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Solarparks fördern die biologische Vielfalt

© mrganso/Pixabay
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| Kira Crome |

Auf den Flächen von Solarparks nimmt die Artenvielfalt zu. Das zeigt eine aktuelle Studie des Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft. Dafür wurden 75 PV-Freiflächenanlagen in Deutschland untersucht. Die Ergebnisse spiegeln trotz der heterogenen Datengrundlage Trends und ökologische Nutzwerte wieder.

2018 war Solarenergie die am meisten gebaute regenerative Erzeugungsart weltweit. An sonnigen Tagen kann Solarstrom zeitweise bis zu 45 Prozent, an Sonn- und Feiertagen bis zu 60 Prozent des momentanen Stromverbrauchs in Deutschland abdecken. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, muss die Photovoltaik in den kommenden Jahren noch um ein Vielfaches der heute installierten Kapazitäten ausgebaut werden. Neben Dachanlagen werden dafür auch große PV-Freiflächenanlagen benötigt. In der Debatte um den Ausbau erneuerbarer Energien wirft das die Frage auf, wie sich der Bau großer Solarparks auf die heimische Tier- und Pflanzenwelt auswirkt.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (bne) zeigt jetzt: Werden Flächen für die Solarstromerzeugung naturverträglich gestaltet und genutzt, fördert das den Artenreichtum im Vergleich zur umgebenden Landschaft. Wird die Fläche zwischen den Solarmodul-Reihen dauerhaft als Grünland extensiv genutzt und gepflegt, entstehen neue Lebensräume für Insekten, Reptilien und Brutvögel und wird damit aufgewertet.

Unterlagen aus Genehmigungsverfahren ausgewertet
Für die Studie wurden Vegetation- und Fauna-Daten von 75 Solarparks aus neun Bundesländern ausgewertet. Sie stammen meist aus den Genehmigungsverfahren der Anlagen. Teilweise lagen auch Untersuchungen des Vorher- und Nachher-Zustands der Artenvielfalt am Anlagenstandort vor. „Daraus lässt sich ableiten, dass Solarparks grundsätzlich positiv auf die Biodiversität wirken und welcher Aufbau insbesondere in Bezug auf den Reihenabstand der Module und auf die Pflege der Reihenzwischenräume helfen kann, die Biodiversität zu steigern“, beschreiben die Autoren der Studie ihren Ansatz.

Die Studie zeigt, dass die Artenvielfalt auf den Flächen mit PV-Anlagen nicht nur erhalten, sondern sogar vielmals gesteigert wird. Eine wesentliche Ursache für die arten- und individuenreiche Besiedlung von Solarparks mit unterschiedlichen Pflanzen- und Tieren ist die dauerhaft extensive Nutzung und Pflege des Grünlandes in den Reihenzwischenräumen. Das heißt, es wird nicht intensiv gedüngt, es werden keine Pestizide versprüht und es wird seltener gemäht. „Dies unterscheidet diese Standorte deutlich von intensiv landwirtschaftlich genutzten Standorten oder Standorten zur Energiegewinnung aus Biomasse“, schreiben die Autoren. Aber auch auf Konversionsflächen sei ein positiver Effekt auf die Biodiversität festzustellen.

Solarparks erhalten die Naturschutzfunktion von Grünland
Die Hälfte der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Mehr als ein Drittel davon als Grünland, wozu Wiesen und Weiden aber auch Mähwiesen, Feuchtgrünland, Streuobstwiesen und Magerrasen zählen. Dieses extensiv bewirtschaftete Grünland ist wichtig für eine artenreiche Flora und Fauna. Rund 40 Prozent aller in Deutschland gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen kommen in dieser Kulturlandschaft vor, wie der „Grünland-Report“ des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) zeigt. Vor allem wegen der zeitlich gestaffelten Blühabfolgen, finden sich auf Grünland und Dauergrünland, das seit mindestens fünf Jahren nicht als Ackerland genutzt wurde, auch artenreiche Tierbiotope. Als Nahrungs- und Lebensraum spielen Grünlandflächen für den Erhalt der Biodiversität eine herausragende Rolle. Darüber hinaus sind sie wichtig für den Boden- und Gewässerschutz und leisten als Kohlenstoffspeicher einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Allerdings geraten diese naturnahen Offenlandbiotope durch die intensivere Landnutzung zunehmend unter Druck, wie eine aktuelle Studie zur Gefährdung von Biotoptypen in Deutschland des BfN zeigt.

