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Beiträge

Wie wird die Sicherheit von Windenergieanlagen geprüft?

© distel2610/Pixabay
© distel2610/Pixabay

| Kira Crome |

Berichte von Gondelbränden, umgeknickten Türmen oder abgebrochenen Rotorblättern in den Medien werfen immer wieder die Frage auf: Wie sicher sind Windenergieanlagen und wie werden Bauwerk und Technik überprüft? Ein Faktenpapier des Bürgerforums Energieland Hessen erläutert, welche Vorschriften für die Anlagensicherheit gelten und wie die Kontrolle geregelt ist.

Windenergieanlagen gelten in Fachkreisen als besonders sichere Bauwerke. Rund 30.000 Anlagen erzeugen derzeit deutschlandweit Strom aus Wind. Gelegentlich kommt es dabei zu gravierenden Unfällen: Blitzeinschläge setzen Gondeln in Brand, schwere Sturmböen reißen Rotorblätter ab. So geschehen Mitte Februar, als eine Windenergieanlage in der Nähe von Uelzen bei stürmischem Wetter einen 30 Meter langen Flügel verloren hat. Zuletzt hatte Sturmtief Bennet am Rosenmontag eine Windenergieanlage am Rande der Autobahn 62 bei Grimbsweiler in Rheinland-Pfalz beschädigt. Verletzt worden ist bislang niemand. Gemessen an der Gesamtzahl installierter Windenergieanlagen sprechen Experten von Einzelfällen. Eine zentrale Erfassung der Schadensmeldungen an Windenergieanlagen in Deutschland gibt es nicht. Denn die Frage der Überwachung der Anlagen, also auch für Havarien, fällt in die Zuständigkeit der jeweiligen Landesbehörden.

Wenn große Schäden an Windenergieanlagen Schlagzeilen machen, wirft das immer wieder die Frage nach der Sicherheit der Anlagen auf: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass es bei Windenergieanlagen zu solchen Ereignissen kommt und wie hoch ist das Risiko für Mensch und Umwelt? Welche technischen Sicherheitsmechanismen, Sicherheitskonzepte und Anforderungen des Gesetzgebers gibt es, um das Risiko zu minimieren? Was kann getan werden, um ältere Anlagen über ihre veranschlagte Betriebszeit hinaus laufen zu lassen und die Technologie bei modernen Anlagen künftig noch sicherer zu machen? Diese Fragen hat das Bürgerforum Energieland Hessen zum Thema eines Faktenchecks gemacht. Vertreterinnen und Vertreter aus der Wissenschaft, von Betreibern, Versicherern, zuständigen Behörden sowie Gutachterinnen und Gutachtern hatten in einem Expertengespräch Regelwerke und Verfahrensweisen zur Vermeidung von Schadensfällen diskutiert. Dazu gehören technische Störungen zum Beispiel in Folge von Bauteildefekten und Problemen in der Anlagenregelung, aber auch Sach- und Umweltschäden, ausgelöst durch Brand, Rotorblattbruch, aber auch durch Eiswurf, Eisfall oder dem Austritt von Betriebsstoffen.

Hessisches Faktenpapier erläutert Regeln und Verfahren zur Anlagensicherheit
Das dazu veröffentlichte Faktenpapier erläutert das sicherheitsrelevante Regelwerk für die Genehmigung und den Betrieb von Windenergieanlagen und zeigt auf, wie in den einzelnen Schadenskategorien vorgegangen und geprüft wird. Die Genehmigung von Windenergieanlagen stellt zahlreiche Anforderungen an die Sicherheit der Anlagen – vom anlagenspezifischen und standortspezifischen Brandschutzkonzept bis zur Baubegleitung und der verpflichtenden regelmäßigen Wartung und Überprüfung der Anlagen. Außerdem verfügen Windenergieanlagen über eine Reihe von technischen Sicherungs- und Monitoringsystemen. Viele davon sind in modernen Anlagen Standard.

Regelmäßige Überprüfung
Im letzten Jahr hatte der TÜV-Verband vor allem ältere Windenergieanlagen als „tickende Zeitbomben“ bezeichnet und vor einer steigenden Gefahr schwerwiegender Havarien in den kommenden Jahren gewarnt. Bislang schreibt die Rechtslage vor: Nach dem Jahr 2004 errichtete Windenergieanlagen müssen alle zwei Jahre überprüft werden. Wenn die Betreiber die Anlage regelmäßig warten, können sie diesen Zeitraum auf vier Jahre verlängern. So schildert es das Hintergrundpapier zur Sicherheit von Windenergieanlagen des Bundesverbandes Windenergie, das die zeitlichen und inhaltlichen Prüfbereiche in der Betriebsphase einer Windenergieanlage aufzeigt. Laut TÜV-Verband ist das ein zu langer Zeitraum. „In der Praxis führt das dazu, dass die Sicherheit der neueren Windräder nur alle vier Jahre von unabhängiger Seite überprüft wird“, sagte Verbandschef Joachim Bühler im vergangenen Oktober. Windenergieanlagen, sollten – wie etwa Tankstellen oder Aufzüge – in die Betriebssicherheitsverordnung aufgenommen werden, die eine Prüfung mindestens alle zwei Jahre vorsieht. Eine solche Forderung nach strengeren Vorgaben hatte die Bundesregierung bereits im Sommer 2018 abgelehnt. „Der Bundesregierung liegen keine Informationen vor, nach denen die aktuellen spezifischen Regelungen für die Genehmigungen beziehungsweise der wiederkehrenden Prüfungen nicht ausreichend sind“, hieß es als Antwort auf eine Anfrage der FDP-Fraktion.

Hohe Prüfarchitektur
„Wie bei jeder anderen technischen Anlage kann es auch beim Bau und Betrieb von Windenergieanlagen grundsätzlich zu Zwischenfällen kommen“, heißt es im hessischen Faktenpapier. Die durch Windenergieanlagen verursachten Sach- und Umweltschäden seien nach den dem Faktencheck zugrunde liegenden Zahlen im Vergleich zu anderen technischen Einrichtungen als „sehr gering“ einzustufen. Die Richtlinien zur Prüfung von Windenergieanlagen entwickeln sich in einem ständigen Prozess weiter: Die Anforderungen, die der Gesetzgeber an die Genehmigung einer Windenergieanlage zur Gewährleistung ihrer technischen Sicherheit stellt, aber auch die Entwicklungen im Bereich der Normung und der technischen Sicherheitsmechanismen zeigten, dass „Sicherheitsaspekte bei Windenergieanlagen verbindlicher Teil der Genehmigungspraxis sind und von allen Beteiligten ernst genommen werden“, so die Experten. „In keinem anderen Land hat sich eine qualitativ so hohe Prüfarchitektur herausgebildet wie in Deutschland“, heißt es auch beim Bundesverband Windenergie. Diese gelte es gemeinsam weiterzuentwickeln.

Risikoprävention optimieren
Auch das Faktenpapier mahnt weitere Entwicklung und Forschung an, um die Risikoprävention zu optimieren. Insbesondere hinsichtlich einer deutschlandweiten Vereinheitlichung von Regelungen und Standards für Sicherheitssysteme sowie der behördlichen Überwachung von Windenergieanlagen – vom Bau über die Betriebsphase bis zum Rückbau. Auch fordern die Experten eine systematische Sammlung und Auswertung von Daten über Schadensfälle.

Weiterführende Informationen:
Bürgerforum Energieland Hessen (2019): Faktenpapier Sicherheit von Windenergieanlagen

Bundesverband Windenergie (2018): BWE-Hintergrundpapier Sicherheit von Windenergieanlagen