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Leitfaden: So werden geplante Windenergieanlagen realitätsnah visualisiert

Je näher die Visualisierung neuer Windenergieanlagen (Foto) der Realität nach der Errichtung entspricht, desto zuträglicher ist sie für Planung und Beteiligung. © Ramboll Deutschland GmbH

| Kira Crome |

Zu dominant? Zu hässlich? Zu groß? Wenn neue Windenergieanlagen entstehen sollen, wirft das viele Fragen auf. Fotomontagen sollen Abhilfe schaffen und eventuelle Beeinträchtigungen möglichst objektiv darstellen. Nicht immer sind solche Visualisierungen gut gemacht. Nun hat die Planungspraxis einheitliche Qualitätskriterien erarbeitet. Ein Leitfaden zeigt auf, wie sachgerechte fotobasierte Darstellungen entstehen und bei der Windenergieplanung bewertet werden.

Wenn neue Windenergieanlagen geplant werden, interessiert die Menschen vor Ort vor allem eins: Wie sehr werden sie das gewohnte Landschaftsbild verändern? Viele tun sich schwer, sich vorzustellen, wie geplante Anlagen optisch wirken werden, wenn sie erst einmal errichtet sind. Fotomontagen sollen Abhilfe schaffen und die optischen Auswirkungen möglichst objektiv darstellen. Sie sind ein wichtiges Instrument, um bei der Planung und Genehmigung von neuen Windenergieanlagen die Raumwirkung der Bauwerke zu beurteilen. Auch können anhand von Fotomontagen verschiedene Planungsalternativen miteinander verglichen werden und Änderungen beispielsweise an Höhe oder Dichte sichtbar machen. Bei der Bürgerbeteiligung eingesetzt, vermitteln sie den Betroffenen ein Bild von der späteren Situation oder von denkbaren Optionen und helfen auf diese Weise, Missverständnisse zu vermeiden.

„Visualisierungen sind gerade bei konfliktträchtigen Planungen hilfreich“, sagt Tomke Lisa Menger von der EnergieAgentur.NRW. „Denn Konflikte entzünden sich oft daran, dass verschiedene Akteure von unterschiedlichen Auswirkungen des Projekts auf die Umgebung ausgehen.“ Allerdings zeigt sich in der Praxis, dass Visualisierungen nicht immer zuverlässig und sachgerecht sind. „Stellt sich nach dem Bau heraus, dass die Visualisierung deutlich von den tatsächlichen Ausmaßen der Anlagen abweicht, ist ein Konflikt vorprogrammiert“, erklärt Menger. Ein weiteres Problem: Wenn Befürworter und Gegner eines geplanten Projekts jeweils eigene Visualisierungen vornehmen, die mit unterschiedlichen Datengrundlagen und Maßstäben arbeiten und deshalb in ihrer Darstellung voneinander abweichen, stehen schnell gegenseitige Vorwürfe im Raum. Handwerklich falsch gemacht, werden die Hilfsinstrumente oft selbst zum Gegenstand von Konflikten – und verzögern das Planungsverfahren.

„Eine glaubwürdige und transparente Planung von Windenergieanlagen ist der Schlüssel zu deren Akzeptanz. Bei Visualisierungen darf daher weder beschönigt noch dramatisiert werden“, sagt Gunnar Wobig, von der Landesenergie- und Klimaschutzagentur Mecklenburg-Vorpommern (LEKA MV). Realitätsnahe Visualisierungen können Debatten und Entscheidungen versachlichen – vorausgesetzt, sie sind sachgerecht. Bislang gab es dafür aber keine einheitlichen Fachstandards. „Die Qualität solcher Visualisierungen brennt vielen Akteuren der umwelt- und naturverträglichen Energiewende unter den Nägeln“, beobachtet Antje Wagenknecht von der Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind).

In Zusammenarbeit mit der Planungspraxis haben die FA Wind, die LEKA MV sowie das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE) diesen Mangel nun behoben. Der Leitfaden „Gute fachliche Praxis für die Visualisierung von Windenergieanlagen“ beschreibt Anforderungen an eine fotobasierte Visualisierung hinsichtlich der Methodik und der Darstellung sowie der speziellen Erfordernisse je nach Fachbereich und Aufgabenstellung. „Eine Vereinheitlichung und Vereinfachung von technischen Parametern führt dazu, dass Visualisierungen unterschiedlicher Akteure für die Projektplanung genutzt werden können, da sie miteinander vergleichbar werden“, sind die Autoren überzeugt.

Der Leitfaden klärt grundsätzliche Fragen: Wie nimmt der Mensch seine Umgebung visuell wahr? Wie fängt die Kamera wirklichkeitsnah ein, was das menschliche Auge sieht? Was braucht es, um geplante Windenergieanlagen in der Landschaft darzustellen? Welche Rolle spielen die Wetterbedingungen, um die Veränderung der Landschaft mithilfe einer Visualisierung repräsentativ darzustellen? Schritt für Schritt wird die Methodik zur Anfertigung von Visualisierungen erläutert. Neben der Frage zur Bestimmung des Betrachtungspunkts geht es auch um technische Aspekte wie die Beschaffung der Datengrundlage, die Aufnahme von Fotografien und die Abstimmung mit Fachämtern. Ein Glossar und Checklisten zur Erstellung von Visualisierungen, zur Bewertung eines Fotos sowie zur Prüfung von Visualisierungen geben kompakte Hilfsmittel an die Hand, entlang aller notwendigen Schritte bis hin zur finalen Visualisierung.

Der Leitfaden soll es allen involvierten Akteuren ermöglichen, eine Visualisierung korrekt anzufertigen und die Qualität einer Visualisierung korrekt zu beurteilen. Die Inhalte wurden mit Hilfe von Expertinnen und Experten aus Fachbehörden des Denkmalschutzes, von Fachgutachtern, Visualisierungsexperten sowie Praktikerinnen und Praktikern der Windenergiebranche über den Zeitraum von mehr als einem Jahr erarbeitet.