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Solarstrom vom Dach: Gebäude der Landesverwaltung tanken Sonne

Den Energiebedarf des Landesarchivs in Münster deckt eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Magazintrakts zum großen Teil. © BLB NRW

| Kira Crome |

Vom Landesarchiv über Finanzämter und Gefängnisse bis zu Polizeiwachen – immer mehr Dächer von Landesbehörden erhalten Photovoltaikanlagen. Bis zum Jahr 2030 will die Landesverwaltung bilanziell klimaneutral arbeiten. Ein Baustein ist der Umstieg auf die eigene Solarstromerzeugung, den der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW koordiniert. Mit dem PV-Ausbau sollen die gebäudeeigenen Solarstromerträge landesweit jedes Jahr um mindestens eine Million Kilowattstunden ansteigen.

120 Solarmodule stehen auf dem Flachdach des Magazintrakts und erzeugen Strom für das Gebäude, in dem die Abteilung Westfalen des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen historische Dokumente aus zwölf Jahrhunderten westfälischer Geschichte verwahrt. 40.000 Kilowattstunden Solarstrom erzeugt die neue Photovoltaikanlage im Jahr. Ein Großteil davon wird direkt im Gebäude abgenommen. Rund 100.000 Pergamenturkunden, von denen die älteste aus dem Jahre 813 stammt, werden hier verwahrt. Hinzu kommen nochmal 30 Regalkilometer Akten, Amtsbücher, Handschriften, Karten und Pläne. „Um die uns anvertrauten Archivalien aus Pergament und Papier möglichst für die Ewigkeit zu erhalten, kommt es auf die Kontrolle des Raumklimas in den Magazinen an“, erklärt Mechthild Black-Veldtrup, Leiterin des Landesarchivstandorts. Nun habe der Klimaaspekt für das Landesarchiv eine neue Dimension: „Wir freuen uns, dass wir mit der Photovoltaikanlage auf unserem Dach nun auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten dürfen.“

Die Anlage auf dem Landesarchiv in Münster ist Teil einer der landesweiten Solar-Initiative, die der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW koordiniert. Sie geht auf einen Beschluss des Landeskabinetts zurück, auf landeseigenen Liegenschaften zur dezentralen Solarstromerzeugung beizutragen. „Der Ausbau von Photovoltaik auf den Landesgebäuden ist für den Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes Nordrhein-Westfalen ein wichtiger Hebel, um einen signifikanten Beitrag zu den Klimaschutzzielen zu leisten und als Landesverwaltung unserer Vorbildfunktion gerecht zu werden“, sagt Gabriele Willems, Geschäftsführerin des BLB NRW.

Bis zum Jahr 2030 will die Landesverwaltung in Nordrhein-Westfalen bilanziell klimaneutral arbeiten.  Dazu sollen neben dem Ausbau der Photovoltaik auf landeseigenen Liegenschaften auch die Energieeffizienz der Gebäude verbessert, der Fuhrpark auf klimagerechte Antriebe umgestellt und Dienstreisen klimagerechter ausgeführt werden. Für den Umstieg auf die Solarstromerzeugung erschließt der BLB NRW als landeseigener Immobilienbetrieb in den kommenden Jahren sukzessive das wirtschaftlich realisierbare Solar-Potenzial auf den landeseigenen Dächern. „Wir wollen die Menge des produzierten Solarstroms jährlich um mindestens eine Million Kilowattstunden steigern“, sagt Willems. Das entspricht dem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 200 Familienhaushalten mit vier Personen. Dieses Ziel werde nach aktueller Planung vermutlich schon in diesem Jahr deutlich übertroffen.

Mit 80 Pilotgebäuden ist die Ausbau-Offensive des BLB NRW in der ersten Phase gestartet. Die ausgewählten Liegenschaften prüft der BLB NRW hinsichtlich der bauordnungsrechtlichen Belange – hierzu zählt beispielsweise die Statik der Gebäude oder der Denkmalschutz. Inzwischen wurden 86 Liegenschaften für die Solarstromerzeugung umgerüstet. Dass auch kleinere Dachflächen für die Stromerzeugung interessant sein können, zeigen die Beispiele von Autobahnpolizeistationen in Mönchengladbach-Rheydt an der A61 und in Hünxe an der A3.

Nach dem Landesarchiv wird in Münster in den kommenden Monaten die nächste Anlage auf dem Dach der Oberfinanzdirektion errichtet werden. Aber auch im Ruhrgebiet sind bereits Projekte realisiert worden, wie etwa auf dem Dach des Finanzamts Duisburg-West. „Bislang haben wir gut ein Drittel der neuen Anlagen auf Finanzämtern realisiert“, so Willems. In der Region sollen weitere Photovoltaikanlagen auf den Dächern des Amtsgerichts Herne-Wanne, des Finanzamtszentrums Gelsenkirchen und der Justizvollzugsanstalt Moers-Kapellen entstehen.

Die bislang größte Anlage ist auf dem Dach des Gefängnisses in Siegburg entstanden. Die 246 Solarmodule erzeugen dort 80.000 Kilowattstunden Strom im Jahr. Sie werden nach Angaben des BLB NRW zu hundert Prozent im Gebäude selbst abgenommen. „Alleine dieses Jahr planen wir noch zwei bis drei weitere große Anlagen, zum Beispiel an der Bezirksregierung Köln oder dem Finanzamt Leverkusen“, sagt Jens Urlichs, technischer Leiter der BLB NRW Niederlassung in Köln. „Zum Teil werden diese Anlagen sogar noch wesentlich mehr Strom produzieren, als die in Siegburg.“ Die Fortschritte beim Ausbau der Solarstromerzeugung auf landeseigenen Dächern dokumentiert der BLB NRW auf einer eigens eingerichteten Internetseite.