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Umfragen: 2021 soll der Ausbau der Erneuerbaren weitergehen

© Free-Photos/Pixabay

| Kira Crome |

Das Klimaziel für das Jahr 2020 wurde übertroffen. Nicht allein Klimaschutzmaßnahmen haben dazu geführt, sondern vor allem die Pandemie. Analysten sprechen von einem Einmaleffekt und raten: Der Ausbau der erneuerbaren Energien muss weitergehen. Fragt man die Menschen im Land, hat das im neuen Jahr 2021 oberste Priorität in der Klimapolitik. Das zeigen zwei aktuelle Umfragen von Meinungsforschungsunternehmen im Auftrag des Verbands Kommunaler Unternehmen und der Agentur für Erneuerbare Energien. Chancen sehen die Befragten für die regionale Wirtschaftskraft.

Es sind weniger Pkw unterwegs, Flugzeuge bleiben am Boden, Fabriken fahren ihre Produktion herunter – im Ausnahmejahr 2020 hat Deutschland das Klimaziel für 2020 übertroffen. Eigentlich galt der Meilenstein auf dem Weg zur Klimaneutralität angesichts hoher Emissionen für nicht erreichbar. Angestrebt hatte die Bundesregierung eine Emissionsminderung von 40 Prozent im Vergleich zu 1990. Tatsächlich waren es dann laut einer Analyse des Thinktanks Agora Energiewende 42,3 Prozent weniger klimaschädliche Treibhausgase. Deutschlandweit wurden 80 Millionen Tonnen weniger emittiert als im Vorjahr. Dieser Erfolg sei allerdings nicht in erster Linie erfolgreich umgesetzten Klimaschutzmaßnahmen geschuldet, erklären die Analysten. Vielmehr sei dies ein Einmaleffekt: Zwei Drittel des Minderungsvolumens seien Folgen der Corona-Pandemie – ohne sie hätte der Rückgang nur bei etwa 25 Millionen Tonnen gelegen. Gegenüber 1990 hätte die Senkung nur 37,8 Prozent betragen. Das Klimaziel wäre also verfehlt worden.

„Echte Klimaschutzeffekte hat es 2020 nur im Stromsektor gegeben, denn hier geht die CO2-Minderung auf den Ersatz von Kohle durch Gas und Erneuerbare Energien zurück“, sagt Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. „Verkehr und Industrie werden wieder mehr Treibhausgase ausstoßen, sobald die Wirtschaft wieder anzieht.“ Aber auch in der Energiewirtschaft könne der Stromverbrauch 2021 stärker steigen als der Zuwachs an erneuerbaren Energien, fürchtet der Experte.

Auf Einmal-Effekten, die im kommenden Jahr wieder aufgeholt werden, können sich die Klimaschutzbemühungen nicht ausruhen, sagen Klimaforscher. Die 2020er-Jahre müssen aus Sicht der Wissenschaft die Wende bringen, um die Klimaerwärmung stoppen zu können. Fragt man die Menschen im Land, sollte die Energiewende im neuen Jahr 2021 von der deutschen Klimapolitik zügig vorangetrieben werden. Das zeigen zwei repräsentative Meinungsumfragen, die um den Jahreswechsel herum im Auftrag des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU) und der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) angestellt worden sind.

Stromwende sollte oberste Priorität haben, Wärmewende ist nachrangig
Jeder zweite Deutsche hält laut VKU-Umfrage den Ausbau der erneuerbaren Energien für die wichtigste Aufgabe der Klimaschutzbemühungen von Bund und Ländern in diesem Jahr. Fast genauso viele (49,8 %) wollen die Wasserstofftechnologien gefördert wissen. An dritter Stelle steht die Bezahlbarkeit der Energiewende (41,2 %). Was die Umfrage auch zeigte: Der Wärmewende wird nur ein geringer Stellenwert eingeräumt. Nur knapp 20 Prozent der Befragten halten eine klimafreundliche Wärmeversorgung für ein politisches Schwerpunktthema. Auch das Vorantreiben der Elektromobilität (10,4 %) ist demnach bei der Klimaschutzpolitik nachrangig.

