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Gondelmonitoring verbessert Fledermausschutz und erhöht Stromerträge

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Die Jahreszeit und das Wetter beeinflussen, wie aktiv Fledermäuse sind. © Cparks/Pixabay

| Kira Crome |

Um Fledermäuse vor Kollisionen mit Windenergieanlagen zu schützen, werden Anlagen abgeschaltet. Ein Gondelmonitoring soll die meist pauschal angeordneten Abschaltzeiten genauer an die tatsächlichen Fledermausaktivitäten am Standort anpassen. Ob das den Anlagenbetreibern zu höheren Stromerträgen verhilft, hat die Fachagentur Windenergie an Land in einer Betreiberumfrage untersucht.

Im Windpark Hasselbach auf der Gemeindegrenze zwischen Bielefeld und Verl sind die Anlagen durchschnittlich 18 Stunden täglich in Betrieb. Die übrige Zeit stehen sie still. Nicht nur, weil der Wind fehlt. Sie werden auch abgeschaltet, damit heimische Fledermäuse nicht mit den Rotorblättern kollidieren. Ursprünglich waren die Abschaltzeiten pauschal von den Genehmigungsbehörden festgelegt worden. Ein Gondelmonitoring soll nun zeigen, welche Fledermausarten im Umfeld des Windparks aktiv sind und wann. Damit könnten die Abschaltzeiten genauer an die über zwei Jahre hinweg registrierten Fledermausaktivitäten um die Anlagenstandorte herum angepasst und gegebenenfalls insgesamt verkürzt werden. Für die Betreibergesellschaft wäre das eine gute Nachricht: Längere Betriebszeiten bedeuten höhere Stromerträge. Aber führt ein Gondelmonitoring in der Praxis immer dazu? Diese Frage hat die Fachagentur Windenergie an Land unlängst anhand einer Betreiberumfrage untersucht.

Fledermausschutz durch Abschaltzeiten
25 Fledermausarten sind in Deutschland beheimatet. Das Braune Langohr, Bechstein- und Mopsfledermäuse leben und jagen im Wald, der Große Abendsegler gehört zu den wandernden Arten und bevorzugt offene Flächen am Waldrand. Überall, wo Windenergieanlagen errichtet werden sollen, muss im Zuge des Genehmigungsverfahrens geprüft werden, ob und welche Fledermausarten dort vorkommen und wie groß das Kollisionsrisiko ist. Auf Grund der gutachterlichen Voruntersuchungen werden gegebenenfalls Zeiten festgelegt, an denen eine Anlage aus Artenschutzgründen stillstehen muss. Wie aktiv Fledermäuse sind, hängt von der Jahreszeit ab, aber auch vom Wetter: Wind, Temperatur und Regen beeinflussen das Verhalten der Tiere. Oft werden Windenergieanlagen zum Schutz der Tiere kurz vor Sonnenuntergang und bis kurz nach Sonnenaufgang bei Windgeschwindigkeiten von bis zu sechs Metern pro Sekunde und Temperaturen ab zehn Grad abgeschaltet. Ist es windiger und kühler, oder regnet es, sind Fledermäuse eher nicht unterwegs. Liegen den Genehmigungsbehörden keine detaillierteren Daten vor, legen sie umfassendere Abschaltzeiten, meist durchgängig von April bis November, fest. Diese pauschale Abschaltung kann dann im laufenden Betrieb der Anlage im Einzelfall überprüft werden. Dafür werden Aufnahmegeräte am hinteren Ende der Gondel und zum Teil zusätzlich am Turm installiert. Zwei Jahre lang erfassen die Detektoren Länge und Tonlage der Fledermausgeräusche um die Anlage herum, um die Aktivitäten der jeweiligen Arten im Rotorbereich der Windenergieanlage zu bestimmen. Jedes Jahr entsteht ein Zwischenbericht. Weichen die Ergebnisse stark voneinander ab, wird oft ein weiteres drittes Jahr drangehängt.

