Kontakt

Sie erreichen uns über die kostenlose Hotline des zentralen Service-Centers des Landes NRW.
Das Team beantwortet Ihre Anliegen – soweit möglich – direkt oder leitet Sie an den richtigen
Ansprechpartner der EnergieAgentur.NRW weiter.

0211 / 837–1001

E-Mail: blog.erneuerbare@energieagentur.nrw

Beiträge

Gute Planung: Checkliste für Solarparks im Einklang mit Natur und Umwelt

© stux/Pixabay
Eine freiwillige Selbstverpflichtung für die Solarpark-Planung soll Best Practice zum Standard erheben. © stux/Pixabay

| Kira Crome |

Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft hat eine Checkliste zur „guten Planung“ von PV-Freiflächenanlagen entwickelt. Sie legt Standards für die Errichtung neuer Solarparks fest, die über die regulatorischen Vorgaben hinaus gehen. Mit der Unterzeichnung verpflichten sich Solarpark-Projektierer und Betreiberunternehmen dazu, neue Anlagen naturverträglich zu gestalten, den Erhalt der Artenvielfalt zu fördern und die Akzeptanz vor Ort zu stärken.

Richtig angelegt können Solarparks zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen. Das zeigt eine unlängst veröffentlichte Studie. Für Flora und Fauna sind nicht nur große Abstände zwischen den Modulreihen wichtig. Werden die Flächen an Stelle einer Grasmonokultur naturverträglich gestaltet und gepflegt, finden Pflanzen, Insekten, Reptilien und Brutvögel dort neuen Lebensraum. Auf vielen der untersuchten Solarparkflächen fanden die Forscher einen größeren Artenreichtum als in der umgebenden Landschaft (wir berichteten). Jetzt wird in einem von der Deutschen Umweltstiftung geförderten Forschungsprojekt an einem Umweltauditsystem gearbeitet, um besonders den ökologischen Mehrwert naturnah angelegter PV-Freiflächenanlagen – zum Beispiel als Trittsteinbiotope – bewerten und kennzeichnen zu können. Doch im Windschatten des Ausbautrends der Photovoltaik keimt vielerorts Kritik auf. Dabei geht es nicht allein um ökologische Aspekte.

Während der Windenergiezubau in vielen Regionen ins Stocken geraten ist, wächst die Zahl der Solarpark-Projekte. Angesichts der Preisentwicklung sind neue Photovoltaik-Anlagen nicht mehr unbedingt auf die EEG-Vergütung und die Zuschlagsergebnisse der Ausschreibungen angewiesen; immer mehr Anlagen entstehen auf Basis von Stromlieferverträgen zwischen Anlagenbetreibern und Stromabnehmern (PPA). Wären ausreichend Speicher vorhanden, könnten neue Anlagen auf zwei bis drei Prozent der landwirtschaftlichen Fläche den Strombedarf in ganz Deutschland decken, erklärt der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne). Dies sei nur ein kleiner Teil der Fläche, die aktuell zum Anbau von Energiepflanzen hierzulande verwendet werde. Doch die Suche nach geeigneten Flächen gestaltet sich oft schwierig. Anwohner vor Ort fühlen sich bei der Planung nicht mitgenommen; Landwirte fürchten den Verlust ertragsstarker Nutzflächen.

Freiwillige Selbstverpflichtung zur „guten Planung“
Um dem entgegenzusteuern, hat der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) einen Kriterienkatalog zur „Guten Planung von PV-Freiflächenanlagen“ entwickelt. Die Checkliste geht über den Natur- und Umweltschutz hinaus. Das Maßnahmenpaket mit insgesamt fünf Handlungsfeldern soll auch sicherstellen, dass neue Solarpark-Projekte jenseits von Umweltaspekten positive Beiträge zur ländlichen Entwicklung und zur lokalen Akzeptanz leisten. „Auch für Gemeinden, Landwirte und Bürger können so die Vorteile der klimafreundlichen Stromerzeugung vor Ort gesichert werden“, sagt bne-Geschäftsführer Robert Busch. Anlagen, die anhand der „Guten Planung“-Checkliste realisiert wurden und die Standards einhalten, sollen mit einem „bne-gute Planung“-Label ausgezeichnet werden.

