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Fragen & Antworten

Frage: Photovoltaik auf Dächern von Doppelhaushälften (DHH)

Wir möchten zeitnah eine PV Anlage auf dem Dach unserer DHH errichten (Standort Essen). Zum einen sind PV Anlagen genehmigungsfrei, zum anderen sind gem. § 32 Abs. 5 BauO NW jedoch 2 Abstände relevant:

  1. Mindestabstand zum Nachbarn von 1,25 m
  2. Abstand von 0,5 m, wenn die Anlage nicht brennbar ist.

Bei Reihenhäusern oder Doppelhaushälften sind PV Anlagen unter Auslegung dieser Vorschrift nicht mehr sinnvoll.

Interpretiere ich die Bauordnung zu eng?

Wie kann ich nachweisen, dass die verbauten Module nicht brennbar sind?

Nach meinem derzeitigen Kenntnisstand kommen dann nur noch Glas Glas Module infrage. Aber auch da habe ich noch keine Zertifikate/Nachweise der Nichtbrennbarkeit gefunden.

Mein Ziel ist natürlich eine möglichst hohe Belegung der Dachfläche.

 

Antwort der EnergieAgentur.NRW:

Photovoltaikanlagen die auf bestehenden Gebäuden errichtet werden sollen, fallen unter die Anforderungen des §32 Abs. 5 BauO NRW. Dies bedeutet, dass Abstände zu Nachbargebäuden/ zum Nachbarn von 1,25 m eingehalten werden müssen.

Für Photovoltaikanlagen, deren Außenseiten und Unterkonstruktionen aus nicht brennbaren Baustoffen bestehen, wie zum Beispiel Glas, gilt laut §32 Abs. 5 BauO NRW der reduzierte Abstand von 0,5 m.

Die Klassifizierung von Baustoffen (von nicht brennbar bis leicht entflammbar) erfolgt nach der DIN 4102-1 resp. DIN EN 13 501-1 .

Beim TÜV Nord werden die PV- Module jeweils auf brandtechnischen Anforderungen nach IEC 61730-2 geprüft und beurteilt. (Anforderungen an die Prüfung.)

Auch uns sind leider keine Produktdatenblätter von Modulen bekannt, die eine Bezeichnung „getestet nach DIN EN 13501-1 –A1 bzw. A2, also nicht entflammbar“ bestätigen. Dementsprechend ist es vermutlich bei Reihenhäusern sehr kompliziert die entsprechenden Anforderungen zu erfüllen und Mindestabstände einzuhalten um Photovoltaikanlagen wirtschaftlich zu betreiben.

Weitere Informationen zum Brandverhalten und zur Planung befinden sich unter den jeweiligen Links.

14 Antworten zu “Frage: Photovoltaik auf Dächern von Doppelhaushälften (DHH)”

  1. EnergieAgentur.NRW sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Das Angebot der EnergieAgentur.NRW bietet einem interessierten Publikum fachliche Informationen rund um das Thema Erneuerbare Energien an. Auf diesem Blog werden technische Innovationen, aktuelle Studien und gesetzliche, planerische Grundlagen dargestellt sowie Fragen diesbezüglich beantwortet.

    Gerne geben wir Ihnen eine Einschätzung zu fachlichen Fragen. Eine Rechtsberatung führen wir jedoch nicht durch.

    Die individuelle Beratung von Endkunden und die Beantwortung damit verbundener Fragen fällt dementsprechend in den Tätigkeitsbereich der Verbraucherzentrale.

    Ihr Team des Blogs Erneuerbare Energien

  2. Marc Schablowski sagt:

    Hallo,

    In einem Forum habe ich mich mit einem anderen Teilnehmer zum Thema ausgetauscht. Ich zitiere daraus:

    „Nachdem ich ähnliche Verständnisprobleme mit der LBO/NRW hatte wie Du, habe ich kurzerhand eine Anfrage an das Landesbauministerium gerichtet. Die Antwort kam heute und ist m.E. eindeutig. Ich zitiere aus der betreffenden Mail:

    „Ihre Anfrage vom 2. Dezember 2019 betreffend § 32 Abs. 5 BauO NRW 2018 wurde zuständigkeitshalber zur Beantwortung an mich weitergeleitet.

    Die Vorschrift geht davon aus, dass Photovoltaikanlagen entweder aus „Glas-Folien-Moduln“ oder aus „Glas-Glas-Moduln“ bestehen, die von einem Aluminiumrahmen eingefasst sind.

    Mit den in § 32 Abs. 5 S. 2 Nr. 2 Buchst. b BauO NRW 2018 genannten „Außenseiten“ der Photovoltaikanlagen sind die Außenflächen und die Außenränder der Anlage gemeint.

