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Vogelschutz an WEA: KNE-Doku zeigt technischen Entwicklungsstand auf

© RoyBuri/Pixabay
© RoyBuri/Pixabay

| Kira Crome |

Der Ausbau der Windenergie stagniert. Viele Planungsprojekte liegen auf Eis. Oft geht es dabei um den Artenschutz. Speziell entwickelte Erkennungssysteme wie Radare und Kameras sollen in Zusammenhang mit Abschaltsystemen vor allem Groß- und Greifvögel vor Kollisionen mit den Rotorblättern bewahren. Solche Detektionssysteme werden derzeit in der Praxis erprobt. Das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende hat den neuesten Stand der technischen Entwicklung zusammengetragen.

Die drehenden Rotorblätter von Windenergieanlagen können Vögeln gefährlich werden. In welchem Ausmaß vor allem geschützte Arten gefährdet sind, kann fachwissenschaftlich nicht abschließend beantwortet werden. Auch weil die Suche nach Schlagopfern für die systematische Datenerfassung sehr aufwändig ist. Für die bislang umfassendste Verbundstudie zur Ermittlung von Kollisionsraten und zur Risikobewertung „PROGRESS“ wurden innerhalb verschiedener Windparks jeweils 20 Meter breite Streifen abgelaufen. Dabei wurde auf einer Strecke von insgesamt 7.672 km durchschnittlich alle 27 Kilometer ein Schlagopfer gefunden. Raumnutzungsanalysen sollen weiterhelfen, das Flugverhalten von windenergiesensiblen Vogelarten bei der Nahrungssuche und während der Brutzeit in Abhängigkeit von der herrschenden Witterung, der Vegetation und der Beschaffenheit des Geländes besser zu verstehen.

Wie verhalten sich Rotmilane in der Nähe von Windparks?
Die jüngste Studie stammt aus Hessen. Sie hat im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen die Aktionsräume von Rotmilanen in den Blick genommen. Der große Greifvogel mit dem markanten Gabelschwanz zählt zu streng geschützten Arten. Über die Hälfte des weltweiten Bestands an Rotmilanen brütet in Deutschland. Besonders häufig kommt der Greifvogel in Hessen vor – auch in Gebieten mit vielen Windenergieanlagen wie rund um das Vogelschutzgebiet Vogelsberg. Hier wurden für die Untersuchung in den Jahren 2016 bis 2018 sechs Tiere mit einem GPS-Sender versehen, um ihr Flugverhalten und Flughöhen aufzuzeichnen. Drei der besenderten Vögel sind davon während des Untersuchungszeitraums zu Tode gekommen: auf der Straße, durch Vergiftung und durch Beutefeinde. Aus den über 800.000 gesammelten Ortungsdaten konnten die Wissenschaftler feststellen, dass die besenderten Rotmilane überwiegend weniger als 100 Meter hoch (81% der Ortungen im Flug) fliegen. Außerdem zeigte sich deutlich, dass die Tiere Windparks und einzelne Windräder nicht umfliegen. Mehrfach wurden mastnahe Flüge beobachtet, meist parallel zur Rotorausrichtung. Allerdings hat keiner der besenderten Rotmilane den Rotorbereich durchflogen, während sich die Flügel drehten.

Verschiedene Detektionssysteme in der Entwicklung
Forschung und Entwicklung arbeiten daran (wir berichteten), intelligente Systeme zu entwickeln, die anfliegende Vögel mittels an den Anlagen installierter hochauflösender radar- oder computergestützter Kameratechnik zu erkennen, um dann – sofern sie an entsprechende Module gekoppelt sind – automatisch entsprechende Verscheuchungsmaßnahmen zu aktivieren oder die Anlagen abzuregeln. Die besondere Herausforderung besteht darin, dass die automatisierte Erkennung von Groß- und Greifvögeln artspezifisch funktionieren muss. Um wirklich effektiv zu sein, müssen zudem anfliegende Vögel nicht nur in Echtzeit erfasst, sondern auch korrekt identifiziert werden. Zudem muss die Technik zuverlässig reagieren und die Anlagen abschalten oder Ablenkungsmaßnahmen einschalten. Vor allem im behördlichen Umgang mit nachträglichen Ansiedlungen von windenergiesensiblen Arten stellt sich die Frage, ob automatisierte Erkennungssysteme in Verbindung mit einer bedarfsgerechten Betriebsregulierung geeignet sind, die Tiere wirksam zu schützen.

„Der Einsatz technischer Systeme zur automatischen Erfassung von Vögeln im Umfeld einer Windenergieanlage ist für einige Betreiber die letzte Hoffnung beziehungsweise das letzte Mittel, um ein Projekt artenschutzkompatibel umsetzen zu können“, sagt Elke Bruns, Leiterin der Fachinformation im KNE. Im Mai 2019 hatten Systemhersteller, Vertreter von Fachbehörden, Wissenschaftler und Experten im Rahmen einer Fachkonferenz Möglichkeiten und Potenziale der technischen Kollisionsminderung diskutiert.

Kamera-, Radar- und 3D-basierte Systeme in der Erprobung
Derzeit befinden sich in Deutschland, Europa und den USA verschiedene Systeme in der praktischen Erprobung. Ziel der verschiedenen Systemhersteller ist es, neben den technischen Einsatzmöglichkeiten und Potenzialen auch die Grenzen der jeweiligen Systeme im praktischen Einsatz auszuloten. Im Bürgerwindpark Hohenlohe läuft derzeit die Weiterentwicklung des Kamerasystems “Bird Vision”, die mit über einer Million Euro aus dem siebten Energieforschungsprogramm der Bundesregierung gefördert wird. Das in der Schweiz entwickelte „BirdScan“-Radarsystem zum Schutz von Großvögeln wird derzeit in einem Windpark in Osterburg in Sachsen-Anhalt und Dörentrup in Nordrhein-Westfalen getestet.

Das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE) hat den neuesten Stand der technischen Kamera-, Radar- und 3D-basierten Entwicklung in der Dokumentation „Vogelschutz an Windenergieanlagen“ zusammengetragen. Das Papier fasst die Erkenntnisse einer Fachkonferenz vom Mai 2019 zusammen und stellt einzelne technische Systeme vor. Noch stellen sich bei der Erprobung der Systeme eine Reihe von Fragen. Jenseits der technischen Herausforderung – wie etwa das System reagiert, wenn sich mehrere Tiere gleichzeitig im Erfassungsbereich befinden – geht es aber auch um Genehmigungsfragen: Wo werden beispielsweise künftig Untergrenzen und Mindestanforderungen für den Einsatz der Systeme liegen?

Ein eigens entwickeltes „Anforderungsprofil an eine fachlich valide Erprobung von technischen Systemen zur bedarfsgerechten Betriebsregulierung von Windenergieanlagen“ (KNE 2019) soll Praxisanwendern aufzeigen, wie Eignungs- und Wirksamkeitsnachweis für das jeweilige System nachvollziehbar und vergleichbar zu führen sind. Etwa mit welcher Methode und welchen Geräten die Überprüfung („Validierung“) im Gelände erfolgen sollte und welche Kriterien für die Beurteilung von Eignung und Wirksamkeit der automatisierten Erkennung und der ausgelösten Reaktion Vergrämung oder Betriebsregulierung wesentlich sind.