Mit der Initiative will der Verband Projektierer und Betreiber zur freiwilligen Selbstverpflichtung bewegen. „Die Checkliste soll einen Qualitätsstandard für die Zukunft setzen“, erklärt Busch. „Die unterzeichnenden Unternehmen stehen für einen großen Teil des deutschen PV-Freiflächenmarktes und wollen einen über die regulatorischen Vorgaben hinausgehenden Beitrag leisten.“ 17 Unternehmen haben den Kriterienkatalog bereits unterzeichnet. Weitere sollen folgen.

Fünf Handlungsfelder zur Förderung der lokalen Akzeptanz
Das Label erhält, wer sich um eine frühzeitige Information und Beteiligung der Gemeinde und ihrer Bürger am Projekt bemüht und bei der Planung Naturschutzverbände vor Ort eingebunden hat. Außerdem sollen die Gemeinden einen finanziellen Beitrag des Anlagenbetreibers erhalten, während die Anwohner von günstig regional erzeugtem Strom oder anderweitigen Vorteilen profitieren sollen. Noch würden die regulatorischen Vorgaben für solche Beteiligungsmöglichkeiten nicht ausreichen, heißt es in dem Papier. Die Unterzeichner fordern eine „möglichste einheitliche rechtssichere Regelung für beide Seiten“, die „auch für förderfrei errichtete PV-Freiflächenanlagen nutzbar sein“ muss.

Die Unterzeichner verpflichten sich darüber hinaus bei der Standortsuche zu einem fairen Umgang mit Landwirten. Bevorzugt werden sollen sogenannte Niedrigertragsstandorte und intensiv genutzte Ackerflächen. Vor allem letztere sollen naturschutzfachlich gegenüber ihrer vorherigen Nutzung aufgewertet werden. Daneben sollen Maßnahmen zur Gestaltung der Flächen eines Solarparks gewählt werden, die sich besonders dazu eignen, die Artenvielfalt in Flora und Fauna zu erhöhen. Dazu zählen Streuobstwiesen, Gehölze und Hecken, Feuchtgebiete, Nistkästen und Trockenmauern, um eine möglichst hohe Strukturvielfalt zu schaffen. Werden die Flächen zwischen den Modulreihen als extensives Grünland bewirtschaftet, verpflichten sich die Unterzeichner zur Nutzung von gebietsheimischem Saatgut. Sofern es das Anlagenkonzept zulässt, werden neben der Energieproduktion auch Mehrfachnutzungen im landwirtschaftlichen Kontext ermöglicht. Beispiele dafür werden zum Beispiel im Schwarzwald und am Bodensee unter dem Stichwort Agriphotovoltaik derzeit erprobt.

Außerdem sollen sich neue Freiflächenanlagen in ihrer Bauweise so gut wie möglich an die Topografie der Landschaft anpassen. Dort, wo es das Gelände notwendig macht, sollen Projektierer mit geeigneten Visualisierungen aufzeigen, wie sich die geplante Anlage in das Landschaftsbild einfügt.

Letztes Handlungsfeld ist die eingesetzte Technik. Dabei geht es um die Sicherheit vor Blendung durch die Solarmodule, um den Verzicht auf Freileitungen und um die bereits mitgedachte spätere Erweiterung der Anlage mit Speichern. Zudem sollen ausschließlich solche Komponenten verbaut werden, die hohe Effizienzstandards erfüllen. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass die installierte Leistung vergleichsweise wenig Fläche beansprucht.

Weiterführende Informationen:

BNE 2020: Gute Planung von PV-Freilandanlagen. Wie sich Energiewende, Umwelt- und Naturschutz vereinen lassen