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KNE-Studie beziffert Ertragseinbuße durch die Anlagenabschaltung für den Vogelschutz

Rotmilan © WZ-digital-photography/Pixabay

| Kira Crome |

Detektionssysteme an Windenergieanlagen erkennen anfliegende Groß- und Greifvögel – und schalten die Anlagen automatisch ab. Was dem Artenschutz dient, führt zu Einbußen bei der Stromproduktion. Wie groß die Ertragsausfälle sind, zeigt eine Studie im Auftrag des Kompetenzzentrums Naturschutz und Energiewende: Die bedarfsgerechte automatische Abschaltung verursacht demnach weitaus geringere Ertragseinbußen als die pauschale Abschaltung.

Mithilfe hochauflösender radar- oder computergestützter Kameratechnik können intelligente Detektionssysteme Vögel erkennen, die einer Windenergieanlage gefährlich nahekommen. Schlägt die Technik Alarm, wird die Anlage automatisch abgeschaltet. Vor allem gefährdete Groß- und Greifvogelarten wie Rotmilan und Seeadler sollen so beim Ausbau der Windenergienutzung effektiver geschützt werden. Ein weiterer Vorteil solcher technischen Lösungen: Künftig könnte damit Windstrom auch an solchen Standorten erzeugt werden, die bislang aus Sicht des Artenschutzes nicht infrage gekommen oder nur mit ausgedehnten pauschalen Abschaltzeiten genehmigt worden wären.

Solche Detektionssysteme werden derzeit in der Praxis erprobt. Um wirklich effektiv zu sein, müssen die Detektionssysteme nicht nur anfliegende Vögel in Echtzeit erfassen, sondern auch korrekt identifizieren. Zudem müssen die einzelnen technischen Module zuverlässig reagieren und die Anlagen entsprechend abschalten. „Der Einsatz technischer Systeme zur automatischen Erfassung von Vögeln im Umfeld einer Windenergieanlage ist für einige Betreiber die letzte Hoffnung beziehungsweise das letzte Mittel, um ein Projekt artenschutzkompatibel umsetzen zu können“, sagt Elke Bruns, Leiterin der Fachinformation im Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE).

Trotz dieser Vorzüge stehen Anlagenbetreiber dem Einsatz der Technik zum Teil skeptisch gegenüber. Sie fürchten, dass durch die automatisierte Abschaltung im Bedarfsfall unvorhersehbare Ertragseinbußen bei der Stromproduktion entstehen. Bislang war es schwierig, abzuschätzen, wie sich die automatisierte Abschaltung auf die Energieausbeute einer Windenergieanlage auswirkt. Es fehlten Orientierungswerte, um die Größenordnung wirtschaftlicher Ertragsausfälle benennen zu können.

Das KNE führt seit längerem im Rahmen eines vom Bundesamt für Naturschutz geförderten Forschungs- und Entwicklungsvorhabens einen Dialog mit Wissenschaft und Praxis über die konkreten Anforderungen an technische Überwachungs- und Abschaltsysteme an Windenergieanlagen – und die besonderen Herausforderungen in der Anwendung. Um die Frage der Wirtschaftlichkeit belastbarer beantworten zu können, hat das KNE eine Studie dazu in Auftrag gegeben. Sie sollte erste Anhaltspunkte dafür liefern, wie lang und wie häufig eine Anlage abgeschaltet werden kann, um dennoch wirtschaftlich zu sein und ab wann sich der Einsatz eines technischen Systems etwa gegenüber einer pauschalen Abschaltung für den Betreiber lohnt.

Als Grundlage für ihre Berechnungen haben die Studienautoren der ARSU GmbH und des 8.2 Ingenieurbüro Holzmüller beispielhaft verschiedene Szenarien für die Flugaktivität des Rotmilans entwickelt. Basis dafür waren umfassende Daten zum Flugverhalten der Greifvögel, die ganztägig über mehrere Monate hinweg in einem Umkreis von 350 Metern um sechs Windenergieanlagen an Standorten mit hohem Rotmilan-Vorkommen erfasst wurden. Sie wurden mit Flugaktivitätsdaten aus visuellen Raumnutzungsbeobachtungen an 73 Windenergieanlagenstandorten in Deutschland abgeglichen. Die sechs Untersuchungsanlagen waren mit dem Detektionssystem IdentiFlight ausgestattet. Die von den Flugaktivitäten ausgelösten Abschalt-Daten, also wie lang und wie oft die Anlagen abregelt wurden, flossen ebenfalls in die Analyse ein. Anhand ausgewählter Parameter haben die Autoren pro Anlagenstandort die Ertragsverluste bei der Stromproduktion abgeschätzt.

Das Ergebnis: Im Durchschnitt sind durch die automatisierte Abschaltung im Bedarfsfall jährliche Ertragseinbußen von 0,4 bis 2,3 Prozent pro Anlage zu erwarten. Die Ausfälle sind im Vergleich zu einer pauschalen Abschaltung deutlich geringer. Diese senkt die Energieausbeute um durchschnittlich 28,6 Prozent. Dabei hat sowohl der Anlagentyp als auch die Nabenhöhe keinen nennenswerten Einfluss auf die Höhe der Ertragsverluste.

Weiterführende Informationen:

Reichenbach et al. (2020): Wirtschaftliche Aspekte ereignisbezogener Abschaltung zum Vogelschutz an Windenergieanlagen. Brutplatzszenarien – Ertragseinbußen – Einfluss auf die Anlagentechnik

Informationen zum Praxisdialog: Anforderungen an technische Überwachungs- und Abschaltsysteme an Windenergieanlagen

https://www.naturschutz-energiewende.de/aktuelles/kne-veroeffentlicht-studie-zu-wirtschaftlichen-aspekten-ereignisbezogener-abschaltung/