Gondelmonitoring präzisiert das Wissen über das Verhalten von Fledermäusen
Das Gondelmonitoring dient dazu, den optimalen Abschaltalgorithmus für die Betriebszeiten der Windenergieanlage standortbezogen zu ermitteln und für die restliche Betriebszeit festzulegen. Aus Sicht des Artenschutzes gilt dieses Vorgehen als anerkannte Methode zum Fledermausschutz, die überdies das Wissen um Vorkommen und Verhalten vor Ort verbessert. Umfangreiche Forschungsprojekte zur eingesetzten Technik und Datenanalyse haben die Wirksamkeit belegen können. Bislang war allerdings unklar, wie sich dieses Instrument auf die wirtschaftlichen Ertragsveränderungen genau auswirkt und ob sich durch eine nachträgliche Anpassung der Abschaltzeiten auf Basis der Gondelmonitoring-Daten die anfänglichen Ertragsverluste verringern – oder erhöhen.

Die Betreiberbefragung der Fachagentur Windenergie an Land zeigt: Fast alle untersuchten Windenergieanlagenprojekte sind von Schutzabschaltungen betroffen. Dabei steigt die Tendenz zum Durchführen eines Gondelmonitorings während des Betriebs der Anlagen. In Einzelfällen wurde gerade bei neueren Anlagen ein über zwei Jahre hinaus längerer Monitoring-Zeitraum oder auch eine Wiederholung des Monitorings nach einigen Jahren angeordnet. In jedem zweiten untersuchten Windenergieanlagenprojekt (52 %) basierten die Abschaltvorgaben auf Voruntersuchungen; in 70 Prozent der Fälle wurden die Abschaltungen außerdem pauschal angeordnet. Nur bei einem kleinen Teil der untersuchten Fälle (13 %) wurden die Abschaltzeiten erst auf Basis des Gondelmonitorings im laufenden Betrieb definiert.

Gondelmonitoring führt in vielen Fällen zu kürzeren Abschaltzeiten und höheren Stromerträgen
Bei fast allen untersuchten Windenergieanlagenprojekten (92 %) hat das Gondelmonitoring zu Anpassungen der pauschalen Abschaltzeiten geführt. Die befragten Betreiber gaben Ertragseinbußen nach Abschluss des meist zweijährigen Gondelmonitorings in einer Spanne von 0 bis 13 Prozent an. „Bei der Hälfte der Vorhaben lag der Verlustbereich bei zwei Prozent“, schreiben die Autoren. Bei etwa zwei Dritteln der untersuchten Projekte hat das Gondelmonitoring im Ergebnis die Stromerträge verbessert. Bei rund einem Drittel haben die Erkenntnisse aus dem Gondelmonitoring zu deutlich längeren Abschaltzeiten geführt, so dass die Erträge für die restliche Betriebszeit der jeweiligen Anlage nochmal sanken. In sieben Prozent der untersuchten Fälle blieben die Erträge unverändert im Vergleich zu den anfänglichen Verlusten.

Außerdem wurden regionale Unterschiede deutlich: „Im Süden und in der Mittelgebirgsregion, wo die Vorhaben meist im Wald realisiert wurden, sind die Ertragsverluste insgesamt etwas höher als in den nordwest- und nordöstlichen Regionen“, stellen die Autoren fest. Allerdings seien die Stichproben nur sehr klein. „Mit knapp fünf Prozent der seit 2012 in Betrieb gegangenen Windenergieanlagen zeigt die Umfrage nur einen kleinen Ausschnitt der Situation in Deutschland mit Blick auf Fledermausabschaltungen“, räumen die Autoren ein.

Weiteres Ziel der Umfrage war, Informationen über eingesetzte Schwellenwerte sowie Art und Umfang der beauflagten Abschaltparameter zu gewinnen. Diese wurden den Abschaltvorgaben der Länder − soweit vorhanden − gegenübergestellt. Das Ergebnis: In allen verfügbaren Landesvorgaben seien mittlerweile Regelungen zu parameterbasierten Schutzabschaltungen integriert und eine Anpassung der Abschaltauflagen im Rahmen eines Gondelmonitorings möglich. Differenzen gebe es bei den Schwellenwerten zur Festlegung der zulässigen Anzahl an Schlagopfern. Diese müsse von den zuständigen Behörden festgestellt werden.

Weiterführende Information:

FA Wind (2020): Fledermausschutz an Windenergieanlagen – Ergebnisse einer Betreiberumfrage zum Gondelmonitoring