Kontakt

Sie erreichen uns über die kostenlose Hotline des zentralen Service-Centers des Landes NRW.
Das Team beantwortet Ihre Anliegen – soweit möglich – direkt oder leitet Sie an den richtigen
Ansprechpartner der EnergieAgentur.NRW weiter.

0211 / 837–1001

E-Mail: blog.erneuerbare@energieagentur.nrw

Beiträge

Umfrage: Jeder Zweite wünscht sich mehr Klimaschutzhandeln von Städten und Gemeinden

© Solarimo/Pixabay

| Kira Crome |

Die Kommunen in Deutschland treiben den Klimaschutz erfolgreich voran. Das zeigt der aktuelle Monitorbericht 2020, den das Deutsche Institut für Urbanistik im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt hat. Viele Bürger sind demnach dennoch mit dem Engagement ihrer Kommune unzufrieden: Mehr als die Hälfte der Deutschen wünscht sich ein deutliches „Mehr“ in Sachen Klimaschutz.

Sie stellen Klimaschutzpläne auf, schreiben Klimaziele fest und bilanzieren Fortschritte bei der Einsparung von Treibhausgasen – Stadt- und Gemeindeverwaltungen machen den Klimaschutz zu ihrer Agenda. Mit Erfolg, wie der aktuelle Monitorbericht Nachhaltige Kommune der Bertelsmann Stiftung zeigt. Für den Bericht hat das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) 200 Kommunen aus ganz Deutschland zum Stellenwert ihrer Klimaschutzarbeit befragt. Die Bilanz: 87 Prozent der befragten Kommunen haben ein Klimaschutzkonzept. Für die Planung und Umsetzung von Maßnahmen beschäftigen 82 Prozent ausgewiesenes Fachpersonal, meist mit unbefristeten Arbeitsverträgen. Das sind 14 Prozent mehr als noch vor vier Jahren. 61 Prozent der Verwaltungen arbeiten mit einer ämterübergreifenden Arbeitsgruppe Klimaschutz. In vielen Kommunen steuern Stabsstellen die Klimaarbeit. 80 Prozent der Kommunen haben eine kommunale Treibhausgasbilanz erstellt.

Kommunen schreiben Klimaschutz groß
„Das Thema Klima ist inzwischen Chefsache und Querschnittsaufgabe in den deutschen Kommunen geworden“, erklärt Kirsten Witte, Kommunalexpertin der Bertelsmann Stiftung. Auch wenn sich ihr Beitrag zum nationalen Minderungsauftrag nur schwer exakt messen lasse, gehörten Städte und Gemeinden mit zu den aktivsten Klimaschützern, so Witte. Wichtigstes Handlungsfeld des kommunalen Klimamanagements ist neben der Einsparung und Effizienz von Strom und Wärme der Einsatz erneuerbarer Energien. Laut der Umfrage nutzen 96 Prozent der befragten Kommunen in ihren kommunalen Liegenschaften erneuerbare Energien. Das sind vier Prozent mehr als noch vor vier Jahren. Am häufigsten kommen dabei Photovoltaik (97 %), Biomasse (53 %) und Solarthermie (43 %) zum Einsatz. Im Vergleich zu den Umfragen früherer Jahre haben aktuell prozentual mehr Kommunen vor allem technisch-organisatorische Hürden angeführt, die den Einsatz erneuerbarer Energien in den eigenen Liegenschaften hemmen würden. Nur ein weitaus kleinerer Teil (38 %) der Stadtverwaltungen hat angegeben, konkrete Ausbauziele für die Nutzung erneuerbarer Energien in der gesamten Kommune zu haben.

