlichen Verpflichtungen
    • zur Erfüllung von Aufgaben im öffentlichen Interesse.

Rollout

  • Ziel: Bis 2032 sollen alle Messtellen mit intelligenten Messsystemen (iMSys) oder intelligenten Zählern (iZ) ausgerüstet werden. 
    • 15,8 Mio Messpunkte mit iMSys 
    • 34,5 Mio Messpunkte mit iZ 
    • d.h. ca. 17.000 Messpunkte pro Arbeitstag
  • Voraussetzung: Verfügbarkeit von mindestens drei verschiedenem intelligenten Messsystemen- seit Januar 2020 erfüllt (EMH Metering, PPC, Sagecom Dr. Neuhaus)
  • Pflichteinbau von Intelligenten Messsystemen  
    • Verbraucher 
      • ab 6.000 kWh verpflichtend für Messtellenbetreiber 
      • unter 6.000 kWh optional für Messtellenbetreiber 
      • mit steuerbaren Verbrauchseinrichtungen (Wärmepumpe, Nachtspeicherheizung), Entscheid noch ausstehend
    • Strom erzeugenden Anlagen
      • ab einer Nennleistung von 7 -100 kWp mit oder ohne Steuerung, Entscheid auf Grund technischer Hürden noch ausstehend 

Kosten und Preisobergrenzen

  • Beschaffungspreis eines Basis iMSys (mit integriertem SMGW) beträgt circa 40-55 €- abhängig vom Hersteller und Abnahmemenge
  • Der grundzuständige Messstellenbetreiber darf für die Erbringung der Standardleistungen der iMSys nicht mehr als die im Gesetz festgeschriebenen Preisobergrenzen beim Kunden abrechnen. Für iMSys sind diese Obergrenzen nach Verbrauch gestaffelt (z.B. 6.000 kWh 100€/a). Die Preisobergrenzen für mME unterscheiden sich nicht von den Grenzen der bisherigen Zähler (20 € pro Jahr). 
  • Die Standardleistungen umfassen alle für die Nutzung eines intelligenten Messsystems erforderlichen Grundfunktionen (Zusatzleistungen können zusätzlich abgerechnet werden).
  • Entscheidet der grundzuständige Messstellenbetreiber, über den Pflichteinbau hinaus iMSys einzusetzen (Optionaler Einbau), sind die Kosten zwischen 23 und 60 Euro pro Jahr je nach Jahresverbrauch. 

Wirtschaftlichkeit

  • Die Wirtschaftlichkeit der iMSys wird stark diskutiert. Insbesondere auf Grund der hohen Kosten für den Neuaufbau der IT- und Kommunikationstechnik (ITK) Infrastruktur ist eine kurzfristige Wirtschaftlichkeit kaum zu erreichen. Einige Stimmen sagen, dass eine Wirtschaftlichkeit erst nach einige Jahren (circa 7-9) erreicht werden kann. Fraglich ist, ob die erste Generation der iMSys nicht vorher schon durch neue Generationen mit einem erweitertem Funktionsumfang ausgetauscht werden. 
  • Der Nutzungsgrad der aufgebauten ITK-Infrastruktur beeinflusst die Wirtschaftlichkeit stark und kann durch einen höheren Datendurchsatz verbessert werden. Dieser kann durch Multi-Metering oder weitere Zusatzdienste und entsprechender Sensorik und Aktorik erreicht werden. 
  • Die viel diskutierte höhere Wirtschaftlichkeit eine Voll-Rollouts ist immer auch abhängig von der Dichte der Bebauung und der somit gegebenen Effizienz der Installationen. 

