EA.NRW

Information

Bürgerwerke eG: Kooperation als Schlüssel zur Geschäftsfeldentwicklung

Durch den bundesweit einzigartigen Zusammenschluss von Energiegenossenschaften werden die bürgergetragenen Gesellschaften befähigt, in neue Geschäftsfelder vorzustoßen. Gemeinsam vermarkten sie regenerativen Strom sowie Ökogas an Privatpersonen und Gewerbebetriebe vor Ort und werden so vom reinen Erzeuger zum Ökostromversorger mit regionalem Angebot. Aus NRW sind unter anderem die Bürgerenergie Rhein-Sieg eG, die Energiegewinner eG aus Köln, die "visioneere" aus dem Münsterland sowie die Schülergenossenschaft Öko-E eSG aus Windeck als Stromvermarkter dabei.

Worum geht es?
Die Bürgerwerke eG sind ein Zusammenschluss von Energiegenossenschaften zur Vermarktung von erneuerbaren Energien. Die Bürgerwerke agieren als Dienstleister für ihre Mitglieder – Energiegenossenschaften aus ganz Deutschland – und unterstützen diese bei der Entwicklung eigener regionaler Angebote und beim anschließenden Vertrieb von Bürgerstrom und Bürger-Ökogas. Bei dieser Kooperation sind die lokalen Energiegenossenschaften erster Ansprechpartner für die Kundinnen und Kunden. Energieeinkauf, Abrechnung, Kundenservice und weitere Aufgaben der Energieversorgung werden in der Zentrale der Bürgerwerke gebündelt. So können die Energiegenossenschaften sich auf das konzentrieren, was sie am besten können - die Energiewende vor Ort vorantreiben

Bürgerwerke-Meeting mit Felix Schäfer, Kai Hock, Torsten Schwarz (v.l.n.r.)
Foto: Bürgerwerke eG
Bürgerwerke-Meeting mit Felix Schäfer, Kai Hock, Torsten Schwarz (v.l.n.r.)
Foto: Bürgerwerke eG
Was war der Gründungsgrund?
Energiegenossenschaften sind ein wichtiger Treiber der Energiewende in Deutschland. Die sich ändernden Rahmenbedingungen erschweren es den Genossenschaften jedoch, komplexere Geschäftsmodelle umzusetzen. Nach dem genossenschaftlichen Leitbild „Was einer nicht schafft – das schaffen viele“ findet daher in der Bürgerwerke eG eine Bündelung der Stromerzeugung und des Stromvertriebs statt. Durch dieses Konstrukt können kleine, häufig ehrenamtlich organisierte Energiegenossenschaften die arbeitsintensiven und komplexen Bereiche des Strom- und Gasvertriebs an ihre Dachorganisation Bürgerwerke auslagern.

Durch den Vertrieb des Stroms über die Bürgerwerke statt über die Strombörse - Letzteres ist bei Inanspruchnahme der EEG-Marktprämie der Fall – sollen die Genossenschaften in die Lage versetzt werden, zukünftig unabhängiger von sich ändernden politischen Rahmenbedingungen Projekte umzusetzen und neue Energieanlagen zu bauen.

Wie sieht das Geschäftsmodell aus?
Die Bürgerwerke eG als Energieversorger bezieht ihren Strom zum Teil aus Solar- und Windenergieanlagen ihrer Mitgliedsgenossenschaften und zum Teil aus einem deutschen Wasserkraftwerk. Dieser Bezug läuft unabhängig von EEG-Vergütungen über die sonstige Direktvermarktung. Die Anlagenbetreiber erhalten demnach keine EEG-Marktprämie sondern ein individuell vereinbartes Entgelt von den Bürgerwerken. Durch dieses Vorgehen behält der Strom seine grüne Eigenschaft und kann als Ökostrom verkauft werden. Die Bürgerwerke treten dabei als Dienstleister für die Genossenschaften auf und arbeiten kostendeckend, aber nicht gewinnorientiert. Die Gewinne, die mit dem Stromvertrieb erwirtschaftet werden, verbleiben direkt bei den lokalen Energiegenossenschaften. Damit ein preislich konkurrenzfähiges Stromprodukt angeboten werden kann, stammt bislang nur ein kleiner Teil des Stroms aus Mitgliedsanlagen (derzeit 15 Prozent). Der restliche Strom stammt aus einem deutschen Wasserkraftwerk, das bisher noch niedrigere Stromgestehungskosten hat als PV- und Windenergieanlagen.

Neben der Organisation eines regionalen Grünstromprodukts über die sonstige Direktvermarktung fungieren die Bürgerwerke auch als Dienstleister bei der geförderten Direktvermarktung.

Wer macht mit?
Mehr als 90 Energiegenossenschaften aus ganz Deutschland liefern Strom aus ihren PV- und Windenergieanlagen an die Bürgerwerke und / oder vertreiben gemeinsam mit ihnen ein regionales Stromprodukt sowie Ökogas  Weiterer Partner zur Stromlieferung ist das Wasserkraftwerk Töging in Bayern. Neben diesen Liefer- und Vertriebsbeziehungen zählen außerdem das BBEn als politische Interessenvertretung der Bürgerenergie, die GLS Bank als genossenschaftlicher Finanzierungspartner, verschiedene regionale Netzwerke und unterstützende Organisationen der Bürgerenergie wie das LaNEG Rheinland-Pfalz, das Netzwerk "Energiewende Jetzt" sowie die "100 prozent erneuerbar"-Stiftung zu den Partnern der Bürgerwerke.

Was ist neu/innovativ/besonders?
Zwei Aspekte machen das Modell der Bürgerwerke besonders. Dies ist zum einen das Angebot der regionalen Grünstromprodukte, die durch den Verzicht auf die EEG-Förderung ermöglicht werden. Ähnliche Modelle werden zwar zunehmend auch von anderen Stromvermarktungsunternehmen durchgeführt. Diese treten jedoch als klassische Dienstleister auf. Bei den Bürgerwerken besteht hingegen auf verschiedenen Ebenen eine Geschäftsbeziehung: Die Anlagenbetreiber können gleichzeitig Kunde der Vermarktungsdienstleistung, Lieferant des Stroms und Mitgesellschafter des Unternehmens Bürgerwerke eG sein. Zudem sind die Bürgerwerke das größte Netzwerk von und für Energiegenossenschaften in Deutschland. Gemeinsam entwickelt der Zusammenschluss neue Geschäftsfelder und gibt Erfahrungen aus Pilotprojekten einzelner Mitglieder weiter.

Kurz und knapp

Gründung: Ende 2013 mit 9 Mitgliedsgenossenschaften
Dienstleistung: Unterstützung bei Strom- und Gasvertrieb, geförderte & sonstige Direktvermarktung
Zielgruppe: Bürgerenergie-Gesellschaften, insbesondere Energiegenossenschaften
Zielregion: Deutschland

Kontakt
Bürgerwerke eG
Torsten Schwarz
Hans-Bunte-Straße 8-10
69123 Heidelberg
Tel.: 06221 39289 20
Mobil: 0173 6154 200
torsten.schwarz@buergerwerke.de
www.buergerwerke.de

Dipl.-Kauffrau (FH) Lisa Conrads
Finanzierungs- und Geschäftsmodelle
EnergieAgentur.NRW
0211 86642278
conrads@energieagentur.nrw
XING

Sie erreichen die EnergieAgentur.NRW außerdem werktags von 8 bis 18 Uhr über die Hotline unter 0211 - 8371930.