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Ein feiner Unterschied: Installierte Leistung und tatsächliche Erzeugung

© andreas160578/Pixabay

| Kira Crome |

Leistung beschreibt, wieviel Strom eine Anlage in einem Moment maximal erzeugen kann. Das heißt aber nicht, dass sie diese Menge über einen gewissen Zeitraum hinweg als „Arbeit“ auch immer liefert. Gelegentlich geraten diese Größenordnungen durcheinander, wenn von der Energiewende die Rede ist. Das erzeugt Verwirrung. Wir erklären die Begriffe – und wann der Zusatz „rein rechnerisch“ hilft, Zahlen richtig zu vermitteln.

Bei der Energiewende geht es meist um Zahlen: um Kapazitäten von Anlagen, Anteile von erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung, Wirkungsgrade, Ausbaupfade. Sie beschreiben Größenordnungen, veranschaulichen Zusammenhänge und prägen gesellschaftliche Debatten. Zahlen helfen, zu versachlichen und zu erklären. Ihre Wirkung entfalten sie aber erst, wenn sie richtig eingeordnet werden und die Leser ihre Bedeutung erfassen. Um Größenordnungen verständlich und bildhaft zu vermitteln, werden häufig Analogien herangezogen. Beispielsweise: „Die Erneuerbare-Energie-Anlage produziert so viel Strom, dass damit 2.400 Haushalte versorgt werden können.“ Ein klares Bild, oder nicht?

Nicht ganz. Wieviel Strom eine Windenergieanlage, eine Solaranlage oder ein anderes stromerzeugendes Kraftwerk erzeugen kann, beschreibt die Leistung. Leistung wird in der physikalischen Einheit Watt (Kilowatt=kW, Megawatt=MW) angegeben und beschreibt, wie viel Strom eine Anlage in einem Moment maximal erzeugen kann. In der Energiewirtschaft haben sich zwei verschiedene Begriffe etabliert: Nennleistung und installierte Leistung. Beide sagen das Gleiche aus, deuten aber auf einen feinen Unterschied hin: Die Nennleistung ist eine Herstellerangabe und bezeichnet die höchste Leistung, die im Normalbetrieb ohne zeitliche Einschränkung erbracht werden kann, ohne die Lebensdauer oder Sicherheit der Anlage zu beeinträchtigen. Von der installierten Leistung ist dagegen erst dann die Rede, wenn die Anlage tatsächlich gebaut worden ist.

Noch ein bisschen Physik
Die Kilowatt- oder Megawatt-Angabe beziffert jedoch nicht die tatsächliche Leistung einer Anlage. Wieviel Strom eine Anlage bei einer bestimmten Leistung über einen gewissen Zeitraum hinweg erzeugt, wird in Kilowattstunden (kWh=Kilowattstunden, MWh=Megawattstunden) angegeben. Dieses Maß beziffert physikalisch die Menge an „Arbeit“ einer Anlage, also die Menge an Energie, die tatsächlich ins Netz fließt und für die Stromversorgung zur Verfügung steht.

Zurück zu unserem Bild. Gerade bei den erneuerbaren Energien, die starken Schwankungen unterworfen sind, ist die Nennleistung ein Richtwert, der auf definierten Standardbedingungen definiert. Faktoren, die die tatsächliche Leistung beeinflussen sind zum Beispiel Windgeschwindigkeiten bei Windenergieanlagen, Strahlungsstärke und Temperatur bei Solaranlagen oder Fallhöhen bei Wasserkraftwerken. Eine hohe installierte Leistung ist also nicht gleichbedeutend mit einem hohen Stromertrag. Da Leser meist nur eine vage Vorstellung von der Größenordnung haben, die sich hinter einem, zwei oder vier Megawatt Leistung einer Windenergieanlage oder einer PV-Freiflächenanlage verbirgt, ist ein Vergleich hilfreich – etwa mit dem durchschnittlichen Stromverbrauch von Privathaushalten in Deutschland, wie im obigen Beispiel. Dafür wird meist ein Durchschnittswert von 4-Personen-Haushalten herangezogen. Unmissverständlich wird das Bild aber erst dann, wenn erklärt wird, dass es sich um einen „rein rechnerischen“ Vergleich handelt. So lässt sich vermeiden, dass in dem Bemühen um Anschaulichkeit Äpfel mit Birnen verglichen werden und der Vergleich hinkt.

So gut wie keine Zahl spricht für sich selbst
Mit der installierten Leistung wird im Kontext der Energiewende typischerweise auch die Gesamtleistung aller stromerzeugenden Kraftwerke aus erneuerbaren Energien eines Landes beziffert. Diese Zahl allein sagt aber noch nicht viel beispielsweise darüber aus, wie hoch der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung ist. Zahlen und Statistiken sind für die Leser interessant, wenn sie für sie relevant sind und Fragen beantworten. Wieviel Ökostrom kommt aus meiner Steckdose? Wie „grün“ ist der Strommix in Deutschland? Wie hoch ist der Anteil der Wind- oder Solarenergie? Auch hier gilt es einzuordnen. Dabei muss bei der Darstellung der Angaben aus den verwendeten Quellen auf die Bezugsgrößen geachtet werden. Denn jede Statistik arbeitet etwas anders. Meist wird die Nettostromerzeugung herangezogen. Gemeint ist damit der Strommix aus allen Kraftwerken zur öffentlichen Stromversorgung, der tatsächlich aus der Steckdose kommt. Im Unterschied zur Bruttostromerzeugung, die auch den Anteil der in der Industrie erzeugten Strommengen zum Eigenverbrauch und die internen Verluste der konventionellen Kraftwerke enthält. Diese Anteile werden allerdings nicht in das öffentliche Stromnetz eingespeist. Andere Statistiken arbeiten mit dem Stromverbrauch, wobei hier zwischen Primär- und Endenergieverbrauch unterschieden wird.