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Wehranlage des Wasserkraftwerks Lenhausen wird mit innovativer Methode saniert

© Archiv Ruhrverband
Mobildeich am Stauwehr der Wasserkraftanlage Lenhausen bei Finnentrop © Archiv Ruhrverband

| Steffen Kawohl |

Der Ruhrverband musste sich etwas einfallen lassen, um die Wehranlage des denkmalgeschützten Wasserkraftwerks Lenhausen zu sanieren und wurde beim Hochwasserschutz fündig. Mit einem mobilen Deich wurden die Wehrwalzen für die Instandsetzungsarbeiten trockengelegt. Die erstmals in Deutschland eingesetzte Methode hat sich bewährt. Der ursprünglich in diesem Frühjahr geplante Wiedereinbau der Wehrwalzen wurde verschoben.

Wer dieser Tage entlang der Lenne in Finnentrop spaziert, dem bietet die große Wehranlage der Wasserkraftanlage Lenhausen derzeit einen einzigartigen Anblick. Zwei 25 Meter lange, etwa zwei Meter dicke orange-rote Schläuche säumen das über 90 Jahre alte Stauwehr. Was entfernt an eine Hüpfburg erinnert, ist eine innovative Methode zur Sanierung der beiden Wehrwalzen.

Ruhrverband suchte Methode zur Sanierung
Die Wasserkraftanlage mit dem Kraftwerk Lenhausen, dem etwa zwei Kilometer langen Obergraben und dem Stauwehr bei Finnentrop befindet sich weitestgehend noch in ihrem Originalzustand und steht unter Denkmalschutz. Die beiden Kaplan-Turbinen stammen aus dem Jahr 1928 und erzeugen heute noch jährlich rund 4,9 Millionen Kilowattstunden Strom. Nach so langer Betriebszeit stand eine Sanierung des alten Walzenwehrs, das die Lenne auf eine Höhe von 2,60 Meter aufstaut, an. Dazu war es notwendig, die beiden Wehrfelder trockenzulegen. Anders als die Wehranlagen an der Ruhr besitzt die Wasserkraftanlage Lenhausen jedoch keine Revisionsverschlüsse, die das Wasser der Lenne zurückhalten. Da die beiden 22 Meter langen, genieteten Wehrwalzen nur im trockenen Zustand inspiziert und instandgesetzt werden können, musste sich der Ruhrverband etwas einfallen lassen und bediente sich schließlich einer Methode, die sich bereits vielfach im Hochwasserschutz bewährt hat. Zum Einsatz kam ein mobiles Schlauchwehr. Während feste Schlauchwehre seit einigen Jahren weltweit gängige Praxis sind, wurde in Finnentrop erstmals in Deutschland mit einem mobilen Schlauchwehr dieser Größe gearbeitet. Der Vorteil: „An der Lenne treten Hochwasser recht schnell auf. Daher war es wichtig, dass wir die Schläuche schnell wieder abbauen können, um ein Überlaufen des Stauwassers rechtzeitig zu verhindern. Zudem kann auf diese Weise die Stromproduktion des Wasserkraftwerks Lenhausen aufrechterhalten werden.“, sagt Christian Heitefuss vom Ruhrverband.

Mobiles Schlauchwehr übernimmt Funktion des Walzenwehres
Im Mai 2019 begannen die Arbeiten, bei denen zunächst das Oberwasser langsam abgesenkt wurde. Der Untergrund der Lenne musste mit schwerem Gerät aufbereitet, Geschiebeablagerungen sowie freigespülte Kolke nivelliert und auf Standfestigkeit geprüft werden. Anschließend wurden die beiden 25 Meter langen Kunststoffschläuche paarweise vor den Wehrwalzen im Flussbett der Lenne verlegt und mit Wasser gefüllt. Das Eigengewicht der zwei Meter dicken Schläuche sorgt in Verbindung mit einer zusätzlich aufgebrachten Folie dafür, dass sie nahezu tropfdicht auf der Flußsohle aufliegen. So halten sie das anschließend wieder aufgestaute Wasser der Lenne und übernehmen während der Sanierungsarbeiten die Funktion des Walzenwehres.

