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Energiemanagement

Energiecontrolling

Das Controlling hat die Aufgabe, Daten gezielt zu erfassen und daraus Kennwerte abzuleiten. So werden der energetische Zustand und die Entwicklung der Gebäude sichtbar. Neben den reinen Verbrauchsdaten werden auch Angaben zum Gebäude (z.B. Baujahr, letzte Sanierungen, beheizte Fläche), zur vorhandenen Heizungstechnik (Kesseltypen, Heizleistung, Kesselalter, Wartungsintervalle), zur sonstigen Technik (ggf. Klimatechnik, Lehrschwimmbecken, Küchen), sowie zu Kostendaten (Strom- und Wärmepreise, ggf. Verträge) und organisatorische Daten (zuständige Hausmeister und Wartungsunternehmen) erfasst.

Der Aufwand lohnt sich

Leider stehen in Kommunen für viele Gebäude weder die Energieverbrauchsdaten noch die Flächenangaben unmittelbar zur Verfügung. Die lückenlose und exakte Erfassung kann unter Umständen mit viel Aufwand verbunden sein. Dennoch sollte hierauf besonderer Wert gelegt werden, denn eine sichere Datenbasis ist die wesentliche Grundlage für jede fundierte Entscheidung. Nur wenn Energieverbrauch und -kosten der Liegenschaften – idealerweise gebäudescharf – bekannt sind, kann eine Aussage zur Wirtschaftlichkeit von Investitionen getroffen werden.

Es empfiehlt sich, die Arbeit zunächst auf die wichtigsten Gebäudegruppen zu konzentrieren. Dies sind in der Regel die Schulen und Verwaltungsgebäude. Allein auf die Schulen entfallen im Schritt 40 - 60 % des Energieverbrauchs aller kommunalen Liegenschaften.

Gebäudeerhebung bzw. Gebäudesteckbrief

Ganz am Anfang steht eine Zusammenstellung der kommunalen Gebäude. Hierfür sollte eine vollständige Liste, gegliedert nach Gebäudeart und zuständigen Fachämtern, erstellt werden. Es dürfen die Namen und Kontaktdaten der jeweiligen Ansprechpartner nicht fehlen wie beispielsweise Schulleiterin und Hausmeister.

In vielen Verwaltungen hat es sich bewährt, die Energiekenndaten des jeweiligen Gebäudes in einem Gebäudesteckbrief zusammenzufassen. Ein systematisches Raster lässt sich mit Hilfe eines Textverarbeitungs- oder Tabellenkalkulationsprogrammes leicht erstellen. Ziel ist dabei nicht nur die Erfassung des Status Quo sondern auch laufende Fortschreibung. So können die Erfolge von Energiesparmaßnahmen dokumentiert und zukünftig „Energielöcher“ aufgespürt werden.

Verbrauchserfassung

Den einzelnen Gebäuden oder Gebäudeteilen werden anhand der Verbrauchsabrechnungen ihre Energieverbrauchsdaten von Strom- und Heizenergie zugeordnet. Die Verbrauchsabrechnungen liegen entweder der betriebsführenden Abteilung oder der Kämmerei vor. Um zufällige Schwankungen auszugleichen, ist es empfehlenswert, die Werte der letzten drei Jahre zu ermittelt.
Für die künftige Fortschreibung sollte veranlasst werden, dass Rechnungen des Energieversorgers (monatlich oder jährlich) automatisch und zeitnah an das Energiemanagement zur Kenntnis gegeben werden. Auch Zählerstände, die der Hausmeister vor Ort abliest, müssen routinemäßig ins Energiemanagement einfließen.

Den realen Verbräuchen annähern

Um die jährlichen Verbrauchswerte miteinander vergleichen zu können, sollte eine Witterungsbereinigung durchgeführt werden. Über einen Korrekturfaktor werden besondere Witterungsbedingungen eines Verbrauchsjahres ausgeglichen. Der witterungsbereinigte Wert gibt also den fiktiven Verbrauch unter durchschnittlichen Witterungsbedingungen an.

In einem nächsten Schritt fordert die „reine Lehre“, den Wärmebedarf zur Warmwassererzeugung aus den Heizenergiewerten heraus zu rechnen. In der Regel wird der Wärmebedarf für die Warmwasserbereitung jedoch nicht separat erfasst und dieser Schritt muss zunächst entfallen. Wichtig ist in diesen Fällen, dass die resultierende Ungenauigkeit bewusst zur Kenntnis genommen und bei der Interpretation der berechneten Kennwerte berücksichtigt wird. Bei größeren Verbrauchern lohnt sich der Einbau eines Warmwasserzählers.

(Will man trotzdem versuchen, den Warmwasser-Wärmebedarf aus dem Gesamtwärmebedarf herauszurechnen, kann man sich mit dem durchschnittlichen Verbrauch der Sommermonate behelfen, wobei allerdings der schlechtere Kesselwirkungsgrad berücksichtigt werden sollte.)

