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Stromlieferverträge: Altanlage macht Warsteiner Strom künftig grüner

Laut einer Erhebung fallen bis zum Jahr 2030 voraussichtlich Erneuerbare-Energien-Anlagen mit einer Erzeugungskapazität von über 51 Gigawatt aus der EEG-Vergütung. © MichaelGaida/Pixabay

| Kira Crome |

In Warstein kann die einzige Windenergieanlage im Stadtgebiet weiterhin erneuerbaren Strom erzeugen – ganz ohne EEG-Vergütung. Möglich macht das ein langfristiger Stromliefervertrag, ein sogenanntes Power Purchase Agreement. Die Altanlage erhält damit eine neue Zukunft: Künftig erhöht sie den Anteil erneuerbarer Energien im Strommix des lokalen Energieversorgers.

Im Ortsteil Suttrop steht die einzige Windenergieanlage im Warsteiner Stadtgebiet. Seit 1997 erzeugt sie Strom aus erneuerbaren Energien – eingespeist ins öffentliche Netz und nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergütet. Ende letzten Jahres wäre die EEG-Förderung nach 20 Jahren ausgelaufen. Damit stellte sich für ihre Betreiber die Frage: Wie lässt sich die Altanlage danach wirtschaftlich weiterbetreiben, um klimafreundlichen Strom zu erzeugen? Eine Lösung bietet eine Kooperation mit dem lokalen Energieversorger, der Warsteiner Verbundgesellschaft (WVG). Seit Anfang des Jahres wird der erzeugte Strom aus der Anlage in das Stromangebot des Stromversorgers integriert. Möglich macht das ein langfristiger Stromliefervertrag. Ein solches Power Purchase Agreement (PPA) ermöglicht Altanlagen eine neue Zukunft. „Die Vereinbarung verschafft uns den notwendigen wirtschaftlichen Spielraum, um hier in Warstein weiter Strom zu erzeugen“, sagt Gyso von Bonin, einer der Betreiber der Windenergieanlage.

Nach einem Sturm im Jahr 2018 hatte die Anlage Schaden genommen. Risse am sogenannten Königszapfen im Rotorkopf hätten normalerweise das Aus für den Weiterbetrieb des Windkraftwerks bedeutet. Bis dahin hatte die Anlage rund zehn Millionen Kilowattstunden Strom produziert. „Mir war es sehr wichtig, dass wir diesen einzigartigen Standort zur Stromerzeugung in Warstein weiter erhalten“, erzählt von Bonin. Ein Abbau und der Neubau einer moderneren Anlage wäre unter den gegebenen Standortbedingungen nicht umsetzbar gewesen. „Uns war zu dem Zeitpunkt klar, dass eine Reparatur nur infrage kommt, wenn auch nach Ablauf der EEG-Vergütung noch eine Perspektive besteht. So sind wir auf die WVG zugegangen.“

Im Zuge der Neuaufstellung des Betreibers hatte sich die WVG bereits damals mit 30 Prozent an der Betreibergesellschaft beteiligt. „Die Direktvermarktung des dort erzeugten Stroms durch die WVG ergab sich daraus als logische Folge“, erklärt Andreas Schunk, Geschäftsführer der WVG. Solche privatrechtlich ausgehandelten Lösungen finden beim Ausbau erneuerbarer Energien zunehmend Beachtung. Stromlieferverträge bieten für beide Seiten Vorteile: Betreiber älterer Anlagen, die aus der EEG-Vergütung fallen, erhalten einen vertraglich vereinbarten Festpreis, durch den sie ihre Anlagen unabhängig von den Entwicklungen an der Strombörse wirtschaftlich weiterbetreiben können. Auch für den Abnehmer ist der Direktbezug von Grünstrom durch die langfristige Absicherung des Strompreises wirtschaftlich interessant. Zugleich stärkt das Konzept Aspekte wie Regionalität und unternehmerische Nachhaltigkeit. „Strategische Vorteile sind die Stärkung der WVG als örtliches Energieunternehmen mit dem Anspruch, die lokale Wertschöpfung zu stärken und außerdem den Auftrag zu erfüllen, die Energiegewinnung aus regenerativen Quellen zu stärken“, sagt Schunk.

Statt den erzeugten Windstrom ins öffentliche Netz einzuspeisen und entsprechend vergütet zu bekommen, verkaufen die Altanlagenbetreiber nun ihren Strom direkt an die WVG, die ihn in ihrem Bilanzkreis verbucht. Auf diese Weise fließt die erzeugte Strommenge künftig in den Strommix des lokalen Energieversorgers. Die Strommenge wird pro Jahr zwischen 550.000 und 650.000 Kilowattstunden liegen, rein rechnerisch genug Strom für rund 170 Haushalte. „Damit erhalten alle unsere Kunden künftig auch ein bisschen Warsteiner Strom“, so Schunk.

Noch aber sind die individuell ausgehandelten Verträge in Deutschland weder für Betreiber noch für Abnehmer eine Standardlösung. Auch die Warsteiner Kooperationspartner hatten vor der Vertragsunterschrift eine ganze Reihe von Detailfragen zu klären. „Eine Herausforderung bestand darin, den Windstrom in unsere Planung zu integrieren, weil die Erzeugungsmenge sich nicht planen lässt“, erläutert Schunk. Das Portfoliomanagement hat die WVG an einen Dienstleister vergeben, der den Energieeinkauf und die Bilanzkreisverwaltung mit Blick auf den Ausgleich der tatsächlichen Erzeugungsmengen gegenüber der Planung sicherstellt. Darüber hinaus seien die erforderliche Kommunikation zwischen den beteiligten Parteien, der Datenaustausch und Haftungsfragen zu klären gewesen.

Bis zum Jahr 2030 werden voraussichtlich Erneuerbare-Energien-Anlagen mit einer Erzeugungskapazität von über 51 Gigawatt aus der EEG-Vergütung fallen, hat eine Umfrage der Deutschen Energieagentur (dena) unter allen relevanten Energiemarktakteuren ergeben. Nicht alle Altanlagen können demnach durch neue, leistungsstärkere Anlagen ersetzt werden. Deshalb werden alternative Geschäftsmodelle wie Stromlieferungsverträge künftig ein wichtiger Baustein sein. Noch aber fehlen für die breite Anwendung Erwartungswerte mit dem Lösungsmodell. Die Komplexität der Verträge, die Ungewissheit staatlicher Regulierung in diesem Bereich und mangelnde Preistransparenz führen oft zu Unsicherheiten. „Die zunehmenden Projektabschlüsse sowohl für neue als auch für Bestandsanlagen werden aber langfristig zu einer gewissen Standardisierung dieses Vertriebsweges führen“, sagt Lisa Conrads von der EnergieAgentur.NRW.