    Wenn diese Außenseiten und die Unterkonstruktion aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen (z. B. Glastafeln und Aluminiumrahmen, die jeweils als nichtbrennbar klassifiziert sind), dann gilt die reduzierte Entfernung von mindestens 0,5 m.

    Wenn eine dieser Außenseiten oder die Unterkonstruktion jedoch aus brennbaren Baustoffen besteht (z. B. eine Rückseite aus einer brennbaren Folie), dann gilt die Entfernung von mindestens 1,25 m.“

    Ich denke, damit ist der Sachstand klar. Es müssen definitiv Glas-Glas-Solarmodule verbaut werden, wenn man auf 0,50 m Abstand optiert. “

    Meine darauf aufbauende Überlegung:
    Bis 0,5 m Abstand -> keine Anlage
    0,5 bis 1,25m -> Glas-Glas-Module
    Ab 1,25 m -> Glas-Folie-Module

    Ist dies so korrekt?

  3. Tobias sagt:

    Guten Morgen,
    das gilt doch aber nur, wenn die Doppel- oder Reihenhäuser durch eine Brandmauer getrennt sind, oder eine Wand, die anstelle einer Brandwand zulässig ist. D.h., dass bei älteren Doppel- oder Reihenhäusern die Regelung gerade nicht greift, wenn diese Häuser keine Brandwände haben, oder sehe ich das falsch? Danke für die gute Diskussion, die hier geführt wird!

  4. EnergieAgentur.NRW sagt:

    Gemäß § 30 BauO NRW (Landesbauordnung NRW) sind Doppel- und Reihenhäuser durch Brandwände voneinander zu trennen. (Nicht alle Brandwände gehen über die Dachfläche hinaus.)
    Die jeweilgen Vorschriften werden entsprechend nach Gebäudegruppen unterschieden, wobei auch die Höhe des Gebäudes, die Lage und die Nutzung eine Rolle spielen.

  5. Tobias sagt:

    Herzlichen Dank für die schnelle Antwort.
    Ich rede über einen Altbau aus den 50ern. Die Zwischenwand ist eine normale, einfache Wand, ich denke, die ist noch nicht nach den Anforderungen gebaut, die heute gelten. (Und hier gilt, glaube ich, Bestandsschutz geht über Brandschutz). Auch bei der Sanierung haben wir keine besonderen Maßnahmen ergriffen, um die Wand entsprechend feuerfest zu gestalten. Ich gehe davon aus, dass sie alleine aufgrund des Alters nicht als Wand anzusehen ist, die als Alternative zu einer Brandwand zulässig ist.

  6. Julian sagt:

    Tobias, ich stehe vor dem selben Problem:

    Ich würde gerne eine Photovoltaik auf das Dach von meinem Reihenmittelhaus bauen (BJ 1963). Laut den Bauplänen von damals sind zwischen den einzelnen Häusern keine Brandwände eingezogen worden. Kann ich dann über meine komplette Dachflächen bis an Nachbardach die PV Platten legen lassen ? Wie hast du das letztendlich jetzt gemacht ?

    VG

  7. Markus sagt:

    Hallo. Die Bauordnung schreibt doch nur den Abstand zu Brandwänden vor, richtig? Brandwände sind als Gebäudeabschlusswand dann erforderlich, wenn weniger als 2,5 Meter Abstand zur Nachbarsgrenze (§30 Abs 2 BauO). Wenn die Nachbarsgrenze mit der Grundstücksgrenze gleichzusetzen ist und sich die DHH auf einem Grundstück befindet, dann ist es keine Brandwand und entsprechend ist hier dann kein Abstand zu halten.

  8. Jui sagt:

    Gibt es denn mittlerweile zertifizierte „nicht entflammbare“ Module, welche einen Abstand von nur 50cm zulassen? Bei meinem Doppelhausnachbarn (NRW) wurde gerade bis an meine Grenze eingerüstet, wenn dann morgen Module installiert werden, würde ich doch gerne Bescheid wissen, welchen Abstand die halten müssen

    • EnergieAgentur.NRW sagt:

      Entsprechend der vorherigen Antworten wurde bereits bezüglich § 32 Abs. 5 BauO NRW 2018 eine Anfrage eines hier Fragenden an das Landesbauministerium gerichtet, folgend die Antwort:
      „Die Vorschrift geht davon aus, dass Photovoltaikanlagen entweder aus „Glas-Folien-Moduln“ oder aus „Glas-Glas-Moduln“ bestehen, die von einem Aluminiumrahmen eingefasst sind.
      (…)
      Wenn diese Außenseiten und die Unterkonstruktion aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen (z. B. Glastafeln und Aluminiumrahmen, die jeweils als nichtbrennbar klassifiziert sind), dann gilt die reduzierte Entfernung von mindestens 0,5 m.
      Wenn eine dieser Außenseiten oder die Unterkonstruktion jedoch aus brennbaren Baustoffen besteht (z. B. eine Rückseite aus einer brennbaren Folie), dann gilt die Entfernung von mindestens 1,25 m.
      Ich denke, damit ist der Sachstand klar. Es müssen definitiv Glas-Glas-Solarmodule verbaut werden, wenn man auf 0,50 m Abstand optiert.