Die Auswertung der naturschutzfachlichen Daten aus den Solarpark-Projekten zeigt, dass die PV-Freiflächenanlagen in der Agrarlandschaft vielen Nektar suchenden Insekten über die Blütenhorizonte hinweg Nahrungsquellen bieten, die im agrarisch geprägten Umfeld nicht zu finden sind. Zudem werden die für die Solarenergie genutzten Flächen zu Rückzugsräumen für unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten in der Agrarlandschaft. „Solarparks können damit ein wichtiger Baustein sein, wieder mehr Insekten in die Natur zurück zu bringen“, argumentieren die Autoren – wovon die nächsten Arten in der Nahrungskette profitieren.

Geeignete Habitate für gefährdete Arten
Unter den 35 identifizierten Heuschreckenarten in den untersuchten Solarparks fanden sich bei Anlagen in Brandenburg drei Arten, die vom Aussterben bedroht sind. „Gerade auch die Vorkommen hochgradig gefährdeter Arten, wie zum Beispiel der Italienischen Schönschrecke oder der Blauflügeligen Sandschrecke, sind ein Beleg dafür, dass solche Anlagen auch für stark spezialisierte Arten Lebensraum sein können“, schreiben die Autoren. Bei Tagfaltern sind, mehr noch als bei Heuschrecken, viele seltene oder spezialisierte Arten gefunden worden. Auch für Reptilien, wie die als gefährdet geltende Zauneidechse, bieten die Solaranlagen geeignete Versteckplätze und Eiablagehabitate. Die Artenvielfalt von Brutvögeln hat sich bei etwa 70 Prozent der untersuchten Anlagen gesteigert, während die Anzahl der gezählten Vögel pro Art bei 85 Prozent der Anlagen gleichgeblieben ist oder sich erhöht hat. „Damit zeigt sich das Potenzial, das solche PV-Freiflächenanlagen haben können“, resümieren die Autoren. Kleinere Anlagen wirken demnach als Trittsteinbiotope und können Habitatkorridore erhalten oder wiederherstellen. Größere Anlagen bilden dagegen bei entsprechender Unterhaltung so große Habitate aus, dass sie den Aufbau von Populationen z. B. von Zauneidechsen oder Brutvögeln ermöglichen.

Anordnung der Modulreihen für die Artenvielfalt ausschlaggebend
Wie hoch der Beitrag zur Biodiversität ist, hängt von der Anordnung der Modulreihen ab, hat die Datenauswertung ergeben. „Breite besonnte Abstände zwischen Modulreihen werden intensiv besiedelt, zum Beispiel von Zauneidechsen; enge Modulreihen bleiben teilweise unbesiedelt“, stellen die Autoren fest. Auch die naturnahe Pflege der Reihenzwischenräume ist ein entscheidender Faktor. Werden die Wiesen gemäht oder zum Beispiel von Schafen beweidet, ist das der Biodiversität zuträglich. „Durch die extensive, kontinuierliche Art der Bewirtschaftung mit geringen Mahdfrequenzen und – wenn überhaupt – vergleichsweise geringer Düngung ist das Grünland hier oftmals artenreicher“, schließen die Autoren.

Repräsentativ ist die Studie nicht. Da die Autoren nicht aus allen Bundesländern ausreichend Daten zusammentragen konnten, sind manche Länder über- oder unterrepräsentiert. Zudem habe sich die Datenlage als sehr heterogen erwiesen. Knapp 40 Prozent der vorhandenen Daten seien für die Auswertung nutzbar gewesen, räumen die Studienautoren ein. Um die grundsätzlichen Trends fachgerecht belegen zu können, brauche es ein Monitoring der Besiedelung von Solarparks nach der Errichtung der Anlagen. Dafür brauche es vor allem bundesweit einheitliche Standards.