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Rückgrat der lokalen Energiewende: Zahl der Batteriespeicher steigt

© Rudolpho Duba / pixelio.de
Immer mehr Haushalte setzen auf die Kombination aus PV-Anlage und Batteriespeicher. © Rudolpho Duba / pixelio.de

| Kira Crome |

Immer mehr Haushalte, Betriebe und Unternehmen erzeugen und verbrauchen ihren Strom selbst. Parallel dazu ist auch die Zahl der stationär verbauten Batteriespeicher in Deutschland in den letzten Jahren gestiegen. Das zeigt eine Analyse eines Energieforschungsverbunds von Forschungszentrum Jülich und RWTH Aachen.

Die Zahl der sogenannten Prosumer wächst: Private Haushalte, Energiegemeinschaften, Betriebe und Unternehmen, die ihren Strom aus erneuerbaren Energien selbst erzeugen und verbrauchen. Fast 100.000 neue Erzeuger-Verbraucher sind in Deutschland im letzten Jahr von Februar 2019 bis Januar 2020 hinzugekommen, meldet der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW). Das Konzept trägt nicht nur zum Klimaschutz bei. Prosumer unterstützen auch die Stabilität der Stromnetze – indem sie Verbrauch und Erzeugung flexibel ausgleichen, die Mittagsspitzen der Solarstromproduktion glätten und Blindleistung zur Stabilisierung der Netzspannung liefern. Eine wichtige Komponente dafür sind stationäre Batteriespeicher. Deren Zahl ist in den letzten Jahren gestiegen. Das zeigt eine Studie eines Energieforschungsverbunds von Forschungszentrums Jülich und RWTH Aachen.

Die meisten davon wurden demnach privat als Stromspeicher für Photovoltaikanlagen angeschafft. „Mit einem Batteriespeicher verbrauchen Haushalte mehr Solarstrom selbst“, sagt Maik Schatto von der EnergieAgentur.NRW. Insbesondere in Kombination mit einem Elektroauto wird mit der Möglichkeit, selbst erzeugten Sonnenstrom aus der Photovoltaikanlage vom Dach zwischenzuspeichern und später zu verbrauchen, der Schritt in Richtung Energieautarkie größer.

So viel Heimspeicher wie ein mittelgroßes Pumpspeicherkraftwerk

Für die Energiewende sind Batteriespeicher ein wichtiger Baustein. Insgesamt 125.000 private Heimspeicher haben die Wissenschaftler für das Ende des Jahres 2018 registriert. Etwa 930 Megawattstunden Strom haben sie im Jahr 2018 gespeichert. Eine Größenordnung, die der eines mittelgroßen Pumpspeicherkraftwerks entspricht. Bislang war das Wissen um die Kapazitäten von Batteriespeichern noch ein blinder Fleck, sagt Martin Robinius vom Institut für Energie- und Klimaforschung (IEK-3) des Forschungszentrums Jülich. „Die Datenlage zu stationären Batteriespeichern war bis jetzt recht lückenhaft. Wir haben Daten aus verschiedenen Studien und Datenbanken vereint, und damit eine solide Datenbasis für aktuelle und zukünftige Studien geschaffen, die einmal jährlich auf den neuesten Stand gebracht werden wird.“ So kann der Beitrag zum Fortschritt der Energiewende klarer benannt werden.

Dass die Zahl der Heimspeicher steigt, hängt damit zusammen, dass immer mehr Eigenheimbesitzer in eine Solaranlage auf dem Dach investieren. In den meisten Fällen, rund 90 Prozent, wurden die Speicher direkt in Kombination mit einer neuen PV-Anlage installiert; die wenigstens wurden nachgerüstet. „In den letzten fünf Jahren unseres Beobachtungszeitraums haben sich die Kapazitäten der Solarstromspeicher-Neuinstallationen in etwa verzehnfacht“, sagt Uwe Sauer, Professor vom Institut für Stromrichtertechnik und Elektrische Antriebe (ISEA) der RWTH Aachen. „Wir gehen davon aus, dass wir auch in diesem Jahr noch ein solides Marktwachstum analog zum PV-Markt sehen werden.“

Heimspeicher unterstützen das Prosuming

Bislang hat sich die Anschaffung von Heimspeichern zur Solaranlage auf dem Dach gerechnet, zeigt die Studie. Treiber waren nicht nur die fallenden Preise für Lithium-Ionen-Heimspeicher, die innerhalb weniger Jahre um 50 Prozent von über 2.000 Euro auf rund 1.150 Euro pro Kilowattstunde gesunken sind. Auch die Höhe der Einspeisevergütung, die in den letzten Jahren unter dem Verbraucherpreis lag, machte die Zusatzausstattung attraktiv: 11 Cent bekamen Privatleute 2018 durchschnittlich für jede Kilowattstunde gutgeschrieben, die sie von ihrer PV-Anlage ins öffentliche Netz einspeisten. Um die gleiche Menge als Verbraucher aus dem Netz zu beziehen, mussten sie dagegen im Schnitt an die 30 Cent zahlen.

Wer zur lokalen Energiewende beitragen und von Strompreissteigerungen unabhängig sein will, für den rechnet sich die Heimspeicher-Lösung angesichts dieses Trends vor allem dann, wenn viel von dem selbst erzeugten Strom selbst verbraucht wird – etwa über das Aufladen eines Elektroautos oder den Betrieb einer Wärmepumpe. „Prinzipiell ist es erst einmal günstig, den Eigenverbrauch so hoch wie möglich zu halten“, empfiehlt Jan Figgener, Projektleiter am ISEA. Was es rund um die Planung, Nutzung und Förderung von Heimspeichern zu beachten gibt, zeigt ein Video der EnergieAgentur.NRW, das Experten zu Wort kommen lässt und konkrete Handlungsempfehlungen gibt.

Zuwächse auch bei stationären Großspeichern

Auch bei Großspeichern verzeichnet die Studie ein großes Plus. Deren Kapazität lag auf das Jahr 2018 bezogen bei rund 550 Megawattstunden. Sie wurden vorrangig zur Stabilisierung der Stromnetze eingesetzt. „Stationäre Batteriespeicher können am schnellsten auf Frequenzschwankungen reagieren“, erklärt Robinius ihren systemdienlichen Vorteil. Mit einem weiteren Zuwachs rechnen die Wissenschaftler allerdings nicht. „Die rasante Entwicklung in diesem Bereich hat bereits einen Sättigungspunkt erreicht und wird sich in den nächsten Jahren in der bisherigen Dynamik nicht weiter fortsetzen“, lautet die Prognose.

Stattdessen werden Großspeicher in anderen industriellen Anwendungen künftig interessant, erwarten die Studienautoren. Etwa als Komponenten zum Aufbau eines Smart Grids zur autarken Energieversorgung von Unternehmen oder als Pufferspeicher für die Schnellladung von Elektroautos. „Hier wird der Markt in den nächsten Jahren noch deutlich wachsen, wenn Unternehmen anfangen, das Potenzial von Batteriespeichern in diesen Anwendungen zu erkennen“, sagt Peter Stenzel, Mit-Autor der Studie.