      Dementsprechend kommt es darauf an, was für Module und Unterkonstruktionen in diesem Fall verwendet werden.

      • Jui sagt:

        Wenn die Brandwand 30 cm über die Dachfläche hinaus in die Höhe ragt, dürfen die Solarmodule dann bis an diese erhöhte Brandwand heran verbaut werden? Ggf mit einem kleineren Abstand als 1,25m?

      • EnergieAgentur.NRW sagt:

        Entsprechend § 32 Abs. 5 (1a und 1b) ist die Höhe der Brandwand nur entscheidend, wenn es sich unter anderem um Dachflächenfenster, Oberlichte, Lichtkuppeln und Öffnungen in der Bedachung handelt. Bei Photovoltaikanlagen, Zwerchhäuser, Dachgauben und ähnlichen Dachaufbauten aus brennbaren Baustoffen, die nicht durch diese Wände gegen Brandübertragung geschützt sind, gilt der Abstand von 1,25 m – unabhängig von der Höhe der Brandwand.

        Bei Photovoltaikanlagen, deren Außenseiten und Unterkonstruktion aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen und Solarthermieanlagen gilt ein Abstand von mindestens 0,5 m.

  9. SIMU sagt:

    Hallo,
    müssen Glas Glas-Module selbst als nicht brennbar klassifiziert sein,
    oder müssen die Oberflächen nur aus Materialien bestehen die lt. Norm als nicht brennbar gelten? Wie zb. Glas und Alu. Dann wäre quasi jedes Glas-Glas-Modul mit Alu Umrahmung geeignet und müsste kein eigenen Nachweis erbringen. Sind Anschlussdose des Moduls und PV-Kabel ebenfalls gemeint bzw. gehören diese Dinge auch zur Unterkonstruktion? Falls ja wird es schon wieder schwieriger da PV-Kabel nach meinen Informationen nur als schwer entflammbar klassifiziert sind. Oder sind Anschlussdose des Moduls und die Kabel nicht gemeint?

    • EnergieAgentur.NRW sagt:

      Auf Grund der Komplexität des Themas, wurden in den letzten Wochen diverse Rücksprachen mit dem Landesbauministerium und Installateuren geführt.

      In § 32 Abs. 5 BauO NRW wird davon ausgegangen, dass PV-Anlagen entweder aus „Glas-Folien-Modulen“ oder aus „Glas-Glas-Modulen“ bestehen, die von einem Aluminiumrahmen eingefasst sind.

      Mit den „Außenseiten“ der PV-Anlagen sind die Außenflächen und die Außenränder der Anlage gemeint. Für PV-Anlagen mit nichtbrennbaren Außenseiten und Unterkonstruktionen (Glas-Glas-Modulen und Alu Rahmen) gilt der reduzierte Abstand von mindestens 0,5 m und für PV-Anlagen mit brennbaren Außenseiten (Glas-Folien-Modulen) oder Unterkonstruktionen der Abstand von mindestens 1,25 m.

      Für die Klassifikation des Brandverhaltens der Baustoffe von PV-Anlagen ist die DIN 4102-1:1998-05 maßgeblich, alternativ zu DIN 4102 ist auch eine Klassifikation nach DIN EN 13501-1:2010-01 zulässig.
      In allen Veröffentlichungen wird lediglich auf die Module inklusive der Unterkonstruktionen eingegangen, nicht jedoch auf Kabel oder Anschlussdosen.

      Zur Konkretisierung der Bauordnung gibt es in der Regel sogenannte „Handlungsempfehlungen“, diese sind laut Aussagen der Landesbaubehörde in Überarbeitung (alt Fassung). Diese Überarbeitung soll dann auch die hier aufkommenden Themen näher erläutern und klarstellen.
      Sobald diese Veröffentlicht wird, werden wir diese hier im Blog aufnehmen und über die EnergieAgentur.NRW kommunizieren.

      Konkrete Fragen können ansonsten auch direkt ans Bauministerium gestellt werden.

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