Dezember-Umfrage des VKU 2020 © Civey

Dezember-Umfrage des VKU 2020 © Civey

Ausbau der Erneuerbaren-Energien-Anlagen stärkt die regionale Wirtschaft
Der Agora-Klimabilanz zufolge verloren Gas-, Kohle- und Kernkraftwerke im vergangenen Jahr sechs Prozentpunkte im Erzeugungsmix und lieferten damit erstmals nur noch 50 Prozent des deutschen Stroms. Demgegenüber steigerten Erneuerbare-Energien-Anlagen ihre Produktion auf 45 Prozent am Erzeugungsmix. Damit Deutschland seine Klimaziele für 2030 erreicht, reiche das jedoch nicht aus. Um eine drohende Ökostromlücke zu vermeiden, müsse das Ausbautempo zulegen. „Dafür muss der Ausbau bei der Windkraft verdreifacht und beim Solarstrom verdoppelt werden“, rechnet Graichen vor.

Dass die Akzeptanz für den Ausbau erneuerbarer Energien ungebrochen hoch ist, zeigt die Akzeptanzforschung. Auch in Nordrhein-Westfalen befürworten Anwohner von Windenergieanlagen mit großer Mehrheit den Zubau weiterer Anlagen, wie eine Umfrage im Oktober letzten Jahres belegt. Auch die neueste AEE-Umfrage zum Jahreswechsel bestätigt: Neun von zehn Befragten befürworten eine stärkere Nutzung der erneuerbaren Energien. Erstmals hat die Organisation, die die Haltung der Menschen in Deutschland seit mehr als zehn Jahren abfragen lässt, in diesem Jahr nach den ökonomischen Effekten des Ausbaus der erneuerbaren Energien gefragt. Demnach glaubt eine deutliche Mehrheit von 57 Prozent, dass der Ausbau die regionale Wirtschaft stärkt. Vor allem ländliche Regionen erhielten durch die regionale Energiewende wirtschaftliche Impulse und Chancen.

© AEE

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Etwas kritischer wird der Zubau neuer Erneuerbarer-Energien-Anlagen gesehen, wenn sie im Wohnumfeld entstehen sollen. Nur noch 60 Prozent der Befragten, vier Prozent weniger als im Vorjahr, stimmen dem Ausbau vor der eigenen Haustür zu. Die Vorbehalte fallen aber deutlich geringer aus, wenn in der Nachbarschaft bereits Anlagen stehen. Dann steigt die Zustimmung bei Solarparks auf 76 Prozent, bei Windenergieanlagen auf 56 Prozent und bei Biogasanlagen auf 50 Prozent. Ohne Vorerfahrung liegen die Werte niedriger: bei Solarparks um 14, bei Biogasanlagen um 18 Prozentpunkte niedriger. Bei der Windenergie sind es nur neun.

CO2-Preise: Weniger Auto fahren, um steigende Energiekosten zu kompensieren
Um die Energiewende voranzutreiben und Anreize sowohl für Investitionen in erneuerbare Energien als auch für klimafreundliches Verhalten zu schaffen, wird ab Jahresbeginn in Deutschland ein nationaler Preis für CO2-Emissionen im Wärmebereich und im Verkehr erhoben. Die Energiekosten könnten aufgrund der jüngsten EU-Beschlüsse, das europäische Klimaziel für 2030 auf 55 Prozent Treibhausgasminderung anzuheben, in diesem Jahr noch ansteigen, erwarten die Analysten von Agora Energiewende. Der AEE-Umfrage zufolge will gut ein Viertel der Befragten künftig weniger Auto fahren und auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad umsteigen, um die steigenden Energiekosten zu kompensieren. Die Investition in eine klimafreundliche Wärmepumpe, eine Pelletheizung oder in Solarthermie ist die zweitbeliebteste Klimaschutzmaßnahme.

© AEE

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