Installation des Mobildeichs © Archiv Ruhrverband

Installation des Mobildeichs © Archiv Ruhrverband

Im nächsten Schritt wurden die nun trockengelegten, 31 Tonnen schweren Wehrwalzen sowie ein Teil der Fachwerk-Brücke mithilfe mehrerer Mobilkräne und eines Schwertransporters zur Sanierung in eine Werkshalle gebracht. Dort werden sie von Fachleuten gesäubert, schadhafte Teile erneuert und anschließend neu beschichtet.

Umweltfreundliche Lösung hat sich bewährt
„Uns ist keine Wasserkraftanlage bekannt, an der bisher ein mobiles Schlauchwehr dieser Größe eingesetzt wurde“, sagt Heitefuss. Die Methode hat sich bewährt: Im Dezember 2019 mussten die Schläuche wegen erhöhter Wasserführung der Lenne kurzzeitig abgebaut werden. Eine Herausforderung stellte allerdings der Geschiebeanfall dar. „Wir haben unterschätzt, wie viel Geschiebe bei Hochwasser von der Lenne mitgeschwemmt wird“, sagt Heitefuss. Bevor die Schläuche erneut mit Wasser gefüllt werden konnten, habe die Strömung tonnenweise Kies auf die Folie gespült, der sich zuvor aus Geschiebeablagerungen im Lennesee gelöst und in Bewegung gesetzt hatte – ein natürlicher Vorgang. Dadurch habe ein solches Gewicht auf der Folie gelastet, dass sich die Schläuche vor dem Befüllen mit Wasser nicht mehr ausrichten ließen. Die Folie habe man mit einem Bagger erst mit größter Vorsicht wieder vom Kies befreien müssen, wobei die Schläuche am Ende erfreulicherweise unbeschadet geblieben seien.

Trotz des Aufwandes ist man beim Ruhrverband mit dem mobilen Schlauchwehr zufrieden. So konnte die Sanierung im laufenden Betrieb erfolgen und der Hochwasserschutz gewährleistet werden. Zu den weiteren Vorteilen gehört, dass durch die Methode die Fisch- und Vogelwelt an Lennesee, Obergraben und Lenne-Altarm durch die Sanierung so gering wie möglich beeinträchtigt wird. „Zudem konnten wir auf diese Weise den Baulärm, den die Strahl- und Nietarbeiten vor Ort bedeutet hätten, weitestgehend vermeiden und den unmittelbaren Lenne-Anwohnern eine monatelange Geräuschbelästigung ersparen“, ergänzt Heitefuss.

Geplanter Wiedereinbau der Wehrwalzen verschiebt sich
Ursprünglich sollten die sanierten Wehrwalzen in diesem Frühjahr wieder eingebaut werden. Belange des Denkmalschutzes hatten allerdings zu einem viermonatigen Baustopp der Sanierungsarbeiten geführt. „Wir werden es dieses Jahr nicht mehr schaffen, die Walzen vor Beginn der Hochwassersaison einzubauen“, erklärt Heitefuss. Der Wiedereinbau der Walzen werde deshalb auf das Frühjahr 2021 verschoben. Schaulustigen bietet sich dadurch noch etwas länger die Gelegenheit, die orange-roten Schläuche zu bestaunen. Und auch danach werden sie an anderer Stelle an der Wasserkraftanlage möglicherweise wieder auftauchen. Denn der Ruhrverband möchte das mobile Schlauchwehr künftig nutzen, um Teile der Ufermauern trockenzulegen, um auch dort notwendige Sanierungsarbeiten zu verrichten.

Videos

Ausbau der Wehrwalzen des Lennewehres in Finnentrop im August 2019

Entfernung des Mobildeiches am Lennewehr in Finnentrop