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Energiewende: Schneller zu mehr Klimaschutz – und sozial gerechter

© seagul/Pixabay
© seagul/Pixabay

| Kira Crome |

Immer mehr Menschen sehen in der Energiewende eine Gemeinschaftsaufgabe, gleichzeitig aber wächst die Kritik an der Steuerung des Umsetzungsprozesses: Beim Klimaschutz soll es schneller vorangehen, aber auch sozial gerechter. Das zeigt eine Umfrage des Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS), die die soziale Dimension der Energiewende genauer beleuchtet.

Die Deutschen befürworten die Energiewende. Das zeigen die regelmäßig hohen Zustimmungswerte in den jährlichen Umfragen. Aber was genau halten die Menschen von dem Gemeinschaftsprojekt? Vor zwei Jahren haben Sozialwissenschaftler des Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) in Potsdam gemeinsam mit Forschungspartnern erstmals danach gefragt, wie gerecht die Deutschen die Energiewende empfinden. Jetzt haben die Wissenschaftler erneut die Haltung zur Energiewende untersucht und dazu über 6.500 Menschen quer durch alle Bildungs-, Einkommens- und Altersgruppen zu ihren Einstellungen, Erfahrungen und Präferenzen befragt.

Auch das zweite „Soziale Nachhaltigkeitsbarometer der Energiewende 2018“ nimmt die soziale Dimension der Energiewende in den Blick – und zeichnet ein differenziertes Bild: 90 Prozent der Befragten sagen klar, dass wir die Energiewende brauchen. Das sind sogar fünf Prozent mehr als bei der ersten Erhebung. Zudem sehen immer mehr Menschen die Energiewende als Gemeinschaftsaufgabe, an der sie selbst mitwirken möchten. Andererseits vermissen sie eine klare Strategie zur Steuerung des Umsetzungsprozesses. Hatte bei der ersten Erhebung die positive Einschätzung deutlich überwogen, ist mittlerweile für viele Menschen der Plan, der zum Ziel führt, nicht mehr zu erkennen: Drei Viertel der Befragten finden die Energiewende chaotisch gemanagt, zu teuer, sozial ungerecht und zu elitär. Letzteres gelte selbst für die Menschen, die schon selbst in Erneuerbare-Energien-Anlagen allein oder gemeinschaftlich investiert hätten.

Kein „Weiter so“
Die kritische Sicht auf die Fortschrittsbemühungen der Energiewende hat demnach deutlich zugenommen. „Mit der Umsetzung der Energiewende verbinden viele inzwischen ein zu wenig abgestimmtes und geordnetes Vorgehen der Parteien. Bemerkenswert dabei ist, dass es vielen schlicht und ergreifend mit der Energiewende nicht schnell genug voran geht“, sagt Ortwin Renn, geschäftsführender Direktor des IASS. „Gleichzeitig wollen sie aber, dass diejenigen, die unter den möglichen Belastungen der Energiewende leiden, auch solidarisch von den anderen unterstützt werden.“

Die Studienautoren werten das als deutliches Zeichen gegen ein Weitermachen wie bisher. Im Fokus der Bürgersicht auf eine besser gesteuerte Energiewende stehen eine gerechtere Verteilung der Kosten und ein lösungsorientierter Umgang mit Zielkonflikten. „Vor allem scheint wichtig: Diejenigen, die von der Energiewende betroffen sind, müssen sich als Gewinner der Energiewende fühlen können, nicht als Leidtragende“, sagt René Mono, Vorstand der 100 prozent erneuerbar Stiftung, einem Forschungspartner der IASS-Erhebung.

Schneller mehr Klimaschutz, aber solidarisch
Politische Steuerung und Gerechtigkeit, aber auch Bürgernähe und Kosten sind die zentralen Aspekte, mit denen der Umsetzungsprozess nicht punkten kann. Dennoch befürworten die Befragten einkommens- und parteiübergreifend die gesteckten Klimaschutzziele bis 2020 – auch wenn sie vielleicht verfehlt werden. Während die Hälfte der Befragten sich für eine Verschiebung der Zielmarken nach hinten aussprechen, damit die betroffenen Regionen und die Industrie mehr Zeit für die Umstellung gewinnen, will knapp über ein Drittel unbedingte Priorität auf schnelle Klimaschutzmaßnahmen gelegt wissen – trotz der Belastungen, die dadurch in den Regionen entstehen. Klimaschutz und sozialer Ausgleich gehen demnach Hand in Hand. „Beide Aspekte müssen in zentralen Bereichen der Energiewende stärker zusammengebracht werden“, sagt Studienautorin Daniela Setton vom IASS.

