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Studie zeigt: Windenergie-Gegner verzerren das Meinungsbild der Öffentlichkeit

© Suwit_ Luangpipatsorn/Pixabay
© Suwit_ Luangpipatsorn/Pixabay

| Kira Crome |

Menschen, die sich gegen den Ausbau der Windenergie in ihrer Gemeinde engagieren, prägen das öffentliche Meinungsbild. Dabei wird die wahrgenommene Gegnerschaft vor Ort vielfach überschätzt. Das belegt eine neue Forsa-Umfrage im Auftrag der Fachagentur Windenergie an Land. Sie zeigt: Der Anteil der Windenergie-Gegner in einer Gemeinde wird doppelt so hoch eingeschätzt, als er tatsächlich ist. Die stille Mehrheit in der Gemeinde akzeptiert Windenergieanlagen wesentlich häufiger, als die Gegner glauben.

Wie stehen die Menschen zur Energiewende? Stimmen sie dem Ausbau der Windenergie vor Ort zu oder lehnen sie neue Projekte ab? Die neue jährliche Forsa-Umfrage im Auftrag der Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind) zeigt: Die Akzeptanz der Windenergie fällt in der eigenen Gemeinde deutlich höher aus als es den Anschein hat. So glauben die Umfrageteilnehmer, dass ein Großteil ihrer Nachbarn gravierende Bedenken gegenüber der Windenergienutzung haben und schätzen deren Anteil im Mittel doppelt so hoch ein, als er tatsächlich ist.

Dort, wo bereits Windenergieanlagen stehen, schätzen die Befragten etwa 40 Prozent der Bewohner ihrer Gemeinde als Gegner der Windenergie ein. Wie die Umfrageergebnisse zeigen, lehnen tatsächlich nur 16 Prozent die bestehenden Anlagen ab. Dort, wo neue Anlagen zugebaut werden könnten, halten die Befragten etwa 58 Prozent ihrer Mitmenschen in der Gemeinde für Windenergie-Kritiker. Tatsächlich sind es aber nur 26 Prozent, die große Bedenken gegenüber neuen Anlagen haben.

Bei der sogenannten „stillen Mehrheit“, also bei denjenigen, die weder für noch gegen Windenergieanlagen auf die Straße gehen würden, sind gravierende Bedenken gegenüber dem Bau von Windenergieanlagen im Gemeindegebiet sogar seltener (22 %) als beim Durchschnitt der Befragten (26 %). Dabei ist der Anteil derer, die sich zur stillen Mehrheit zählen, in diesem Jahr gestiegen: Mehr als jeder zweite – 60 Prozent – rechnet sich dazu, 6 Prozent mehr als bei der Umfrage im vergangenen Jahr, was allerdings auch mit der Corona-Pandemie zu tun haben könnte.

Das wahrgenommene und das tatsächliche Meinungsbild klafft auseinander: Lokal werden Windenergieanlagen wesentlich positiver gesehen, als von den einzelnen Befragten angenommen. © FA Wind 2020

Das wahrgenommene und das tatsächliche Meinungsbild klafft auseinander: Lokal werden Windenergieanlagen wesentlich positiver gesehen, als von den einzelnen Befragten angenommen. © FA Wind 2020

Verzerrte Wahrnehmung der öffentlichen Meinung
Was die Umfrage-Ergebnisse verdeutlichen: Zwischen dem wahrgenommenen öffentlichen Meinungsbild und der tatsächlichen Meinung der Menschen vor Ort herrscht eine deutliche Diskrepanz. Die Gegnerschaft, derer, die Windenergie ablehnen, werde vielfach überschätzt, erklärt Michael Lindenthal, Vorstandsvorsitzender der FA Wind. „Das Bild der Öffentlichkeit prägt der insgesamt kleine Bevölkerungsanteil, der sich gegen Windenergieprojekte engagiert. Zustimmung vor Ort wird oft gar nicht aktiv geäußert – und entsprechend auch nicht wahrgenommen.“

