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Wissen, verstehen, mitreden: Neues Handbuch liefert Basiswissen zu Klimakrise und Energiewende für Laien und Beteiligte in Planungsverfahren

© Oekom Verlag

| Kira Crome |

Wie kann Deutschland das 1,5-Grad-Ziel einhalten? Welche Maßnahmen und Weichenstellungen sind nötig? Antworten liefert das „Handbuch Klimaschutz“. Es fasst den aktuellen Wissensstand der Klimaforschung zusammen, präsentiert Fakten aus über 300 Studien und erläutert in einfachen Worten, welche Lösungsvorschläge es in sieben Sektoren von Energie bis Verkehr gibt. Das Buch ist im Oekom Verlag erschienen und wendet sich an alle, die bei der lokalen Energiewende mitreden und mitentscheiden wollen.

Was wir über die Erderwärmung und ihre Folgen wissen, steckt in unzähligen Forschungsarbeiten. Welche Maßnahmen und Lösungsvorschläge nützen, die für Deutschland festgesteckten Klimaschutzziele zu erreichen und klimaschädliche Treibhausgasemissionen nachhaltig zu senken, untersuchen regelmäßig Studien und Szenarien zur Technikfolgenabschätzung. Da den Überblick zu behalten, ist schwer – vor allem für Laien. „Wenn man die Zusammenhänge zwischen menschlichen Aktivitäten und deren Folgen für Klima, Natur und Gesellschaft in ihren Einzelheiten verstehen möchte, ist ein Blick auf die Details nötig“, sagt Professor Ortwin Renn, Leiter des Instituts für Transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) in Potsdam. Helfen soll ein neues Buch.

Das „Handbuch Klimaschutz“ fasst die aktuellen naturwissenschaftlichen Forschungserkenntnisse zum Klimawandel zusammen und zeigt auf, wie Deutschland den jährlichen Treibhausgasausstoß bis 2035 um 90 Prozent senken kann. Dafür haben die Autorinnen und Autoren über 300 wissenschaftliche Studien und 200 weitere Positionspapiere deutscher und internationaler Forschungsinstitute, die sich mit dem Klimawandel beschäftigen, ausgewertet. „Auf dieser Basis stellen wir Handlungsmöglichkeiten dar, wie das 1,5-Grad-Ziel, das im Klimaabkommen von Paris 2015 vereinbart wurde, in Deutschland zumindest annähernd noch umgesetzt werden kann“, erklärt Karl-Martin Hentschel, Projektleiter des „Handbuchs Klimaschutz“.

Das Buch ist der Versuch, Zusammenhänge sichtbar zu machen, Notwendigkeiten zu erklären und gangbare Varianten der Transformation in eine klimaneutrale Gesellschaft aufzuzeigen. Es ist eine Gesamtschau von fünf großen Bereichen von Bodennutzung und Energieversorgung über Industrie bis Verkehr und Wärme. Es zeigt auf, was im jeweiligen Bereich in Sachen Klimaschutz zu tun ist und welche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dabei eine Rolle spielen – wie zum Beispiel das Planungsrecht in Deutschland, den Megatrend Digitalisierung, Treibhausgaspreise oder die alles beherrschende Frage der Finanzierung einer solchen Systemveränderung.

„Damit wir wissen, worüber wir reden“
Auf den Weg gebracht wurde das Projekt von den Vereinen Mehr Demokratie und BürgerBegehren Klimaschutz, die sich für direkte Demokratie und Bürgerbeteiligung in Deutschland einsetzen. Mit dem Handbuch, das im Oekom Verlag erschienen ist, will das interdisziplinäre Autorenteam eine Lücke schließen. Jahrelang galt die 2-Grad-Marke als das klimapolitisch anzustrebende Ziel, um die Erderwärmung zu stoppen. Mit dem Pariser Klimaabkommen von 2015, das als völkerrechtliche Grundlage des Klimaschutzes gilt, und dem Sonderbericht des Weltklimarats von 2018 hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Begrenzung des Temperaturanstiegs noch darunter liegen muss. Doch wie das gelingen kann, ist aus Sicht der Autoren nicht befriedigend beantwortet. „Der Haken: Es gab keine Studie, die die notwendigen Klimaschutzmaßnahmen in Deutschland in allen relevanten Bereichen gemäß dem Pariser Abkommen abbildet und sich an dem Ziel der maximalen Erwärmung um 1,5 Grad orientiert“, erklärt Claudine Nerth, Bundesvorstandsmitglied von Mehr Demokratie e.V.

Die Überblicksarbeit will eine Synthese des aktuell verfügbaren Forschungswissens sein und ausdrücklich keine politische Stellungnahme, betont Hentschel. Vielmehr soll es vor allem in der Bürgerbeteiligung für Bürgerräte und für Mitwirkende in Planungsverfahren eine Wissensgrundlage und Entscheidungshilfe sein. „Das Buch soll für alle, die sich mit der Klimakrise und möglichen Auswegen und politischen Maßnahmen beschäftigen, nützlich und hilfreich sein“, so Hentschel.
Was nach einem dicken Wälzer klingt, überrascht mit knapper, aber präziser und anschaulicher Darstellung. Das Buch arbeitet mit vielen Infografiken, legt Wert darauf, komplexe Sachzusammenhänge auf das Wesentliche zu reduzieren und ist allgemeinverständlich geschrieben. Weiterführende Hintergrundinformationen wurden sozusagen online ausgelagert: Zusätzliches Anschauungsmaterial zur Energiewende, Kalkulationen und Links zu den über 500 Quellen findet der interessierte Leser auf der ergänzenden Internetseite www.handbuch-klimaschutz.de.

Im Review-Prozess überprüft
Wie im wissenschaftlichen Prozess üblich, ist auch das Handbuch, wenngleich es keine Studie ist, in einem Review-Prozess von zahlreichen führenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der Klimaforschung, Umwelt- und Sozialwissenschaft überprüft und kommentiert worden. „Wir haben mit vielen Experten diskutiert und zahlreiche Rückmeldungen eingearbeitet“, erklärt Hentschel. „Wir können also nach bestem Wissen und Gewissen sagen: Dies ist der Stand der Forschung.“

Klimapolitik brauche eine gesellschaftliche Debatte über das Wie und die Optionen, sagt Professor Ortwin Renn, Leiter des Instituts für Transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) bei der Präsentation des Buches. „Es ist den Autorinnen und Autoren sehr gut gelungen, die wesentlichen Zusammenhänge in ihren grundlegenden, aber auch quantitativen Wechselwirkungen zu erfassen und den Stand der Wissenschaft adäquat wiederzugeben“, beurteilt Renn die Arbeit. „Die Klimakrise ist kein Umwelt-, sondern ein Gesellschaftsproblem“, sagt Maja Göpel, Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WGBU). Das Handbuch sei der perfekte Einstieg für alle, die dabei mitreden und mitentscheiden wollen, lautet ihr Urteil.

Mehr Informationen:

Mehr Demokratie e.V. (Hrsg.), BürgerBegehren Klimaschutz (Hrsg.): Handbuch Klimaschutz. Wie Deutschland das 1,5-Grad-Ziel einhalten kann: Basiswissen, Fakten, Maßnahmen.

ISBN: 978-3-96238-237-7

Softcover, 128 Seiten

Oekom Verlag, München

Erscheinungstermin: 03.09.2020