Ein konkretes Beispiel ist die Windenergienutzung: Fast die Hälfte der Befragten findet eine Bürgerbeteiligung bei der Windenergieplanung wichtiger als den schnellen Ausbau. Bürgerinnen und Bürger sollen nicht nur in den Planungsprozess mit einbezogen werden, sondern sogar die letzte Entscheidung darüber haben, ob in einer Region weitere Windenergieanlagen gebaut werden.

 © Soziales Nachhaltigkeitsbarometer 2018, IASS/dynamis

© Soziales Nachhaltigkeitsbarometer 2018, IASS/dynamis

Damit bleibt die Windenergienutzung weiterhin ein Testfeld der demokratischen Mitbestimmung. Ein weiteres Ergebnis: Auch bei großer Betroffenheit von Windenergieanlagen im unmittelbaren Wohnumfeld fühlen sich die Menschen mehrheitlich nicht davon gestört. Allerdings verkehrt sich die Wahrnehmung ins Negative, wenn sich die Anlagen in geringer Entfernung vom Wohnhaus stark häufen. Dieser Befund sei ein Indiz dafür, dass die Anzahl der Anlagen im Wohnumfeld für die Akzeptanz ausschlaggebender sei als allein der Abstand, schreiben die Autoren. Dieses Einflusskriterium solle in der politischen Diskussion um den Rückhalt des Windenergieausbaus künftig stärker berücksichtigt werden, lautet ihre Empfehlung.

 © Soziales Nachhaltigkeitsbarometer 2018, IASS/dynamis

© Soziales Nachhaltigkeitsbarometer 2018, IASS/dynamis

Wohnsituation entscheidet über Mitwirkungsmöglichkeiten
Großen Rückhalt erfährt dagegen die Solarenergienutzung auf dem Dach. „80 Prozent der Befragten sind für den Ausbau von PV-Dachanlagen. Mit Protest oder Ablehnung ist hier nicht zu rechnen“, sagt Setton. Bislang ist der Anteil der „Prosumer“, die allein oder gemeinschaftlich in eine eigene Wind- oder Solaranlage investiert haben, allerdings noch klein (9 Prozent der Befragten). Viele Menschen seien zwar prinzipiell bereit, durch eigene Investitionen an der Energiewende mitzuwirken, darunter auch einkommensschwächere Haushalte. Es hapert aber an der konkreten Umsetzung. 41 Prozent der Befragten glauben, dass sie als Mieterinnen und Mieter gar keine Möglichkeit dazu hätten, 56 Prozent finden, dass die Investition sich für sie nicht lohne oder zu teuer sei. „Es fehlt also an den passenden Rahmenbedingungen“, schließen die Autoren aus den Umfrageergebnissen und mahnen mehr konkrete und praktikable Mitwirkungsmöglichkeiten für Mieterinnen und Mieter an. Dies würde die Energiewende auch stärker in die Städte bringen. Auch Hausbesitzer im Eigenheim gelte es stärker zu aktivieren, etwa durch zielgruppenspezifische Anreize und tragfähige Geschäftsmodelle.

Mit 6.500 Befragten stützt sich die Erhebung auf eine große Grundgesamtheit. Für Forschung und Wissenschaft ist das eine ernst zu nehmende Datenlage. Und die zeigt deutlich: Die Ziele der Energiewende sind nicht umstritten, gehadert wird aber mit den bislang eingeschlagenen Wegen, um diese Ziele zu erreichen. „Es fehlt an praktikablen, attraktiven und bezahlbaren Handlungsalternativen zum Verbrauch fossiler Energien für die Menschen im Alltag“, sagt Setton, „beispielsweise bei der Mobilität, aber auch beim Heizen.“ Die meisten Menschen seien bereit, mehr für den Klimaschutz zu tun und dafür auch tiefer in die Tasche zu greifen. Höhere Energiepreise für den Klimaschutz werden durchaus als gerechtfertigt empfunden. Doch mehr bezahlen wollen die meisten nur, wenn es dafür auch Entlastungen gibt – und die richtigen Anreize.

Weiterführende Informationen:

Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS): Soziales Nachhaltigkeitsbarometer 2018.