Viele Bürger mit Klimaschutzarbeit ihrer Kommune unzufrieden
80 Prozent der Städte und Gemeinden, die ihre Treibhausgasbilanz fortschreiben, gaben an, dass ihre Emissionen in fast allen Bereichen gesunken sind. Eine die Befragung von Kommunen begleitende repräsentative Bevölkerungsumfrage für den Monitorbericht schreibt den Bürgermeistern und Stadtverwaltungen dennoch weiteren Handlungsbedarf ins Pflichtenheft: Jeder zweite Befragte wünscht sich demnach mehr Klimaschutzhandeln von Städten und Gemeinden. So sagt fast die Hälfte aller Deutschen, dass ihre Kommune dem Thema Klimaschutz (46 %) und der Klimaanpassung (44 %) einen zu geringen politischen Stellenwert einräumt.

Im Gegensatz dazu ist die Dringlichkeit des Klimaschutzhandelns längst schon in den Köpfen der Menschen angekommen, wie der Monitorbericht zeigt. So gibt mehr als die Hälfte der befragten Bürgerinnen und Bürger (55 %) an, dass sie die Folgen des Klimawandels bereits heute in ihrer Stadt oder Gemeinde spüren. Mehr als zwei Drittel (67 %) der Befragten sehen den Klimawandel und die Folgen bereits jetzt als Bedrohung an. Nur noch ein Fünftel geht davon aus, dass die Folgen des Klimawandels erst in 30 Jahren, später oder nie spürbar werden.

Kommunen können auf die steigende Bedeutung des Themas bauen
Nur jede vierte Kommune messe dem Thema Klima eine hohe Bedeutung bei, meinen die befragten Bürgerinnen und Bürger. Demnach wünschen sich die Menschen ein deutliches „Mehr“ in Sachen Klimaschutz. Jeder zweite Befragte erwartet eine Intensivierung der Klimaschutzaktivitäten (55%) und mehr Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung (54%). Dass die Kommunen außerdem häufiger mit Hitzewellen, starken Regen und Stürmen umgehen müssen, zeigt der Monitorbericht ebenfalls. Drei Viertel der befragten Kommunen gaben an, von Extremwettern betroffen gewesen zu sein. In den Vorjahren hatten das nur 15 Prozent bestätigt. Bislang verfügt nur jede zweite befragte Kommune (52%) über ein Klimaanpassungskonzept oder hat eines in Arbeit. Gebäudedämmung, Dach- und Fassadenbegrünung sowie zusätzliches Bewässern von Pflanzen sind die häufigsten kommunalen Maßnahmen zur Hitze- und Dürrevorsorge.

„Klimaschutz ist das Gebot der Stunde“
Rund 60 Prozent der Bürgerinnen und Bürger – mehrheitlich jüngere Menschen – würden es unterstützen, wenn ihre Kommune zur Steigerung des Klimahandelns den Klimanotstand ausriefe. Ein Blick auf die Klimadaten des Deutschen Wetterdienstes zeigt, dass mit dem Klimawandel zu rechnen ist: Das letzte Jahr war mit einer Jahresmitteltemperatur von 10,4 Grad Celsius das zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881, hatte der Deutsche Wetterdienst in seiner Jahresbilanz gemeldet. Nur im Jahr 2018 war es mit 0,1 Grad Celsius mehr im Mittel geringfügig wärmer. Die Daten seien alarmierend, sagte DWD-Klima-Vorstand Tobias Fuchs. „Klimaschutz ist das Gebot der Stunde. Wir müssen jetzt handeln.“ Weitere Klimadaten des DWD zeigten zudem: 2020 war sehr sonnenscheinreich und das Dritte zu trockene Jahr in Folge.

Weiterführende Informationen:

Bertelsmann Stiftung, Deutsches Institut für Urbanistik (2021): Monitor Nachhaltige Kommune. Bericht 2020. Schwerpunktthema Klima und Energie

Deutsches Institut für Urbanistik (2021): Klimaschutz, erneuerbare Energien und Klimaanpassung in Kommunen. Ergebnisse der Umfrage 2020

Deutsches Institut für Urbanistik (2021): Einzelauswertungen der dem Monitorbericht zugrunde liegenden Bevölkerungsumfrage