Werden die Befürworter unterschätzt, würde das im öffentlichen Diskurs die Vorbehalte gegenüber der Windenergie nur befördern, heißt es in einem neuem Grundlagenpapier der FA Wind zu Grundlagen, Einflussfaktoren und Handlungsfeldern von Akzeptanz. Allerdings ist der Widerstand gegen den Ausbau der Windenergie bundesweit lokal meist gut organisiert. Bürgerinitiativen vor Ort finden Unterstützung zum Beispiel von der bundesweit aktiven Initiative Vernunftkraft, die Protestler berät, Aktionen koordiniert und medial begleitet. Das habe einen verstärkenden Effekt, heißt es in dem Papier. Dadurch entstehe ein verzerrtes Meinungsbild der Öffentlichkeit.

Um dem aktiven Widerstand meist relativ kleiner Gruppen in der öffentlichen Wahrnehmung und deren Einfluss auf die Akzeptanz in entscheidenden Teilen der Politik etwas entgegenzusetzen, reiche eine passive Befürwortung nicht aus. „Tatsächlich fehlt es häufig an aktiver Unterstützung für die Windenergie“, konstatiert Lindenthal. „Das wirkt sich auch negativ auf politische Diskussionen zur Windenergie aus.“

Befürwortung vor Ort mobilisieren
Auch das hat die Umfrage gezeigt: Das Mobilisierungspotential ist bei dem Fünftel der Befragten, die der Windenergienutzung gegenüber negativ eingestellt sind, wesentlich höher als bei denjenigen, die sie befürworten. Wie aber kann es gelingen, die lokale Unterstützung zu mobilisieren? Danach gefragt, sprechen sich die meisten Teilnehmer (72 %) für eine effektive finanzielle Teilhabe der Kommunen aus. Etwas mehr (74 %) finden, eine solche Regelung sollte nicht nur für künftige, sondern auch für bereits bestehende Anlagen gelten. Weiterhin schreiben die Befragten der Fokussierung der Projektumsetzung auf Gemeinwohlinteressen (66 %) und vergünstigten Strompreisen (65 %) eine aktivierende Wirkung zu.

Würden in der eigenen Gemeinde neue Windenergieanlagen gebaut, wollen fast alle Befragten (94 %) gut informiert werden. Aber was wollen die Menschen eigentlich wissen? Auch das hat die Umfrage herausgefunden: Die meisten der Befragten möchten die Gründe für die Wahl eines bestimmten Standorts erklärt bekommen. An zweiter Stelle steht die Frage, welchen Beitrag die neue Anlage zum Klimaschutz leistet und an dritter, wie Themen des Natur- und Artenschutzes berücksichtigt werden. Die Umsetzung der Stromwende und betriebswirtschaftliche Aspekte sind für gut zwei Drittel der Befragten interessant. Knapp zwei Drittel interessieren sich für Stromproduktion, Verfahren der Öffentlichkeitsbeteiligung und Investitionsmöglichkeiten. Mehr als jeder zweite (62 %) wüsste gern mehr über die Emissionen von Anlagen und den Beitrag zur regionalen Wertschöpfung (52 %).

Warum genau hier? Menschen möchten verstehen, was für einen bestimmten Standort spricht © FA Wind

Warum genau hier? Menschen möchten verstehen, was für einen bestimmten Standort spricht © FA Wind

Etwas weniger als die Hälfte (42 %) hätte gern Informationen zu Verfahren der Planung und Genehmigung und nur etwa ein Viertel der Befragten (26 %), meist Männer, interessiert sich für technische Aspekte. An fast allen Themen sind mehr Frauen als Männer interessiert. Auf das Alter bezogen haben Befragte über 60 Jahre das geringste Interesse.

Weiterführende Informationen:

Fachagentur Windenergie an Land (2020): Umfrage. Akzeptanz der Windenergie an Land 2020

Fachagentur Windenergie an Land (2020): Kompaktwissen Akzeptanz

EnergieAgentur.NRW (16. November 2020): EA.NRW-Podcast zur FA Wind-Umfrage