Energieverbräuche zuordnen können

Bei größeren Liegenschaften kommt es regelmäßig vor, dass nur ein Gesamtverbrauch für das gesamte Areal vorliegt. In diesen Fällen ist es nicht sinnvoll, den Verbrauch über Verteilungsschlüssel – zum Beispiel dem Flächenverhältnis – einzelnen Gebäuden zuzuordnen. Insbesondere bei verschiedenen Nutzungsarten kann eine Annahme nur zu fehlerhaften Ergebnissen führen. Beispielsweise ist es kaum seriös möglich ohne Messungen den Energiebedarf einer Schulkantine, eines Fachraums, einer Sporthalle oder gar eines Lehrschwimmbeckens abzuschätzen. In diesen Fällen sollten sukzessive bei anstehenden Erneuerungsarbeiten in der Wärmezentrale Wärmemengenzähler nachgerüstet werden.

Energiekennwerte

Ein erster Anhaltspunkt zur Einordnung der ermittelten, witterungsbereinigten Energieverbräuche können Energiekennwerte sein. Für Gebäude hat sich der auf die beheizte Bruttogrundfläche bezogene und witterungsbereinigte Energieverbrauch als sinnvolle Kennzahl herausgestellt. Mit diesem Kennwert kann man einerseits die jährlichen Verbräuche untereinander vergleichen und die Auswirkungen von Sparmaßnahmen beurteilen. Andererseits lassen sich die Liegenschaften zu anderen, ähnlich genutzten Gebäuden in Relation setzen. Entsprechende Vergleichskennwerte für unterschiedlichste kommunale Gebäudetypen liefert beispielsweise die VDI-Richtlinie 3807 Blatt 2. Unverhältnismäßig hohe Verbräuche fallen auf und sollten näher untersucht werden.

Energiekennwerte anwenden

Die Energiekennwerte sind die Basis für zahlreiche weitere Schritte des Energiemanagements:

  • den Energieverbrauch von Gebäuden überschlägig beurteilen
  • Gebäude gleicher Art und Nutzung gut vergleichen
  • das energetische Verhalten eines Gebäudes nach baulichen Veränderungen verfolgen
  • weitergehende Untersuchungen gezielt auswählen
  • als Instrument der Betriebsführung und Überwachung nutzen
  • durchgeführte Energiesparmaßnahmen kontrollieren
  • als Richtwert und Vorgabe für Planungen von Neu- und Umbauten sowie Sanierungen nutzen

Bei der Interpretation von Energiekennwerten ist zu beachten, dass sie nicht isoliert als absolutes Maß betrachtet werden dürfen. Höhere Verbräuche als bei den Vergleichsgebäuden können durchaus auftreten, müssen allerdings begründbar sein.

Alter und Nutzung der Gebäude berücksichtigen

Je nach Gebäudealter kann der Energiekennwert erheblich variieren. Gebäude, die nach Inkrafttreten der dritten Wärmeschutzverordnung im Jahr 1985 gebaut worden sind, besitzen einen erheblich besseren Energiestandard als ältere Gebäude, die heute teilweise großen Sanierungsbedarf aufweisen.

Ebenso muss die Gebäudenutzung berücksichtigt werden: Das Nutzungsprofil hat großen Einfluss auf die Höhe des Energiebedarfs. Eine Kindertagesstätte, in der gekocht wird, hat einen höheren Energiebedarf als ein halbtags genutzter Kindergarten.

Energiepreise und Stromeinkauf

Die Optimierung der bestehenden Energielieferverträge stellt einen weiteren Ansatzpunkt im kommunalen Energiemanagement dar, der nicht zu unterschätzen ist. Durch eine Anpassung des Tarifs wird zwar keine Energie eingespart, dafür können häufig mit einfachen Mitteln die Energiekosten deutlich reduziert werden. Tarifanpassung, Anbieterwechsel oder auch ein gezieltes Lastmanagement zur Senkung kostenintensiver Leistungsspitzen beim Strombezug setzen Mittel frei, die nicht zuletzt für gezielte Energiesparinvestitionen genutzt werden können.

Dipl.-Ing. Christian Dahm
Energieanwendung, Klimaschutz in Kommunen und Regionen
EnergieAgentur.NRW
0202 2455243
dahm@energieagentur.nrw

Isabell Engel M. A.
Energieanwendung, Klimaschutz in Kommunen und Regionen
Wissensmanagement

EnergieAgentur.NRW
0202 24552794
engel@energieagentur.nrw

Dipl.-Ing. Heinz-Jürgen Schütz
Energieanwendung, Klimaschutz in Kommunen und Regionen
EnergieAgentur.NRW
0202 2455232
schuetz@energieagentur.nrw

Sie erreichen die EnergieAgentur.NRW außerdem werktags von 8 bis 18 Uhr über die Hotline unter 0211 - 8371930.

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