Nutzen / Geschäftsmodelle

  • Betriebskosteneinsparungen für VNB und Energielieferanten (Ablesemanagement, Fernabschaltung für das Forderungsmanagement)
  • Hebung von Energieeffizienzpotentialen durch mehr Transparenz im Stromverbrauch, Erzeugung und Kosten und flexible Stromtarife
  • Multi-Metering und Verbrauchserfassung weitere Sparten
  • Anbieten von Zusatzservices im Bereich Überwachung, Optimierung- und Steuerungszweckes (insbesondere im Bereich Eigenverbrauch und Mieterstrom) 
  • Kundenbindung durch Information
  • Gezielte und sichere Steuerung dezentraler Stromerzeugung und verbrauchsseitiger Lasten
  • Verringerung des Netzausbaubedarfs durch Flexibilisierung der Stromnachfrage
  • Sonstige

Diskurs

Der Nutzen von Smart Metern hinsichtlich des Energieeinsparungspotentials, eines Kundenmehrwerts sowie der volkswirtschaftlichen Sinnhaftigkeit wurde viel diskutiert. Zudem gab es Diskussionen um die Datensicherheit und der Benachteiligung gesamter Bevölkerungsgruppen. In Deutschland sind gemäss Expertenmeinungen für das Schutzprofil des Bundesamt für Sicherheit (BSI) vergleichbar hohe Sicherheits- und Datenschutzanforderungen für das Smart Meter Gateway vorgegeben.

Im europäische Vergleich ist Deutschland mit seinem Smart Meter Rollout einige Jahre hinterher. Viele anderen europäische Länder haben bereits den Smart Meter Rollout begonnen oder, wie Italien, bereits abgeschlossen. In diesen Ländern zeigte sich, dass insbesondere Betriebskosten für VNB und Energielieferanten reduziert werden konnten, sowie Forderungsausfälle auf Grund von Abschaltmöglichkeiten. Zudem wurden Einsparungen auf Kundenseite durch erhöhten Anbieterwechsel (z.B. in den Niederlanden) realisiert.

Glossar Intelligente Messeinrichtungen

Preisobergrenzen
Dem Anschlussnutzer werden die zusätzlichen Kosten für Installation und den Betrieb eines intelligenten Messsystems in Rechnung gestellt. Diesbezüglich wurden Preisobergrenzen definiert (z.B. 6.000 kWh 100€/a).

Messstellenbetreiber
Kunde kann frei wählen zwischen grundzuständigen Messtellenbetreiber (meist der Netzbetreibe) und wettbewerbliche Messtellenbetreiber (freier Dienstleister)

Tarifanwendungsfälle (TAFs)
Tarifanwendungsfälle sind in der technischen Richtlinie TR03109-1 des BSIs vorgegebene Fälle, die die Messwertverarbeitung und Übermittlung vorschreiben. Es gibt insgesamt 12 TAFs zu den Kategorien „Tarifierung und Bilanzierung (TAF 1 bis 8)“, „steuerbare Anlagen (TAF 9)“ und „Netzzustandserhebung (TAF 10 bis 13). Derzeit werden von der Richtlinie 4 TAFs (1,2,6 und 7) von den Smart Metern gefordert.

Sichere Lieferkette (Silke)
Eine Lieferkette, die die Anforderungen an die sichere Auslieferung von Smart Meter Gateways für die Montage beim Kunden nach BSI Kriterien erfüllt.

Controllable Local Systems (CLS) – Lastmanagement
Eine Steuerbox kann über einen CLS-Kanal in das intelligente Messystem eingebunden werden, um in Echtzeit Erzeugungsanlagen und Stromverbraucher individuel anzusteuern. Somit können dezentrale Energieanlagen extern direkt angesteuert werden für diverse Anwendungsfälle wie das Einspeisemanagement, die Direktsteuerung steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach EnWG §14a oder die Direktvermarktung. Die regulatorischen Vorgaben für eine Standardisierung der Protokolle und Datenmodelle für den Zugriff über den CLS-Kanal stehen bislang noch aus.

Grafik: EnergieAgentur.NRW
Grafik: EnergieAgentur.NRW

Dr. Eckehard Büscher
Leiter Themengebiet Energiewirtschaft
EnergieAgentur.NRW
0211 86642427
buescher@energieagentur.nrw

Sie erreichen die EnergieAgentur.NRW außerdem werktags von 8 bis 18 Uhr über die Hotline unter 0211 - 8371930.

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